Fachhochschule Wiener Neustadt GmbH
Johannes Gutenberg-Straße 3, 2700 Wiener Neustadt
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Triple Assessment Helix for Academic Skills Development

Würdigung der Jury

Das eingereichte Lehrveranstaltungskonzept wurde ausweislich der Unterlagen zum ersten Mal im WiSe 2016/17 an der FH Wiener Neustadt umgesetzt, in den vergangenen Semestern wurde es verfeinert. Zukünftig soll es in adaptierter Form in allen Mastercurricula der Fakultät zur Umsetzung kommen. Vorrangiges Ziel der Veranstaltung ist es, die wissenschaftlichen Kompetenzen von Studierenden zu stärken, insbesondere die Abfassung von Literaturarbeiten und die Durchführung empirischer Forschungsprojekte. Dies geschieht dadurch, dass zwei unterschiedliche hochschuldidaktische Stränge miteinander verbunden werden. In Orientierung am Konzept der Systematic Literature Review erlernen Studierende eine wissenschaftliche Literaturarbeit zu erstellen. Zunächst werden sie mit den Kriterien guter Wissenschaft, den Standards wissenschaftlicher Literaturarbeit sowie mit den einschlägigen Literaturquellen vertraut gemacht. Sodann wird die wissenschaftliche Fragestellung entwickelt und die zur Bearbeitung notwendige Literatur gesucht. Wird das Vorhaben durch die Lehrenden als realisierbar eingestuft, folgt eine Phase der Lektüre und des Exzerpierens der einschlägigen Quellen. Danach wird der Text erstellt, wobei der Strukturierung des Textes und der Entwicklung einer konzisen Argumentation besondere Bedeutung zukommt. Auch der Schreibprozess selbst wird reflektiert. Mit dem Prozess der Erstellung einer wissenschaftlichen Literaturarbeit ist ein dreigliedriges Assessment verbunden. Es umfasst Methoden der Kompetenzüberprüfung mit multimedial aufbereiteten Lernunterlagen und ineinandergreifenden Austausch- und Reflexionsprozessen auf drei Ebenen: (a) Mit Hilfe von Self-Assessment Tools können Studierende den eigenen Kompetenzerwerb einschätzen und selbständig Lernmaßnahmen setzen; (b) im Peer-Assessment findet ein Feedback- und Evaluierungsprozess statt, der von den Studierenden getragen ist; (c) in Form eines begleitenden Coachings und eines Feedbacks zu den Abschlussarbeiten erfolgt eine Kompetenzüberprüfung durch die Lehrende.
Das vorgelegte Lehrveranstaltungskonzept ist in hohem Maß studierendenzentriert und beeindruckt in mehrfacher Hinsicht. Die Studierenden üben sich in unterschiedlichen, miteinander kombinierbaren Formen akademischen Arbeitens, darunter auch in kollaborativer Arbeit, und erfahren so den Alltagsbetrieb von Wissenschaft. Schließlich haben sie bereits im Bachelor-Studium die Möglichkeit, erste Erfahrungen mit einem Forschungsprozess zu machen. Beeindruckend ist zudem das hohe Engagement der Lehrenden, die im Rahmen der Konzeption und Durchführung der Veranstaltung eine Fülle unterschiedlicher Lernmaterialien und Lerninstrumente für diese Veranstaltung erstellt bzw. entwickelt haben. Sehr erfreulich ist schließlich, dass der Studienerfolg der Studierenden mit diesem Konzept deutlich gesteigert werden konnte.
Auszug aus dem Gutachten von Univ.-Prof.in Dr.in Mechthild Dreyer
Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Ziele/Motive/Ausgangslage

Das vorrangige Ziel des Moduls Academic Skills ist die Förderung und Stärkung der wissenschaftlichen (Forschungs-)Kompetenzen von Studierenden. Allerdings werden Wissenschaft und Forschung oft als abstrakte Konstrukte wahrgenommen, deren Integration in den studentischen – aber auch beruflichen – Alltag nicht unmittelbar naheliegt. Darüber hinaus wurden an der FH Wiener Neustadt folgende Problemstellungen identifiziert, die folglich eine Weiterentwicklung des didaktischen Konzepts inspirierten:

 

(1) Studierende berichteten von Schwierigkeiten den eigenen Lernerfolg und Erwerb von wissenschaftlichen Kompetenzen auf dem geforderten Anspruchsniveau angemessen einzuschätzen und dementsprechend adäquate (Lern-)Maßnahmen zu setzen; diese Unsicherheiten wurden verstärkt wahrgenommen, wenn Lernprozesse im virtuellen Raum passierten.

(2) Die Studierendengruppen sind divers und heterogen in Bezug auf Vorkenntnisse zu wissenschaftlichem Arbeiten (je nach besuchter Schulform), die digitale Affinität und Lernkultur (insbesondere beim Umgang mit multimedial aufbereiteten Lernprozessen), als auch den kulturellen Hintergrund (insbesondere in den internationalen Studiengängen).

(3) Lehrende signalisierten einen hohen Arbeitsaufwand durch individuelle Feedback-Schleifen und Coaching-Prozesse in Lehrveranstaltungen zu wissenschaftlichem Arbeiten.

 

Darüber hinaus sollte die Qualität von wissenschaftlichen, studentischen Arbeiten an der FH Wiener Neustadt erhöht und die Studierbarkeit – durch eine didaktisch sinnvolle Integration von Blended Learning Elementen – verbessert werden.

 

Diese Ausgangslage führte zur Entwicklung und Umsetzung einer digital-moderierten Triple Assessment Helix. Diese kombiniert eine Reihe von innovativen, hochschuldidaktischen Feedbackmethoden mit multimedial aufbereiteten Lernunterlagen, Inputs der LV-LeiterInnen und interaktiven Elementen. Dabei geht es darum, den Studierenden Instrumente zur Verfügung zu stellen um (i) den eigenen Lernerfolg an bestimmten Punkten im Prozess selbstständig evaluieren zu können (Self-Assessment), (ii) Feedback- und Evaluierungsprozesse innerhalb der Studierendengruppe anzuregen (Peer-Assessment), und (iii) qualitativ hochwertiges Feedback von Seiten der Lehrenden zu erhalten, das zur Stärkung der erworbenen Kompetenzen beiträgt (Lecturer-Assessment). Die didaktische Gestaltung erfolgte unter Beachtung der Zeitökonomie auf Seiten der Studierenden und Lehrenden, also des Aufwandes der durch individuelles Feedback und Coaching entsteht.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Die Triple Assessment Helix ist ein didaktisches Konzept, das in dem Modul Academic Skills an der FH Wiener Neustadt umgesetzt wird. Ziel des Moduls ist es, wissenschaftliche Kompetenzen von Studierenden zu stärken, insbesondere die Verfassung von Literaturarbeiten und Durchführung von empirischen Forschungsprojekten. Die digital-moderierte Triple Assessment Helix kombiniert innovative Methoden der Kompetenzüberprüfung mit multimedial aufbereiteten Lernunterlagen und ineinandergreifenden Austausch- und Reflexionsprozessen auf drei Ebenen: (1) verschiedene Self-Assessment Tools ermöglichen den Studierenden, den eigenen Kompetenzerwerb adäquat einzuschätzen und selbstständig gezielte Lernmaßnahmen zu setzen; (2) im Peer-Assessment partizipieren die Studierenden in einem strukturierten, digital unterstützten Feedback- und Evaluierungsprozess; (3) die Kompetenzüberprüfung durch die Lehrenden erfolgt durch begleitendes Coaching und detailliertes Feedback auf die Abschlussarbeiten. Die Studierenden integrieren die verschiedenen Evaluierungsergebnisse in ihre Arbeit, sodass ein weiterer Lernfortschritt stattfindet. Die Triple Assessment Helix unterstützt die Studierenden dabei Eigenverantwortung für ihren Kompetenzerwerb zu übernehmen, von- und miteinander zu lernen und gemeinsam eine Feedback-Kultur zu etablieren. Durch die Implementierung des didaktischen Konzepts konnte eine Verbesserung der Qualität der studentischen Abschlussarbeiten und der Studierbarkeit beobachtet werden.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

The Triple Assessment Helix is a didactic concept which has been implemented in the module Academic Skills at the UAS Wiener Neustadt. The key learning objective of the module is to foster academic competences among students, in particular with regards to conducing literature reviews and empirical research projects. The Triple Assessment Helix is digitally moderated and combines innovative methods of (self-)evaluation with interconnected processes of exchange and reflection on three levels: (1) a range of self-assessment tools enables students to adequately assess their learning progress and to independently take targted learning measures; (2) in the course of the Peer-Assessment, students participate in a structured, digitally moderated feedback process; (3) the competence evaluation by the lecturers takes place through ongoing coaching and a detailed feedback on the key deliverables of the module. The students may integrate the received feedbacks in their works. Thus, the Triple Assessment Helix supports students in taking responsibility for their personal learning progress, in learning from and with each other, and in establishing a common feedback culture. The implementation of the didactic concept has led to an increase in quality of students´ scientific papers.

Nähere Beschreibung des Projekts

Wissenschaft und Forschung werden von Studierenden oft als abstrakte Konstrukte wahrgenommen, deren Integration in den studentischen – aber auch beruflichen – Alltag nicht unmittelbar naheliegt. Vielen Studierenden fällt es schwer, operationalisierbare Forschungsfragen und den damit verbundenen Informations- und Datenbedarf zu formulieren, adäquate (wissenschaftliche) Literatur zu sichten, kritisch zu rezipieren und zielgerichtet zu analysieren, empirische Forschungsdesign zu konzipieren und durchzuführen, sowie Ergebnisse in kohärenten Argumenten zu kommunizieren. Diesen Herausforderungen wird an der FH Wiener Neustadt durch eine innovative, partizipative und studierendenzentrierte didaktische Aufbereitung des Moduls Academic Skills begegnet. Im Folgenden wird das didaktische Konzept der Triple Assessment Helix zunächst vorgestellt und anschließend die konkrete Umsetzung wird anschließend am Beispiel einer Lehrveranstaltung des Moduls Academic Skills dargestellt.

 

Innovative Hochschuldidaktik: Triple Assessment Helix

Die Entwicklung der Triple Assessment Helix wurde angeleitet durch die Frage, welche Maßnahmen den Kompetenzerwerb der Studierenden am erfolgreichsten unterstützen würden und wie dabei die Eigenverantwortung der Studierenden im Lernprozess gestärkt werden kann. Es wurde ein dreistufiger Assessment-Prozess in das didaktische Konzept des Moduls integriert. Unter Assessment sind hierbei Feedback-Prozesse und Beurteilungsprozesse gleichermaßen zu subsummieren. Die Triple Assessment Helix ist definiert durch folgende Maßnahmen:

 

(1) Self-Assessment: Den Studierenden werden Mittel und Tools zur Verfügung gestellt, um den eigenen Lernfortschritt adäquat einschätzen zu können und gegebenenfalls geeignete Maßnahmen zum weiteren Kompetenzerwerb zu setzen. Bei der Entwicklung der Materialien, die das Self-Assessment und den Lernprozess unterstützen, wird besonders die Heterogenität der Studierenden berücksichtigt, sodass Studierende mit unterschiedlichen Bildungsbiografien und Vorkenntnissen das geforderte Kompetenzniveau erreichen können.

(2) Peer-Assessment: Studierende erteilen einander qualitatives Feedback anhand gegebener (oder selbst definierter) Kriterien und Leitlinien an unterschiedlichen Punkten im Lernprozess. Es entsteht eine Kultur des kollaborativen Lernens: Studierende lernen von- und miteinander und beobachten Lernfortschritte während des Verlaufs der Lehrveranstaltung oder des Moduls. Das Peer-Assessment ist an den akademischen Peer-Review Prozess angelehnt, sodass die Studierenden mit einem wichtigen Mechanismus wissenschaftlicher Qualitätssicherung vertraut werden.

(3) Lecturer-Assessment: An kritischen Punkten im Prozess erhalten die Studierenden qualitativ hochwertiges Feedback von den Lehrenden, das sie im weiteren Kompetenzerwerb unterstützt. Es wird ihnen die Möglichkeit zur Umsetzung des Feedbacks in ihren Arbeitsergebnissen gegeben, um einen weiteren Lernfortschritt zu unterstützen. Zur Gewährleistung der Zeitökonomie auf Seiten der Lehrenden ist dem Lehrenden-Feedback stets eine Peer-Assessment Phase vorgelagert.

 

Diese drei Assessment Prozesse und deren konkrete Umsetzung sind im Folgenden am Beispiel der Lehrveranstaltung Academic Skills I des Bachelorstudiums Business Consultancy International detailliert beschrieben. Die Lehrveranstaltung Academic Skills I ist Bestandteil des Moduls Academic Skills.

 

Lernergebnisse des Moduls Academic Skills

Das Modul Academic Skills ist an definierten Lernergebnissen ausgerichtet und verfolgt das vorrangige Ziel, Kompetenzen in der Konzeption, Umsetzung und kritischen Reflexion eines Forschungsvorhabens zu vermitteln.

Nach erfolgreichem Abschluss des Moduls sind Studierende in der Lage:

- wissenschaftliche Literatur systematisch zu suchen, zu lesen und kritisch zu evaluieren (LV Academic Skills I)

- wissenschaftliche Arbeiten zu verfassen, die akademischen Standards entsprechen, etwa in Bezug auf Sprachgebrauch und Gliederung, zu verfassen (LV Academic Skills I & II)

- eine Forschungsfrage und ein angemessenes Forschungsdesign zu entwickeln (LV Academic Skills II)

- ein Forschungsvorhaben methodisch entsprechend den Standards der Disziplin umzusetzen (LV Academic Skills II)

- die methodische Umsetzung und die eigenen Ergebnisse kritisch zu reflektieren (LV Academic Skills I & II)

- konstruktives Feedback zu formulieren und anzunehmen (LV Academic Skills I & II)

 

Ablauf der Lehrveranstaltung Academic Skills I

Im Zuge der Lehrveranstaltung Academic Skills I durchlaufen die Studierenden den gesamten Prozess einer wissenschaftlichen Literaturarbeit. Die einzelnen Prozessschritte orientieren sich an dem “Systematic Literature Review”. Die Studierenden werden angeleitet alle Prozessstufen anhand eines gewählten Themas zu durchlaufen. Dabei manifestiert sich jede Prozessstufe in einer konkreten Aufgabe oder einem Arbeitsergebnis.

 

Zunächst werden Kriterien der Wissenschaftlichkeit besprochen und Studierende werden mit wissenschaftlichen Quellen, Quellenkritik und den Standards wissenschaftlicher Literaturarbeit vertraut. In einem angeleiteten, kollaborativen Prozess definieren die Studierenden, einhergehend mit der Auseinandersetzung mit wissenschaftlicher Literatur, eine Fragestellung die sie in einem Systematic Literature Review diskutieren werden. Nach erfolgter Quellensuche, die vorgegebenen Qualitätskriterien entspricht, wird das Vorhaben (die Fragestellung und das entstandene Literaturprotokoll) durch die Lehrenden auf Realisierbarkeit geprüft. Das zielgerichtete Lesen und Exzerpieren wissenschaftlicher Literatur wird erarbeitet, sowie das Erstellen einer Literaturanalysetabelle, die als Grundlage der Zusammenführung der Evidenz und Argumente zum Systematischen Literature Review dient. Des Weiteren wird das Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit, genauer das Strukturieren, Kontrastieren und Darlegen von Argumenten und das wissenschaftliche Schreiben (stilistisch und prozesshaft) erarbeitet. In dieser Phase erfolgen weitere Feedback-Schleifen, wie unten im Detail dargelegt wird.

 

a) Self-Assessment

Um der Heterogenität der Studierenden in Hinblick auf das Vorwissen gerecht zu werden, stehen zusätzlich zu den allgemeinen Lernmaterialien weitere Unterlagen zur Kompensation von Defiziten im Vorwissen zur Verfügung. Lehrvideos und Tutorials zur Einschätzung der Seriosität und Wissenschaftlichkeit von Literaturquellen, zur Qualitätsbewertung von Journals, zur Erklärung eines akademischen, double-blind Peer-Review Prozesses und zur Literatursuche in wissenschaftlichen Datenbanken stehen ebenso zur Verfügung, wie Unterlagen und Literaturverweise zu unterschiedlichen Methoden und Arbeitstechniken. In einem weiteren Schritt werden diverse Self-Assessment Tools an unterschiedlichen Punkten im Lernprozess integriert. Diese geben den Studierenden die Möglichkeit den eigenen Lernerfolg selbst zu testen und einzuschätzen. Infolge können eigenverantwortlich Schritte gesetzt werden, um die vorhandenen Defizite zu beheben. Folgende Self-Assessment-Tools kommen zum Einsatz:

 

• Responsive Selbst-Tests sind Online-Tests, die über eine Lernplattform abgewickelt werden. Wird eine falsche Antwort eingegeben, wird eine Rückmeldung angezeigt, die eine Erklärung erhält, warum die eingegebene Antwort falsch ist, was anstelle richtig wäre und warum. So entsteht während der Durchführung des Selbst-Tests ein weiterer Lernfortschritt. Diese Variante des Self-Assessment ist auf Aufgabestellungen limitiert, bei denen es eine vordefinierte und überschaubare Anzahl an Antwortmöglichkeiten (inklusive falschen Antworten) gibt, i.e. Single Choice-Fragen und Fragen mit limitierten Texteingabeoptionen.

• Interaktive Lehrvideos sind Videos, die an bestimmten Stellen automatisch pausieren und eine Fragestellung bzw. Aufgabestellung anzeigen. Wird die Fragestellung korrekt beantwortet, wird das Video fortgesetzt. Ist die Antwort falsch, bekommt der/die Zuseher/in die Möglichkeit zu der Stelle des Videos zurückzuspringen, an der die Erklärung zu finden ist.

• Strukturierte Checklisten kommen zum Self-Assessment und zum Peer-Assessment zum Einsatz. Sie sollen die Aufmerksamkeit der Studierenden bei der Bewertung der eigenen Leistung auf wesentliche Kriterien richten.

• Aufgabenstellungen mit kommentierten Lösungsvorschlägen: Das Verfügbarmachen von kommentierten Lösungen für vorgegebene Aufgabenstellungen ist eine bewehrte Methode um die Selbst-Einschätzung der eigenen Leistung zu unterstützen. Sie ist jedoch nur dort anwendbar, wo es eindeutige, korrekte Lösungen gibt. Das ist bei der Konzeption und beim Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten selten der Fall.

• Strukturierter Vergleich der eigenen Ausarbeitung mit einem Best Practice-Beispiel: Der strukturierte Vergleich der eigenen Arbeit mit einem oder mehreren Best Practice-Beispielen bietet sich im Kontext des wissenschaftlichen Arbeitens an. Anhand bestimmter Fragestellungen und Kriterien wird die eigene Arbeit mit einer besonders gelungenen Ausarbeitung verglichen.

 

b) Peer-Assessment

Ein zentraler Punkt ist die Etablierung und Förderung einer Feedback-Kultur unter den Studierenden. Dieses Lernergebnis wird adressiert sowohl (i) durch ausgewiesene Feedbacksessions im Zuge der einzelnen Lehreinheiten als auch (ii) durch das Peer-Assessment. Dieses erfolgt stets in strukturierter Weise entlang vorgegebener Feedback-Kriterien, sowohl online als auch offline. Moderierte Peer-Reviews der Studierenden tragen zur Qualitätssteigerung der wissenschaftlichen Literaturarbeiten bei und stärken die Kompetenz der kritischen Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Arbeiten. Im Kontext der Lehrveranstaltung Academic Skills I erhalten und erteilen die Studierenden Peer-Feedback auf die thematische Ausrichtung und Fragestellung der Literaturarbeit, auf eine Schreibprobe, das Abstract und das finalisierte Systematic Literature Review. Damit soll der dialogische Austausch der Studierenden untereinander im Lehr-/Lernprozess gefördert und die Studierenden aktiv in die Lehrveranstaltung eingebunden werden.

 

c) Lecturer-Assessment

Gewisse Einschätzungen bedürfen eines Erfahrungsschatzes, den die Studierenden in der Rolle der Peers oft noch nicht erworben haben. Insofern wird das Feedback durch die Lehrenden an kritischen Punkten im Lernprozess als essentiell erachtet. Im Kontext der Lehrveranstaltung Academic Skills I erhalten die Studierenden Feedback der Lehrenden auf ihre Fragestellung und Literaturauswahl. Die Aufgabe der Lehrenden ist dabei zu antizipieren, ob die gewählte Fragestellung auf Grundlage der selektierten wissenschaftlichen Literatur erfolgreich bearbeitbar ist. Qualitatives Feedback durch die Lehrenden wird ebenfalls auf die Abschlussarbeit, also den fertiggestellten Systematic Literature Review nach erfolgtem Peer-Review erteilt. Dieses wird als essentieller Beitrag zum Lernerfolg auf Seiten der Studierenden erachtet.

 

Im Folgesemester wird der Prozess im Rahmen der Lehrveranstaltung Academic Skills II fortgesetzt. In dieser Lehrveranstaltung lernen die Studierenden unterschiedliche Datenerhebungsmethoden und niederschwellige Auswertungsverfahren kennen und entwerfen ein eigenes Methodendesign zu einer vorgeschlagenen Fragestellung. Auch hier kommen regelmäßige Self-Assessment und ausgewählte Peer-Assessment Verfahren zum Einsatz. Das Lecturer-Assessment bezieht sich auf die Fragestellung und das vorgeschlagene Methodendesign.

Mehrwert

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Positionierung des Lehrangebots

Die Triple Assessment Helix ist ein didaktisches Konzept, das in dem Modul Academic Skills der Bachelorstudien der Fakultät Wirtschaft an der Fachhochschule Wiener Neustadt angewandt wird. Das Modul ist seit dem Wintersemester 2016/17 ein integrativer Bestandteil des verpflichtenden Lehrangebots im englischsprachigen Bachelor-Programm Business Consultancy International (7 ECTS-Punkte). Es setzt sich aus den Lehrveranstaltungen Academic Skills I (3. Semester) und Academic Skills II (4. Semester) zusammen. Aufgrund des nachhaltigen Lernerfolgs findet das Konzept seit dem Wintersemester 2018/19 auch im deutschsprachigen Bachelorprogramm Wirtschaftsberatung Anwendung und wird zukünftig – in adaptierter Form – in allen Mastercurricula der Fakultät zur Umsetzung kommen (1. bis 4. Semester, 30 ECTS-Punkte).

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2019 nominiert.
Ars Docendi
Gewinner 2019
Kategorie: Qualitätsverbesserung von Lehre und Studierbarkeit
Ansprechperson
Mag. Dr. Karin Wegenstein
Institut für Marktforschung & Methodik
+43 2622/89 084-387
Nominierte Person(en)
Dr. Karin Dobernig
Fachbereich Marketing & Sales; Bologna Koordinatorin
Mag. Dr. Karin Wegenstein
Institut für Marktforschung & Methodik
Themenfelder
  • Didaktische Methode
  • Wissenschaftliche (Abschluss)Arbeiten
Fachbereiche
  • Wirtschaft und Recht