Fachhochschule Wiener Neustadt GmbH
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Social & Professional Skills II (prüfungsimmanente LV)

Ziele/Motive/Ausgangslage

In der Lehrveranstaltung „Social & Professional Skills II“ im Bachelorstudiengang Wirtschaftsingenieur werden die Inhalte Teamkompetenz, Teamassessment, (interkulturelle) Kommunikationskompetenz und Interkulturalitätskompetenz behandelt.

Um diese Inhalte lebensnah und nachhaltig zu erfahren und zu vermitteln, war die Idee, eine Simulation bzw. ein großes Rollenspiel zu kreieren, das den Großteil der Lehrveranstaltung ausmacht, vor allem, da sich die Inhalte für Erfahrungslernen besonders anbieten.

Die Studierenden sollen in dem Szenario selbst Rollen einnehmen, welche ihrer späteren beruflichen Tätigkeit entsprechen können und sie so zu Betroffenen machen, die Erfahrungen zu den Themen Team, Kommunikation und Interkulturalität aus erster Hand gewinnen.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

In der 4-tägigen Simulation wird ein mittelständisches Unternehmen von einem internationalen Konzern übernommen. Die Studierenden sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Leiterinnen und Leiter verschiedener Abteilungen in beiden Firmen. Die Zuteilung von Studierenden zu ihren Rollen erfolgt über ihre Assessment-Ergebnisse durch das Teamrollen-Assessment von Dr. Meredith Belbin.

Zur erfolgreichen Fusionierung muss das gesamte Personal sowohl eine Schulung in Projektmanagement als auch ein interkulturelles Training besuchen. Als Vorbereitung auf Mitarbeiter/innengespräche durch die Abteilungsleiter/innen des internationalen Konzerns werden Kommunikationstrainings durchgeführt.

In einem Teamtraining werden die neu formierten Abteilungen auf ihre Passung hinsichtlich der Belbin-Teamrollen untersucht und Handlungsoptionen erarbeitet, um mit fehlenden Teamrollen umzugehen.

Den Abschluss der Simulation bildet die öffentliche Vorstellung der gemeinsam erarbeiteten Code of Conducts pro Abteilung inklusive Imagevideos und Maßnahmen zur Umsetzung dieser in der fusionierten Firma.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

The 4 day simulation deals with the merger of a medium-sized enterprise with an international company. The students take on the roles of employees and heads of various departments. The allocation of student to role is based on the students‘ profile of the teamrole assessment by Dr. Meredith Belbin.

To support the merging the whole staff has to participate in a project management training as well as a training in intercultural sensitivity. In order to prepare for the performance review communication skills trainings are offered.

During a team training the newly assembled departments will be led through the process of recognizing and appreciating the team roles present and coming up with strategies to deal with the team roles missing.

The finale of the simulation is the public presentation of the jointly prepared code of conducts including image videos and a catalogue of measures to bring them to live in every single department.

Nähere Beschreibung des Projekts

Die LV „Social & Professional Skills II“ umfasst 2 ECTS und 30 Lehreinheiten, geblockt auf 4 Ganztage zu 8, 8, 8 und 6 Lehreinheiten á 45 Minuten. Im Studiengang Wirtschaftsingenieur laufen in der Vollzeit als auch in der berufsbegleitenden Studienform 3 Gruppen á 15 Personen parallel, die teilweise im Plenum, teilweise in Kleingruppen in der Simulation zusammenarbeiten.

 

Vor Beginn der Lehrveranstaltung erhalten die Studierenden individuelle Zugangslinks zum Teamrollen-Assessment nach Dr. Meredith Belbin. Nachdem die Ergebnisse der Selbsteinschätzung für die individuellen Teamrollen vorliegen, werden die Studierenden nach Passung zwischen Teamrolle und Rolle in der Simulation zugeteilt. Für Abteilungsleitungspositionen werden beispielsweise Studierende mit einer stärksten, (zweitstärksten oder drittstärksten) Teamrolle „Macher“ oder „Koordinator“ ausgewählt.

 

Folgende Rollen werden in der Simulation vergeben:

Österreichisches Familienunternehmen (Zulieferer in der Autoindustrie) – Pucher Hydraulik

• Geschäftsführer/in inkl. Mitarbeiter/innen der Geschäftsführung

• Abteilungsleiter/in Forschung & Entwicklung inkl. Mitarbeiter/innen

• Abteilungsleiter/in Vertrieb inkl. Mitarbeiter/innen

• Abteilungsleiter/in Fertigung inkl. Mitarbeiter/innen

• Abteilungsleiter/in Personal inkl. Mitarbeiter/innen

• Abteilungsleiter/in Projektmanagement inkl. Mitarbeiter/innen

 

Französisches, internationales Unternehmen (Automobilindustrie) – Bordeaux automobiles

• Delegationsleiter/in

• Projectmanager/in

• Changemanager/in

• Abteilungsleiter/in Forschung & Entwicklung

• Abteilungsleiter/in Vertrieb

• Abteilungsleiter/in Fertigung

• Abteilungsleiter/in Personal

• Abteilungsleiter/in Projektmanagement

 

Die Zuteilung zur jeweiligen Rolle wird gemeinsam mit einer kurzen Erläuterung, was die Studierenden in der Lehrveranstaltung zu erwarten haben, ein paar Tage vor Beginn der Lehrveranstaltung per Email ausgesendet. Die Studierenden sollen dabei die üblichen Tätigkeitsbereiche ihrer Rolle recherchieren bzw. auf die bereits getätigten Recherchen aus der vorangegangen Lehrveranstaltung zurückgreifen. Im ersten Semester bestand ein Leistungsnachweis in der Präsentation eines möglichen Berufsbilds, das die Studierenden nach Studienabschluss ausüben könnten.

Der erste Tag der Lehrveranstaltung sieht eine Orientierung im Plenum vor, um den Studierenden die Rahmenbedingungen der Simulation zu erläutern. Im Anschluss daran werden Badges ausgeteilt, auf denen die Studierenden ihre zugewiesenen Rollen wiederfinden.

 

Als Erstes werden die Studierenden in ihre „Büros“ geschickt (abteilungsweise Aufteilung, 2 Abteilungen pro Seminarraum), um eine Abteilungspräsentation vorzubereiten. Die Studierenden des französischen Unternehmens werden in separate Räumlichkeiten geführt, wo sie eine kurze Einführung in französische Sitten und Gepflogenheiten durch den zur Begleitung der Fusionierung angeheuerten Kulturtrainer (Referent C) erhalten.

 

Nach einer kurzen Zeit der Arbeit an der Abteilungspräsentation werden alle Abteilungsleiter/innen und Mitarbeiter/innen des österreichischen Unternehmens in den Konferenzraum (Hörsaal) zusammengerufen, um zu erfahren, dass ihr Unternehmen an einen internationalen Konzern verkauft wurde. Die französische Delegation, die sich ein Bild über das österreichische Unternehmen verschaffen soll, trifft nun ebenfalls im Konferenzraum ein.

 

Um den Fusionierungsprozess effizient zu gestalten, sollen alle Beteiligten eine kurze Schulung in Projektmanagement durch einen extern angeheuerten Projekttrainer (Referent B) erhalten. Im Anschluss daran soll abteilungsweise der Prozess der Mitarbeiter/innengespräche für den Folgetag geplant werden. [Dies stellt einen Leistungsnachweis in Gruppenarbeit dar.] Zum Mittagessen mit französischem Büffet (in Kooperation mit der FH Mensa) wird die französische Delegation vom Kulturtrainer und der zur Begleitung der Fusionierung angeheuerten Teamtrainerin (Referentin A) geführt.

 

Den Nachmittag bildet eine Schulung in interkultureller Kompetenz durch den Kulturtrainer und die Teamtrainerin. Dabei werden im Plenum unter anderem Brainstormings, Diskussionen und Gespräche zu Stereotypen, Kulturdimensionen, provokanten Aussagen, die beispielsweise in der Kaffeeküche durch neue Mitarbeiter/innen getätigt werden könnten, geführt.

Den Abschluss des ersten (und jedes weiteren) Tages bildet eine Lehreinheit abseits der Simulation, zu dieser die Studierenden ihre Badges abgeben und mit ihren Referent/innen den Prozess, die Inhalte und ihr Erleben innerhalb der Simulation reflektieren. [Eine Einzelreflexion pro LV-Tag wird jeden LV-Tag als Leistungsnachweis erstellt.]

 

Zu Beginn des zweiten (und jedes weiteren) Tages wird der Faden in der Simulation durch den den Fusionierungsprozess begleitenden Projektmanager im Plenum (Konferenzraum) aufgenommen. Es folgt ein abteilungsweises Kommunikationstraining durch Projektmanager, Kulturtrainer und Teamtrainerin, um die Belegschaft auf die bevorstehenden Mitarbeiter/innengespräche sowie Hearings der Abteilungsleiter/innen durch die französische Delegation vorzubereiten. [Die Abwicklung dieser Gespräche wird von den Studierenden als Leistungsnachweis vom ersten auf den zweiten LV-Tag erarbeitet.] Innerhalb des Kommunikationstrainings werden die Personen in Fragetechniken, aktivem Zuhören, etc. geschult.

 

Zur Dokumentation für den internationalen Konzern werden Einzelgespräche zwischen den Abteilungsleiter/innen des französischen Unternehmens mit Mitarbeiter/innen der österreichischen Firma auf Video aufgenommen. Dies geschieht ebenso für die Hearings der französischen Delegationsleiter/in, Projektmanager und Changemanager mit den österreichischen Abteilungsleiter/innen. [Die Qualität der Umsetzung dieser Gespräche nach den zuvor trainierten Kommunikations- und Interkulturalitätskompetenzen wird als Leistungsnachweis pro Studierender/m verwendet.]

 

Das Ende des zweiten Tages stellt wieder eine Lehreinheit abseits der Simulation dar. Die Studierenden geben ihre Badges ab und reflektieren mit ihrem/ihrer Referent/in die Ergebnisse des Tages. [Es wird wiederum eine Einzelreflexion als Leistungsnachweis am Ende des Tages verfasst.]

 

Nach Aufnehmen der Handlung am dritten Tag erfolgt eine interaktive Teamschulung für die gesamte Belegschaft in Teamtheorien nach Schindler, Tuckman, Belbin u.a. Die Fortführung dieser findet sich abteilungsweise durch Projektmanager, Kulturtrainer und Teamtrainerin. Hierbei werden die neu formierten Abteilungen auf ihre Zusammenstellung hinsichtlich der Belbin-Teamrollen untersucht und Handlungsoptionen erarbeitet, um mit fehlenden Teamrollen umgehen zu können. Zusätzlich werden Teamreports nach Belbin zur optimalen Arbeitsgestaltung ausgewertet und gruppendynamische Übungen durchgeführt.

 

Die Aufgabenstellung der Geschäftsführung des französischen Konzerns zum „Abschluss“ der Fusionierungs(phase) lautet, dass jede Abteilung einen Code of Conduct erstellt, den sie miteinander nach der offiziellen Fusionierungsphase leben wollen. Dazu sollen auch konkrete Maßnahmen zur Umsetzung vorgestellt werden sowie ein Image Video, das zeigt, wie dies aussehen könnte. Als Ausgangspunkt für die Code of Conducts sollen diejenigen Aspekte adressiert werden, die im interkulturellen Training als am relevantesten aufgetaucht sind. [Die Ausarbeitung und Präsentation dieser Aufgabenstellung bildet den vierten Leistungsnachweis in Gruppenarbeit.]

 

Den Abschluss des dritten Tages bildet wie gewohnt eine Reflexion abseits der Simulation mit der/m jeweiligen Referent/in.

 

Am vierten Tag wird die Handlung durch den begleitenden Projektmanager bzw. die frz. Delegationsleiter/in, Projektmanager und Changemanager aufgenommen. Nach Präsentation der Ausarbeitungen im Plenum werden die Ergebnisse öffentlich diskutiert.

 

Den Abschluss der Simulation bildet eine größer angelegte Reflexion des Gesamtprozesses abseits der Simulation mit den jeweiligen Referent/innen.

Mehrwert

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Positionierung des Lehrangebots

Die Lehrveranstaltung „Social & Professional Skills II“ findet im 2. Semester des Bachelorstudiengangs Wirtschaftsingenieur als prüfungsimmanente Lehrveranstaltung statt. Im 1. Semester haben die Studierenden bereits die LV „Social & Professional Skills I“ absolviert, in der neben einem teambildenden Kick-Off Inhalte zum individuellen Selbst- und Zeitmanagement behandelt wurden sowie das Auftreten in unterschiedlichen Präsentationskontexten inkl. Gestaltung von Präsentationen.

Im Folgesemester findet die dritte und letzte Lehrveranstaltung im Bachelorstudium im Bereich „Social & Professional Skills“ statt, welche neben Verhandlungsmanagement und Problemlösung auch den Umgang mit Konflikten behandelt. Das aktuelle zweite Semester bereitet mit den Inhalten der Simulation auf das Folgesemester vor.

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2018 nominiert.
Ars Docendi
2018
Kategorie: Forschungs- und kunstgeleitete Lehre, insbesondere die Förderung von kritischem Denken, Dialogorientierung, Methodenkompetenz
Ansprechperson
Mag. Agnes Hofer, BA
Institut für persönliche Kompetenzentwicklung
02622/89084-361
Nominierte Person(en)
Mag. Agnes Hofer, BA
Institut für persönliche Kompetenzentwicklung
Themenfelder
  • Didaktische Methode
  • Sonstiges
Fachbereiche
  • Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik/Ingenieurwissenschaften
  • Wirtschaft und Recht
  • Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften