Fachhochschule Wiener Neustadt GmbH
Johannes Gutenberg-Straße 3, 2700 Wiener Neustadt
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Lehrveranstaltung Ethik & Compliance im Masterstudiengang Informatik/Vertiefung Data Science, Integrierte LV (ILV)

Ziele/Motive/Ausgangslage

A. Didaktisch-methodische Perspektive:

 

Ziel dieser Lehrveranstaltung ist es, moderne IT-gestützte didaktische Möglichkeiten im Rahmen eines innovativen Blended-Learning-Pilotprojekts mit der neuen Webkonferenzsoftware „Skype for Business“ sowie der Nutzung eines hybriden Lernraumes mit Hilfe eines neuen multimedialen Seminarraumes (Funktionen wie eine Idea Wall-Anwendung, Paper-Anwendung, Pinboard-Anwendung etc) am Beispiel einer atypischen Lehrveranstaltung zur Bewusstseinsbildung für ethische Problemstellungen anzuwenden. Der hier gewählte Blended-Learning-Ansatz für fallbasiertes Lernen (Case Studies), unter Berücksichtigung aktueller neurobiologischer Erkenntnisse mit einem besonderen Fokus auf neurodidaktische Elemente, stellt aus unserer Sicht ein vielversprechendes und zukunftsträchtiges didaktisches Konzept dar.

 

B. Inhaltliche Perspektive:

 

Inhaltlich gewinnt das Thema Ethik & Compliance im Kontext der Informatik im allgemeinen sowie im Vertiefungsbereich Data Science im Speziellen zunehmend an Bedeutung. Studierende sollen möglichst frühzeitig in Bezug auf moralische und ethische Frage- und Problemstellungen sensibilisiert werden und entsprechenden Kompetenzerwerb erlangen. Im Fokus steht dabei das Erlernen wesentlicher philosophisch-theoretischer Grundlagen sowie ausgewählter Prinzipien und Werkzeuge einer angewandten Ethik.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Im Rahmen dieser LV wird besonderer Wert auf die Verknüpfung traditioneller Lehr- und Lernelemente mit innovativen digitalen & didaktischen Elementen gelegt. Basierend auf der oben beschriebenen Ausgangslage und Zielsetzung beinhaltet das didaktische Konzept folgende Elemente: abwechselnde Präsenz- und Onlinephasen (Webinare, Learning Management System) in 3-wöchigen Abständen. Methodik: Gruppenarbeit mit Methodenwechsel in Form von Dialogen, Fallstudien, Reflexionsrunden (einzeln, Kleingruppen, Plenum) und Blended/Presentation-Learning, Bereitstellung von E-Learning Modulen im Sinne eines orts- und zeitunabhängigen Distance- und Blended-Learning mit multimedialen Lernmodulen zum selbstgesteuerten Lernen. Folgende Lehreinheiten wurden durchgeführt: 6 interaktive Online-Meetings (Webinare) mittels Skype for Business, 3 Präsenztermine im Seminarraum vor Ort an der Fachhochschule und ein Präsenztermin im hybriden Lernraum mit Video und Audio des Lehrenden und der Studierenden. Der Referent war extern aus seinem Büro zugeschaltet; die Studierenden waren vor Ort anwesend. Somit war gewährleistet, dass zwischen den Studierenden eine rege Interaktion und Wissensvernetzung stattfinden konnte. Parallel dazu kam ein Learning Management System (Moodle) zwecks Bereitstellung von Lehrmaterialien in Form eines begleitenden Onlinekurses zum Einsatz (z.B. Skripten und Präsentationen, Fotoprotokolle, Aufzeichnungen der Online-Meetings, Abgabe von Aufgaben, Fachartikel, Chatprotokolle etc).

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

This course attaches great importance to linking traditional teaching and learning elements with innovative didactic approaches and digital parts. Accordingly, the didactic concept consists of the following components: alternating sessions of attendance and online (webinars, learning management system) in three weeks’ intervals. Its core methodology involves group work with alternating methods such as Socratic approach (dialogue), case studies, reflexive discussions (single, small groups, plenum) and blended/presentation learning, preparation of e-learning modules being independent of time and location and supporting multimedia learning modules for self-regulated learning. In line with this, the course offered six interactive online meetings (webinars) via Skype for Business, three sessions of compulsory attendance at the university of applied science, and one session in a hybrid learning area with video and audio facilities for the lecturer being in his home office and his students being at the university. By doing this, the students were able to actively interact and exchange their newly acquired knowledge. At the same time, a learning management system, Moodle, provided learning materials in a concomitant online course (e.g. presentations, scripts, articles, recordings of online meetings, chat and photo protocols, handing in tasks, etc.).

Nähere Beschreibung des Projekts

I. Didaktik & Methodik:

 

In diesem Projekt wurden innovative Lehr- und Lernmethoden über die tradierte (Fach)Didaktik hinausgehend in einem Blended-Learning-Konzept für fallbasiertes Lernen (Fallstudien) eingesetzt. Dabei wurde unter besonderer Berücksichtigung neuester neurobiologischer Erkenntnisse ein besonderer Fokus auf neurodidaktische Elemente gesetzt. Basierend auf der oben beschriebenen Ausgangslage und Zielsetzung beinhaltet das didaktische Konzept abwechselnde Präsenz- und Onlinephasen (Webinare, Learning Management System), wo in 3-wöchigen Abständen gleichwohl auf traditionelle und innovative Lehr- und Lerntechnologien und digitale E-Learning Elemente zurückgegriffen wurde. Methodik: Blended-Learning-Konzept, Gruppenarbeit mit Methodenwechsel in Form von Dialogen, Fallstudien, Reflexionsrunden (einzeln, Kleingruppen, Plenum) und Blended/Presentation-Learning, Bereitstellung von E-Learning Modulen im Sinne eines orts- und zeitunabhängigen Distance- und Blended-Learning mit multimedialen Lernmodulen zum selbstgesteuerten Lernen.

 

II. Kompetenzerwerb - folgende Kenntnisse & Fähigkeiten werden den Studierenden interaktiv und multimethodisch vermittelt:

 

- Die ethische Haltung (weiter)entwickeln im Sinne einer Übernahme von Verantwortung für die Gemeinschaft und das größere Ganze ("ethisches Selbst").

- Das Bewusstsein für ethische Problemstellungen insbesondere im Kontext von Data Science stärken.

- Bestehende Regelwerke der IT-Compliance als unzureichende Basis erkennen.

- Kennenlernen wirtschaftsethischer Konzepte (u.a. CSR Ansatz).

- Folgen des eigenen Handelns für andere Menschen bzw. Lebewesen in diesem Kontext abschätzen und sichtbar machen (z.B. Prinzip Verantwortung nach Jonas).

- Compliance-Elemente benennen sowie anhand praktischer Beispiele den Compliance- vom Integrity-Ansatz unterscheiden lernen.

 

Das Erreichen dieser Lern- bzw. Kompetenzziele wird durch den immanenten Charakter der Lernergebnisevaluierung unterstützt (Case Studies, Referate, Engagement während der Präsenz- und Onlinephasen, schriftliche Abgaben, schriftliche qualitative Abschlussbetrachtung).

 

III. Anforderungen aus der Praxis

 

Das didaktische Herzstück dieser LV ist das Bauen einer Brücke von der theoretischen Ethik und der Metakompetenz „ethische Reflexion“ hin zu einer praxisrelevanten aktuellen und zukünftigen Themenbearbeitung im Sinne einer im Berufskontext angehender Data-Science-Spezialist/innen angewandten Ethik.

 

Aktuelle Beispiele relevanter Aspekte aus moralisch-ethischer Sicht (Auswahl = Themen für Case Studies):

 

- Ethische Aspekte neuerer technologischer Entwicklungen (Robotik, selbstfahrende Autos u.v.m)

- Data-Mining bei Minderjährigen

- Teilweise unbekannte Herkunft von Daten (z.B. interdisziplinäre länderübergreifende Projekte)

- Mögliche Auswirkungen von bestimmten Algorithmen

- Plagiate und Datenschutz

- Whistleblowing

- Barrierefreiheit medizinischer Datensammlungen

- Freigabe nicht getesteter Software

- Überwachung und Durchleuchtung (Stichwort Bundes- oder Staats-Trojaner)

- Prognosen zugunsten der Katastrophenvermeidung (Epidemien bzw. Seuchen, zur Betrugsbekämpfung, zur Vermeidung von Terror etc)

 

IV. Die Umsetzung im Detail (blended learning approach)

 

Die Präsenzphase bestand aus 4 Präsenzterminen mit Anwesenheit an der Fachhochschule: Drei „klassische“ Präsenztermine im Seminarraum und ein Präsenztermin im „hybriden Lernraum“ (jeweils von 14.00 bis 17.30 Uhr). Dabei befinden sich die Studierenden in einem für "neue" Lehre speziell ausgestatteten Seminarraum (intern bezeichnet als Future Lab oder S34+), welcher ermöglicht, mit Hilfe neuer und in der Lehre bewährter Technologien innovative, interaktive und kommunikative Präsenzszenarien zu erproben. Durch Doppelprojektionen können zeitgleich unterschiedliche Inhalte auf den beiden Leinwänden dargestellt werden. Durch die Möglichkeit für BYOD können Vortragende und Studierende Inhalte drahtlos von ihren mobilen Endgeräten aus teilen und anderen zur Verfügung stellen. Mehrere fix verbaute Mikrofone sind Spezialmikrofone, die von jeder Stelle im Raum mit höchster Qualität aufnehmen können. Ergänzt wird das Setting von entsprechend hochwertigen Lautsprechern. Zusätzliche Funktionen werden durch drei innovative Anwendungen (Idea Wall, Paper, Pinboard) bereit gestellt. Über die Idea Wall und die Pinboard-Anwendung für Moderationskarten konnten Ideen und weitere Inhalte gesammelt, geordnet und zusammengefasst sowie gleichzeitig digitalisiert werden. Die Idea Wall- und Paper-Anwendung ermöglicht via digitalisierender Bluetooth-Stifte und Speicherung der generierten Inhalte im Stift die Darstellung der Inhalte auf der linken Leinwand und eine Darstellung auf Papier für z.B. die Arbeit außerhalb des Seminarraums. Dadurch konnte den Studierenden sowohl die Sitzordnung als auch der Arbeitsplatz für kurze Workshop-Phasen frei gestellt werden. Diese Lösung gewährt eine hohe Flexibilität in der Abhaltung von Workshops für bis zu sechs Kleingruppen. In unserem Projekt war der Lehrende extern aus seinem Büro über die Konferenzsoftware Skype for Business zugeschaltet. Die Studierenden waren in Wiener Neustadt im S34+ und wurden von einem Tutor/Koordinator begleitet. Der Vortragende und die Studierenden wurden in zwei nebeneinander liegenden und entsprechend großen Fenstern auf die rechte Leinwand, die Inhalte auf die linke Leinwand projiziert. Somit war gewährleistet, dass sich alle Beteiligten jederzeit sehen konnten und zwischen den Studierenden eine rege Interaktion und Wissensvernetzung stattfinden konnte. Aus neurodidaktischer Sicht ist das zentral, denn jedes menschliche Gehirn kann nur dann nachhaltig wirksam lernen, wenn es die Lernleistungen selbst erbringt. Das gelingt am effektivsten durch den Austausch mit anderen Menschen (Fragen stellen können; Themen und Meinungen austauschen; das Gehirn ist ein soziales Organ = Teamwork ist lernförderlich etc). Bei Webinaren und Videokonferenzen können alle im Seminarraum anwesenden Personen frei sprechen und andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Raum in die Konferenz miteinbeziehen, unabhängig davon, wo sie sich im Raum befinden. Zur Übertragung der Audio- und Videokommunikation bzw. für das Application Sharing wurde Skype for Business eingesetzt.

 

Die Onlinephase gliederte sich in 6 Termine, ohne an der Fachhochschule anwesend sein zu müssen: Sechs Online-Meetings (Webinare) ohne Videoübertragung (Reduktion der Datenmenge = Reduktion der Fehlerquellen, Fokussetzung auf Inhalte), aber mit Screen- und Application Sharing zur Darstellung von Inhalten, welche der Lehrende präsentiert und via Audioübertragung vorträgt. Die Studierenden antworten dabei auf konkrete Fragen des Lehrenden über den Chat. Zudem werden punktuell Studierende eingeladen, sich via Mikrofon-Beitrag auch per Sprachkommunikation zu beteiligen. Dabei werden die Präsentation der Inhalte und die Audiokommunikation aufgezeichnet und der Chat protokolliert. Die Dauer pro Webinar beträgt 1,5 Stunden (jeweils von 17.30 Uhr bis 19.00 Uhr).

 

Die Zeit dazwischen galt als Onlinephase zur Bearbeitung der Inhalte im virtuellen Raum. Dabei kam ein Learning Management System (Moodle) zum Einsatz, welches zur Bereitstellung von Lehrunterlagen in Form eines begleitenden Onlinekurses mit Zugriffsmöglichkeiten auf Skripten und Präsentationen im PDF-Format, Fotoprotokollen zu den Präsenzterminen, Links zu den Aufzeichnungen der Webinare, Abgabe von Aufgaben (z.B. Reflexion von Fachartikeln sowie Buchkapiteln zu den Themen Ethics in Data Science & Technikethik) bzw. Chat-Protokollen verwendet wurde.

Mehrwert

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Positionierung des Lehrangebots

Masterstudium Informatik - Vertiefung Data Science im 2. Semester: Studierende entwickeln ein Bewusstsein für ethische Problem- und Fragestellungen insbesondere im Kontext der vielfältigen Data Science-Themengebiete. Zudem lernen sie praktische Instrumente und Methoden der ethischen Analyse und Reflexion/Argumentation sowie Compliance-Ansätze und -Methoden, -Management, Compliance-Strukturen und –Strategien kennen.

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2018 nominiert.
Ars Docendi
2018
Kategorie: Digitale Lehr- und Lernelemente in Verbindung mit traditionellen Vermittlungsformen
Ansprechperson
Mag. Michael Znidar
Software Engineering
+43 26 22 | 89 0 84 – 391
Nominierte Person(en)
Mag. Gernot Znidar, MSc
Externer Referent
Themenfelder
  • Didaktische Methode
  • Infrastruktur
  • Neue Medien
Fachbereiche
  • Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik/Ingenieurwissenschaften