Paris-Lodron-Universität Salzburg
Kapitelgasse 4-6, 5020 Salzburg
Weitere Beispiele der Hochschule

Arbeitsrecht

Würdigung der Jury

Die Veranstaltung ist ein schönes Beispiel, um mit Hilfe des Einsatzes digitaler Werkzeuge die Betreuungssituation für Studierende zu verbessern und den Studienerfolg zu erhöhen. Das Vorhaben ist als interaktive Übung bestehend aus synchronen wie auch asynchronen Elementen angelegt, bei der komplexe arbeitsrechtliche Fragestellungen anhand praktischer Fallbeispiele geübt werden. Damit stellt das Vorhaben ein schönes Beispiel einer transformierten Lehrveranstaltung in den Rechtswissenschaften dar. Im Kern der interaktiven Übung geht es weniger darum, das Wissen zu lernen und zu reproduzieren, sondern primär um die Frage, wie man notwendige rechtswissenschaftliche Informationen erlangen und in konkreten Fällen anwenden kann. Gelernt wurde somit durch die Unterstützung digitaler Werkzeuge, wie Recht zu verwenden ist.

Auslöser für die digitale Transformation der Veranstaltung war die pandemiebedingte Umstellung auf Distanzlehre, was als Chance verstanden wurde, Lehrveranstaltung und Lehrmethoden vollkommen neu zu konzipieren. Digitale Werkzeuge werden dabei insbesondere genutzt, verschiedene Instrumente für Feedback an die Studierenden einzusetzen. Diese reichen von Online-Tests über moderierte Online-Foren bis zu individuellem Feedback zu eingereichten Falllösungen auf Basis eines Textbausteinsystems. Der besonderen Herausforderung der Online-Lehre wurde auf mehreren Ebenen begegnet. Die Kombination verschiedener Feedback-Instrumente, eine klare Kommunikation und Stoffbegrenzung sowie auf der persönlichen Ebene die Herstellung einer echten Beziehung zu den Studierenden.

Im Ergebnis dieser verschiedenen Feedback-Instrumente zeigt sich eine hohe Motivation der Studierenden zur Mitarbeit, was im Endergebnis zu sehr guten Lernresultaten führt. Das Konzept ist insgesamt sehr stimmig und nachvollziehbar beschrieben und wird durch die Unterstützung der Studierenden getragen.

Univ.-Prof. Dr. Karsten Morisse
Hochschule Osnabrück

Ziele/Motive/Ausgangslage/Problemstellung

Bei der nominierten Lehrveranstaltung handelt es sich um eine interaktive Übung bei der die Anwendung theoretischen Wissens und die Lösung komplexer arbeitsrechtlicher Fragen anhand von praktischen Fällen geübt wurde. Ziel dieser Lehrveranstaltung war, dass die Studierenden Theorie in der Praxis anwenden können und sich in der Fülle des überall verfügbaren Wissens sprichwörtlich „zu Recht“ finden.

 

Im Rahmen dieser interaktiven Übung ging es deshalb weniger darum Wissen (auswendig) zu lernen und zu reproduzieren, sondern zu wissen wo und wie man zu den notwendigen Informationen (Gesetze, Literatur, Judikatur) gelangt und wie dieses Wissen an konkreten Fällen anzuwenden ist. Das Denk- und Prüfungshandwerkszeug der Jurist*innen stand im Zentrum. Die Studierenden übten präzise zu subsumieren, auszulegen, zu argumentieren und Lösungsalternativen zu erzeugen und abzuwägen. Gelernt werden musste also vor allem die Methode, Recht zu verwenden. Es ging um Strukturwissen und Strukturverständnis.

 

Die Umstellung auf Distanzlehre war Anlass für mich, neu über Lehrmethoden und die Rahmenbedingungen der Lehrveranstaltung nachzudenken. Ich habe versucht, mich (zum Teil) von bestehenden Konzepten zu lösen und die Studierenden und ihre Bedürfnisse wieder in das Zentrum der Lehrveranstaltung zu rücken.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Das Projekt stellt ein besonders gelungenes Beispiel erfolgreicher und innovativer Distanzlehre dar, deren Inhalte, Methoden und Erfahrungen zukünftig auch für Präsenzformate fruchtbar gemacht werden können.

Den Herausforderungen der Distanzlehre wurde auf mehreren Ebenen begegnet, v.a. durch Kombination verschiedener Beurteilungselemente, klarer Kommunikation, klarer Stoffabgrenzung, sehr viel Feedback für Studierende, Transparenz und der Herstellung einer angemessenen Beziehung zu den Studierenden.

In der Lehrveranstaltung wurde anhand von fünf praktischen arbeitsrechtlichen Fällen, die Anwendung theoretischen Wissens geübt. Der Ablauf war simpel und wurde im Rahmen einer Vorbesprechung erklärt:

1. Fallangabe in Blackboard

2. Ausarbeitung einer schriftlichen Lösung unter Zuhilfenahme aller Hilfsmittel

3. Inhaltliche Fragen konnten im Diskussionsforum gestellt werden

4. Ausfüllen eines Onlinetest

5. Individuelles Feedback zur ausgearbeiteten Falllösung

6. Fallnachbesprechung (Lösungsskizzen, häufige Fehler, Besonderheiten der Fälle)

Diese grundsätzlich arbeitsintensive Methode wurde erst durch eine Standardisierung der Rückmeldungen mit Hilfe eines Textbausteinesystems ermöglicht. Die Kommunikation und Abwicklung erfolgte zudem sehr erfolgreich über die Lernplattform.

Die Rückmeldungen der Studierenden aber auch die Ergebnisse waren hervorragend, weshalb eine nachhaltige Integration der entwickelten Methoden und Erfahrungen (über die Dauer der Pandemie hinaus) geplant ist.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

The submitted project is a successful example of how to transform to distance teaching methods. The content, methods and experiences can also be used for face-to-face courses in the future.

 

The challenges of distance teaching were met on several levels, especially through combination of different assessment elements, clear communication, determination of the work load, a lot of feedback instruments , transparency and the creation of an appropriate relationship between students and the teacher.

 

The application of theoretical knowledge was practiced on the basis of five labour law cases. The progress of the course was simple and was explained in advance in a preliminary discussion:

 

1. Initially, a case was uploaded to Blackboard;

2. The students then had to work out a written solution with all available tools and books;

3. Content-related questions could be asked in the discussion forum;

4. an online test had to be completed, which also dealt with the subject of the very case;

5. students received individual feedback via e-mail;

6. As part of a virtual case debriefing, solution sketches, common mistakes and special features were discussed.

 

This basically labour-intensive method was (only) made possible by standardizing the feedback elements with the help of a text-module-system. Communication and processing took place very successfully via a teaching platform called “balckboard”.

Feedback from the students and the results were excellent.

Nähere Beschreibung des Projekts

Aufgrund der Corona-Pandemie waren Lehrveranstaltungsleiter*innen (auch 2021) gezwungen, Lehrveranstaltung an der Universität Salzburg in virtueller Form abzuhalten. Diese Veränderung birgt allerdings auch Chancen. Im Zuge der Umstellung auf Distance-Teaching habe ich versucht, in Zusammenhang mit den bestehenden Zielsetzungen neu darüber nachdenken,

 

• was Studierende selbst lernen können,

• wobei sie Unterstützung brauchen und

• in welcher Form man ihnen diese Unterstützung zuteilwerden lässt.

Dabei bin ich zu dem Entschluss gelangt, dass es eine Mischung aus synchronen und asynchronen Phasen braucht. Das heißt, dass es einerseits wichtig ist, den Studierenden den für die Fallausarbeitung und das „sich zu Recht finden“ notwendigen Freiraum zu geben, dies aber mit synchronen Phasen verbunden werden muss, in denen die Studierenden möglichst barrierefrei die Möglichkeit haben, Fragen zu stellen und offen und auf Augenhöhe zu diskutieren.

 

Um bestmögliche Lernerfolge sicherzustellen wurde eine Kombination an verschiedenen Lehr- und Beurteilungselementen etabliert. Seitens der Studierenden wurde folgender Input erwartet:

 

• (Verpflichtende) Schriftliche Ausarbeitung einer Falllösung pro Fall;

• (Verpflichtende) Absolvierung des Online-Tests zum Themengebiet des jeweiligen Falles;

• virtuelle Fallnachbesprechung im Plenum;

• (optionale) Mitarbeit samt Erhalt von Mitarbeitspunkten;

- bei der virtuellen Fallnachbesprechung;

- im Diskussionsforum;

- bei ordentlichen Falllösungen und

- bei Onlinetests mit über 120 Punkten;

• (Verpflichtender) Abschlusstest bestehend aus einer Hausarbeit und einem Onlinetest.

Der Schwerpunkt lag auf der verpflichtenden schriftlichen Ausarbeitung von Falllösungen. Neu an dieser Lehrveranstaltung war, dass die Abgabe der schriftlich ausgearbeiteten Lösungen verpflichtend war und der Lehrende jedem Studierenden individuelles Feedback zur eingereichten Falllösung rückmeldete (zum dies erst ermöglichenden Textbausteinsystem siehe unten). Diese im Vergleich zum bisherigen Format de facto umfangreicheren Anforderungen an die Studierenden (früher erwartete man zwar auch eine Vorbereitung der Fälle, dies wurde aber nicht kontrolliert) wurden mit möglichst vielen Rückmeldungen seitens der Lehrveranstaltungsleitung kompensiert. Entsprechend dem Mix an Lehrelementen, wurde eine Vielzahl an Feedbackelementen vorgesehen:

 

• Individuelles Feedback zur schriftlichen Ausarbeitung per E-Mail;

• Gemeinsame Fallnachbesprechung per Webex;

• Lösungsskizze pro Fall;

• Veröffentlichung einer ausformulierten Musterlösung eines Studierenden;

• Moderation und Beantwortung von Fragen im Diskussionsforum.

Es zeigte sich, dass das regelmäßige und vielschichtige Feedback der Lehrveranstaltungsleitung auf den Input der Studierenden nicht nur den Wissenstransfer förderte, sondern auch die Motivation der Studierenden hoch hielt, da ihre Lösungen gelesen, korrigiert und diskutiert wurden. Die Rückmeldungen der Studierenden zeigten, dass insbesondere in Pandemiezeiten dieser gezielte und doch persönliche Austausch wichtig war und dankbar angenommen wurde. Sowohl die Lernergebnisse als auch die Rückmeldungen der Studierenden waren hervorragend.

 

Zentrales – und von den Studierenden extrem gut angenommenes – Feedbackinstrument war die individuelle Rückmeldung zu den schriftlichen Falllösungen per E-Mail. Diese grundsätzlich sehr arbeitsintensive Methode wurde (erst) durch eine Standardisierung der Rückmeldungen mit Hilfe eines Textbausteinsystems ermöglicht. Dabei wurden im Vorhinein typische formale und inhaltliche Anmerkungen erstellt, welche mit Hilfe eines Textbausteinsystems (TBDeluxe) mittels Mausklick unkompliziert und rasch zu einer E-Mailnachricht zusammengestellt und versendet werden konnten, sodass der Arbeitsaufwand pro Rückmeldung zu einer Falllösung auf wenige Minuten (ca. 2–3 Min.) reduziert werden konnte.

Zudem wurde die aktive Einbindung der Studierenden sowie die Förderung eines aktiven Lernens über verschiedene Anreiz- und Sanktionsmechanismen sichergestellt. Am Beginn steht sicherlich die Verpflichtung schriftliche Falllösungen abzugeben und Online-Tests durchzuführen. Diese Verpflichtung wurde wie beschrieben einerseits mit intensiven Rückmeldungsformen ergänzt, andererseits erfolgte die aktive Einbindung der Studierenden über die Vergabe von Mitarbeitspunkten, die in die Endnote eingeflossen sind. Mitarbeitspunkte gab es für

 

• Wortmeldungen in der virtuellen Fallnachbesprechung

• (gewinnbringende) Beiträge im Diskussionsforum;

• ordentlichen Falllösungen und

• Onlinetests mit mehr als 120 Punkten.

Die Mitarbeitspunkte wurden (fast) tagesaktuell auf Blackboard in Form einer Exceltabelle veröffentlicht, sodass die Vergabe für die Studierenden nachvollziehbar, zeitnah und völlig transparent erfolgte.

 

Neben den bereits dargestellten Feedback-Methoden, gab es eine klare Kommunikation hinsichtlich der Erwartungen (einschließlich dem Ansprechen von Selbstverständlichem) und eine transparente Führung der Mitarbeitspunkteliste jeweils nach den einzelnen schriftlichen Abgaben und Wortmeldungen.

 

Trotz der Distanzbedingungen habe ich versucht, Studierende dazu zu bringen, sich zu inhaltlichen und methodischen Fragen untereinander auszutauschen. Besonders gut funktionierte dies im Rahmen des Diskussionsforums auf Blackboard. Dieses Tool wurde sehr gut angenommen und auch die diesbezüglichen Rückmeldungen waren sehr positiv. Ein Austausch zwischen den Studierenden erfolgte zudem im Rahmen der virtuellen Fallnachbesprechungen.

 

Hinsichtlich der Leistungsfeststellung wurde grundsätzlich versucht, möglichst am bestehenden Beurteilungskonzept festzuhalten. Im Hinblick auf die Zielsetzung der Lehrveranstaltung (Wissen anzuwenden) wurde als wesentliche Änderung die Abschlussklausur durch eine Hausarbeit samt Online-Abschlusstest ersetzt. Während schriftliche Prüfungen im juristischen Bereich oft wirklichkeitsfremd als Hilfsmittel nur das Gesetz zulassen, lag das Gewicht der Hausarbeit auf der Fähigkeit, Wissen tatsächlich anzuwenden und sich in der Fülle der möglichen Hilfsmittel zurecht zu finden. Aus diesem Grund war die Verwendung aller Hilfsmittel einschließlich des Zugangs zu Online-Datenbanken und Kommentaren nicht nur zugelassen, sondern ausdrücklich erwünscht.

 

Die Ergebnisse und Lernerfolge der Studierenden waren überdurchschnittlich. Dies war aber auch nicht weiter überraschend, denn Studierende, die bereits fünf praktische Fälle schriftlich ausgearbeitet und dazu individuelles Feedback erhalten haben, taten sich bei der sechsten schriftlichen Falllösung im Rahmen der Klausur nicht mehr schwer.

 

Dass Präsenzveranstaltungen dennoch unersetzlich für die Sozialisierung und Vernetzung sind, zeigte die im Juni abgehaltene Präsenzveranstaltung im Freien, bei der fast alle Studierenden noch Stunden nach Ende der Lehrveranstaltung vor Ort waren und sich ausgetauscht haben. Das hat mich wirklich sehr gefreut.

Mehrwert

Der Mehrwert der beschriebenen Lehrveranstaltungsmethode liegt in besseren Ergebnissen der Studierenden. Technische Mittel können ein Mittel sein, um hervorragende Betreuungsmöglichkeit zu ermöglichen.

Nachhaltigkeit

Das Konzept der eingereichten Lehrveranstaltung ist auf zahlreiche Lehrveranstaltung insb. der Rechtswissenschaften aber auch anderer Studienrichtungen übertragbar. Das Textbausteinsystem eignet sich vor allem dort, wo Studierende einheitliche Angaben bekommen und deshalb gleiche oder ähnliche Fehler gemacht werden, aber eine individuelle Rückmeldung aufgrund der Anzahl der Studierenden ressourcentechnisch nicht möglich ist.

 

Aufgrund der hervorragenden Rückmeldungen der Studierenden werden sowohl die Erfahrungen aus der Onlinelehre (synchrone und asynchrone Lernphasen, klare Kommunikation und Stoffabgrenzung, viel Feedback sowie Transparenz), als auch die die technischen Methoden (Textbausteinsystem, Online-Tests) ergänzend für zukünftige Präsenzlehrveranstaltungen eingeplant.

Aufwand

Distanzlehre ist generell mit einem erhöhten Arbeitsaufwand für Lehrende verbunden. Das eingereichte Projekt zeigt einen innovativen Weg die zeitlichen Aufwände zu reduzieren und gleichzeitig die Betreuungssituation zu verbessern und die Studienerfolge signifikant zu erhöhen.

Positionierung des Lehrangebots

Pflichtveranstaltung im Diplomstudium Rechtswissenschaften und im Bachelorstudium Recht und Wirtschaft; zweiter Studienabschnitt (gemäß dem Curriculum für das Diplomstudium der Rechtswissenschaften an der Universität Salzburg [Version 2021])

Links zu der/den Projektmitarbeiter/innen
Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2022 nominiert.
Ars Docendi
Nominiert 2022
Kategorie: Lehre und Digitale Transformation
Hochschullehrpreis 2021
Kategorie:
Link zum Hochschulpreis
Ansprechperson
Univ.-Ass. Mag. Dr. Johannes Warter
Fachbereich für Arbeits- und Wirtschaftsrecht, Team Arbeits- und Sozialrecht der Universität Salzburg
0043 662 8044 3093
Nominierte Person(en)
Univ.-Ass. Mag. Dr. Johannes Warter
Fachbereich für Arbeits- und Wirtschaftsrecht, Team Arbeits- und Sozialrecht der Universität Salzburg
Themenfelder
  • Lehr- und Lernkonzepte
  • Erfahrungslernen
  • Digitalisierung
  • Rund ums Prüfen
Fachbereiche
  • Wirtschaft und Recht