grün/Garten

Ziele/Motive/Ausgangslage/Problemstellung

Ziele

Ziel war es ein gemeinsames Projekt zu entwickeln, das bei heterogener Semesteranzahl der Studierenden, gleichzeitig ein individuelles und ein gemeinsames Arbeiten ermöglicht. Die jeweils eigenen Arbeiten der Studierenden zu dem Thema "grün" /"Garten" sollen ein gemeinsames Erkenntnisergebnis formen.

Gerade unter den wechselnden Corona-Bedingungen soll ein gemeinsamer Prozess im Austausch von an verschiedenen Orten (und auch zu verschiedenen Zeiten) realisierten Arbeiten durch die digitale Plattform "padlet" stattfinden. In Zeiten der Nicht-Präsenzlehre sollten Gruppengespräche in "webex" als Gesprächs- aber auch als künstlerisches Format genutzt werden (sound-piece), auch hybride Lehre findet statt.

Zusammenfassung und Öffentlichmachung (in einem Buch) unter Nutzung der Techniken und Fähigkeiten in der Druckgrafik und der digitalen Bildprogramme.

 

Motive

Erschließung kultureller und geschichtlicher Zusammenhänge durch Erwandern

Fragen der Nachhaltigkeit

Fragen der Organisation von urbanen und Ländlichen Räumen

Fragen der individuellen Bewegung durch Gehen/Kulturpaxis/Driften/Spazieren/dérive

Erweiterung von grafischer Praxis in den (öffentlichen) Raum hinein durch plastische und performative Eingriffe

Synenergien zwischen den Teilnehmer*innen

Vermittlungsprozesse

Praxis der Druckgrafik und aller Prozesse, die bei der Herstellung eines Buches anfallen

 

Ausgangslage

Das Department für Bildende Künste und Gestaltung der Universität Mozarteum in Salzburg bietet zwei Studiengänge an: Gestaltung. Technik Textil und Bildnerische Erziehung für Lehramt.

Die Klasse für Zeichnung und Grafik ist eine von vier Klassen für das Zentrale Künstlerische Fach in der Bildnerischen Erziehung.

Jährlich etwa 20 Studierende, die in der Klasse eingeschrieben sind und sich dort inhaltlich und künstlerisch sozialisieren.

Ein Team von Lehrenden mit unterschiedlichen Kompetenzschwerpunkten, die das Studium vermittelt: Konzeptorientierte Kunstpraxis, partizipative öffentliche Projekte, künstlerische Drucktechniken, Buchbinderei, Bildbearbeitung, Layout, Typografie, Bleisatz, Sprachgestaltung und Veröffentlichung, Spieleforschung und Cultural Studies.

Corona-Lockdowns und der Wunsch den direkten Austausch und die Zusammenarbeit in der Klasse für Zeichnung und Grafik mit digitalen Mitteln trotzdem aufrecht zu erhalten.

 

Salzburgspezifische Orte: Botanischer Garten, Community Gärten, Parks, herrschaftliche Gärten, Friedhöfe, Siedlungs-Vorgärten, Brachen, Kreisverkehre, Wälder und Agrikulturareale in Salzburg und an den Wohnorten der Studierenden

 

Eingeladene Expert*innen:

Nikolaus Kohlberger zu seinen kulturgeschichtlichen Forschungen über den Kurgarten.

Dipl. Ingenieur Christian Stadler, Leiter des Gartenamts der Stadt Salzburg, zu der Betreuung historischer herrschaftlicher Gärten als zeitgenössische öffentliche Parks.

 

padlet.com/Zeichnung_Grafik/gruen

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Das Projekt "grün/Garten" basiert auf einer multiperspektivischen und antihierarchischen Erschließung der Künste. Wir setzten uns mit komplexen gesellschaftlichen Fragen auseinander und reagierten mit künstlerischen Interventionen oder Gesten und einer situationistischen Platzierung.

Als Team mit unterschiedlichen Kompetenzen, arbeiteten wir mit allen Studierenden der Klasse ab dem dritten Semester. Methoden wurden diskutiert und Entscheidungen gemeinsam getroffen. Neue Fragen tauchten auf und brachten neue Ideen hervor. Für die Studierenden, zukünftige Kunstlehrer*innen, war dies eine Erfahrung eines offenen Prozesses einer intensiven Befragung des Konzeptes "Garten". Ausgangspunkt war eine Methodik, bei der wir gemeinsam oder individuell, digital verbunden, durch urbane und rurale Räume spazierten, Beobachtungen und Erkenntnisse sammelten.

Dies führte zu Interventionen, die - über Padlets kommuniziert - eine facettenreiche künstlerische Forschung abbildeten.

Theorie und zeitgenössische Praxis der Auseinandersetzung mit Natur wurden diskutiert, Experten für die heutige Rolle von Gärten und Parks eingeladen.

Auf Initiative der Studierenden wurde das Projekt in einem "Künstlerbuch" reflektiert. Für die Klasse für Zeichnung und Druckgrafik bot dies einschlägige Erfahrungen in Prozessen der Wissensorganisation. Eine "spazierende" Präsentation eines "mobilen Gartens" und des Künstlerbuchs "grün", lud zu Dialog und Interaktion ein.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

The project "grün/Garten" is based on a multi-perspective and anti-hierarchical exploration of the Arts. We looked at complex social questions and reacted with artistic interventions or gestures and a situationist presentation.

As a team with different areas of expertise, we worked with all students from the second year onwards. Methods were discussed and decisions reached collectively. New questions emerged and generated new ideas. For the students, future art educators, this was an experience of an open process of intensive questioning of the concept of a "garden". The starting point was a methodology in which we walked together or individually, digitally connected, through urban and rural landscapes, collecting observations and knowledge.

This led to interventions that - communicated via padlets - depicted a multifaceted artistic research.

Theory and contemporary practice of engaging with nature were discussed, expert speakers on the contemporary role of gardens and parks were invited.

Upon the initiative of the students, the project was reflected in an "artist's book". For the drawing and printmaking class this experience offered the students pertinent lessons in the various processes organizing knowledge and printing. An ambulant presentation of our "mobile garden" and the artists' book "grün" invited dialogue and interaction.

Nähere Beschreibung des Projekts

Die Klasse für Zeichnung und Grafik hat sich im Studienjahr 20/21 mit dem Thema Garten beschäftigt. Das bot die Möglichkeit verschiedene Formate für das Klassenplenum zu erfinden. Wir verabredeten uns zur gleichen Zeit aber an verschiedenen Orten um durch Spaziergänge physisch und gedanklich das Thema zu erwandern. Dabei waren wir on-line verbunden und sahen oder hörten uns gegenseitig, je nach technischer Ausstattung. Es entstand ein gemeinsames sound-piece - alle hatten Texte zum Thema gesammelt und bei sich oder lasen Sätze, denen sie unterwegs begegneten, laut. Es gab Pausen dann begann wieder jemand zu sprechen. Die Abfolge entstand spontan. Oder wir gingen durch mehrere Gärten und Landschaften, sodaß immer höchstens zwei Personen gleichzeitig am selben Ort waren. Trotzdem sahen wir uns dabei gegenseitig aus der Distanz. Es ging darum gemeinschaftliches Tun - auch digital kommuniziert - in den Mittelpunkt zu stellen und uns gegenseitig immer unseres jeweils gegenwärtigen Seins zu versichern.

 

Verschränkt mit diesem physisch und beobachtenden Erschließen des Garten-Themas kam die theoretische Beschäftigung mit gegenwärtigen Konzepten zum Verhältnis von Natur und Individuum und Gesellschaft, der Gegenwart und Zukunft des Planeten.

Praktisch entstanden Beete als Selbstporträts an unseren jeweiligen Wohnorten, Aussaaten, Listen von Lieblingspflanzen, von Heil- und von Giftpflanzen, und die Gespräche darüber. Protestgärten, Nutzgärten, kollektive Gärten, Veränderungen von Gärten als Gegenüber, als wir selbst, als Artikulierung von Zeit wuchsen in unseren Gedanken und in den Arbeiten. Das wurde digital auf in "Padlets" dokumentiert und gesammelt.

 

Die Studierenden gründeten die Initiative diese künstlerische Forschung in einem Buch zusammenzufassen.

Mit der Risografie verfügten wir über eine für Auflagendruck geeignete Drucktechnik: die Risographie ist ein Schablonendruckverfahren nach Art der Siebdrucktechnik. Sie wurde in den 1980er Jahren entwickelt. Man druckt darin mit Schmuckfarben und kann mit der Rasterung spielen. Alle gestalterische Entscheidungen wurden gemeinsam getroffen: Format, wieviele und welche Farben, Papier, Typografie, Einband, Art der Bindung - man einigte sich darauf, daß jeder*m drei Seiten zur Verfügung stehen. Die Studierenden griffen aus ihren jeweiligen Projekten eine Idee für ihren Beitrag heraus und entwickelten ihn jeweils zu einer Riso-edition. Die Abfolge lässt die*den Leser*in durch Annäherung an das Thema Garten und genau gestaltete Buchseiten spazieren. Hinzu kommt ein Rückblick auf die theoretischen Fragestellungen und Beiträge.

 

Die Bögen zu drucken, zu falten, zu sortieren, den Karton des Umschlags zu prägen, die Bindung zu nähen, zu kleben, zu pressen waren Prozessabfolgen, die das Atelier der Klasse für Zeichnung und Grafik in eine Manufaktur-artige Werkstatt umwandelten, in der zu allen Zeiten, im Rahmen der erlaubten Höchstzahl von Anwesenden, Studierende konzentriert diese Einzelschritte einer Buchherstellung ausführten und dabei zusammen waren. Alle arbeiteten zusammen aber zu unterschiedlichen Zeiten an den Arbeitsschritten dieser gemeinsamen Publikation und erwarben dabei wichtige Kompetenzen in Projektorganisation, Drucktechnik, Layout, Bildbearbeitung, Buchgestaltung, Redaktion und Buchherstellung. Anlässlich des "Rundgangs", der jährlichen Präsentation des Departments für Bildende Künste und Gestaltung an der Universität Mozarteum bekamen die aufeinanderfolgenden Einzelseiten des Buchs "grün" die Form einer rezipierbaren Wandzeitung an einer öffentlich zugänglichen Fensterfront des zentralen Konzertsaals der Universität.

 

In einer anderen Aktion, zog, schob oder trug die Klasse für Zeichnung und Grafik einen "Mobilen Garten" vom vorstädtischen Campus in der Alpenstraße aus in die Innenstadt und erzeugte so zufällige Begegnungen und Gespräche mit Bewohner*innen. Der unmittelbarste und interessanteste Austausch war mit Menschen, die in ihren Gärten arbeiteten und am Salzburger Grünmarkt.

Unser Garten war abstrakt und konkret und sehr unterschiedlich. Die Utopie, dass Gärten nicht festgewachsen und an den konkreten Raum gebunden sein müssen, lebten wir in diesem Spaziergang mit unserem Garten. Dafür hatten wir Wägen, Vehikel und Tragen entwickelt und zeigten dem Garten die Stadt und der Stadt unseren Garten.

An verschiedenen Haltepunkten wurde mithilfe des Buches "grün" unsere Forschung zu Garten der Öffentlichkeit vermittelt.

 

Dem ganzen Projekt liegt eine multiperspektivische und anti-hierarchische Herangehensweise an die Erschließung der Künste zu Grunde.

Komplexen gesellschaftlichen Themenfeldern näherten wir uns in konkreten bildnerischen Arbeiten und einer situationistischen Platzierung.

Mehrwert

Verschränkung von Theorie und künstlerischer Praxis als individueller und kollektiver Forschungsmethode

Erkenntnis und Wissenserwerwerb zum Zusammenhang von Natur und Kultur

Kennenlernen und Aneignung künstlerisch forschender Methoden

Verschränkung von analogem und digitalem künstlerischen Arbeiten

Gleichberechtigtes Arbeiten von Studierenden und Lehrenden

Arbeitsteiliges Vorgehen mit verbindlichen Absprachen für das gemeinsame Gesamtergebnis

Nachhaltigkeit

Das Projekt entwickelte Methoden und Vorgehensweisen, die sich auch auf andere Inhalte übertragen lassen.

Das gegenwärtige Nachfolgeprojekt kreist um das Thema "Archiv/Sammeln/Zeichnen" und greift auf unsere gemeinsamen Erkenntnisse/Erfahrungen und die Teamentwicklung zurück.

Das ist insbesondere für Lehramtsstudierende wichtig für deren zukünftigen Leher*innen-Alltag, das gemeinsame Entwickeln dieser Herangehensweisen eine Modell-Erfahrung darstellt

Aufwand

Zeit:

Vor allem das anders geartete Zeitmanagement von Gruppenprozessen im Gegensatz zu einer herkömmlichen "linearen" Lehrveranstaltung, hat einerseits mehr Stunden in Anspruch genommen, andererseit aber die Studierenden empowered selbstständiger und selbstorganisierter zu arbeiten

 

Kosten:

Mehrkosten für Papier, Werkstattgebühren in einer Typografie-Werkstatt, Lizenzgebühren für digitale Plattform "Padlet"

technische Ausstattung - iPads für Projektorganisation, digitale Aufbereitung der Druckvorlagen und Vermittlungs-Tool gegenüber der Öffentlichkeit

Positionierung des Lehrangebots

Studierende ab dem 3. Semester arbeiten zusammen mit höhersemestrigen Studierenden bis hin zum Master

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Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2022 nominiert.
Ars Docendi
2022
Kategorie: Forschungsbezogene bzw. kunstgeleitete Lehre
Ansprechperson
Univ. Prof. Beate Terfloth
Department für Bildende Künste und Gestaltung, Klasse für Zeichnung und Grafik
+4916096259439
Nominierte Person(en)
Beate Terfloth, Univ. Prof. für Zeichnung und Grafik
Department für Bildende Künste und Gestaltung, Klasse für Zeichnung und Grafik
Erik Hable
Department für Bildende Künste und Gestaltung, Klasse für Zeichnung und Grafik
Sigrid Langrehr, Mag.
Department für Bildende Künste und Gestaltung, Klasse für Zeichnung und Grafik
Bernhard Lochmann, Mag. art.
Department für Bildende Künste und Gestaltung, Klasse für Zeichnung und Grafik
Eva Möseneder
Department für Bildende Künste und Gestaltung, Klasse für Zeichnung und Grafik
Sarah Oswald, Mag. art.
Department für Bildende Künste und Gestaltung, Klasse für Zeichnung und Grafik
Sonja Prlic, Mag.phil. MA. PhD.
Department für Bildende Künste und Gestaltung, Klasse für Zeichnung und Grafik
Karl Zechenter
Department für Bildende Künste und Gestaltung, Klasse für Zeichnung und Grafik
Themenfelder
  • Lehr- und Lernkonzepte
  • Erfahrungslernen
  • Infrastruktur/Lehrmaterialien
  • Digitalisierung
  • Sonstiges
Fachbereiche
  • Kunst, Musik und Gestaltung