Universität für Bodenkultur Wien
Gregor Mendel Straße 33, 1180 Wien

Nachhaltig innovative Unternehmensführung durch forschungsgeleitete Lehre

Ziele/Motive/Ausgangslage/Problemstellung

Ziel, der auf inkrementeller, systematischer Analyse von Evaluierungsergebnissen basierenden Weiterentwicklung, der Lehrveranstaltung „Unternehmensführung 2“ ist es, durch forschungsgeleitete Hochschullehre mit digitalen, spielbasierten Simulationsworkshops im Blended Learning Format, entscheidende Schlüsselkompetenzen zur nachhaltig innovativen Unternehmensführung im Sinne der Entrepreneurship Education zu kultivieren und dabei die individuellen Talente der Studierenden zu fördern. Dazu wird ein motivierendes, flexibles Lernumfeld geschaffen indem mediendidaktische Elemente aus praxisnahem Projektunterricht, Invented Classroom, synchronen – sowohl Online als auch in Präsenz – und asynchronen Lernphasen sowie vielfältigen digitalen Lernmethoden klar strukturiert verschmolzen werden, um die individuellen Studierenden basierend auf den Chancen und Stärken der einzelnen Konzepte anzusprechen. Dies ermöglicht es, die Vermittlung von neusten Erkenntnissen aus der Wissenschaft mit deren direkter Umsetzung in die wirtschaftliche Praxis zu verzahnen, die wiederum in die Forschung einfließt, womit Studierende die Kompetenzen erhalten, evidenzbasiert neues Wissen zu generieren („Innovation ist – die Anwendung neuer Methoden und Techniken“) und über die notwendige Handlungsfähigkeit verfügen, dieses auch auf relevante Themenfelder anzuwenden („Innovation ist – die Umsetzung von neuen Ideen und Wissen in die Praxis“).

 

Konkrete Lernziele:

1. Studierende können die strategischen Aufgaben der Unternehmensführung beschreiben, erkennen deren Bedeutung und können diese umsetzen, indem Sie theoretische Konzepte und wissenschaftliche Erkenntnisse reflektiert auf praktische Anwendungsfälle übertragen, Untersuchungsmethoden anwenden sowie Lösungsalternativen analysieren und bewerten.

2. Studierende sind in der Lage selbständig relevante Forschungsliteratur zu erarbeiten, Forschungsmethoden in eigenständig gestalteten Forschungsprozessen korrekt anzuwenden und an Forschungsdiskursen kritisch zu partizipieren.

3. Studierende können (softwaregestützte) Werkzeuge anwenden, um durch quantitative (z.B. AnyLogic zur Diskreten Event Simulation oder Bee-Up zur Prozessmodellierung) und qualitative Analysen (z.B. SWOT-Analyse oder Balanced Scorecard für Unternehmen oder Lieferketten) Managemententscheidungen der Unternehmensführung fundiert zu unterstützen.

4. Studierende verstehen die Dynamiken innerhalb von Wertschöpfungsketten und können in Projektarbeit, Workshops und spielbasierten Online-Simulationen entwickelte Management-Strategien in die Praxis übertragen.

5. Studierende sind in der Lage Ergebnisse zu visualisieren, Erkenntnisse zu kommunizieren sowie mediengestützt zu präsentieren, moderiert (z.B. in Workshops) zu diskutieren und zu verhandeln.

6. Studierende verstehen die Bedeutung von selbständigem, lebenslangem Lernen, evidenzbasierter Wissenschaft, Demokratie, Gleichberechtigung, Nachhaltigkeit, Respekt sowie konstruktiven Diskurs und leben diese Werte proaktiv.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

In der forschungsorientierten LV „Unternehmensführung 2“ kultivieren Studierende entscheidende Schlüsselkompetenzen zur evidenzbasierten Generierung von neuem Wissen und direkter Umsetzung in die wirtschaftliche Praxis im Sinne der Entrepreneurship Education, die wiederum in die Forschung einfließt. Dazu wird ein motivierendes Lernumfeld geschaffen, indem vielfältige mediendidaktische Elemente strukturiert verschmolzen werden, um flexibel und individuell die Talente der Studierenden zu fördern. Kollaborative Lernerfahrungen zur Entwicklung von Führungspersönlichkeiten reichen von realen Fallstudienprojekten mit Mentoring aus Wissenschaft, Wirtschaft und Beratung, die in Kleingruppen bewältigt werden, über Notfallplanungsworkshops, in denen mittelgroße Teams, digitale, wissenschaftliche Simulationsmodelle zur datenbasierten Entscheidungsunterstützung einsetzen, bis hin zur kollektiven Teilnahme an einem weltweiten Wettbewerb führender Universitäten, indem sich Studierende in einer spielbasierten Online-Simulation messen. Dieser Fokus auf Praxisorientierung, Digitalisierung und kollaborativer Problemlösung ermöglicht es, synergetisch vorhandene Fähigkeiten und Kenntnisse der heterogenen Studierendengruppen zu verknüpfen sowie durch (Peer-) Feedback und ausgewogene Gewichtung von selbstverantworteter Lernautonomie und Lernprozesssteuerung individuelle und kollektive Lernerfolge zu erreichen, die bei hoher Motivation und positiver Emotion eine faire Studierbarkeit sicherstellen.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

In the research-oriented course "Entrepreneurship 2", students develop key competences for the evidence-based acquisition of new knowledge and its direct implementation in the business world in the sense of an entrepreneurship education, which in return contributes to research. To achieve this, a motivating learning environment is created by fusing diverse media-didactic elements in a structured way to flexibly and individually enhance students' talents. Collaborative learning experiences to develop leadership skills range from real-life case study projects – with mentoring from academia, business and consulting, completed in small groups – to contingency planning workshops – in which medium-sized teams use digital, scientific simulation models for advanced data-based decision support – to participating collectively in a global competition among leading universities by letting students compete in a game-based online simulation. This focus on practical application, digitalization and collaborative problem solving enables to synergistically link existing skills and knowledge of heterogeneous student groups as well as achieve individual and collective learning successes through (peer) feedback and balanced allocation of learning independence and learning process control, which ensure a fair workload while maintaining a high level of motivation and positive emotion.

Nähere Beschreibung des Projekts

Der Ablauf der Lehrveranstaltung startet mit der Initiierung des für das Lernen notwendigen sozialen Prozesses in Form eines Kennenlernens, das entweder Online- oder in Präsenz stattfindet. Dieses umfasst einerseits einen Bewerbungsworkshop (Karriereplanung) sowie praxisnahe Übungen („Wie lernen Unternehmen/wissenschaftliche Institute neue Mitarbeitende kennen?) zur Selbstreflexion („Wer bin ich und was kann ich?“) und dem Erwartungsmanagement („Wohin möchte ich mich Weiterentwickeln und was kann die Lehrveranstaltung dazu beitragen?“) aus der Psychologie und Team-Buildingmethoden aus dem Managementcoaching (Vorbereitung auf Projektarbeit). Andererseits lernen die Studierenden den organisatorischen und inhaltlichen Lehrveranstaltungsablauf kennen, der anhand aktueller, wissenschaftlicher Forschungsfragen und konkreter wirtschaftlicher Herausforderungen aufgezeigt wird, wobei basierend auf den Lernzielen der angestrebte Kompetenzerwerb und die Benotungskriterien transparent dargelegt werden. Zusätzlich dient ein klar strukturierter Moodle-Kurs den Studierenden als digitaler Ankerpunkt und schafft die nötige Übersicht um den eigenen Lernfortschritt, die Kurs- und Abgabetermine, Zoom-Links und vielfältig zum Einsatz kommenden mediendidaktische Elemente jederzeit zu überblicken.

Im Bewerbungsworkshop werden durch die Analyse, der, von den Studierenden auf konkrete Stellenausschreibungen vorbereiteten, Bewerbungsunterlagen im Peer-Review Verfahren Bewerbungsgesprächssimulation in Teams durchgeführt und Erkenntnisse sowie aufgetretene Frage anschließend in der Gruppe gemeinsam mit externen Recruiting-Expert*innen diskutiert und reflektiert (zuletzt etwa mit Bildungsinitiative TeachForAustria, AFRY Unternehmensberatung, ehemaligen Studierenden in Leitungspositionen). Dieser Einstieg zeigt die wertvolle Heterogenität unterschiedlichen Vorerfahrungen der Studierenden sowie die Anwendbarkeit der im Kurs kultivierten Kompetenzen im (Berufs-) Leben und unterstützt Studierende verschiedene Karrierewege in Wissenschaft, Wirtschaft und Beratung kennenzulernen.

In den folgenden Einheiten eignen sich die Studierenden, geleitet durch digitale Medien (u.a. Online-Lektionen, mehrstufigen Online-Peer-Reviews, Aufgaben und Tests mit Lernkontroll- und Reflexionsfragen) in asynchronen Selbstlerneinheiten, Grundlegende Inhalte aus dem Lehrbuch „Grundlagen des Managements“ von Schreyögg und Koch und vertiefende Inhalte aus aktueller Forschungsliteratur, etwa direkt vom Institut für Produktionswirtschaft und Logistik der BOKU, zu unterschiedlichen Themen (u.a., strategisches Management, Innovationsprozesse, Führung) an. Diese wenden sie in Kleingruppen (2–3 Personen) direkt auf konkrete Fallstudien an, deren Lösung sie in synchronen Einheiten (Online oder Präsenz) zusammen mit einer aktivierenden Challenge präsentieren. Diese wird in Präsenzsituationen, etwa durch Gruppendynamikübungen, Kahoot-Quizzes oder Mentimeter-Umfragen, ebenso wie in virtuellen Lernräumen, durch die Verwendung moderner digitale Tools wie GatherTown-Welten, Miro-Whiteboards, Ankiweb-Karteikarten, Mindmaps oder Online-Schnitzeljagden eingesetzt. Das dient zur Motivation von- und Interaktionen mit Zuhörenden, wobei sich die Studierenden bei ihrem selbstgewählte Methodeneinsatz beindruckend engagiert zeigen und sich mit den neusten Tools- und Formaten gegenseitig und spielerisch einen breiten Methodenwerkzeugkoffer aneignen.

Das individuelle Interesse, Vorwissen und die aktuelle Lebenssituation der Studierenden wird umfassend berücksichtigt, indem die Zuteilung von Themen und Fallstudien im Rahmen von Verhandlungsübungen erfolgt, in denen die Studierenden innerhalb einer limitierten Zeit, selbständig eine Kompromisslösung aushandeln, die stets bemerkenswert ausgewogene Teams ergibt. Dies motiviert besonders ehrgeizige Studierende, die gerne viel Anstrengung in ein komplexes Thema stecken, ebenso, wie es auf faire und sozial verträgliche Art die Interessen von zeitlich eingeschränkteren Studierenden berücksichtigt, die aufgrund eines fordernden Lebensmanagements (Kinder, Pflege, Beruf) effizient arbeiten wollen.

Abwechselnd zu diesen grundlegenden Einheiten finden zur Aktivierung und Motivation Trainingssettings für die „International Wood Supply Game Competition“ statt. Bei diesem Wettbewerb messen sich alle Studierenden gemeinsam als „BOKUcrew“ mit teilnehmenden Teams anderer führender Universitäten (in diesem Jahr etwa aus Kanada, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Sri Lanka, Schweden, Belgien, Frankreich und Finnland) in herausfordernden Managementszenarien einer Online-Lieferkettensimulation. Die hierbei zum Einsatz kommende, frei zugängliche Plattform (https://www.forac.ulaval.ca/en/transfer/wood_supply_game/description/) wurde vom kanadischen FORAC Forschungskonsortium basierend auf fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen (u.a. doi.org/10.1287/ited.2017.0174) entwickelt. In den Trainingseinheiten transferieren die Studierenden wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Forschung in praxisnahe, selbst entwickelte Analysetools (z.B. Modelle zur Absatztrendprognose, Bestellmengenoptimierung, Ressourcenzuteilung) zur Entscheidungsunterstützung unter Unsicherheit. Darüber hinaus verbessern sie in Übungsszenarien ihre internen Kommunikationsprozesse, um beim Wettkampf unter Zeitdruck zu bestehen. Durch den Kontaktaufbau im Rahmen der Trainings sowie dem Wettkampf weitet sich der Horizont der Studierenden, die durch diese internationalisation@home internationale Kontakte zu Professor*innen und Studierenden ähnlicher Studienrichtungen sowie wertvolle Erfahrungen sammeln können und feststellen, dass sich ihre kultivierten Kompetenzen auch international bewähren.

Die Erarbeitung, kritische Diskussion, Reflexion und Präsentation relevanter Forschungsliteratur zieht sich über die gesamte Lehrveranstaltung und ermöglicht Studierenden vielfältige qualitative und quantitative Forschungsmethoden aus dem Operations-Research kennen zu lernen, die in eigenständig gestalteten Forschungsprozessen, etwa bei der Entwicklung der Analysetools für den Wettbewerb angewendet werden und dadurch wiederum aktive Forschungsbeiträge liefern. Eigene Forschungstätigkeiten werden darüber hinaus in den Semesterprojekten fokussiert vorangetrieben, die es Studierenden erneut, je nach persönlichem Interesse („Sie ahnen es bereits, es wird wieder verhandelt und konstruktiv um Kompromisse gerungen“), Kompetenzen und Talenten ermöglichen, in mittelgroßen Teams (5–7 Personen) an komplexen Aufgabenstellungen aus der Wissenschaft (basierend auf Forschungsprojekten des Institutes für Produktionswirtschaft und Logistik: zuletzt Digitalisierungspotentiale der Holzindustrie durch Blockchain, Digital Twins und Big Data), Unternehmensberatung (eingebracht von einer externen Unternehmensberatung: zuletzt AFRY mit einer Standortsuche für ein Großsägewerk in Polen) und Wirtschaft (zuletzt: Literature-Review zu SWOT Analysen entlang der Holzlieferkette) mit Expert*innen Mentoring zu arbeiten. Erkenntnisse verschriftlichen die Studierendengruppen in Seminararbeiten, die bewusst der Normstruktur wissenschaftlicher Publikationen folgen und von den Studierenden im Rahmen einer Abschlusspräsentation vorgestellt und gegen kritische Fragen von den auftraggebenden Expert*innen und anderen Studierendenteams verteidigt werden. Die jeweiligen Peer-, Expert*innen- und Lehrenden-Feedbacks zu jeder Präsentation stützen sich auf einen übersichtlichen Bewertungsbogen, der sowohl die Substanz des Inhaltes (Aufbau, Quantität, Sachwissen, Quellenauswahl, Kreativität) als auch die Qualität der Vermittlung (Medieneinsatz, Redefluss, Ausdrucksvermögen, Gestik) miteinbezieht.

Den Abschluss der Lehrveranstaltung bildet ein eigens entwickelter, von den Studierenden vielfach als Höhepunkt bezeichneter, Notfallplanungsworkshop, der noch einmal ganz gezielt die im Rahmen der Lehrveranstaltung neu gewonnen und vertiefend kultivierten Kompetenzen vor Augen führt. Der didaktische Aufbau und detaillierte Ablauf des Workshops ist durch die Open Access Veröffentlichung im renommierten „International Journal of Simulation Modelling“ unter doi.org/10.2507/IJSIMM19-3-526 (Kogler & Rauch 2020, 12 Zitate) jederzeit frei zugänglich und soll anderen als Anregung und Leitfaden für forschungsgeleitete Lehre und Wissenstransfer in die Praxis dienen. Aus diesem Grund wurde der Workshop auch bereits in abgewandelter Form mit Entscheidungsträger*innen entlang der Holzlieferkette und Wissenschaftler*innen durchgeführt sowie auf der „Winter Simulation Conference 2019“ in den USA, der wichtigsten wissenschaftlichen Konferenz für Simulationsmethoden, erstmals internationalen Expert*innen vorgestellt und von diesen begeistert aufgenommen. Im Rahmen des Notfallplanungsworkshops erhalten die Studierenden, dem selbstgesteuerten, problemorientierten Lernen entsprechend, praxisnahe Planungsprobleme (z.B. Notfallmanagement nach Windwurf durch Einsatz von nachhaltigem Zugtransport), die sie mit Hilfe von neuesten, unter doi.org/10.3390/f11040396 frei zugänglich publizierten Transportplanungstabellen (Kogler und Rauch 2020, 6 Zitate, dieser Artikel erhielt 2020 den Best-Paper Award des Jubiläumsfonds der Stadt Wien für die Universität der Bodenkultur Wien) und unter Einsatz von innovativen wissenschaftlichen Simulationsmodellen (Kogler und Rauch 2019, doi.org/10.1139/cjfr-2018-0542, 17 Zitate und Kogler et al. 2020, doi.org/10.3390/f11121245, 5 Zitate) lösen. Hierfür wurden auf Anregung der Studierenden, die Simulationsmodelle schrittweise mit intuitiv bedienbaren, grafisch aufgearbeiteten Benutzeroberflächen, Animationen und Kennzahlencockpits ausgestattet, womit seither der Wissenstransfer in die wirtschaftliche Praxis noch besser gelingt und ein wunderbares Beispiel von sich gegenseitig bereichernder, kompromisslos-forschungsgeleiteter Lehre aufzeigt, die den innovativen Charakter der Lehrveranstaltung unterstreicht.

Mehrwert

Der Mehrwert, der sich durch die forschungsgeleitete LV „Unternehmensführung 2“ ergibt, beruht maßgeblich auf deren nachhaltigen Innovation. Diese nachhaltige Innovation ist nur durch eine konsequente Forschungsorientierung der Lehre möglich, da nur so sichergestellt ist, ständig neuste Erkenntnisse, auch aus der eigenen Forschung, direkt zu vermitteln und die Studierenden dadurch zu selbigen zu motivieren und anzuleiten sowie durch wissenschaftliche Beobachtung dieses Prozesses erneut neues Wissen zu schaffen und dieses auch weiterzugeben und zu publizieren. Dadurch wir ein direkter und andauernder Feedback-Loop von Forschung zu Lehre und von Lehre zurück zur Forschung angestoßen und abgebildet, der für beide Seiten überaus bereichernd, konstruktiv und wertvoll ist.

Die Studierenden partizipativeren aktiv an Forschungsprojekten und kultivieren entscheidende Schlüsselkompetenzen wie u.a. das selbständige Erarbeiten relevanter Forschungsliteratur, die korrekte Anwendung von Forschungsmethoden in eigenständig gestalteten Forschungsprozessen oder die kritische Reflexion von Forschungsdiskursen, die sich allesamt auch in den Lernzielen der Lehrveranstaltung wiederfinden. Studierende profitieren u.a. bereits bei der Erstellung ihrer wissenschaftlichen Masterarbeiten (die vielfach im Anschluss an bzw. parallel mit der LV begonnen werden) von diesen Kompetenzen. Neben dem Einsatz und der Entwicklung von wissenschaftlichen Computersimulationsmodellen und digitalen Entscheidungsunterstützungstools, die direkten Einfluss auf die Digitalisierungskompetenzen der Studierenden haben, trägt indirekt auch der innovative mediendidaktischen Blended-Learning Ansatz zum Kompetenzerwerb bei und ermöglicht es gleichzeitig heterogene Studierende mit unterschiedlicher Vorbildung zu fördern sowie besonders motivierte Studierende zu fordern. Die zahlreichen Präsentationen, Diskussionen, Moderationen und Verhandlungen während der gesamten Lehrveranstaltung verbessern die Kommunikationskompetenz der Studierenden, die sowohl in der Wissenschaft (z.B. Posterpräsentation auf Konferenz mit anschließender Diskussion), Unternehmensberatung (z.B. Stakeholder-Interviews, Moderation eines Projekt-Kick-Offs) aber auch Wirtschaft (z.B. „Elivator Pitch“ vor oder Verhandlung mit Investor) von hohem Nutzen ist. Darüber hinaus steigern auch die Praxisorientierung, Internalisation@home sowie Führungskompetenzen und kollaborative Problemlösungskompetenzen maßgeblich die Employability der Studierenden. Die zahlreichen Einblicke in unterschiedliche Karrierewege in Wissenschaft, Wirtschaft oder Unternehmensberatung helfen den Studierenden auf Basis ihrer Fähigkeiten, Talente und Wünsche eine reflektierte Jobentscheidung zu treffen und sich hierfür erfolgreich zu qualifizieren/bewerben. Die forcierte Entrepreneurship Education zielt speziell auf die Kultivierung zentraler handlungs- und wertorientierter Kompetenzen für die erfolgreiche Bewältigung der globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zur Erreichung der Sustainable Development Goals ab. Hierbei steht die Förderung des „Sustainable Entrepreneurial Mindsets“ der Studierenden im Vordergrund, das Motive, Fähigkeiten und Denkprozesse beinhaltet, die Studierende in die Lage versetzen, einen Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten indem ausgehend von eigenen Interessen sich bietende Chancen erkannt werden, die basierend auf eigenen Stärken genutzt werden um erfolgreich Ideen zu entwickeln, Projekte umzusetzen und neues Wissen zu schaffen.

Nachhaltigkeit

Das laufend weiterentwickelte mediendidaktische Konzept der forschungsorientierte LV „Unternehmensführung 2“ integriert mit aktivierenden, motivierenden Methoden aus dem Managementcoaching abwechselnd grundlegende Kursbestandteile, die nach der Taxonomie von Bloom vornehmlich dem Wissens- und Verständniszuwachs sowie deren direkter, geleiteter Anwendung dienen, mit fortgeschrittenen Kurskomponenten, die vor allem der Analyse, Bewertung und Erschaffung zuzuordnen sind. Dabei wird für die grundlegende Einheiten im Rahmen des gesamten Blended-Learning Konzeptes, der Invented Classroom Ansatz angewandt, um mit asynchronen Selbstlerneinheiten flexible, unterschiedliches-Vorwissen-berücksichtigende, autonome Lernräume für individuelle Lernerfolge zu ermöglichen, die im Wechsel mit synchronen, je nach Studierendenpräferenzen (bzw. auch unbeeinflussbarer äußerlicher Umstände wie z.B. die aktuelle Pandemie) Online oder in Präsenz abgehaltenen Unterrichtseinheiten, eine gezielte Lernprozesssteuerung mit kollektiven Lernerfolgen sicherstellen. Die fortgeschrittenen Einheiten können im Rahmen des Blended-Learning Konzeptes, je nach Studierendenpräferenzen ebenso Online oder in Präsenz abgehaltenen werden, wobei mitunter ein möglichst großer Face-to-Face Kontakt gewünscht ist, der einerseits für die hier zum Einsatz kommende projekt- und workshopbasierte Lehre Vorteile bei Kommunikation und Erfahrungslernen mit sich bringt, andererseits aber durch die Online-Zusammenarbeit in Teams wertvolle zusätzliche Digitalisierungskompetenzen trainiert werden, die in einer globalisierten, vernetzten Welt eine Schlüsselqualifikation für eine breite Palette von Berufsbildern in der Wissenschaft, Wirtschaft und Beratung darstellen. Somit überzeugt das mediendidaktische Konzept durch klare Strukturen, innovative Ideen und vielfältigen Methodeneinsatz, womit es durch transparente, leicht zugängliche Dokumentation und Publikation in hohem Maße sowohl in seiner Gesamtheit als auch in einzelnen Auszügen auf verschiedenste Kontexte übertragbar ist. Diese didaktische und methodische Vorlage beschränkt sich dabei nicht nur auf Lehrveranstaltungen an Universitäten, sondern kann in verschiedensten Settings der Erwachsenenbildung und generellen Wissensvermittlung eingesetzt werden, um forschungsgeleitete Lehre zu integrieren sowie einen „shift from teaching to learning“, quervernetztes Denken sowie Metakognition zu forcieren.

Neben der Nachhaltigkeit, die durch stetige Weiterentwicklung des mediendidaktischen Konzeptes forschungsbasiert erfolgt, zeigt sich die gute Übertragbarkeit auch in den zahlreich zum Einsatz kommenden Workshop-Formaten, von denen hier der Notfallplanungsworkshop aufgrund seiner engen Anbindung an die Forschung und bereits vielfältigen Einsatzfelder, beispielhaft vorgestellt wird. Die wissenschaftlichen Inhalte des Workshops wurden in mehrjähriger Forschung, die auf Konferenzen vorgestellt und in Journal-Artikeln publiziert wurde, erarbeitet. Das entwickelte Workshopkonzept ist besonders für die universitäre Lehre geeignet, wurde aber auch überaus erfolgreich, wie im Journalpaper (Kogler & Rauch 2020: doi.org/10.2507/IJSIMM19-3-526) im Detail beschrieben, für Wissenschaftsworkshops mit Forschenden sowie entsprechend der „Third Mission“ von Universitäten für Management-Workshops mit Praktiker*innen aus der Holzlieferkette (u.a. Logistiker*innen der Österreichischen Bundesforste) adaptiert. Das Lehr- und Lernmaterial besteht aus einem Simulationsmodell (selbstprogrammierte Software, die auf den Computern der Teilnehmenden installiert wird), umfangreichen Transportplanungstabellen mit Anwendungsfällen, Fragebögen die vor dem Workshop zur Erhebung der Erwartungen und des Wissens sowie nach dem Workshop zur Erhebung des Feedbacks und Evaluierung des Wissenserwerbs ausgefüllt werden, einer Powerpointpräsentation zur Einführung und anschließenden Reflexion, zwei Simulationsvideos und einem Videotutorial zur Bedienung des Simulationsmodells sowie ergänzend, zur Vertiefung für Interessierte, aus den genannten wissenschaftlichen Publikationen, Poster- und Konferenzbeiträgen.

Durch den Einsatz dieses Lehr- und Lernmaterials können die Studierenden gefahrlos in die herausfordernde Rolle von Notfallplaner*innen der Holzlogistikkette schlüpfen, selbstständig kennzahlenbasiert Entscheidungen treffen und deren Auswirkungen analysieren ohne das (wie in der Praxis sonst durch Versuch und Irrtum oft üblich) negative Umweltauswirkungen, hohe Kosten und langfristige Folgen, bis hin zum Zusammenbruch ganzer Lieferketten, entstehen. Durch die laufende Reflexion der Entscheidungen in Teams sowie den regelmäßigen Vergleich der Strategien anhand von Kennzahlen mit den anderen Gruppen lernen die Studierenden stetig dazu, verbessern ihre Strategien kontinuierlich und lernen spielbasiert und anwendungsorientiert auf zukünftig, aufgrund der Klimakrise, immer häufiger und stärker ausgeprägten Wetterkapriolen (insbesondere Windwürfe mit nachfolgender Borkenkäferausbreitung) zu reagieren, indem nachhaltige Transportmittel – in diesem Fall der CO2 schonende Bahntransport – eingesetzt werden.

Das Lehr- und Lernmaterial des Simulationsmodell-Workshops zeichnet sich durch eine einzigartige Integration von exzellenten Forschungsergebnissen in eine moderne, spielbasierte Lernumgebung zur Lösung des alarmierenden Praxisproblems der Bewältigung von Schadholzkatastrophen mittels nachhaltigen Bahntransportkonzepten aus. Damit wird den Studierenden forschungsgeleitete Hochschullehre mit höchstmöglichem Praxisbezug geboten sowie Digitalisierungskompetenzen (u.a. digitales Simulationsmodell, Animationen und Videotutorial), Nachhaltigkeitsbildung (u.a. CO2 Ziele, Bahntransport vs. LKW-Transport, Resilienz), Sozialkompetenz (u.a. Teamwork, Verhandlung, Präsentation) und Wirtschaftskompetenz (u.a. Kennzahlenbewertung, Strategieformulierung, Prozessmanagement) vermittelt. Wenngleich der Vergleich von Ergebnissen, Kennzahlen und zielführenden Strategien zwischen den Teams die Studierenden besonders motiviert und beflügelt in einer neuen Simulationsrunde von Kolleg*innen erhaltene Verbesserungsvorschläge zum Lieferkettenmanagement umzusetzen, um Ihre selbst vorgegebenen Ziele besser zu erreichen, steht nicht der Wettbewerb, sondern ganz klar die gegenseitige Wissensvermittlung unter dem Coaching der Workshopleitung im Mittelpunkt.

Der didaktische Aufbau des halbtägigen Simulationsmodell-Workshops für Studierende besteht aus einem 45-minütigen Input, eines 120-minütigen Learning by Doing und einer 75-minütigen Analyse. Die Input-Phase beginnt mit einem kurzen Überblick über die Agenda (Flipchart) des Workshops, beantwortet erste Fragen der Teilnehmenden (z. B. „Warum sind wir hier?“) und erhebt deren Erwartungen und den aktuellen Wissenstand in Form eines Fragebogens (analog oder digital mittels Kahoot-Quizz). Daraufhin werden Herausforderungen (u.a. „klimakrisenbedingt immer häufigere Wetterextreme führen zu hohen Schadholzmengen“, „Effizienzfalle business as usual“, „Engpässe durch fehlende Transportpläne“, „Risikomanagement vs. etabliertes Managementkonzept try and error“) thematisiert und konkrete (Lern-) Ziele definiert. Unterstützt durch Powerpoint-Folien wird anschließend das Fallstudien-Setting einer multimodalen Holzlieferkette kurz erläutert. Dies führt die Teilnehmenden unmittelbar zur Frage: „Wie können wir das Problem praktisch erfahren, beobachten und analysieren?“, die mithilfe des diskreten Ereignis-Simulationsmodells sowie den analogen Transportplanungstabellen in konkreten Anwendungsfällen (u.a. vorgegebene Liefermengen, Eingeschränkte Waggon bzw. LKW-Verfügbarkeit) erläutert wird. Hierfür werden zunächst die verschiedenen Ansichten (Fenster, Menüs, Steuerungselemente) mit Screenshots, Animationsvideos und Tutorials vorgestellt und anschließen im Rahmen einer Live-Demonstration von verschiedenen Anwendungen gefestigt. Dazu gehört die Analyse des Prozessablaufs eines Tages, einer Woche und eines Jahres sowie die Veränderung von Parametern und Beobachtung von Kennzahlen.

Zu Beginn der learning-by-doing-Phase wird die Gruppe aufgeteilt und die Aufgabenstellung klar definiert (z. B. Führen Sie die Transportplanung für ein Bahnterminal für das erste Halbjahr mithilfe der Transportplanungstabellen und des Simulationsmodells durch). Der Schwierigkeitsgrad kann von der Workshopleitung je nach Vorerfahrung der Studierenden durch Hinweise, Tipps (z.B., beobachten Sie die Auswirkungen Ihrer Entscheidungen im Kennzahlencockpit, bevor Sie sich für die Strategie der nächsten Woche entscheiden) sowie die jeweiligen Szenarioeinstellungen (z.B. Erntemenge, Anzahl verfügbarer Transportressourcen, Prozesszeiten) individuell angepasst werden. Die Gruppen durchlaufen anschließend das definierte Simulationsszenario und diskutieren laufend ihre Strategien. Nach jeder simulierten Geschäftswoche muss jede Gruppe basierend auf der aktuellen Lagerauslastung, dem Erntevolumen sowie anderen Kennzahlen (z. B. Anzahl der LKWs, Waggone, Zugabholungen, unimodales/multimodales Verhältnis und Transportstrategie) über den Transportplan für die kommende Woche entscheiden. Alle Kennzahlen werden während der Simulation protokolliert und automatisch in eine Excel-Datei exportiert, um eine solide Datengrundlage für die letzte Phase zu schaffen. Je Nach Entscheidungsgeschwindigkeit der Studierenden (mache verwenden Faustregeln, andere stellen komplexe Excel Berechnungen an) kann die komplette Simulation je nach verfügbarer Zeit ca. 2–3 mal durchlaufen werden.

Die Analysephase beginnt mit einem Erfahrungsaustausch, indem jedes Team seine Strategien, Probleme, Lösungen und Ergebnisse beschreibt. Nach deren Bericht werden die (zuvor geheimen) Szenarioeinstellungen vorgestellt und der Verlauf des Holzerntevolumens (z. B. Simulation eines Sturmszenarios, bei dem die Produktionsmenge dramatisch ansteigt) erklärt. Darüber hinaus werden verschiedene Kennzahlen wie Durchlaufzeiten, Wartezeiten, Lagergrößen, Transportvolumen, LKW-Auslastungen, CO2-Emissionen, Lieferquoten, Anzahl der voll beladenen Waggons, Erfüllungsgrade oder Transportkosten über die Zeit und zwischen den Gruppen in verschiedenen Diagrammen verglichen. Je nach Gruppenbeteiligung kann dies ein guter Einstieg für eine tiefgehende Diskussion der beobachteten Ergebnisse sein. Darüber hinaus sind Folge-Workshops in World-Café- oder Open-Space-Settings möglich (zweiter Halbtag). Die Diskussion wird durch die Dokumentation der Ergebnisse und das Ziehen von Schlussfolgerungen sowie die Reflexion der Teilnehmenden und das Ausfüllen eines Evaluierungsfragebogens abgerundet.

 

Dies ermöglicht es folgende Lernziele zu erreichen:

1. Teilnehmende verinnerlichen die Herausforderungen im Zusammenhang mit Materialfluss und Prozessmanagement zwischen verschiedenen Akteuren einer Holzlieferkette und kennen deren spezifische Interessen und die damit verbundenen Problemfelder.

2. Teilnehmende können die Prinzipien und die Eignung der diskreten Ereignissimulations-Methode zur Modellierung der Zusammenhänge zwischen den grundlegenden Systemelementen der Holzlieferkette erklären.

3. Teilnehmende können ein wissenschaftliches Simulationsmodell bedienen und die Funktionsweisen der verschiedenen Steuerungselemente, Parametrisierungsansichten und Kennzahlencockpits demonstrieren.

4. Teilnehmende können mithilfe von Transportplanungstabellen quantitative Analysen zum Einfluss von Entscheidungsvariablen auf Kennzahlen durchführen und damit Managemententscheidungen der Unternehmensführung fundiert unterstützen.

5. Teilnehmende können verschiedene strategische Optionen auf Basis nachvollziehbarer Argumente diskutieren und datenbasiert bewerten, um definierte Ziele für ausgewählte Kennzahlen zu erreichen.

6. Teilnehmende können Transportpläne entwickeln sowie zielführende Strategien zu deren Umsetzung definieren.

7. Teilnehmende können durch die Ableitung von Richtlinien für Notfallpläne, Risiken und Schadholzkrisen bewältigen.

8. Teilnehmende können neue diskrete Ereignis-Simulationsmodelle erstellen und bestehende Modelle durch Schnittstellen integrieren.

 

Die Lernziele wurden entsprechend der von Krathwohl (2002, doi.org/10.1207/s15430421tip4104_2) überarbeiteten Taxonomie von Bloom geordnet: Lernziel 1 (remember/factual), Lernziel 2 (understand/conceptual), Lernziel 3 (apply/procedural), Lernziel 4 (analyse/procedural), Lernziel 5 (evaluate/procedural) sowie Lernziele 6, 7 und 8 (create/procedural) und anhand von Fragebögen vor und nach dem Workshop evaluiert.

Das Lern- und Lehrmaterial des spielbasierten Simulationsworkshops erfreut sich bei den Studierenden allerhöchster Beliebtheit was durch bemerkenswert positive Rückmeldungen und Evaluierungsergebnisse belegt ist. Durch seinen einzigartigen Aufbau, wissenschaftlichen Hintergrund und unmittelbaren Praxisbezug leistet es einen wertvollen Beitrag zur vielfältigen und qualitativ hochwertigen Lehre an der BOKU. Die Lern- und Lehrmaterialen basieren auf Forschungsergebnissen, die in drei Journalartikeln sowie Konferenzpräsentationen dokumentiert sind, wodurch eine breite Sichtbarkeit, dieses an der BOKU entwickelten Workshops-Konzepts, sichergestellt ist. Zusätzlich dient es anderen Lehrenden als Vorlage, um ähnliche Konzepte zu entwickeln und so Forschungsergebnisse direkt in die Lehre einzubinden (Feedback und Rückmeldungen der ersten Workshopteilnehmenden werden im Forschungsartikel präsentiert, diskutiert und die dadurch angeregten implementierten Veränderungen beschrieben). Abschließend sei darauf hingewiesen, dass die Lern- und Lehrmaterialen entsprechend der Feedbacks bzw. bezugnehmend auf aktuelle Forschungsarbeiten laufend weiterentwickelt werden (zukünftig ist etwa angedacht, die Simulationsergebnisse zum Training einer künstlichen Intelligenz zu verwenden um mithilfe eines neuronalen Netzwerks schnell zuverlässige Ergebnisse für die Praxis zu erhalten).

Aufwand

Der forschungsgeleitete Charakter der Lehrveranstaltung „Unternehmensführung 2“ ermöglichte eine enge Anbindung an aktuelle Forschungsprojekte am Institut für Produktionswirtschaf und Logistik, womit durch die stetige Weiterentwicklung der Lehrveranstaltung keine zusätzlichen Kosten entstanden sind. Jedweder bei der Neugestaltung und fortwährender Überarbeitung der Lehrveranstaltung entstandene Aufwand rechtfertigt sich stets entweder durch die unmittelbare Schaffung von neuem publikationsfähigem Wissen, verringerten Betreuungsaufwand oder höherer Studierendenzufriedenheit. So wurden etwa die konstruktiven Verbesserungsvorschläge der Studierenden, die im Rahmen der Evaluierungen im Freitext angemerkt wurden, gewissenhaft aufgegriffen, sodass nun unter anderem die inhaltlichen Anforderungen und der zeitliche Aufwand immer mehr den Vorstellungen der Studierenden entsprechen. Auch im kommenden Semester werden erneut Verbesserungen der Studierbarkeit umgesetzt, indem erstmalig gänzlich auf die obsolet gewordene schriftliche Abschlussprüfung verzichtet wird und stattdessen noch stärker auf die Forschungsergebnisse und den Kompetenzzuwachs während des Semesters Bedacht genommen wird. Dies soll insbesondere die geballte Belastung der Studierenden am Semesterende reduzieren und durch einen über das Semester gleichbleibenden, fairen Aufwand die stetige Erreichung der Lernziele sicherstellen. Bereits in den letzten Jahren ist es gelungen wertvolle Verbesserungsvorschläge der Studierenden umzusetzen, indem z.B. der verdichtete Stoffumfang der vormals geblockt abgehaltenen Lehrveranstaltung durch weiter gestreute Einheiten gleichmäßiger über das Semester verteilt wurde, zeitaufwändigere Bestandteile und Präsentationen in der Benotung höher gewichtet, regelmäßige Leistungsfeedbacks eingeführt und eine entspanntere Lernumgebung geschaffen wurde, was u.a. durch kollaborative Elemente wie die Simulationsworkshops aber auch durch den gezielten Einsatz von digitalem Lernen und asynchronem eLearning gelungen ist.

Die didaktische Neugestaltung und stetige Weiterentwicklung des Kurses wurde durch ein umfassendes Fortbildungsangebot an der Universität für Bodenkultur Wien unterstützt (mehr als 40 absolvierte BOKU-Trainingspass Fortbildungen), das neben Grundlagen wie „Einführung in die BOKU Lehre“, „Grundlagen der Hochschuldidaktik“, „Betreuung und Bewertung von studentischen Abschlussarbeiten“ auch zahlreiche vertiefende Kurse zu „Aufbau von Distanzlehre und Webinaren“, „How to successfully prepare your teaching portfolio“, „Lernförderliche Unterlagen erstellen“, „Motivation Studierende in Onlinelehre“, „Storytelling in der Wissenschaft“ und „Kraft der Stimme“, enthält, die allesamt bereichernde Anregungen vermittelten und daher begeistert und höchst motiviert absolviert wurden.

Positionierung des Lehrangebots

Die Lehrveranstaltung „Unternehmensführung 2“ (VU, 3 ECTS) ist im Curriculum des Masterstudiums „Holztechnologie und Management“ der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) dem Wahlmodul „Unternehmensführung und Controlling“ zugeordnet, das maßgeblich zum Vertiefungsbereich „Holzindustrielles Management“ beiträgt. Darin erhalten Studierende Kompetenzen für leitende Positionen entlang verschiedener Wertschöpfungsketten. Neben der breiten Wissensbasis, die durch das 3-Säulen-Prinzip der BOKU (Technik–Natur–Wirtschaft) im Pflichtfachbereich gewährleistet ist, vermittelt dieser Vertiefungsbereich spezifische Kompetenzen der Entrepreneurship Education sowie damit verbundener Innovationsprozesse. Darüber hinaus ist die Lehrveranstaltung ein beliebtes freies Wahlfach, das vornehmlich von Studierenden der Masterstudiengänge Umwelt- und Bioressourcenmanagement, Kulturtechnik und Wasserwirtschaft sowie Forstwissenschaften, im letzten Studiensemester an der BOKU, besucht wird.

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2022 nominiert.
Ars Docendi
2022
Kategorie: Forschungsbezogene bzw. kunstgeleitete Lehre
Ansprechperson
Dr. Ing. Christoph Kogler MSc. BSc.
Institut für Produktionswirtschaft und Logistik
+43 1 47654-73421
Nominierte Person(en)
Dr. Ing. Christoph Kogler MSc. BSc.
Institut für Produktionswirtschaft und Logistik
Themenfelder
  • Lehr- und Lernkonzepte
  • Schnittstelle zum Arbeitsmarkt
  • Erfahrungslernen
  • Internationalisation@home
  • Digitalisierung
  • Rund ums Prüfen
  • Sonstiges
  • Wissenschaftliche (Abschluss)Arbeiten
Fachbereiche
  • Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik/Ingenieurwissenschaften
  • Wirtschaft und Recht