Paris-Lodron-Universität Salzburg
Kapitelgasse 4-6, 5020 Salzburg
Weitere Beispiele der Hochschule

Bewegung und Gewaltprävention

Ziele/Motive/Ausgangslage

Die Lehrveranstaltung „Bewegung und Gewaltprävention“ ist Teil der Studienergänzung „Bewegtes Lernen“. Diese fakultätsübergreifende Studienergänzung richtet sich primär an Lehramts-Studierende und ist eine Zusatzqualifikation für den Lehrberuf. Die dargestellte Lehrveranstaltung ist Teil des Aufbaumoduls der Studienergänzung.

 

Im Rahmen von „Bewegung und Gewaltprävention“ sollen Studierende sich vielschichtig mit den Themen Aggression und Gewalt auseinandersetzen und Möglichkeiten des Umgangs, der Intervention, sowie der Prävention kennen lernen, die im Rahmen des Schulunterrichts einsetzbar sind. In einem Theorie-Praxis-verschränkten Inputblock sollen Grundkenntnisse zu Themen wie Raufspiele, Kooperationsspiele, Selbstbehauptung, Selbstverteidigung, Rollenspiele, rechtliche Hintergründe, Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch,... vermittelt werden.

Intendierte Lernergebnisse sind dabei:

• Studierende erhalten einen vertieften Einblick in die Genese und Prävention von Gewalt und Aggression

• Studierende verstehen den Zusammenhang zwischen gezielter körperlicher Aktivität und Gewaltprävention und können diesen in Schulklassen anwenden

• Studierende können einen erweiterten Methodenkoffer aus verschiedenen Themenbereichen der Gewaltprävention aufbauen und einsetzen.

• Studierende können die verschiedenen Ausprägungen sexueller Gewalt wahrnehmen und unterscheiden und kennen Möglichkeiten zur Prävention sowie Hilfsangebote

 

Da im Wintersemester 2020 keine Durchführung im realen Setting möglich war, wurde die gesamte Lehrveranstaltung auf ein Distance-learning-concept umgestellt. Ziel war es, den interaktiven und praktischen Teil der Lehrveranstaltung trotz des neuen Formats nicht zu verlieren. Dafür wurden diverse digitale Tools (Videotutorials, Heimarbeit mit selbstgewählten Buddies, Lehrauftritte mittels Videos,…) erstellt und als prüfungsimmanenter Teil der LV eingesetzt.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Der Fokus von „Bewegung und Gewaltprävention“ liegt auf der theorie-praxis-verschränkten Vermittlung von Inhalten und Methoden der Gewaltprävention für den Einsatz im Schulkontext.

Neben der Vermittlung der aktuellen Studienlage und Modellen von Aggression und Gewalt wird von Anfang an auch durch praktische Methoden gelehrt. Dies, um das Methodenspektrum der Teilnehmenden zu erweitern und um aus der Reflexion der eigenen Erfahrungen ein Verständnis für mögliche Dynamiken in Schulklassen zu gewinnen. Praktische Themen aus der Primärprävention sind dabei emotionalen Differenzierungsarbeit, Kooperationsspiele, Raufspiele, Schattenboxen zur Stressregulation, Selbstbehauptung und Nähe-Distanz-Regulation.

Teilweise werden auch Ideen zur sekundär- und Tertiärprävention vermittelt. Dies speziell im Bereich Wahrnehmung und Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch.

In der Online-Version des WS2020 wurden die theoretischen Blöcke per Webex-Plenums abgehalten. Die praktischen Methoden wurden jeweils vorab durch den LV-Leiter als Videos hochgeladen. Die Studierenden führten diese Übungen zuhause mit selbstgewählten Buddies durch und reflektierten diese in digitalen Assignements.

Die Studierenden erstellten denn eigene Kurzvideos mit praktischen Methoden sowie differenzierte Stundenplanungen für den Schulunterricht. Beides wurde durch den LV-Leiter sowie teilweise andere Studierende korrigiert und gefeedbackt und am Ende allen als zusätzliches Methodenrepertoire zur Verfügung gestellt.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

The course „Violence prevention and movement” focusses on knowledge and methods of violence prevention in school contexts.

While teaching the current scientific data and models of violence and anger, the students get the chance to physically do a variety of methods themselves. This boosters their stock of pedagogical knowledge, while giving them a chance for self-reflection, aimed on better understanding possible group dynamics in school classes. Primary preventive practical topics include emotional differentiation, cooperative games, rough and tumble play, shadow boxing for stress regulation, self defense and proximity regulation.

In parts also secondary and tertiary prevention are part of the curriculum, mainly around the topics of the detection and prevention of sexual abuse.

In the online version of the course in the fall of 2022 theoretical input was delivered via Webex-meetings. The practical methods were videorecorded by the lecturer, carried out by the students at home with a buddy of their own choosing and later reflected in an online assignment.

Also, the students produced both short videos and detailed class preparations on which they got feedback by peers and the lecturer. All materials were available at the end to the whole group for later use in pedagogical settings.

Nähere Beschreibung des Projekts

Die Lehrveranstaltung „Bewegung und Gewaltprävention“ intendiert eine Erweiterung der Fach- und Methodenkompetenz der Studierenden im Bereich pädagogisch/didaktischer Fähigkeiten zur Prävention und Intervention bei Aggression und Gewalt. Mittels Theorie-Praxis-verschränktem Unterricht sollen die vermittelten Modelle und Methoden jedoch auch selbst erfahren werden, um aus der Selbstreflexion Erkenntnisse für den späteren Einsatz im pädagogischen Kontext zu gewinnen.

Die Studierenden führen daher einen Teil der erlernten Methoden/Übungen zur Prävention (emotional Differenzierungsfähigkeit, Kooperation, Raufspiele, Wahrnehmung, Achtsamkeitsschulung, Selbstbehauptung,…) selbst durch und lernen damit einerseits wie es Schüler*innen bei diesen Ansätzen gehen könnte und andererseits gewinnen sie Erkenntnisse zur später notwenigen situativen Adaption von Methoden auf die jeweilige Gruppe.

Durch Fragen, Diskussionen und diverse Aufgabenstellungen wird auch die Selbstreflexion der eigenen Geschichte mit den Themen Aggression und Gewalt gefördert, was als zentrale Kompetenz für die spätere professionelle Arbeit in diesem Bereich gesehen werden kann.

Als prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen werden einerseits alle Leistungen/Diskussionsbeiträge/kritische Fragen gewertet und andererseits auch die intendierte Lehrkompetenz erhoben. Letzteres durch die geforderte Erstellung hochwertiger Stundenplanungen sowie auszugsweise durch das exemplarische Unterrichten im LV-Kontext.

 

Nach der Vorgabe einer vollständigen Umstellung auf Distanzlehre im Wintersemester 2022 wurden die Inhalte der LV mittels alternativer didaktischer Zugänge vermittelt. Die geblockten Online-Plenums wurden etwas verkürzt und auf die Erarbeitung der theoretischen Hintergründe, fachlicher Diskussionen sowie der Beantwortung offener Fragen beschränkt. Ergänzend erhielten die Studierenden verschiedene Arbeitsaufträge, welche in Heimarbeit zu erledigen und digital abzugeben waren. Die geforderten Arbeitsleistungen blieben somit annähernd gleich zu einem „normalen“ Semester. Die Studierenden erhielten eine Liste von Aufträgen mit gestaffelten Deadlines und unterschiedlichen Schwerpunkten.

Um den praktischen Charakter der LV so gut als möglich beizubehalten, wurden vom LV-Leiter Methoden-Videos erstellt, welche die Studierenden in Heimarbeit mit selbstgewählten Partner*innen durchführten. Als Leistungsüberprüfung war nach jedem Video ein kurzer Fragebogen im Blackboard auszufüllen. Entstandenen inhaltliche Fragen wurden danach in den Online-Plenums diskutiert. Die Themen der Videos waren

• Einstiegsmethoden der Gewaltprävention im Gruppen- und Dyadischen Setting

• Emotionale Differenzierungsarbeit

• Kooperative Übungsformen (Vertrauensspiele)

• Konkurrierende Spiele (Raufspiele)

• Methoden der Selbstbehauptung und leiblichen Distanzregulation

 

Als Übung der eigenen Unterrichtspraxis erhielten die Studierenden weiters den Auftrag selbst kurze Praxisvideos zu erstellen sowie Videos von Kolleg*innen durchzuführen und diesen Feedback zu geben. Alle Studierenden erhielten individuelles Feedback durch den LV-Leiter zu den erstellten Videos.

Zum Abschluss der LV erstellten die Studierenden differenzierte Unterrichtsmaterialien zu verschiedenen Teilbereichen der Gewalt- und Missbrauchsprävention. Nach Korrekturen durch den LV-Leiter wurden die gesammelten Materialien allen Teilnehmer*innen als Methodenpool für die spätere Arbeit im pädagogischen Kontext zur Verfügung gestellt.

 

Die regelmäßige Kommunikation erfolgte mittels Mails und Blackboard. Die Studierenden erhielten einen genauen Plan bis wann welche Arbeitsaufträge zu erfüllen waren. Mittels regelmäßiger Feedbacks und Updates wurde versucht eine halbwegs „persönliche“ Betreuung zu schaffen. Weiters wurde eine Teilnehmerin gebeten als „Gruppen-Sprecherin“ zu fungieren und dem LV-Leiter beim Auftreten von Problemen wenn nötig anonymes Feedback aus der Gruppe zu geben. Aus dieser Kommunikation ergaben sich kleiner Korrekturen/Klärungen für einen besseren Ablauf der LV.

 

Durch die klare Kommunikation eines detaillierten Fahrplans aller Assignments für die gesamte LV inklusive genauer Deadlines für die Abgabefristen konnten die Studierenden das gesamte Semester hindurch ihren Lernfortschritt selbst abschätzen. Durch regelmäßige allgemeine und teilweise individuelle Feedbacks wurden organisatorische und inhaltliche Fragen geklärt.

Mehrwert

Ein zentraler Mehrwert ergibt sich für die Studierenden aus dem entstandenen pädagogischen Material. Zusätzlich zu den Skripten und Videos des LV-Leiters entstanden eine Vielzahl von Kurzvideos und detaillierten Stundenplanungen zum direkten Einsatz in der späteren schulischen Praxis.

Auf Seiten des LV-Leiters besteht die Möglichkeit, dass einzelne der selbst produzierten Videos und erstellten digitalen Assignments auch in anderen Lehrveranstaltungen wieder zum Einsatz kommen könnten.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Das Konzept hat sich als interaktive online-Variante in Zeiten ohne Präsenzunterricht bewährt und könnte in vergleichbaren Situationen ohne große Adaptationen wieder angewendet werden. Im Sinne des direkten Kontakts mit den Studierenden und der vielfältigeren Methoden, die in einem Gruppensetting gelehrt werden könnten, bleibt der Online-Unterricht für diese Lehrveranstaltung aber immer nur ein Plan „B“.

Aufwand

Die Lehrveranstaltung wurde, wie in den Jahren davor, als Teil des Arbeitsvertrages als externer LV-Leiter vergolten, daher entstanden der Universität keinerlei zusätzliche Kosten. Zeitlich war das Erstellen von hochwertigen digitalen Lehrmaterialien ein gewisser Aufwand, der nur teilweise durch etwas kürzere Plenarsitzungen im online-Format kompensiert wurde.

Positionierung des Lehrangebots

Aufbaumodul der Studienergänzung „Bewegtes Lernen“ (Fakultätsübergreifende Studienergänzung für Lehramtsstudierende

Links zum Projekt
Links zu der/den Projektmitarbeiter/innen
Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2022 nominiert.
Ars Docendi
2022
Kategorie: Kooperative Lehr- und Arbeitsformen
Hochschullehrpreis 2021
Kategorie:
Link zum Hochschulpreis
Ansprechperson
Dr. Armin Raderbauer, MSc
Interfakultärer Fachbereich Sport- und Bewegungswissenschaften / Fachbereich Psychologie
+43 650 3635891
Nominierte Person(en)
Dr. Armin Raderbauer, MSc
Interfakultärer Fachbereich Sport- und Bewegungswissenschaften / Fachbereich Psychologie
Themenfelder
  • Curriculagestaltung – Inhalt
  • Didaktische Methode
  • Erfahrungslernen
  • Neue Medien
Fachbereiche
  • Medizin und Gesundheitswissenschaften