Peer-POC: Lerndesign-Kompetenz bei externen Lehrenden mit einem Private Online Course fördern

Ziele/Motive/Ausgangslage

Externe Lehrende bringen langjährige praktische und wissenschaftliche Erfahrungen in Lehrveranstaltungen ein und tragen damit zur Lehrqualität an vielen Hochschulen bei. Problematisch ist jedoch, dass die Lehraufträge oftmals nebenberuflich ausgeübt werden und externe Lehrende unter hohem Zeitdruck stehen. Sie verfügen selten über eine didaktische Vorbildung und das Lehrveranstaltungsdesign basiert häufig auf Intuition und bisher gesammelten Erfahrungen. Diese Erfahrungen, die externe Lehrende selbst als Lernende machen konnten, sind häufig von traditioneller, inhaltszentrierter Lehre geprägt.

Darüber hinaus sind sie meist nur peripher in den Universitätsbetrieb eingebunden. Immer öfter wurde der Wunsch von externen Lehrenden geäußert, Peers kennenzulernen und sich auszutauschen. Auch die Weiterentwicklung der Qualität der Lehrveranstaltungen ist ein wichtiges Anliegen, insbesondere im Zeichen des Wandels weg von inhaltszentrierten, hin zu kompetenzorientierten und lernendenzentrierten Lerndesigns.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Der Private Online Course (POC) "Lehrveranstaltungen erfolgreich planen und entwickeln" soll als interne Weiterbildungsmaßnahme zur Qualitätsentwicklung aktueller und zukünftiger Lehrveranstaltungen hin zum kompetenzorientierten Lernen und Lehren beitragen und gleichzeitig eine Plattform zum kollegialen Austausch etablieren. Es wurde ein individualisiertes, flexibles und offenes Online-Format gewählt, das den Bedürfnissen der Zielgruppe der externen Lehrenden entspricht, um einen niederschwelligen und inklusiven Zugang zu ermöglichen.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

The Private Online Course (POC) "Successful Course Planning and Development" supports the quality development of current and future courses at the University for Continuing Education Krems towards competence-oriented learning and teaching. The POC is designed as a continuing education program for external lecturers. Its learning design is tailored to the needs of the target group: It is flexible, individualized, and open to join. An online learning environment for peer feedback and networking among lecturers was established.

Nähere Beschreibung des Projekts

Im Projekt "Peer-POC" wurde der kollegiale Austausch zwischen externen Lehrenden sowie die Ausrichtung der Universitätslehre hin zum kompetenzorientierten Lernen und Lehren gefördert. 2021 wurde der Private Online Course "Lehrveranstaltungen erfolgreich planen und entwickeln" geplant, pilotiert und offiziell durchgeführt. Es wurde eine niederschwellige Online-Lernumgebung entwickelt, die auf die Bedürfnisse von externen Lehrenden zugeschnitten ist. Diese konnten die Lernumgebung zeit- und ortsunabhängig sowie im eigenen Tempo nutzen. Die Teilnahme am Private Online Course war freiwillig. Es konnte auf Wunsch auch ein Teilnahmezertifikat erlangt werden, sofern die Teilnehmenden ihre aktive Mitarbeit im Private Online Course nachweisen konnten. Die Kriterien dafür wurden zum Kursstart kommuniziert.

 

Folgende Lernergebnisse wurden im Rahmen des Kurses angestrebt:

Die Teilnehmenden können den Ablauf einer agilen Lehrveranstaltungsplanung und -entwicklung beschreiben.

Die Teilnehmenden können die Charakteristika eines lernergebnisbasierten Lerndesigns beschreiben.

Die Teilnehmenden können Lernaktivitäten & Medienwahl mit intendierten Lernergebnissen abstimmen.

Die Teilnehmenden können Methoden zum Feststellen von Lernergebnissen identifizieren.

 

Es wurden synchrone und asynchrone Aktivitäten im Rahmen der Lehrveranstaltung angeboten, um einen intrinsisch motivierten Lernprozess kontinuierlich und erfolgreich anzustoßen. Aktuelle Problemstellungen zum Thema Hochschullehre und Lerndesign wurden diskutiert. Es wurde eine Mischung an verschiedenen Lernressourcen und Medienformaten angeboten, um die Teilnehmenden mehrere Einstiegspunkte in den Lernprozess zu bieten.

 

Ein interaktives, multimediales Skriptum hat den selbstgesteuerten Lernprozess unterstützt und durch eine problemzentrierte Herangehensweise konnten die Lernenden Schritt für Schritt die intendierten Lernergebnissen erreichen. Ergänzt wurde diese flexible, asynchrone Lernressource um freiwillige, synchrone Online-Webinare.

 

Es wurde ein Webinar zum Kick-Off angeboten sowie zwei Online “Praxis-Talks” zum Austausch zu den Themen des POCs. Die Agenda des “Praxis-Talks” wurde kollaborativ mit den Teilnehmenden erstellt. Themen und Fragestellungen konnten eingereicht werden bzw. wurden aus den asynchronen Online-Diskussionen generiert, die vorab mit Hilfe verschiedener digitaler Werkzeuge stattfanden. Zum “Praxis-Talk” wurden Gäste bzw. ExpertInnen eingeladen, die weiteren Input zu den genannten Themen und Fragestellungen lieferten.

 

Die Lernenden wurden mit Hilfe eines “Learning-by-doing”-Ansatzes dazu angeleitet, ihre eigenen Erfahrungen in der Lehre mit Hilfe der vorgestellten Theorien und Methoden zu reflektieren und ihr Lerndesigns im Rahmen eines Peer-Feedback-Prozesses aktiv zu verbessern. Es wurden Lernergebnis-Formulierungen von bestehenden Lehrveranstaltungen mit Hilfe von Feedback und Selbstreflexion überarbeitet und verbessert. Darüber hinaus wurde ebenso die Passung von geplanten Lernaktivitäten, gewählten Medien und Überprüfungsmodi mit Hilfe der formulierten Lernergebnisse im Rahmen des Constructive Alignment Ansatzes nach Biggs & Tang reflektiert. Dadurch konnten die Teilnehmenden sowohl miteinander als auch voneinander lernen.

Am Ende der gemeinsamen, aktiven Lernphase im Rahmen des POCs wurden die tatsächlich erreichten Lernergebnisse reflektiert. Dabei zeigte sich, dass die Teilnehmenden über die intendierten Lernergebnisse hinaus weitere nicht-intendierte Lernergebnisse erwerben konnten, insbesondere im Bereich der digitalen Kompetenz. Sie haben etwa digitale Werkzeuge wie Padlet, Mural oder Articulate Rise im Lernprozess genutzt und verschiedene Funktionen zu Kommunikation und Kollaboration angewandt.

 

Die interne Weiterbildung stellt einen Einstieg in die Welt des kompetenzorientierten Lerndesigns dar und es wurden verschiedene Möglichkeiten geschaffen, damit die Teilnehmenden ihre Erfahrungen und ihr Vorwissen einbringen und reflektieren konnten. Durch die vielfältigen, interaktiven, und multimedialen Lernressourcen wurde die intrinsische Motivation zur Überarbeitung und Weiterentwicklung der eigenen Lerndesigns gefördert. Die externen Lehrenden wurden durch unterschiedliche, auf die Zielgruppe abgestimmte Diskussionsthemen ermutigt, ihre Erfahrungen in Online-Diskussionsräumen zu teilen und es wurden die Förderung von soziale Präsenz und zwischenmenschlichem Vertrauen ins Zentrum der Online-Weiterbildung gestellt. Dadurch konnte der kollegiale Austausch und die Vernetzung unter den externen Lehrenden unterstützt, aber auch die Verbindung der externen Lehrenden zur Universität für Weiterbildung Krems gestärkt werden. Der Private Online Course wird seither auch nach Abschluss der aktiven, gemeinsamen Lernzeit, als Nachschlagewerk für die externen Lehrenden genutzt, was sich insbesondere durch die Zugriffszahlen in den Monaten nach Abschluss der aktiven, gemeinsamen Lernzeit zeigen.

 

Im Rahmen eines vordefinierten, begrenzten Budgets wurde daher eine effektive, auf die Zielgruppe zugeschnittene Online-Weiterbildung geschaffen, die einen Einstieg in das kompetenzorientierte Lerndesign für externe Lehrende bieten kann. Aufgrund der positiven Resonanz der internen Online-Weiterbildung für externe Lehrende wird diese auch 2022 erneut angeboten. Es erfolgt eine Ausweitung der Zielgruppe und es solle nicht nur externe, sondern auch interne Lehrende zur Online-Weiterbildung eingeladen werden, um Vernetzung und die Qualitätsentwicklung der Lehre universitätsweit weiter wirksam zu fördern.

Mehrwert

Der Private Online Course unterstützt eine universitätsweite Verbreitung und Etablierung kompetenzorientierter Lerndesigns, die auf Lernergebnis-Formulierungen und Constructive Alignment basieren. Dadurch wird die Transparenz der Lerndesigns sowie der Prüfungsmaßnahmen gefördert, die Qualität der Lehre weiter verbessert und langfristig auch Validierungsprozesse unterstützt, für die die Formulierung von Lernergebnissen und Kompetenzorientierung eine wichtige Rolle spielen.

 

Die Lehrenden können im Rahmen der internen Weiterbildung freiwillig und im persönlichen Tempo die eigenen, konkreten Lerndesigns weiter verbessern. Der Privat Online Course mit seinen interaktiven Skripten bleiben den Teilnehmenden auch über die Kurslaufzeit hinweg als Nachschlagewerk verfügbar. Dieses Angebot wird gerne genutzt, was sich in den Zugriffszahlen der letzten Monate nach Ende der Online-Weiterbildung zeigte.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Es wurden im Rahmen der internen Weiterbildung das Erlernte direkt angewandt, was sich in einer aktiven Überarbeitung diverser Lehrveranstaltungen zeigte. Damit zeigt der Private Online Course nachhaltig Wirkung in verschiedensten an der Universität für Weiterbildung Krems angebotenen Modulen.

 

Der Private Online Course wird aufgrund der positiven Resonanz bei der ersten Durchführung erneut im Jahre 2022 angeboten. Das Kurskonzept wird mit Hilfe des Teilnehmendenfeedbacks adaptiert und weiterentwickelt. Bei der zweiten Durchführung werden auch insbesondere interne Lehrende dazu ermutigt, das Angebot wahrzunehmen. Damit soll sichergestellt werden, dass die Entwicklung von kompetenzorientierten, lernergebnisbasierten Lerndesigns universitätsweit vorangetrieben und ein gemeinsames Verständnis von allen Stakeholdern entwickelt wird.

Aufwand

Das Projekt hat einen erstmaligen Entwicklungsaufwand von etwa 20 Arbeitstagen verursacht (inklusive Pilotierung vorab und Einarbeitung von Feedback). Während der Durchführung war ein gesamter Zeitaufwand von etwa 20 Arbeitstagen für Moderation, Lernbegleitung, Webinarplanung und -durchführung sowie Bewertung der Abgaben zur Erlangung der Teilnahmezertifikate und Ausstellung der Teilnahmezertifikate nötig. Die Durchführung des POCs erstreckte sich gesamt über 2x2 Monate.

Positionierung des Lehrangebots

Weiterbildung speziell für externe Lehrende an der Universität für Weiterbildung Krems

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2022 nominiert.
Ars Docendi
2022
Kategorie: Qualitätsverbesserung von Lehre und Studierbarkeit
Ansprechperson
Isabell Grundschober, BEd, BSc, MA
Universität für Weiterbildung Krems
06643463917
Nominierte Person(en)
Isabell Grundschober
Zentrum für angewandte Forschung und Innovation für lebensbegleitendes Lernen
Themenfelder
  • Didaktische Methode
  • Neue Medien
  • Kommunikation/Plattform
  • Weiterbildung Lehrende
Fachbereiche
  • Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften