Blueprint AHA

Ziele/Motive/Ausgangslage

Die Fachhochschule Salzburg (FHS) bietet zusammen mit der Universität Salzburg den Joint-Masterstudiengang Applied Image and Signal Processing (AISP) an. Im Zuge der Studiengangsaktualisierung 2021, wurde eine weitere Möglichkeit geschaffen, Bewerber*innen zum Studium zuzulassen, welchen Vorkenntnissen in den Bereichen der Softwareentwicklung und Signalverarbeitung fehlen. Um diese fehlenden Kompetenzen zu kompensieren, können den Bewerber*innen Brückenmodule vorgeschrieben werden, welche durch die beiden Hochschulen angeboten werden. Die Kurse finden parallel zum normalen Curriculum im ersten Semester statt. Dieser Umstand bedingte bisher eine höhere Arbeitsbelastung während des Semesters sowie zusätzlich ein höheres Maß an Präsenzstunden. Dies führte in der Vergangenheit zu einer deutlichen Mehrbelastung, welche (insb. bei Studierenden aus dem Ausland) zusätzlich zu den daraus Herausforderungen im ersten Semester zu bewältigen waren.

Das Brückenmodul der Signalverarbeitung beinhaltet u.a. die LV "Hardware Oriented Signal Processing" (HOSIL), eine integrierte Lehrveranstaltung (LV) bestehend aus 1.5 ECTS/1 SWS. Da die LV schon vor der Aktualisierung Bestandteil des Curriculums war, sind Erfahrungen aus den vergangenen Jahren vorhanden. Ein Problem war die Abhaltung des Unterrichts in größeren Präsenz-Blöcken. Dies stellte sich besonders oft dann als problematisch heraus, wenn ausländische Studierende aufgrund des verspäteten Erhalts ihres Visums nicht pünktlich zu Studienstart erscheinen konnten und somit gleich Fehlstunden angesammelt hatten.

Das hier beschriebene Projekt Blueprint AHA, (Asynchron, Hybrid, Autonom; im Folgenden kurz AHA) beschreibt ein im Rahmen der Studiengangsaktualisierung gestartetes Pilotprojekt, um die bereits genannten Umstände in dem Brückenmodul Signalverarbeitung im Sinne der Studierenden zu verbessern. Mithilfe des Inverted Classroom Modell (ICM) [1] ist ein LV Konzept definiert und umgesetzt, welches die Anzahl der Präsenzstunden stark reduziert, eine flexiblere Zeiteinteilung der Studierenden ermöglicht und eine Unabhängigkeit des Aufenthaltsortes, speziell in den ersten Wochen des Semesters, gewährleistet. Mithilfe von Blended Learning wird der theoretische Inhalt in der Selbststudiumsphase mittels bereitgestellter Lernunterlagen selbstständig erarbeitet und formativ überprüft, sowie in den Präsenzzeiten das Wissen praktisch angewandt und vertieft. Des Weiteren unterstützt das ausgearbeitete Format den Paradigmen-Wechsel der LV hinsichtlich der Lehr- und Lernmethode, weg von der reinen Lehre zu einem unterstützten Lernen bzw. aktiven Coaching.

Dieses Konzept dient als Blaupause für weitere, ähnlich gelagerte Kurse am Studiengang und der FHS und ist an der LV HOSIL implementiert.

Erklärtes Nicht-Ziel ist die Förderung der Kommunikation unter den Studierenden. Ziel der hier beschriebenen LV ist ein selbst gestaltetes Enabling der Studierenden in den für den Studienerfolg maßgeblichen technischen Grundlagen.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Um möglichst vielen Studierenden aus dem In- und Ausland, trotz fehlender Vorkenntnisse, das Studium Applied Image and Signal Processing zu ermöglichen, werden Brückenmodule angeboten, um das fehlende Vorwissen zu kompensieren. Da diese Module zusätzlich zum regulären Studium vorgeschrieben werden, ergibt sich für die Studierenden ein erhöhter Arbeitsaufwand, zusätzlich begleitet von einem höheren Maß an Präsenzstunden. Für den Kurs "Hardware Oriented Signal Processing" wurde ein Format erstellt, welches die Präsenzzeiten für den Kurs drastisch reduziert, indem diese für die wirklich notwendige praktische Arbeit genutzt wird, während der theoretische Inhalt in einer asynchronen Phase von den Studierenden selbständig erarbeitet wird.

Das Format Blueprint AHA basiert auf einem Inverted Classroom Model, bei welchem sich die Studierenden selbstständig auf die Präsenzphase vorbereiten. Während der Präsenzeinheiten werden neben praktischen Übungen offene Fragen geklärt, wobei sich die Studierenden die theoretischen Inhalte vorab selbst erarbeiten. Die Inhalte sind multimedial aufbereitet, von verschiedener Art (u.a. Videos, Texte, Simulationen) und durch kurze Überprüfungen gefestigt.

Das Feedback der Studierenden nach der ersten Durchführung im Wintersemester 2021 war sehr positiv. Speziell die Möglichkeit zur Individualisierbarkeit des Kurserlebnisses durch die Kursteilnehmenden selbst (freie Wahl der Medien der theor. Inhalte, zeitliche Gestaltung) wurde positiv hervorgehoben.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

To enable as many students as possible from around the world to study the program of Applied Image and Signal Processing, even with a limited lack of previous knowledge, bridge courses are offered to compensate for that. Since those compulsory courses are on top of the regular semester, a higher workload and additional presence time are implicated. Based on the course of "Hardware Oriented Signal Processing", a format was developed, that reduces the course's mandatory time in presence by a very high degree, by only using the presence for the non-substitutable practical work on-site, while the whole theoretical input is prepared in an asynchronous phase.

The course format Blueprint AHA is based on an Inverted Classroom Model, where students independently prepare for the on-site class. While during the on-site class practical work is conducted and individual, open questions are answered during a Q&A session, theoretical input is prepared by the students themselves in their own time and pace. The theoretical content is of a multimedia kind and checked through regular quizzes.

The student's feedback was highly positive after the first time with this format during the 2021 winter term. Especially the possibility for individualization of the course experience by the students themself (selection of learning material, flexibility in time) was exceptionally appreciated.

Nähere Beschreibung des Projekts

Der Kurs HOSIL wird mithilfe des konzipierten Kursformats (Blueprint AHA) umgesetzt. AHA ist eine ICM Konzept [1], unter Anwendung von Blended Learning und dient als Blaupause für andere Kurse am Studiengang und an der FHS.

Angewandt an der LV HOSIL sind die Anzahl der Termine in Präsenz auf zwei Termine, zur praktischen Arbeit im Labor, beschränkt. Die theoretischen Inhalte erarbeiten sich die Studierenden in einer begleitenden, asynchronen Online-Selbststudiumsphase und bereiten sich so auf die Präsenzphasen selbstständig (autonom) vor.

Zu Beginn des Semesters gibt es eine persönliche Vorstellung und Einführung in den Kurs, das dahinterstehende Konzept und den Ablauf über das folgende Semester. Diese Einführung geschieht zum frühestmöglichen Zeitpunkt im Semester, damit die Studierenden die noch ruhigeren Phasen zu Beginn des Semesters nutzen können.

Die Selbststudiums- und Präsenzphasen werden in den nächsten Abschnitten genauer erläutert.

Der Abschluss des Semesters bildet eine abschließende Klausur in Präsenz, welche die theoretischen Themen der Selbststudiumsphase abdeckt.

 

## 1. Kursablauf

Ein Kernelement von AHA ist der Kursablauf, visuell dargestellt in einer Zeitleiste (im folgenden Roadmap; als Link verfügbar). Diese Timeline beinhaltet den gesamten Ablauf des Kurses, aufgeteilt in die verschiedenen Kapitel, mit den ihnen zugehörigen Themen. Für HOSIL sind insgesamt fünf Kapitel umgesetzt: Einführungskapitel (C1), drei aufeinander aufbauende fachliche Kapitel (C2-C4) und ein Abschlusskapitel (C5).

C1 besteht aus der Einführung in den Kurs, mit allen organisatorischen Rahmenbedingungen, und die Einführung in die Belange der Präsenzlehre. Die fachlichen Kapitel beschäftigen sich mit Signalen (C2), Operationsverstärker (C3) und Analog-zu-Digital- (ADC) und Digital-zu-Analog Konvertern (DAC) (C4). C5 ist das einzige notengebende Kapitel und beinhaltet die Abgaben, die Klausur und das abschließende Kursfeedback der Studierenden. Der Kurs ist so gestaltet, dass die Studierenden alle Kapitel (C1-C4, ausgenommen Abschlusskapitel) selbstständig durcharbeiten können. Eine Notwendigkeit zur Interaktion mit anderen Personen ist nicht zwingend notwendig.

Um einen Lernfortschritt zu garantieren, sind nach jedem einzigen Thema, sogenannte Quizzes, eingebaut. Diese Überprüfungen haben einen formativen Charakter, d.h. diese sind kein Bestandteil der Note. Jede Selbstüberprüfung kann so oft wiederholt werden, bis diese positiv abgeschlossen wird. In der Selbststudienphase sollen die Studierenden die Möglichkeit haben, so viele Fehler zu machen zu dürfen, wie notwendig sind, um die Themen zu verstehen. Abhängig von den behandelten Themen werden verschiedene Formate zur Erfolgskontrolle genutzt, wie Single- oder Multiple Choice, Zuordnungen oder Rechenaufgaben. Um ein Überspringen von Themen zu unterbinden, ist der Fortschritt im Kurs an das Bestehen der Selbstüberprüfungen gebunden.

Im ganzen Kursverlauf gibt es insgesamt nur drei zeitliche Abhängigkeiten (M1-3). Die erste Abhängigkeit (M1) ist der erste Präsenztermin. Zu diesem Zeitpunkt müssen die Studierenden C3 abgeschlossen haben. Ähnlich muss zum zweiten Präsenztermin (M2) C4 abgeschlossen sein. Die dritte Abhängigkeit (M3) ist der Termin der Klausur, zu welchem die Studierenden spätestens die geforderten Abgaben der Präsenzphase (in C5) abgegeben haben müssen. Ohne eine Abgabe ist eine Teilnahme an der Klausur nicht möglich.

In der Timeline sind zu jedem Thema weitere Informationen vermerkt. Hier ist, u.a., angegeben, welche Medien und Ressourcen zur Verfügung gestellt sind. Abhängig vom Thema variieren diese. Mehr dazu unterhalb (siehe Medien).

Zur Veranschaulichung des Kursablaufs steht diese Timeline den Studierenden zur Verfügung. Somit ist eine Abschätzung über den eigenen Lernfortschritt in Relation zum Kurs jederzeit möglich.

 

## 2. Online-Kurs

Um den Kurs für alle Studierenden leicht zugänglich zur Verfügung zu stellen, ist dieser im Learning Management System (LMS) Moodle der FHS angelegt. Das zur Verfügung gestellte LMS stellt einen Großteil der notwendige technischen Bedingungen zur Verfügung, wie die u.a. Einstellungen zu bedingtem Fortschritt, Überprüfungen, Einbettung von externen Medien, Dokumentenablage, Abgaben und Notenverwaltung. Weitere LMS wurden evaluiert, jedoch aufgrund des notwendigen administrativen Mehraufwandes (Instandhaltung, etc.) als unpraktikabel verworfen.

Im Einführungskapitel werden, zur Angewöhnung an das System und die im Kurs verwendeten Funktionen (z.B. das Durchführen von Aktion zur Freischaltung von neuen Ressourcen/Themen) die Möglichkeit geboten, ohne sich inhaltlich mit den Fachthemen zu beschäftigen, diese vorab zu testen.

Auch der Kursfortschritt kann sehr gut mitverfolgt werden. Zudem ist es möglich zeitliche Abhängigkeiten einfach zu hinterlegen. Beim Erfüllen aller notwendigen Abhängigkeiten (M1-3) wird das visuell dargestellt. Mit einem „Ticket“ für die Präsenzphase sind die Studierenden dann auch adäquat vorbereitet. In der konkreten Umsetzung sind die Studierenden mit M1 und M2 nicht nur mit den theoretischen Inhalten vorbereitet. Durch die Einbettung der praktischen Vorbereitung (Studium der Bedienungsanleitungen für z.B. die Messgeräte, inkl. Überprüfung) in die Abhängigkeiten ist sichergestellt, dass die Studierenden für die praktischen Inhalte sicher vorbereitet sind. Die Unterlagen für die Präsenzeinheit werden mit dem Erreichen der jeweiligen Abhängigkeit M1 und M2 im LMS freigeschaltet.

 

## 3. Eingesetzte Medien

Während des gesamten Kurses werden themenabhängig verschiedene Medien verwendet, um das Wissen an die Studierenden möglichst divers zu vermitteln. Zu vielen Themen werden auch inhaltlich gleiche, aber unterschiedliche medial divers aufbereitete Unterlagen bereitgestellt. Hier wurde versucht, eine ausgewogene Mischung zwischen den verschiedenen Medien zu finden um so viele Lerntypen wie möglich anzusprechen und zum Dabeibleiben zu motivieren.

Neben klassischen Unterlagen (Dokumente, Rechenaufgaben) wurden auch, motiviert durch [3] Videos, wie in [2] beschrieben, produziert. Diese Videos zeichnen sich durch eine hohe Qualität, und einem erhöhten Produktionsaufwand, aus. Die Produktion dieser Videos hat zwar den Großteil der verfügbaren zeitlichen Ressourcen in Anspruch genommen, diese bilden aber ein nachhaltiges Fundament für den erstellten Kurs bzw. dienen sie auch als komplementäre Lernunterlage für andere Kurse mit selbigen Themen (z.B. IoT Sensortechnik). Ein Beispiel für eines der produzierten Videos ist im Link bzw. auf der Projektwebseite (Link) zu sehen.

Auch externe Tools zur interaktiven Wissensvermittlung sind in den Kursverlauf integriert. Durch die Verfügbarkeit von Simulationstools für elektrische Schaltungen können die beschriebenen Konzepte visualisiert, gefestigt und selbstständig ausprobiert werden.

Über den Verlauf des Kurses ändert sich bewusst die Verwendung der Medien. Zu Beginn werden mehr eigenproduzierte Videos verwendet, gegen Ende des Kurses können die Studierenden, auch durch das vermittelte Wissen, immer selbständiger Themen erarbeiten, in dem sie, z.B. Fachliteratur zur Beantwortung von Fragen zur Verfügung gestellt bekommen.

 

## 4. Begleitung während der Selbststudiumsphase

Die im Online-Kurs bereitgestellten Unterlagen erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Auch unabhängig dieser Tatsache werden während des Kursfortschritts, abhängig von den Studierenden selbst, Unklarheiten und Fragen auftreten. In dieser Phase sind die Studierenden jedoch nicht auf sich allein gestellt. Die Reduktion der Präsenzstunden ermöglicht es, aus Sicht der Lehrenden, den Studierenden optionale, zusätzliche Angebote anzubieten. So kann direkt auf die individuellen Bedürfnisse der jeweiligen Studierenden eingegangen werden. Somit transformiert sich die Rolle einer klassischen Lehrperson zu der einer coachenden Lehrperson.

Im konkreten Fall wurden zum einen, im LMS Kurs zu jedem Kapitel Foren erstellt. Diese Foren dienen als öffentlicher Ort des Wissensaustausches. Studierende, die Fragen zum Lehrstoff haben, können dort mit der Lehrperson und den Mitstudienerden über diese Themen in Austausch treten und Fragen können kurzfristig und schnell beantwortet werden. Diese Diskussionen bleiben über die Jahre hin ersichtlich, damit auch von den Problemen Studierender vergangener Jahre gelernt werden kann.

Als zweite Begleitmaßnahme ist ein s.g. Teacher-Coffee etabliert. In regelmäßigen Abständen werden Einheiten in Präsenz angeboten, an denen in entspannter Atmosphäre über die Themen der LV diskutiert und auch etwaige Probleme gelöst werden können.

 

## 5. Feedback

Ein weiterer zentraler Aspekt in AHA ist das Feedback der Studierenden. Dieses wird über mehrere Kanäle aktiv eingeworben. In C5, dem Abschlusskapitel wird nach erfolgter Klausur ein Feedbackformular freigeschaltet. Dieses Feedback ist für die Studierenden notwendig, um den Kurs final abzuschließen (definiert im Syllabus). Dieses Feedback ist anonym und kann nicht auf einzelne Personen zurückverfolgt werden. Hier soll jede*r Studierende die Chance haben können, ehrlich zu sein, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen.

 

Zudem wird über die in 6. Begleitung während der Selbststudiumsphase beschriebenen Teacher-Coffee Angebote aktiv nach dem Feedback durch die Studierenden gefragt. Bei Auftreten bzw. Rückmeldung von Problemen kann so auch noch während des Semesters Problemen entgegengewirkt werden.

 

[1] J. Handke and A. Sperl, Eds., Das inverted classroom model: Begleitband zur ersten deutschen ICM-Konferenz. München: Oldenbourg, 2012.

[2] D. A. Gray, eLearning video making 101: foundational systems, processes and insights for learning professionals and educators, 1st edition. eLearningVideoMastery.com, 2017.

[3] J. Blount, The virtual training: the art of conducting powerful virtual training that engages learners and makes knowledge stick. Hoboken, New Jersey: John Wiley & Sons, 2021.

Mehrwert

Da das beschriebene und umgesetzte Format als Blaupause konzipiert ist, ist eine Übertragbarkeit für ähnliche Kurse gewährleistet. Kolleg*innen können das Format als Ganzes, wie auch einzelne Aspekte, aus dem Konzept für die eigenen Lehrveranstaltungen nutzen. Auch kann das Format auf eine ganze LV, wie auch zur Unterstützung für einzelne Einheiten verwendet werden.

 

Für die Umsetzung des Konzeptes am konkreten Beispiel von HOSIL war von Beginn an klar, dass sich die Investitionen nur über einen längeren Zeitraum rechnen. Der hohe initiale Aufwand, welcher in die Konzeption und Erstellung des Kurses, sowie in die Erstellung und Produktion der Videos und Lernunterlagen geflossen ist, überstieg die „normale“ Vorbereitungszeit bei Weitem. Durch die kontinuierliche Verbesserung des nun bestehenden Kurses, ist es möglich den Kurs, basierend auf den Erfahrungen über die Jahre und auf studentischem Feedback, kontinuierlich weiterzuentwickeln und zu verbessern.

 

Für die Studierenden ergeben sich durch das gegebene Format einige Vorteile. Durch die selbstorganisierte theoretische Vorbereitung, und die damit resultierende Reduktion der Präsenzeinheiten, sind die Studierenden in ihrer persönlichen Zeitgestaltung viel flexibler. Dadurch ist es für die Studierenden auch leichter möglich, neben dem Studium einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen.

 

Durch den modularen Aufbau des Kurse, untergliedert in einzelne Kapitel mit Unterthemen, kann ein bereits durchgeführter Kurs ebenso als Nachschlagewerk verwendet werden. Durch eine Möglichkeit zum Export, bzw. der bestehende Zugang und Verfügbarkeit des Kurses, bleibt der Zugang zu den Unterlagen erhalten.

 

Da das Studium Applied Image and Signal Processing ein englischsprachiges Studium, mit internationalen Studierenden ist, gibt es jedes Jahr Probleme mit der rechtzeitigen Ausstellung von Visa und einer somit pünktlichen Anreise zum Studienstart. Durch dieses Format, ist es nun auch möglich Studierende am Kurs teilnehmen zu lassen, auch wenn sich diese zum Kursstart noch nicht im Land der Hochschule aufhalten können. Für die Zukunft ist zudem angedacht diesen Kurs auch vor Studienstart, ab der Zulassung zum Studium bereitzustellen, um die Belastung noch weiter zu verringern.

 

Durch die noch andauernden Pandemie hat sich ein weiterer Vorteil gezeigt: durch die Konzeption der LV, konnten alle Termine wie geplant stattfinden, da nicht-substituierbare Einheiten, in diesem Fall die Präsenz-Labore, vor Ort abgehalten werden durften. Lediglich die Klausur wurde auf Online umgestellt. Da diese aber im LMS stattfindet, war hier auch kein Zusatzaufwand vonnöten.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Das dargelegte LV Konzept ist grundsätzlich als Blaupause konzipiert und somit ist eine Übertragbarkeit auf andere Kurse als Ganzes, aber auch nur mit Teilen, gewährleistet. Einzelne dieser Aspekte und Erfahrungen (didaktische Methoden, technische Dienste und Funktionen im E-Learning System) haben schon die Gestaltung anderer Kurse beeinflusst.

 

Inspiriert von dieser Umsetzung, nutzen bereits mehrere LV’s Videos für die Wissensvermittlung. Die anfängliche Scheu der Kolleg*innen konnte so vor der Produktion von nachhaltigen Videos genommen werden. Somit kann den Studierenden mithilfe eines zusätzlichen Mediums weiterer Inhalt näher gebracht werden.

 

Andere LVs FH-weit nutzen mehrere Aspekte aus dem Projekt, indem diese für die Einführungsphasen der LV ein ähnliches Konzept zur Sicherstellung von funktionierenden Setups der Studierenden verwenden. Durch eine Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Überprüfungen zwischen den Vorgängen ist eine vollständige Vorbereitung garantiert. Einzelne angewandte technische Möglichkeiten haben wiederum Ihren Weg in die Konzepte von Kursen gefunden und so zu einer Verbesserung von Kursen geführt (z.B. Vorlesung Datenbanken).

 

Schon zu Beginn der Umstellung des Kursformates war absehbar, dass trotz des initialen Aufwands der Umstellung ein hoher Bedarf in der Weiterentwicklung des Kurses notwendig ist. Das studentische Feedback soll nicht nur Schein sein, sondern die Lehrveranstaltung kontinuierlich für die nächste Abhaltung verbessern. In der Vorbereitung der LV für eine weitere Abhaltung wird der Kurs nicht nur auf Stand gehalten, sondern auch verbessert. Auch das didaktische Konzept, sowie Aspekte desselben, sollen regelmäßig durch die Studierenden evaluiert, und basierend auf dem Feedback verbessert werden.

 

Mehrfache Dissemination zum Projekt haben bereits an der FHS stattgefunden und sind noch geplant. Zudem wurde das Projekt im Rahmen der “ICM and beyond 2022”, einer mittel-europäischen Konferenz und Impulsgeber zum Thema Inverted Classroom und innovativer Hochschuldidaktik, als Poster und bei einer Round Table Diskussion vorgestellt.

 

Aus dem hier beschriebenen Projekt hat sich direkt ein weiteres abgeleitet. Aus der Erfahrung mit der Produktion der Videos soll eine Möglichkeit geschaffen werden, dass Lehrende ohne viel Aufwand selbst Videos mit einer guten Qualität erstellen können. Hierfür soll ein Arbeitsplatz geschaffen werden, welcher in einem Studio eingebettet ist. Das Projekt befindet sich derzeit in der Phase der Durchführung.

Aufwand

Projektbeginn war Anfang 2021. Zu Beginn wurde das Konzept und die Planung durchgeführt, sowie das Drehbuch für die eigens erstellten Videos geschrieben. Die Videos wurden an zwei Drehtagen abgedreht. In den darauffolgenden 3 Monaten wurden der Moodle-Kurs mit den Inhalten eingerichtet, die Lernressourcen erstellt, Simulationen konfiguriert und die Videos bearbeitet und geschnitten. Über die Projektdauer waren mehrere Personen in die Erstellung des Konzepts miteingebunden, umgesetzt wurde das Projekt durch die Lehrveranstaltungsleitung zusätzlich zur Lehrverpflichtung, mit der Unterstützung einer weiteren Person (~5h/Woche über 4 Monate).

 

Durch eine kontinuierliche Verbesserung des Kurses wurden schon während der ersten Abhaltung Anpassungen an den Unterlagen und Inhalten vorgenommen. Mit jeder weiteren Abhaltung werden die Inhalte auf Aktualität geprüft und entsprechend angepasst.

 

Angefallene Kosten (zusätzlich zur Lehrverpflichtung des LVA-Leiters): Equipment und Literatur ca. 1100€ und Personalkosten 1404€ (Hilfskraft). Diese Kosten wurden vollständig durch den Zukunftsfond des Rektorats an der FH Salzburg gedeckt.

Positionierung des Lehrangebots

Das vorliegende Konzept ist für die Brückenmodule am Masterstudiengang Applied Image and Signal Processing konzipiert, aber nicht auf diese beschränkt. Konkret wurde das Konzept am Kurs "Hardware Oriented Signal Processing" durchgeführt. Brückenmodule werden Studierenden vorgeschrieben, welche die Mindestanforderungen für die Aufnahme in definierten Themenbereichen (Signalprocessing, SW-Dev.) nicht erfüllen. Die Brückenmodule werden durch die Leitung des Studiengangs vorgeschrieben und kompensieren das für ein erfolgreiches Studium notw. Vorwissen.

Als Brückenmodul ist eine individuelle zeitliche Gestaltung - wo möglich auch im Vorfeld der Lehrveranstaltungen des intendierten Studiums - durch die Lernenden besonders wichtig. Ebenso müssen die Erfolgsnachweise so gestaltet sein, dass nach Absolvierung eine Gleichwertigkeit mit den sonst vorgeschriebenen Kompetenzen nachgewiesen werden kann.

Die LV, an welcher das Konzept umgesetzt ist, hat einen Umfang von 1.5 ECTS und 1 SWS.

Links zu der/den Projektmitarbeiter/innen
Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2022 nominiert.
Ars Docendi
2022
Kategorie: Qualitätsverbesserung von Lehre und Studierbarkeit
Ansprechperson
DI Martin Uray, BSc
Studiengang Applied Image and Signal Processing
+43 50 2211-1304
Nominierte Person(en)
DI Martin Uray, BSc
Studiengang Applied Image and Signal Processing
Isabella K. Krall, MA
Studiengang Informationstechnik und Systemmanagement
Themenfelder
  • Berufsbegleitend Studieren
  • Didaktische Methode
  • Neue Medien
  • Organisatorische Studierendenunterstützung
  • Rund ums Prüfen
  • Rund ums Evaluieren der Lehre
  • Sonstiges
Fachbereiche
  • Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik/Ingenieurwissenschaften