»Care-Arbeit in der Covid-Pandemie aus intersektionaler Perspektive« – Eine Seminarkooperation der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Ziele/Motive/Ausgangslage

Die Corona-Pandemie evozierte einen gravierenden Schnitt im gesellschaftlichen Leben, der sich massiv auf die universitäre Lehre auswirkte. In der bald entstandenen Notwendigkeit zur Online-Lehre erkannten wir allerdings die Gelegenheit, einen in der Pandemie und für die beteiligten Disziplinen höchst bedeutsamen Gegenstand in einer internationalen Kooperation interdisziplinär zu untersuchen: In vielerlei Hinsicht wurde Care-Arbeit prekär, während ihre Unabdingbarkeit zumindest zeitweise sicht- und thematisierbar wurde.

Die Chance sahen wir darin, verschiedene disziplinäre Expertisen von Master-Studierenden der Psychologie an der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien und der Erziehungswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in einem genuin intersektional ausgerichteten Projekt produktiv zu machen. Hintergrund für die Seminarkonzeption war die Erfahrung einer spontan entstandenen Begegnung von Bachelor-Studierenden beider Universitäten im Frühjahr 2020, in der wir gleich zu Beginn der Pandemie die in ihren Wohnräumen eingesperrten Studieren über die Landesgrenzen hinweg vernetzten. Nachdem die Rückmeldungen der Teilnehmenden überschwänglich ausfielen, konzipierten wir für das Sommersemester 2021 eine intensivere Kooperation.

Zu unserer intersektionalen Lehrforschung von Care-Arbeit in der Pandemie führten wir zwei Masterseminare mit den thematisch unterschiedlichen Schwerpunkten »Arbeit und psychische Gesundheit« und »Pädagogischer Umgang mit Differenz und Heterogenität« zusammen. Wir beabsichtigten, die Diversität der Perspektiven fruchtbar zu machen: Die Studierenden gehörten unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen an, lebten in Ländern mit unterschiedlichen Covid-Response-Strategien und hatten sich im Vorlauf unseres gemeinsamen Seminar-Blocks verschiedene Expertisen erarbeitet: In Wien wurde theoretisch und historisch der Themenkomplex Arbeit und Geschlecht bearbeitet und die Studierenden in Mainz setzten sich mit dem Verhältnis von Rassismus und Geschlecht auseinander. Während in diesen Seminaren sowohl je seminarspezifische wie auch seminarübergreifende Literatur angeeignet wurden, arbeiteten interdisziplinäre Kleingruppen an studentischen Forschungsprojekten zur Situation unterschiedlich situierter Gruppen von Care-Arbeitenden. Die Ergebnisse wurden schließlich im gemeinsamen Seminarblock präsentiert, wo sie vergleichend und vor dem Hintergrund des theoretisch Erarbeiteten diskutiert wurden.

In den Blick kam so erstens die von verschiedenen Differenz- und Ungleichheitsverhältnissen durchzogene gesellschaftliche Situiertheit von Care-Arbeit in der Pandemie. Zweitens ermöglichte diese Auseinandersetzung die Reflexion der durch unterschiedliche Differenzachsen und Bildungsbiographien geprägten eigenen Situiertheit im Forschungsprozess. Seminararbeiten der studentischen Forschungsgruppen und eine Broschüre zum Seminar dokumentierten schließlich die Erkenntnisse und den Bildungsprozess.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Das Online-Lehrforschungsseminar beleuchtete interdisziplinär, multiperspektivisch und intersektional Care-Arbeit unter den Bedingungen der Covid-Pandemie. Auf komplexe Weise wurden zwei in unterschiedlichen Disziplinen (Psychologie und Erziehungswissenschaften) verortete und thematisch verschieden ausgerichtete Seminare – über partiell geteilte Seminarliteratur, die Arbeit in gemischten studentischen Forschungsgruppen und einen gemeinsamen Online-Seminarblock – ineinandergeflochten.

Die Diversität der Kompetenzen und Perspektiven wurde dezidiert als Ressource eingesetzt: In den Forschungsgruppen und gemeinsamen Diskussionen vermittelten die Studierenden einander Wissen und Sichtweisen, lernten voneinander und erfassten gemeinsam die Komplexität des über verschiedene gesellschaftliche Ungleichheits- und Differenzachsen intersektional strukturierten Feldes der Care-Arbeit. Die Befragung der Veränderung der Situation von verschiedenen Gruppen von Care-Arbeitenden in der Pandemie ermöglichte auch eine Selbstreflexion der Studierenden: Als Privatpersonen wie auch als aktuell und zukünftig im Feld der Care-Ökonomie Tätige sind nicht zuletzt sie selbst je nach gesellschaftlicher Situierung auf unterschiedliche Weise sowohl von der Pandemie wie den Covid-Response-Maßnahmen betroffen. Dies schärfte den Blick für die eigene Lage wie die Heterogenität auch innerhalb der Studierendenschaft.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

The online teaching research seminar examined care work under the conditions of the covid pandemic in an interdisciplinary, multiperspectival, and intersectional way. In a complex way, two seminars located in different disciplines (psychology and educational sciences) and thematically differently oriented were interwoven via partially shared seminar literature, work in mixed student research groups and a joint online seminar block.

The diversity of skills and perspectives was decidedly used as a resource: In the research groups and joint discussions, students shared knowledge and perspectives, learned from each other, and together grasped the complexity of the field of care work, which is intersectionally structured across various social axes of inequality and difference. Questioning also the change of the situation of different groups of care workers in the pandemic allowed also a self-reflection of the students: They, too, as private individuals, but also as current and future care workers, are affected in different ways by both the pandemic and the covid-response measures, depending on their social situation. This sharpened the view of their own situation as well as for the heterogeneity within the student body.

Nähere Beschreibung des Projekts

Seminarthema

In einem gemeinsamen Seminar mit Studierenden der Psychologie und der Pädagogik den Fokus auf Care-Arbeit zu legen, liegt auf der Hand: Psychologische wie pädagogische Tätigkeit sind als Sorge-, Beziehungs- und Erziehungsarbeiten Teil der Care-Ökonomie.

In feministischen Debatten und in politischen Kämpfen von Minderheiten ist die Geringschätzung und mangelnde Bezahlung der überwiegend von Frauen und migrantischen Arbeitskräften geleisteten Care-Arbeit, welche die kontinuierliche soziale Reproduktion der Gesellschaft ermöglicht, schon lange ein zentrales Thema. Der Blick auf verschiedene Bereiche der Care-Arbeit zeigt aber auch große Unterschiede: Wo etwa klinische Psychologie zwar auch weiblich dominiert ist und ihr Ansehen unter dem des Ärzt:innenberufs steht, sind die v.a. von weiblichen migrantischen Arbeitskräften geleistete Pflegearbeit und die meist von weiblichen Familienmitgliedern geleistete unbezahlte Haushalts- und Erziehungsarbeit massiveren Abwertungen unterworfen.

Care-Arbeit zu untersuchen und so auch die eigene spätere Berufspraxis im Feld der Care-Ökonomie zu verorten, erfordert eine multiperspektivische Herangehensweise, um ineinander verschränkte Machtverhältnisse zu erkennen, die hier virulent sind. Die Analyse muss *intersektional* erfolgen, d.h. sie muss die Überkreuzungen von Klassen-, Geschlechter-, post-/neokolonialen Herrschafts- und weiteren Differenzverhältnissen in den Blick nehmen.

In der Pandemie wurde Care-Arbeit – im Lichte der Diskussionen über ›systemrelevante Berufe‹ und in den Debatten um Homeoffice und Homeschooling – für kurze Zeit zu einem öffentlichen Thema. Zugleich veränderten die Pandemie und die Covid-Response-Strategien zeitliche, räumliche, rechtliche und leibliche Bedingungen von Care-Arbeit. In unserer Seminarkooperation gingen die Studierenden den Auswirkungen dieser Veränderungen für verschiedene Formen von Care-Arbeit genauer nach.

 

Aufbau der Seminarkooperation

Da die interuniversitäre Begegnung im Rahmen des regulären Curriculums der jeweiligen Studiengänge stattfand, ergab sich eine komplexe Seminarstruktur. In ihr wurden zwei thematisch unterschiedlich ausgerichtete Seminare von ungleichem Umfang zusammengeführt und inhaltlich ineinander gewoben. Die unterschiedlichen Themenschwerpunkte setzten wir als Ressource ein: Für die Seminarkooperation war zentral, dass die Studierenden ihre jeweiligen inhaltlichen Expertisen teilten und sie im Rahmen gemeinsamer Diskussion und Forschung einander vermittelten.

Das Seminar »Arbeit und psychische Gesundheit« (3 SWS), im Psychologie-Master-Schwerpunkt »Sozialpsychologie und psychosoziale Praxis« der SFU Wien angesiedelt, ging mit einem geschlechtertheoretischen Blick dem Wandel von Arbeitsverhältnissen nach. Im Seminar »Pädagogischer Umgang mit Differenz und Heterogenität« (2 SWS) innerhalb des Mainzer Master-Studiengangs »Pädagogik des Kindes- und Jugendalters« ging es hingegen um vergeschlechtlichten Rassismus, Rassismuskritik und kritisches Weißsein als professionelle pädagogische Haltung. Diese Themenschwerpunkte mündeten – an beiden Standorten noch getrennt – in eine grundlegende Auseinandersetzung mit denselben theoretischen Texten über aktuelle (vorpandemische) Care-Arbeit aus feministischer und postkolonialer Perspektive.

Diese Vorarbeiten bildeten die Grundlage für die Seminarkooperation: Zusammengebracht wurden die erarbeiteten Perspektiven final in einem gemeinsamen Seminarblock. Zuvor wurden die unterschiedlichen Perspektiven und Expertisen aber schon acht Wochen lang in standortübergreifenden studentischen Forschungsgruppen miteinander ins Gespräch gebracht. Diese untersuchten je eine Gruppe von Care-Arbeitenden in der Pandemie: Klinische Psycholog:innen, Lehrer:innen, Erziehungspersonen im Homeschooling, migrantische Altenpfleger:innen und migrantisches, ohne legale Arbeitsverträge arbeitendes Reinigungspersonal im privaten Bereich. Materialgrundlage dafür waren die Texte beider Seminare und weitere Fachartikel; zudem regten wir an, Zeitungsartikel zu durchforsten oder selbst Interviews mit Betroffenen zu führen. Die Ergebnisse der studentischen Forschungsprojekte wurden abschließend in großer Runde präsentiert, diskutiert und anschließend von den uniübergreifenden Gruppen verschriftlicht; zusätzlich wurde ein Seminarbericht mit Kurzvorstellungen der studentischen Forschungsprojekte in einer Online-Broschüre veröffentlicht (https://www.allgemeine-erziehungswissenschaft.uni-mainz.de/julia-koenig/aktuelles-koenig-julia/).

Für den informelleren Austausch zwischen den Studierenden über die Forschungsgruppen hinweg und mit uns Lehrenden organisierten wir zudem einen virtuellen Barabend auf der Vernetzungsplattform »Wonder«.

 

Intersektionalität und Multiperspektivität

Die Seminarkooperation ist auf mehreren Ebenen multiperspektivisch und intersektional:

1. Zunächst ist die Veranstaltung *interdisziplinär* angelegt; dabei wird die disziplinäre Herkunft der Teilnehmenden dezidiert als Ressource begriffen: Qua disziplinärer Verortung bringen die Wiener Sozialpsychologie-Studierenden und die Mainzer Studierenden der Erziehungswissenschaft unterschiedliche Perspektiven ein, die den Blick auf diverse Formen der Care-Arbeit und auf verschiedene Auswirkungen der Pandemie formen. Der jeweils disziplinär gewohnte Fokus wird durch das Seminarkonzept systematisch erweitert.

2. In den Seminaren werden zudem je *unterschiedliche*, mit der Care-Arbeit zusammenhängende Themenschwerpunkte erarbeitet (Wien: Arbeit und Geschlecht; Mainz: Rassismus und Geschlecht), die den Studierenden durch ihre jeweiligen *inhaltlichen Expertisen* spezifische Perspektiven auf den Gegenstand Care-Arbeit ermöglichen. In der Kombination können so sehr differenzierte intersektionale Perspektiven auf die Lage von in verschiedenen Dimensionen unterschiedlich situierten Care-Arbeitenden entwickelt werden.

3. Die Perspektiven der Studierenden sind zudem durch ihre nationale Situiertheit geprägt: Erstens sind die gesellschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen für einzelne der untersuchten Care-Arbeitenden in beiden Ländern unterschiedlich. Zweitens werden die landesspezifisch teilweise stark divergierenden staatlichen und zivilgesellschaftlichen Covid-Response-Strategien durch unterschiedliche gesellschaftliche Diskurse flankiert. Der *internationale Austausch* darüber trägt somit zu einer weiteren Differenzierung der Perspektiven auf Care-Arbeit bei.

4. Schließlich wurde die Aufmerksamkeit der Studierenden systematisch darauf gelenkt, in welch hohem Maße der *Gegenstand ihrer Forschung selbst intersektional verfasst* ist. Dies wird in der Seminarkonzeption durch die Auswahl der zu untersuchenden Gruppen von Care-Arbeitenden betont. Die Forschungsgruppen sind aufgefordert, nicht nur die Lage der untersuchten Gruppe vor und während der Pandemie und ihre Wahrnehmung der Situation zu untersuchen, sondern auch nach Binnendifferenzierungen zu fragen. Dabei zeigte sich etwa, dass Differenzen bzgl. familiärer Situation oder Mobilität entscheidend für Betroffene waren: Normalerweise tagsüber in Bildungsinstitutionen untergebrachte Kinder mussten plötzlich zuhause betreut werden. Care-Arbeitende ohne Arbeitserlaubnis, die aus aufenthaltsrechtlichen Gründen gezwungen sind, oft zwischen Heimat- und Immigrationsland hin und her zu reisen, steckten in der Pandemie in einem der Länder fest und konnten entweder keiner Lohnarbeit nachgehen oder ihre Familien monatelang nicht sehen.

5. Mit dieser Fokussierung auf das komplexe Bedingungsgefüge für die aktuelle Lage von Care-Arbeitenden wird der Blick der Studierenden schließlich darauf gelenkt, dass auch *sie selbst unterschiedlich von den Herausforderungen der Pandemie betroffen* sind, was ihr Erleben der Pandemie in hohem Maße prägte: Gerade die Frage, wer Kinder hatte oder für sie verantwortlich war, erwies sich auch für die Studierenden als eine der relevantesten Kategorien für die Situation in der Pandemie. Auch unterschieden sich die Studierenden sehr darin, dass nicht alle der Lohnarbeit nachgingen, und unter den Lohnarbeitenden waren wiederum einige ins Homeoffice verbannt, während andere unter erschwerten pandemischen Bedingungen im engen (auch: körperlichen) Kontakt mit Klient:innen standen. Schließlich wurde der Unterschied zwischen Studierenden einer öffentlichen und Privatuniversität diskutiert.

 

Hochschuldidaktik

• Die LV setzt auf *Lehrforschung* im Sinne von forschungspraktischer Interdisziplinarität und fördert sowohl fachliche wie transdisziplinäre Kompetenzen (Selbst- und Methodenreflexion, wissenschaftliches Diskutieren, Medienkompetenz).

• Die LV kombiniert verschiedene *digitale Methoden* wie gemeinsame Zoom-Treffen, die Einrichtung digitaler Räume zur Selbstorganisation der standortübergreifenden studentischen Forschungsgruppen und informellen Austausch über Wonder.

• Das *didaktische Portfolio* der LV besteht aus Textarbeit (einzeln vorbereitet zu den nach Standorten getrennten digitalen Präsenzeinheiten), internationaler, interdisziplinärer Projektarbeit in der Kleingruppe, Plenumsdiskussionen (uniübergreifend beim Blockseminar) sowie schriftliche Ausarbeitungen in zweifacher Weise: als Seminararbeit und in Form von Kurzdarstellungen in einer Broschüre.

• Die intersektionale Verfasstheit des Forschungsgegenstandes wird zum Ausgangspunkt für eine prozessbegleitende Reflexion des Erkenntniszugewinns, aber auch der blinden Flecken in den jeweiligen Perspektiven auf den Gegenstand. Diese *intersektionale Reflexion* treibt die Analyse voran und fördert die interdisziplinäre Kooperation der auch thematisch unterschiedlich vorgebildeten Studierenden. Dies soll nicht nur persönliche Lernerfahrungen erlauben, sondern auch eine kritische Reflexion über eigene Verstrickungen und Vorurteile ermöglichen.

Mehrwert

Die Frage nach dem Mehrwert ist nicht leicht zu beantworten. Im Vorfeld bedeutete die Planung der Kooperation für uns Lehrende sicher einen größeren Aufwand als die Konzeption eines Einzelseminars, zumal zumindest das Seminar in Wien schon seit einiger Zeit eine feste Struktur hat, die nun zugunsten der Kooperation aufgebrochen wurde: Die Seminare mussten inhaltlich auf einander ausgerichtet werden, der gemeinsame Fokus und der genaue Seminarplan mussten inhaltlich geplant werden, schließlich mussten die Seminare auch zeitlich aufeinander ausgerichtet werden, was der Rücksprache mit dem Studienbüro und den Planer:innen des Vorlesungsverzeichnisses der jeweiligen Universitäten bedurfte. Zugleich konnten aber Synergieeffekte genutzt werden, arbeitsteilig konnte der Verwaltungsaufwand (Organisation der digitalen Räume, Formulierung der Arbeitsaufgaben, Betreuung der Kleingruppen und des Abschlussberichtes) reduziert werden, zugleich konnte auf die fachlichen und thematischen Kompetenzen beider Lehrenden zugegriffen und generell machten sich in der Seminarkooperation deutlich die positiven Effekte des Team-Teaching bemerkbar. Zuträglich war dem sicherlich auch, dass wir in dieser Kooperation auf unsere langjährige Zusammenarbeit in Lehre und Forschung zurückgreifen konnten.

Für die Studierenden hatte die Kooperation sicher einen Mehrwert: Sie konnten vom Austausch mit den Studierenden des jeweils anderen Standortes und deren disziplinären Perspektiven und im anderen Seminar erarbeiteten thematischen Vorwissen sehr profitieren.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Auch wenn das Seminar erstens, sowohl was den durchgängigen Online-Modus wie auch das Thema anbelangt, spezifisch in der Corona-Situation verortet werden muss und zweitens auch von der Konstellation her (verschiedene Fächer in verschiedenen Städten) spezifisch ist, gibt es sowohl formal wie inhaltlich viele Möglichkeiten einer Übertragbarkeit auch in andere Kontexte. Inhaltlich denken wir vor allem an die Verschränkung von intersektionalem Blick auf einen Forschungsgegenstand mit einer Selbstreflexion, die auch die eigene soziale Position und die Heterogenität innerhalb der Studierendenschaft sicht- und diskutierbar macht.

Formal scheint uns neben dem generellen Konzept einer wirklich interdisziplinären Lehr-Kooperation, vor allem die Idee, thematisch unterschiedlich ausgerichtete Seminare in Teilen zusammenzuführen, äußerst fruchtbar zu sein: Die in den so kooperierenden Seminaren je angeeignete Literatur stattet die Studierenden mit spezifischem Vorwissen und damit spezifischen Kompetenzen aus, die in den Arbeiten in den gemischten Forschungsgruppen, aber auch in den gemeinsamen Plenumsdiskussionen einander vermittelt und zueinander ins Verhältnis gesetzt werden können. So können die für eine differenzierte Analyse eines Gegenstands notwendigen Perspektiven puzzlestückartig zusammengeführt werden.

Tatsächlich hat sich aus der Kooperation zwischen der SFU und der Universität Mainz im SoSe 2022 auch ein Nachfolgeprojekt ergeben.

Aufwand

Wie schon bei den Ausführungen über den Mehrwert geschrieben, war die Planung durchaus mit Konzeptions- und Koordinationsaufwand verbunden, aber insgesamt hielt sich das im Rahmen und ging nicht exorbitant über den Aufwand hinaus, den wir auch sonst für die Konzeption von Lehrveranstaltungen brauchen.

Da das Lehrkooperationsprojekt auch in folgenden Semestern fortgesetzt wird, wird der Aufwand zudem von Mal zu Mal geringer werden.

Positionierung des Lehrangebots

Master, 2. Semester.

Das SE »Arbeit und psychische Gesundheit« ist im zweiten Semester des Schwerpunktes »Sozialpsychologie und psychosoziale Praxis« im MSc. Studium Psychologie an der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien positioniert. Es ist Teil der Sozialpsychologie-Kernseminare, in denen anhand verschiedener Differenzachsen dem Wechselspiel von sozialen Bedingungen und psychischen Prozessen nachgegangen wird und wird flankiert durch die drei Seminare »Individuum und Gesellschaft«, »Geschlecht und psychische Gesundheit« und »Rassismus und psychische Gesundheit«. Im Anschluss an die ersten zwei Semester im Master-Studiengang, in denen theoretische Grundlagen und praktische Handlungskompetenzen für die psychosoziale Praxis angeeignet werden, wird ein längeres Praktikum besucht und schließlich die Masterarbeit geschrieben.

Besucht wird das Seminar auf von denjenigen Studierenden, die sich für eine MSc-Fächerkombination »Klinische Psychologie/Sozialpsychologie» entschieden haben.

Links zu der/den Projektmitarbeiter/innen
Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2022 nominiert.
Ars Docendi
2022
Kategorie: Kooperative Lehr- und Arbeitsformen
Ansprechperson
Markus Brunner, Dr.
Fakultät für Psychologie, Sigmund Freud PrivatUniversität Wien
0650-8060181
Nominierte Person(en)
Markus Brunner, Dr.
Fakultät für Psychologie, Sigmund Freud PrivatUniversität Wien
Julia König, Jun.-Prof.in
FB2 Institut für Erziehungswissenschaften, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Themenfelder
  • Didaktische Methode
  • Erfahrungslernen
  • Internationalisation@home
  • Neue Medien
  • Sonstiges
Fachbereiche
  • Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften