Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Innrain 52, 6020 Innsbruck
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KU Spezialfragen von Entwicklung und Sozialisation. Service Learning

Ziele/Motive/Ausgangslage

An einem Service Learning Projekt sind drei Player beteiligt, Studierende, Praxisinstitution und Universität.

Die Ausgangslage lässt sich wie folgt kurz umreißen:

Studierende der Erziehungswissenschaft kommen zu einem beträchtlichen Teil aus pädagogischen und/oder psychosozialen Praxisfeldern, haben teilweise diesbezügliche Basisausbildungen oder planen künftig in solchen Praxisfeldern zu arbeiten. Was sie an der Universität suchen und auch finden, ist eine differenzierte Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Theorien & Modellen die Arbeit in diesen Feldern betreffend. Praxisstätten resp. Institutionen legen mittlerweile teilweise großen Wert auf gut und eben auch universitär ausgebildete Mitarbeiter*innen, die ihr professionelles Handeln forschungsgeleitet ausrichten. Praktikant*innen, die gute und engagierte Freiwilligenarbeit leisten, ermöglichen den Institutionen und somit ihren Klient*innen ein Plus an Betreuungsqualität. Der dritte Player in diesem Zusammenhang ist die Universität selbst, die impliziert, dass ihre Lehre für o.g. Professionalisierung relevant sei.

Scheinbar gehen wir davon aus, dass die Verknüpfung von Theorie und Praxis und die s.g. Anwendbarkeit der einen in der anderen ein Selbstläufer sei. Die Professionalisierungsforschung legt anderes nahe.

Basierend auf diesem Dilemma und angeregt durch die Transferstelle Wissenschaft - Wirtschaft – Gesellschaft der Universität Innsbruck, dem Aurora Netzwerk und dem Freiwilligenzentrum der Caritas Tirol Mitte entstand die Idee im Bachelor der Erziehungswissenschaft an der Universität Innsbruck ein Service Learning Projekt anzubieten.

Die Durchführung findet innerhalb einer Lehrveranstaltung im Format Kurs in enger Zusammenarbeit zwischen der LV-Leitung Katharina Mittlböck und der Leiterin sowie der organisatorisch Verantwortlichen für Service Learning Projekte am Freiwilligenzentrum der Caritas Tirol Mitte Sibylle Auer und Veronika Latta-Flatz statt. Das Kursthema ist Entwicklung & Sozialisation. Es ist dies das erste Service Learning Projekt an der Universität Innsbruck.

Folgende Ziele werden verfolgt:

Die Studierenden können …

• … gesellschaftliches Engagement auf Basis ihres Fachwissens sinnvoll gestalten.

• … sich vertieft & kritisch mit Fragen zu Sozialisation, Identität sowie Persönlichkeitsentwicklung auseinandersetzen.

• … wesentliche Aussagen ausgewählter Theorieansätze formulieren und in einen Diskurs einbringen.

• … daraus wissenschaftlich sowie auch für ihr Praxisfeld relevante Spezialfragen ableiten.

• … Fachwissen in den Praxisalltag übertragen.

• … ihre Praxiserfahrungen in Bezugnahme auf das Fachwissen reflektieren.

• … einen Beitrag zum Know-How Transfer zwischen Universität & Gesellschaft leisten.

• … die Relevanz von Wissenschaftskommunikation & freiwilligem Engagement erkennen.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Service Learning oder Lernen durch Engagement verbindet gesellschaftliches Engagement mit der Schulung fachlicher, methodischer und sozialer Kompetenzen der Studierenden. (vgl. Bringle & Hatcher 1996 und Eyler & Giles 1999)

Service Learning Projekte bestehen aus verpflichtender Praxis und begleitender Lehrveranstaltung.

Im vorliegenden Projekt praktizieren Studierende in individuell interessensgeleitet ausgewählten psychosozialen Handlungsfeldern. In der Lehrveranstaltung entwickeln sie auf Basis ihrer Reflexionen Fragen zu ausgewählten Theorien zu Sozialisation, Identität & Persönlichkeitsentwicklung. Der Prozess der praktischen Arbeit, der Reflexion & Dokumentation derselben und vor allem des Formulierens von Fragen aus der Praxis und aus dem persönlichen Erleben an die Wissenschaft wird kontinuierlich, intensiv und individuell von Seiten der Lehrveranstaltungsleitung sowie der Leitung des Freiwilligenzentrums der Caritas Tirol Mitte begleitet.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

Service Learning or Learning through Engagement combines social engagement with the training of professional, methodical and social competencies of students. (cf. Bringle & Hatcher 1996 and Eyler & Giles 1999).

Service Learning projects consist of obligatory practice and accompanying courses.

In the present project, students practice in psychosocial fields of action selected according to their individual interests. In the course they develop questions on selected theories of socialization, identity & personality development based on their reflections. The process of practical work, reflection & documentation of the same and especially the formulation of questions from practice and personal experience to science is continuously, intensively and individually accompanied by the course director and the management of the Volunteer Center of Caritas Tyrol.

Nähere Beschreibung des Projekts

Service Learning oder Lernen durch Engagement ist immer ein idealistisches Projekt, das Mut und Willen zur Veränderung und Entwicklung bei allen beteiligten Playern voraussetzt. Nicht nur Studierende entwickeln Wissen, Kompetenzen und vielleicht ihre Persönlichkeit ein Stück weiter. Auch die Institutionen, in denen praktiziert wird, erhalten via Praktikant*innen fachlichen Input, den diese nicht nur über ihr Handeln vermitteln, sondern auch in zielgruppenadäquate Sprache bringen – Stichwort: Wissenschaftskommunikation. Die Lehrveranstaltungsleitung als Vertreter*in der Universität hat die Chance die Relevanz ihres Fachwissen und ihrer Lehrinhalte an den Anforderungen der Praxis messen und gegebenenfalls weiterzuentwickeln zu können.

 

Der Kurs „Spezialfragen von Entwicklung und Sozialisation. Service Learning“ umfasst zwei Semesterwochenstunden und ist mit 4 ECTS ausgewiesen.

Daraus ergeben sich etwa 100 Stunden Workload für die Studierenden, der sich über ein Semester in etwa wie folgt aufteilt:

 

20 Stunden Präsenzlehre, 14-tägig drei Stunden

60 Stunden Praxis

20 Stunden Selbststudium

 

Vorbesprechung:

In einer verpflichtenden Vorbesprechung, bei der LV-Leitung und Leitung des Freiwilligenzentrums anwesend sind, werden grundlegende Informationen zu Freiwilligenarbeit im psychosozialen Feld und zu Ablauf & Anforderungen der LV gegeben, was Entscheidungsgrundlage für eine verbindliche Teilnahme an dem Kurs sowie für die Wahl des Praxisplatzes sein soll.

 

Präsenzlehre:

Die Präsenztermine haben supervisorische Elemente, die der Praxisbegleitung & -reflexion dienen. Aus den Themen der Reflexionen werden von den Studierenden in Kleingruppen Fragestellungen extrahiert. In einem nächsten Schritt werden Themenfelder aus der Erziehungswissenschaft, die sich in Relation zu den Begriffen Entwicklung und Sozialisation stellen lassen, identifiziert. Aus diesen Fragestellungen werden Forschungsfragen entwickelt, die laufend an die jeweilige Praxissituation rückgebunden werden und gegebenenfalls an ihr weiter modifiziert werden. Die individuellen Forschungsfragen resp. vielleicht nur ein Aspekt der jeweiligen Frage wird im Laufe des Semesters literaturbasiert bearbeitet. In Kurzpräsentationen stellen die Studierenden ihren aktuellen Arbeitsstand vor, geben einander Feedback und planen in Kleingruppen weitere Arbeitsschritte.

Am Ende des Semesters soll ein Endprodukt präsentiert werden. Die Wahl des Mediums liegt bei den Studierenden, z.B. ein Video, eine Powerpointpräsentation, ein Podcast, ein Text ….

Aufgabe ist es den Praxis- & Forschungsprozess des Semesters kurz und nachvollziehbar darzustellen. Ziel ist es, dass auch dieses Endprodukt, so wie schon die Kurzpräsentationen davor, gleichermaßen die Zielgruppen Mitstudierende, LV-Leitung, Leitung des Freiwilligenzentrums, wie auch an der Praxisstelle professionell tätige Menschen erreichen kann. Hier kommen die LV-Ziele einen Beitrag zum Know-How Transfer zwischen Universität & Gesellschaft leisten und die Relevanz von Wissenschaftskommunikation erkennen und erfahren noch einmal zum Tragen.

Praxis:

An den Praxisstellen haben die Studierenden Ansprechpersonen aus dem jeweiligen Team, die erfahren in Freiwilligenarbeit und Begleitung und Anleitung von Praktikant*innen sind. Darüber hinaus ist Frau Sybille Auer, die Leiterin des Freiwilligenzentrums der Caritas Tirol Mitte auch eine begleitende Kontaktperson. Die Institutionen formulieren vorweg sehr konkret welchen Bedarf Praktikant*innen decken sollen. Das gewährleistet, dass die geleistete Arbeit gebraucht wird und sinnvoll ist.

 

Selbststudium:

Das Selbststudium dient der schriftlichen Dokumentation & Reflexion der Praxiserfahrungen, der Aufbereitung der Kurzpräsentationen, der Literaturrecherche & dem Literaturstudium sowie der Schritt für Schritt Erstellung des Endprodukts, das auch eine Zusammenschau der Kurzpräsentationen sein kann.

Mehrwert

Zum einen ist mit einem gesellschaftlichen Mehrwert zu rechnen. Studierende erfahren Wert und Nutzen gesellschaftlichen Engagements und von professionell begleiteter Freiwilligenarbeit, die sie gegebenenfalls auch nach Ende der LV fortsetzen. Zum anderen stellt es einen Mehrwert für die Institutionen dar, wenn universitäres Wissen in die Praxisfelder getragen wird.

Und praxisgeleitete Fragestellungen führen idealerweise zur Belebung von Theorie und somit zu weiterer universitärer Forschung, was einen wissenschaftlichen Mehrwert darstellt.

Der Mehrwert dieses Projekts ist somit in der Erhöhung wissenschaftlicher, praktischer sowie gesellschaftlicher Relevanz universitärer Lehre zu verorten.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Das Konzept des Service Learning ist auf andere Lehrveranstaltungen, die von einer Verknüpfung von Erfahrungswissen mit akademischem Wissen profitieren können, übertragbar. Eine Weiterführung ist geplant.

Aufwand

Das Projekt bedeutet für die Lehrveranstaltungsleitung etwa gleich viel Aufwand wie andere engagierte Lehrprojekte. Der zusätzliche Aufwand liegt bei der die Praxis koordinierenden und begleitenden Stelle, in diesem Fall das Freiwilligenzentrum der Caritas Tirol Mitte. Da Service Learning Projekte Teil ihres Portfolios sind, entstehen der Universität keine zusätzlichen Kosten. Auf Seiten der Studierenden ist der Aufwand Teil des vorgesehenen Workloads der LV.

Positionierung des Lehrangebots

Bachelor

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Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2022 nominiert.
Ars Docendi
2022
Kategorie: Kooperative Lehr- und Arbeitsformen
Ansprechperson
Katharina Mittlböck, Ass.-Prof.in, Dr.in, MSc
Fakultät für Bildungswissenschaft, Institut für Psychosoziale Intervention und Kommunikationsforschung
+43 6764100310
Nominierte Person(en)
Katharina Mittlböck, Ass.-Prof.in, Dr.in, MSc
Fakultät für Bildungswissenschaft, Institut für Psychosoziale Intervention und Kommunikationsforschung
Themenfelder
  • Didaktische Methode
  • Erfahrungslernen
  • Sonstiges
Fachbereiche
  • Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften