Fachhochschule Wiener Neustadt GmbH
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Fallbesprechung jahrgangsübergreifend - kompetenzorientierte Lehre, praxisrelevant überprüft

Ziele/Motive/Ausgangslage

Mit der Absolvierung des Bachelorstudiums Logopädie wird eine Berufsberechtigung, die u.a. an 4 gesetzlich vorgeschriebene Kompetenzen geknüpft ist. Diese umfassen fachlich-methodische und wissenschaftliche als auch sozialkommunikative und Selbstkompetenzen. Die Entwicklung dieser dient dazu, dass Absolvent*innen die therapeutische Entscheidung von der Diagnostik bis zum Feststellen des Therapiebedarfs und der Auswahl der Therapiemethoden finden, analysieren und begründen können.

 

Durch die Kombination der Lehrveranstaltungen „Fallbesprechung 1, 2 und 3“ in den Semestern 2, 4 und 6 wurde eine jahrgangsübergreifende LV geschaffen, in der logopädische Fälle im Peer Learning bearbeitet werden. Ziel war es ein didaktisches Konzept zu finden, das:

1) die Lernziele einer heterogenen Studierendengruppe aufbauend formuliert,

2) durch die jahrgangsabhängigen Aktivitäten alle Kompetenzbereiche weiterentwickelt,

3) das therapeutische Vorgehen für alle erfahrbar macht,

4) den Austausch zwischen den Jahrgängen konstruktiv und mit den Studierenden gestaltet,

5) die Lernziele pro Jahrgang transparent und kompetenzorientiert überprüft.

 

Ermöglicht wird dies durch konzeptförderndes Erfahrungslernen. Die Basis bildet das Konzept der therapeutischen Entscheidungsfindung - von der Diagnostik bis zum Feststellen des Therapiebedarfs und dem Planen der Therapie. In jahrgangsübergreifenden Kleingruppen werden reale Fälle zu unterschiedlichen Störungsbildern bearbeitet, diskutiert und reflektiert.

 

Die auf die jeweiligen Kompetenzen abgestimmten Lernziele werden durch verschiedene Aktivitäten der drei Semester erreicht, die durch eine praxisnahe Rahmenhandlung verbunden sind: Ein bereits bearbeiteter Fall (4. Semester) muss an Kolleg*innen (6. Semester) mittels Befundbericht übergeben werden. Diese analysieren ihn und vermitteln die Inhalte in einem Befundrückmeldegespräch den Betroffenen (2. Semester durch angeleitete Perspektivübernahme). Dieses wird am letzten Termin in einem Rollenspiel mit anschließender Plenumsdiskussion ausagiert und diskutiert.

Überprüft werden die Lernziele der Semester durch die schriftliche Vorbereitung und das Ausagieren im Rollenspiel.

 

Das Erfahren eines realitätsnahen, logopädischen Vorgehens in einer heterogenen Gruppe ermöglicht den Studierenden die Weiterentwicklung aller Kompetenzbereiche.

Die über die Jahre stufenweise Überprüfung der kompetenzorientierten Aktivitäten hin zum langfristigen Ziel für alle – therapeutische Entscheidungen finden und diskutieren zu können, zeigt sowohl den Lehrenden als auch den Studierenden,

• welche Kompetenzen (Wissen & Fähigkeiten) bereits erworben wurden,

• in welchen Bereichen und Kompetenzen noch Wissenslücken bestehen,

• und welche Fähigkeiten sie im Lauf des Studiums noch erwerben werden.

Für das 6. Semester ist zudem von Bedeutung, dass sie bei den Abschlussprüfungen nach dem gleichen Schema Falldarstellungen analysieren und ihr therapeutisches Vorgehen begründen müssen.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

In der Lehrveranstaltung „Fallbesprechung“ werden die im Curriculum vorgegeben 4 Kompetenzbereiche durch die innovative Methode eines konzeptfördernden Erfahrungslernens aufbauend erworben und gefestigt, sowie durch ein Rollenspiel mit angeleiteter Diskussionsrunde praxisrelevant überprüft.

Sie verbindet alle 3 Jahrgänge des Bachelorstudiums Logopädie. Durch eine praxisbezogene Rahmenhandlung, die Bearbeitung realer Fälle aus der logopädischen Praxis und einem jahrgangsübergreifenden Peer-Learning in Kleingruppen werden die für das jeweilige Semester relevanten Lernziele erreicht.

Diese sind auf die langfristigen Ziele des 6. Semesters ausgerichtet, eine therapeutische Entscheidung finden, analysieren und begründen zu können.

Die 0,5 ECTS sind in klar strukturierte Präsenztermine und Selbstlernphasen aufgeteilt. Am zweiten Präsenztermin (6 LE) werden die Fälle in einem Rollenspiel des 6. (Therapeut*innen) und 2. Semesters (Patient*in, Angehörige) präsentiert und im Anschluss im Plenum, sowie mit vorbereiteten Diskussionsimpulsen der Studierenden des 4. Semesters diskutiert.

Die Lehrenden übernehmen dabei eine koordinierende und beratende Rolle. Die Fälle werden aufbereitet, Anleitungen zur Erstellung der Aufgaben bereitgestellt und kommentiert sowie die Plenumsdiskussion moderiert.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

In the course "Fallbesprechung", the competences specified in the curriculum are acquired and consolidated through the innovative method of concept-promoting experiential learning. A role play with a guided discussion round ensures that course aims have been reached.

The course connects all 3 cohorts of the Speech & Language Therapy Programme at Fachchochschule Wiener Neustadt. The specific learning objectives for the respective year group are achieved

through a practice-based framework, the processing of real cases from speech therapy practice and cross-year peer learning in small groups.

These learning objectives are aligned with the long-term targets of the sixth semester. They include the competence to successfully analyse, evaluate, and discuss treatment procedures and to efficiently and professional connect and communicate methodological knowledge related to multiple disorder patterns.

The 0.5 ECTS (7 units) are a mix of on-site teaching and independent study. On the second date (6 units), the cases are presented in a role play by the “therapists” (6th-semester students) and the “patients” and “relatives” (2nd semester students). Students in their 4th semester provide the topics for plenary discussion.

The instructor adopts the role of coordinator and advisor: He/she prepares examples and the audio and video material for cases, monitors the preparation of tasks and moderates the plenary discussion.

Nähere Beschreibung des Projekts

Das Konzept der therapeutischen Entscheidungsfindung

Um eine therapeutische Entscheidung treffen und nachvollziehbar darstellen zu können, werden in den sogenannten Begutachtungseinheiten Daten erhoben, um das Problem der betroffenen Person eruieren zu können. Diese werden durch Anamnese, Beobachtung, standardisierte Testverfahren, etc. festgestellt, zu einem Gesamtbild zusammengefügt und eine logopädische Diagnose gestellt. Dargestellt wird dies in einem Befundbericht, der dann mit dem oder der Betroffenen besprochen wird. Bei Therapiebedarf werden das weitere Vorgehen und die Therapieziele festgelegt.

 

Lt. FH-MTD-Ausbildungsverordnung sind die erforderlichen Kompetenzen für einen erfolgreichen Abschluss des Bachelorstudiums Logopädie:

• fachlich-methodisch (Wissen über (inter)diziplinäre Inhalte, therapeutische Verfahren und Konzepte)

• wissenschaftlich (u. a. Recherche, Erkenntnisse nutzbar machen, Forschungsfragen formulieren)

• sozialkommunikativ (u.a. professionelle Gesprächsführung, Vertrauen aufbauen)

• Selbstkompetenzen (u.a. Reflexions-, Kritikfähigkeit, Einfühlungsvermögen).

 

Im gesamten Studium werden diese in unterschiedlichem Ausmaß in den theoretischen und praktischen Lehrveranstaltungen auf- und ausgebaut. Ein langfristiges Ziel ist es, dass Absolvent*innen eine therapeutische Entscheidung finden, analysieren und begründen können.

In den Lehrveranstaltungen „Fallbesprechung 1, 2 und 3“ des 2., 4. und 6. Semesters wird dieses Ziel sukzessive erarbeitet. Durch das jahrgangsübergreifende Konzept lernen die Studierenden im gemeinsamen Erarbeiten realer Fälle. Die Ziele dabei auf das langfristige Ziel des 6. Semesters ausgerichtet und dem Leistungsniveau des jeweiligen Jahrgangs angepasst.

 

Grundkonzept

Das Grundkonzept bleibt über die Jahre konstant: 6 Fälle aus 3 logopädischen Bereichen (Neurologie, Stimme, Sprachentwicklung) werden in jahrgangsübergreifenden Kleingruppen (6-8 Personen) und in festgelegten Rollen pro Semester bearbeitet. Damit sich alle Studierenden trotz unterschiedlicher Vorerfahrung gut in die Praxis eindenken können, werden diese durch eine Erzählung vermittelt: Eine Logopädin (4. Sem.) begutachtet einen Patienten (2. Sem.) und schreibt einen Befundbericht, in dem sie die Ergebnisse darlegt, eine logopädische Diagnose stellt und Therapiebedarf ermittelt. Da sie erkrankt, vermittelt sie dem Patienten eine Kollegin (6. Sem.). Mit Hilfe des Befunds der ersten Logopädin bereitet sich die Kollegin nun auf den Termin vor und plant eine 1. Einheit mit dem neuen Patienten und dessen Angehöriger (2. Semester). Sie wird ein Befundrückmeldegespräch führen, bei dem sie noch fehlende Informationen einholt und dem Betroffenen die Inhalte klar vermittelt, um gemeinsam Therapieziele festlegen zu können.

 

Aufbau der Lehrveranstaltung

Die 0,5 ECTS sind in klar strukturierte Präsenztermine und Selbstlernphasen aufgeteilt. Die Selbstlernphasen bestehen aus Einzel- und Gruppenaufgaben (u.a. Recherche, Forumsaktivität, schriftliche Erarbeitung der Fälle) und werden über die e-learning Plattform begleitet.

 

Über dieselbige bekommen die Studierenden zu Beginn des Semesters die Aufgaben schriftlich und per Videonachricht. In der ersten Selbstlernphase recherchieren die Studierenden des 4. und 2. Semesters zur Thematik ihres Falls und tauschen sich untereinander aus.

Am 1. LV-Termin werden die Fälle diesen Studierenden mit Praxisbeispielen (Rohentwurf eines Befundes, Video-, Audiomaterial) von den Betreuer*innen vorgestellt und diskutiert. Das 6. Semester erhält, davon unabhängig, eine theoretische Einführung zur Befundbearbeitung, zur Planung einer ersten Therapieeinheit, der Gesprächsführung bei Befundrückmeldung, sowie die Möglichkeit, Fragen zum Ablauf zu klären.

 

In der Selbstlernphase vor dem 2. LV-Termin, der Plenumsdiskussion, überarbeitet das 4. Semester den Befundbericht und stellt ihn dem 6. Semester online zur Verfügung.

Bis zum Plenumstermin tauschen sich die Studierenden untereinander aus und erarbeiten die weiteren Aufgaben, die vor dem letzten Termin abgegeben und kontrolliert bzw. kommentiert werden. Am Plenumstermin werden dann alle Fälle als Rollenspiele präsentiert und im Anschluss durch die vorbereiteten Diskussionsimpulse diskutiert.

 

Lernziele

Ausgerichtet sind alle Lernziele auf das langfriste Ziel des 6. Semesters, nämlich das Konzept der therapeutischen Entscheidungsfindung anwenden zu können. Anhand der gleichbleibenden Aufgabenstellung, aber der stufenweisen Lernziele je Semester wird der Kompetenzerwerb in allen Bereichen im Verlauf des Studiums sichtbar. Dabei wurde besonders im 2. Semester darauf geachtet, dass Lernziele nicht nur passiv konsumiert, sondern bereits auch umgesetzt werden.

 

Die Aktivität des 6. Semesters, das Führen eines Befundrückmeldegesprächs, beinhaltet alle Fähigkeiten für das Erreichen des langfristigen Ziels. Um Patient*innen und deren Angehörige über die ermittelten Ergebnisse der Begutachtung informieren zu können, muss die therapeutische Entscheidungsfindung von der Diagnostik bis zum Feststellen des Therapiebedarfs nachvollziehbar und klar erläutert und begründet, sowie Fragen eingeordnet und beantwortet werden. Die Ziele umfassen daher:

1. das Analysieren, Evaluieren und Diskutieren der therapeutischen Vorgehensweise und

2. das Vernetzen und Vermitteln von Fachwissen, diagnostischen Möglichkeiten und therapeutischen Methoden in Bezug auf vielfältige Störungsbilder.

 

Angeleitet werden die Studierenden durch das ihnen bereits bekannte AMICO-Gesprächsführungskonzept zur Befundrückmeldung und durch Kommentare zu ihrer schriftlichen Vorbereitung der Einheit.

 

Überprüft werden die fachlich-methodischen Kompetenzen im Rahmen des erstellten Therapieplans, der Erklärungen im Gespräch und der Diskussion im Anschluss, sozialkommunikative und Selbstkompetenzen im Rahmen der Rollenspiele und Diskussion anhand eines Beurteilungsbogens.

 

Das 4. Semester recherchiert und analysiert Symptomatik und Diagnostik des Falls und bearbeitet den Befundbericht. Ihr durch Recherche und Austausch mit den Betreuer*innen erlangtes Fachwissen wird zum Verfassen spezifischer Diskussionsimpulse genutzt. Durch das Vermitteln fallspezifischer Inhalte (Symptome, Verhaltensweisen, etc.) an das 2. Semester werden zudem die sozialkommunikativen Fähigkeiten erweitert.

 

Angeleitet wird durch die Darstellung des Falls anhand von Beschreibungen, Video- und Audiomaterial, sowie durch den Rohentwurf des Befundberichts. Ein Leitfaden zur Erstellung von Diskussionsimpulsen steht ebenso zur Verfügung.

 

Überprüft werden die Kompetenzen durch die Verschriftlichung des Befundberichts und der vorbereiteten Diskussionsimpulse.

 

Im 2. Semester erwerben die Studierenden fachlich-methodische Kompetenzen durch das Kennenlernen von Symptomen und logopädischen Diagnosen, sowie des therapeutischen Vorgehens und wissenschaftliche durch das Recherchieren eines spezifischen Störungsbildes. Sozialkommunikative und Selbstkompetenz erwerben sie durch die Darstellung ihrer Rolle als Betroffene. Die Übernahme dieser Perspektive verdeutlicht ihnen zudem die Notwendigkeit der aktiven Beteiligung von Betroffenen am Therapieprozess.

 

Angeleitet werden sozialkommunikative, sowie Selbstkompetenzen durch Leitfragen zum Einnehmen der Patient*innenperspektive, sowie durch den Austausch mit dem 4. Semester.

 

Überprüft werden alle Kompetenzen durch die schriftliche Ausarbeitung der Rollenbiographie, die Studierende anhand von Leitfragen verfassen, und durch die Interaktion mit dem 6. Semester.

 

Die Lehrenden

Die LV-Leitung koordiniert den Ablauf und den Informationsfluss an die Jahrgänge und Betreuer*innen. Des Weiteren werden Leitfäden für die schriftlichen Ausarbeitungen erstellt bzw. aktualisiert, sowie die Aufgaben kontrolliert und kommentiert.

 

Die weiteren Betreuer*innen wurden nach ihrer Expertise in den Bereichen ausgewählt und übernehmen eine koordinierende und beratende Rolle. Die Fälle stammen aus deren Praxis und werden mit Beispielen, Audio- und Videomaterial aufbereitet. Dabei liegt der Fokus in der Anregung zum Peer-Learning, der klaren Vermittlung fachlich-methodischer Inhalte zum Fall und der Vernetzung der Inhalte.

In der von den Studierenden initiierten und geführten Plenumsdiskussion übernehmen die Lehrenden eine moderierende Rolle, schließen bei Bedarf Wissenslücken und bewerten die Studierenden qualitativ.

 

Zusammenfassend

Das Erfahren eines realitätsnahen Falls in einer heterogenen Gruppe ermöglicht den Studierenden die Weiterentwicklung aller Kompetenzbereiche und macht Lernprozesse für sie sichtbar.

Im jahrgangsübergreifenden Peer-Learning wird das Konzept der therapeutischen Entscheidungsfindung durch sozialkommunikative und Selbstkompetenzen in der Vermittlung von Inhalten und dem Ausagieren von Rollen erweitert. Außerdem werden fachlich-methodische Inhalte weitergegeben, diskutiert und vernetzt.

 

Die stufenweise Überprüfung der kompetenzorientierten Aufgaben hin zum langfristigen Ziel der eigenständigen Betreuung von Patient*innen zeigt sowohl den Lehrenden als auch den Studierenden,

• welche Kompetenzen (Wissen & Fähigkeiten) bereits erworben wurden,

• in welchen Bereichen und Kompetenzen noch Wissenslücken bestehen,

• und welche Fähigkeiten sie im Lauf des Studiums noch erwerben werden.

Dies ist vor allem für das 6. Semester von Bedeutung, da sie bei den anstehenden Abschlussprüfungen am Ende des Semesters ebenso Falldarstellungen analysieren und ihr therapeutisches Vorgehen begründen müssen.

 

Auszug Quellen:

Beushausen, U. (Hrsg.) (2020). Therapeutische Entscheidungsfindung in der Sprachtherapie. Grundlagen und 15 Fallbeispiele. Reinhardt.

Jungwirth, A. & Muhr, D. (2016): (Selbst-)Reflexion: Der Weg von NovizInnen zu (reflektierten) ExpertInnen in der Logopädie. In J. Haag et al. (Hrsg.). Kompetenzorientiert Lehren und Prüfen. Tagungsband 5. Tag der Lehre an der FH St. Pölten. Ikon.

Lamnek, S. & Krell, C. (2016). Qualitative Sozialforschung. 6. Aufl. Beltz.

Mehrwert

Der besondere Mehrwert besteht für die Studierenden:

• des 2. Semesters darin, dass sie

… eine sehr klare Vorstellung von dem bekommen, was sie in den nächsten Semestern lernen werden.

… Erleben können, wie es sich für Patient*innen anfühlt eine Therapie zu brauchen und einbezogen oder auch nicht einbezogen zu werden.

• des 4. Semesters darin, dass ihnen das Ergebnis ihrer Arbeit von den Peers transparent gemacht wird. Wie viel wurde aus dem Befundbericht verstanden? Welche Fragen blieben den Kolleg*innen offen – wie kann ich dies in Zukunft vermeiden, etc.

• des 6. Semester darin, dass sie sich als Therapeut*innen wahrnehmen und die Situation für die Abschlussprüfungen üben können.

 

Der Mehrwert aller Studierender ist zudem auch, sich Informationen zu beschaffen, Rückfragen zu stellen und miteinander fachlich kommunizieren zu lernen.

 

Für Lehrende besteht der Mehrwert darin, …

• dass nach der einmaligen Planung der LV kein großer Zeitaufwand mehr besteht (Abgesehen von Adaptierungen und der Fallvorbereitung)

• dass die Kompetenzen der Jahrgänge, aber auch einzelner Studierender deutlich sichtbar werden und bereits während der LV darauf eingegangen werden kann.

• zu sehen, wie viel die Studierenden bereits gelernt haben und diese Fähigkeiten eigenständig mit Engagement und Freude umsetzen.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Das Konzept ist auf alle Lehrveranstaltungen übertragbar, deren Ziel es ist durch praktische Erfahrungen und Austausch zwischen den Studierenden mehrere Kompetenzen weiter zu entwickeln. Basis ist ein Konzept, dass

* ein langfristiges Ziel für die Studierenden definiert

* die klare Definition von mittelfristig zu erreichenden Zielen für die 2. und 4. Semester.

* eine Textsorte, wie den Befundbericht in der Logopädie, anhand dessen Inhalte von einem Jahrgang zum anderen übermittelt und analysiert werden können.

* ein Rollenspiel, dass einem Setting in der Praxis entspricht und eine konkrete Anleitung zur Durchführung besteht oder erarbeitet wird.

 

Die Lehrveranstaltung wird jedes Sommersemester abgehalten und jährlich evaluiert und ggf. adaptiert. Die 2 externen Betreuer*innen aus der Praxis bleiben bestehen. So kann auch der Input für die Studierenden weiterentwickelt werden.

 

Als LV-Leiterin und wissenschaftliche Mitarbeiterin wird es zudem ersichtlich, inwiefern theoretische und praktische Inhalte aus dem gesamten Curriculum in den unterschiedlichen Semestern aufgenommen und angewandt werden können. Dies lässt erste Schlüsse darauf zu, welche Lehrveranstaltungen wann welchen Impact auf die Studierenden haben und wann welche Inhalte vernetzt werden können. Dies sind wertvolle Informationen für weitere Curriculumsrevisionen. Dazu wird es sinnvoll sein, ein Tool zu verwenden/ zu entwickeln, um dies nachvollziehbar und transparent eruieren zu können.

 

Des Weiteren fehlen bisher eindeutige wissenschaftliche Daten zur Beurteilung der Fähigkeiten in den Kompetenzbereichen, insbesondere der sozialkommunikativen und Selbstkompetenz von Logopäd*innen. Diese wären für das Aufnahmeverfahren in den Studiengang Logopädie und die Qualitätssicherung der praktischen Ausbildung (in den externen Praktika und in der internen Lehr- und Forschungspraxis) von hoher Bedeutung. Durch den zielgerichteten und kompetenzorientierten Aufbau der Lehrveranstaltung, können erste Daten gesammelt werden, um diese und deren Entwicklung in einem Nachfolgeprojekt konkreter definieren und nachvollziehbar überprüfbar machen zu können.

Aufwand

Die Lehrveranstaltung verursacht keinen zusätzlichen Aufwand, der nicht durch die internen Mittel (LV-Planung, Kommunikation mit externen Betreuer*innen, etc.) abgedeckt ist.

Positionierung des Lehrangebots

BA-Studium „Logopädie“, Sommersemester

Jahrgangsübergreifende Lehrveranstaltung „Fallbesprechung“, im Curriculum abgebildet als:

2. Semester: „Fallbesprechung 1“

4. Semester: „Fallbesprechung 2“

6. Semester: „Fallbesprechung 3“

Pro Jahrgang: 7 Lehreinheiten/ 0,5 ECTS

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2022 nominiert.
Ars Docendi
2022
Kategorie: Lernergebnisorientierte Lehr- und Prüfungskultur
Ansprechperson
Mag. Susanna Knaß, BA. BSc.
Studiengang Logopädie
05 0421 1556
Nominierte Person(en)
Mag. Susanna Knaß, BA. BSc.
Studiengang Logopädie
Themenfelder
  • Curriculagestaltung – Inhalt
  • Curriculagestaltung – Organisation
  • Didaktische Methode
  • Erfahrungslernen
  • Neue Medien
  • Rund ums Prüfen
Fachbereiche
  • Medizin und Gesundheitswissenschaften