Medizinische Universität Wien
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Internistisch-Pädiatrische Sportmedizin

Ziele/Motive/Ausgangslage

Mit unserem neuen, innovativen Wahlfach „Internistisch-Pädiatrische Sportmedizin“ haben wir eine Lehrveranstaltung angeboten, deren Inhalte in dieser Intensität im Curriculum des Medizinstudiums nur eingeschränkt behandelt werden können. Zielsetzung ist es die Grundbegriffe der medizinischen Trainingslehre wie Bewegung, Training und Medizinische Trainingstherapie zu erläutern sowie die Auswirkungen von Bewegung auf den menschlichen Körper und verschiedene Altersklassen mit den Studierenden zu besprechen. Neben den unterschiedlichen leistungsphysiologischen Auswirkungen der Trainingsreize auf Kinder, Männer und Frauen wird vor allen Dingen auch darauf Wert gelegt, die individuelle praktische Gestaltung eines Trainingsprogrammes zu thematisieren.

Als Basis jeglicher Trainingsintervention wird besonders auf die individuelle und alters- und geschlechtsspezifische Leistungsdiagnostik im Rahmen unseres neuen Wahlfaches eingegangen. Nicht nur die aus der Inneren Medizin bekannte Ergometrie zur Beurteilung der individuellen Ausdauerleistungsfähigkeit, sondern vor allem auch die Leistungsdiagnostik der Kraft stellt einen wesentlichen Schwerpunkt unserer Vorlesungen dar.

Ein besonders wichtiger Punkt in unseren kindersportmedizinischen Unterrichtseinheiten ist die Betrachtung einer polysportiven Ausbildung von Kindern, die sich besonders an der individuellen Veranlagung des einzelnen Kindes orientiert. Gerade auch die unterschiedliche geschlechtsspezfische motorische Entwicklung von Mädchen und Buben ist ein wichtiger Bestandteil unserer sportmedizinischen Ausbildung.

Neben den leistungssportlichen Grundlagen ist für uns auch die Anwendung der „Medizinischen Trainingstherapie (MTT)“, der Anwendung von „Bewegung als Medikament“ ganz zentraler Bestandteile der Vermittlung sportmedizinischen Wissens. Auch dabei geht es um die individuelle alters-, geschlechts- und indikationsspezifische Dosierung der Trainingstherapie nach erfolgter leistungsmedizinischer Untersuchung.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Zielsetzung unseres Wahlfaches ist es, den Studierenden die Grundlagen der medizinischen Trainingsberatung individuell und aufgebaut auf einer fundierten leistungsdiagnostischen Untersuchung zu vermitteln. In vielen Fächern wie Allgemeinmedizin, Innerer Medizin, Pädiatrie und auch in orthopädischen Fachgebieten wird zwar immer die allgemeine präventivmedizinische Bedeutung von Bewegung und Training erwähnt, aber es werden meist nur sehr allgemeine Empfehlungen gegeben. Die individuelle, geschlechts- und altersspezifische Trainingsempfehlung ist eine wesentliche Grundlage der medizinischen Trainingslehre und wird in jeder Unterrichtseinheit als Basis der Wissensvermittlung gehandhabt. Die Beachtung dieser Diversität für die Trainingsempfehlung, sei es im Leistungssport aber auch im Rahmen von rehabilitativen Trainingsmaßnahmen, hat in unseren Vorlesungen eine ganz wesentliche Relevanz. Zentrales Ziel unseres Wahlfaches ist es, dass Studierende die wichtige Bedeutung der medizinischen Trainingsberatung nach individuellen Gesichtspunkten begreifen und in ihr zukünftiges ganzheitliches klinisches Denken und Handeln einbinden können.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

The aim of this elective is to teach students the basics of medical training advice based on a well-founded performance diagnostic examination. In various medical fields, such as general medicine, internal medicine, pediatrics and orthopedics, the general preventive medical relevance of exercise and training is always emphasized, but usually only general recommendations are given. However, the individual, gender and age-specific training recommendations form the basis for medical training theory. Since these training recommendations vary based on their context (e. g. competitive sports, rehabilitative training measures) the lectures will foreground this diversity and how it should be considered. The central goal of this elective is that students understand the importance of individual medical training advice and are able to integrate the discussed theory into their future clinical practice.

Nähere Beschreibung des Projekts

Die Grundlagen und Zielsetzungen unserer Lehrveranstaltung wurden bereits oben ausführlich dargestellt. Die genauen Inhalte werden durch untenstehendes Curriculum vom WS 19/20 wie folgt näher beschrieben:

1 Freitag 04.10.19 Kitzmüller/Leeb: Vorstellung des Curriculum, Literaturempfehlungen

2 Freitag 18.10.19 Leeb: Muskulärer Stoffwechsel

3 Freitag 25.10.19 Leeb: Motorische Grundfähigkeiten

4 Freitag 08.11.19 Leeb: Ernährungsmedizinische Grundlagen

5 Freitag 15.11.19 Leeb: Sportmedizinische Grunduntersuchung

6 Montag 18.11.19 Haber: Trainingsmethoden

7 Montag 25.11.19 Haber: Grundregeln des Trainings und des Trainingsaufbaues

8 Montag 02.12.19 Haber: Sportmedizinische Leistungsdiagnostik

9 Montag 09.12.19 Haber: Medizinische Trainingstherapie (MTT)

10 Freitag 13.12.19 Kitzmüller: Motorische Entwicklung im Kindes- und Jugendalter

11 Freitag 20.12.19 Kitzmüller: Training bei Kindern und Jugendlichen

12 Freitag 10.01.20 Kitzmüller: Ergometrie und Leistungsdiagnostik in der Kindersportmedizin

13 Freitag 17.01.20 Kitzmüller: MTT in der Pädiatrie

14 Freitag 24.01.20 Kitzmüller/Leeb: Praktische Sportmedizin

15 Freitag 31.01.20 Kitzmüller/Leeb: Abschlussprüfungen, "Der Weg zum Sportarztdiplom"

Mehrwert

Wir sehen den Mehrwert in der Vermittlung von sport- und präventivmedizinischem Wissen vor allen Dingen darin, dass damit letztlich Patient/innen mit den verschiedensten Grunderkrankungen von einer entsprechenden medizinischen Trainingsberatung profitieren können. Gerade bei chronischen Erkrankungen wie Tumorerkrankungen, Diabetes oder Osteoporose können durch regelmäßige richtig dosiert Bewegung nicht nur zahlreiche Medikamente eingespart werden, sondern vor allem auch die Lebensqualität signifikant verbessert werden. Der Mehrwert unseres Projektes ist daher vor allem ein Benefit für zukünftige Patienten, die eine entsprechende fundierte sportmedizinische Anleitung für richtig dosierte Bewegung von unseren Studierenden bekommen können.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Die deutliche Zunahme der Teilnehmerzahl seit der 1. Auflage der „Internistisch-Pädiatrischen Sportmedizin“ im Wintersemester 2019/20 zeigt das große Interesse der Studierenden und somit die erfolgreiche Umsetzung unseres innovativen Konzeptes. In den von COVID-19 geprägten Wintersemestern 20/21 und 21/22 konnte unsere Lehrveranstaltung erfolgreich auf Distant Learning umgestellt werden, wobei auch dabei die Kommunikation und Diskussion via Webex erfreulicherweise außerordentlich gut funktioniert hat. Unser Plan ist es, dieses Wahlfach nun langfristig an der Medizinischen Universität Wien zu etablieren und damit einen wichtigen Beitrag für zukünftiges sport- und präventivmedizinisches ärztliches Handeln zu leisten. In den kommenden Jahren, die hoffentlich wieder in Form von Präsenzlehre stattfinden können, ist auch geplant, mit den Studierenden direkt am Ergometrie-Messplatz leistungsdiagnostische Untersuchungen „live“ durchzuführen.

Erfreulicherweise kann unser Wahlfach mittlerweile auch als modellhaft angesehen werden. Nachdem wir unser Konzept auch im Vorstand der Österreichischen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (ÖGSMP) vorgestellt haben, wird seit dem Wintersemester 2020/21 auf Initiative von Dr. Jana Windhaber, Leiterin der Ambulanz für Sport- und Leistungsmedizin der Universitätsklinik Graz, ein ähnlich konzipiertes Wahlfach an der MedUni Graz angeboten. Somit kann unser Wahlfach durchaus auch als Best Practice Modell einer sport- und präventivmedizinischen Lehrveranstaltung an einer Medizinischen Universität angesehen werden.

Aufwand

Die zahlreichen Vorbesprechungen bei der Planung des Wahlfaches erforderten vor Beginn des Wahlfaches regelmäßige Treffen und Besprechungen der Referenten. Zusätzliche Kosten dafür sind keine angefallen.

Positionierung des Lehrangebots

Da das Curriculum für die Sport- und Leistungsmedizin in unserem Wahlfach bei den biochemischen und leistungsphysiologischen Grundlagen beginnt, können Studierende jedes Semesters des Humanmedizinstudiums teilnehmen. Ebenso werden die klinischen Aspekte in den Unterrichtseinheiten Trainingstherapie und rehabilitativen Sportmedizin grundlegend erklärt, sodass auch dabei der unterschiedliche Wissensstand verschiedener Semester berücksichtigt wird. Unser Lehrangebot steht somit allen Studierenden des Medizinstudiums offen. In den vergangenen drei Jahren, in denen das Wahlfach jeweils im Wintersemester stattfand, zeigte sich auch in den Diskussionen, dass gerade diese Heterogenität im Auditorium zu lebhaften Diskussionen im breiten Fachgebiet der Sportmedizin führte.

Links zum Projekt
Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2022 nominiert.
Ars Docendi
2022
Kategorie: Kooperative Lehr- und Arbeitsformen
Ansprechperson
Univ. Lekt. Dr. Gunther Leeb
Univ. Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Medizinische Universität Wien
(02952) 2464
Nominierte Person(en)
Univ. Lekt. Dr. Gunther Leeb
Univ. Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Medizinische Universität Wien
Dr. Erwin Kitzmüller
Univ. Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Medizinische Universität Wien
Ao. Univ. Prof. Dr. Paul Haber
Universitätsklinik für Innere Medizin II
Themenfelder
  • Curriculagestaltung – Inhalt
  • Sonstiges
Fachbereiche
  • Medizin und Gesundheitswissenschaften