Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
Anton-von-Webern-Platz 1, 1030 Wien

Lectures for Future an der mdw – Klima – Krise – Kunst… Wie sind wir Musik-, Theater-, Filmschaffende betroffen? Was können wir tun?

Ziele/Motive/Ausgangslage

Der Klimawandel stellt eine der größten Herausforderungen für die Gesellschaft dar. Die mdw möchte sich der Verantwortung stellen, die allen Universitäten in Bezug auf die Bewältigung der Zukunftsaufgaben zukommt. Im Rahmen der Allianz Nachhaltige Universitäten sowie im UniNEtZ Projekt (Universitäten und Nachhaltige Entwicklungsziele) ist die mdw an der Erarbeitung von Wegen zur Umsetzung der UN Sustainable Development Goals (SDGs) beteiligt. Damit verbunden ist die Verankerung dieser Zukunftsthemen in Forschung und Lehre. Derzeit werden u. a. in der Senats - Arbeitsgruppe „Klimawandel und Forschung, Kunst und Lehre“ Möglichkeiten erarbeitet, Studierenden das Thema Klimawandel näher zu bringen. Eine wichtige Rolle spielt hier die Einbindung und entsprechende Weiterbildung von am Haus tätigen Lehrenden.

Die besonderen Voraussetzungen der mdw als Kunstuniversität erfordern dabei eine besondere Herangehensweise. Das Initiator_innenteam stellte sich die Aufgabe, einerseits fundiert über allgemeine Aspekte des Klimawandels zu informieren. Andererseits gilt es, das Thema mit den Tätigkeitsfeldern unserer Studierenden zu verknüpfen und Wege der künstlerischen Auseinandersetzung damit zu finden.

Die zum allgemeinen Verständnis des Themenkomplexes relevanten Fachgebiete sind zu einem großen Teil außerhalb unserer Universität beheimatet. Daher bieten die „Lectures for Future“ einen idealen Rahmen für ein entsprechendes Wahlfach. Gleichzeitig wurden an der mdw in den letzten 10 bis 15 Jahren Ansätze der „Arts based research“ entwickelt und etabliert, auf deren Grundlage Wissenschaft und Kunst einander gegenseitig befruchtend miteinander in Verbindung gebracht werden können.

Ein spezielles team teaching - Konzept wurde entwickelt, um diese beiden Ansätze (allgemeine Inputs/Information sowie künstlerische Auseinandersetzung) zu verknüpfen. So sollte ein Experimentierfeld für interdisziplinäres kreatives Handeln geschaffen werden. Gleichzeit ermöglicht die Einbindung des Zentrums für Weiterbildung, dass die Vorträge als Fortbildungsveranstaltung für Lehrende und Mitarbeiter_innen des Hauses besucht werden.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Die Lectures for Future sind eine Kooperations-Vorlesungsreihe initiiert duch die scientists for future, an der sich verschiedene Österreichische Universitäten beteiligen. In den Vorträgen werden den Teilnehmenden brennende Zukunftsfragen und Lösungsmöglichkeiten aus verschiedensten wissenschaftlichen Fachrichtungen und Perspektiven vorgestellt.Für die mdw wurde ein buntes Mosaik an Vorträgen zusammengestellt, deren Inhalte diskutiert und in Bezug zu Musik*Theater*Film gebracht werden. Gleichzeitig findet eine voraussetzungsfreie künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema unter Berücksichtigung des jeweiligen Hintergrunds der Teilnehmenden statt, die zu einem Output in Form einer Performance und/oder Produktion hinführt.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

Lectures for Future is a cooperative lecture series initiated by scientists for the future, in which various Austrian universities participate. In the sessions, participants are presented with burning questions about the future and potential solutions from a wide range of scientific disciplines and perspectives. mdw has put together a colorful mosaic of lectures, the contents of which are discussed in relation to music, theater and film. In addition, a non-presuppositional artistic exploration of the topic, taking the participants' respective backgrounds into account, will result in a performance and/or production outcome.

Nähere Beschreibung des Projekts

Die Lectures for Future sind eine Kooperations-Vorlesungsreihe initiiert von den scientists for future, an der sich verschiedene Österreichische Universitäten beteiligen. In den Vorträgen werden den Teilnehmenden brennende Zukunftsfragen und Lösungsmöglichkeiten aus verschiedensten wissenschaftlichen Fachrichtungen und Perspektiven vorgestellt. Seit dem Wintersemester 2021/22 beteiligt sich die mdw an dieser Kooperation, um das Angebot an Vorträgen spezifisch für eine Kunstuniversität wie die mdw zu modifizieren. Viele Studierende, Lehrende und in der Verwaltung Tätige fragen sich, wie sie mit all den Informationen über Klimakrise und ihre ökologischen und gesellschaftlichen Aspekte umgehen sollen, was es für sie, die ein ethisch anspruchsvolles Leben führen und trotzdem Karriere machen wollen, bedeutet. Denn etliche Ansprüche, die ihre Ausbildung an sie stellt, sind nun in Frage gestellt. Wie kann ich mich international bewegen, ohne dass begehrte Engagements in aller Welt einen riesigen ökologischen Fußabdruck hinterlassen? Wie kann ich Videos, Filme, Theaterstücke produzieren, ohne zur Umweltverschmutzung beizutragen und ökologische Ressourcen im Übermaß zu verbrauchen? Und schließlich – welchen Beitrag kann ich mit meiner künstlerischen Tätigkeit leisten, Bewusstsein für diese Problematik zu schaffen?

Die Lehrveranstaltung bietet Zeit und Raum, über diese Fragen nachzudenken. Sie stellt auf verschiedenen Ebenen Inputs zur Verfügung, um diesen die Welt und das eigene Leben so tangierenden Fragen nachzuspüren und Ideen für Handlungsmöglichen zu entwickeln. Für die mdw stellen wir Semester für Semester ein buntes Mosaik an Vorträgen zusammen, deren Inhalte diskutiert und in Bezug zu Musik*Theater*Film gebracht werden. Gleichzeitig findet eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema unter Berücksichtigung des jeweiligen Hintergrunds der Teilnehmenden statt. Die Möglichkeit, die unterschiedlichen Inhalte zu vertiefen und weiterzudenken, bietet ein Tutorium. Die Lehrveranstaltung setzt keine bestimmte Ausbildung der Teilnehmenden voraus, sie ist so konzipiert, dass sie allen Disziplinen offensteht. Und nicht nur das. Sie bringt sie miteinander ins Gespräch und ins Gestalten. Dieser transdisziplinäre Ansatz schließt ein, nicht aus. Er begrüßt Diversität und spiegelt damit die in den Lectures for Future angebotenen Themen, deren gemeinsame Ebene immer wieder die Werte und Haltungen sind, mit denen wir der Erde, den Lebewesen auf dieser Erde und uns selbst begegnen. In diesem Sinne verknüpfen wir in dieser Lehrveranstaltung auf paradigmatische Weise künstlerische und wissenschaftliche Zugänge und bieten damit ein neues Denken. Der Output in Form einer Performance und/oder Produktion am Ende des Semesters motiviert zudem, sich darauf einzulassen. Die Dokumentation wird auf der homepage der „grünen mdw“, die diese Lehrveranstaltung in Kooperation mit dem Institut für Kulturmanagement und Gender Studies hostet veröffentlicht und damit weiteren Interessierten zugänglich gemacht: www.mdw.ac.at/gruene-mdw/l4f/

Das Team besteht aus vier Personen: Michael Dörfler-Kneihs, ist Jazzmusiker, leitet Improvisationen an und unterstützt bei der künstlerischen Verarbeitung der Thematik. Doris Ingrisch bringt den Bereich der Gender Studies und der Arts based research in die Lehrveranstaltung ein. Benno Dünser, Tutor, war erster Umweltreferent der hmdw – Hochschüler_innenschaft an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und in das Projekt „Arts of Change – Change of Arts“ involviert, in dem Studierende aller österreichischen Kunstuniversitäten gemeinsam Wandel gestalten und sich für nachhaltige Entwicklung einsetzen. Birgit Huebener unterstützt als Mitarbeiterin der Stabstelle Gleichstellung, Gender Studies und Diversität die Organisation der Vortragsreihe.

Der spezielle ganzheitliche Ansatz unseres Konzepts der Lectures for Future an der mdw lässt sich zum Beispiel so veranschaulichen: Informationen über Klimawandel, Artensterben, Kriege etc. machen uns betroffen und motivieren uns, als Künstler_innen etwas zu tun. Auf der Suche nach künstlerischen Ausdrucksformen und Handlungsmöglichkeiten ergeben sich neue inhaltliche Fragen, die uns in die Recherche / ins Forschen bringen. Das daraus resultierende Wissen / die neuen Informationen inspirieren wieder zu neuen künstlerischen Wegen. Solche Prozesse werden bei jedem_jeder einzelnen Teilnehmenden sowie für die ganze Gruppe angestoßen und begleitet. Das Ziel ist ein Aufheben von Trennungen, mit denen Künstler_innen und Wissenschaftler_innen oft zu kämpfen haben: der Trennung zwischen Kunst und Wissenschaft, zwischen verschiedenen künstlerischen/wissenschaftlichen Disziplinen, zwischen Denken und Handeln, zwischen Mensch sein und Künstler_in sein.

Die Lectures for Future an der mdw sind so über forschungsgeleitete Lehre hinaus auch auf der Ebene der Persönlichkeitsbildung, der Auseinandersetzung mit eigenen Werten und ihrem Einfließen in das eigene Tun konzipiert und werden deswegen auch als ein besonderes Angebot im Rahmen einer universitären Ausbildung wahrgenommen und begrüßt. Widerspruchsvolle, ungewisse Zeiten verlangen nach Lehrformaten, die ihren Fokus von der Vermittlung von Inhalten hin zur Befähigung lenken, verantwortungsvoll mit den gegenwärtigen und damit auch die Zukunft betreffenden Herausforderungen umzugehen, Visionen von einer Welt, in der wir alle leben wollen und das auch können, zu entwickeln.

Mehrwert

In diesem Kontext geht es um die Eröffnung eines neuen fächerübergreifenden Feldes im Rahmen der akademischen Bildung für die Studierenden. Die Kombination der RV als Lehrveranstaltung und Angebot im Rahmen der Weiterbildung erweitert Lernmöglichkeiten und Verlinkung unterschiedlicher Angehöriger der Universität. Darüber hinaus findet eine einzigartige Kooperation und damit Vernetzung mit anderen Universitäten statt, die wechselwirkend Denkimpulse setzt und auf nachhaltigen Austausch und Zusammenarbeit fokussiert. Somit wird ein auf etlichen Ebenen über den eigenen Bereich hinausgehender Zugang zu Bildung im Inter- und Transdisziplinären initiiert.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Wir denken Übertragbarkeit und Nachhaltigkeit vor allem auf der Ebene der Multiplikator_innen. Denn das Konzept wird immer weiterentwickelt, indem peu à peu Lehrende der mdw aus den diversen Fächern zur Mitgestaltung einer Lecture eingeladen werden. Dies soll das Spektrum der Möglichkeiten erweitern, die Themen der Lectures for Future aus den und für die vielen Fächer/n heraus zu denken, um dann auch im Unterricht entsprechende Impulse setzen zu können.

Aufwand

Wie jedes neu zu etablierende Fach bedurfte es auch bei den L4F finanzieller wie menschlicher Ressourcen. Das Kernteam, bestehend aus vier Personen, entwickelte die LV, koordiniert sie mit den überuniversitären Lectures for Future und verantwortet die Bewerbung des neu zu etablierenden Feldes. Das Engagement der Beteiligten stellt die Basis dar, auf der zusammen mit der Unterstützung der grünen mdw wie des Vizerektorats für Lehre und des Vizerektorats für Organisationsentwicklung, Gender & Diversity das Projekt realisiert werden konnte. Die während des WS2021/22 notwendige Durchführung als Hybrid-Lehrveranstaltung wurde durch das Team der AV-Lehre ermöglicht. Die hybride Abhaltung wird weitergeführt um die Reichweite zu erhöhen und die Zugänglichkeit vor allem auch für Lehrende und Mitarbeiter_innen der mdw zu ermöglichen.

Kostenpunkte:

Teamteaching von 2 Lehrenden 2 stündige LV, Tutor für 1,5 Stunden, Organisation und Koordination, Werbekosten für Plakat und Flyer, Technische Betreuung, Reisekosten von Vortragenden, Kosten für Präsentation und Dokumentation

Positionierung des Lehrangebots

freies Wahlfach für alle Studienrichtungen

Links zu der/den Projektmitarbeiter/innen
Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2022 nominiert.
Ars Docendi
2022
Kategorie: Forschungsbezogene bzw. kunstgeleitete Lehre
Ansprechperson
Birgit Huebener, Mag.a
Stabstelle Gleichstellung, Gender Studies und Diversität
+43171155 6071
Nominierte Person(en)
Doris Ingrisch, Univ.-Doz.in Dr.in
Institut für Kulturmanagement und Gender Studies
Michael Dörfler-Kneihs
Leonard Bernstein Institut für Konzertfach Blas- und Schlaginstrumente
Benno Dünser, BEd
Hochschüler_innenschaft an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
Birgit Huebener, Mag.a
Stabstelle Gleichstellung, Gender Studies und Diversität
Themenfelder
  • Didaktische Methode
  • Erfahrungslernen
  • Kommunikation/Plattform
  • Sonstiges
  • Weiterbildung Lehrende
Fachbereiche
  • Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften
  • Kunst, Musik und Gestaltung