CoCARe (Community of Comics Artists and Comics Researchers)

Ziele/Motive/Ausgangslage

Ziel aller Projekte von CoCARe ist es, die Relevanz des multimodalen Mediums Comic als ästhetisches Produkt, als Gegenstand von Forschung und Lehre sowie als (künstlerisch-)wissenschaftliche Methode aufzuzeigen. In einer bilddominierten Welt ist der Erwerb von Comicliterazität im passiven wie im aktiven Sinne ein wichtiges Tool der Weltaneignung und -Gestaltung.

Die Comicsforschung ist jedoch in Österreich – abgesehen von punktuellen Projekte in Wien –unterrepräsentiert. Es gibt in ganz Österreich keinen Studiengang im Bereich Comics Studies und keine Professur auf diesem Gebiet. Generell hat der Comic in Österreich einen schwierigen Stand: Im Nationalsozialismus wurden jüdische oder politisch missliebige Comicschaffende und Karikaturist*innen verfolgt, ermordet oder zur Auswanderung genötigt. Diese menschenverachtende Vorgehensweise führte auch zu einer Stagnation der Weiterentwicklung des Comics in Österreich und Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu keiner Rehabilitierung von Comics, die ab da primär als Medium der Siegermächte wahrgenommen wurden. Die zu wenig erfolgende (künstlerisch-) wissenschaftliche Befassung an Österreichischen Hochschulen setzt diese comic-verkennende Tradition fort. Das Desinteresse an dem hybriden Medium, das potenziell Text und Bild vereint, liegt oft an Vorurteilen und dem Mangel an Comicliterazität. An diesem Defizit setzt CoCARe an, indem hier durch Lehrveranstaltungen, Tagungen, Ausstellungen, Workshops und die Ermöglichung von Comiczeichnen als sozialer Praxis beim monatlichen drink & draw der Comic und seine vielfältigen Potenziale analysiert und künstlerisch ausgelotet werden. Gleichzeitig haben alle Projekte von CoCARe die Vernetzung von Personen zum Ziel, die Comics produzieren oder erforschen. Immer geht es hierbei um das Sichtbarmachen einer Pluralität von Stimmen. Insbesondere gilt dies für das jährlich stattfindende wissenschaftliche Comic-Symposium, für dessen Konzipierung und Organisation Barbara M. Eggert 2019 von Gottfried Gusenbauer als Initiator des seit 2009 in Linz stattfindenden NEXTCOMIC-Festivals gewonnen wurde. Hier geht es Eggert immer darum, (internationale) Comicschaffende und Comicswissenschaftler*innen miteinander in Austausch zu bringen. Die Ergebnisse der Tagung werden ihrerseits von den Studierenden in Comics und Sketchnotes kondensiert festgehalten.

Die Kunstuniversität Linz ist für dieses Projekt in mehrfacher Hinsicht der ideale Nährboden: Angesichts der Geschichte der Brückenkopfgebäude ist genau hier der richtige Ort, um den Comic zu rehabilitieren. Ferner bot sich die Kooperation mit dem in Linz angesiedelten NEXTCOMIC-Festival an, um eine Plattform mit größerer Öffentlichkeit für comicbezogene Lehre, Forschung und (studentische) Comicprojekte zu erhalten. Mittlerweile hat sich die Kooperation fest etabliert und stößt auch in der Presse auf positive Resonanz.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Die Community of Comics Artists and Comics Researchers (CoCARe) widmet sich der Sichtbarmachung und Vernetzung von Comicsschaffenden und Comicswissenschaftler*innen. Der Fokus liegt hierbei auf Akteur*innen der Kunstuniversität Linz & friends. Ins Leben gerufen wurde sie von der Comicswissenschaftlerin und Comicsautorin Barbara „Eggy“ Eggert (Institut für Kunst und Bildung).

Zu den Aktionen von CoCARe gehören derzeit Ausstellungen sowie Vortrags- und Lehrveranstaltungen und Workshops, so z. B.

* comicsbezogene Lehrveranstaltungen (vor allem in der bildnerischen Erziehung/Fachdidaktik)

*comicsbezogene digitale Kooperationslehrveranstaltungen mit ausländischen Universitäten wie z.B. der Fordham University, New York, USA

* ein monatlich stattfindendes drink & draw in der Cafeteria Frédéric (im Shutdown wurde das drink & draw digital abgehalten)

* die jährliche Teilnahme am NEXTCOMIC-Festival mit einer Gruppenausstellung

* die jährliche Konzipierung und Organisationen des internationalen Begleitsymposiums zum NEXTCOMIC-Festival mit auf das jährliche Festival-Motto abgestimmten Vorträgen und artist talks

* die Veranstaltung von und die Teilnahme an comicswissenschaftlichen Symposien und artist talks sowie deren Dokumentation (in Comicform)

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

The Community of Comics Artists and Comics Researchers (CoCARe) is dedicated to making visible and networking comics creators and comics researchers. The focus here is on agents from the University of Art and Design Linz & friends. The society was initiated by comics scholar and comics author Barbara "Eggy" Eggert (Institute for Art and Education).

CoCARe's activities currently include exhibitions as well as lecture and teaching events and workshops, such as:

* comics-related teaching events (especially in visual education/didactics).

* comics-related digital cooperative teaching events with foreign universities such as Fordham University, New York, USA

* a monthly drink & draw in the university’s cafeteria, Frédéric (during the shutdown, the drink & draw was held digitally)

* the annual participation in the NEXTCOMIC festival with a group exhibition

* the annual conception and organization of the international symposium accompanying the NEXTCOMIC festival with lectures and artist talks coordinated with the annual festival theme

* the organization of and participation in symposia and artist talks on comics studies and their documentation (in form of comics)

 

Nähere Beschreibung des Projekts

Seit der Gründung von CoCARe im Sommer 2021 wurden unterschiedliche Projekte mit Schwerpunkt Comic realisiert.

1. Jeweils im März findet in Kooperation mit dem NEXTCOMIC Festival ein internationales wissenschaftliches Comicsymposium (online) statt, bei dem ein Austausch zwischen Comicforschenden und Comicschaffenden initiiert wird. Im Rahmen des Symposiums integriert Eggert jeweils auch (ehemalige) Studierende der Kunstuniversität Linz als Nachwuchsförderung.

2. Zu dem Symposium erfolgt eine Publikation in peer review, in die die (ehemaligen) Studierenden ebenfalls mit einbezogen sind.

3. Jeden dritten Mittwoch im Monat wird ein drink & draw Termin im universitätseigenen Café Frédéric angeboten, bei dem (Comics-)Zeichnen als soziale Praxis ausgeübt wird.

4. Pro Semester bietet Barbara M. Eggert eine Lehrveranstaltung mit Comicbezug an, die allen Studierenden der Kunstuniversität offen steht. Im Wintersemester wird hierbei jeweils theoretisch unterfüttert von den Studierenden ein Konzept für ein eigenes Comicprojekt erarbeitet. Das monatlich stattfindende drink & draw ist hierbei als fakultativer Bestandteil in die Lehrveranstaltung eingebettet. Dies gilt auch für die Lehrveranstaltung im Sommersemester, in deren Rahmen die Studierenden am Comicsymposium teilnehmen. Zusätzlich dokumentieren sie das Symposium in kondensierter Form als Sketchnote – oder sie realisieren ihr Comicprojekt vom Wintersemester im Rahmen des NEXTCOMIC-Festivals als Bestandteil einer Gruppenausstellung.

5. In Kooperation mit der KinderJugendKreativUni (Claudia Hutterer) bietet Barbara M. Eggert gemeinsam mit dem Zeichner Thomas Paster seit 2019 Comicworkshops für Kinder und Jugendliche an, deren Ergebnisse seit diesem Jahr auch publiziert und ausgestellt werden. Im Coronajahr wurden die Comicworkshops durch vier ComicLabor-Kurzfilme ersetzt, die auf Youtube über #FollowKreativUni abrufbar sind.

6. Im März 2022 fand das Comicsymposium und zwei Ausstellungsprojekte statt sowie im Juni 2022 ein gemeinsamer Tisch beim Internationalen Comicsalon Erlangen. 

 

Mehrwert

Für die Studierenden besteht der Mehrwert darin, sich mit Studierenden anderer Fächer, Comicschaffenden etc. vernetzen zu können, und während des Studiums Erfahrung im Ausstellen und Kuratieren und Publizieren erlangen können.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Ja, denn auch andere Fachrichtungen können die dauerhafte Kooperation mit einem Festival anstreben und in die Lehre integrieren. Auch das Format „drink & draw“ lässt sich transformieren in „drink & write“, „drink and sculpt“ etc..

 

Die Idee ist, die Kooperation mit dem NEXTCOMIC-Festival auf Dauer zu stellen und die Ausstellung mit den Comics, die im Rahmen der Sommerworkshops der KinderJugendKreativUni entstehen, von Studierenden kuratieren zu lassen.

Aufwand

Das drink & draw findet außerhalb der Dienstzeit statt (3h unentgeltliche Arbeitsstunden pro Monat), ferner fällt ehrenamtliche Arbeit im Vorfeld des Symposiums und der Studierendenausstellung im Rahmen des NEXTCOMIC-Festivals im Umfang von ca. 80-100h für Erstellung von Werbematerialien, Tagungsbroschüre, Betreuung der Teilnehmenden, Entgegennahme der Anmeldungen für das Symposium etc. an. Für die Universität entstehen hierdurch keine zusätzlichen Kosten.

Positionierung des Lehrangebots

Potenziell richtet sich das Projekt an alle Studierenden sowie das künstlerisch-wissenschaftliche Personal und die Verwaltungsmitarbeiter*innen der Kunstuniversität Linz, die sich für Comics in all ihren Manifestationen und Comics Studies interessieren und /oder selbst Comics zeichnen (möchten). An einigen Formaten, die auch der akademischen und künstlerischen Vernetzung dienen, wie z. B. dem jährlichen Symposium oder dem monatlich stattfindenden drink & draw, nehmen auch externe (internationale) Comicschaffende teil.

Links zum Projekt
Links zu der/den Projektmitarbeiter/innen
Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2022 nominiert.
Ars Docendi
2022
Kategorie: Kooperative Lehr- und Arbeitsformen
Ansprechperson
Dr. phil. Barbara Margarethe Eggert, MA, M.A.
Institut für Kunst und Bildung, Abteilung Bildnerische Erziehung
. +49 676 847 898 486
Nominierte Person(en)
Dr. phil. Barbara Margarethe Eggert, MA, M.A.
Themenfelder
  • Kommunikation/Plattform
  • Weiterbildung Lehrende
  • Erfahrungslernen
  • Internationalisation@home
Fachbereiche
  • Kunst, Musik und Gestaltung