Universität für Bodenkultur Wien
Gregor Mendel Straße 33, 1180 Wien

Flüsse durch Exkursionen erleben und verstehen - Forschungsorientierte Lehre und Feedback 2.0 mittels SoTL

Würdigung der Jury

Die Wahllehrveranstaltung „Ecology and management of East European lowland rivers“ hat die Jury durch die attraktive Kombination aus Seminar und forschungsorientierter Exkursion beeindruckt. Das Setting dieses Lehrprojekts zielt darauf, dass die Studierenden einen kompletten Forschungszyklus durchlaufen und dabei eine Palette unterschiedlicher Kompetenzen und Fertigkeiten erwerben, die sich für ihr fachliches Arbeiten als bedeutsam erweisen. Mit einer hydrologischen Exkursion an den Oberlauf der Wolga verbanden sich unterschiedliche Aufgaben zur Gewässeranalyse, die in einer ersten Projektphase von den Studierenden selbständig und hypothesengestützt in Form konkreter Forschungsfragen vorbereitet wurden. Die Vorortforschungen wurden bis in logistische Details durch die Studierenden vorgeplant und involvierten vorab und während der Exkursion, gegliedert in eine Überblicks- und eine Arbeitsphase, den anschauungsreichen Kontakt mit sehr unterschiedlichen lokalen Akteuren und die Auseinandersetzung mit einer Reihe für die avisierten Fragestellungen relevanter Faktoren. Wurden die durch diverse Probenahmen erhobenen Daten im Zielgebiet bereits täglich mit den Dozierenden diskutiert und evaluiert, so konnten die Ergebnisse der Arbeitsexkursion dann noch einmal in einer abschließend an der Universität betriebenen Auswertung kommentiert und für die weitere Nutzung aufbereitet werden. Das gesamte Unternehmen, das von einem umfassenden Forschungsprojekt der Beteiligten profitieren konnte, wurde im Kontext einer Scholarship of Teaching and Learning-Analyse durch die Studierenden in einer Weise reflektiert, die die positiven Effekte des Vorgehens hervortreten ließen. Überzeugend erscheint dabei auch ein holistisch geprägtes Verständnis forschenden Lernens, das der konkreten Anschauung sowie der diachronen und synchronen Einbettung der Forschungsfragen Aufmerksamkeit schenkt.

Univ.-Prof. Dr. Michael Kämper-van den Boogaart
Humboldt-Universität zu Berlin

Ziele/Motive/Ausgangslage

In der Limnologie, der Gewässerkunde, stellt die Erhebung und Beurteilung des Gewässer-Zustandes eine wichtige Kompetenz für zukünftige AbsolventInnen dar. Die Konzeption der Lehrveranstaltung (Seminar-Exkursion) wurde vom folgenden Leitgedanken von Alexander von Humboldt „Die Natur muss erlebt und gefühlt werden, wer sie nur sieht und abstrahiert, kann … Pflanzen und Tiere zergliedern, er wird die Natur zu beschreiben wissen, ihr aber selbst ewig fremd sein.“ (Brief an Goethe 1810) inspiriert. Das didaktische Konzept baut auf dem Aspekt „Forschendes Lernen“ (sensu Huber 1998) auf, bei welcher Master-Studierende verschiedene Kompetenzen kombinieren und anwenden lernen.

 

Aspekt Forschendes Lernen

Die Studierenden durchlaufen den ganzen Forschungszyklus (Vorbereitung, Feldarbeit, Nachbereitung) im Laufe der LV mit dem Ziel, dass die Studierenden in die Charakteristik von osteuropäischen Tiefland-Gewässern umfassend Einblick bekommen, mögliche Einfluss-Faktoren erkennen, sowie die Wechselwirkung zwischen Fluss – Aue – Einzugsgebiet analysieren können. Durch das internationale Setting konnten zudem verschiedene kulturelle Herangehensweisen verglichen werden und im Kontext des Forschungsprojektes REFCOND_Volga die Bedeutung von Langzeit-Daten greifbar gemacht werden. Das Formulieren von Hypothesen, Erstellen eines Forschungskonzeptes, Durchführung der Beprobungen, Datenanalyse und Interpretation stehen im Zentrum dieser LV. Die Wissensvermittlung („Forschenden Lernens in der Natur“) wurde so ausgewählt, damit die Studierenden selbst den Nutzen erkennen und befähigt werden das erworbene Wissen direkt im wissenschaftlichen Kontext anzuwenden.

 

Aspekt Forschendes Lehren

Die Teilnahme an dem didaktischen Zertifizierungsprogramm des Hochschuldidaktikzentrums Baden-Württemberg (HDZ) und der Besuch der Veranstaltung über das Scholarship of Teaching and Learning (SoTL) bildete die Grundlage für die SoTL - Analyse der LV. Dieses Konzept umfasst die Analyse der eigenen Lehre und/oder dem Lernen der Studierenden und Veröffentlichung der Ergebnisse zum Erfahrungsaustausch (vgl. Hutchings et al. 2011, Huber 2011). Anhand der SoTL – Analyse wurde die methodische Herangehensweise und Durchführung analysiert und ein Framework für künftige Exkursionen geschaffen, welches im Rahmen der „Digitalen SoTL-Rundreise 2020/21“ präsentiert wurde.

 

Referenzen:

Huber L. (1998): Forschendes Lehren und Lernen - eine aktuelle Notwendigkeit. Das Hochschul-wesen, 46 (1): 3-10.

Hutchings P., Huber M. & Ciccone, A. (2011): Getting There: An Integrative Vision of the Scholarship of Teaching and Learning. International Journal for the Scholarship of Teaching and Learning 5

Huber L. (2011): Forschen über (eigenes) Lehren und studentisches Lernen - Scholarship of Teaching and Learning (SoTL): Ein Thema auch hierzulande? Das Hochschulwesen 59(4):118-124.

 

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

„Die Natur muss erlebt und gefühlt werden, wer sie nur sieht und abstrahiert, kann … Pflanzen und Tiere zergliedern, er wird die Natur zu beschreiben wissen, ihr aber selbst ewig fremd sein.“ von Alexander von Humboldt (Brief an Goethe 1810). Im Sinne von Humboldt und dem Wissen, dass Exkursionen eine bedeutende Rolle in der Vermittlung von Lerninhalten spielen (Dickel & Glasze 2009), wurde die LV (Seminar/Exkursion) „Ecology and management of East European lowland rivers“ im SS 2019 nach dem Prinzip des „Forschenden Lernens in der Natur“ konzipiert. Durch die Einbindung der limnologischen Exkursion in das reale Forschungsprojekt REFCOND_Volga, konnte „Forschendes Lernen in der Natur“ im direkten Praxisbezug des Forschungsalltags den Studierenden vermittelt werden. Das Lehrkonzept beruht auf dem Durchlaufen eines Forschungszyklus in drei Phasen, die das „(Mit)Gestalten, Erfahren und Reflektieren“ – als wesentliche Punkte welche Forschendes Lernen ausmachen (Huber 2009) – beinhalten. Kompetenzen wie Recherche und Präsentation (Sauerborn & Brühne 2017), Anwenden von Fachkompetenzen (Zimmer 1998) sowie Writing-Skills (Vedral 2012) konnten somit mit der LV vermittelt werden. Forschendes Lehren ist ein weiterer Aspekt der LV. Das SoTL umfasst die Analyse der eigenen Lehre und/oder dem Lernen der Studierenden und Veröffentlichung der Ergebnisse zum Erfahrungsaustausch (vgl. Huber 2014). Mit dieser Analyse konnte ein Framework für künftige Exkursionen geschaffen werden.

Schletterer M., Berg L., Reisenbüchler M., Rutschmann P., Schwedhelm H., Zeiringer B., Kuzovlev V.V., Hein T., Schmutz S. (in Druck): Forschungsorientierte Lehre im Rahmen von Auslands-Exkursion(en) – eine SoTL- Analyse über zwei Exkursionen nach Russland. In: Vöing N., Reisas S., Arnold M. (Hrsg.): Sammelband „Scholarship of Teaching and Learning. Eine forschungsgeleitete Fundierung und Weiterentwicklung hochschul(fach)didaktischen Handelns“, Schriftenreihe "Forschung und Innovation in der Hochschulbildung" (FIHB)

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

“Nature has to be experienced and felt, whoever sees it and abstracts it can ... dissect plants and animals, he will know how to describe nature, but will be eternally a stranger to it.” (Alexander von Humboldt, letter to Geothe 1810). Following Humboldt and the knowledge that excursions are important tools to facilitate learning content (Dickel & Glasze 2009), the didactic concept for the course (seminar/excursion) “Ecology and management of East European lowland rivers” was designed with the principle “Research-Based Learning in Nature”. Research-Based Learning has to be associated to real research, thus the limnological excursion in summer term 2019 was carried out in the framework of the long-term research project REFCOND_Volga, resulting in benefits for students and the project itself. The didactic concept is structured in 3 phases, which cover “to (help) shape, to experience and to reflect” – the main characteristics of Research-Based Learning (Huber 2009). Competences like literature research and presentation (Sauerborn & Brühne 2017), application of expertise (Zimmer 1998) as well as writing-skills (Vedral 2012) were established. Research-Based Teaching is another aspect in the concept of this course. The SoTL analyses covered research about the own teaching, the learning of students and the publication of the results for discussion with other lecturers (Huber et al 2014). Overall, the SoTL analyses established a framework for future excursions.

Nähere Beschreibung des Projekts

Forschendes Lernen

Im Sinne von Humboldt wurde die Exkursion „Ecology and management of East European lowland rivers“ als Kombination von Überblicks- und Arbeits-Exkursion nach dem Prinzip des „Forschenden Lernens in der Natur“ konzipiert. Forschendes Lernen ist ein wichtiger Aspekt in der Wissensvermittlung, der insbesondere im Rahmen von Exkursionen eine bedeutende Rolle einnimmt (vgl. Huber 2009). Die Exkursion führte im SS 2019 für 12 Tage an den Oberlauf der Wolga und Synergien mit dem seit 2006 laufenden Forschungsprojekt REFCOND_Volga konnten genutzt werden. Das Projekt umfasst die Analyse von abiotischen Parametern, Wasser-Organismen und dem Gewässer-Zustand im Oberlauf der Wolga.

 

Daher wurden für die Exkursion spezifische Fragestellungen zu abiotischen Parametern, Wasserpflanzen und Gewässer-Morphologie, Wasserinsekten und Fischen als Forschungsfragen formuliert. Diese wurden in Kleingruppen bearbeitet, wobei die Ergebnisse (Forschungskonzept) in der Großgruppe vorgestellt und diskutiert wurden (Phase 1). Bei der Exkursion wurde Wissensvermittlung auf verschiedenen Ebenen in einem internationalen Setting durchgeführt (Phase 2). Die im Rahmen der Exkursion erhobenen Daten wurden von den Studierenden analysiert und gemeinsam in einem Forschungsbericht dokumentiert, wodurch die Ergebnisse im Team ausgewertet, dargestellt, diskutiert und interpretiert wurden (Phase 3). Somit konnten die Studierenden „(mit)gestalten, erfahren und reflektieren“, was im Wesentlichen Forschendes Lernen ausmacht (Huber 2009). Neben den fachspezifischen Inhalten wurden auch geschichtliche, kulturelle und technische Aspekte abgedeckt, um einen holistischen Blick auf das Fluss-System zu bekommen. Im Folgenden werden die Phasen der Exkursion dargestellt.

 

a) Phase 1: Forschungsprozess selbst gestalten und reflektieren

In zwei Seminaren wurden die Studierenden über die Forschungsfragen informiert und wählten in weiterer Folge selbst ihre Herangehensweise aus. In jeder Kleingruppe wurde ein Forschungskonzept entwickelt, welches im 2. Seminar präsentiert und in der großen Gruppe diskutiert wurde. Ein wichtiger Vorbereitungsschritt war die Erstellung einer gemeinsamen Packliste, wobei es insbesondere zu prüfen galt, welche Geräte und Materialien zur Bearbeitung erforderlich sind, welche bei den internationalen PartnerInnen verfügbar sind und welche aus Österreich mitgebracht werden mussten. Dabei galt es aufgrund der Flugreise ins Zielgebiet möglichst platz- und gewichtsökonomisch zu packen, um Übergewicht zu minimieren. Wesentlich war hier der partizipative Ansatz, bei dem die Studierenden in der Realität eines Forschungsprojektes (Praxis-Bezug) eingebunden wurden.

 

b) Phase 2: Erfahren und reflektieren

Exkursionen spielen eine bedeutende Rolle in der Vermittlung von Lerninhalten (Dickel & Glasze 2009), wobei grundsätzlich zwischen einer klassischen Überblicks- und Arbeits-Exkursion zu unterscheiden ist (Ohl & Neeb 2012). In der Praxis werden mit einer Verknüpfung dieser beiden Aspekte die besten Lernerfolge generiert (Stolz 2006).

 

Überblickexkursion:

Um die Komplexität dieses Forschungsfeldes besser erfahren und erleben zu können wurden neben der eigentlichen Arbeitsexkursion unterschiedliche Nutzungsformen am Fluss gezeigt und diskutiert. In den ersten Tagen konnten die Charakteristika des Einzugsgebietes und verschiedene Einfluss-Faktoren erlebt werden. Die Diskussion mit ForscherInnen und Studierenden Vor-Ort ermöglichte einen intensiven Austausch, Einblick und Überblick in die limnologische Forschung. Ebenso wurde technische Infrastruktur wie das Wasserkraftwerk Uglich und das zugehörige Wasserkraftmuseum sowie der Moskau-Wolga Kanal besucht. ForscherInnen der Ivankovo Forschungs-Station (Russian Academy of Sciences) präsentierten einen Überblick über die Geschichte und Langzeitdaten der Station. Ein Besuch bei der Stör-Zucht in Konakovo ermöglichte Einblicke in die Fisch-Produktion und Besatzprogramme. In Tver gab es einen Empfang an der Technischen Staatsuniversität Tver (TvSTU) und eine Führung durch das Museum der Universität. Die Erkundung eines Kalk-Höhlensystem, dessen Eingang am rechten Ufer der Wolga bei Stadt Starista liegt ermöglichte den Studierenden die Interpretation der Messdaten anhand der Geologie des Einzugsgebietes.

Wesentlich war schließlich der Besuch und die Arbeit im Tsentralno-Lesnoi Zapovednik (Central Forest Nature Reserve), einem ca. 1858 km² großen Schutzgebiet, welches 1931 „zur Erhaltung der Mischwälder der südlichen Taiga in der Moränenlandschaft der russischen Tiefebene“ gegründet wurde und seit 1985 den Status eines UNESCO Biosphären Reservates hat. Die Landschaft ist Lebensraum für die großen europäischen Säugetiere (Bär, Wolf, Luchs, Elch) und bestimmt gleichzeitig die Lebensraum-Eigenschaften der hier entspringenden Flüsse. Wanderungen führten zu den vier Probestellen im Längsverlauf des Wolga-Zubringers Tudovka und so konnten verschiedene Landschaften (Urwälder der südlichen Taiga und ausgedehnte Hochmoore) erleben, den Einfluss der Hochmoore auf Gewässer (Stichwort pH-Wert) messen und die Abfolge verschiedener Zönosen im Längsverlauf des Gewässers analysieren. Die Führung durch das Museum des Nationalparks zeigte die Geschichte und Arbeitsgebiete dieses Schutzgebietes auf und die Diskussion mit dem Direktor und dem wissenschaftlichen Leiter hat Einblicke in das Management gegeben. Abschließend erfolgte an einem Tag der Besuch der Quellen von zwei großen osteuropäischen Flüssen – Düna und Wolga, die in geringer Entfernung im Waldai-Hügelland entspringen und ins Baltische bzw. Kaspische Meer entwässern. Eine Schifffahrt auf der Moskwa bildete den Abschluss der Exkursion.

 

Arbeitsexkursion:

Bei der praktischen Feldarbeit an sieben Probe-Stellen an den Flüssen Wolga und Tudovka wurden: (a) Vor-Ort Parameter wie Wassertemperatur, Sauerstoffgehalt, Leitfähigkeit und pH-Wert gemessen und Wasserproben für spätere Labor-Analysen gezogen, (b) Kartierungen der Wasserpflanzen sowie der Flussmorphologie durchgeführt, (c) quantitative Beprobungen der Wasserinsekten-Zönose mit einem Kick-Netz und Bodengreifern gemacht und (d) Elektro-Befischungen im Uferbereich durchgeführt und Stellnetze ausgelegt und kontrolliert. Die Abende waren geprägt von der Aufarbeitung der genommenen Proben und Daten wobei es hier einen intensiven Austausch zwischen den verschiedenen Gruppen und den Lehrenden gab.

 

c) Phase 3: Ergebnisse aufbereiten und präsentieren

In Wien wurden die Proben bestimmt und statistische Analysen durchgeführt. Die Gesamt-Ergebnisse wurden in einem Abschlussseminar präsentiert und diskutiert. Das diente wiederum als Grundlage zum Verfassen des Gesamtberichtes. Die Gruppe konnte durch Teamwork und Arbeitsteilung ein optimales Ergebnis erarbeiten (vgl. dazu Geeb et al. 2009).

 

 

Forschendes Lehren: SoTL-Analyse

Das Scholarship of Teaching and Learning umfasst die Analyse der eigenen Lehre und/oder dem Lernen der Studierenden und Veröffentlichung der Ergebnisse zum Erfahrungsaustausch (vgl. Boyer 1990, Huber 2014). Wesentliches Merkmal ist, dass die Ergebnisse veröffentlicht werden und somit anderen Lehrenden und der Community zur Verfügung gestellt werden. Neben der offiziellen Lehrveranstaltungsevaluierung ergeben sich im Rahmen einer solchen Exkursion natürlich verschiedene Feedback-Gespräche. Dies bildete den Ausgangspunkt für die SoTL Analyse.

Für die Analyse wurden Google-Forms Fragebögen mit der Fragestellung „Durch welche Elemente kann durch forschungsorientierte Lehre das Lernen der Studierenden gefördert werden?“ entworfen und mit den Studierenden Interviews geführt. Die Ergebnisse zeigen den Mehrwert derartiger Exkursionen für Studierende auf. Die Erarbeitung einer feldtauglichen Methodik zur Beantwortung der Forschungsfragen hat den Studierenden wesentliche Einblicke in die Durchführung von Probenahme-Kampagnen gegeben. Zudem wurde de facto das Wissen des gesamten Master-Studiums angewandt um die geforderten Ziele zu erreichen. Die Kombination von „Erleben“ und „Erarbeiten“ ist schlussendlich auch wichtig um den Studierenden einen holistischen Blick auf ein Fluss-System zu bieten. Jeder Studierende muss die Vergangenheit und die Gegenwart (Ist-Zustand) kennen, um ein erfolgreiches Management für die Zukunft unserer Gewässer betreiben zu können. Im Feedback der Studierenden zeigte sich, dass mit Forschenden Lernen wesentliche Kompetenzen, wie Recherche und Präsentation (Sauerborn & Brühne 2017), Anwenden von Fachkompetenzen (Zimmer 1998) sowie Writing-Skills (Vedral 2012) vermittelt wurden. Somit unterstützte die Exkursion jedenfalls die Festigung bzw. den Erwerb wesentlicher Kompetenzen mit Karriererelevanz.

 

Referenzen:

Boyer E.L. (1990): Scholarship Reconsidered: Priorities of the Professoriate. Princeton, N.J.: The Carnegie Foundation for the Advancement of Teaching.

Dickel M., Glasze G. (2009): Rethinking Excursions - Konzepte und Praktiken einer konstruktivistisch orientierten Exkursionsdidaktik. Praxis Neue Kulturgeographie 6: 3-13

Geeb F., Krauß-Leichert U., Verch U. (2009): Forschendes Lernen als Kooperationsprojekt an Fachhochschulen im Bereich Information und Technik. Forschendes Lernen im Studium - Aktuelle Konzepte und Erfahrungen 10: 157-168.

Huber L. (2009): Warum Forschendes Lernen nötig und möglich ist. Forschendes Lernen im Studium - Aktuelle Konzepte und Erfahrungen 10: 9- 36

Huber L. (2014): Scholarship of Teaching and Learning: Konzept, Geschichte, Formen, Entwicklungsaufgaben. Forschendes Lehren im eigenen Fach 125: 19-36

Ohl Ulrike, Neeb Kerstin (2012): Geographiedidaktik: Theorie - Themen – Forschung. S. 259 – 288 in: Haversath J.-B. (Ed.): Das Geographische Seminar, Westermann

Stolz, Christian (2016). Lernen im Gelände. Exkursionsdidaktik in der Physischen Geographie. S. 283-300 in: Erhorn J., Schwier J. (Eds.): Pädagogik außerschulischer Lernorte. transcript Verlag

Mehrwert

a) Mehrwert für die Universität

Internationaler Austausch ist wichtig und kann unterschiedliche Herangehensweisen fördern. An der Exkursion nahmen neben Lehrenden auch Studierende der TvSTU teil, was zur Vertiefung der Beziehungen und einem guten Austausch auf verschiedenen Ebenen beigetragen hat.

 

Die SoTL Analyse der Exkursion und die Präsentation beim der „Digitalen SoTL Rundreise an deutschen Hochschulen“, hat neben den Autoren (aktuell wird ein Manuskript für den Sonderband in der Cologne Open Science-Schriftenreihe „Forschung und Innovation in der Hochschulbildung“ vorbereitet) auch die Abteilung E-learning und Didaktik der Universität für Bodenkultur Wien in Kontakt mit dem deutschen SoTL Netzwerk gebracht und daraus einen Mehrwert geschaffen.

 

b) Mehrwert für Studierende

Die Ergebnisse der SoTL Analyse zeigen, dass in den 3 Phasen (vor / während / nach) einer Exkursion unterschiedliche Kompetenzen gefördert werden. Aus studentischer Sicht wurden bezugnehmend auf die Vorbereitung (Phase 1) insbesondere „Quellenarbeit“, „Präsentation“ und „Planung“ als Kompetenzfelder genannt. Während der Exkursion (Phase 2) sind es „Feldarbeit“, „Auswertung“ und „Analyse“ und in der Nachbereitung (Phase 3) stellen „Analyse“, „Statistik“ und „Schreiben“ wesentliche Aspekte dar. Schließlich unterstreichen Kommentare wie “perfekte Vorbereitung für die Master-Arbeit”, die Möglichkeiten hinsichtlich Wissens- und Kompetenzvermittlung im Rahmen einer Exkursion. Es zeigt sich, dass mit Forschenden Lernen wesentliche Kompetenzen, wie Recherche und Präsentation (Sauerborn & Brühne 2017), Anwenden von Fachkompetenzen (Zimmer 1998) sowie Writing-Skills (Vedral 2012) vermittelt wurden. Somit unterstützte die Exkursion jedenfalls die Festigung bzw. den Erwerb wesentlicher Kompetenzen mit Karriererelevanz.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Grundsätzlich ist eine nach den Prinzipien forschungsorientierter Lehre konzipierte Exkursion für verschiedene Lehrinhalte und Lehrsituationen übertragbar. Speziell Fragestellungen der Sustainable Development Goals sind gut geeignet um diese in einem interkulturellen Kontext zu bearbeiten. Die Möglichkeiten beschränken sich nicht nur auf naturwissenschaftliche Fächer, es können auch inter-disziplinäre sprachwissenschaftliche Exkursionen wesentlich auf den Lern- und Lehrerfolg auswirken.

 

Die Übertragbarkeit des Konzeptes wurde bereits erfolgreich bewiesen. So wurde ebenfalls im Jahr 2019 eine Exkursion mit der Technischen Universität München zur Fragestellung „Wassermanagement in Sibirien“, an der 20 Studierende teilnahmen, organisiert (Schletterer et al. 2021). Diese Exkursion bot ebenfalls die Möglichkeit internationale Flusssysteme (Ob und Jenissei) im Austausch mit Forschungsgruppen Vor-Ort kennenzulernen, und hat auch die Basis für eine Master-Arbeit gebildet.

 

Leider hat die COVID-19 Pandemie derartige Exkursionen in den letzten 2 Jahren verhindert. Diese Zeit wurde aber genutzt um die Exkursion aus dem Jahr 2019 im Rahmen eines SoTL Projekte aus Studierenden und aus Lehrenden Sicht zu analysieren. Die Ergebnisse bestärken die Fortführung derartiger Formate. Dieses Exkursions-Format wird am IHG jedenfalls beibehalten und wird in Zukunft zu weiteren internationalen Fluss-Systemen führen.

 

Referenz

Schletterer M., Reisenbüchler M., Berg L., Zunic F., Rutschmann P. (2021): Reisebericht zur Wasserbauexkursion 2019 der TU München nach Sibirien. WasserWirtschaft 9-10: 96-101.

Aufwand

Das Lehrformat ist für die Lehrenden grundsätzlich sehr aufwändig und umfasst Vorbereitung (Definition von Forschungsfragen, Reiseroute, Transportlogistik, Übernachtungsmöglichkeiten, Verpflegung), die Durchführung der Lehrveranstaltung (vorbereitende Seminare und die eigentliche Exkursion) und die Nachbereitung (Begleitung der Auswertungen, Korrektur der Prüfungsleistungen). Ein wesentlicher Faktor ist zudem die Sicherheit der Studierenden (zB im Vorfeld Gesundheits-Abfragen betreffend Allergien) sowie das Mitführen von Erste-Hilfe-Ausrüstung. Und letztlich ist auch die finanzielle Abwicklung im Vorfeld (Kostenplanung, Festlegen der studentischen Beiträge) während der Exkursion (laufendes Kosten-Controlling) und die Endabrechnung (Belege, Wechselkurse, etc.) nicht zu unterschätzen. Wenn derartige Exkursionen in bestehende Forschungsprojekte eingebunden werden, können Synergien genutzt werden. Es ist ein aufwändiges Format, aber es ermöglicht auch einen intensiven Austausch zwischen Studierenden und Lehrenden und kann auch den Grundstein für neue Projekte wie zB einer Master-Arbeit legen.

Positionierung des Lehrangebots

Die Lehrveranstaltung „Ecology and management of East European lowland rivers“ (Seminar/Exkursion) wird für verschiedene Masterstudien als Freie Wahllehrveranstaltung im Ausmaß von 5 ECTS-Credits (3 SWS) angeboten. Voraussetzung ist gewässerökologisches Basiswissen und Verständnis für Ökosystem Monitoring und Management. Daher wird die Veranstaltung insbesondere für Studierende der Masterstudien „Applied Limnology“, „Water Management and Environmental Engineering”, „Kulturtechnik und Wasserwirtschaft“, „Umwelt- und Bioressourcenmanagement“ sowie „Landschaftsplanung und Landschaftsarchitektur“ angeboten. Sie wird als integrierte Lehrveranstaltung (SX) mit immanentem Prüfungscharakter abgehalten und findet regulär in einem 2-Jahres Rhythmus statt.

Links zu der/den Projektmitarbeiter/innen
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Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2022 nominiert.
Ars Docendi
Nominiert 2022
Kategorie: Forschungsbezogene bzw. kunstgeleitete Lehre
Ansprechperson
Martin Schletterer, Priv.-Doz. Mag. Dr.
Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement (IHG)
+4369912572545
Nominierte Person(en)
Martin Schletterer, Priv.-Doz. Mag. Dr.
Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement (IHG)
Thomas Hein, Univ.Prof. Dr.
Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement (IHG)
Stefan Schmutz, Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr.nat.techn.
Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement (IHG)
Themenfelder
  • Didaktische Methode
  • Erfahrungslernen
  • Infrastruktur
  • Rund ums Evaluieren der Lehre
  • Wissenschaftliche (Abschluss)Arbeiten
Fachbereiche
  • Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik/Ingenieurwissenschaften