Arithmetik und ihre Didaktik: Vorlesung, Übung, Tutorium und Didaktikwerkstätte – selbstverantwortlich Lernen, Verstehen und Vernetzen

Ziele/Motive/Ausgangslage

Ausgangslage

Studierende, die sich für das Lehramt Primarstufe entscheiden, bringen unterschiedliche Voraussetzungen, Fähigkeiten und Interessen für das Fach Mathematik mit. Auf der einen Seite gibt es Studierende, die Mathematik mit Freude und Erfolg betreiben. Auf der anderen Seite ist jenes Spektrum an Studierenden angesiedelt, die dem Fach mit Abneigung begegnen, häufig als Resultat unangenehmer schulischer Erfahrungen und Misserfolge (Böttinger & Boventer 2016, S. 51).

Als eine weitere Herausforderung erweist sich für viele Studierende der Übergang von der Schule an die Hochschule. Vor allem in den mathematikbezogenen Lehrveranstaltungen sind Studierende oft überfordert (Blömeke 2016, S. 3). Im Lehramt Primarstufe an der Pädagogischen Hochschule Kärnten ist diese Tendenz im ersten Studienjahr – Arithmetik und ihre Didaktik – zu beobachten. Die positive Bewältigung dieser Lehrveranstaltungen stellt einige Studierende vor eine große Herausforderung.

Hinzu kommt, dass in den Lehrveranstaltungen zur Arithmetik das fachliche und fachdidaktische Basiswissen für die Pädagogisch-Praktischen-Studien (PPS) vermittelt wird. Auf dieser Grundlage erfolgt in den darauffolgenden Studienjahren die Planung von Unterrichtseinheiten und deren Umsetzung in der Klasse. Aus didaktischer Sicht ist festzustellen, dass den Studierenden der Theorie-Praxis-Transfer in den PPS häufig schwerfällt. Viele Studierende scheinen die Inhalte ohne Verständnis auswendig zu lernen.

 

Motive/Ziele

Die genannten Problemfelder waren Anlass die Konzeption der Lehrveranstaltungen zur Arithmetik und ihre Didaktik im ersten Studienjahr zu überarbeiten. Die Neukonzeption verfolgt folgende Zielsetzungen:

 

1) Verständnis fördern

- Die Studierenden erleben im ersten Studienjahr vier inhaltlich und methodisch aufeinander abgestimmte Lehrveranstaltungen zur Arithmetik: Vorlesung, Übung, Tutorium und Freie Didaktikwerkstätte.

- Durch das Konzept des Inverted Classroom bekommen die Studierenden in der Präsenzphase der Vorlesung mehr Gelegenheiten, die Inhalte zu festigen, zu vertiefen, zu diskutieren und zu reflektieren. In der Selbstlernphase können sie die Erklärvideos bei Bedarf stoppen und wiederholt ansehen.

- In den Übungen diskutieren die Studierenden ihre eigenen Lösungs- und Denkwege. Sie stärken dadurch das Vertrauen in das eigene mathematische Denken.

- Die Studierenden erhalten individuelle Förderung und Unterstützung durch Zusatzangebote (Tutorium, Freie Didaktikwerkstätte).

 

2) Theorie und Praxis verbinden

- Den Studierenden werden gezielt vielfältige Aktivitäten angeboten, um fachliche Inhalte und fachdidaktische Konzepte mit der praktischen Umsetzung zu verbinden.

 

3) Selbstverantwortliches und flexibles Lernen fördern

- Studierende entscheiden selbst, welche vertiefenden und unterstützenden Aktivitäten sie in Anspruch nehmen.

- Studierende bestimmen Lerntempo, Lernzeit, Lernweg und Lernraum selbst.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Die Einreichung stellt ein erprobtes Lehrveranstaltungskonzept zur Arithmetik und ihrer Didaktik im ersten und zweiten Semester des Primarstufenlehramts an der Pädagogischen Hochschule Kärnten vor. Es betrifft vier Lehrveranstaltungen, die vernetzt gedacht werden: Vorlesung, Übung, Tutorium und Didaktikwerkstätte. Die Konzeption beruht auf der Förderung von Einsicht in die vermittelten fachlichen Inhalte und fachdidaktischen Konzepte der Arithmetik und auf der Förderung des Praxisbezugs, sodass es den Studierenden in den Pädagogisch-Praktischen Studien der darauffolgenden Semester besser gelingt, einen verstehensorientierten Mathematikunterricht zu planen und umzusetzen. Darüber hinaus wird durch den Einsatz aufeinander abgestimmter Lehr- und Lernformen selbstverantwortliches und flexibles Lernen forciert. Dies erfolgt beispielsweise durch die Bereitstellung kompetenzorientiert strukturierter Erklärvideos, anhand derer Studierende die Inhalte der Vorlesung ortsunabhängig und im individuellen Lerntempo erarbeiten können. In den Präsenzphasen wird ausreichend Gelegenheit geboten, Inhalte zu diskutieren und zu reflektieren. Die Übungen sind so ausgelegt, dass Fehler und Lücken als Chancen wahrgenommen werden, um das eigene Denken und Lernen weiterzuentwickeln. In Zusatzangeboten (Tutorium und Didaktikwerkstätte) können Studierende Unterstützung bei Unklarheiten erhalten und die in den Übungen vorgestellten didaktischen Materialien erproben.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

The proposal presents a tried-and-tested course concept for courses in arithmetic and its methodology of teaching in the first and second semester curriculum of the Bachelor's degree for primary school teaching at the Carinthian University College of Teacher Education. It concerns four interdependent courses: lecture, exercises, tutorial and learning laboratory. The core concept promotes the understanding of subject-specific lesson concepts for arithmetic and their practical relevance, such that students of practical pedagogical studies are capable to plan and implement understanding-oriented mathematics lessons in the higher semesters. In addition, the use of coordinated forms of teaching and learning promotes independent and flexible learning. This is done, for instance, by providing competence-oriented and structured explanatory videos, that students can consume regardless of location at their own learning pace. During attendance phases, sufficient opportunity is given to discuss and reflect on content. The exercises are designed in such a way that students’ mistakes and gaps can be perceived as opportunities to further develop their own thinking and learning. In the additional course offers (tutorial and learning laboratory), the students get support in case of open questions and are enabled to try out the materials presented during the exercise units.

Nähere Beschreibung des Projekts

Die Lehrveranstaltungen zur Arithmetik im ersten Studienjahr bilden das Fundament der fachlichen und fachdidaktischen Ausbildung im Bereich Mathematik der Primarstufe (Bräunling 2016, S. 13). Im Fokus steht die Vermittlung zentraler fachlicher und fachdidaktischer Grundlagen des Mathematikunterrichts in den Themenbereichen Zahlen (und deren Darstellung in Stellenwertsystemen) sowie Addieren, Subtrahieren, Multiplizieren, Dividieren und Brüche.

 

Wie eingangs beschrieben, sind Studierende in den Lehrveranstaltungen zur Arithmetik und ihre Didaktik mit vielen Hürden konfrontiert. Ein erstrebenwertes Ziel wäre, dass sie die fachlichen und fachdidaktischen Inhalte der Arithmetik am Ende des ersten Studienjahres verstehen, sodass ihnen in den darauffolgenden Semestern die didaktische Umsetzung der Inhalte und Konzepte in der Schulpraxis besser gelingt.

 

Um dieses Vorhaben zu erreichen, wurden die genannten Lehrveranstaltungen gemäß den im Punkt Ziele/Motive/Ausgangslage detaillierter beschriebenen Zielsetzungen überarbeitet. Die Überarbeitung betrifft folgende vier thematisch und methodisch aufeinander ausgerichtete Lehrveranstaltungen:

1. Vorlesung Arithmetik und ihre Didaktik 1 & 2

2. Übung zur Vorlesung Arithmetik 1 & 2

3. Mathematisches Tutorium 1 & 2

4. Freie Didaktikwerkstätte Mathematik

 

In der Neukonzeption bekommen Studierende ausreichend Gelegenheiten, bei Unklarheiten (in Einzelgesprächen, Kleingruppen und im Plenum) Fragen zu stellen, gemeinsam zu diskutieren, Inhalte bei Bedarf mehrmals zu wiederholen sowie Übungen und Materialien auszuprobieren. Weiters wird den Studierenden in Selbstlernphasen die Möglichkeit geboten, selbst über Lerntempo, Lernzeit, Lernweg und Lernraum zu entscheiden.

 

Nachfolgend werden das Konzept und dessen Zielsetzungen entlang der vier Lehrveranstaltungen detaillierter vorgestellt.

 

1. Die Vorlesung – Inhalte im individuellen Lerntempo erarbeiten und in der Präsenzzeit vertiefen

Die Vorlesung Arithmetik und ihre Didaktik 1 & 2 bildet das Herz des Konzeptes. Diese wird nach dem Modell des Inverted Classroom durchgeführt. Die Studierenden bereiten sich mit Hilfe von Materialien (Erklärvideos, Texte oder Aufgaben) auf die Präsenzveranstaltung vor. In der Präsenzveranstaltung wird kein Input mehr gegeben, sondern es werden Lehr- und Lernformen eingesetzt, die der Anwendung, Vertiefung, Diskussion und Reflexion dienen. Nach diesem Modell unterteilt sich die Vorlesung in eine Selbstlernphase und eine Präsenzphase, die wie folgt aufgebaut sind:

 

1.1. Selbstlernphase

In der Selbstlernphase erarbeiten die Studierenden die Inhalte asynchron, ortsunabhängig, selbstgesteuert und im individuellen Lerntempo anhand von Erklärvideos. Pro Themenbereich wurden zwei bis drei kurze Erklärvideos (10-25 Minuten) gestaltet. Diese können bei Bedarf gestoppt und wiederholt werden. Die Erklärvideos enthalten – im Vergleich zu den ebenfalls bereitgestellten Vorlesungsfolien – zusätzliche Erklärungen und Erläuterungen, die einerseits das Verständnis und andererseits die Einordnung in den Gesamtzusammenhang unterstützen. Je nach individuellen Voraussetzungen und Bedürfnissen können Studierende unterschiedliche Wege zur Vorbereitung auf die Präsenzphase wählen: mit den Erklärvideos, mit den Vorlesungsfolien oder durch das Studium ausgewählter Fachliteratur.

 

In dieser Selbstlernphase werden zusätzlich vertiefende und unterstützende Elemente integriert. Die Studierenden entscheiden selbst, welche dieser Aktivitäten sie in Anspruch nehmen:

- Kompetenzorientiertes Lernjournal: Zu Beginn der Erklärvideos und auch der Folien werden Lernergebnisse in Form von Kenntnissen, Fertigkeiten und Kompetenzen angeführt. Das sind Aussagen darüber, was die Studierenden wissen, verstehen und in der Lage sein sollen zu tun, nachdem sie das Erklärvideo oder die Folien durchgearbeitet haben. Im digitalen Lernjournal sollen die Studierenden ihre zentralen Erkenntnisse zu den Lernergebnissen dokumentieren, um ihre Lernleistung sichtbar zu machen.

- Vertiefende Aktivitäten, um Theorie und praktische Anwendung des Gelernten zu verbinden: In den Erklärvideos und auf den Folien werden gezielt Übungen eingesetzt, die die Studierenden auffordern, die Inhalte praktisch anzuwenden. Sie werden beispielsweise aufgefordert, das Video anzuhalten und Eigenaktivitäten durchzuführen, um sich in die Rolle der Schüler*innen versetzen zu können (z.B. Rechnen nach verschiedenen Strategien, Schulen eines Zahlenblicks…). Darüber hinaus werden sie mit Praxisbeispielen, die sie mit Bezug zum Inhalt fachdidaktisch analysieren sollen (z.B. Vorgehensweisen von Kindern beim Rechnen, Fehleranalysen…) und Anwendungsbeispielen aus Schulbüchern zum Analysieren und Interpretieren motiviert.

- Formulieren von Prüfungsfragen: Am Ende jedes Erklärvideos und Foliensatzes werden die Studierenden gebeten, zwei Prüfungsfragen zu formulieren und in einem Forum zu posten. Diese Prüfungsfragen dienen in der Präsenzphase als Aktivität zur Festigung der Inhalte Darüber hinaus können sie zur Prüfungsvorbereitung genutzt werden.

 

1.2 Präsenzphase

Die Präsenzphase läuft interaktionsbezogen mit Fokus auf Anwendung und Transfer ab. Konkret werden, angelehnt an die in den Erklärvideos und Folien gestellten vertieften Aktivitäten, Inhalte abgesichert und reflektiert, wie

- Fragen aus der Selbstlernphase geklärt,

- relevante Begriffe anhand von Wortspeichern gefestigt,

- Praxisbeispiele analysiert,

- Aktivitäten zur Festigung der Inhalte angeboten (z.B. Prüfungsfragen aus dem Forum),

- Diskussionen initiiert, in denen die Studierenden aufgefordert werden, das Gelernte mit ihren eigenen Erfahrungen aus der Schulzeit zu vergleichen, um ihr Bild vom selbst erlebten Mathematikunterricht zu reflektieren.

Die soziale Interaktion wird gefördert, indem die Studierenden die Aktivitäten teilweise in Gruppen bearbeiten.

 

2. Die Übungen – Jene Aufgaben kreuzen, bei denen Hilfe benötigt wird

Als Vorbereitung für die Übung erhalten die Studierenden vertiefende Arbeitsaufträge mit Anwendungsbezug, um fachliche Inhalte und fachdidaktische Konzepte mit der praktischen Umsetzung zu verbinden. Um das selbstverantwortliche Lernen zu fördern, werden die Studierenden aufgefordert, zu Beginn der Übung jene Aufgaben anzukreuzen, die sie (zum Beispiel aufgrund von Verständnisproblemen, fehlender Lösungsansätze ...) nicht (vollständig) bearbeiten konnten.

 

In der Lehrveranstaltung selbst werden Denkwege und Lösungswege der Studierenden diskutiert sowie Lösungen zu schwierigen Aufgabenstellungen gemeinsam erarbeitet. Mögliche Hürden, Fehler und Lücken werden als Chancen verstanden, noch einmal über den Bearbeitungsweg nachzudenken und Unklares erneut zu besprechen. Ziel dieses Ansatzes ist es, den Studierenden zu verdeutlichen, dass Mathematik nicht eine Menge angehäuften Wissens ist, sondern eine Tätigkeit, die man über Vertrauen auf seine Erfahrungen und seinen Verstand erwirbt (Freudenthal 1982).

 

Zu Beginn der nächsten Übung sind zwei kurze Aufgaben zu den Inhalten der jeweils vorangegangenen Übungseinheit in Form eines Quiz zu bearbeiten. Die Quiz zielen darauf ab, dass die Studierenden sich kontinuierlich mit den Inhalten auseinandersetzen müssen und nicht am Ende der Lehrveranstaltung eine Klausur über den gesamten Inhalt zu absolvieren haben.

 

3. Das Mathematische Tutorium – Unterstützung bei Unklarheiten holen

Das Mathematisches Tutorium ist ein freiwilliges Angebot für alle Teilnehmer*innen der Vorlesung und der Übung. Diese Lehrveranstaltung wurde im Studienjahr 2019/20 als Wahlfach entworfen, um die durch die Heterogenität entstehenden Schwierigkeiten zu verringern. Das Tutorium wird wöchentlich online als offene Fragestunde zu den Inhalten der Vorlesung und Übung angeboten. Alle Studierende können daran teilnehmen.

 

4. Freie Didaktikwerkstätte Mathematik – Lernmaterialien ausprobieren

In das vorgestellte Konzept für die Lehrveranstaltungen aus Arithmetik ist auch die Freie Didaktikwerkstätte Mathematik eingebunden. Diese wird für Studierende aller Semester zur Unterstützung und Professionalisierung im Bereich der Mathematikdidaktik angeboten. Es handelt sich dabei um einen Raum an der Pädagogischen Hochschule Kärnten, in dem Materialien, Schulbücher und fachdidaktische Literatur zur Nutzung bereitgestellt sind. Die Freie Didaktikwerkstätte ist regelmäßig (montags von 13:00 – 14:00 Uhr) geöffnet, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. In diesem Zeitraum ist mindestens eine Person aus dem Team der Fachgruppe Mathematik anwesend. Die Freie Didaktikwerkstätte bietet vertiefende Gelegenheiten, die in der Vorlesung und in den Übungen zur Arithmetik vorgestellten didaktischen Materialien zu erproben und auszuleihen. Darüber hinaus können die Studierenden beim gemeinsamen Vorbereiten der Arbeitsaufträge und Prüfungen Beratung in Anspruch nehmen.

 

5. Literatur

Blömeke, S. (2016). Der Übergang von der Schule in die Hochschule: Empirische Erkenntnisse zu mathematikbezogenen Studiengängen. In Hoppenbrock, A., Biehler, R., Hochmuth, R. & Rück, H.-G. (Hrsg.). (2016). Lehren und Lernen von Mathematik in der Studieneingangsphase (Konzepte und Studien zur Hochschuldidaktik und Lehrerbildung Mathematik). Wiesbaden: Springer.

Böttinger, C. & Boventer, C. (2016). Methodische Innovationen in der Veranstaltung „Arithmetik“ für das Lehramt Grundschule. In Hoppenbrock, A., Biehler, R., Hochmuth, R. & Rück, H.-G. (Hrsg.). (2016). Lehren und Lernen von Mathematik in der Studieneingangsphase (Konzepte und Studien zur Hochschuldidaktik und Lehrerbildung Mathematik). Wiesbaden: Springer.

Bräunling, K. (2016). Beliefs von Lehrkräften zum Lehren und Lernen von Arithmetik (Freiburger Empirische Forschung in der Mathematikdidaktik). Wiesbaden: Springer.

Freudenthal, H. (1982): Mathematik – eine Geisteshaltung. In: Grundschule (4), S. 140–142.

Mehrwert

1. Mehrwert der Lehrveranstaltungskonzeption für Studierende

Die Motive und Ziele der vorliegenden Lehrveranstaltungskonzeption wurden bereits zu Beginn ausführlich beschrieben: Primarstufenlehramt-Studierende, die unterschiedliche Voraussetzungen, Fähigkeiten und Interessen für das Fach Mathematik mitbringen, sollen durch den Einsatz studierendenorientierter Lehr- und Lernformen beim Erwerb mathematischer und mathematikdidaktischer Kompetenzen unterstützt werden. Im Detail kann der Mehrwert auf folgende Punkte zusammengefasst werden:

 

1.1 Förderung von Einsicht in arithmetische Inhalte und didaktische Konzepte

• Die Studierenden erleben vier organisatorisch, inhaltlich und methodisch aufeinander abgestimmte Lehrveranstaltungen zur Arithmetik. Sie betrachten die Inhalte aus unterschiedlichen Perspektiven: Theorie, vertiefende Übungen zur Theorie, Reflexion der Theorie mit Bezug zur Umsetzung, praktische Umsetzung, konkreter Materialeinsatz bei der praktischen Umsetzung.

• Die studierendenorientierten Präsenzphasen bieten ausreichend Gelegenheit, Inhalte zu diskutieren und zu reflektieren. Durch die vorangestellte Selbstlernphase kann auf einem höheren Niveau eingestiegen werden (Inverted Classroom).

• Die begleitenden Übungen zielen darauf ab, über Lösungswege und Denkwege der Studierenden zu reflektieren, mögliche Fehler und Lücken als Chancen wahrzunehmen und das eigene Denken und Lernen voranzutreiben.

• In Form von zusätzlichen, freiwillig zu besuchenden Lehrveranstaltungen können sich Studierende unkompliziert inhaltliche Unterstützung holen.

• Die Möglichkeiten digitaler Lehr- und Lernformen werden eingesetzt, um den Ansprüchen der heterogenen Studierendengruppen gerecht zu werden.

 

1.2 Förderung der Vernetzung von Theorie und Praxis

• Den Studierenden werden gezielt Aktivitäten angeboten, um fachliche Inhalte und fachdidaktische Konzepte mit der praktischen Umsetzung zu verbinden.

 

1.3 Förderung des selbstgesteuerten und selbstverantwortlichen Lernens

• Studierende können mit speziell konzipierten Selbstlern-Bausteinen Lerntempo, Lernzeit, Lernweg und Lernraum unter Einsatz digitaler Lehr- und Lernformen selbst bestimmen.

• Die Selbstlern-Bausteine bieten eine kompetenzorientierte Überprüfung des persönlichen Lernfortschritts in Form eines Lernjournals.

• Studierende entscheiden selbst, welche vertiefenden und unterstützenden Aktivitäten sie in Anspruch nehmen.

 

2. Evidenzen für einen Mehrwert vonseiten der Studierenden

Die Ergebnisse der Evaluation zeigen, dass das Konzept zu einer Qualitätsverbesserung der Studierbarkeit beiträgt. Die Studierenden stellen fest, dass die eingesetzten Lehr- und Lernformen effektiveres Lernen und Praxisbezug fördern. Dies belegen ausgewählte aussagen aus den freien Antworten der Evaluation.

 

2.1 Effektiveres Lernen

„Die Frage, "was hat die LV-Leiterin nochmal in der Vorlesung zu Thema x gesagt", kann damit sofort in original Bild und Ton beantwortet werden. So gut mitschreiben kann man gar nicht, bei einer klassischen Vorlesung.“

„Ich bin davon überzeugt, dass ich die Prüfung im "normalen" Vorlesungsmodus nicht so gut geschafft hätte, da der große Vorteil von solchen Lernvideos nun mal ist, dass ich sie unabhängig von Ort und Zeit IMMER nachschauen kann.“

„Mir haben die Videos sehr geholfen, da ich sie immer wieder anhören konnte und z. B. Neben dem Sport immer mit der Thematik in Kontakt kommen konnte, da ich sie mir auch am Handy anhören und ansehen konnte.“

„Am Ende musste ich weder für die Übungsklausuren, noch für die VO-Klausuren sonderlich viel lernen, da ich immer mitgelernt hatte."

 

2.2 Praxisbezug

„Zudem ist die Vorlesung einer der Wenigen, von der ich wirklich etwas für meine Zukunft mitnehmen kann und auch weiß, wie ich es umzusetzen habe bzw. weiß, wo ich nachzuschlagen habe, wenn ich nicht weiter weiß.“

„Aus dieser LV konnte ich sehr viel mitnehmen. Dabei wurde auch die Praxis gut verdeutlicht.“

 

3. Mehrwert der Lehrveranstaltungskonzeption für Lehrende und den Lehrbetrieb

 

3.1 Vernetzen von vier Lehrveranstaltungen

• Das gemeinsame Arbeiten an der Konzeption und der Durchführung der Lehrveranstaltungen fördert die Teamarbeit, die Vernetzung und die Transparenz in der Fachgruppe.

 

3.2 Evaluation der Lehrveranstaltungen

• Die Ergebnisse der Evaluation liefern nützliche Informationen über zu verbessernde oder zu überdenkende Elemente. Positive Rückmeldungen motivieren die Lehrveranstaltungsleiter*innen.

 

3.3 Stärkung des Kompetenzerlebens

• Das Kompetenzerleben der Lehrenden wird gestärkt, indem sie in Gesprächen und Diskussionen in den diversen Lehrveranstaltungen direkte Rückmeldungen von Studierenden erhalten, ob die Inhalte verstanden wurden und wo die Schwierigkeiten liegen.

 

3.4 Veränderte Rolle der Lehrenden

• Indem Studierende Verantwortung für das eigene Lernen übernehmen, verändert sich die Rolle der Lehrenden von Wissensvermittler*innen hin zu Begleiter*innen.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Diese Herangehensweise an die Aufbereitung von Lehrveranstaltungen eignet sich für ein breites Spektrum von Lehrveranstaltungen, die in der Form Vorlesung-Übung-Tutorium aufgebaut sind. Konkret in Planung ist die Umstellung der Lehrveranstaltungen zu Sachrechnen und Größen auf das vorgestellte Konzept mit Fokus auf Theorie und Praxis verbinden sowie Verständnis und selbstverantwortliches Lernen fördern.

 

Die vorgestellte Lehrveranstaltungskonzeption wird seit dem Studienjahr 2020/21 an der Pädagogischen Hochschule Kärnten für etwa 75-80 Studierende des Lehramts Primarstufe im ersten Studienjahr umgesetzt, evaluiert und stetig weiterentwickelt. Zusätzlich werden im Laufe der nächsten Studienjahre die Angebote in der Freien Didaktikwerkstätte für Studierenden im ersten Studienjahr ausgebaut. In Planung ist eine Schwerpunktreihe in Form einer Lernwerkstatt zum sinnvollen Einsatz und zur Erprobung didaktischer Materialien und substanzieller Aufgabenformate. Im weiteren Ausbau der Freien Didaktikwerkstätte sind auch Angebote für Lehrkräfte angedacht. Die Erklärvideos aus der Vorlesung können hier zur Auffrischung des fachlichen und fachdidaktischen Wissens zur Arithmetik eingesetzt werden.

Aufwand

Das Projekt hat außer dem enormen Zeitaufwand der Lehrveranstaltungsverantwortlichen keine Kosten verursacht. Der erhöhte Zeitaufwand ergibt sich durch die Vor- und Nachbereitung studierendenzentrierter Lehr- und Lernformen (z.B. Erstellung der Erklärvideos, Erstellung der Aktivitäten, Betreuung des Forums, Vorbereitung der Präsenzphase…) und regelmäßiger Besprechungen zwischen den Lehrenden.

 

Neben dem Zeitaufwand für die zu leistenden Vorbereitungen sind auch Bereitschaft und Fähigkeit im Umgang mit digitalen Formaten der Wissensvermittlung notwendig. Die Erklärvideos werden mit einer Bildschirmrekorder-Software anhand animierter PowerPoint Präsentationen erstellt und mit einem Schnittprogramm bearbeitet. Die Bereitstellung der Erklärvideos und der Arbeitsaufträge, die Realisierung der Quiz, Kreuzerllisten und Abgaben in den Übungen erfolgt über das digitale Lernmanagementsystem Moodle.

 

Darüber hinaus kann die gute Zusammenarbeit der Lehrveranstaltungsverantwortlichen im Team als wesentliche Voraussetzung für den Erfolg des Konzeptes hervorgehoben werden: Die Motivation durch gemeinsames Engagement die Qualitätsverbesserung in der Lehre voranzutreiben trägt wesentlich zum Gelingen bei.

Positionierung des Lehrangebots

Bachelor / 1. und 2. Semester

Links zu der/den Projektmitarbeiter/innen
Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2022 nominiert.
Ars Docendi
2022
Kategorie: Qualitätsverbesserung von Lehre und Studierbarkeit
Ansprechperson
Greiler-Zauchner Martina, MMag. Dr.
Institut für Pädagogik und Didaktik der Elementar- und Primarstufe
+436764222050
Nominierte Person(en)
Martina Greiler-Zauchner
Institut für Pädagogik und Didaktik der Elementar- und Primarstufe
Lobnig Tanja, Mag. Dipl.-Ing.
Institut für Pädagogik und Didaktik der Elementar- und Primarstufe
Themenfelder
  • Didaktische Methode
  • Infrastruktur
  • Neue Medien
  • Studieneingangs- und Orientierungsphase
Fachbereiche
  • Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik/Ingenieurwissenschaften