Forschendes Lernen in der militärwissenschaftlichen Bildung

Ziele/Motive/Ausgangslage

Das Forschende Lernen wird indirekt im §15(5) Ziffer 6 FH-AkkVO 2019 mit der Förderung einer aktiven Beteiligung der Studierenden am Lernprozess angesprochen. Ziel ist es daher, die Studierenden aktiv in Forschungsprojekte der hauptberuflich Lehrenden einzubeziehen. Dadurch wird den Studierenden die Möglichkeit gegeben, ihre Kompetenzen in Bezug auf das Forschen an sich zu stärken. Die Lehrenden wiederum können von den Erfahrungen bzw. vom Wissen der Studierenden profitieren, indem Teilprojekte von Forschungsvorhaben durch diese bearbeitet werden.

Das Durchschnittsalter der Studierenden am FH-Masterstudiengang Militärische Führung beträgt ca. 35 Jahre. Das bringt mit sich, dass die Studierenden über eine entsprechende, im Schnitt 10-jährige, strukturierte Berufserfahrung sowohl in Österreich als auch im Ausland verfügen. Auch die Diversität der Studierenden, aufgrund der einschlägigen militärischen Fachbereiche (diese werden Waffengattungen genannt), führt zu unterschiedlichem, hochspezialisiertem Wissen. Und dieses generierte Wissen gilt es zu nutzen – in Form des Forschenden Lernens.

Vor diesem Hintergrund wurde der Aspekt des Forschenden Lernens, in Form von Forschungsbegleitendem Lernen und Forschungsbasiertem Lernen, in die militärwissenschaftliche Bildung implementiert, um einerseits den Studierenden das wissenschaftliche, forschende Arbeiten zu erleichtern und andererseits die Expertise der Studierenden durch aktive Einbindung in Forschungsprojekte der hauptberuflich Lehrenden zu nutzen.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Durch das Prinzip des Forschenden Lernens, in Form von Forschungsbegleitendem Lernen und Forschungsbasiertem Lernen, werden Studierende des FH-Masterstudiengang einerseits auf das Forschen an sich bzw. das wissenschaftliche Arbeiten vorbereitet und andererseits aktiv in Forschungsprojekte der hauptberuflich Lehrenden einbezogen. Dadurch können die Erfahrungen, das vorhandene Wissen sowie differenzierte Sichtweisen der Studierenden in die Forschungsergebnisse einfließen.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

Through the principle of research-based learning, in the form of research-accompanying learning and research-based learning, students of the UAS Master's program are prepared for research per se or scientific work on the one hand, and on the other hand, they are actively involved in research projects of full-time teachers. In this way, the experiences, the existing knowledge as well as differentiated perspectives of the students can flow into the research results.

Nähere Beschreibung des Projekts

Das Forschende Lernen gibt den Studierenden des FH-Masterstudiengang Militärische Führung die Möglichkeit aktive Produzentinnen bzw. Produzenten von neuen Erkenntnissen zu werden. Damit diese allerdings eine Handlungssicherheit in Bezug auf das Forschen erlangen wird zu Beginn die Methode des Forschungsbegleitenden Lernens angewendet.

Forschungsbegleitendes Lernen unterstützt und unterweist die Studierenden in die Grundsätze des wissenschaftlichen Arbeitens. Diesem Prinzip wird beim FH-Masterstudiengang durch ein strukturiertes Diplomandenseminar Rechnung getragen, welches sich über zwei Semester erstreckt. Im 1. Semester des Masterstudiengangs werden unterschiedliche Lehrveranstaltungen über das Wesen der Wissenschaft im Allgemeinen sowie der Militärwissenschaft im Speziellen, den Forschungsprozess an sich aber auch über Ethik in der Forschung angeboten, um die Studierenden auf die Generierung von wissenschaftlichen Erkenntnissen einerseits in Form der zu erstellenden Masterarbeit aber auch in der Mitwirkung an Forschungsvorhaben der hauptberuflich Lehrenden vorzubereiten. Im 2. und 3. Semester sind durch die Studierenden der wissenschaftliche Arbeitsprozess zu organisieren, ein Forschungskonzept zu verfassen und vor Peers, andere Studierende, zu präsentieren. Darauf anschließend wird ein Forschungsexposé erstellt, präsentiert und vor einer Kommission ein wissenschaftlicher Diskurs geführt. Im 4. Semester ist aufbauend auf diese Erkenntnisse die Masterarbeit zu verfassen. Der Mehrwert ergibt sich dadurch, dass durch diesen aufbauenden Prozess regelmäßige Fortschrittsberichte der Studierenden abzuliefern sind und damit eine Kontrollschleife vorhanden ist. Notwendige Steuerungsmaßnahmen können daher ergriffen werden.

Die zweite Methode, das Forschungsbasierte Lernen, bezieht Studierende aktiv in Forschungsprojekte ein, indem sie als Partnerinnen und Partner der forschenden Lehrenden aktiv an der Entwicklung von Forschungsergebnissen beteiligt sind. Wilhelm von Humboldt führte dazu im Königsberger und Litauischen Studienplan folgendes aus: „Darum ist auch der Universitätslehrer nicht mehr Lehrer, der Studierende nicht mehr Lernender, sondern dieser forscht selbst, und der Professor leitet seine Forschung und unterstützt ihn darin.“ Während Lehrende dadurch zu Leitenden einer Forschergruppe werden, können Studierende ihre eigenen fachlichen Interessen mit der institutionellen Forschung verbinden. In kleineren (Teil-)Projekten, die in ihrem Umfang und fachlichen Anspruch für Studierende geeignet sind, können Studierende Teilaspekte selbständig anhand eigener Fragen und Hypothesen bearbeiten, behalten dabei den realen Bezug und können mitunter das Forschungsprojekt mit ihren Ergebnissen beeinflussen.

Im Rahmen des FH-Masterstudiengang werden in diesem Sinne Studierende in Forschungsvorhaben eingebunden. Beispielhaft kann die Bearbeitung von relevanten Subthemen in Bezug auf das Forschungsprojekt Militärlogistik 4.0 im Rahmen der Lehrveranstaltungen Theorie und Methode des militärischen Logistikmanagements bzw. Zukunft der Kriegsführung – Trends und neue Technologien angeführt werden.

Mehrwert

Forschendes Lernen prägt einerseits das didaktische Konzept in der militärwissenschaftlichen Bildung im Rahmen des FH-Masterstudiengang Militärische Führung und andererseits auch die Beziehung zwischen Lehrenden und Studierenden, denn sowohl Lehrende als auch Studierende begeben sich hierbei in einen teilweise strukturierten Lern- und Erkenntnisprozess. In der so entstandenen Lehr- bzw. Lernkultur kooperieren Lehrende und Studierende in Lehr-, Lern- und Forschungsprozessen aktiv und partnerschaftlich und konstruktive und fachliche Diskussionen erweitern den Horizont von beiden Personengruppen.

Dadurch werden nicht nur fachliche Kenntnisse und Fähigkeiten erworben oder angewendet und vertieft, sondern gleichzeitig eine Vielzahl von wichtigen fachübergreifenden Kompetenzen gefördert, die militärische Führungskräfte als Absolventen des FH-Masterstudiengang Militärische Führung für ihr späteres Berufsleben benötigen: vom Recherchieren und Konzipieren über den kompetenten und kritischen Umgang mit Daten bis zum schlüssigen Argumentieren. Dieser Kompetenzerwerb erfolgt durch angeleitete und selbstgesteuerte Lernprozesse. Nicht die Reproduktion abstrakten Wissens, sondern das Herstellen von interdisziplinären Zusammenhängen ist beim Forschen gefragt. Wer forschen kann, kann sich daher schnell auf Neues einstellen und mit komplexen Situationen umgehen. Und gerade das ist für militärische Führungskräfte in einem volatilen Umfeld essentiell.

Der wesentliche Mehrwert für Studierende:

• Vertiefende Kenntnisse in Bezug auf den Forschungsprozess sowie auf die zu verwendenden Forschungsmethoden.

• Selbständiges Erarbeiten von Produkten, welche für Forschungsprojekte der Institution einen wesentlichen Mehrwert liefern.

Der wesentliche Mehrwert für Lehrende bzw. Forschende:

• Differenzierte Sichtweisen können in die Forschungsprojekte einfließen.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Durch die Begleitung der Studierenden (Forschungsbegleitendes Lernen) während des Prozesses der Verfassung der Masterarbeit konnte sichergestellt werden, dass die fertigen Masterabreiten eine hohe Qualität aufweisen.

Durch die Mitwirkung von Studierenden an Forschungsprojekten (Forschungsbasiertes Lernen) der hauptberuflich Lehrenden am FH-Masterstudiengang Militärische Führung konnten wertvolle und fruchtbringende Erkenntnisse gewonnen werden, welche wiederum in die Ergebnisse Einzug gefunden haben.

Dieses Lehrprojekt wird bei den folgenden Masterstudiengängen fortgesetzt.

Aufwand

• Konzeption und Schaffung der Rahmenbedingungen (20 Arbeitsstunden)

• Betreuung der an einem Forschungsprojekt mitarbeitenden Studierenden (20 Arbeitsstunden)

Positionierung des Lehrangebots

Das Lehrangebot ist beim FH-Masterstudiengang Militärische Führung des Bundesministeriums für Landesverteidigung verortet. Es beginnt im 1. Semester und endet einerseits mit der Fertigstellung der Masterarbeit durch die Studierenden im 4. Semester bzw. andererseits mit der Beitragsleistung zu einem Forschungsprojekt.

Links zu der/den Projektmitarbeiter/innen
Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2022 nominiert.
Ars Docendi
2022
Kategorie: Forschungsbezogene bzw. kunstgeleitete Lehre
Ansprechperson
Andreas Alexa, Mag. Prof.(FH)
Landesverteidigungsakademie; Institut für Höhere Militärische Führung; FH-Masterstudiengang Militärische Führung
+436502195000
Nominierte Person(en)
Andreas Alexa, Mag. Prof.(FH)
Landesverteidigungsakademie; Institut für Höhere Militärische Führung; FH-Masterstudiengang Militärische Führung
Themenfelder
  • Didaktische Methode
  • Wissenschaftliche (Abschluss)Arbeiten
Fachbereiche
  • Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften