Akademische Ambulanz

Ziele/Motive/Ausgangslage

Bei der Akademischen Ambulanz handelt es sich um ein niederschwelliges Beratungsangebot, das allen (künstlerisch-)wissenschaftlich arbeitenden Personen an der Kunstuniversität Linz offen steht. Es ergänzt die konventionellen Angebote der Studienberatung und der Sprechstunden bei den Professor*innen. Gerade bei der Inanspruchnahme von bisweilen raren Sprechstundenterminen bestehen seitens der Studierenden manchmal Hemmungen, wenn sie eine für sie dringliche Frage als zu unbedeutend oder als noch zu unausgereift einstufen. Diese Einstellung birgt die Gefahr, dass sich kleine Probleme auswachsen und zur Stagnation führen können. Hier setzt die Akademische Ambulanz an. Der Beratungsstand aus Pappe, der sich direkt neben der Bibliothek befindet, ist Lucy van Pelts „Psychiatric Help“-Verschlag aus dem Comicstrip The Peanuts nachempfunden. Er ist jeden Mittwoch von 14:00 bis 15:15 durch Dr. (phil.) Barbara M. Eggert besetzt. Durch seinen intendiert improvisierten Charme und das augenzwinkernde Comiczitat (B. M. Eggert ist Comicsforscherin) fällt der Beratungsstand auf – und regt zum Nachfragen an. Oft kommt so der zufällige Erstkontakt zustande, der dazu führt, dass die Ambulanz zu einem späteren Zeitpunkt gezielt aufgesucht und/oder weiterempfohlen wird. Das von Eggert entwickelte Konzept fand wegen seiner Ungewöhnlichkeit auch in der Presse Resonanz. In der Ambulanz werden gemeinsam mit der Kunst- und Kulturwissenschaftlerin Dr. (phil. ) Eggert akute Problemfälle behandelt – seien diese ästhetischer, inhaltlicher oder formaler Natur. Hierbei kann es sich genauso um das Ausloten von Optionen Anmerkungsapparate, die künstlerischen und wissenschaftlichen Ansprüchen gerecht werden sollen handeln, wie um Probleme bei der Literaturrecherche oder dem Schärfen einer Forschungsfrage. Vom zeitlichen Umfang dauert ein Termin in der Ambulanz von 5 bis 30 Minuten – je nach individuellem Bedarf. Neben der öffentlichen walk-in Beratung am Stand finden auch Einzeltermine in der digitalen Ordination (Webex) oder in der analogen Kaffeehausordination im Hochschulcafé statt, die mehr Privatsphäre bieten. Wenn das Problem fernab von Bildschirm und Schreibtisch erörtert werden kann, weil z.B. keine Dokumenteneinsicht notwendig ist, kann auch das Angebot der ambulierenden Ambulanz wahrgenommen werden. Hier wird die Lösung gemeinschaftlich im Gehen an der Donau entlang erarbeitet. Auf Wunsch sind bei allen Formaten Folgetermine möglich, wenn es sich um längere Prozesse mit sich wiederholenden Situationen handelt, z.B. die Begleitung von Promovierenden durch die Vorbereitung auf Sprechstunden bei der Person, welche die Doktorarbeit betreut. Die Ambulanz bestärkt die Ratsuchenden ferner darin, andere Beratungsangebote der Universität zu nutzen, so diese für die jeweilige Situation einschlägig(er) sind, und sich mit Peers zu vernetzen. 

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Die von Barbara Margarethe Eggert konzipierte Akademische Ambulanz ist ein niederschwelliges Beratungsangebot, das allen (künstlerisch-)wissenschaftlich tätigen Personen an der Kunstuniversität Linz offen steht. Als Alternative für akute, punktuelle Fragen ergänzt die Akademische Ambulanz reguläre universitäre Angebote wie die Studienberatung und die Sprechstunden bei den Professor*innen. Gleichzeitig ermöglicht sie eine Beratung auf kollegialer Ebene, für die es im Arbeitsalltag oft zu wenig Raum gibt. Die Ambulanz wird in vier Formaten angeboten: a) als walk-in Option in Form eines Beratungsstandes mit einer fixen Ordinationszeit, b) als ambulierende Ambulanz, bei der akute wissenschaftliche Anliegen ohne die Notwendigkeit des Einbeziehens von analogen oder umfangreicheren digitalen Dokumenten während eines Spaziergangs an der Donau geklärt werden sowie, c) als private Kaffeehausambulanz im Hochschulcafé, d) als virtuelle Ambulanz via Webex für Personen, die nicht vor Ort sein können. Die Ratsuchenden können selbst wählen oder nachfragen, welche Form für ihr Anliegen am besten geeignet ist. Sie werden im Beratungsprozess darin bestärkt, akute Anliegen zu erkennen, zu benennen und diskursiv anzugehen. All dies sind wichtige Steps in Bezug auf die Entfaltung individueller wissenschaftlicher Weiterentwicklungspotenziale, die bei herkömmlichen Beratungsangeboten oft zu kurz kommen.

 

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

The Academic Outpatient Clinic, conceived by Barbara Margarethe Eggert, is a low-threshold counseling service that is open to all students and other (artistic) researchers at the Art University Linz. As an alternative for acute, specific questions, the Academic Outpatient Clinic complements regular university services such as student advising and office hours with professors. At the same time, it enables counseling on a collegial level - for which there is often too little room in everyday business.

The Academic Outpatient Clinic is offered in four formats: a) as a walk-in option in the form of a counseling booth with fixed office hours, b) as a walk together option, where acute academic concerns are clarified during a walk along the Danube, as well as, c) as a private coffee house outpatient clinic in the university café, and d) as a virtual outpatient clinic via Webex for people who cannot be on site. Those seeking advice can choose for themselves or ask which form is best suited to their concerns. During the counseling process, they are encouraged to identify and name acute concerns and to address them discursively. All of these are important steps in the development of individual academic development potential, which is often neglected in conventional counseling services.

Nähere Beschreibung des Projekts

Die Akademische Ambulanz wurde im Sommersemester 2020 von Barbara Margarethe Eggert konzipiert, die seit Februar 2019 als promovierte Kunsthistorikerin mit dem Schwerpunkt Text-Bild-Relationen das Team des Instituts für Kunst und Bildung in Forschung, Lehre und Administration unterstützt. Eggerts spezielle Expertise liegt im Bereich der Comics Studies, wobei ihr wissenschaftliches Interesse gleichermaßen dem Comic als Forschungsgegenstand und als (künstlerisch-wissenschaftliche) Forschungsmethode gilt. Dies prägt Eggerts Lehrveranstaltungen im Bereich Wissenschaftliches Arbeiten und ihre comicswissenschaftlichen Seminare und Ausstellungsprojekte. Der bewusst improvisiert gestaltete Beratungsstand aus Pappe, der der „Psychiatric Help“-Konsultationsbox von Lucy van Pelt aus dem Comicstrip The Peanuts von Charles Schulz nachempfunden ist, schafft einen Raum innerhalb der Hochschule, der durch seine Comicästhetik visuell signalisiert, dass es sich hier um ein Angebot handelt, dass sich von konventionellen Beratungssituationen unterscheidet – und dass hier akademische Anliegen ernst, aber nicht todernst genommen werden. Eggert setzt sich mit dem Projekt für die zielgerichtete, gleichwohl lustvolle Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Gebrechen inhaltlicher und formeller Natur ein und nimmt den Ratsuchenden die Angst vor den vielfältigen Herausforderungen inhaltlicher und formeller Natur, die sich beim Verfassen wissenschaftlicher Texte in der Regel automatisch ergeben. Insbesondere gilt dies, wenn es sich um den ersten wissenschaftlichen Text überhaupt oder um eine neue Textart wie z.B. ein Forschungsexposé handelt.

Durch die Positionierung direkt neben der Universitätsbibliothek liegt die Akademische Ambulanz für viele Studierende und das künstlerisch-wissenschaftliche Personal in einem transitorischen Bereich, der mehrmals wöchentlich durchmessen wird.

Als optische Irritation weckt der Beratungsstand die Neugierde der Vorbeikommenden und führt zu spontanen Nachfragen bezüglich des Angebots, das in der Regel zu einem späteren Zeitpunkt gezielt in Anspruch genommen wird. Hierdurch unterscheidet sich das Angebot von offiziellen Beratungsangeboten, die in der Regel hinter verschlossenen Türen stattfinden. Wer sich jedoch mehr Privatsphäre wünscht, kann auch einen Termin für eine Ordination im Kaffeehaus oder die virtuelle Ordination vereinbaren. Ferner gibt es noch das Angebot der ambulierenden Ambulanz, bei der akute Anliegen an der frischen Luft bei einem Donauspaziergang erörtert werden, so keine Dokumenteneinsicht am Tisch oder Bildschirm erforderlich ist.

Abgesehen von ihrer Funktion als Beratungsstandort dient die Akademische Ambulanz als Comiczitat gleichzeitig als Anlass zum informellen Austausch über das Medium, das in Frankreich als 9. Kunst firmiert, an deutschsprachigen Hochschulen aber immer noch unterrepräsentiert ist. Viele von Eggerts Gesprächspartner*innen werden erst durch das Gespräch auf das Angebot der Kunstuniversität Linz im Bereich Comics Studies aufmerksam und nehmen hierauf an den Lehrveranstaltungen und Ausstellungsprojekten von Eggert teil, die grundsätzlich allen Studierenden der Kunstuniversität Linz offen stehen.

 

Mehrwert

Das Projekt fördert Studierende und generell wissenschaftlich arbeitende Personen darin, ihre akuten Herausforderungen zu erkennen, zu benennen und den (wissenschaftlichen) Austausch zu suchen, ehe sich punktuelle Anliegen zu strukturellen Problemen auswachsen. Es unterstützt die Ratsuchenden darin zu analysieren, an welche Stelle – und ob überhaupt – das Aufsuchen einer anderen Beratungsinstanz (Studienberatung, professorale Sprechstunde) notwendig ist – und ist somit eine Zeitersparnis für die Studierenden wie auch für die Lehrpersonen.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Generell ist das Prinzip der Akademischen Ambulanz für alle Institutionen übertragbar, an denen selbständig wissenschaftlich gearbeitet wird.

 

Das Projekt fand zunächst in Präsenz im Beratungsstand neben der Bibliothek statt und wurde während des Shutdowns in den virtuellen Raum verlagert. Die Ambulanz wird in vier Formaten angeboten: a) als walk-in Option in Form eines Beratungsstandes mit einer fixen Ordinationszeit, b) als ambulierende Ambulanz, bei der akute wissenschaftliche Anliegen ohne die Notwendigkeit des Einbeziehens von analogen oder umfangreicheren digitalen Dokumenten während eines Spaziergangs an der Donau geklärt werden sowie, c) als private Kaffeehausambulanz im Hochschulcafé, d) als virtuelle Ambulanz via Webex für Personen, die nicht vor Ort sein können. Die Ratsuchenden können selbst wählen oder nachfragen, welche Form für ihr Anliegen am besten geeignet ist.

 

Nachfolgeprojekte: nach dem 31.1. abhängig von Vertragsverlängerung

Aufwand

Das Projekt fand im Rahmen der Dienstzeit statt und verursachte abgesehen von Materialkosten in Höhe von 30 Euro keine zusätzlichen Kosten. Es wurde Mobiliar der Hochschule verwendet, die Kartonage wurde dem Altpapier entnommen.

Positionierung des Lehrangebots

Potenziell richtet sich das Projekt an alle Studierenden der Kunstuniversität Linz die ein akutes, punktuelles akademisches Anliegen in Bezug auf eine Publikation oder ein Forschungsprojekt diskursiv klären möchten.

Das Projekt findet – abgesehen von den Semesterferien – als passgenaue Einzelberatung wöchentlich (je nach den aktuellen Auflagen in Bezug auf Covid-19 und aktueller Bedarfslage der Ratsuchenden) vor Ort an der Kunstuniversität Linz oder digital statt. Die Akademische Ambulanz richtet sich an alle (künstlerisch-)wissenschaftlich arbeitenden Personen ab dem ersten Semester und unterstützt diese bei der Überwindung akuter, punktueller Herausforderungen inhaltlicher wie formaler Natur beim wissenschaftlichen Schreiben von Texten von der Seminararbeit bis zum Exposé für ein Forschungsprojekt. Bei Bedarf kann das nicht in das Curriculum eingetaktete Beratungsangebot auch über mehrere Semester hinweg in Anspruch genommen werden.

 

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2022 nominiert.
Ars Docendi
2022
Kategorie: Qualitätsverbesserung von Lehre und Studierbarkeit
Ansprechperson
Dr. phil. Barbara Margarethe Eggert, MA, M.A.
Institut für Kunst und Bildung, Abteilung Bildnerische Erziehung
. +49 676 847 898 486
Nominierte Person(en)
Dr. phil. Barbara Margarethe Eggert, MA, M.A.
Dr. phil. Barbara Margarethe Eggert, MA, M.A.
Themenfelder
  • Organisatorische Studierendenunterstützung
  • Karriererelevanz des wissenschaftlichen Personals
  • Weiterbildung Lehrende
  • Wissenschaftliche (Abschluss)Arbeiten
Fachbereiche
  • Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften
  • Kunst, Musik und Gestaltung