Fachhochschule St. Pölten GmbH
Matthias Corvinus-Straße 15, 3100 St. Pölten
Weitere Beispiele der Hochschule

Integrierte Lehrveranstaltung „Controlling & Finance“ im Rahmen des Bachelor-Studiengangs „Management & Digital Business“ an der Fachhochschule St. Pölten

Ziele/Motive/Ausgangslage

Ziele und Motive: Die Absolvent*innen haben grundlegende Kenntnisse über die Ziele, Funktionen und Aufgaben von Controlling in Unternehmen sowie ihre Rolle und Zusammenarbeit mit anderen Organisationseinheiten. Sie wissen, wie Controlling in das Unternehmen organisatorisch integriert werden kann und wie die zentralen Prozesse im Controlling gestaltet werden können. Sie kennen die wesentlichen Instrumente des strategischen und operativen Controllings und können einen Konnex zu anderen, für das Controlling relevanten Bereichen herstellen (Finanzbuchhaltung oder IT). Überfachlich werden die Fähigkeiten der Analyse, Verhandlung und Argumentation und Visualisierung gestärkt.

Inhalte: Die Lehrinhalte umfassen Funktionen und Aufgaben des strategischen und operativen Controllings, Organisation des Controllings, integrierte Unternehmensplanung und Budgetierung, Management-Reporting, Analyse- und Steuerungsinstrumente auf der strategischen und operativen Ebene sowie Beispiele von Bereichscontrolling (z. B. Projektcontrolling, Personalcontrolling).

Ausgangslage und Didaktik: Die LV richtet sich an Studierende im 2. Semester im Bachelorstudiengang Management & Digital Business an der FH St. Pölten. Anhand eines Unternehmensplanspiels wird der Fachbereich Controlling & Finance berufspraktisch erfahrbar bzw. erlebbar gemacht, Future Work Skills bzw. überfachliche Kompetenzen, wie Selbstmanagement- und organisationale Kompetenzen sowie Teamwork werden gefördert.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

„Controlling & Finance“ ist eine Integrierte Lehrveranstaltung (Kombination aus Vorlesungs- und Übungsteilen), die sich an Studierende im 2. Semester im Bachelorstudiengang „Management & Digital Business“ an der FH St. Pölten richtet. Mit MMag. Christoph Blaha, MBA wird die LV von einem Experten sowohl in den Bereichen Corporate Finance, integrierte Unternehmensrechnung und Steuer- und Arbeitsrecht als auch in der Gestaltung und Durchführung von Unternehmensplanspielen geleitet. Zentrum der LV ist ein Unternehmensplanspiel (planspielguru.at), das den Fachbereich Controlling & Finance berufspraktisch erfahrbar bzw. erlebbar macht sowie Future Work Skills bzw. überfachliche Kompetenzen, wie Selbstmanagement- und organisationale Kompetenzen sowie Teamwork werden, fördert. Die Studierenden führen- in Kleingruppen in einem ersten Schritt alle dasselbe Unternehmen, bei welchem ganzheitliche unternehmensinterne Prozesse simuliert werden: Fragen strategischer Produktions- und Investmentplanung und der Umgang mit finanziellen Mitteln werden in diesem Zusammenhang sondiert. In einem zweiten Schritt entwickelt jede Gruppe auf Basis ihrer Erkenntnisse und daraus abgeleiteten Entscheidungen das Unternehmen individuell weiter. Gemäß dem Leitsatz „Sage es mir, und ich werde es vergessen. Zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten. Lass es mich tun, und ich werde es können“ werden wesentliche Kompetenzen im Berufsfeld Controlling & Finance greifbar vermittelt.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

"Controlling & Finance" is an integrated course (combination of lecture and exercise parts), which is aimed at students in the 2nd semester of the Bachelor's degree in "Management & Digital Business" at the UAS St. Pölten. With MMag. Christoph Blaha, MBA, the course is led by an expert in the areas of corporate finance, integrated company accounting and tax and labor law as well as in the design and implementation of business simulation games. The center of the course is a business simulation game (planspielguru.at), which focuses on the professional field of Controlling & Finance and makes it possible to experience and experience future work skills as well as interdisciplinary competences such as self-management, organizational skills and teamwork. In a first step, the students all run the same company in small groups, in which holistic processes are simulated: Questions of strategic production and investment planning and the handling of financial resources are explored in this context. In a second step, each group develops the company individually based on their findings. According to the motto “Tell me and I will forget. Show me and maybe I'll keep it. Let me do it and I will be able to do it ”, essential skills in the Controlling & Finance professional field are tangibly conveyed and implemented.

Nähere Beschreibung des Projekts

Im Rahmen der Lehrveranstaltung wird ein Planspiel eingesetzt, bei dem die Studierenden in Teams Unternehmen führen und diverse strategische und operative Entscheidungen treffen müssen. Je nachdem, wie gut diese durchdacht sind, entwickelt sich das jeweilige simulierte Unternehmen (besser oder weniger gut). Dabei stehen die Teams im Wettbewerb zueinander.

 

Eine (mögliche) Situation im Planspiel:

Das Team freut sich. Ein lukrativer Auftrag konnte an Land gezogen werden. Man hat die Mitbewerber geringfügig unterboten und schließlich den Zuschlag bekommen. Jetzt darf nichts schief gehen, um das Projekt in der vereinbarten Zeit umzusetzen. Anderenfalls droht eine Pönalzahlung. Material muss zeitgerecht beschafft und Maschinen müssen effizient eingesetzt werden. Hoffentlich kommt es zu keinen Lieferverzögerungen.

Glück gehabt, das Material wird zeitgerecht geliefert. Trotzdem treten erste Schwierigkeiten auf. Der Lieferant des Materials muss bezahlt werden, die Mitarbeiter erwarten ihre Löhne und Gehälter und auch die Miete ist bald fällig. Ein Kredit hilft, den Liquiditätsengpass zu überbrücken. Glücklicherweise ist die Bonität des Unternehmens hervorragend und die Fremdkapitalzinsen entsprechend günstig.

Nach mehreren Quartalen harter Arbeit ist es endlich soweit. Das Projekt wird erfolgreich abgeschlossen und kann übergeben werden. Die Freude wird rasch getrübt. Während der Vertragsverhandlung hat man sich hauptsächlich auf den Preis, aber relativ wenig auf die Zahlungskonditionen konzentriert. Das rächt sich jetzt. Der Kunde hat ein relativ langes Zahlungsziel herausgeschlagen. Das Geld wird erst kommendes Jahr fließen.

Volle Konzentration auf den Jahresabschluss. Die Vermögenswerte müssen bewertet und Abschreibungen ausgewiesen werden. Jetzt werden die Gewinn- und Verlustrechnung und die Bilanz erstellt. Interessant, obwohl die Cashsituation das ganze vergangene Jahr über durchwegs angespannt war, konnte ein attraktiver Gewinn erwirtschaftet werden. Dieser wäre sogar noch ein wenig höher, hätte man den Kredit nicht aufnehmen und dafür Zinsen bezahlen müssen.

Eine kurze Analyse der aktuellen Situation offenbart ein übervolles Lager. Hier ist relativ viel Kapital gebunden. Wenn es gelingt, die Materialbeschaffung besser mit dem Bedarf zu verknüpfen, könnte das Lager im kommenden Jahr abgebaut und Liquidität freigesetzt werden. Damit sollte es sogar gelingen, den aufgenommenen Kredit wieder zurückzahlen zu können.

Ob der Plan aufgeht, zeigt sich in der nächsten Runde. Auf geht‘s.

 

Zwischen den Spielphasen werden Controlling-Instrumente erarbeitet, die danach sofort im Planspiel praktisch angewendet werden müssen. Dabei festigen die Studierenden das gerade Erlernte und erkennen unmittelbar den Nutzen aber auch mögliche Herausforderungen in der direkten Umsetzung. Als Vortragender kann man diese Erfahrungen in den laufenden Reflexionen aufgreifen, diskutieren, analysieren und so das Erlernte weiter vertiefen. Dies maximiert den Lerntransfer und unterstützt den nachhaltigen Kompetenzaufbau.

 

Potenziale des Lernmodells Planspiel:

• Die Studierenden werden im Planspiel mitunter über den Spieltrieb motiviert. Auch jene Kolleg*innen, die möglicherweise noch kein starkes Interesse an der Controlling-Materie entwickelt haben, beteiligen sich intensiv und engagiert am Planspiel. Schließlich wollen sie gewinnen. Nicht selten wird dadurch die Begeisterung für das Thema entfacht.

• Im Planspiel wird zudem nicht nur Controlling-Knowhow aufgebaut. Es werden auch soziale Kompetenzen, wie Konfliktmanagement, Kommunikation und Verhandlungsführung, aber auch Zeitmanagement und zielorientiertes Arbeiten trainiert. Schließlich müssen unterschiedliche Sichtweisen der Studierenden abgeglichen, Entscheidungen im Team gemeinsam getroffen und bis zur vorgegebenen Deadline umgesetzt werden.

• Auch wenn der Fokus der Lehrveranstaltung auf Controlling-Inhalten liegt, bildet das Planspiel diverse betriebswirtschaftlichen Themenstellungen ab. So können Verbindungen zu anderen Bereichen gut nachvollziehbar und Controlling im Gesamtkontext der Unternehmenssteuerung dargestellt werden.

 

Gegenüber anderen Lösungen sind insbesondere drei Vorteile des hier verwendeten Planspiels herauszustreichen:

1. Betriebswirtschaftliche Abläufe werden nicht nur nachgestellt, sondern auf Basis von über 100 individuellen Teamentscheidungen pro Periode simuliert. Die Unternehmen entwickeln sich je nach getroffenen Entscheidungen individuell. Dies garantiert nicht nur eine hohe Motivation und entsprechend Spaß bei den Studierenden, sondern auch Lernen auf Basis eigener Fehler und Erfolge.

2. Im Planspiel werden 10 Jahre simuliert. Dadurch werden nicht nur kurzfristige Auswirkungen von Entscheidungen abgebildet, sondern auch deren langfristiger Effekt dargestellt. Die während der Lehrveranstaltung vermittelten Instrumente sind daher auch nicht nur operative Werkzeuge, wie eine Finanzplanung und ein Leistungsbudget, sondern auch jene des strategischen Controllings. So werden beispielsweise auch Investitionsentscheidungen getroffen und deren betriebswirtschaftliche Auswirkungen im Zeitverlauf abgebildet.

3. Das als haptisches Brettspiel eingesetzte Tool bildet alle Abläufe transparent ab. Im Gegensatz zum Einsatz von computerbasierten Simulationen gibt es keine „Black Box“ wodurch auch ohne Zutun und Erklärungen des Vortragenden Zusammenhänge der BWL weiter vertieft und verinnerlicht werden. Etwaige Wissenslücken, auch aus anderen betriebswirtschaftlichen Bereichen, werden dadurch automatisch reduziert.

 

Mehrwert

Gemäß des Leitsatzes „Sage es mir, und ich werde es vergessen. Zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten. Lass es mich tun, und ich werde es können“ werden wesentliche Kompetenzen im Berufsfeld Controlling & Finance greifbar vermittelt und umgesetzt und berufspraktisch erfahrbar bzw. erlebbar gemacht. Die Studierenden erkennen den Nutzen in der direkten Anwendung, was das nachhaltige Verständnis für das Thema fördert. Dadurch wird verhindert, dass Studierende die vermittelten Inhalte versuchen auswendig zu lernen, diese bei der Prüfung vielleicht zwar noch wiedergeben können, aber danach wieder relativ schnell vergessen.

Neben den Fachinhalten werden Future Work Skills bzw. überfachliche Kompetenzen, wie Selbstmanagement und organisationale Kompetenzen sowie Teamwork, gefördert. Das Planspiel dient während der gesamten Lehrveranstaltung als Illustrationsbeispiel. Es müssen keine Beispiele zur besseren Erklärung konstruiert werden. So kann man beispielsweise fixe und variable Kosten durch deren Anfall im Planspiel aufzeigen und Unterschiede veranschaulichen. Dies spart Vortragszeit, die für die Anwendung, Reflexion und Vertiefung verwendet werden kann.

Während der Lehrveranstaltung ist vom Vortragenden höchste Konzentration gefordert. Er muss sicherstellen, dass die simulierten Unternehmen entsprechend der vorgegebenen Regeln agieren, keine unzulässigen Absprachen erfolgen, aber auch die erlernten Instrumente richtig angewendet werden. Es gilt, den Überblick über mehrere Unternehmen parallel zu behalten. Die Erkenntnis, einen wichtigen Beitrag zum tiefgehenden Verständnis der Studierenden über Controlling und Finance geleistet zu haben, wiegt diese Anstrengung (die jene eines traditionellen Vortrages tendenziell übersteigt) aber mehr als auf.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Planspiele sind individuell gestaltbar und vielfältig sowie überfachlich einsetzbar, insofern ist eine Übertragbarkeit auf andere Lehrveranstaltungen und -situationen sehr flexibel möglich und gewünscht.

Im Planspiel wird ein Unternehmen mit diversen operativen und strategischen Herausforderungen und allen möglichen betriebswirtschaftlichen Prozessen abgebildet. Schnittstellen zu anderen Themenfeldern der BWL können dabei einfach beleuchtet werden oder der Themenschwerpunkt auf andere Bereiche gelegt werden.

Das eingesetzte Planspiel bildet für Studierende häufig einen Rahmen, in dem sich alle Teildisziplinen der Betriebswirtschaft abbilden lassen. Zusammenhänge und Schnittstellen zwischen den Bereichen können dadurch leichter erkannt und Gelerntes eingeordnet werden. Diese Methode führt daher nicht nur dazu, Controlling-Kompetenzen aufzubauen, sondern auch das sprichwörtliche „Big Picture“ über die Betriebswirtschaft im Kopf der Studierenden entstehen zu lassen.

Die Lehrveranstaltung „Controlling & Finance“ ist im Curriculum des Studiengangs „Management & digital Business“ verankert und wird somit regelmäßig, konkret jährlich im Sommersemester angeboten und u.a. auf Basis studentischer Evaluierung bzw. Evaluierungsdialogen und neuen didaktischen Erkenntnissen und Methoden im Bereich Simulation/Planspiel weiterentwickelt.

Aufwand

Aus Perspektive der FH St. Pölten verursacht das Lehrprojekt keine zusätzlichen Kosten und kann mit vorhandenen Ressourcen abgedeckt werden.

Das Planspiel wurde vom Vortragenden mit speziellem Fokus für die Vermittlung von Controlling-Know-how entwickelt und wird neben dem Einsatz in der Fachhochschule in der Weiterbildung in Unternehmen eingesetzt. Das Planspiel wird der FH kostenlos zur Verfügung gestellt.

Positionierung des Lehrangebots

„Controlling & Finance“ ist eine Integrierte Lehrveranstaltung (Kombination aus Vorlesungs- bzw. Wissensvermittlungs- und Übungsteilen), die sich an Studierende im 2. Semester im Bachelorstudiengang „Management & Digital Business“ an der FH St. Pölten richtet. Der Studiengang startete erstmals im Wintersemester 2020, die Lehrveranstaltung fand entsprechend bisher einmalig im Sommersemester 2021 statt und wird zukünftig jährlich im Sommersemester angeboten. Lehrveranstaltungsleiter ist mit MMag. Christoph Blaha, MBA ein Experte sowohl in den Bereichen Corporate Finance, integrierte Unternehmensrechnung und Steuer- und Arbeitsrecht als auch in der Gestaltung und Durchführung von Unternehmensplanspielen.

Links zum Projekt
Links zu der/den Projektmitarbeiter/innen
Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2022 nominiert.
Ars Docendi
2022
Kategorie: Lernergebnisorientierte Lehr- und Prüfungskultur
Ansprechperson
Dr. Irmgard Wetzstein, MA
Department Digital Business & Innovation
+43 676 847 228-440
Nominierte Person(en)
MMag. Christoph Blaha, MBA
Digital Business & Innovation / BA Management & Digital Business (Lehrbeauftragter)
Themenfelder
  • Didaktische Methode
  • Erfahrungslernen
Fachbereiche
  • Wirtschaft und Recht