Fachhochschul-Bachelorstudiengang Militärische informations- und kommunikationstechnologische Führung

Ziele/Motive/Ausgangslage

Das Ziel des FH-BaStg Mil-IKTFü (Fachhochschul-Bachelorstudienganges militärische informations- und kommunikationstechnologische Führung) ist eine Offiziersausbildung inklusive eines breit angelegten, anwendungsorientierten IKT-Schwerpunkts, jedoch ohne jegliche IKT-Spezialisierung – im Sinne einer Vertiefung in die Bereiche EloKa, IKT und Cyber. Dieses Ziel leitet sich aus den zugrundeliegenden beruflichen Tätigkeitsfeldern ab und erfordert ein hochschuladäquates Qualifikationsprofil der künftigen Absolventinnen und Absolventen.

Es werden alle jene Qualifikationen bzw. Kompetenzen vermittelt, welche die Absolventinnen und Absolventen dieses Studienganges als Truppenoffizier des ÖBH (Österreichischen Bundesheeres) für eine Einstiegsfunktion in einer Einheit bzw. in einem vergleichbaren Organisationselement benötigen, um den Aufgabenvollzug auch unter Einsatzbedingungen im multinationalen Verbund wahrzunehmen und den effizienten Einsatz und effektiven Betrieb von zeitgemäßen IKT-Systemen sicherzustellen. Analoges gilt für Führungskräfte vergleichbarer ziviler Organisationen, vornehmlich des Sicherheits- und Krisenmanagements. Dies wird erreicht durch didaktisches Handeln gemäß den Grundsätzen der Erwachsenenbildung im Rahmen der Lehre sowie der Gestaltung von Bildungsprozessen und Lernkulturen auf Basis des interdisziplinären Zusammenhanges von berufsspezifischen Teilgebieten. Die Umsetzung erfolgt in einem sechssemestrigen Studiengang (180 ECTS), welcher ein Berufspraktikum in der Gesamtdauer von 12 Wochen (20 ECTS und 1 ECTS praktikumsbegleitendes Seminar) inkludiert.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Inhaltlich verfügt die Absolventin bzw. der Absolvent des FH-BaStg Mil-IKTFü über die Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen, die erforderlich sind, um ein Organisationselement der militärischen Informations- und Kommunikationstechnologie – der IKT-Truppe – sowohl im nationalen und internationalen Einsatz in gemäßigten Klimazonen sowie im Frieden zu führen und die Aufgaben in Ausbildung und Dienstbetrieb erfolgreich zu bewältigen, als auch eine Einheitskommandantin oder einen Einheitskommandanten der IKT-Truppe in eingeschränktem Umfang vertreten zu können. Dabei ist es das Ziel, den Absolventinnen und Absolventen die methodischen Grundlagen und wissenschaftlichen Fähigkeiten zur lagebedingten Adaptierung der Entscheidungsfindungs- und Führungsprozesse sowie die technischen Grundlagen für die Aufgabenerfüllung im IKT-Bereich zu vermitteln. Die Verbindung der Inhalte der militärischen Führung mit den technischen Grundlagen der IKT ist das klare Schwergewicht des Studiengangs.

Des Weiteren ist sie bzw. er in der Lage, als Expertin bzw. Experte der militärischen IKT bei der Planung, der Errichtung und dem Betrieb der militärischen IKT-Infrastruktur im Tätigkeitsbereich ihrer bzw. seiner Funktion beizutragen.

Durch das erworbene Qualifikationsprofil ist die Absolventin bzw. der Absolvent ferner in der Lage, qualifizierte allgemeine und technische Managementfunktionen im zivilen Bereich der gesamtstaatlichen und internationalen Krisenbewältigung wahrzunehmen.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

In terms of content, graduates of the study-program military ICT leadership have the knowledge, skills and competences required to lead an organisational element of military information and communication technology (of the ICT force) both in national and international operations in temperate climate zones as well as in peace time and to successfully manage the tasks in training and service operations, as well as to be able to represent a unit commander of the ICT force to a limited extent. The aim is to provide graduates with the methodological foundations and scientific skills for adaptive decision-making and leadership processes to specific situations, as well as the technical basics for performing tasks in the ICT sector. The combination of the contents of military leadership with the technical fundamentals of ICT is the clear focus of the degree programme.

Furthermore, he or she is able to contribute as an expert in military ICT in the planning, establishment and operation of the military ICT infrastructure in the field of activity of his or her function.

Due to the qualification profile acquired, the graduate is also able to perform qualified general and technical management functions in the civilian area of nationwide and international crisis management.

Nähere Beschreibung des Projekts

Der geplante FH-BaStg Mil-IKTFü ist österreichweit konkurrenzlos und europaweit zumindest innovativ mit nur wenigen vergleichbaren Angeboten: Ein kompetitives Gehalt während des Studiums, ein sicherer Arbeitsplatz nach dem Studium und eine spannende militärische Führungsausbildung zur Offizierin bzw. zum Offizier in Kombination mit einer zukunftsweisenden IKT-Ausbildung bieten vielfältige Karrieremöglichkeiten beim ÖBH (Österreichischen Bundesheer), aber auch in der öffentlichen Sicherheit bei internationalen sicherheitsrelevanten Organisationen (VN, EU, OSZE, …) sowie im nationalen und internationalen privaten Sicherheitssektor.

Die Zielgruppe sind in erster Linie die Maturantinnen und Maturanten allgemeinbildender höherer Schulen und berufsbildender höherer Schulen, insbesondere HTLs (Höhere Technische Lehranstalten) sowie spezifisch die BHAK (Bundeshandelsakademie) für Führung und Sicherheit. Da mit mindestens zwei Bewerberinnen oder Bewerbern für einen Studienplatz gerechnet werden kann, wird die Eignung der künftigen Studierenden durch ausreichende Selektion im Aufnahmeverfahren als hoch angenommen.

Eine internationale qualitative Umfrage unterstreicht auch die hohe Akzeptanz einer militärischen IKT-Ausbildung. Parallel dazu zeigen die Zahlen ein hohes und in den letzten fünf Jahren zunehmendes Interesse an IKT-Studiengängen sowie gleichzeitig einen Nachfrageüberhang. Dies deutet auf eine hohe Akzeptanz eines zusätzlichen Angebotes mit IKT-Inhalten hin, wie es vom geplanten Mil-IKTFü-Studiengang vorgesehen ist.

Die inhaltlichen Interessen der potenziellen Bewerberinnen und Bewerber decken sich sehr gut mit dem geplanten Curriculum. Die vom Bedarf abgeleiteten Karrieremöglichkeiten decken sich ebenfalls sehr gut mit den Interessen der potenziellen Bewerberinnen und Bewerber. Offizierinnen und Offiziere auszubilden, die unterschiedliche IKT-Spezialistinnen und IKT-Spezialisten koordiniert einsetzen und führen können, um einer gemischten Bedrohung entgegenzuwirken, wird als sinnvolles Ziel des Mil-IKTFü-Studienganges wahrgenommen.

Der FH BaStg Mil-IKTFü zielt auf die Ausbildung von Führungskräften beim Österreichischen Bundesheer mit Spezialisierung im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien ab. Das Studium umfasst 180 ECTS auf 6 Semester verteilt.

Der Studiengang schafft ein breit angelegtes, anwendungsorientiertes Fundament an Kenntnissen, Fertigkeiten und Kompetenzen auf wissenschaftlicher Basis der Ebene EQR 6 in den Themenfeldern militärisches Führen, Taktik, Recht und spezifisches IKT-Recht sowie Informations-, Kommunikationstechnologie, IKT-Sicherheit und Informations- und Wissensmanagement. Die Ausbildungsinhalte werden in einer Form zu einem Ganzen zusammengeführt, welche den zukünftigen IKT-Offizieren jene Kompetenzen verleihen, ein ihnen unterstelltes IKT-spezifisches Organisationselement im Frieden und Einsatz führen zu können.

Die Absolventinnen und Absolventen müssen über

die Kompetenzen für die Anwendung von Regeln des wissenschaftlichen Arbeitens der Ebene EQR 6 verfügen, um militärische und Informations- und kommunikationstechnologische Problemstellungen nachvollziehbar und reproduzierbar lösen zu können;

die notwendigen IKT-Kompetenzen verfügen, um als Schnittstelle zwischen Bedarfsträger und Technik fungieren zu können;

grundlegende Kenntnisse militärischer Führung und der dafür erforderlichen pädagogischen Grundlagen verfügen, um ein ihnen unterstelltes Organisationselement führen und ausbilden zu können;

ein grundlegendes Verständnis für das taktische Handeln verfügen, um die IKT-Einsatzplanung an den taktischen Forderungen ausrichten zu können;

fortgeschrittene Kenntnisse in den erforderlichen IKT-Prozessen, Verfahren und zu berücksichtigenden rechtlichen Rahmenbedingungen verfügen, um normenkonform handeln zu können;

breite, grundlegende und vor allem anwenderorientierte Kenntnisse im Bereich der Informationstechnologie verfügen, um Planung, Bereitstellung und Betrieb von IT-Services sicherstellen zu können;

breite, grundlegende und vor allem anwenderorientierte Kenntnisse im Bereich der Kommunikationstechnologie verfügen, um Planung, Bereitstellung und Betrieb von verlegten und mobilen Netzwerken sicherstellen zu können;

breite, grundlegende und vor allem anwenderorientierte Kenntnisse im Bereich der IKT-Sicherheit verfügen, um den Schutz eigener IKT-Systeme sicherstellen zu können;

breite, grundlegende und vor allem anwenderorientierte Kenntnisse über das elektromagnetische Spektrum verfügen, um verfügbare Systeme auf Basis der grundlegenden Kenntnisse der elektronischen Kampfführung einsetzen zu können;

grundlegende Kenntnisse im Bereich des Informations- und Wissensmanagements verfügen, um einerseits eine bedarfsgerechte Informationsbereitstellung und andererseits ein organisationales Lernen zu ermöglichen;

fortgeschrittene Kenntnisse zur Planung, Bereitstellung, Betrieb und Schutz militärischer Einsatznetzwerke verfügen, um bedarfsorientierte Anforderungen oder komplexe Problemstellungen unter Einsatz verfügbarer Mittel lösen zu können.

Durch die Verbindung von militärischer Führung mit Inhalten der Informations- und Kommunikationstechnologie ergeben sich besondere Herausforderungen bei der Gestaltung des didaktischen Konzeptes. Die Vermittlung der Inhalte und deren Reflektion durch die Studierenden folgen einerseits militär-didaktischen und andererseits technik-didaktischen Methoden. Hinzu kommt der offene Zugang zum Studium, dass nämlich neben den militärischen auch zivile Studierende diesen Studiengang besuchen können. Das bringt Studierende mit unterschiedlichen militärischen und/oder technischen Kompetenzen in diesem Studiengang zusammen. Die Bandbreite der Teilnehmerinnen und Teilnehmer am gegenständlichen Studium reicht von nationalen und internationalen Studierenden mit einschlägiger Berufserfahrung im Militär bis hin zu Absolventinnen und Absolventen von allgemeinbildenden oder höheren berufsbildenden Lehranstalten mit und ohne technischer Vorbildung.

Dieser Diversität wird bei der Umsetzung der Lehre am FH-BaStg Mil-IKTFü durch die Wahl der passenden didaktischen Methoden entsprochen. Die Basis für das didaktische Konzept am FH-BaStg Mil-IKTFü ist das Theresianische Führungsmodell, welches auf den vier Basis-Kompetenzen nach Heyse/Erpenbeck aufbaut.

Die wesentliche Zielsetzung des Studienganges liegt in der Vermittlung der Kompetenzen zur militärischen informations- und kommunikationstechnologischen Führung unter Einsatzbedingungen, auch im multinationalen Umfeld. Dies begründet sich darin, dass einerseits diese militärischen informations- und kommunikationstechnologischen Leitungsaufgaben im täglichen Normbetrieb von den Einsatzaufgaben beeinflusst und andererseits Berührungspunkte zu anderen Stellen vor allem im Rahmen von Einsätzen in unterschiedlichster Art gegeben sind. Für die Forschung und Lehre im Bereich der militärischen informations- und kommunikationstechnologischen Führung ist neben dem Beherrschen der militärischen Grundkenntnisse und Prinzipien insbesondere ein Verständnis der Informations- und Kommunikationstechnologie im Allgemeinen aber vor allem im militärischen Kontext notwendig.

Dieser Herausforderung wird vor allem mit folgenden Maßnahmen entsprochen:

Der Studiengang wird bewusst als Vollzeitstudium angeboten, da eine intensive wissenschaftliche und praxisorientierte Auseinandersetzung mit der Thematik der militärischen informations- und kommunikationstechnologischen Führung unter Einsatzbedingungen notwendig ist, um die relevanten Inhalte systematisch reflektieren und auf andere Bereiche umlegen zu können.

Das Curriculum ist so gestaltet, dass zunächst jene Inhalte vermittelt werden, die für das Verständnis nachfolgender, meist detaillierterer Lehrinhalte die Basis bilden. Durch diese methodische Vorgangsweise sollen die Lernfähigkeit, das Erkennen und Vernetzen von logischen Zusammenhängen und die Leistungsbereitschaft der Studierenden gefördert werden.

Es wird auf ein möglichst günstiges Verhältnis zwischen Lehrenden und Studierenden geachtet, um eine optimale Betreuung zu ermöglichen.

Ein wesentliches Prinzip stellt die Symbiose der Vermittlung informations- und kommunikationstechnologischer Inhalte im Rahmen der Lehre, mit der Entwicklung der Kompetenzen zur militärischen Führung unter Einsatzbedingungen dar. Dabei wird immer wieder der Zusammenhang zwischen militärischer Einsatzführung und informations- und kommunikationstechnologischer Sicherstellung des Einsatzes gesucht. Auf der Basis des interdisziplinären Zusammenhanges dieser berufsspezifischen Teilgebiete werden die Inhalte wissenschaftlich reflektiert.

Durch den Einsatz von Lehrenden aus dem zivilen Umfeld wird nicht nur die aktuelle militärische Lehrmeinung vermittelt, sondern auf aktuelle Entwicklungen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie eingegangen.

Durch internationale Komponenten wird das Bildungsangebot abgerundet. Die Studierenden profitieren hier einerseits durch die Ausrichtung zahlreicher Lehrveranstaltungen auf internationale Inhalte sowie durch ausländische Gastvortragende am Studiengang und andererseits aufgrund vorgesehener Teilnahme an Ausbildungsvorhaben, auch im Ausland. (Zeit-)geschichtliche, sprachliche und interkulturelle Kompetenzen werden neben explizit ausgeworfenen LV vor allem interdisziplinär vermittelt. So ist in den meisten LV die englische Sprache zweite Arbeitssprache.

Insgesamt sind bei der Teilnahme von zivilen und internationalen Studierenden vor allem im Hinblick auf die Zielerreichung bedeutende Synergieeffekte zu erwarten. Diese werden insbesondere durch die unterschiedlichen Sichtweisen und Erfahrungen der einzelnen Hörerinnen und Hörer erzielt. Die individuellen Positionen werden in den einzelnen Lehrveranstaltungen in einem wissenschaftlichen Diskurs in den Vordergrund gestellt, um dadurch für alle Studierenden einen besonders hohen Profit zu ermöglichen.

Mehrwert

Dieser Studiengang bildet Offiziere heran, welche als Schanierfunktion zwischen den militärischen Führungskräften und den technischen Umsetzern, vor allem im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie, zum Tragen kommen. Dabei werden technik-affine Offiziere als Träger der Digitalisierung der Streitkräfte und als Basis für den Aufbau von österreichischen Cyber-Kräften herangebildet.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Dieser Studiengang hat vor allem dort Relevanz wo eine Übersetzungsleistung zwischen Führungskräften und Technikern in der Umsetzung von spezifischen technischen Lösungen notwendig ist.

Aufwand

Nach zweijähriger Entwicklungs- und einer einjährigen Implementierungsphase beginnt der Studiengang im Wintersemester 2022.

Positionierung des Lehrangebots

FH-Bachelorstudiengang mit Ausprägungen in den Bereichen Leadership und Informations- und Kommunikationstechnologie.

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2022 nominiert.
Ars Docendi
2022
Kategorie: Lehre und Digitale Transformation
Ansprechperson
Georg Kunovjanek, Ing. Mag. (FH) MSD PhD
BMLV, FH-BaStg Mil-IKTFü, Leiter Studiengang
0676/5492198
Nominierte Person(en)
Georg Kunovjanek, Ing. Mag. (FH) MSD PhD
BMLV, FH-BaStg Mil-IKTFü, Leiter Studiengang
Jürgen Wörgötter, Mag.
BMLV, FH-BaStg Militärische Führung, Leiter Studiengang und Leiter Entwicklungsteam
Alexander Treiblmaier, Mag. (FH) Dr. MA MSc
BMLV, FH-BaStg Mil-IKTFü, Leiter Dozentur IKT-Einsatz
Dominik Ertl, Dr. techn. Dipl.-Ing. Bakk. Tech
BMLV, FH-BaStg Mil-IKTFü, Leiter Dozentur IT-Grundlagen
Harald Gell, a.o. Prof.Dr. MSc MSD MBA
BMLV, FH-BaStg Militärische Führung, Leiter International Office
Themenfelder
  • Curriculagestaltung – Inhalt
  • Didaktische Methode
  • Internationalisation@home
Fachbereiche
  • Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik/Ingenieurwissenschaften
  • Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften