INNO2ILV: Innovationsmanagement

Ziele/Motive/Ausgangslage

Im Masterstudiengang "Mechatronik und Wirtschaft (MEWI)" wurden bis zum Jahr 2018 die beiden Lehrveranstaltungen „Innovationsmanagement“ sowie „Englisch“ getrennt voneinander im klassischen Format einer integrativen Lehrveranstaltung (Kombination aus Vorlesung und Übung) und einer Übung jeweils im Präsenzformat abgehalten.

 

Aufgrund verschiedenster Überlegungen (v.a. gesteigerte Flexibilität und Selbstorganisation für die Studierenden) sollten die beiden Lehrveranstaltungen in Zukunft gemeinsam unterrichtet und noch sehr viel praxisorientierter gestaltet werden. Um diese Praxisorientierung entsprechend sicherzustellen und in den Präsenzphasen die nötige Zeit dafür zu schaffen, sollten die notwendigen theoretischen Inhalte auch verstärkt über ein Inverted Classroom-Modell bereits im Vorfeld vermittelt werden. Folgende konkreten Ziele wurden für das Projekt definiert:

i. Um im Englisch-Unterreicht intensiver fachorientierte Inhalte (in diesem Anwendungsfall im Bereich des Innovationsmanagements) miteinzubeziehen sollten die beiden LVAs inhaltlich verschränkt werden, um damit die Inhalte von Innovationsmanagements auch in der Englisch-LVA zu vertiefen („English for specific purposes; ESP“).

ii. Überdies sollte ein integriertes LVA-Konzept auch die unterschiedlichen Kompetenzniveaus der heterogenen Studierenden in diesem Fachgebiet im nicht konsekutiven, berufsbegleitenden Masterstudium adressieren.

iii. Ein weiteres Ziel lag in der Erhöhung der praxisorientierten Umsetzung der vermittelten Inhalte sowie des Aktivitätsniveaus der Studierenden während der Präsenzzeit.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Im Masterstudiengang Mechatronik & Wirtschaft wurden die beiden Lehrveranstaltungen "Innovationsmanagement" sowie "Englisch" bis 2018 getrennt voneinander im klassischen Format einer sog. integrativen Lehrveranstaltung (Mischung aus Vorlesung und interaktiven Elementen) und einer Übung komplett in Präsenz abgehalten. Um den Studierenden eine gesteigerte Flexibilität und höhere Praxisorientierung zu bieten, wurde das TOMMS-Konzept (Topic Oriented Mixed-Method System) entwickelt, wodurch die Vermittlung der konzeptionellen Inhalte völlig in den Distance Modus verlagert wurde. Die Studierenden können sich dabei in thematischen Blöcken völlig flexibel die Inhalte selbst aneignen, beispielsweise durch das Ansehen von Videos, Absolvieren interaktiver Quizzes oder dem Lesen von Buchkapiteln. Die dadurch gewonnene Zeit wird dann herangezogen, um die selbst erlernten Inhalte anhand eines durchgängigen Lehrveranstaltungsprojekts anzuwenden, welches schließlich in der Planung und Durchführung eines Innovationsworkshops mündet. Eine Evaluierung des TOMMS zeigt im Vergleich zum klassischen Konzept einen höheren Kompetenzerwerb der Studierenden sowie eine höhere Zufriedenheit mit der Lehrveranstaltung. Aufgrund des großen Erfolgs wird das Konzept kontinuierlich weiterentwickelt und auch bereits auf andere Lehrveranstaltungen der Fakultät ausgerollt.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

Until 2018, the two courses „Innovation Management” and “English” were taught separately in the Master’s degree programme “Mechatronics and Business Management). To increase flexibility and practice orientation for students, the TOMMS concept (Topic Oriented Mixed-Method System) was developed, which led to shifting the teaching of conceptual foundation completely in a distance learning mode. The students can acquire the relevant content of the courses e.g. through watching videos, taking part in quizzes or reading articles and book chapters – while they remain completely flexible and when and from where they do so. The time which is freed up through that is used to transfer the conceptual knowledge to practical problems and actively practice the concepts and methods which are presented in the self-learning blocks. Towards the end of the course, students have to plan and conduct an innovation workshop, putting together all the knowledge they acquired throughout the course. An evaluation of the TOMMS concept in comparison to teaching the course in the classic way showed a higher level of competence after completing it. Moreover, students are also more satisfied with the class, which is why the concept gets continuously developed further and rolled out the other classes of the faculty as well.

Nähere Beschreibung des Projekts

Zur Erreichung der oben angeführten Ziele wurde ein umfassendes didaktisches Framework entwickelt, das auf einen Multi-Methoden Ansatz aufbaut und dabei Blended-Learning, projektbasiertes Lernen, Inverted Classroom und ESP kombiniert. Dieser Ansatz wurde aus dem Team der Antragsteller (K. Gaubinger und M. Docherty) mit dem Begriff „Topic Oriented Mixed-Method System (TOMMS)“ bezeichnet.

 

TOMMS strukturiert den Lehrstoff in einzelne Themen, die jeweils mittels der gleichen Vorgehensweise bearbeitet werden. Im Rahmen eines Präsenzblockes des Language Teaching Experts (Professor Englisch) erfolgt ein erster Kontakt der Studierenden mit grundlegenden Konzepten des jeweiligen Themas. Anschließend müssen sich die Studierenden in einem Selbstlernblock via Distance Learning mit der Theorie auseinandersetzen. Dies erfolgt über die digitale Lernplattform Moodle, wo den Studierenden zielgerichtet Videos, Texte sowie Quizzes und Tests zur Verfügung stehen. Dies gewährleistet, dass sich die Studierenden mit der Theorie in ihrem eigenen Tempo und asynchron und damit zeit- und ortsunabhängig auseinandersetzen können. Schließlich erfolgt im daran anschließenden Präsenzblock mit dem Content Expert (Professor Innovationsmanagement) die praxisorientierte Anwendung des bisher Erlernten insbesondere im Rahmen eines lehrveranstaltungsbegleitenden Projektes. Dies ermöglicht eine teamorientierte Problemlösung und fördert kritisches Denken. Beispielsweise haben sich die Studierenden in einer Selbstlerneinheit in Form von Quizzes und Videos mit dem Thema "Kreativitätstechniken" beschäftigt, die dann in einem anschließenden Präsenzblock auch praktisch angewendet wurden. Zum Schluss wurden alle Inhalte in dem schon angesprochenen begleitenden Projekt zusammengeführt - indem die Studierenden einen Innovationsworkshop planen und durchführen mussten.

 

Die Lehre kann aufgrund folgender Aspekte als besonders praxisnah und/oder forschungsbezogen beurteilt werden:

• Praxis: Lehrveranstaltungsbegleitendes Praxisprojekt entspricht einer „typischen Aufgabe“ innerhalb des MEWI-Berufsbilds.

• Forschung: Zum einen basiert TOMMS auf etablierten Modellen und Ansätzen im Bereich der Didaktik und Sprachwissenschaften (z.B. Englisch for specific purposes, Student Centered Learning (SCL), Blended Learning) und zum anderen publizierten die Autoren drei damit zusammenhängende wissenschaftliche Beiträge:

 

Der bestehende Ansatz wurde mittels zweier Studien evaluiert. Zum einen wurde auf empirischer Basis das Inhaltsverständnis der Studierenden überprüft. Es zeigte sich dabei, dass die Studierenden mittels dem TOMMS-Konzept im Vergleich zu einem klassischen Lehrveranstaltungskonzept einen höheren Kompetenzerwerb aufwiesen. Darüber hinaus wurde im Rahmen einer qualitativen Studie ermittelt, welche Vorteile die Studierenden in dem neuen Konzept sehen. Diese Ergebnisse ermutigen dazu, dieses Konzept auch in anderen Lehrveranstaltungen zu implementieren.

 

Durch das oben beschriebene didaktische Konzept von TOMMS wird das Engagement der Studierenden sowie kritisches und vernetztes Denken, Handeln und Problemlösen gefördert uns folgende relevanten Schlüsselqualifikationen des Studiengangs adressiert:

 

• Die Absolventinnen und Absolventen besitzen die Fähigkeit, grundlegende betriebswirtschaftliche Zusammenhänge zu erkennen und entsprechende Problemlösungstechniken anzuwenden und zwar von der Zieldefinition bis hin zur praktischen Umsetzung.

• Die Absolventinnen und Absolventen besitzen eine klare Kunden-, Produkt- und Ergebnisorientierung;

• Die Absolventinnen und Absolventen kennen moderne Kommunikations- und Präsentationstechniken und können diese zielgerichtet anwenden;

• Die Absolventinnen und Absolventen können eigenverantwortlich und teamorientiert im Berufsfeld arbeiten;

• Die Absolventinnen und Absolventen sind durch eine entsprechende fremdsprachliche Schulung in der Lage, insbesondere im technisch-wirtschaftlichen Umfeld mit Vertretern anderer Kulturkreise zu kommunizieren und zusammenzuarbeiten.

• Die Absolventinnen und Absolventen erlangen durch die breite technisch-wirtschaftlich orientierte Ausbildung die Flexibilität, sich in dem durch steten technologischen Wandel geprägten Berufsfeld Mechatronik/Wirtschaft neuen Entwicklungen und Herausforderungen anzupassen und sich auf Basis der erworbenen Kenntnisse und Kompetenzen effizient und zielorientiert weiterführendes Wissen und neue Kompetenzen anzueignen.

 

Bezüglich der lernfördernden Begleitung der Studierenden und dem Berücksichtigen des unterschiedlichen fachlich/technisches Vorwissens der Studierenden ist anzumerken, dass die Kursinhalte und Materialien überall und jederzeit über Moodle verfügbar sind, können die Studierenden sie konsumieren, wann sie wollen (innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens). Dies ist bekanntlich einer der größten Motivationsfaktoren des Distance Learnings. Da die Materialien mehr als einmal und im eigenen Tempo eingesehen werden können, ermöglicht dies ein individuelles Lerntempo, was an sich schon dazu beiträgt, das Vorwissen, über das die Studierenden verfügen, auszugleichen. Schließlich bieten die Lehrenden über Moodle zu jedem Thema Feedback und Unterstützung an, was die Verzögerung verringert und somit das Lernen und die Motivation erhöht.

 

Im Sommersemester 2020 konnten dann aufgrund der Corona-Pandemie die geplanten Präsenzblöcke nicht mehr durchgeführt werden, weswegen auch für diese Praxisphasen eine völlige Umstellung auf synchrones Distance Learning erfolgte. Die Anwendung bspw. von Kreativitätstechniken oder auch die Abhaltung der Innovationsworkshops wurde durch den Einsatz von digitalen Tools wie ConceptBoard oder Mural zur vollsten Zufriedenheit der Studierenden unterstützt.

Mehrwert

Aus dem Projekt ergibt sich ein vielfältiger Mehrwert für alle Beteiligten.

 

Für die Studierenden liegt der größte Mehrwert sicherlich in der massiv gesteigerten Flexibilisierung bei der Aneignung der LVA-Inhalte durch die Selbstlernblöcke und digitalen Inhalte, die jederzeit und flexibel abgearbeitet werden können. Gerade im Fall eines berufsbegleitenden Studiengangs wie MEWI kommt dies den Studierenden sehr stark entgegen, da diese weniger Präsenzphasen und damit auch weniger Wegzeit haben. Darüber hinaus ist die große Praxisorientierung für die Studierenden hervorzuheben, da die durch die Selbstlernblöcke gewonnene Zeit in den Präsenzphasen in die umfassende Anwendung der konzeptionell vermittelten Inhalte investiert werden kann. Gerade diese praktische Auseinandersetzung mit den Themen führt zu einer tiefgehenden Wissensvermittlung und -festigung und spannenden Diskussion mit den Studierenden, die sich intensiv mit der Materie beschäftigen können.

 

Für die Lehrenden liegt der größte Mehrwert ebenfalls in den intensiven Praxisblöcken mit den Studierenden, die es erlauben, noch sehr viel tiefer in die vermittelten Themen einzusteigen und anhand der praktischen Beispiele die Begeisterung für die Inhalte zu entfachen. Gerade für die Vermittlung der Grundlagen fällt auf der anderen Seite (nach initialer Entwicklung) der große Aufwand weg, für jeden Jahrgang die konzeptionellen Grundlagen in Präsenz zu vermitteln, da diese eben auf die Selbstlernblöcke verlagert wurden.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Das Konzept von TOMMS ist definitiv auch auf andere Lehrveranstaltungen übertragbar, es werden auch bereits Elemente davon in der LVA "Controlling III" im Masterstudiengang MEWI implementiert. Das Beispiel wird an der Fakultät und auch an der gesamten FHOÖ durch die Verleihung des Innovation in Teaching Awards als Best Practise für den erfolgreichen Einsatz von Methoden des Distance Learning kommuniziert, weswegen davon auszugehen ist, dass das Konzept in Zukunft auch in anderen Studiengängen Eingang finden wird - gerade die Corona-Pandemie wird hier auch einen Beitrag dazu leisten.

 

Das Konzept wird definitiv längerfristig eingesetzt, ist es doch seit 2019 schon im Einsatz und wird auch im Jahr 2021 (Sommersemester) wieder in gleicher Weise abgewickelt. Die Weiterentwicklung des Konzepts wurde ebenfalls bereits durch Corona angestoßen, indem auch die eigentlichen Präsenzblöcke im Distance Modus abgewickelt wurden. Darüber hinaus wird die Lehrveranstaltung jedes Jahr evaluiert und auf Basis der Rückmeldung der Studierenden weiterentwickelt.

Aufwand

Wie bereits beschrieben liegt bzw. lag der zusätzliche Aufwand des Projekts vor allem in der Entwicklung der Lernumgebung (Videos, Quizzes, ...) und der Lernmaterialen für die Selbstlernblöcke im Distance Format. Diese Inhalte müssen natürlich immer up-to-date gehalten und die Lernumgebung an neue technologische Entwicklungen angepasst werden.

Positionierung des Lehrangebots

Die Lehrveranstaltung "INNO2ILV: Innovationsmanagement" für die betreffende Einreichung ist im 2. Semester des FH-Masterstudiengangs "Mechatronik und Wirtschaft" an der FHOÖ / Fakultät Wels angesiedelt.

 

Der berufsbegleitende Masterstudiengang "Mechatronik und Wirtschaft" erstreckt sich über 4 Semester (120) ECTS und bietet den Studierenden die Wahlzweige Automatisierungstechnik, Smart Manufacturing oder Smart Mobility. Neben diesen technisch-mechatronischen Inhalten erhalten die Studierenden auch eine intensive Ausbildung in den Bereichen Betriebswirtschaft und Management (z.B. Innovationsmanagement, Marketing, Multiprojektmanagement) sowie Social Skills (z.B. Sprachkompetenz, Kommunikation, Leadership).

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2021 nominiert.
Ars Docendi
2021
Kategorie: Methoden des Distance Learning und deren nachhaltiger Einsatz
Hochschullehrpreis 2020
Kategorie:
Link zum Hochschulpreis
Ansprechperson
Alexander Brendel-Schauberger, Mag. Dr.
Campus Wels, Studiengang Innovations- und Produktmanagement
066499184148
Nominierte Person(en)
Kurt Gaubinger, FH-Prof. Ing. Mag. Dr.
Campus Wels, Studiengang Mechatronik & Wirtschaft
Mathew Docherty, FH-Assistenzprof. Ing. MA
Campus Wels, TOP Lehre & Zenrum für Hochschuldidaktik
Alexander Brendel-Schauberger, Mag. Dr.
Campus Wels, Studiengang Innovations- und Produktmanagement
Themenfelder
  • Curriculagestaltung – Organisation
  • Neue Medien
  • Didaktische Methode
  • Berufsbegleitend Studieren
  • Curriculagestaltung – Inhalt
  • Erfahrungslernen
Fachbereiche
  • Wirtschaft und Recht