Medizinische Universität Wien
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Basics of Laparoscopic Surgery – Ein innovatives Lehr- und Lernkonzept im Blended-Learning Format

Ziele/Motive/Ausgangslage

Chirurgisch interessierte Medizinstudierende hatten bislang nur wenige Möglichkeiten, abseits klinischer Praktika praktische Erfahrung im Bereich der laparoskopischen Chirurgie zu erlangen. Die Corona-Pandemie machte außerdem einen Kontakt von Studierenden zu Patient/innen für Lehrzwecke unmöglich. Um diese Herausforderungen zu bewältigen wurde auf Basis der aktuellen Erkenntnisse des Clinical Teachings ein Konzept erarbeitet, bei dem Studierende Lernziel-gesteuert ihr theoretisches Wissen erweitern und praktische Fertigkeiten erlernen können. Das Blended-Learning Format ermöglichte eine longitudinale Lernsteuerung anhand asynchroner Lernphasen mit synchronen Einheiten, abgerundet wurde der Lernprozess durch eine formative Prüfung. So konnte die theoretische Lehreinheit in den geblockten Präsenzphasen, die in Kleingruppen abgehalten wurden, auf ein Minimum reduziert werden, um einen maximalen Lernfortschritt der praktischen Fertigkeiten zu ermöglichen.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Um chirurgisch interessierten Medizinstudierenden das Erlernen praktischer Fertigkeiten im Bereich der laparoskopischen Chirurgie zu ermöglichen wurde ein Lehrkonzept erarbeitet, bei dem die theoretischen Inhalte mit Hilfe eines Online-Kurses erarbeitet werden sollten, bevor die Präsenzphasen in Kleingruppen durchgeführt wurden. Das Lehrkonzept im Blended-Learning Format wurde im Rahmen einer Lehrveranstaltung an der Medizinischen Universität Wien als freies Wahlfach implementiert. Für die Online-Phase wurde ein interaktiver Kurs auf der Plattform „Moodle“ eingerichtet. Die Inhalte wurden von den Studierenden online erarbeitet und durch eine formative Prüfung gefestigt. Anschließend fanden praktische Übungen an Simulatoren in Kleingruppen statt. Eine abschließende Evaluierung zeigte einen großen subjektiv empfundenen Lernfortschritt, ein gutes Verständnis der theoretischen Lerninhalte und den großen Wunsch nach weiteren Übungsmöglichkeiten.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

A teaching concept was designed to give medical students with interest in surgery the opportunity to train their skills in laparoscopic surgery. Theoretical content was provided via an online course, followed by the practical units in small groups. The teaching concept in a blended-learning format was implemented as an elective course at the Medical University of Vienna. The online unit was taught using the platform “Moodle”, after the self-directed learning process there was a formative test. Afterwards the practical unit was held using simulators in small groups. An evaluation showed that the students experienced a high learning progress, had a sufficient knowledge and wished to get more practice opportunities.

Nähere Beschreibung des Projekts

Relevanz und Bezug zu den Ars Docendi Kriterien 2021

Im den folgenden Abschnitten sollen die Eckpunkte des Projektes beleuchtet werden, das als Pilotprojekt im Wintersemester 2020 erfolgreich gestartet wurde. Das Lehrkonzept ist insofern innovativ, als dass es die aufgrund der Corona-bedingte Erschwernis physischer Kontakte durch den Einsatz des Blended-Learnings auf ein absolutes Minimum reduziert, ohne auf das notwendige praktische Üben verzichten zu müssen. Die erlernten theoretischen Inhalte wurden anhand einer formativen Prüfung über die Online-Plattform Moodle abgeprüft, eine Lernergebnisorientierung fand auch in der Praxiseinheit statt, wo vor und nach den Übungseinheiten ein Selbst-Assessment durchgeführt und abschließend eine formative Prüfungsaufgabe durchlaufen wurde. Zur Entfernung etwaiger Hürden und um alle Studierenden unabhängig von ihren praktischen und theoretischen Vorkenntnissen abzuholen wurden die Lehrinhalte strukturiert aufbereitet und im Moodle-Kurs so zur Verfügung gestellt, dass anhand unterschiedlicher Kompetenz-Niveaus alle Inhalte kontinuierlich zur Verfügung standen, um den Studierenden individuelle Lernzeiten und Wiederholungsmöglichkeiten zu bieten. Die eigens angefertigten Videos aller Instrumente, des Übungsprocederes und des theoretischen Hintergrundes waren durchgehend verfügbar, was das Lernen in der individuellen Geschwindigkeit der Studierenden ermöglichte. Die Praxiseinheit wurde im Rahmen des Grundkonzeptes an die individuellen Kompetenzen und Motivationen der einzelnen Studierenden angepasst, Studierende konnten aktiv den Übungsverlauf beeinflussen und sich selbst messen. Vorab definierte und kommunizierte Lernziele gaben den Studierenden ein klares Konzept der Lehrveranstaltung. Um den Unterricht lebendig zu gestalten, wurde besonders darauf geachtet, die Lehrinhalte der theoretischen Videos und der praktischen Übungen an reale Situationen anzulehnen und die Lehrvideos mit Videos von echten Operationen bzw. dem Einsatz der zu erlernenden praktischen Fertigkeit bei diesen Operationen zu ergänzen. Damit sollte einerseits die Motivation der Studierenden angeregt, als auch das Verständnis der Relevanz der aktuell erlernten Fähigkeiten vermittelt werden.

 

1. Einleitung

Im Rahmen des Wahlfaches „Basics of Laparoscopic Surgery“ (LV-Nr. 731.009) sollen Studierende der Humanmedizin an der Medizinischen Universität Wien die Grundlagen der laparoskopischen Chirurgie erlernen. Das Lern-/Lehrkonzept wird in den folgenden Abschnitten erläutert. Anhand eines Skriptums, das den Studierenden zur Verfügung gestellt wird, soll der Lernprozess der Theorie- und Praxiseinheiten unterstützt werden.

 

2. Lehrveranstalgungs-Organisation

Das Wahlfach wird vom Team der Adipositaschirurgie unter der Leitung von Univ.-Doz. Dr. Gerhard Prager organisiert und betreut. Aufgrund der in diesem Bereich verwendeten -hauptsächlich laparoskopischen - Operationstechniken bestehen eine große Expertise und langjährige Erfahrung. Davon sollen interessierte Studierende profitieren.

 

3. Lern-/Lehrkonzept

Die Lehrveranstaltung ist als Blended Learning organisiert. Dabei wird der Lernprozess im Laufe eines Semesters longitudinal über asynchrone Lerneinheiten, die online über Moodle angeboten werden, sowie über Praxiseinheiten in Kleingruppen entwickelt. Zur Lernsteuerung werden die theoretisch vermittelten Inhalte im Rahmen einer formativen Prüfung auf Moodle gefestigt, bevor die Studierenden das erlernte kognitiven Wissen in das Erlernen psychomotorischer Fähigkeiten überführen können. Definierte Lernziele werden an die Studierenden und Lehrenden kommuniziert.

 

4. Lernziele

Studierende der Humanmedizin ab dem 2. Studienabschnitt (3. Semester nach erfolgreicher SIP 1b) sollen nach der Teilnahme am Wahlfach „Basics of Laparoscopic Surgery“ (LV-Nr. 731.009) folgende Lernziele erfüllen können.

 

4.1. Kognitive Lernziele

1. Nutzen/Risiko der Laparoskopie kennen

2. Indikation/Kontraindikation der Laparoskopie anhand von anwendungsorientierten Fallvignetten nennen

3. Notwendige Instrumente/technisches Equipment benennen können

4. Wichtige Informationen für ein Aufklärungsgespräch von Patient/innen wissen und erklären können

 

4.2. Psychomotorische Lernziele

1. Benötigte Instrumente/technisches Equipment vorbereiten können

2. Trokare je nach Indikation korrekt setzen können

3. Kameraführung inkl. Kippen der Optik beherrschen

4. Laparoskopische Instrumente korrekt verwenden können

5. Extracorporalen laparoskopischen Knoten knüpfen können

6. Intracorporale Naht setzen können

7. Simulierte Szenarien eigenständig durchführen können

 

4.3. Affektive Lernziele

1. Stellenwert der Laparoskopie nach evidenzbasierten Kriterien reflektieren können

2. Kriterien zur Abwägung des Nutzen-/Risikoverhältnisses zwischen konventioneller und laparoskopischer Operation kritisch prüfen können

 

5. Lehrveranstaltungsstruktur

Die Lernziele sind anhand eines Flow-Charts in die Lerneinheiten eingegliedert, das gewählte Lernformat und der Zeitpunkt des Erreichens bzw. das geplante Assessment sind dabei auch angeführt.

 

6. Moodle-Kurs

Der begleitende Moodle-Kurs beinhaltete Lehrvideos zum theoretischen Hintergrund, sowie zu allen zu erlernenden Instrumente und Tätigkeiten. Die Inhalte wurden über die Plattform in weiterer Folge im Rahmen einer formativen Prüfung abgefragt. Das Blended-Learning Format ermöglichte eine selbstständige Erarbeitung der Lerninhalte durch die Studierenden in asynchronen Phasen und damit ein orts- und zeitflexiblen Lernen.

 

7. Praktische Übungen

Die praktischen Übungen fanden in Kleingruppen von je 5 Studierenden unter strengen Corona-Bestimmungen der Medizinischen Universität Wien nach Genehmigung durch die Studienabteilung statt. Dabei wurden anhand mehrerer Simulatoren die praktischen Übungen durchgeführt. Die Übungsgeräte sowie das Verbrauchsmaterial wurden von der Universitätsklinik für Allgemeinchirurgie zur Verfügung gestellt.

 

8. Course Book

Anhand eines Skriptums wurden alle hier geschriebenen Aspekte zusammengefasst und den Studierenden zur Verfügung gestellt. So wurde die Kommunikation der Lernziele sichergestellt und ein Lernen im individuellen Tempo in den asynchronen Lernphasen ermöglicht. Einzelbilder der Lehrvideos wurden inklusive der Beschreibungen dazu abgebildet, um neben dem Online-Kurs auch eine schriftliche Lernunterlage verwenden zu können.

 

9. Feedback und Evaluation

Im Rahmen der Lehrveranstaltung wurden die Studierenden immer wieder ermutigt, Feedback zu äußern, über den Moodle-Kurs war dies auch in anonymer Form möglich. Die einzelnen praktischen Übungen bzw. die individuelle Performance der Studierenden wurden jeweils durch die Studierenden selbst wie auch durch ein Feedback der Lehrenden evaluiert. Abschließend wurden die Lehrveranstaltung an sich und die einzelnen Lehrenden von den Studierenden evaluiert.

 

10. Ausblick

Nachdem bei den teilnehmenden Studierenden ein enormes Interesse an mehr Übungsmöglichkeiten besteht, wird eine weiterführende Lehrveranstaltung angestrebt. Außerdem soll in den kommenden Semestern die Infrastruktur für die Durchführung ausgebaut werden, um mehr Studierenden eine Teilnahme zu ermöglichen. Die Teilnahmeliste für das kommende Semester ist bereits voll, noch 3-mal so viele Studierende finden sich auf der Warteliste, was unser Bestreben zum Ausbau des Übungsangebotes vorantreibt.

 

 

Informationen der Lehrveranstaltungsplattform „MedCampus“ der Medizinischen Universität Wien:

 

Titel: Basics of Laparoscopic Surgery

Art: Seminar

Semesterstunden: 2

Vortragende: Dr. Jakob Eichelter, Dr.in Julia Jedamzik, Dr.in Lisa Gensthaler, Dr.in Larissa Nixdorf, Univ.-Doz. Gerhard Prager

Organisation: Univ.-Klinik für Allgemeinchirurgie

Inhalt:

Die teilnehmenden Studierenden lernen die theoretischen Hintergründe der laparoskopischen Chirurgie und wissen am Ende der Lehrveranstaltung über die Entwicklung der Technologie, die Anwendungsgebiete insbesondere im Bereich der Allgemeinchirurgie, die theoretische Durchführung mit möglichen Pitfalls und wichtigen Aspekten der praktischen Durchführung Bescheid.

Anhand eines Übungsmodelles sollen die Studierenden dann die gelernten Inhalte Schritt für Schritt praktisch umsetzen. Es wird die Möglichkeit geben, in Kleingruppen am Laparoskopie-Trainer die Kameraführung sowie die Durchführung erster simulierter chirurgischer Techniken zu üben. Dabei lernen die Studierenden etwa das laparoskopische Nähen und Knüpfen und können sich anhand einfacher Aufgaben im Laufe des Wahlfaches messen um ihren Fortschritt sichtbar zu machen.

Bei darüber hinausgehendem Interesse besteht die Möglichkeit, die laparoskopische Operationstechnik nach Absprache mit den Lehrveranstaltungsleitern das chirurgische Team in der Operationssaal zu begleiten und die Operationstechnik „live“ zu erleben.

Inhaltliche Voraussetzungen:

Erfolgreiche Abschluss des 1. Studienabschnittes (SIP 1b)

Unterrichtssprache: Deutsch

Lehr- und Lernmethode: Theoretischer Vortrag und praktische Übungsmöglichkeit in Kleingruppen

Abwicklung unterstützt durch Moodle: Ja

Abhaltungstermine: Geblockte Termine, es werden mehrere Termine im Semester angeboten

Teilnahmekriterien & Anmeldung: Über MedCampus

 

Mehrwert

siehe Projektbeschreibung

Positionierung des Lehrangebots

Das Lehrkonzept wurde im Rahmen eines Wahlfaches an der Medizinischen Universität Wien umgesetzt und ist für Studierende der Humanmedizin (Diplomstudium) ab dem 2. Studienabschnitt gedacht. Dabei wurden in der Pilotphase 20 Studierende in Kleingruppen unterrichtet.

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2021 nominiert.
Ars Docendi
2021
Kategorie: Digitale Transformation in der Lehre
Ansprechperson
Eichelter Jakob, Dr.
Medizinische Universität Wien, Universitätsklinik für Allgemeinchirurgie, Klinische Abteilung für Viszeralchirurgie
+43 69911175025; 01 40400 56811
Nominierte Person(en)
Eichelter Jakob, Dr.
Medizinische Universität Wien, Universitätsklinik für Allgemeinchirurgie, Klinische Abteilung für Viszeralchirurgie
Themenfelder
  • Neue Medien
  • Didaktische Methode
Fachbereiche
  • Medizin und Gesundheitswissenschaften