Digitale Lernplattform 2.0

Ziele/Motive/Ausgangslage

Der Lehrende übernahm im Sommersemester 2020 den Kurs „Zeitbasierte Medien im Web“, der im Rahmen des Schwerpunktes „Technologische Grundlagen des Digital Business“ an der JKU ursprünglich als geblockter Präsenzkurs angeboten wurde.

 

Ziel des Kurses ist es, Grundlagen, Abläufe und Einsatzmöglichkeiten unterschiedlicher, zeitbasierter Medien (Bild, Ton, Video, Sounddesign) kennenzulernen, sowie den korrekten Umgang mit diesen zu erlernen. Studierende sollen geschult werden, um diese Kenntnisse in der Praxis (zB. Website-Betreuung, Social-Media-Marketing, Produktdemonstrationen, Interviews usw.) anwenden zu können.

 

Im Zuge dieses Kurses wurden theoretischen Grundlagen wie Komposition, Struktur, Storytelling, Videoschnitt, Videoformate, Kameraeinstellungen und vieles mehr vermittelt. Anschließend wurden die erlernten Techniken mittels Live-Demonstrationen im praktischen Umfeld geschult. Der Kompetenzaufbau erfolgte schlussendlich durch ein Abschlussprojekt, bei dem die Studierenden das Gelernte praktisch umsetzen konnten. Dieser kooperative Präsenzkurs konnte aufgrund der Covid Situation in seiner bisherigen Form nicht mehr abgehalten werden konnte.

 

In einer sehr herausfordernden und dynamischen Zeit, bei der zum einen klassische Präsenzlehre nicht mehr möglich ist, zum anderen hohe zeitliche Flexibilität und innovative Wissensvermittlungsansätze von Studierenden gewünscht werden, stellte sich für den Lehrenden die Frage, wie digitale Lehre zu gestalten ist, sodass trotz virtueller Abhaltung und der daraus resultierenden fehlenden Anwesenheit im Seminarraum Wissen und Praxiserfahrung angehäuft werden können und die Motivation der Studierenden auf einem hohen Niveau gehalten werden kann.

 

Aufgrund der bisherigen persönlichen Erfahrungen mit klassischen Alternativen (Zoom/Moodle) wie fehlende Motivation bzw. geringe aktive Teilnahme seitens der Studierenden, war das Ziel, ein alternatives Lehrformat zu kreieren, das den zuvor erwähnten Ansprüchen gerecht wird. Webkonferenz-Tools wie Zoom/ Ms Teams haben definitiv ihre Daseinsberechtigung, sollten jedoch lediglich ergänzend, nicht jedoch exklusiv eingesetzt werden.

 

Daraus ergab sich folgende Fragestellung:

 

>>Wie können Studierende trotz fehlender Präsenzlehre, Wissen sowie Kompetenzen aufbauen und gleichzeitig motiviert und engagiert bleiben?<<

 

Ausgangslage klassische Präsenzlehre:

 

Klassische Präsenzlehre definiert sich durch eine/n Vortragende/n, die/der meist mithilfe von Präsentationsfolien Wissen vermittelt, Gruppen betreut, klassische Unterlagen (PDF Skripten, Folien) über universitätsinterne Plattformen (z. B. Moodle, Blackboard…) zur Verfügung stellt und evtl. erlerntes Wissen in Form von Online-Tests (MC, Projektuploads) oder Klausuren überprüft.

 

Problemfeld Wissensvermittlung:

 

Während bei der physischen Lehre die Kommunikation synchron erfolgt und Feedback direkt über nonverbale Mimik und Gestik wahrgenommen, sowie interpretiert werden kann, ist dies mittels ZOOM nur erschwert möglich. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass sich Studierende vom Lehrenden eher „berieseln“ lassen und einer aktiven Mitarbeit eher aus dem Weg gehen. Dies führt zwangsläufig zu Unaufmerksamkeit und folglich Wissenslücken, welche im nachträglichen Selbststudium aufgearbeitet werden müssen.

 

Da Folien, Skripte bzw. Zusatzliteratur tendenziell monoton gestaltet sind, greifen Studierende gerne auf optisch/ didaktisch ansprechendere, externe Quellen (Google/ Wikipedia/ Youtube/ alternativen Websites) zurück, welche jedoch inkorrekt sein können oder im falschen Kontext konsumiert werden. Dies führt dazu, dass ein fehlerbehaftetes oder veraltetes Faktenwissen aufgebaut wird.

 

Um dem entgegenzuwirken, können vom Lehrpersonal ausgewählte Quellen zum Beispiel in Moodle eingebunden werden, allerdings ist eine ansprechende Integration aufgrund technischer Limitationen seitens Moodle (fehlender Einbindung von HTML, ansprechende Präsentation des Lehrinhalts/ User Interface usw.) äußerst umständlich und schöpft den aktuellen Stand der Technik nicht vollends aus.

Aus diesem Grund stellt sich nun die grundlegende Frage, ob Lehrende die besagten Alternativen ignorieren können oder die technologischen Möglichkeiten proaktiv nutzen sollten, um die Lehre attraktiver und effizienter zu gestalten.

 

Aus der oben genannten Fragestellung lassen sich folgende Herausforderungen und Ziele für die geplante Onlinelehre ableiten:

 

Wissensvermittlung :

 

•Wie lässt sich das Wissen ohne physische Interaktion bestmöglich vermitteln?

•Wie können unterschiedliche Lerntypen angesprochen werden?

•Wie kann die Theorie mit praxisrelevanten Beispielen das Verständnis festigen?

•Wie kann der Studierende im Sinne des Storytellings durch die Lehrinhalte geführt werden?

 

Kompetenzaufbau

 

•Wie können Studierende das Erlernte ohne unmittelbares Feedback umsetzen und intensivieren?

Design und Funktionalität

•Wie können Lehrinhalte modern und innovativ präsentiert, sowie zeitlich unabhängig bearbeitet werden?

•Wie können externe Quellen attraktiv eingebunden werden?

• Wo soll der gesamte Lehrstoff (prüfungsrelevanter Stoff) zugänglich gemacht werden, sodass er auf einer Plattform verfügbar ist.

 

Support/ Feedback

 

•Wie kann der Studierende bei etwaigen Fragen ehestmöglich Support von dem Lehrenden erhalten?

•Wie/ wann erhält der Studierende vom Lehrenden Feedback?

 

Adaption/ Weiterverwendbarkeit

 

•Wie kann das verwendete System für andere Fächer wiederverwendbar sein?

•Wie muss eine interaktive Plattform gestaltet sein, damit sie, unabhängig von dem technischen Vorwissen des Lehrpersonals oder der Studierenden, betrieben/ bearbeitet werden kann?

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Aufgrund der aktuellen Auswirkungen der Pandemie wurde nach einem modernen und innovativen Lehrkonzept gesucht, dass die technologischen Möglichkeiten des Web 2.0 mit den Stärken der klassischen Präsenzlehre vereint.

 

Im Rahmen des Intensivierungskurses “Zeitbasierte Medien“ konnte ein Konzept erstellt und erfolgreich umgesetzt werden.

 

Bei der Wissensvermittlung lag der Fokus auf der Integration kontextabhängiger, abwechslungsreicher und interaktiver Medien (Text, Bild, Video, Ton), mit denen unterschiedlichste Lerntypen angesprochen werden sollen. Zudem soll die Theorie mit praxisrelevanten Beispielen untermauert werden.

 

Dank einem schlüssigen Aufbau wurden Studierende selbständig durch die Lektionen geführt und das erworbene Wissen wurde direkt am Ende jeder Lektion angewendet. Hierbei wurde vor allem Wert auf Support gelegt, damit Studierende jederzeit Kontakt mit dem Lehrenden aufnehmen können (Chat Funktion).

 

Das Ziel war, eine motivierende, digitale Lernumgebung zu schaffen, bei welcher sich Studierende Wissen nicht nur selbständig und zeitlich unabhängig aneignen, sondern dieses auch in praxisrelevanten Kurzprojekten anwenden können (Kompetenzaufbau).

 

Der Prototyp kann gerne unter: projekte4s.idb.edu/AK121600/design/ abgerufen werden.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

Due to the current effects of the pandemic, a modern and innovative teaching concept was sought that combines the technological possibilities of Web 2.0 with the strengths of classical classroom teaching.

 

Within the framework of the intensification course "Time-based Media", a concept was created and successfully implemented.

The focus was on integrating context-dependent, diverse and interactive media (text, image, video, sound) to address a wide variety of learning types. In addition, a good balance between theory and practical examples was key oft the concept.

 

Thanks to a coherent structure, students are guided independently through the lessons, and the acquired knowledge is directly applied at the end of each individual lesson. Support was emphasized so that students can contact the teacher at any time (chat function).

 

The goal was to create a motivating, digital learning environment in which students can not only acquire knowledge independently and at their own pace, but also practically apply it in short projects (competence building).

 

The prototype is available here: projekte4s.idb.edu/AK121600/design

 

Nähere Beschreibung des Projekts

Konkrete Umsetzung des Lehrkonzeptes des Kurses "Zeitbasierte Medien" für das Sommersemester 2020 unter Berücksichtigung der erwähnten Herausforderungen:

 

1. Präsenzeinheit:

 

Die erste Einheit wurde als klassische Präsenzveranstaltung abgehalten, dabei wurden kurz theoretische Aspekte erläutert, jedoch stand der Praxisbezug im Mittelpunkt. Ziel war es, das Interesse und die Motivation zu wecken, bisherige Erfahrungen zu diskutieren, auf die mannigfaltigen beruflichen Einsatzmöglichkeiten hinzuweisen sowie ein Teambuilding für die Gruppenkooperation der TeilnehmerInnen zu ermöglichen. Zudem wurden den Studierenden die Lehrplattform sowie die Abläufe demonstriert. Dies wurde damals noch vor Ort durchgeführt, alternativ würde die erste Einheit über Zoom stattfinden.

 

Zusammenfassend sollen somit in der ersten Einheit die Vision/ Mission/Ziele und Administration des Kurses abgehandelt werden, damit die Studierenden bestmöglich auf die Folgeeinheiten vorbereitet sind, Unsicherheiten vermieden werden und klar vermittelt wird, wofür und warum die Kursinhalte relevant sind bzw. welche praktischen Anwendungszwecke sich daraus ergeben.

 

2. Umstellung auf digitale Lehre:

 

•Wahl einer digitalen Lehrplattform

 

Basierend auf den oben genannten Herausforderungen wurde nach einem passenden System gesucht, welches den genannten Anforderungen gerecht werden kann. Schlussendlich fiel die Entscheidung auf WordPress, da diese in Sachen Geschwindigkeit, Verfügbarkeit, Sicherheit, Kosten, Usability und Funktionsumfang überzeugt hat.

 

•Entwicklung, Aufbau und Ablauf:

 

Die Plattform besteht aus 3 Hauptlektionen und den jeweiligen Unterkapiteln. Im Sinne des Storytelling werden die Studierenden dabei schrittweise und selbsterklärend durch die einzelnen Kapitel geführt und bauen dabei ein fundiertes Wissen auf. Dies setzt jedoch voraus, dass Lehrende den Stoff passend strukturieren und aufarbeiten. Um die Lernfortschritte laufend überprüfen zu können, sind diverse Prüfungsoptionen (Multiple Choice, Single choice, Text vervollständigen…) sowie Abgabemöglichkeiten (Uploads) integriert. Abschlussprojekte wurden deshalb gewählt, damit Studierende das Erlernte praktisch umsetzen können (Kompetenzenaufbau).

Erst nach jeweiliger Erledigung der Aufgaben wird die darauffolgende Lektion freigeschaltet.

 

Die einzelnen Lektionen wurden interaktiv gestaltet, dies gilt für die Präsentation der Inhalte sowie für die dargestellten Medien (Text, Slider, interaktive Bilder, Videos, ausgewählte Youtube Links usw.). Somit kann die Theorie mit praxisnahen Beispielen fortlaufend untermauert werden. Durch den Einsatz unterschiedlichster Medien gestaltet sich das Lehrerlebnis abwechslungsreicher und verschiedene Sinne können angesprochen werden (Sehen, Hören).

Darüber hinaus wurde das Seitenlayout den Inhalten optisch angepasst, um eine stimmige Lernumgebung zu schaffen.

 

Besonderes Augenmerk wurde auf den Support gelegt. Studierende können den Lehrenden über die globale Chatfunktion unkompliziert kontaktieren. Dieser wird per Mail über etwaige Anfragen informiert.

 

Das Finale der Lehre stellt ein Abschlussprojekt dar, wofür ein separater Bereich eingerichtet (Hall of Fame) wurde, um die Ergebnisse der Studierende entsprechend zu würdigen. Das Ziel hierbei war es, die Motivation der Studierenden zu steigern. Dies ist zum einen für das Feedbackgespräch nützlich, zum anderen soll es einen Überblick für zukünftige Studierende bieten.

 

Da Datenschutz und Sicherheit besonders sensible Bereiche darstellen, wurde der Zugang für Dritte mit einem Passwort beschränkt und die Seite auf universitätsinternen Servern gehostet. Studierende erhielten bei der ersten Einheit die Zugangsdaten.

 

 

•Wartung/ Inhaltserstellung:

 

Durch den Einsatz von passenden Plugins gestaltet sich das Einbinden von Inhalten als äußerst intuitiv und bedarf lediglich einer kurzen Einarbeitungszeit seitens der Lehrenden. Dies hat den Vorteil, dass auf Feedback oder inhaltliche Veränderungen/Aktualisierungen äußerst schnell reagiert werden kann.

 

•Auswertung/ Feedback:

 

Für Kurzprojekte wurde Studierenden Feedback per Mail gegeben, jedoch wäre es technisch einfach möglich, die Funktionalität von Moodle mit Wordpress zu kombinieren, sodass Beurteilungen von Aufgaben zentral im System erfasst werden können. Dies hätte zudem den Vorteil, dass jeder Studierende seinen individuellen Zugang zu seinen bisherigen Leistungen erhält, jedoch das Userinterface der neu entwickelten Plattform nutzen kann. Somit würden die besten Eigenschaften aus beiden Welten miteinander vereint werden. Aufgrund des hohen Zeitdrucks und der TeilnehmerInnenanzahl wurde bei diesem Prototyp bewusst darauf verzichtet.

 

Eine weitere spannende Möglichkeit wäre der Einsatz von SEO Tools, um das Nutzerverhalten der Studierenden anonymisiert zu analysieren. Die technische Umsetzung wäre auch hier dank WordPress ohne weiteres möglich, jedoch sollte dies unbedingt juristisch abgeklärt werden (DSGVO). Für den hier beschriebenen Kurs wurde daher darauf verzichtet.

 

3. Abschlussfeedback/ Reflexion

 

Nachdem die Studierenden ihre Abschlussprojekte auf die Plattform geladen haben, fand das finale Feedbackgespräch statt. Abhängig von der Teilnehmeranzahl kann dies individuell oder als Gruppendiskussion stattfinden. Hier sollten nochmals die Erfahrungen und Herausforderungen diskutiert und Feedback zum Abschlussprojekt gegeben werden. Zudem sollen Studierende auch Feedback/ Verbesserungsvorschläge bezüglich der Lehre geben können. Alternativ könnte ein Feedbackformular auf der Plattform integriert werden.

 

Feedback der Studierenden:

 

Das Feedback der Studierenden ist erfreulicherweise äußerst positiv ausgefallen. Der Kurs wurde als innovativ, abwechslungsreich, hilfreich, kreativ und interessant wahrgenommen. Besonders positiv wurde die inhaltliche mediale Aufbereitung erwähnt. Außerdem wurden das laufende Feedback und die zeitliche Unabhängigkeit sehr geschätzt. Die Rückmeldungen der Studierenden, sowie die erzielten Leistungen spiegeln eine hohe Lernbereitschaft wider. Alle Teilnehmer schlossen den Kurs positiv ab.

Mehrwert

• Effizienzsteigerung bei der Wissensvermittlung durch den Einsatz von interaktiven Medien, Quellen und Storytelling-Elementen

• Verbesserung des Verständnisses

• Kombination von Theorie und praxisrelevanten Beispielen

• Die Seite ist eine geschlossene Einheit, andere Plattformen/ Systeme werden nicht mehr benötigt

• Interaktivität

• Steigerung der Motivation in der digitalen Lehre

• Studierende werden durch die Inhalte geführt

• Abwechslungsreiche Lehre

• Ansprechendes, zeitgerechtes Design

• Kombination aus Hochschullehre mit Web 2.0 Anwendungen

• Inhalte lassen sich schnell austauschen/ aktualisieren

• Möglichkeit von Support/ Chat und Feedback wurde integriert

• Zeitlich unabhängige Bearbeitung

• Skalierbarkeit

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Das Konzept wurde mit dem Hintergedanken der Übertragbarkeit und Skalierbarkeit erstellt. Es lässt sich sehr einfach anpassen und für unterschiedlichste Fachbereiche adaptieren.

Aufwand

Kosten: Plugin Kosten (ca 100 €)

Entwicklungszeit/ Konzeptionierung: ca. 100 Stunden wurden in der Freizeit aufgewendet

Positionierung des Lehrangebots

Der Kurs wird im Rahmen des Schwerpunktes "Technologische Grundlagen des E-Business " an der JKU angeboten (Bachelor).

Links zum Projekt
Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2021 nominiert.
Ars Docendi
2021
Kategorie: Digitale Transformation in der Lehre
Ansprechperson
Stefan Küll, Mag.
Institut für Digital Business
+436604008001
Nominierte Person(en)
Stefan Küll, Mag.
Institut für Digital Business
Themenfelder
  • Curriculagestaltung – Organisation
  • Neue Medien
  • Didaktische Methode
  • Organisatorische Studierendenunterstützung
  • Kommunikation/Plattform
  • Weiterbildung Lehrende
  • Berufsbegleitend Studieren
  • Erfahrungslernen
Fachbereiche
  • Wirtschaft und Recht