Universität für angewandte Kunst Wien
Oskar Kokoschka-Platz 2, 1010 Wien

Co-ABILITY

Ziele/Motive/Ausgangslage

CO-ABILITY waren zwei Semesterprojekte (WS 2018/19, WS 2019/20), in denen Studierende aus Österreich (Ö) und Ungarn (U) im Sinne eines Erfahrungslernens ein gemeinsames fächerübergreifendes und inklusives Projekt umsetzten. Die Gruppen zeichneten sich durch hohe Heterogenität bzgl. Studienabschnitts (1.Sem. bis BA, MA, Alumni) als auch der Studienrichtungen wie Künstlerisches Lehramt; Social Design und Industriedesign aus.

Ziele von CO-ABILITY war es, Studierenden einen Raum für einen interdisziplinären und internationalen Austausch im Rahmen von Semesterprojekten zu ermöglichen. Hier sollte auch eine Qualitätsverbesserung in der Lehre stattfinden. Dies erfolgte durch Einholung von Evaluierungen nach bestimmten Lehreinheiten beider Universitäten, auf die dann folgend adaptierend aufgebaut wurde. Die Konzeption der Folgelehrveranstaltung im WS 2019/20 erfolgte auf Grund der Erkenntnisse der Evaluierungen seitens der Kooperation der Lehrveranstaltungsleitungen in Wien und Budapest. Seitens der Lehrenden, die in Budapest oder Wien Peer-Teaching durchführten, wurde etwa einmal die Methode Design Thinking von ungarischer Perspektive und einmal von österreichischer Perspektive angewandt und miteinander verglichen. Beide methodischen Annäherungen führten zu guten Ergebnissen, wenngleich sie sehr unterschiedlich waren. Die eine war sehr streng strukturiert, während die andere beispielsweise sehr den individuellen Prozess der künstlerischen Entwicklung in den Vordergrund rückte. Die Studierenden hatten wiederum den Wunsch mehr Feedback mittels digitaler Medien beider Lehrveranstaltungsleiter*innen zu erhalten und in die Abstimmung der Besuche in Wien und Budapest besser einbezogen zu werden (was auf Grund der unterschiedlichen Semesterstrukturierung nicht ganz einfach war und viel Anpassungsbereitschaft voraussetzte). Weiteres Ziel war Studierende unterschiedlicher Studienfortschritte und Disziplinen beider Länder miteinander zu vereinen, sie voneinander erfahrend lernen zu lassen, sie dabei zu unterstützen eine eigenständige forschungsgeleitete künstlerische Konzeption zu finden, zu entwerfen, zu dokumentieren, umzusetzen, auszustellen, dazu für einen Katalog beizutragen und ein Vermittlungskonzept der eigenen und gemeinsamen Arbeit zu entwickeln, das in Form eines Artist-Talks im Rahmen der virtuellen Ausstellung im österreichischen Kulturforum in Budapest präsentiert wurde. Üblicher Weise finden Semesterprojekte in den jeweiligen einzelnen Fachdisziplinen statt, setzen einen Schwerpunk auf Wissenschaft oder Kunst oder Vermittlung. Co-ABILITY vereinte alle Aspekte der Ausbildung. Zusätzlich wesentlich war hier auch Sprachhemmungen zu berücksichtigen, einen Raum des Vertrauens und des Verständnisses aufzubauen. Es gab auch einige Berufstätige und Mütter mit verschiedenen beruflichen Herausforderungen unter den Studierenden. Hier war wesentlich auf die besonderen und spezifischen Bedürfnisse einzugehen, Termine gemeinsam nach Möglichkeit zu vereinbaren und Verständnis und Wertschätzung zu pflegen. Es fand ein guter Austausch zwischen den Lehrenden und Studierenden statt.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Die interdisziplinären Projekte fanden mit Studierenden der Universität für Angewandte Kunst Wien und der Moholy-Nagy Universität für Kunst und Design, Budapest statt. Die Gruppen zeichneten sich durch hohe Heterogenität bzgl. Studienabschnitts (1.Sem. bis BA, MA, Alumni) als auch der Studienrichtungen wie Künstlerisches Lehramt; Social Design und Industriedesign aus. Im ersten Semester kooperierten wir mit inklusiven Schulen für schwerstbeeinträchtigte Kinder und Jugendliche in Wien und Budapest, im zweiten untersuchten die Studierenden die Dekonstruktion zeitgenössischer Gesellschaftsnormen und analysierten experimentell kulturelle Interpretationen der Begriffe ‘Fähigkeiten’ und ‘Beeinträchtigungen’. Ziel dieses Seminares war es, einen Blickrichtungswechsel auf Beeinträchtigungen einzunehmen und deren positive Werte zu erkennen. Hier wurden Theorien der Zusammenarbeit und gegenseitiger Ergänzung (posthumanistische Philosophie: Rosi Braidotti, kritische ‘Disability’ Studien) und didaktische Praxis mittels Design Thinking Methoden vermittelt. Studierende lernten gemeinsam eigene und fremde Beeinträchtigungen kennen, entwickelten Lösungs- oder Reflexionsszenarien, die sie im österreichischen Kulturforum Budapest während des Lock-down virtuell ausstellten. Zum ersten Projekt entstand ein Paper für ein Fachjournal, zum zweiten ein Katalog, eine Ausstellung incl. Artisttalks (Vermittlung) sowie Einladung zur Präsentation auf der Konferenz der Society of Artistic Research 2021.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

The interdisciplinary projects took place with students from the University of Applied Arts Vienna and the Moholy-Nagy University of Art and Design, Budapest. The groups were characterized by high heterogeneity of both the study section (1st semester to BA, MA, alumni) and the fields of study such as Art Education; Social Design and Industrial Design. In the first semester we cooperated with inclusive schools for severely impaired children and youth in Vienna and Budapest, in the second the students investigated the deconstruction of contemporary social norms and experimentally analyzed cultural interpretations of the terms 'abilities' and 'impairments'. The aim of this seminar was to take a change of perspective on impairments and to recognize their positive values. Theories of collaboration and mutual complementarity (posthumanist philosophy: Rosi Braidotti, critical 'disability' studies) and didactic practice using design thinking methods were taught here. Students learned together about their own and others' impairments, developed solution or reflection scenarios, which they exhibited virtually in the Austrian Cultural Forum Budapest during the lock-down. The first project resulted in a paper for a professional journal, the second in a catalog, an exhibition incl. artist talks (education) as well as an invitation to the presentation at the conference of the Society of Artistic Research 2021.

Nähere Beschreibung des Projekts

Im CO-ABILITY Projekt 1 sollten Studierende von Kindern mit schweren Beeinträchtigungen lernen, mit anderen (interkulturelle Kommunikation) und für andere (Design für andere Kulturen) zu entwerfen. Die Studierenden erwarben Kompetenzen in kritischen (Dis-)Capability-Studien, Design Thinking-Methoden, beschäftigten sich mit Co-Designing in internationalen und interdisziplinären Teams und erwarben Methodenkenntnisse für das neue Fach Werken in Österreich. Studierende lernten Zugänge zu eigenen und fremden Beeinträchtigungen kennen und die Bedeutung der Integration dieser Bereiche in den Designprozess, sowie der Co-Creation. Für das Projekt mussten die Studierenden Objekte rund um den Rollstuhl für die Kinder entwerfen. Um einen konstruktivistischen Ansatz zu entwickeln, war es wichtig, verschiedene Methoden und Modelle mit den Studierenden zu besprechen, damit sie verstehen, dass es nicht die eine richtige Methode oder das eine richtige theoretische Modell gibt. Eine Studierenden-Gruppe entwickelte ein Werkzeug mit dem man den Rollstuhl so schieben kann, dass Blickkontakt und nonverbale Kommunikation ermöglicht wird. Eine andere verknüpfte Kommunikation und Bewegung, indem sie ein neues Konzept für ein altes Spiel entwickelten. Ein anderes Projekt entwickelte einfach gestaltete Klangobjekte, die taktile Möglichkeiten eröffneten und zum gemeinsamen Musizieren anregten. Das Projekt Analogue Augmented Reality Game untersuchte einfache Spiele im Rollstuhl. Kinder konnten bestimmte Erscheinungsbilder verändern, um sich selbst oder andere zu veräppeln. Ein weiteres Projekt kombinierte Rollstuhl mit Trommelset und Drumstick-Pointer. Das Schlagzeug diente musikalisch veranlagten Kindern im Rollstuhl dazu, Bewegung zur Klangerzeugung zu nutzen. Der Trommelstock wiederum konnte als Zeigerorthese oder Armverlängerung eingesetzt werden. Alle Studierenden waren berührt, wie viel Veränderung Design durch die Entwicklung individuell angepasster Werkzeuge bewirken kann. Die Ergebnisse wurden in einem peer-reviewten Paper in einem Fachjournal publiziert.

Im PROJEKT 2 untersuchten die Studierenden Zusammenhänge zwischen Kunst und Design im Kontext zur Dekonstruktion zeitgenössischer Gesellschaftsnormen und analysierten experimentell kulturelle Interpretationen der Begriffe ‘Fähigkeiten’ und ‘Beeinträchtigungen’. Hier wurde auf die vereinbarten nachhaltigen Entwicklungsziele für eine bessere Welt (SDG 2015) eingegangen, besonders auf das Ziel 10, der Abschaffung von Ungleichheiten. Konkretes Ziel dieser beiden Seminare war es, einen Blickrichtungswechsel auf Beeinträchtigungen einzunehmen und positive Werte von Beeinträchtigungen zu erkennen. Hier wurden Theorien der Zusammenarbeit und gegenseitiger Ergänzung (posthumanistische Philosophie: Rosi Braidotti, kritische ‘Disability’ Studien) und didaktische Praxis mittels Design Thinking Methoden vermittelt. Durch klare methodische Struktur waren Lernziele erreichbar und das Studium trotz Covid-19 Einschränkungen motivierend durchführbar. In dem Projekt Visual Voices ermöglichte eine Studentin, allein durch die Stimme Bilder mit geometrischen Formen zu kreieren. Ein Programmcode analysierte die Stimmen und Geräusche und visualisierte diese durch digitale Grafiken, eine andere entwickelte ein Spiel-Werkzeug, welches ein gemeinsames Zeichenspiel erlaubt. Eine weitere äußerte sich in Form einer Tanzperformance, für welche sie einschränkende Körperorthesen entwickelt hatte und versuchte die psychischen Limits ihres eigenen Körpers zu überwinden. Eine weitere Studierende entwickelte eine Skulptur bei der 12 Brustwirbeln berührt werden können. Sie basiert auf der Geschichte von Mignaoh (12 Jahre alt), dessen Halswirbel aufgrund einer Knochenkrebserkrankung entfernt und durch einen 3-D gedruckten Titanwirbel ersetzt wurde. Sie eröffnet die Frage nach Kommunikation frei von dem Verständnis einer Lautsprache. Eine andere Studentin thematisierte in Trickfilmsequenzen Alltagsaspekte von Menschen mit Behinderung. Der Film zeigt wie Alltagsdinge zu komplexen Handlungen werden – und was es bedeutet, um Hilfe zu bitten.

Studierende aus den Bereichen Kunst- und Designpädagogik, Design, Industrie- und Social Design sind alle relativ jung, wenn sie ihre Ausbildung beginnen, und man muss sie behutsam an Themen heranführen, die vielleicht nicht ihre eigenen Bedürfnisse oder Erwartungen widerspiegeln. Durch die Heterogenität der Studien- und Altersgruppen und der unterschiedlichen Studienrichtungen entwickelte sich trotz herausforderndem Thema, Sprach- und Distanzbarrieren ein guter Austausch.

Obwohl es in anderen Ländern üblich sein mag, verpflichtende Designausbildungscurricula für Designer*innen und Designpädagog*innen mit Themen wie Beeinträchtigung zu haben, ist dies in Österreich und Ungarn leider noch nicht ausreichend der Fall. Solidarität und Menschlichkeit bilden das Fundament einer zukunftsfähigen Gesellschaft, in der keine/r zurückgelassen werden darf.

In Bezug auf Qualitätsverbesserung der Lehrveranstaltung wurde die erste Kooperation evaluiert und die Folgende entsprechend der Ergebnisse adaptiert. Hier wurde etwa zur besseren Studierbarkeit (trotz Herausforderung der unterschiedlichen Semesterrhythmen in Ö und U) der Ungarnaufenthalt gemeinsam mit den Studierenden festgelegt, der erfolgreiche „Parcour der Beeinträchtigungen“ und die Methode des Design Thinking auf Grund der positiven Resonanz wiederholt und verbessert angewandt, mehr Feedback via digitaler Medien gegeben. Im zweiten Jahr wurden die Folgetreffen durch Covid-19 von Zoom Meetings ermöglicht. Die Studierenden waren in beiden Projekten ständig angehalten ihre Arbeitsschritte kontinuierlich zu präsentieren und dokumentieren. Sie betonten in der Evaluierung die Studierbarkeit, die sich in „Realisierbarkeit der Projekte, Studienreise und Ausstellungskooperation, Workshops; Kontinuität; Themengebiet; Inputs; Ziel einer Finalen Ausstellung“ (Originalzitate der Studierenden) wiederspiegelten. Die Erkenntnisse der Evaluation flossen ein in Vorbereitung, Durchführung und Benotung, wobei die Vorbereitung in Form der sorgfältigen kollegialen Planung der Inputs seitens der Lehrenden in Ö & U bestand, in Bezugnahme auf die Evaluierung der vorangegangenen gemeinsamen Lehrveranstaltung. Die Durchführung sicherte eine ausgewogene Arbeitsbelastung durch Rücksichtnahme von Berufstätigkeiten und Kinderbetreuungen. Niemand verlor deshalb den Anschluss an das Seminar und die Doppelbelastung wurde wertschätzend berücksichtigt, in dem Treffen zu Zeitpunkten gelegt wurden, die für alle möglich waren. Eine Weiterentwicklung der Lehrveranstaltung fand statt, in dem die unterschiedlichen Herangehensweisen der Lehrenden sich gut ergänzten und man gegenseitig unterschiedliche didaktische Konzepte austauschte und anwandte. Die Studierenden wurden durch die didaktischen Methoden angehalten, eigene Forschungsfragen zu verfolgen und sich dadurch eigene Zugänge zu künstlerischen Umsetzungen zu entwickeln. Jede*r wurde individuell gefördert und betreut. Hier stand gerade auch der individuelle Zugang zu critical Dis-Ability studies im Vordergrund und die jeweilige persönliche Interpretation.

Als didaktische Methode diente in beiden Lehrveranstaltungen die strukturierte Design Thinking Methodik. Diese Methode wird international an vielen Schulen methodisch (in Österreich noch viel zu wenig) eingesetzt und wurde von der Einreicherin weiterentwickelt (Applied Design Thinking LAB and Creative Empowering of Interdisciplinary Teams. 20202 In: Springer Encyclopedia on Creativity, Invention, Innovation and Entrepreneurship (CI2E). Eds: Elias G. Carayannis, Igor N. Dubina, Norbert Seel, David F. J. Campbell, Dimitri Udiszuni. New York: Springer UND: Mateus-Berr, Ruth (2014) Applied Design Thinking LAB Vienna. Ein Versuch, künstlerische Forschung, Praxis, Theorie und Vermittlung in einer Lehrveranstaltung zu verknüpfen. Applied Design Thinking for Teacher Education. in: Ilse Schrittesser, Isolde Malmberg, Ruth Mateus-Berr, Martin Steger (Hg.): Zauberformel Praxis. Zu den Möglichkeiten und Grenzen von Praxiserfahrungen in der LehrerInnenbildung. Wien: nap)

Design Thinking besteht hier aus iterativen Prozessschritten mit unterschiedlichen Lernzielen, die in vorangehende und nach¬folgende Lernziele eingebettet sind.

Man gestaltet nicht ausschließlich für sich, sondern jemanden anderen: (man arbeitet in der Regel zu zweit) und erwirbt sich Wissen und Verstehen von Bedürfnissen anderer, lernt diese Erfahrung nach einem Analyseverfahren zu bewerten, Entscheidungen zu treffen, gewonnenes Wissen anzuwenden und eine Synthese aus eigenen und fremden Erfahrungen herzustellen. Forschung und Erschließung der Künste finden hier verwoben statt.

Bei Design Thinking geht es um Empathie: sich in jemanden anderen hineinfühlen. Gerade in unserer sehr individuell ausgerichteten Zeit und Digitalisierung ist die Fähigkeit zur Empathie wesentlich. Hier werden die Kommunikationsfähigkeiten, bspw. des Zuhörens geübt und experimentiert und Wissen generiert. Studierende lernen Dingen auf den Grund zu gehen: aktives Zuhören wird geübt um nach Möglichkeit ganz viele Details und Einzelheiten der Bedürfnisse des/der Anderen zu erfahren um ein Anliegen besser zu verstehen. Aber auch Recherche ist wichtig, ebenso wie Entscheidungen zu treffen: Nach ausführlicher Analyse muss eine Entscheidung getroffen werden in Bezug auf eingeholten Mitteilungen der Interviewpartner*innen: Hier findet die von Bloom (Bloom 1976) beschriebene Analyse, Synthese und Evaluation statt. Problemlösungen für die andere Person werden gesucht, entworfen, non verbal dargestellt und verbal ergänzt, Erfahrungen nach Bloom angewandt. Die Ergebnisse werden ausgetauscht, getestet: mit Hilfe einer SWOT Analyse wird festgehalten was für den/die andere*n funktioniert hat und was nicht- die Evaluierung findet bei Design Thinking iterativ durch Austausch statt. Aus dem Feedback wird ein Prototyp gestaltet, der vor allem etwas erfahrbar macht. Ergebnisse werden mit der Gruppe geteilt.

Der Kompetenzerwerb durch Design Thinking überschneidet sich stark mit den Taxonomien von Bloom: bereits während des Studiums mit Studierenden anderer Länder und (Lehramts-) Disziplinen zusammenzuarbeiten; die jeweiligen Fachkompetenzen einzubringen; zu lernen eigene Fragen und Lösungsvorschläge „in die Sprache der anderen“ zu übersetzen; zu lernen Methoden des Applied Design Thinking anzuwenden; künstlerische Praxis, Wissenschaft, und Vermittlung miteinander in einer Lehrveranstaltung zu verschränken; forschungsbasiert zu arbeiten; reflexiv zu arbeiten; ein Konferenzpapier zu verfassen und zu präsentieren; Kunst- oder Designobjekte auszustellen und in Katalogen darzustellen, mit unterschiedlichen Fachpersonen, Institutionen und Unternehmen zusammenzuarbeiten,

sowie auf diese Weise einen professionellen Habitus zu entwickeln (Vgl. Mateus-Berr 2014).

Die Kompetenzen die bei Co-ABILITY erworben wurden bestanden aus den weit bekannten 21st Century Skills, bestehend etwa aus interdisziplinären und internationalen Kommunikations- und Kollaborationsfähigkeiten, kritischem Reflektieren, sozialen und kulturellen Bewusstsein, Problemlösungskompetenzen, wissenschaftliche und künstlerische Umsetzungsfähigkeiten, Kreativität, etc. In der Abschlussevaluation schrieben die Studierenden: „Ich habe von Ruth Mateus-Berr viel für meine künstlerische Arbeit gelernt. Doch darüber hinaus habe ich extrem viel über Projektmanagement, Führungsfähigkeiten, Motivation, Wertschätzung, Zusammenarbeit in der Gruppe und mit anderen Institutionen, verschiedenen Formen der Kommunikation und Strategien der Problemlösung und -bewältigung“, „dass es wichtig ist, auch sich auch in die Perspektiven der fremden Disziplin einzuarbeiten“, „Diversität als Ressource wahrnehmen und damit Inklusion ermöglichen“, „Zuversichtlich zu bleiben und den Prozess als Gesamtes zu erleben, zu dem auch Fehlschläge und Missverständnisse gehören“, „mich mit anderen Studierenden auszutauschen und andere Zugänge zu sehen, den künstlerischen Prozess als Gesamtes zu erleben“, „motiviert werden um das Projekt künstlerisch durchzuziehen und die eigene Entwicklung zu reflektieren“, „Erweiterung meiner Skills“, „Trotz der erschwerten Umstände im Zuge von COVID-19 hat die Zusammenarbeit im Team mit den Studierenden der Universität für Angewandte Kunst, als auch die Kommunikation mit Ruth Mateus-Berr wirklich gut funktioniert.“ Durch das gewonnene anonymisierte Feedback der Studierenden, wird angenommen, dass die angestrebten Lernergebnisse und höherwertige Kompetenzen erzielt wurden, indem ein Raum geschaffen wurde, in dem Studierende selbstständig geeignete Wege zu Problemlösungen suchen mussten, und auf das Wissen und die Erfahrung der Gruppe aufbauen konnten.

Mehrwert

Lehrende lernen wie Studierende voneinander. Durch die klare Strukturierung, Methoden- du Themenwahl förderte dieses Projekt 21st Century Skills, und Kompetenzen nach Bloom, und bot eine ausgewogene Arbeitsbelastung. Studierende erlebten, wie man in einem Semester Kunst, Forschung, interdisziplinären Austausch auf internationaler Ebene erfolgreich verknüpfen und präsentieren kann. Der internationale Austausch unter Studierenden in Zeiten politischer Anspannung ist wesentlich. Trotz politischer Konflikte miteinander im Gespräch zu bleiben und sich auszutauschen ermöglichte gerade Künstler*innen und Designer*innen in dieser Zeit in Ungarn Rückhalt und bestärkte Studierende der Angewandten sich mit Mut für demokratische Prinzipien zu engagieren. Studierende wurden durch CO-ABILITY ermutigt, denn sie lernten mit Fähigkeiten und Beeinträchtigungen - und Inklusion - anders umzugehen. Durch den offenen Austausch mit den Lehrenden konnten sie erfahren, dass Mitsprache und Co-Creation gelebt werden können. Sie lernten, dass Forschung, Erschließung der Künste, Vermittlung inklusive Präsentation (Ausstellung) und wissenschaftlicher Dissemination in einem Semester gut vereinbar sind.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Das Konzept wird bereits seit 2007 erfolgreich und kontinuierlich eingesetzt und ständig evaluiert und überarbeitet. Die Ergebnisse werden auf Konferenzen und auch HIER publiziert: Mateus-Berr, Ruth (2020 2ed) Applied Design Thinking LAB and Creative Empowering of Interdisciplinary Teams. In: Springer Encyclopedia on Creativity, Invention, Innovation and Entrepreneurship (CI2E). Eds: Elias G. Carayannis, Igor N. Dubina, Norbert Seel, David F. J. Campbell, Dimitri Udiszuni. New York: Springer UND: Mateus-Berr, Ruth (2014) Applied Design Thinking LAB Vienna. Ein Versuch, künstlerische Forschung, Praxis, Theorie und Vermittlung in einer Lehrveranstaltung zu verknüpfen. Applied Design Thinking for Teacher Education. in: Ilse Schrittesser, Isolde Malmberg, Ruth Mateus-Berr, Martin Steger (Hg.): Zauberformel Praxis. Zu den Möglichkeiten und Grenzen von Praxiserfahrungen in der LehrerInnenbildung. Wien: nap)

Es ist hervorragend übertragbar und wird bereits von ehemaligen Studierenden, die nun Lehrende, Pädagog*innen und bspw. Design Manager sind, angewendet.

Aufwand

Alle interdisziplinären Projekte erfordern mehr Zeit für Absprache. Das was man von den Studierenden verlangt, muss man selber auch durchführen (im Sinne des role-models) und der Glaubwürdigkeit. Anträge wurden gestellt, die natürlich auch Zeit kosten, aber erfolgreich waren. Somit waren die Reisekosten und Produktionskosten für die künstlerischen Arbeiten gedeckt. Der Austausch erfolgte – durch Antragstellung und Förderung der Austria-Hungary Research & Education Foundation: Knowledge Sharing Exchange Programm, sowie des Ungarischen Nationalen Kunstinstituts (NKA) (2018-2020)

Positionierung des Lehrangebots

Das Lehrveranstaltungsformat war ein künstlerisches Seminar für Lehramtsstudierende in Österreich, in Ungarn ein künstlerisches Seminar für sämtliche Designdisziplinen. Studierende konnten vom 1.Semester bis zum BA oder MA teilnehmen. Auch Alumni waren eingeladen. Es war also eine höchst heterogene Gruppe der Studienrichtungen Künstlerisches Lehramt: Bildnerische Erziehung, Technisches und Textiles Werken; Social Design der Universität für angewandte Kunst Wien und Industriedesign, Glasdesign, Kunst & Design, Automobildesign der Laszlo Moholy Nagy der Universität für Kunst und Design Budapest.

Links zu Social Media-Kanälen
Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2021 nominiert.
Ars Docendi
2021
Kategorie: Qualitätsverbesserung von Lehre und Studierbarkeit
Ansprechperson
Ruth Mateus-Berr
Zentrum Didaktik der Kunst und interdisziplinären Unterricht
+436767776128
Nominierte Person(en)
Ruth Mateus-Berr
Zentrum Didaktik der Kunst und interdisziplinären Unterricht
Themenfelder
  • Rund ums Evaluieren der Lehre
  • Neue Medien
  • Didaktische Methode
  • Organisatorische Studierendenunterstützung
  • Employability
  • Karriererelevanz des wissenschaftlichen Personals
  • Berufsbegleitend Studieren
  • Erfahrungslernen
  • Internationalisation@home
Fachbereiche
  • Kunst, Musik und Gestaltung