A-BWL für Wirtschaftsinformatiker/innen einfach anders? – „Mastering the Basics to strive for Excellence!“

Ziele/Motive/Ausgangslage

Viele von Ihnen erinnern sich vielleicht noch an die Zeit, als Sie das erste Buch aufschlugen und zu erarbeiten begannen. Obwohl Sie motiviert waren, fehlte das Gesamtverständnis und die Frage kam einem in den Sinn: „Wofür brauche ich denn das überhaupt?“

Die Ausgangslage im Jahr 2018 war ganz klar, die Erkenntnisse aus der Evaluation und den persönlichen Gesprächen mit den Studierenden zeigten das Bild, dass vor allem ein Grundlagenfach wie Betriebswirtschaftslehre für Wirtschaftsinformatiker (Anfang 1.Semester) per se noch keine ersichtliche Applikationsmöglichkeit bot. Die Studierenden erarbeiteten sich zwar unter Anleitung den Stoff, jedoch fielen Motivation und vor allem die Langlebigkeit des Wissens oft sehr schnell der Vergessenskurve anheim. Seitdem wir diese Lehrveranstaltung übernahmen, begannen wir auch damit dieses Grundlagenfach anzupassen, im Sinne einer gelebten Feedbackkultur Erkenntnisse zu verwenden und dadurch die Qualität kontinuierlich zu verbessern. Folgend war es auch für uns herausfordernd, die Inhalte für Betriebswirtschaftslehre für Wirtschaftsinformatiker an die interdisziplinäre Kultur des Studiengangs: „Management, Communication & IT“ an der Schnittstelle von Informatik, Management und Kommunikationswissenschaft auszurichten.

Im ersten Schritt betrachteten wir das Curriculum holistisch und erfassten alle relevanten Inhalte, auf denen in den Folgesemestern aufgebaut werden sollte. Im zweiten Schritt holten wir uns qualitatives Feedback der Modulverantwortlichen. Im dritten Schritt richteten wir den Fokus auf Messbarkeit von Lernerfolg und Standardisierung. Im vierten Schritt dachten wir über berufsermöglichende Inhalte und den Praxisbezug nach - besonders im Fokus auf einen schnelleren Einsatz (hands-on) und die Reduktion der kognitiven Belastung durch Workshop-basiertes lernen.

Das Resultat war der Aufbau der Inhalte anhand von sechs zielgerichteten Modulen, ein zusammenhängender Businessplan, der die Grundlagen anhand von praxisgerechtem Aufbau vermitteln sollte:

-Geschäftsidee / Strategieentwicklung / Budgetierung

-Rechtsform und Standort

-Marketing und Vertrieb

-Markt und Wettbewerb

-Organisation und Prozesse

-Finanzierung

 

Die Module wurden von Anfang an unter Einbeziehung eines Blended Learning Ansatzes erarbeitet, dafür verwendeten wir unter anderem Tools zur Schätzung von Arbeitsbelastung (“How Much Should We Assign? Estimating Out of Class Workload,” 2016). Alle Tools und Vorlagen wurden unter der Prämisse der Reduktion der kognitiven Belastung erstellt und den Studierenden von Anfang an zur Verfügung gestellt, ohne dass diese die Konzeption selbst erarbeiten müssen.

Die Motive waren klar, oder, wie Henry Ford schon sagte: “Quality means doing it right when no one is looking.” Wir hatten das Ziel uns kontinuierlich verbessern zu können, deswegen spezifizierten wir diverse Quality Gates innerhalb des Semesters, bzw. auch innerhalb des gesamten Studiums, um den Beitrag zum Gesamterfolg sichtbar und messbar zu machen.

Qualität wird ganzheitlich betrachtet, deswegen werden unterschiedliche Arten des Feedbacks, unterschiedliche Arten von Daten (quantitativ und qualitativ), sowie subjektive (aus Sicht der Lehrenden und aus Sicht der Studierenden) und objektive (ergebnisorientiert MC-Test, LV-Evaluierung) Komponenten miteinbezogen. Unter Auswertung der gesammelten Daten betrachten die Lehrenden die Unterschiede zu den Vorjahren und verfeinern hierbei, im Sinne einer kontinuierlichen Qualitätsverbesserung, die Handlungsempfehlungen.

 

Was besonders zu erwähnen gilt, ist auch die Bereitschaft von vielen Studierendengruppen den Businessplan, den sie im ersten Semester erarbeiteten, nicht ad acta zu legen, sondern, dass einige diese Geschäftsideen sogar umgesetzt haben. Hierbei stehen ihnen die Lehrenden und auch der Studiengang bzw. unser dritter Kollege aus der Praxis, der Unternehmensberater und selbst erfahrene Startup Gründer und Coach zur Seite. Diese fördernde Umgebung und insbesondere die Schnittstelle zwischen unterschiedlichen Disziplinen, sowie der Praxis und der Theorie, erlauben es uns, dieses Konzept als vollen Erfolg zu präsentieren, da unsere quantitativen (Ergebnisse und Evaluationen) als auch qualitativen (Feedback) Aufzeichnungen die Bemühungen zu einer ganzheitlichen Integration von Grundlagenfächern als Unterbau für exzellente Ergebnisse bestätigen.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Die integrative Lehrveranstaltung wurde konzipiert, um unterschiedlichen Herausforderungen zu begegnen, die sich einerseits im Rahmen der Erfahrungen aus der langjährigen Durchführung und andererseits durch die Feedbacks der Studierenden herauskristallisiert haben. Diese Herausforderungen bezogen sich vor allem auf die unterschiedliche Vorerfahrungen hinsichtlich IT- bzw. BWL-Inhalten, teilweise fehlende Praxiserfahrungen sowie Qualitätssicherung und -steigerung durch integrierte Betrachtung von IT- und BWL-Inhalten über das Studium hinweg. Deshalb entstand die Idee, die Studierenden im Rahmen der Lehrveranstaltung bereits im ersten Semester an integrativen Businessplanen arbeiten zu lassen. Ziel dabei soll es sein, dass Studierende frühzeitig im Studium eine erste eigene und integrative Praxiserfahrung machen können, um so die Lernerfahrungen im weiteren Studienverlauf leichter einordnen und darauf aufbauen zu können. Wichtig dabei war uns vor allem die interdisziplinäre Zusammensetzung des Teaching Teams – einerseits bezogen auf die Fachbereiche - aber auch auf den Praxisbezug. Deshalb besteht das Team neben interner Faculty auch aus einem erfahrenen Unternehmensberater, Start-Up Gründer und Coach. In sechs Blöcken erhalten die Studierenden Input zu unterschiedlichen, für den Business Plan relevanten Themen und werden dabei von den Lehrenden durch ständige Feedbackblöcke begleitet.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

This integrative course was designed to meet various challenges that emerged from the experience gained over the duration of the course on the one hand, and from the students’ feedbacks on the other hand. These challenges mainly related to different previous experiences with IT or business administration contents, lack of practical experience for some students and thneed for quality assurance and excellence through integrated consideration of IT and business administration content throughout the study program. Therefore, we developed the idea to have the students work on integrative business plans as part of the course in the first semester already. The aim is to enable students to gain their own integrative practical experience early on in their studies, so that they can more easily classify and build on the learning experiences in the further course of their studies. Above all, the interdisciplinary composition of the teaching team was important to us - on the one hand based on the subject areas - but also the practical experience. Therefore, the team consists of internal faculty as well as an experienced management consultant, start-up founder and coach.

In six blocks, the students receive input on various topics relevant to the business plan and are accompanied by the lecturers through constant feedback blocks. For this, the lecturers must work together throughout the semester. The lecturers also assess the course together.

Nähere Beschreibung des Projekts

Abbildung 1: Betriebswirtschaft für Wirtschaftsinformatiker – siehe Linksammlung

„Kann mich ein Grundlagenkurs wirklich dabei unterstützen den Pioniergeist in der digitalen Welt zu fördern?“. Wie wir besonders in der jetzigen Situation der COVID-19 Pandemie sehen, werden traditionelle Betriebe und Unternehmen immer mehr auf die Probe gestellt, sich schnell zu adaptieren, neue Lösungen zu finden und mittels neuer Dienstleistungen, Produkte und Services bestmöglich auf den Markt und die Diskontinuität sowie Komplexität zu reagieren.

Agieren anstatt zu reagieren ist definitiv notwendig, um die Bildungslandschaft an diese wechselnden Anforderungen anzupassen. Am Management Center Innsbruck, insbesondere im Studiengang „Management, Communication & IT“ versuchten wir früh das Potenzial der Studierenden, die Diversität der Kenntnisse und die initiale Motivation aufzugreifen und somit den roten Faden, den Nutzen einer Lehrveranstaltung sowie die einzelnen Inhalte, die in den folgenden Semestern bearbeitet werden, zu verknüpfen und damit das integrierte „Big Picture“ von mehreren Blickpunkten zu beleuchten. Dies geschieht durch den strukturierten Aufbau in sechs Module mit finaler Beurteilung. Am Ende bereiten die Studierenden einen Investor Pitch vor und präsentieren ihre Ergebnisse vor einer vierköpfigen Jury, bestehend aus den drei Lektoren*innen und dem Studiengangsleiter, bzw. dem Leiter der IT-Services, um auch die Applikation und den IT-Bezug, der die Digitalisierung in der Transformation stützt, haarscharf zu reflektieren. Die Benotung besteht hierfür zu 60 % aus der Abgabe des Businessplans (Umfang ca. 50 Seiten) und zu 40 %der Bewertung des Investor Pitches mittels eines standardisierten Präsentations-Bewertungsbogens (im Anhang). Dieser wird von jedem/r der vier Juror*innen unabhängig voneinander bewertet und erst, nachdem alle Präsentationen abgehalten wurden, zusammengeführt, um ein ganzheitliches Bild zu erhalten.

Bezüglich der Qualitätssicherung wird das im Studiengang gelebte MidTerm und EndTerm Feedback (ein Gespräch der Studiengangsvertreter*innen mit der Studiengangsleitung, sowie den Modulverantwortlichen, zusätzlich zur Lehrveranstaltungsevaluierung) verwendet, um innerhalb des Semesters Adaptionen vornehmen zu können. Zudem wurden im Studium „Management, Communication & IT“, im fünften Semester, zwei Lehrveranstaltungen zur finalen Messung des Lernerfolges adaptiert.

Abbildung 2: Qualität und Messbarkeit – siehe Linksammlung

Seit der Umstellung von einem klassischen A-BWL Kurs für Wirtschaftsinformatiker zu dem integrativen Ansatz konnte einerseits eine klare Verbesserung der Motivation und des Verständnisses der Studierenden für den gesamthaften Aufbau sowie andererseits auch die Effektivität der vermittelten Inhalte quantitativ ersichtlich gemacht werden. Messung ist nur so gut wie die Handlungsempfehlungen, die daraus abgeleitet werden. Deswegen wird ein Meeting mit den drei Lektor*innen jeweils am Ende der Lehrveranstaltung, im ersten sowie im fünften Semester angesetzt, um etwaige Anpassungen und das Feedback im Sinne einer gelebten Feedbackkultur zu besprechen, zu diskutieren und anhand dessen ergebnisorientierte Initiativen zu setzen.

Modul 1: Geschäftsidee Strategieentwicklung Budgetierung

Das erste Modul beschäftigt sich ganz klar mit der unvoreingenommenen Entwicklung einer Geschäftsidee mit Gruppen à 5-6 Studierenden, im Zeitalter der digitalen Transformation und daraus abgeleitet mit einem ersten, rudimentären Greifbarmachen von Strategie und Planung. Daher, dass der monetäre Teil der Planung ein entscheidendes Kriterium für die Umsetzbarkeit darstellt, wird die Budgetierung gleich von Anfang an miteinbezogen.

Die Praxis ist für viele Studierende, gerade am Anfang, ein Kerntreiber für Motivation. Zu sehen, anhand von reellen Beispielen aus der Praxis, wie eine Krise entsteht und welche Krisen es gibt, hat das Ziel die Aufmerksamkeit auf die zentralen Inhalte zu lenken. Daher wird mit dem Krisenparadoxon die Reihenfolge der Entstehung und Erkennung von Krisen diskutiert und besonders die Wichtigkeit der Liquidität zur frühzeitigen Erkennung von Defiziten im innerbetrieblichen Geschehen erläutert. Die Studierenden erhalten initiale Einblicke in die Strategieebenen, von normativer Unternehmenskultur, Unternehmensleitbild, Vision und Mission bis hin zu der operativen Ebene, bei welcher gesetzte Maßnahmen dann wirklich umgesetzt werden.

Während des Designs dieses Moduls wurde im Vorfeld evaluiert, welches Tool übergreifend und interdisziplinär am besten eingesetzt werden könnte, um Studierenden die verschiedensten Bereiche einer Ideenumsetzung bzw. eines modernen Businessplans darlegen zu können. Am Ende haben wir uns für das Business Modell CANVAS entschieden, da dies sowohl für klassische Businessmodelle als auch für soziale Businessmodelle angewandt wird. Im klassischen Modell besteht dieses aus neun Bestandteilen. Diese haben wir uns zunutze gemacht und sie den einzelnen Modulen 1-6 zugeordnet und auf Basis derer auch die zeitliche Konzeption des Kurses erstellt:

1. Wichtige Partner (Module 1, 6)

2. Wichtige Aktivitäten (Module 2, 6)

3. Das Nutzenversprechen (Module 1, 3)

4. Die Kundenbeziehungen (Module 1, 3)

5. Die Arten von Kunden (Module 1, 3, 4)

6. Die wichtigsten Ressourcen (Module 2, 5, 6)

7. Die Vertriebs- und Kommunikationskanäle (Module 3)

8. Die Kosten insbesondere die Struktur der Kosten (Module 1, 3, 6)

9. Die Einnahmequellen (Module 1)

Die Studierenden sollen aufgrund der hohen kognitiven Belastung in der Struktur der Dokumente bestmöglich unterstützt werden. Hierfür werden diese Dokumente vollumfänglich vorgegeben. Es beginnt mit einer Executive Summary, eine Beschreibung der Ausgangssituation, der Geschäftsidee, des Marketingkonzepts, der Organisation des Geschäftsablaufs, des Umsetzungsfahrplans, des Finanzplans, einer Risiko- und Sensitivitätsanalyse, eines Personalplans und abschließend eine Gesamtbewertung. Die Tools, Dokumentenvorlagen bezüglich der Struktur werden den Studierenden zur Verfügung gestellt und sie können sofort beginnen, an ihren Ideen zu arbeiten und diese zu beschreiben.

Modul 2: Rechtsform und Standort

Das zweite Modul „Rechtsform und Standort“ bringt den Studierenden des ersten Semesters die Standortspezifika und juristischen Grundlagen, die die benötigt werden, um anhand der Geschäftsidee, bzw. einer möglichen rudimentären Strategie den Einstieg in den designierten Markt zu wagen. Zuerst fokussieren wir uns auf den Standort Österreich, im Speziellen Tirol. Die Studierenden sollen in der Lage sein, die standortspezifischen Faktoren initial zu spezifizieren und mittels Datenmaterial abzuleiten. Hierbei wurde beim Aufbau auf einen praxisrelevanten Zugang Wert gelegt, da im folgenden Semester die Gesetze und Regulierungen in eigens dafür geplanten Vorlesungen aufbauend vermittelt werden. Jedoch eine Idee ohne die nötige Konformität, die Prüfung auf Machbarkeit, gerät sehr schnell in die Bahnen der Unmöglichkeit. Die folgenden Faktoren werden im Bereich Standort näher beleuchtet (beispielhafter Auszug): Wirtschaftsprofil Österreichs in Zeitreihen, Wirtschaftsleistung und Export, Wirtschaftsstandort Tirol im Vergleich zu Österreich, Steuern und Abgaben, Infrastruktur.

Nachdem nun die Studierenden den Standort und die Stärken von Tirol im europäischen Umfeld benennen und ihrer Idee zuordnen können, werden potentielle Unternehmensformen benannt und anhand der folgenden praxisnahen Kriterien spezifiziert: Eigentümer- bzw. / Gesellschafterstellung, Haftung, Benötigtes Kapital , Abgaben und Sozialversicherung, Investorensuche und Risiko

Die zuvor gewählten Gruppen können nun ihre Idee, ihren rudimentären Business Plan anpassen, reflektieren bzw. aufgrund des beschriebenen anwendungsbasiertem Grundlagenwissens adaptieren.

Modul 3: Marketing und Vertrieb

Im Rahmen des dritten Moduls Marketing und Vertrieb beschäftigen sich die Studierenden einerseits mit der Ausdifferenzierung ihrer Produkte bzw. Nutzenversprechen, sowie mit der genaueren Analyse ihrer potentiellen Konsument*innen. Daraus abgeleitet können Kundenbeziehungen, Kundenspezifika und entsprechende Vertriebs- und Kommunikationskanäle definiert werden. In weiterer Folge werden die entsprechenden Inhaltblöcke genauer beschrieben:

Im Rahmen von drei Terminen erhalten die Studierenden Input zu den relevanten Themen, um anhand des daraus resultierenden Wissens in den anschließenden Coaching Sessions aufeinander aufbauend die Teilbereiche erarbeiten zu können.

Dabei werden folgende Inhalte gelernt: Nutzenversprechen, Kundenbeziehungen/Arten von Kunden und Kanäle.

Der Output soll – je nach Geschäftsidee – ein klares Versprechen, sowie klares Verständnis darüber, welches Kundenproblem gelöst werden soll, sein. Durch eine genaue Definition der entsprechenden Personas und die Durchführung des STP-Prozesses soll ein klares Verständnis über potentielle Konsument*innen gewonnen werden. Ziel ist außerdem der Entwurf einer (Multi-)Channelstrategie, sowie einer integrierten (Online-)kommunikationsstrategie.

Modul 4: Markt und Wettbewerb

Im Rahmen des vierten Moduls Markt und Wettbewerb vertiefen die Studierenden ihr Verständnis des allgemeinen Zielmarktes. Aufbauend auf die Definition der potentiellen Konsument*innen wird die Analyse in diesem Schritt ausgeweitet auf den Gesamtmarkt und die Konkurrenten. Das Ziel des Moduls ist die Erstellung einer exemplarischen externen Analyse als erster Teilbereich der im nachfolgenden Modul zu erstellenden SWOT-Analyse.

Im ersten Schritt wird den Studierenden das Modell des Porterschen Diamenten nähergebracht. Ziel hierbei ist nicht das tiefgehende Verständnis dieses Konzeptes, sondern ein allgemeines Verständnis für die zu bedenkenden Wettbewerbskräfte und Bedrohungen. Die Verhandlungsmacht der Käufer bzw. Lieferanten, die Gefahr durch Substitute, sowie die Bedrohung durch neue Marktteilnehmer und deren Implikationen für die Branchenattraktivität werden diskutiert und sollen zur Weiterentwicklung der Business Pläne beitragen.

Im nächsten Schritt wird die PESTEL Analyse als allgemeine Form der Umfeldanalyse vorgestellt, um die Studierenden für weitere externe Einflussfaktoren (aus den Bereich Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Technologie, Ökologie, Recht) zu sensibilisieren.

Schlussendlich sammeln die Studierenden im Rahmen der nachgelagerten Coachingsessions auf Basis der neu erlernten Inhalte als Output Faktoren für ihre externe Analyse als Teil der im folgenden Modul zu erstellenden SWOT-Analyse.

Modul 5: Organisation und Prozesse

Im Rahmen des fünften Moduls Organisation und Prozesse beschäftigen sich die Studierenden mit Aufbauorganisation, Geschäftsprozesse, Wertschöpfungskette, sowie schlussendlich der internen Analyse. Zusammen mit der im vorherigen Modul durchgeführten externen Analyse dient diese interne Analyse schließlich dazu eine Analyse der Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken (SWOT-Analyse) durchzuführen.

Im Inhaltsblock des fünften Moduls wird den Studierenden zunächst ein Einblick in unterschiedliche Organisationsformen und die Aufbauorganisation gegeben. Außerdem werden die unterschiedlichen Implikationen für die Ablauforganisation skizziert. Im nächsten Schritt werden Geschäftsprozesse definiert und ein kurzer Einblick in das Geschäftsprozessmanagement gegeben. Abschließend wird die Wertschöpfungskette – auch im Zusammenhang mit Abhängigkeiten – skizziert.

Die Beschäftigung mit den beschriebenen Inhalten soll den Studierenden einerseits dabei helfen verschiedene Organisationsformen besser zu verstehen, um auf Basis aller bisher bearbeiteten Businessplan-Elemente diese Informationen für das eigene Organisationsdesign zu nutzen. Andererseits sollen die Inahlte dazu dienen, im Rahmen der Coachingsessions Faktoren für die interne Analyse zu sammeln. Gemeinsam mit den erarbeiteten Faktoren aus der externen Analyse werden diese Findings dann im Rahmen der SWOT-Analyse einander gegenübergestellt, um daraus Strategien (insbesondere für die strategische Weiterentwicklung und das Risikomanagement) abzuleiten.

Modul 6: Finanzierung

Nachdem im Modul eins die Idee rudimentär budgetiert wurde und in den folgenden vier Modulen vom Markt bis hin zur internen Operationalisierung adressiert und geplant wurde, beschäftigt sich das letzte Modul mit der Möglichkeit der Finanzierung des gesamten Vorhabens (Business Plan).

Aufgrund der Tatsache, dass im ersten Semester eines Studiums viele Studierende aus heterogenen sekundären Bildungseinrichtungen kommen und dadurch einen unterschiedlichen Wissensstand bezüglich der Finanzwissenschaft aufweisen, beginnt dieses Kapitel mit einer kompakten Wiederholung und Anwendung der Zins- und Zinseszinsrechnung. Folgend, werden die Studierenden in die Bewertung von Zahlungsströmen eingeführt und erfahren, was Finanzierung bedeutet. Die zuvor gewählten Gruppen finden sich nun final zusammen und reflektieren bzw. adaptieren ihr Budget und finalisieren den Businessplan.

Mehrwert

Die Umstellung auf eine integrierte, qualitätsgetriebene Lehrveranstaltung im ersten Semester erhöht den Austausch der Studierenden mit dem Lehrpersonal von Beginn an. Eine von Anfang an gelebte erkenntnisgetriebene Feedbackkultur, die Studierende aktiv nutzen können, um auch während des Kurses, im Nachhinein und am Ende des Studiums den Ausgang und Erfolg ihres Studiums aktiv mitbestimmen, verbessern und transparent nachvollziehen zu können, ist äußerst wertvoll. Dies führt dazu, dass die Arbeitsbelastung in effektiven Lernerfolg überführt werden kann. Zusätzlich kann man natürlich viele Faktoren des Mehrwertes nennen, aber der wichtigste ist, wenn Studierende erkennen, dass das Erlernte im Gesamtzusammenhang wichtig ist für ihren eigenen Erfolg. Deswegen schätzen sie die Qualität einer Evaluation und eines Monitorings und schaffen es, die gleiche Motivation, die sie am Anfang in sich trugen, inhärent in die Berufswelt zu tragen.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Dieses Konzept ist grundsätzlich auf andere betriebswirtschaftliche bzw. angrenzende Grundlagenlehrveranstaltungen übertragbar, falls ein durchdachtes Qualitäts- und Feedbackkonzept im Vorfeld im Studium etabliert wurde. Als Erfolgskonzept wird dieses Projekt bereits seit 2018 vollumfänglich im Studiengang eingebaut und durch uns konstant weiterentwickelt.

Aufwand

Dieses Projekt hat keine zusätzlichen Kosten für die Einrichtung verursacht. Die Lektor*innen haben den zusätzlichen Arbeitsaufwand über einen Zeitraum von einem Jahr erbracht, ohne Mittel hierfür beantragt zu haben, oder ihren täglichen Arbeitsumfang zu reduzieren. In anderen Worten, der Mehraufwand wurde größtenteils in der Freizeit erbracht.

Positionierung des Lehrangebots

Bachelorstudium “Management, Communication & IT” (1. Semester)

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2021 nominiert.
Ars Docendi
Nominiert 2021
Kategorie: Qualitätsverbesserung von Lehre und Studierbarkeit
Ansprechperson
Dr. Teresa Spieß
Management, Communication & IT
+ 43 512 2070 - 3525
Nominierte Person(en)
Dr. Teresa Spieß
Management, Communication & IT
Thomas Dilger, MA BA
Management, Communication & IT
Helmut Zangerl
Klare Sicht Unternehmensberatung GmbH, INFINIA-Corporate Finance
Themenfelder
  • Didaktische Methode
  • Organisatorische Studierendenunterstützung
  • Studieneingangs- und Orientierungsphase
  • Curriculagestaltung – Inhalt
  • Erfahrungslernen
Fachbereiche
  • Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik/Ingenieurwissenschaften
  • Wirtschaft und Recht
  • Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften