ZKF 2.0 Future Challenges in and for Conservation – Eine pandemiebedingte Erweiterung des Zentralen Künstlerischen Faches an der Angewandten

Ziele/Motive/Ausgangslage

Das Zentrale Künstlerische Fach (ZKF), die konservatorisch-restauratorische Praxis, versteht sich als Zentrum des Diplomstudiums Konservierung und Restaurierung an der Universität für angewandte Kunst Wien und wesentlicher Bestandteil der akademischen Ausbildung zum/zur Konservator/in-Restaurator/in. Die praktische Projektarbeit macht rund zwei Drittel der im fünfjährigen Studium zu absolvierenden Fächer und der zu erbringenden Leistung aus. Im Rahmen des ZKF arbeiten die Studierenden jedes Semester zwei Tage pro Woche in den Werkstätten des Instituts für Konservierung und Restaurierung unter Anleitung an Originalen, widmen sich konservierungswissenschaftlichen Forschungsfragen und der Konservierung und Restaurierung von Kunst und Kulturgut. Im sogenannten „alternate.mode“, in dem sich die Angewandte aufgrund der COVID-19-Pandemie im Sommersemester 2020 befand, war diese Praxis, wie sie üblicherweise stattfindet, nur begrenzt möglich. Die Frage, wie konservatorisch-restauratorische Kompetenz ohne das Arbeiten mit und am Kunst- und Kulturgut sowie aus Distanz vermittelt werden kann, stand im Raum.

Vor allem der fehlende Zugang zu den Objekten aufgrund der Schließung der Werkstätten verhinderte, dass die Studierenden in bewährter Form durch Bestands- und Zustandserfassung, technologische Studien, naturwissenschaftliche Untersuchungen und das Umsetzen von konservatorisch-restauratorischen Maßnahmen lernen und studieren konnten.

So musste in kurzer Zeit ein „alternativer Modus“ für das ZKF entwickelt werden. Das Ziel war, in einer Ausnahmesituation wie der Pandemie ein studierendenzentriertes Format anzubieten, das einen Mehrwert für die Studierenden der Konservierung und Restaurierung darstellt, indem es Themen aufgreift, die im regulären ZKF oft zu kurz kommen. Das Resultat war die gelungene Erweiterung in das ZKF 2.0.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Das Zentrale Künstlerische Fach (ZKF) 2.0 - Future Challenges in and for Conservation gilt als beispielhaft für eine gelungene Erweiterung eines bestehenden Lern- und Lehrformates im Zuge der Corona-Pandemie mit dem Ziel in dieser Ausnahmesituation Kompetenzen in der Konservierung-Restaurierung zu vermitteln. Fächerübergreifend und kritisch das eigene Tun und Handeln zu reflektieren und sich intensiv mit den Herausforderungen von morgen zu beschäftigen standen im Fokus.

Im Sommersemester 2020 an der Universität für angewandte Kunst Wien widmeten sich 31 Studierende des Diplomstudiums Konservierung und Restaurierung vier ausgewählten zukunftsorientieren Themenkomplexen:

• Klimawandel und Kulturgut

• Nachhaltigkeit im Museum und Depot

• Umgang mit (geschichtlich) vorbelastetem und sensiblem Kulturgut

• Risikoprävention, Notfallvorsorge und Erstversorgung

 

In wöchentlichen Treffen via ZOOM wurden diese Future Challenges im Rahmen von Vorträgen, Diskussionsrunden, Brainstorming-Sessions und Artikelbesprechungen behandelt. Zusätzlich brachten Gastvortragende von (Partner-)Institutionen aktuelle internationale Positionen und Entwicklungen sowie Erfahrungen aus der Praxis in den Diskurs mit ein. Ergänzt wurde die Treffen durch das Selbststudium.

Besonderer Wert wurde darauf gelegt Bezüge zwischen wissenschaftlicher Theorie und konservatorisch-restauratorischer (Berufs-)Praxis herzustellen sowie individuelle Interessen und Vorkenntnisse der Studierenden zu berücksichtigen.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

The Central Artistic Subject (ZKF) 2.0 - Future Challenges in and for Conservation is an example for a successful extension of an existing learning and teaching format in the course of the coronavirus pandemic with the aim to impart competences in conservation-restoration in this exceptional situation. Focus was on the interdisciplinary and critical reflection of one‘s own actions and the intensive discourse of future challenges.

In the summer semester 2020 at the University of Applied Arts Vienna 31 students of the diploma degree programme conservation and restoration were dedicated to four selected future-oriented topics:

• climate change and cultural heritage

• Sustainability in museum and storage

• Dealing with delicate cultural heritage

• Risk prevention, emergency preparedness and first aid

 

In weekly meetings via ZOOM the future challenges were addressed in the framework of lectures, discussions, brainstorming sessions and literature reviews. In addition, guest lecturers from (partner) institutions contributed current international perspectives and developments as well as experiences from practice in the discourse. The self-study supplemented the meetings.

Establishing a link between theory and conservation-restoration practice and considering individual interests and previous knowledge among the students were particularly emphasised.

Nähere Beschreibung des Projekts

Im Sommersemester 2020 widmeten sich 31 Studierende des Diplomstudiums Konservierung und Restaurierung an der Angewandten im Rahmen des Zentralen Künstlerischen Faches (ZKF) 2.0 Herausforderungen der Zukunft für und in der Konservierung und Restaurierung, welche im regulären ZKF kaum oder nur am Rande thematisiert werden können.

 

Fachbereichsübergreifend arbeiteten die Student/innen aller Jahrgänge mit dem Institutsteam in vier Arbeitsgruppen an ausgewählten Zukunftsfragen:

• Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Erhaltung von Kulturgut aus, und wie können Restaurator/innen sich darauf vorbereiten?

Der Klimawandel wirkt sich nicht nur auf die Umwelt und Wirtschaft, sondern auch auf die Erhaltung von Kulturgut im Außen- und Innenbereich aus. Die veränderten klimatischen Bedingungen äußern sich je nach Breitengrad in veränderten Schädigungsmechanismen. Darüber hinaus haben die zunehmende Anzahl und Intensität von Extremwetterereignissen das Potential, Denkmäler und Sammlungen zu schädigen. Untersuchungen dazu haben erst in den letzten Jahrzehnten Einzug in die konservierungswissenschaftliche Forschung gehalten (z.B. Noah’s Ark (2004-2007), Climate for Culture (2010-2014)). Die Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit den theoretischen Grundlagen zum Klimawandel, Klimamodellierungen und Emissionsszenarien, Heritage Climatology, fast events und slow events.

 

• Wie kann Kulturgut in Ausstellung und Depot nachhaltig bewahrt und ausgestellt werden?

Die zweite Arbeitsgruppe widmete sich dem Thema Nachhaltigkeit in der Museumswelt. Verschiedene Nachhaltigkeitsmodelle und die 17 Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen wurden thematisiert. Darauf basierend wurde die Frage, was Restaurator/innen zum Erreichen von Nachhaltigkeitszielen im Museum leisten können, in den Mittelpunkt gestellt und beispielsweise über den immensen Energieverbrauch eines vollklimatisierten Museumsdepots diskutiert. Der Austausch mit zahlreichen Expert/innen aus dem In- und Ausland zeigte, dass Nachhaltigkeit im Museumskontext die ausgewogene Berücksichtigung der Aspekte Kulturguterhaltung, Ökologie, Ökonomie und Soziales erfordert, zu der Restaurator/innen maßgeblich beitragen können. Um Erhaltungskonzepte zukunftstauglich zu machen, wird es notwendig sein, dass Restaurator/innen für den Erhalt von Kunst- und Kulturgut Überlegungen zum weiteren Bestehen unseres Planeten miteinbeziehen.

 

• Wie erfolgt ein fachgerechter und respektvoller, restauratorischer Umgang mit „belastetem“ oder „sensiblem“ Kulturgut?

„Belastetes“ oder „sensibles“ Kunst- und Kulturgut schließt neben menschlichen Überresten, auch Raubkunst und illegal oder unerlaubt erworbenes Kulturgut, Objekte aus der Zeit des Nationalsozialismus oder politisch und geschichtlich vorbelastetes Kulturgut, Kulturgut aus kolonialem Kontext sowie Gegenstände mit religiöser Bedeutung mit ein.

Diese Objekte sind nicht sensibel im Sinne einer gesteigerten Empfindlichkeit gegenüber äußeren Einflüssen, wohl aber sensibel in Hinblick auf den Umgang mit ihnen. Sie bedürfen einer besonders respektvollen Behandlung, welche mit professionellen Standards, aber auch Interessen und Glaubensgrundsätzen der community, denen diese Objekte entstammen, vereinbar ist. Restaurator/innen werden in ihrer Berufspraxis wiederholt mit solchen Objekten konfrontiert.

Um einen qualitäts- und respektvollen konservatorisch-restauratorischen Umgang zu gewährleisten, ist es schon im Rahmen der Ausbildung essentiell, sich dieser Thematik und relevanten Richtlinien anzunähern.

 

• Wie können wir uns auf Notfälle und Katastrophen vorbereiten und unser Kulturgut bestmöglich davor schützen?

Es ist nicht die Frage, ob, sondern wann ein Notfall oder Katastrophen eintreten. Umso wichtiger erscheinen daher entsprechende Vorbereitungen. Seit der verheerenden Flut in Florenz im Jahr 1966 ist sich die Fachwelt darüber einig, dass Risikoprävention und eine auf die betroffenen Objekte und Sammlungen abgestimmte Erstversorgung essentiell sind. Ein Notfallplan sollte heute fester Bestandteil eines guten Managementplans von Museen oder Welterbestätten sein. Um ein Risiko einschätzen oder bewerten zu können, muss man nicht nur die vorliegende Sammlung und ihre Objekte sowie das Gebäude und das Umfeld genau analysieren, sondern auch mögliche Gefahren und bestehende Schwachstellen identifizieren. Geeignete präventive Maßnahmen können ein Risiko zwar minimieren, in den wenigsten Fällen jedoch eliminieren. Zur Notfallplanung gehört es daher, zu überlegen, wie nach konkreten Ereignissen, wie Hochwasser oder Brand, vorzugehen ist, welche Objekte bei der Erstversorgung zu priorisieren sind und welche Sofortmaßnahmen getroffen werden müssen.

 

Die Umsetzung und die Ziele des ZKF 2.0

 

Jeder Studierende konnte am Beginn des Semesters eine Arbeitsgruppe auswählen, in der er/sie aktiv mitarbeiten wollte. Das Zuhören bei anderen Arbeitsgruppen war jederzeit möglich. In jeder Gruppe waren Studierende aller Fachbereiche (Gemälde-, Objekt-, Textil- und Steinrestaurierung) sowie aller Jahrgänge (1. bis 5. Jahr) mit unterschiedlichem Vorwissen vertreten. Die heterogene Zusammensetzung erwies sich im ZKF 2.0 als sehr fruchtbar. Dazu ein Kommentar von Studierenden aus der Lehrveranstaltungsevaluierung: „Ich fand es sehr schön, dass die Gruppen so bunt - klassen- und jahrgangsübergreifend – durchmischt waren. Daher konnten viele Dinge von mehreren Perspektiven betrachtet werden.“

Über das gesamte Semester hinweg trafen sich die Arbeitsgruppen einmal wöchentlich für zwei Stunden via ZOOM: Mit Schwerpunkt auf partizipativen Formaten gab es gemeinsame Brainstorming-Sessions unter Verwendung kollaborativer Whiteboards, Diskussionsrunden (tlw. in Kleingruppen in Breakout Rooms), Artikelbesprechungen, Referate von Studierenden sowie Impulsvorträge mit anschließenden Diskussionen und terminfüllende Gastvorträge.

In jeder der vier Arbeitsgruppen wurde besonderer Wert darauf gelegt Theorie und praktische Anwendung im späteren Berufsalltag zu verknüpfen. Einführend wurden theoretische Grundlagen sowie wissenschaftliche Konzepte rund um das Thema der Arbeitsgruppe vermittelt. Dies geschah vor allem durch externe Expert/innen, welche als Gastvortragende eingebunden wurden. So war es auch möglich, aktuelle europäische und internationale Positionen und Entwicklungen, aber auch Erkenntnisse aus aktuellen Forschungsprojekten einzuschließen sowie durch Erfahrungsberichte, vor allem aus dem angloamerikanischen und asiatischen Raum, einen Blick über den Tellerrand zu gewährleisten. „Besonders lehrreich waren die zahlreichen spannenden Vorträge eingeladener Gäste, die oft vom Ausland aus an den Zoom-Sitzungen von ZKF 2.0 teilnahmen. Diese Art der Vernetzung ist in diesem Ausmaß noch nie genutzt worden und bietet sehr interessante Möglichkeiten für zukünftige Kommunikationswege. […] Durch die Gastvorträge konnte man einen Einblick in die Arbeit der Expert/innen bekommen, den man nicht durch Literaturrecherche erhält.“ (Auszug aus der Lehrveranstaltungsevaluierung des ZKF im SoSe 20). Im regulären ZKF werden Externe eher projekt-/objektbezogen konsultiert, wodurch nicht alle Studierenden gleichermaßen von dem Austausch profitieren können.

 

Gastvortragende und Diskussionspartner/innen folgender Institutionen waren involviert (in alphabetischer Reihenfolge): Erzdiözese Wien, Fraunhofer Gesellschaft / Forschungsallianz Kulturerbe (Deutschland), ICOM Österreich, Institute of Atmospheric Sciences and Climate / National Research Council (Italien), Kathmandu Valley Preservation Trust (Nepal), Ki Culture, Polish Academy of Sciences (Polen), Prevart GmbH (Schweiz), Rathgen Forschungslabor, SiC – Sustainability in Conservation, studio klv GmbH & Co.KG (Deutschland), Technische Hochschule Köln, Technisches Museum Wien, Universität für angewandte Kunst Wien / UniNEtZ sowie Industrial Design 2, Weltmuseum Wien.

 

Die Studierenden sollten einerseits lernen, Theorien auf die konkrete konservatorisch-restauratorische (Berufs-)Praxis zu übertragen, zum Beispiel: Was ist Nachhaltigkeit und daran anknüpfend: Wie können nachhaltiges Bewahren und Ausstellen von Objekten im Museum und Depot umgesetzt werden? Oder: Welche ethischen Richtlinien gibt es, auf welche Objekte sind sie anzuwenden und welche Folgerungen ergeben sich daraus für den konservatorisch-restauratorischen Umgang mit ebendiesen Objekten? Andererseits sollten die Studierenden befähigt werden, vom Allgemeinen auf das Einzelne bzw. auf konkrete Fallbeispiele zu schließen. Was bedeutet beispielsweise die durch den Klimawandel bedingte Zunahme an Niederschlägen in den Wintermonaten in Österreich für mich als Steinrestaurator/in? Wie wirken sich globale Erwärmung oder Extremwetterereignisse, welche zahlenmäßig und an Intensität zunehmen, auf meinen Berufsalltag – Depot, Museum oder Sammlung – aus, vor allem in Hinblick auf Klimatisierung, Notfallplanung etc.?

Darüber hinaus konnten sich die Studierenden im Verlauf der Lehrveranstaltung fächerübergreifende Kompetenzen im Bereich der Klimatologie, Museologie, des Kulturgüterschutz und der Ethik aneignen und so ihre Qualifikation ausbauen.

 

Ein wichtiger Bestandteil des ZKF 2.0 war die Auseinandersetzung mit einem frei gewählten Thema, welchem sich die Studierenden im Selbststudium widmeten. Dazu formulierten sie eine Fragestellung, welche sie dann basierend auf Literatur- und Quellenrecherche in einer schriftlichen Seminararbeit behandelten. Ihre Ergebnisse präsentierten sie am Ende des Semesters in einem Kurzvortrag. Vorab wurde der Zwischenstand in einem wöchentlichen Treffen gemeinsam diskutiert. So gestalteten sie die Lehrveranstaltung aktiv mit. Ebenso wurden die individuellen Bedürfnisse und Interessen, aber auch Vorwissen berücksichtigt, was sich in der inhaltlichen Bandbreite der resultierenden Arbeiten wiederspiegelt.

 

Das Ergebnis

 

Allen Beteiligten, Studierenden und Lehrenden, ist bewusst, dass das Zentrale Künstlerische Fach eine praxisorientierte Präsenzlehrveranstaltung ist und bleibt, die den Studierenden die Konservierung und Restaurierung von Objekten vermittelt. „Ich bin aber der Meinung, dass der Online-Unterricht unseren normalen Alltag nicht ersetzen kann, sollte und darf. Denn trotz all der positiven Aspekte des Online-Unterrichts fehlt jetzt ein Semester an Praxis, welche besonders für uns und unsere Ausbildung so unendlich wichtig ist! […] ZKF 2.0 ist leider kein „würdiger“ Ersatz für das normale ZKF, da die praktische Arbeit völlig links liegen gelassen werden musste. Trotzdem möchte ich es nicht mehr missen wollen, ich habe es sehr spannend gefunden und extrem viel gelernt!“ (Auszug aus der Lehrveranstaltungsevaluierung des ZKF im SoSe 20). Und doch hat dieses Experiment die Lehre nachhaltig geprägt, andere Themenschwerpunkte in den Mittelpunkt gestellt, die nun im Rahmen neuer und bestehender Lehrveranstaltungen tiefergehend behandelt werden sollen. So wird auf Anregung und Wunsch der Studierenden das Thema Climate Change and Cultural Heritage im Sommersemester 2021 in einer eigenen Vorlesung (LV-Nr. S03396, Angewandte) aufgegriffen. Eine (Ring)Vorlesung zu Restaurierethik bzw. dem Umgang mit sensiblen Objekten ist in Planung.

 

Die Evaluierung der schriftlichen Arbeiten, der mündlichen Präsentationen und der aktiven Mitarbeit während der Lehrveranstaltung zeigte, dass die Lernziele (zukünftige Herausforderungen für die Disziplin benennen und über diese reflektieren; interdisziplinär und im Austausch mit internationalen Expert/innen arbeiten,; Zusammenhänge zwischen Theorie und konkreter konservatorisch-restauratorischer Praxis erfassen) erreicht wurden. Überdies wurden die Studierenden zu einer kritischen Reflexion des eigenen Tun und Handelns angeregt. So lässt sich ein verstärktes Bewusstsein für den Klimawandel und das Thema Nachhaltigkeit beobachten. Dies äußerte sich in der Lehrveranstaltungsevaluierung („Mich hat die intensive Auseinandersetzung mit dem Klimawandel persönlich sehr nachdenklich gemacht.“), als auch in dem verstärkten Engagement seitens der Studierenden für mehr Nachhaltigkeit unter anderem in Bezug auf Mülltrennung oder Re-/Upcyling von Verpackungsmaterial in den Werkstätten des Instituts. Studierendenvertreter/innen traten dazu 2020 dem Student Ambassador Program (SAP) von Sustainability in Conservation (SiC)/ Ki Culture (https://www.sustainabilityinconservation.com/) bei. Im Rahmen dessen arbeiten sie gerade daran die Nachhaltigkeit im Bereich Wasser/ Wasserverbrauch, Müll und Energie im Lehrbetrieb zu steigern.

Das Projekt ZKF 2.0 war ein unvorhergesehener, aber fruchtbarer Anstoß, sich heute mit dem was morgen kommt zu beschäftigen.

Mehrwert

Im Sommersemester 2020 konnten sich die Studierenden im alternate.mode durch eine innovative Erweiterung des ZKF nicht nur theoretische Grundlagen anderer Disziplinen (z.B. Klimatologie, Museologie) aneignen, sondern auch zusätzliche wichtige fächerübergreifende Kompetenzen erwerben. Diese stellen einen dezidierten Mehrwert für ihre spätere Berufspraxis dar. Sie können zukünftige Herausforderungen für und in der Konservierung und Restaurierung benennen sowie vorrausschauend bei der Umsetzung konservatorischer Maßnahmen, aber auch bei der Planung von Depots mitbedenken.

 

Des Weiteren ergaben sich durch den Einbezug internationaler Expert/innen wertvolle neue Kontakte, sowohl für die Studierenden als auch das Lehrpersonal.

Das Ausnahme-ZKF wurde von den Studierenden durchwegs gut angenommen und auch als Chance zur Weiterentwicklung von Soft Skills genutzt. Sowohl persönliche (Engagement), soziale (Kommunikationsfähigkeit, Umgangsstil) als auch methodische Kompetenzen (Präsentationstechniken, Umgang mit neuen Medien, Problemlösungskompetenz) konnten ausgebaut und angewandt werden.

 

Auch die Seminararbeiten, die im Rahmen des ZKF 2.0 entstanden sind bieten einen Mehrwert. So werden die Mitglieder des Student Ambassador Program von Sustainability in Conservation die entstandenen Arbeiten zu Waste Management in der Restaurierwerkstatt und zu Life Cycle Assessment verschiedener Verpackungsmaterialien nutzen und am Institut praktisch umsetzen. Durch die Auseinandersetzung mit passiver Klimaregulierung in Depots kann sich das Institut verstärkt in die Nachhaltigkeitsdebatte in Museen einbringen. Dies ist besonders in den Sammlungspflege-Projekten in verschiedenen Regional- und Landesmuseen in Österreich, in welche das Institut und die Studierenden involviert sind, ein Mehrwert. Der Notfallplan des Instituts kann ebenfalls durch die Resultate des ZKF 2.0 ausgebaut werden und wird auch die erarbeitete Vorgangsweise zur Erstversorgung von Gemälden und Textilien bei Wasserschäden mit einbeziehen. Darauf basierend können in weitere Folge ähnliche Empfehlungen für Sofortmaßnahmen an Objekten aus Holz, Metall, Glas, Keramik, Stein, usw. formuliert werden.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Das Grundkonzept des ZKF 2.0 – zukunftsorientierte Themen mit dem jeweiligen Studieninhalt zu verknüpfen und Studierenden im Rahmen dessen die Möglichkeit zu geben, individuelle Forschungsschwerpunkte zu setzen – eignet sich für verschiedene Studienprogramme. Für die Konservierung-Restaurierung war es definitiv von Vorteil Zukunftsthemen, wie den Klimawandel, dezidiert aus der eigenen Sicht zu betrachten. Durch Methoden des Distance Learning war dies nahezu ohne Einschränkungen möglich.

 

Mit März 2021 startet an der Angewandten das Joint Master Studium Cultural Heritage Conservation and Management. In diesem internationalen Programm, welches gemeinsam mit der thailändischen Silpakorn Universität angeboten wird, können Studierende vertiefende Kompetenzen in der Erhaltung und dem Management von Kulturerbe erwerben. Momentan wird evaluiert inwieweit das ZKF 2.0 auf das zentrale Fach des Joint Masters, den Conservation Workshop, übertragbar ist. So könnte beispielsweise ein Teil des Conservation Workshop ähnlich dem ZKF 2.0 online über das gesamte Semester und der andere als geblockter Praxisteil im Sommer abgehalten werden. Dies würde vor allem dem Ziel das Studium berufsbegleitend anzubieten entgegenkommen.

 

Nachhaltigkeit war nicht nur per se eines der Themen, die konkret behandelt wurden. Die Lehrveranstaltung hat die Beteiligten auch nachhaltig beeinflusst. Die Studierenden zeigen über die Lehrveranstaltung hinaus Engagement und Interesse die Themen eigenständig weiterzuverfolgen (siehe Student Ambassador Program). Das Problembewusstsein sowie Handlungsbereitschaft konnten gleichermaßen gefördert werden.

 

Ausgewählte Lehrinhalte des Pilotprojektes im Sommersemester 2020 werden in das reguläre Zentrale Künstlerische Fach Eingang finden.

Studierende, die sich mit Objekten im Außenbereich oder Sammlungsbeständen regionaler Museen beschäftigen, werden ermutigt bei der Ausarbeitung ihrer Restaurier- sowie Pflege- und Wartungskonzepte auch die Auswirkungen des Klimawandels zu berücksichtigen, beispielsweise wenn sie Wintereinhausungen für Steinskulpturen konzipieren, Schutzüberzüge/Schlämmen aufbringen oder Empfehlungen zum Lüften in Museen und Depots formulieren.

Einige Studierende äußerten zudem explizit den Wunsch sich im Rahmen des ZKF mit Objekten, die einen sensiblen Umgang verlangen, zu beschäftigen. Kontakte zum Kunsthistorischen und Naturhistorischen Museum (z.B. Mumien, menschliche Überreste), dem Weltmuseum (z.B. ethnographische Objekte) sowie dem Josephinum (z.B. anatomische Sammlung) werden hier genutzt, um geeignete Objekte aus deren Beständen für die praktische Projektarbeit in den kommenden Semestern zur Verfügung stellen zu können.

Aufwand

Die Konzeption (Struktur und Inhalte) war innerhalb kurzer Zeit (rund ein Monat) notwendig. Themen wurden grob festgelegt, Leitfragen und Studienziele formuliert und Quellliteratur sondiert und ausgewählt.

Die Lehrveranstaltung wurde laufend über das gesamte Semester hinweg (weiter)entwickelt.

Der zeitliche Aufwand betrug für Studierende und Lehrende pro Woche mindestens zwei Stunden (ZOOM-Treffen der Arbeitsgruppen). Überdies wurde individuell zusätzlich Zeit für Vor-, Auf- und Nachbereitung von Inhalten investiert (Selbstudium).

Die gewählten Prüfungsmodalitäten erlaubten zu überprüfen, ob Lernziele erreicht wurden, ohne Studierende zu überfordern. Der Aufwand hierfür umfasste das selbständige Verfassen einer kurzen Seminararbeit sowie das Vorbereiten eines Referates.

Positionierung des Lehrangebots

Diplom/alle Semester (1 bis 10)

Links zu der/den Projektmitarbeiter/innen
Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2021 nominiert.
Ars Docendi
2021
Kategorie: Methoden des Distance Learning und deren nachhaltiger Einsatz
Ansprechperson
Gabriela Krist, o.Univ.-Prof.Mag.Dr.
Institut für Konservierung und Restaurierung
+43 171133 4810
Nominierte Person(en)
Gabriela Krist, o.Univ.-Prof.Mag.Dr.
Institut für Konservierung und Restaurierung
Themenfelder
  • Kommunikation/Plattform
  • Curriculagestaltung – Inhalt
  • Internationalisation@home
Fachbereiche
  • Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften