Virtuelle Studienreise „Europäische Union“

Ziele/Motive/Ausgangslage

Als Ausgangslage präsentierte sich eine seit mehr als zehn Jahren erfolgreich etablierte Exkursion, die auf Grund der Corona-Pandemie und der dadurch bestehenden Reisebeschränkungen nicht in ihrer gewohnten Weise vor Ort in Brüssel stattfinden konnte. Diese Studienreise nach Brüssel ist für die Studierenden ein wesentlicher Asset und eine wichtige Erfahrung: Sie erleben die EU-Institutionen “hautnah”. Damit stand für die Lehrveranstaltungsleiterinnen außer Zweifel, dass alles drangesetzt werden musste, um die Studienreise, wenn auch in einer anderen Form, durchzuführen. Aus der Not wurde eine Tugend gemacht und die Exkursion wurde in den virtuellen Raum verlegt. Ziel war es dabei, eine möglichst große Zahl der positiven Aspekte einer solchen Exkursion für die Studierenden zu erhalten bzw. auszubauen. Gleichzeitig ermöglichte die Reorganisation eine Reduktion und teilweise sogar Eliminierung der beschränkenden Faktoren, die eine Exkursion nach Brüssel ebenfalls mit sich bringen kann.

Sowohl durch den hervorragenden Ruf, den sich die FH Burgenland durch 25 Jahre stetigen Engagements für die Bildung junger Menschen auch im Zusammenhang mit der EU und der europäischen Integration erarbeitet hatte, als auch die jahrelangen, persönlichen Kontakte und die Expertise einzelner Lehrender konnte diese Idee erfolgreich umgesetzt werden. Positiv sei an dieser Stelle die große Unterstützung seitens der Vertreter und Vertreterinnen der EU-Institutionen sowie anderer Einrichtungen erwähnt.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Zentrales Element des Master-Studiengangs European Studies – Management of EU-Projects ist eine Studienreise nach Brüssel. Um einen Ausfall dieser vielschichtigen Lehrveranstaltung durch Reisebeschränkungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie jedenfalls zu vermeiden, wurde im Wintersemester 2020/21 diese Exkursion in den virtuellen Raum verlagert.

Die Experten und Expertinnen wurden nicht vor Ort besucht, sondern man diskutierte via Zoom und WebEx. Die Studierenden arbeiteten in virtuellen Gruppen zusammen, um sich gegenseitig bestmöglich auf die Studienreise vorzubereiten. Die inhaltlichen Schwerpunkte der Studienreise orientierten sich im Wesentlichen am Besuch jener Institutionen, die am EU-Rechtsetzungsverfahren beteiligt sind sowie an aktuellen Themen im EU-Diskurs, wie etwa dem “Green Deal” oder der EU-Digitalisierungsstrategie. Zwar konnte das “Brussels feeling” online nur bedingt transportiert werden, dafür sind jedoch Zeitersparnis, die unkompliziertere Verfügbarkeit hochrangiger Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner und die entspannte Gesprächsatmosphäre als positive Aspekte der virtuellen Studienreise zu nennen.

Die Beteiligten auf allen Seiten haben die Transformation der Studienreise als sehr gut geglückt bezeichnet

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

A central element of the Master's programme European Studies - Management of EU Projects is a study trip to Brussels. In order to avoid a cancellation of this varied lecture due to travel restrictions in connection with the Corona pandemic, this excursion was shifted to virtual space in the winter semester 2020/21.

The experts were not visited in person, but discussions were held via Zoom and WebEx. The students worked together in virtual groups to prepare each other as well as possible for the study trip. The main focus of the study trip was on visiting the institutions that are involved in the EU legislative process and on current topics in the EU discourse, such as the "Green Deal" or the EU digitisation strategy. Although the "Brussels feeling" could online only be conveyed to a limited extent, the time saved, the easier availability of high-ranking discussion partners and the relaxed discussion atmosphere were positive aspects of the virtual study trip.

Everybody involved described the transformation of the study tour as very successful.

Nähere Beschreibung des Projekts

1.) Rahmenbedingungen und Intention

Der englischsprachige Master-Studiengang European Studies - Management of EU-Projects der Fachhochschule Burgenland ist in hohem Maße spezialisiert und interdisziplinär konzipiert. Er vermittelt den Studierenden tiefe Einblicke in das Institutionengefüge der Europäischen Union. Dazu ist es insbesondere notwendig die Europäische Union und ihr Handeln auch tatsächlich zu erleben. Gleich zu Beginn des Studiums ist daher eine Exkursion zu den EU-Institutionen nach Brüssel geplant bei der die Studierenden in unmittelbaren Kontakt mit Vertreterinnen und Vertreter der EU-Institutionen und der auf EU-Ebene agierenden Interessenvertretungen treten. Damit können auch Berührungsängste zu den EU-Institutionen insgesamt sowie einzelnen EU-Beamtinnen und Beamten bzw. EU-Expertinnen und EU-Experten abgebaut werden.

Auf Grund der massiven Reisebeschränkungen im Wintersemester 2020/21, ausgelöst durch die Corona-Pandemie, konnte die Exkursion, nicht wie üblich, als tatsächliche Gruppenreise aller Studierenden gemeinsam mit der Lehrveranstaltungsleiterin stattfinden. Ein großer Teil der 30 Studierenden dieses Jahrgangs wohnt nicht in unmittelbarer Nähe zum Studienort, knapp die Hälfte sind keine EU-Bürgerinnen und EU-Bürger. Die rechtlichen und dienstrechtlichen Vorgaben, die sich aus diesen Rahmenbedingungen ergaben, forderten eine komplette Neuorganisation. Die Lösung war: Die Studienreise wurde in eine virtuelle Exkursion umgewandelt.

 

2.) Konzeption und Programmplanung

Die Studienreise nach Brüssel lässt die Studierenden die Umsetzung der in der Lehrveranstaltung „The European Union“ theoretisch vermittelten Inhalte „erleben“ und erfahren. Wesentlicher inhaltlicher Schwerpunkt dieser Lehrveranstaltung ist das Rechtsetzungsverfahren auf EU-Ebene sowie die Möglichkeiten der Beteiligung am EU-Rechtsetzungsprozess durch das Einbringen eigener Interessen (v.a. EU-Lobbying). Der inhaltlichen Planung der virtuellen Studienreise wurde daher der chronologische Ablauf des EU-Rechtsetzungsverfahrens zugrunde gelegt. Ein weiterer Aspekt, der in der inhaltlichen Planung berücksichtigt wurde, waren aktuellen EU-Themen wie „Green Deal“, Digitalisierungsstrategie sowie der Umgang der EU mit der Corona-Pandemie.

Die Programmgestaltung verlief so, dass die Hälfte der Arbeitsstunden für die Vor- und Nachbereitung der Exkursion reserviert wurde und somit die andere Hälfte für die tatsächliche Exkursion zur Verfügung stand. Als Termine wurden zwei volle und ein halber Tag in der ersten Dezemberwoche gewählt. Begonnen wurde am Mittwoch, dem 2. Dezember 2020 um 14:00 Uhr und am Freitag, dem 4. Dezember 2020 um 18:00 war das Ende angesetzt. Die Termine mit den einzelnen EU-Expertinnen und EU-Experten waren jeweils für 45 Minuten angesetzt, wobei für jeden Vortrag selbst 20 Minuten eingeplant waren und der Rest der Zeit für Diskussionen zur Verfügung stand. Zwischen jedem der Vorträge war eine Pause von 15 Minuten angesetzt, die sowohl als echte Pause gedacht war, aber auch die Möglichkeit gegeben hätte Überziehungen und technische Probleme auszugleichen.

Zu Beginn wurden die einzelnen Vortragsthemen entlang der inhaltlichen Ausrichtung der Studienreise definiert. Daran anschließend wurden die Wunschkandidaten und Wunschkandidatinnen für die einzelnen Vorträge festgelegt. Dank der bestehenden, guten Kontakte der Studiengangsleiterin sowie der FH Burgenland insgesamt und dank der Unterstützung durch die Besucherdienste der EU-Institutionen wurden die Terminanfragen bei den EU-Experten und EU-Expertinnen großteils bestätigt.

Für die Vorträge wurden die Videokonferenzsysteme der EU-Institutionen bzw. das FH-eigene Videokonferenzsystem (WebEx) eingesetzt.

 

3.) Umsetzung

a. Vorbereitungsphase

Um den erstsemestrig Studierenden die Möglichkeit eines besseren Kennenlernens trotz Entfalls der realen Exkursion zu ermöglichen, wurde bei der Vor- und auch Nachbereitung auf Gruppenarbeiten gesetzt. Die Studierenden mussten sich selbst in fünf Gruppen zu je sechs Personen mit dem Moodle-Instrument „Gruppenwahl“ zusammenfinden. Im Programm wurde jedem Vortrag eine Gruppe zugeordnet. Auf Grund des vielfältigen Programms konnten jeder Gruppe drei Vorträge zugewiesen werden. Die Aufgabenstellung an jede dieser Gruppen war, sich mit den ihr zugeordneten Vortragsthemen sowie den relevanten Institutionen und auch den vortragenden Personen auseinanderzusetzen und bereits im Vorfeld für jeden Termin drei bis fünf Fragen vorzubereiten. Diese waren über eine Gruppenabgabe bis drei Tage vor Beginn der Exkursion auf Moodle abzugeben. Die Fragen stellten eine Vorbereitung auf die Vorträge dar und dienten dazu die Studierenden in das Thema einzuführen. Weiteres Ziel der Gruppenarbeit war es, die sehr unterschiedlichen Bildungsbiographien der Studierenden positiv zu nutzen, indem sie aktuelle EU-Themen unter verschiedenen Blickwinkeln diskutierten. Durch die Erarbeitung unterschiedlicher Fragen konnten die Studierenden aktiv die inhaltliche Gestaltung der Diskussion mit den EU-Experten und EU-Expertinnen mitbestimmen.

Um auch einen organisatorisch reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, wurden Inhalt, Programm und Anforderungen der gesamten Studienreise bereits in einem Termin Ende Oktober (ca. 6 Wochen vor der Studienreise) mit den Studierenden besprochen. Das finale Programm enthielt bei jedem Programmpunkt eine Verlinkung zu dem jeweiligen virtuellen Raum, um sicherzustellen, dass auch bei technischen Problemen der Einstieg in den richtigen Raum jederzeit (wieder) möglich gewesen wäre.

Als weitere Vorbereitung wurde vorab auf Moodle eine eigene Informations-Seite erstellt, wo relevante Links sowie vertiefende Informationen bereitgestellt wurden.

 

b. Ablauf der Exkursion

Die virtuelle Exkursion begann am Dienstag, dem 2. Dezember 2020 um 14:00 Uhr mit einer Einführung durch die Studiengangsleiterin, wo auch offene Fragen besprochen werden konnten. Anhand einer virtuellen Tour mit Google Streetview wurde ein Überblick über die einzelnen Stationen der Exkursion gegeben, um so zumindest die Idee eines „Brussels feelings“ zu vermitteln. In der Zeit von 14:30 Uhr bis 17:45 Uhr fanden Vorträge von Beamtinnen und Beamten der Europäischen Kommission statt. Dieser Einstieg folgte dem chronologischen Beginn des Rechtsetzungsverfahrens auf EU-Ebene. Die Vortragenden der EU-Kommission verfügten über unterschiedliche kulturelle Hintergründe und waren auch in der Hierarchie der Europäische Kommission auf unterschiedlichen Ebenen angesiedelt, was wesentlich dazu beitrug, dass ein sehr differenziertes Bild der Arbeit der Europäischen Kommission gezeichnet werden konnte.

Am darauffolgenden Mittwoch, dem 3. Dezember 2020, wurde bereits um 09:00 Uhr – dem legislativen Prozess weiter folgend – beim Europäische Parlament begonnen. Nach einer allgemeineren Einführung folgten Informationen über das Praktikumsprogramm, das für die Studierenden gerade dieses Studiengangs von herausragender Bedeutung ist. Anschließend konnten die Studierenden mit vier hochkarätigen Abgeordneten des Europäischen Parlaments unterschiedlicher politischer Herkunft zu den Themen „Europa in der Coronakrise“ (Vizepräsident Othmar Karas), „Digitalisierungsstrategie der EU“ (Evelyn Regner), „Wirtschaft und Klima – ein Widerspruch?“ (Claudia Gamon) und „Farm to Fork-Strategie“ (Sarah Wiener) in Diskurs treten. Um 15:15 Uhr und um 16:15 Uhr informierte schließlich die Ständige Vertretung Österreichs zur EU bzw. ein Vertreter des Rats der Europäische Union über den Ablauf des Rechtsetzungsverfahrens im Bereich des Rats der Europäischen Union. Abschließend wurde um 17:15 Uhr auch noch der Europäische Ausschuss der Regionen zugeschaltet, um auch etwas über diese am Gesetzgebungsprozess beteiligte Institution zu erfahren. Der Tag endete um 18:00 Uhr.

Der dritte und letzte Tag, der 4. Dezember 2020, dauerte von 09:00 Uhr bis 18:00 Uhr und stand – im Anschluss an die zwei Tage in den EU-Institutionen – unter dem inhaltlichen Schwerpunkt „EU-Lobbying“. Demnach kamen insbesondere Interessenvertreterinnen, Lobbyistinnen und Medienvertreter zu Wort und berichteten aus ihrer praktischen Arbeit auf dem „Brüsseler Parkett“. Den Abschluss der Lehrveranstaltung am Freitag, 4. Dezember 2020, bildete eine einstündiges Feedback-Gespräch in nahezu ausgelassener und positiv überschwänglicher Stimmung der Studierenden. Während all dieser Termine waren insbesondere die Studierenden gefragt, sich aktiv zu beteiligen. Da jedem Vortrag schon in der Vorbereitungsphase eine Studierenden-Gruppe zugeordnet worden war, gab es immer Fragen, die gestellt wurden und oft auch als Eisbrecher dienten. Aber auch neue Fragen von Studierenden außerhalb der spezifischen Gruppe konnten damit provoziert werden und so entwickelten sich häufig rege Diskussionen.

Jeder Exkursionstag wurde durch eine von der Studiengangsleiterin moderierte Feedback-Runde abgeschlossen; dazu wurde Padlet als anonymes Umfrageinstrument verwendet. Dieses Feedback-Instrument konnte die unmittelbaren Eindrücke nach den einzelnen Tagen abfragen und einfangen und ermöglichte auch einer Gruppe von 30 Personen unkompliziert und individuell Feedback zu geben. Diese Gelegenheit wurde von der Gruppe sehr aktiv wahrgenommen.

 

c. Nachbereitungsphase und Evaluierung

Die Nachbereitung bestand darin, die Antworten, die die Studierenden der einzelnen Gruppen von den Vortragenden erhalten hatten, zu sammeln, in der Gruppe aufzubereiten und als Gruppe via Moodle einzureichen. Um auch „die Außenwelt“ an der virtuellen Studienreise teilhaben zu lassen, wurde schon in der Vorbereitungsphase festgelegt, dass die Gruppen die Möglichkeit hätten die Antwort auf eine der Fragen (von insgesamt drei bis fünf Fragen pro Gruppe) durch einen Beitrag zur Exkursion auf ausgewählten Social Media-Plattformen (Instagram, Linkedin oder Twitter) zu ersetzen. Eine Möglichkeit, die von fast allen Gruppen genutzt wurde und in der Social Media-Welt auf sehr positives Echo gestoßen ist. Ein positiver Nebeneffekt: Durch die Social Media-Aktivitäten wurden innerhalb der Studierenden-Gruppe, die sich bis zur Studienreise wenig kannte, erste virtuelle Netzwerke geknüpft und beispielsweise Informationen über den bisherigen Werdegang ausgetauscht. Die Social Media-Aktivitäten zur Studienreise wurden aufgrund vorher fixierter Hashtags der FH Burgenland für ein größeres Publikum zugängig, was dazu führte, dass diese Beiträge auch von Vortragenden und anderen aus dem FH-Netzwerk geteilt und „geliked“ wurden. Letztendlich brachte die Studienreise damit auch der FH Burgenland ein sehr positives Echo auf den Social Media-Kanälen und den Studierenden wiederum positives Feedback zu „ihrer“ Reise.

Die Lehrveranstaltung wurde bei positiver Beurteilung der abgegebenen Antworten mit den Worten „mit Erfolg teilgenommen“ beurteilt, da eine differenzierte Ausschöpfung des Notenspektrums bei einer Exkursion nicht sinnvoll erscheint. Diese Erkenntnis stützt sich auf langjährige Erfahrungen, insofern als, dass die individuellen Lehren der Studierenden aus einer Exkursion so unterschiedliche sein können, dass eine Bewertung weder nützlich noch notwendig erscheint. Eine Erkenntnis die auch das Feedback bestätigt.

Hinsichtlich Evaluierung konnte jede und jeder Studierende zu jedem einzelnen Vortrag eine anonyme Bewertung auf einer fünfstufigen Skala abgeben. Diese Möglichkeit stand bis Sonntag, 6. Dezember 2020, also drei Tage nach Ende der Exkursion, zur Verfügung und bot damit – gemeinsam mit der routinemäßig durchzuführenden Evaluierung – die Möglichkeit die Eindrücke der Exkursion mit einem kurzen zeitlichen Abstand zu bewerten. Die Beteiligung war bei diesem sehr simplen Befragungsinstrument hoch und lag bei durchschnittlich 18 (von 30) Personen pro Tag.

Die Bewertung der Vortragenden und der Reise insgesamt waren sehr positiv. Insbesondere die ausgiebige Möglichkeit Fragen zu stellen sowie die Offenheit der Vortragenden in deren Beantwortungen wurde den Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern hoch angerechnet. Negativ wurde das dichte Programm und die reduzierten Pausen bewertet, wodurch es vor allem am späteren Nachmittag schwierig wurde, den Vorträgen konzentriert zu folgen. Zusätzlich wurden bei einzelnen Vorträgen mehr interaktive Elemente gewünscht.

Im Vergleich zu einer real durchgeführten Studienreise lässt sich festhalten, dass es zwar schwieriger ist das “Brussels feeling” online zu transportieren und die Verkostung von Bier und Pommes Frites online nicht zu ersetzen ist, nichtsdestotrotz ergaben sich durch die virtuelle Version viele positive Aspekte. So waren etwa die Gespräche und Diskussionen mit den EU-Expertinnen und EU-Experten durch die vertraute Atmosphäre wesentlich gelöster. Die Gruppe musste nicht an Sicherheitskontrollen warten und Reisezeiten konnten als Vorbereitungszeit genutzt werden. Auch ein vergessener Reisepass bedeutete in diesem Fall nicht, dass man die Institution nicht besuchen konnte.

Mehrwert

Der Mehrwert dieses Projekts ist auf vielfältige Art auf mehreren Ebenen sichtbar. Vor allem aus Sicht der Studierenden führt der niederschwellige Zugang einer virtuellen Exkursion dazu, dass auch Studierende mit beruflichen oder familiären Verpflichtungen, Studierende mit Mobilitätseinschränkungen, aber auch Studierende mit finanziellen oder zeitlichen Restriktionen leichter an der Exkursion teilnehmen können; insbesondere da die Teilnahme nicht notwendigerweise ein Laptop verlangte, sondern auch leicht per Smartphone zu bewerkstelligen war.

Ein Hauptvorteil für Lehrende ist die Möglichkeit diversitätsgerechte Lehre anbieten zu können, was die Identifikation mit und Lernmotivation für den Studiengang erheblich steigern kann. Gleichzeitig können aber auch Beschränkungen von Lehrenden so leichter Berücksichtigung finden und Lehrende mit Mobilitätseinschränkungen oder Betreuungspflichten an Exkursionen teilnehmen.

Mit der virtuellen Studienreise wurden fächerübergreifende Kompetenzen und Qualifikationen gefördert. Zum einen waren die Studierenden gefordert, die in der vorangegangenen Lehrveranstaltung „The European Union“ vermittelten Inhalte nochmals zu vertiefen und auf die praktische Umsetzung im täglichen Leben der EU-Institutionen in Brüssel zu transferieren. Dadurch konnten sie in den Diskurs zu aktuellen EU-Themen mit den EU-Experten und EU-Expertinnen einsteigen. Zum anderen waren Kommunikations- und Teamkompetenzen gefordert, als es galt Fragen vorzubereiten, mit den EU-Expertinnen und EU-Experten zu diskutieren und das Erlebte dann auch zu verarbeiten und wiederzugeben. Die Social Media-Beiträge, die an Stelle einer Fragen-Beantwortung Eingang in die Bewertung fanden, verlangte Kommunikationsfähigkeiten in dem die manchmal technische EU-Sprache in eine für Social Media-Zwecke angepasste Sprache „übersetzt“ werden musste. Und last but not least wurden während der gesamten virtuellen Studienreise unterschiedlichste online-Tools eingesetzt, deren Verwendung für die Studentinnen und Studenten spätestens nach der Studienreise selbstverständlich ist. Aus Sicht der Bildungsorganisation werden natürlich Reisekosten und –zeiten eingespart. Das Sicherheitsrisiko, das mit einer Dienstreise verbunden sein kann, fällt ebenfalls weg.

Ebenso fallen alle Sicherheitskontrollen bei den Eingängen der EU-Institutionen weg, was sowohl den zeitlichen, als auch bürokratischen Aufwand deutlich reduziert.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Das Konzept ist jedenfalls auf jede andere Exkursion übertragbar, wobei insbesondere Exkursionen zu den EU-Institutionen nach Brüssel eher in dieser Art und Weise umzusetzen sind, da deren Besucherdienste im Zuge der Pandemie bereits mehr oder weniger aktiv virtuelle Besuche anbieten.

 

Das Konzept soll bereits im April 2021 im Rahmen des Bachelor-Studiengangs Internationale Wirtschaftbeziehungen mit einer größeren Kohorte (ca 120 Studierende) weiterentwickelt werden. Auf Grund der größeren Gruppengröße wurde in der Weiterentwicklung auch die mehrmalige Möglichkeit für die Studierenden geschaffen, sich Vorträge nach ihren Interessen auszusuchen. Neben der stärkeren Studierendenzentrierung wird dadurch auch die Größe der Gruppen reduziert, wodurch ein intensiverer Austausch mit dem Redner oder der Rednerin ermöglicht wird. Gleichzeitig werden zusätzliche interaktive und auch virtual reality-Elemente bereits in die Vorbereitung integriert; diese stehen in ausreichender Anzahl zur Verfügung, wenn genügend Zeit danach bleibt sie zu suchen.

Als längerfristige Entwicklung wurde auf Organisationsebene bereits angeregt, „Exkursionsdidaktik“ als eigenes Modul im Erweiterungsprogramm des Fortbildungslehrgangs für Lehrende an der FH Burgenland (ATHENA) zu integrieren. Dadurch kann auch Austausch zwischen Lehrenden entstehen, der die Gestaltung von Exkursionen in Zukunft einfacher und effizienter möglich macht.

Aufwand

Die Umwandlung der Exkursion nach Brüssel in eine rein virtuelle Exkursion hat keine zusätzlichen Kosten verursacht – ganz im Gegenteil, Reisekosten und der mit dem Reisen einhergehende ökologische Fußabdruck wurden eingespart. Was jedoch als zusätzlicher Aufwand zu berücksichtigen ist, waren die zusätzlichen Telefonate, die geführt werden mussten, um Vortragende für einen online-Vortrag zu gewinnen und dementsprechend vorzubereiten. Gleichzeitig war auch der Wunsch nach Feedback bei den Vortragenden sehr viel stärker ausgeprägt, was eine intensivere Nachbearbeitung erforderte.

Positionierung des Lehrangebots

Die Studienreise zu den EU-Institutionen nach Brüssel ist am Ende des 1. Semesters im englischsprachigen Master-Studiengang European Studies – Management of EU-Projects im Lehrplan verankert. Inhaltlich ist die Studienreise im Curriculums-Teil „EU Policies & EU Institutions“ angesiedelt. Die Studienreise ist mit einem workload von 2 ECTS (entspricht rund 50 Stunden) und 2 Semester-Wochenstunden (entspricht 30 Lehreinheiten) angebeben Die theoretischen Grundlagen werden in der Lehrveranstaltung „The European Union“ gelegt, die zeitlich vor der Studienreise stattfindet. In dieser Lehrveranstaltung lernen die Studierenden sowohl Aufbau, Organisation, Aufgaben und Kompetenzen als auch Arbeitsweise und Positionen im institutionellen Gefüge der Europäischen Union kennen. Daran anschließend erleben die Studierenden während der Studienreise nach Brüssel die praktische Umsetzung der in der Lehrveranstaltung vermittelten Inhalte „hautnah“.

Links zu Social Media-Kanälen
Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2021 nominiert.
Ars Docendi
2021
Kategorie: Methoden des Distance Learning und deren nachhaltiger Einsatz
Ansprechperson
Gerda Füricht-Fiegl, MSc Ph.D.
Department Wirtschaft
+43 5 7705 4548
Nominierte Person(en)
Gerda Füricht-Fiegl, Ph.D.
Department Wirtschaft
Dr. Josefine Kuhlmann
Department Wirtschaft
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