Fachhochschule Joanneum GmbH
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COPILOT (Cooperative Online Peer and Intercultural Learning in Occupational Therapy) Modell und Module

Ziele/Motive/Ausgangslage

COPILOT steht für „Cooperative Online Intercultural Learning in Occupational Therapy”. Die Grundidee bzw. der Vorläufer für das heutige Modell entstand bereits 2011/12. Unmittelbarer Anlass war die Situation, dass in den Gesundheitsberufen, besonders den therapeutischen Berufen, Auslandssemester auf Grund von Sprachbarrieren und nationalen gesetzlichen Richtlinien nicht einfach umzusetzen sind und daher von relativ wenigen Studierenden genutzt werden. Um unseren Studierenden dennoch die Gelegenheit für internationalen Austausch zu geben, initiierte und plante ich daher gemeinsam mit zwei Kolleginnen – einer belgischen und einer niederländischen – ein gemeinsames Online Modul, „International Case Comparison@home“. Die Gesundheitsberufe in Europa weisen große nationale Unterschiede hinsichtlich ihrer Geschichte und Methoden, ihres Entwicklungsstandes und ihrer Einbettung in das jeweilige Gesundheitssystem auf. Wir stellten daher einen kritischen Austausch zu therapeutischen Herangehensweisen aus fachlicher Perspektive und im Kontext der jeweils unterschiedlichen institutionellen und beruflichen Umfeldern in den drei Ländern in den Mittelpunkt des Moduls. Durch kooperative Aufgabenstellungen in international gemischten Kleingruppen sollten vertiefte Diskussion und interkulturelles Lernen ermöglicht werden; die Breite der von den Gruppen selbst wählbaren Themen (Zielgruppen von Klient/inn/en) und der anzuwendenden Kompetenzen (fremdsprachliche, wissenschaftliche, kritische) erleichterten die Anrechenbarkeit an jeder unserer drei Institutionen. Das Pilotmodul lief sehr gut an; in den folgenden Jahren wiederholten und verfeinerten wir es; andere Hochschulen kamen dazu. 2015/16 erreichten wir mit acht teilnehmenden Partnern die Grenze guter Organisierbarkeit; es stellte sich die Frage nach Ziel und Richtung einer Weiterentwicklung. In denselben Jahren beschäftigte ich mich intensiv mit der Frage, wie wir unsere Studierenden gezielter bei der Entwicklung zukunftsgerichteter Kompetenzen unterstützen können. Hochschulen haben eine besondere gesellschaftliche Verantwortung: Wir bilden jene Menschen aus, die in den kommenden Jahrzehnten an der Lösung gesellschaftlicher Probleme mitwirken werden. Gerade heute stehen wir angesichts der Folgen zunehmender Globalisierung, demographischer Entwicklungen und eines immer rascheren technologischen Wandels vor ungeheuren Herausforderungen – aber auch Chancen. Um diesen konstruktiv zu begegnen, bedarf es neuer Skills. In einschlägigen Position Papers (Council of Europe 2016: Competencies for Democratic Culture; OECD 2018: The Future of Education and Skills. Education 2030) und Publikationen der letzten Jahre werden diese oft unter dem Schlagwort „21st century skills“ zusammengefasst: Fähigkeit zur effizienten Zusammenarbeit in heterogenen Teams; IT- und Sprachkompetenzen; innovatives und kritisches Denken, Problemlösungs- und Selbstkompetenz; aber auch Neugier, Resilienz, und die Fähigkeit, Ungewissheit und Konflikte zu tolerieren. Wie also diese Skills vermitteln? Eine Antwort liegt natürlich in der konsequenten Umsetzung jener Lehr - und Lernstrategien, die in letzten Jahrzehnten, erwachsen aus der konstruktivistischen Lerntheorie und Erkenntnissen der Neurodidaktik, und unter dem Eindruck der beschriebenen Herausforderungen entstanden sind und häufig als „engaged pedagogies“ subsumiert werden: Kooperatives Lernen, „active and reflective learning“, studierendenzentrierte Lehre, Ermöglichungsdidaktik, „experiential learning“ und andere mehr. Weiters aber kann besonders das Lernen im internationalen Kontext einen entscheidenden Beitrag leisten: Kollaboratives interkulturelles Lernen fördert nicht nur die Entwicklung interkultureller Skills; es macht fachliches Lernen nachhaltiger (Kniel 2009; Knight 2003, Fattinger 2019), und wirkt als Katalysator für den Erwerb einer Reihe der erwähnten transversaler Kompetenzen – weil es per se auf Prozessen kritischen Vergleichens und Reflexion beruht und bei Problemlösungen nach Geduld, Flexibilität, Toleranz und Kreativität verlangt (z.B. Shliakhovchuk 2019). Tatsächlich werden diese besonderen Vorteile in der Literatur inzwischen vielfach beschrieben (z.B. O’Dowd & Lewis 2018; Morong & DesBiens 2016); und die Europäische Kommission verweist seit 2014 im Zusammenhang der „21st century skills“ zunehmend auf die Bedeutung der „Internationalization@home“, bzw. in den letzten Jahren auf die „Internationalization of the curriculum“, um höhere Zahlen von Studierenden in nachhaltige Internationalisierungserfahrungen einzubinden (UNICollaboration 2014). Es liegt also nahe, zum Zweck der Vermittlung zentraler zukunftsorientierter Kompetenzen Lernszenarien zu planen und umzusetzen, welche die Vorzüge der „engaged pedagogies“ mit jenen des internationalen Lernens verbinden, und diese Lernszenarien zu einem integralen Bestandteil der Lehre zu machen. Unser Internationales Online Pilotprojekt „International Case Comparison@home“ stellte in Grundzügen ein solches Lernszenario dar. 2016/17 war es bereits einige Jahre erfolgreich gelaufen, aber mit 1 ECTS sehr limitiert. Es bot sich an, es als Modell für einen regelmäßigeren Einsatz von kooperativem interkulturellen online Lernen an unseren Hochschulen zu nutzen. Vor diesem Hintergrund schlug ich innerhalb der an „International Case Comparison@home“ beteiligten Gruppe von Partnerhochschulen vor, unser Pilotprojekt konsequent zu erweitern und auszugestalten – hinsichtlich Umfang (mehr Module), didaktischem Design sowie flexibler und nachhaltiger Umsetzungsmöglichkeiten nicht nur für unsere, sondern auch für andere interessierte Gruppen von Partnerhochschulen. Das Acronym COPILOT sollte den Charakter der Peer-gestützten Lehre durch die „Reise des Studiums“ hinweg betonen. Fünf Partnerhochschulen aus unserer Gruppe zeigten sich an meinem Entwurf für das neue Projekt interessiert und bereit, an der weiteren Ausgestaltung engagiert mitzuarbeiten. 2016/17 entwickelten wir Ideen für weitere Module. Unter meiner konzeptionellen Leitung reichten wir 2018 ein Ansuchen um Förderung als Erasmus+ Strategic Partnership Projekt ein, das erfolgreich war.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

COPILOT steht für “Cooperative Online Peer and Intercultural Learning in Occupational Therapy“. In seiner derzeitigen Umsetzung bietet es Studierenden der Ergotherapie an sechs europäischen Hochschulen die Gelegenheit, mehrmals während ihrer Ausbildung in international gemischten Kleingruppen virtuell, gemeinsam und weitgehend selbständig an fachlichen Fragestellungen zu arbeiten. Dabei entwickeln sie europäische Perspektiven ihres Berufsfeldes und vertiefen zukunftsweisende transversale Kompetenzen wie kritisches, innovatives Denken und die Zusammenarbeit in interkulturellen Teams. COPILOT Module sind von Inhalt und Kompetenzerwerb her so gestaltet, dass sie den Studierenden entweder anstelle von oder als Teil einer Lehrveranstaltung an der Heimathochschule mit den entsprechenden ECTS angerechnet werden. Das COPILOT Modell wurde ausgehend von einem kleinen Pilotprojekt seit 2012 kontinuierlich weiterentwickelt. Das Besondere am Modell sind einerseits das Implementierungsdesign, welches einen flexiblen und nachhaltigen Einsatz von COIL (collaborative online intercultural learning) erlaubt; andererseits die intendierte weitgehende Übertragbarkeit auf andere Hochschulen und Gesundheitsstudien. Die Förderung als Erasmus+ Strategic Partnership (oead, 2018-2021) ermöglichte die Erstellung weiterer Module und Begleitmaterialen, welche Lehrende bei der Implementierung von COPILOT Modulen oder der Planung eigener Module in neuen COIL Hochschul-Partnerschaften unterstützen sollen.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

COPILOT stands for “Cooperative Online Peer and Intercultural Learning in Occupational Therapy”. In its present form it provides students of Occupational Therapy at six European universities with the opportunity of working on subject-specific topics together with international peers several times during their degree program, through collaborative online learning. This allows them to develop a European outlook on their profession and strengthen transversal competences such as critical, innovative thinking and working in intercultural teams. Students can do one of or more of the nine COPILOT modules instead of, or as a part of a regular class for which they receive the designated ECTS. The COPILOT model started out from a small pilot module in 2012 and has been continually developed since then. What makes it special are its implementation design, which allows for a flexible and sustainable use of the COIL approach, and its intended transferability or adaptability to other Health Studies programs and other groups of universities. Since November 2018, COPILOT has been funded as an Erasmus+ Strategic Partnership project by the oead (until July 2021). This has made it possible to develop new modules, as well as supporting material meant to support university instructors in implementing some of the COPILOT modules or in planning their own modules in a new COIL (collaborative online intercultural learning) university partnership.

Nähere Beschreibung des Projekts

Das COPILOT Konzept macht sich den größten Vorteil virtueller Lernmöglichkeiten zunutze, nämlich die räumliche und zeitliche Unabhängigkeit, und verbindet Studierende mehrerer europäischer Partneruniversitäten in international gemischten Kleingruppen, in denen sie anhand von konkret für diesen Zweck entwickelten Modulen virtuell und gemeinsam an fachlichen Themen arbeiten. Die Module werden anstelle oder als Teil einer im Heimatcurriculum bestehenden Lehrveranstaltung angerechnet. Das Lernen erfolgt asynchron, aber auch synchron im Sinne von real-time online meetings der Kleingruppen, deren Zeitpunkt aber von den Studierenden festgelegt wird. Aktivierende Aufgaben stehen dabei sowohl auf der individuellen als auch der Gruppenebene im Vordergrund. 1) Wie funktioniert COPILOT? Der organisatorische Rahmen: Im ersten Schritt einigen sich zwei oder mehrere Partneruniversitäten auf fachliche Themen und /oder Kompetenzen, die in ihren Curricula im gleichen Zeitraum – d.h. Winter- oder Sommersemester - relevant sind und sich für die Erarbeitung durch Studierenden als Teil oder Ersatz einer bestehenden Lehrveranstaltung eignen (zu Auswahl von Themen und Kompetenzbereichen siehe unten). Im nächsten Schritt erstellen die Partnerhochschulen (oder einer der Partner in Abstimmung mit den anderen) einen entsprechenden „Study guide“ für ein internationales COPILOT Lernmodul, aufbauend auf eigenen Lehrunterlagen. Dieser enthält neben den Informationen eines klassischen Syllabus (Ziele, generische und spezifische Lernergebnisse, Inhalte, Methoden, Fristen, Beurteilungskriterien) auch die sogenannten „e-tivities“ (G. Salmon, 2013), d.h. Anleitungen, Lernunterlagen und Zeitrahmen zu den einzelnen Online Lernaktivitäten. Im hier dargestellten Projekt wurden bereits acht solcher Study Guides entwickelt und im Rahmen der Hochschulpartnerschaft getestet; ein weiterer befindet sich in Vorbereitung. In Zukunft entfallen also diese ersten Schritte für uns; ebenso ist dies der Fall, wenn eine andere Gruppe von Partnerhochschulen die bestehenden COPILOT Modle für sich nutzen kann und will. Danach nominieren die Hochschulen ihre teilnehmenden Studierenden – ganze Kohorten oder auch Gruppen von Studierenden, je nach curricularem Bedarf und Möglichkeit. Diese werden in international gemischte Kleingruppen von je 4-6 Studierenden aufgeteilt. Die meisten Aufgaben werden in diesen Kleingruppen bearbeitet. Entsprechend der Zahl der von ihnen nominierten Studierenden übernehmen Lehrende jeder Hochschule die Anleitung (e-Tutorenfunktion) für eine oder mehrere dieser internationalen Studierendengruppen. Eine der Hochschulen erklärt sich für die Gesamtkoordination zuständig. Anfangs lag diese immer bei mir, doch stellte ich fest, dass eine Abwechslung der Übernahme dieser Rolle die Identifikation der Partnerhochschulen mit den COPILOT Modulen stärkte. Der / die Koordinator/in stellt die e-learning Plattform zur Verfügung (moodle, MS Teams, etc.), die als gemeinsames Kommunikations- und Dokumentationstool dient. Die Plattform verfügt idealerweise über eine Chat- (MS Teams) oder Forumsfunktion (Moodle) und lässt sowohl das Arbeiten im Gesamtteam als auch in getrennten Gruppen (moodle, MS Teams „channels“) zu. Weiters ist der Zugang der Studierenden zu einem Conferencing Tool (MS Teams, zoom, etc.) Voraussetzung. Studierende erhalten eine kurze Einführung an den jeweiligen Hochschulen und werden über Beginn- und Enddatum des Online Moduls informiert. Danach arbeiten sie anhand der Informationen im „Study guide“ und der Lernunterlagen auf der e-learning Plattform weitgehend selbständig über mehrere Wochen oder Monate hinweg an den Aufgabenstellungen des Moduls. Abgesehen von den alle 2-3 Wochen auf die e-learning Plattform hochzuladenden kurzen „Progress reports“ sind Studierende frei in der Wahl der virtuellen Tools, die sie zu ihrer Kommunikation und real-time Meetings nutzen. E-Tutor/inn/en stehen bei Fragen beratend zur Seite und können den Lernfortschritt anhand der Aktivitäten auf der Lernplattform kontrollieren. Am Ende jedes COPILOT Moduls steht ein gemeinsames Gruppenprodukt (Bericht, Video, Präsentation etc.), welches auf die e-learning Plattform für alle sichtbar hochgeladen wird. Die Beurteilung erfolgt wahlweise durch die Tutorinnen und Tutoren oder aber jeweils an der „Heimathochschule“ durch die Lehrveranstaltungsleitung. Zu Beginn des Moduls werden Studierende anhand vorhandener oder zu diesem Zweck erstellten digitalen Ressourcen (online lectures, videos, Texte) in die grundlegenden Ziele und Aspekte von interkulturellem Lernen und der Arbeit in internationalen Teams eingeführt. Je nach verfügbarer Zahl von ECTS, die eine Hochschule vergeben kann, und abhängig vom Vorwissen der eigenen Studierenden, kann jede Institution zur Vertiefung des interkulturellen Lernens weitere Ressourcen und Aufgaben wählen, die als „Building Blocks – Cultural Competence“ zur Verfügung gestellt werden. 2) Didaktische Gestaltung der COPILOT Module: Unabhängig von den jeweiligen Themen und Aufgabenstellungen entschied ich mich, in alle COPILOT Module die folgenden Elemente einzubauen, die den Online Lernprozess günstig gestalten und das Erreichen der geplanten Lernergebnisse bzw. die Entwicklung der erwünschten Kompetenzen sichern sollen. Als Planungsgrundlage für das Lerndesign dienten u.a. Morong & DesBien (2016) und Salmon (2013). a) Eine Kombination von aktivierenden individuellen (asynchron zu erledigenden) Aufgaben, real-time „face-to-face“ virtuelle Meetings (synchron), sowie Gruppenaufgaben, die entweder synchron, asynchron oder in beiden Modi bearbeitet werden. Die Kombination soll eigenständiges und Teamlernen gleichermaßen fördern und vertiefte Reflexion ermöglichen. b) Eine Eingangsphase mit konkreten Aktivitäten zur virtuellen Orientierung und zur Online Sozialisation. Letztere ist die für die Qualität der weiteren Zusammenarbeit wesentlich. Beispiel: Hochladen von und anschließender Austausch zu 2-3 Fotos, die die Wohn – und Lernumgebung der Studierenden oder vergleichbare, typische Alltagssituationen illustrieren. c) Themenbezogene Einstiege in die Aufgaben, die sog. „Sparks“ (Kurzvideos, Textinputs, individuelle Mind-maps oder Assoziations-Tasks). Diese fördern die inhaltliche Annährung an das Thema, das individuelle Anknüpfen an Vorerfahrungen, und damit den nachhaltigeren Einbau neuer Inhalte in bestehende kognitive Strukturen. d) Interkultureller Vergleiche und interkulturelle Betrachtungen: Diese sind ein inhärenter Bestandteil der Module; gemäß den Grundregeln des „culturally responsive online learning (Morong & DesBiens 2016) sind sie jedoch, wo immer möglich, mit Inputs (theoretischer Hintergrund) und Reflexionsfragen verbunden und werden explizit eingefordert. e) Reflektive Aufgaben, als Individuum und als Gruppe, in welchen die Studierenden ihre Lernprozesse und Lernergebnisse aus persönlicher und fachlicher Perspektive evaluieren. f) Ein kollaboratives Endprodukt der internationalen Zusammenarbeit - d.h. eine gemeinsame Präsentation, Video, (Forschungs-)Bericht, etc. g) Übersichtlichkeit und Klarheit der Aufgabenstellungen im Modul anhand der kompakten Darstellung der einzelnen Online Aktivitäten als „E-tivities“ nach Salmon (2013): Jede „e-tivity“ entspricht einem Aufgabenkomplex, ist einem konkretem Zeitraum zugeordnet (z.B. Woche 3-4), beginnt mit einer kurzem „Purpose statement“ und einem „Spark“ als Einstieg (siehe oben). Dann folgen die Kategorien „brief summary of the task“, „individual preparation“, „Group task“ sowie der Hinweis auf Lernunterlagen. 3) Die inhaltliche und curriculare Dimension: Für die Wahl der Themen und Aufgabenstellungen für die COPILOT Module waren folgende Kriterien ausschlaggebend: Die angesprochenen Kompetenzbereiche sollten in Einklang mit den TUNING references stehen, dem europäischen Kompetenzrahmen für Hochschulprogramme für Ergotherapie, welcher in die meisten europäischen Curricula (mehr oder weniger) Eingang gefunden hat. Auch die (neueren) CanMed roles (Kanada) sowie die in der European Agenda for the Modernisation of Higher Education (2017) angeführten Kompetenzen (z.B. Entrepreneurship) wurden zur Planung mit herangezogen. Die Themen und Aufgabenstellungen sollten weiters möglichst unterschiedlich und sehr breit angelegt sein, um die Anrechenbarkeit innerhalb verschiedenen Curricula (der Ergotherapie, aber auch anderer Gesundheitsstudien) zu erleichtern (z.B. Fragen der professionellen Identität; Trends und Herausforderung der Zukunft; Chancen der Digitalisierung; Vergleiche des Berufsfelds). Schließlich sollte es sich um Themen handeln, die entweder interkulturelles Lernen besonders fördern (z.B. Fragen der Berufsethik) oder aber durch einen internationalen Vergleich und Austausch inhaltlich einen Mehrwert erfahren. Letztendlich wurden die unten angeführten Module entwickelt. Um die Anrechenbarkeit zu erleichtern, mussten wir Kompromisse hinsichtlich des Umfangs machen: Die meisten Module sind nun auf 1-2 ECTS ausgelegt. „International Case Comparison“: Studierende definieren in ihrer Gruppe eine konkrete, praxisorientierte Fragestellung innerhalb eines von ihnen vorab gewählten Aspekts ihres Faches (Pädiatrie, Geriatrie, Inklusion, etc.). In der Folge recherchieren, erarbeiten und vergleichen sie praktische Lösungsansätze, so wie sie in ihren jeweiligen soziokulturellen, institutionellen und beruflichen nationalen Umfeldern üblich sind. Endprodukt der Gruppenarbeit ist ein gemeinsamer kritischer Bericht. „Visions of the Future“: Hier stellen die Studierenden anhand von online Materialien Überlegungen an, wie große, allgemeine gesellschaftliche Veränderungen (z.B. Globalisierung, Digitalisierung, Klimawandel, demographische Veränderungen, technologischer Wandel) sich in Herausforderungen, aber auch Chancen in ihrem Berufsfeld niederschlagen (könnten). In den Kleingruppen einigen sie sich dann auf eine konkrete Herausforderung und entwickeln gemeinsam potentielle innovative Herangehensweisen „der Zukunft“. „Going Public“: Studierende führen zuerst individuell und dann gemeinsam eine SWOT Analyse der Situation ihres Berufsfeldes in den verschiedenen Ländern durch, vergleichen und kompilieren die Ergebnisse und bauen darauf eine mögliche Marketing Strategie für eine neue Zielgruppe („Klient/inn/engruppe“) auf, die sie mit Hilfe von Zielgruppen – und Stakeholder Interviews prüfen und verfeinern. „Digitalisierung“: Studierende recherchieren und vergleichen die in ihren Ländern bereits üblichen digitalen Lösungen in ihrem Berufsfeld; anschließend entwerfen sie für eine von ihnen definierte Zielgruppe und einen konkreten Zweck eine digitale Herangehensweise. „Professional Identity: Am I an Occupational Therapist?“: Studierende identifizieren und reflektieren anhand eines theoretischen Modells die Komponenten und die Entwicklung ihrer beruflichen Identität. Dabei werden nationale Unterschiede in Ausbildung und Berufsbildern deutlich. „Professional Profiles across Europe“: Studierende sammeln zunächst Überlegungen, was ein “Professional Profile” alles inkludiert oder ausmacht. Danach führen sie anhand eines von ihnen erstellten Leitfadens semi-strukturierte Interviews mit Expertinnen bzw. Experten durch – in diesem Fall Ergotherapeut/inn/en aus ihren Ländern. Sie präsentieren, diskutieren und analysieren die Ergebnisse und bereiten diese incl. „Take away messages“ für andere Studierendengruppen im Modul auf. „Community Perspectives: Enable Occupation and Participation in your Community”: Studierende suchen und dokumentieren öffentliche Plätze oder Einrichtungen in ihren Heimatgemeinden, die für vulnerable Gruppen gut oder weniger gut erreichbar oder bedienbar sind. Anhand der Prinzipien des „Universal Design“ und Basisregeln der Community-based Practice erstellen sie gemeinsam Empfehlungen für Verbesserungen, gerichtet an eine fiktive oder reale Gruppe von Stakeholdern in ihren Gemeinden. „Ethical Issues“: Studierende setzen sich mit den ethischen Standards und Richtlinien in ihrem Beruf auseinander. Anhand eines Fallbeispiels (ethisches Dilemma) erfahren und üben sie das Modell einer ethischen Entscheidungsfindung und präsentieren und argumentieren die Gruppenentscheidung abschließend. 4) Feedback und Evaluation: Bisher nahmen ungefähr 750 Studierende des Studiengangs und seiner Partnerhochschulen an COPILOT Modulen teil. Die Evaluation erfolgte in den letzten Jahren systematisch über online Fragebögen. Die Lernerfahrung im COPILOT Modul wurde von den Studierenden durchwegs positiv beurteilt (s.a. Link Website Studiengang); alle gaben einen Kompetenzzuwachs in einer oder mehreren der eingangs dargestellten „21st century skills“ an. Wie auch in regulären Lehrveranstaltungen wurde die Workload als recht unterschiedlich empfunden. Als größte Herausforderung wurden die Schwierigkeit, gemeinsame Termine für Online Meetings zu finden, und – seltener – Barrieren durch den Gebrauch des Englischen als Arbeitssprache genannt.

Mehrwert

In Zeiten von COVID ist die rein virtuelle Durchführbarkeit von Lehre natürlich ein großer Vorteil. Studierende können europäische Netzwerke aufbauen und werden auf einen europäischen Arbeitsmarkt vorbereitet. Die beteiligten Lehrenden und Tutorinnen / Tutoren sehen laut der Evaluationen die Module als fachlichen und didaktischen Gewinn. Die englischsprachigen und daher „Incoming-tauglichen“ Module erleichtern die Studierendenmobilität. Die enge Zusammenarbeit mehrerer Partnerhochschulen in der Durchführung der Module fördert die Bildung strategischer, nachhaltiger Hochschulkooperationen.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Das COPILOT Modell selbst stellt eine Umsetzung von COIL (collaborative online intercultural learning) dar und ist für die Übertragbarkeit auf andere Lehrveranstaltungen, Studienrichtungen und Lernsituationen an in- und ausländischen Hochschulen konzipiert. Das zentrale Element von COPILOT Modulen – die Arbeit in Kleingruppen – erlaubt eine relativ große Planungsflexibilität und toleriert Schwankungen in der Teilnehmerzahl, solange die nationale und sprachliche Durchmischung in den Studierendengruppen gewährleistet ist. Nicht zur COPILOT Partnergruppe gehörende Hochschulen können durch Teilnahme als „Guest partners“ Einblick in das Modell erhalten. Elemente des kooperativen, aktivierenden blended-learning können natürlich auch in Lehrveranstaltungen ohne internationalen Studierende angewendet werden. Die neun COPILOT Module sind zum überwiegenden Teil auf andere Gesundheitsstudien übertragbar, teilweise natürlich mit Adaptionen. Der Vorläufer des COPILOT Konzepts, das Modul „International Case Comparison@home“, wird seit 2011 jährlich am Institut für Ergotherapie der FH JOANNEUM durchgeführt, weiterentwickelt und evaluiert. Die in den letzten Jahren entwickelten Module wurden systematisch getestet und evaluiert. Die regelmäßige Durchführung ab WS 2021 mit der bestehenden Gruppe von Partnerhochschulen und „guest partners“ ist Ziel des bestehenden Erasmus+ Projekts, und als „Lohn“ der bisherigen Arbeit und in einer nach 10 Jahren der Zusammenarbeit stabilen Gruppe von Hochschulpartnern nicht nur geplant, sondern auch sehr realistisch. Am Institut für Ergotherapie der FH JOANNEUM wird die Absolvierung von drei ECTS in Form von COPILOT Modulen noch 2021 im Curriculum als Empfehlung verankert; aus dem Team der Lehrenden werden zwei Personen für die zukünftig Koordination der COPILOT Module bestimmt; einige Kolleginnen wurden bereits als Tutorinnen eingeschult.

Aufwand

Angesichts der Dauer und des Umfangs des hier dargestellten Projekts muss hier nach unterschiedlichen Phasen differenziert werden: 1) Projektdurchführung in seiner jetzigen Form: Die erstmalige Erstellung eines neuen „Study guides“ nach dem COPILOT Modell (Template) bedeutet anfänglich erhebliche zeitliche Ressourcen – jedoch nicht unbedingt mehr als die sorgfältige, erstmalige Planung einer „regulären“ Lehrveranstaltung. Der Vorteil der nun entwickelten COPILOT Module ist aber – dies wurde auch im Feedback der Tutorinnen und Tutoren hervorgehoben – dass sie in der Durchführungsphase sozusagen „Selbstläufer“ sind: Der Aufwand an Tutorentätigkeit wurde jeweils mit maximal 6-8 Stunden pro Modul beziffert. Die Gesamtkoordination incl. Evaluation eines COPILOT Moduls erfordert ungefähr 15-20 Arbeitsstunden, aber pro Modul jeweils nur für einen der Hochschulpartner. Das heißt, dass die Durchführung bestehender COPILOT Module je nach Rolle bei der Organisation keinen oder einen relativ geringen zusätzlichen Zeitaufwand für Lehrende darstellt. 2) Projektplanung und Entwicklung: Die Planung und Durchführung des Pilotprojekts „International Case Comparison@home“ erfolgten 2010- 2014 im Rahmen der Workload der Antragstellerin für die reguläre Lehrveranstaltung „English for Occupational Therapists“; die erforderliche internationale Planungsarbeit konnte teilweise bei den jährlich stattfindenden Konferenzen des European Network for Occupational Therapy in Higher Education (ENOTHE) geleistet werden, an denen die Antragstellerin im Rahmen ihrer Tätigkeit als Internationale Koordinatorin teilnahm (Reisekostenersatz durch FH JOANNEUM). Ab 2014 konnte die Antragstellerin für die Koordination des internationalen Moduls 20 zusätzliche Arbeitsstunden / Jahr in Anspruch nehmen. Für die Aufbauphase des hier eingereichten COPILOT Projekts (2016-2018) waren mehrere Treffen (Winterthur 2016, Graz 2017, Zagreb 2017) der nunmehrigen Projektpartner erforderlich; hierfür konnten für die Reisekosten Mittel aus der erasmus+ Staff Mobility, dem ENOTHE Fonds und eines Eigenmittelantrags der FH JOANNEUM lukriert werden. Der zusätzliche Zeitaufwand wurde freiwillig eingebracht. Die Antragstellung für die Förderung als Erasmus+ Strategic Partnership Project war entsprechend arbeitsintensiv, konnte aber dankenswerter Weise zum größeren Teil innerhalb der regulären Workload der Antragstellerin erfolgen. Von November 2018 bis Juli 2021 wurde / wird COPILOT von Mitteln des oead gefördert.

Positionierung des Lehrangebots

COPILOT besteht aus neun internationale Modulen, mit einem Umfang von jeweils 1-2 ECTS, gerichtet an Studierende der Ergotherapie (Bachelorprogramme) an der FH JOANNEUM, an den 5 Partnerhochschulen innerhalb des Projekts sowie an den (derzeit) drei weiteren europäischen Hochschulen, die als „Guest partners“ (Studierende, Lehrende) an den COPILOT Modulen teilnehmen. Bisher nahmen ingesamt ca. 750 Studierende dieser Hochschulen an COPILOT Modulen teil; 250 davon im Vorläufermodul „International Case Comparison@home“ (2011-18). Partnerhochschulen: HOWEST (Belgien); LTU (Schweden); University of Ruse (Bulgarien); Zuyd Hogeschool (Niederlande); ZHAW (Schweiz).“Guest partners“: UPEC (Frankreich); University of Bacau (Rumänien); HAN (Niederlande). COPILOT Module werden an den teilnehmenden Hochschulen jeweils anstelle oder als Teil eines bestehenden regulären Lehrangebots durchgeführt; Studierende erwerben mit ihrer Teilnahme an den Modulen die dafür im Curriculum vorgesehenen ECTS.

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2021 nominiert.
Ars Docendi
2021
Kategorie: Kooperative Lehr- und Arbeitsformen
Hochschullehrpreis 2020
Kategorie: Gelungene Lehre trotz Distance Learning
Link zum Hochschulpreis
Ansprechperson
Doz.(FH) Mag. Elisabeth Fattinger
Ergotherapie
+43 316 5453 6764
Nominierte Person(en)
Doz.(FH) Mag. Elisabeth Fattinger
Ergotherapie
Themenfelder
  • Curriculagestaltung – Organisation
  • Neue Medien
  • Didaktische Methode
  • Curriculagestaltung – Inhalt
  • Erfahrungslernen
  • Internationalisation@home
Fachbereiche
  • Medizin und Gesundheitswissenschaften