tripleR ODER wie lassen sich frühzeitig wissenschaftliche Kompetenzen im Medizinstudium erwerben?

Ziele/Motive/Ausgangslage

Ausgangslage

Mediziner*in zu sein ist nicht nur ein Beruf, Medizin ist Profession. Ein wesentliches Charakteristikum, das den Arztberuf auszeichnet und zur Profession erhebt, begründet sich in dem Prozess der medizinischen Entscheidungsfindung. Idealerweise sollten sich Ärztinnen und Ärzte unter Berücksichtigung ihrer eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten, sowie der Werte und Wünsche ihrer Patient*innen auf Basis der zurzeit besten verfügbaren Evidenz für eine Behandlung entscheiden. Die Fähigkeit evidenzbasiert zu entscheiden wirkt sich entscheidend auf die Qualität der Versorgung von Patient*innen aus und wird so immer mehr zu einer der Schlüsselkompetenzen im Bereich der Medizin. Jedoch ist zu beobachten, dass der Vermittlung wissenschaftlicher Kompetenzen und der damit verbundenen Befähigung zu evidenzbasiertem Denken und Handeln in traditionellen Ausbildungsgängen der Humanmedizin vergleichsweise wenig Bedeutung zugemessen wird. Angebote, die wissenschaftliche Skills adressieren sind zumeist nur im Wahlpflichtbereich zu finden.

 

Motive

Das Ziel einer evidenzbasierten Medizin besteht in einer medizinischen Versorgung, die auf Grundlage der besten zur Verfügung stehenden Daten getroffen wird. Die steigende Zahl wissenschaftlicher Veröffentlichungen im Bereich der Medizin erschwert jedoch zunehmend den aktuellen Stand der Forschung zu überblicken und somit die ärztliche Versorgung von Patient*innen auf eine wissenschaftliche Grundlage im Sinne einer evidenzbasierten Medizin zu stützen. Folglich wird sowohl die effiziente Recherche nach medizinisch-wissenschaftlicher Literatur und Studien, sowie die kritische Bewertung der aufgefundenen Quellen zunehmend zu einer Kernkompetenz im gesamten Gesundheitsbereich.

 

Ziel

Um Studierende der Medizin auf die Komplexität ihres zukünftigen Berufs vorzubereiten und den frühzeitigen Erwerb wissenschaftlicher Kompetenzen zu fördern, wurde die Veranstaltungsreihe tripleR entwickelt und curricular in fünf aufeinanderfolgende Semester des Bachelorstudiengangs Humanmedizin an der Sigmund Freud PrivatUniversität verankert.

Das Ziel der drei aufeinander aufbauenden Veranstaltungen - how to Retrieve a paper, how to Report medical research und how to Read a paper - der tripleR Reihe besteht in der Vermittlung von Grundlagen, die ein evidenzbasiertes Denken und Handeln ermöglichen. Die spezifischen Lernziele orientieren sich folglich an den Erfordernissen, die für ein evidenzbasiertes Denken und Handeln notwendig erscheinen und lassen sich dadurch charakterisieren, dass Studierende nach dieser Veranstaltungsreihe in der Lage sind eine beantwortbare Forschungsfrage zu formulieren, die relevante Literatur zur Beantwortung dieser Forschungsfrage zu identifizieren, wissenschaftliche Publikationen hinsichtlich der Vollständigkeit der beschriebenen Informationen zu prüfen, sowie die verfügbaren Informationen kritisch zu hinterfragen und hinsichtlich des Grads der Evidenz bewerten zu können.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Die Veranstaltungsreihe tripleR besteht aus drei aufeinander aufbauenden Lehrveranstaltungen als Teil des Curriculums des Bachelorstudiengangs Humanmedizin und verfolgt das Ziel einer longitudinalen Vermittlung wissenschaftlicher Kompetenzen. Die Anforderungen an ein evidenzbasiertes Denken und Handeln von künftige*n Mediziner*innen stellen den Ausgangspunkt für die Gestaltung der Veranstaltungsreihe, sowie der Formulierung der zugehörigen Lernziele dar.

 

Die Veranstaltung how to Retrieve a paper beginnt mit einer Einführung in das Auffinden relevanter Literatur zur Beantwortung einer wissenschaftlichen Fragestellung. In der Folgeveranstaltung how to Report medical research lernen die Studierenden methodische Mindestanforderungen für die Berichterstattung von Studien vor dem Hintergrund unterschiedlicher Studientypen kennen. Abschließend werden die Studierenden in how to Read a paper in die Lage versetzt, den Inhalt einer wissenschaftlichen Publikation durch selektives Lesen zu verstehen, kritisch zu hinterfragen und zu bewerten.

 

In allen Veranstaltungen arbeiten Studierende in Kleingruppen und erwerben somit zusätzlich Teamfähigkeit als eine weitere Kernkompetenz des ärztlichen Berufs. Einheitlich für alle drei Veranstaltungen der tripleR Reihe wird das Lernergebnis in einer Präsentation vor einem sukzessive sich vergrößerndem Plenum von Mitstudierenden überprüft und mündet schließlich in einem Posterkongress, der aus aktuellem Anlass als Online-Konferenz durchgeführt wird.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

The series of lectures tripleR consists of three consecutive courses as part of the curriculum of the bachelor's degree program in human medicine and follows the goal of longitudinal knowledge dissemination of scientific competencies. The requirements for evidence-based thinking represent the starting point for the design of the series of courses, as well as the formulation of the associated learning objectives.

 

The course how to Retrieve a paper starts with an introduction on how to find relevant literature for a scientific question. In the next course how to Report medical research, students learn the methodological minimum requirements for reporting clinical studies of different study types. Finally, in how to Read a paper, students are enabled to understand, critically appraise and evaluate the content of a scientific publication through selective reading.

 

In all courses, students work in small groups and thus acquire additional teamwork skills as another core competence of the medical profession. The learning outcome is assessed uniformly for all three courses of the tripleR series by a presentation to a successively increasing audience and finally culminates in a poster congress, which is held as an online conference due to the current pandemic.

Nähere Beschreibung des Projekts

Entwicklung

Mit der Einführung des Bachelorstudiengangs Humanmedizin an der Sigmund Freud PrivatUniversität wurden von Beginn an eine praxisorientierte Ausbildung zusammen mit dem Erwerb wissenschaftlicher Kompetenzen gedacht, um zukünftige Mediziner*innen auf die Komplexität ihres Berufes vorzubereiten. Kompetente Ärztinnen und Ärzte zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht nur über ein breites medizinisches Wissen und vielfältige Fähigkeiten verfügen, sondern darüber hinaus in der Lage sind ihre Entscheidungen auf der Grundlage des wissenschaftlichen Fortschritts und des aktuellen Stands der Medizin zu adaptieren. Dies bedeutet im Wesentlichen, dass angehende Mediziner*innen schon frühzeitig das Rüstzeug und die Grundlage für ein evidenzbasiertes Denken und Handeln vermittelt werden sollte.

 

Umgesetzt wurde dieses Ziel im Bachelorstudiengangs Humanmedizin an der Sigmund Freud Privatuniversität zunächst durch die Implementierung sogenannter Journal Clubs. Lehrveranstaltungen, in denen die kritische Bewertung wissenschaftlicher Publikationen aus dem Bereich der Medizin, im Vordergrund stand. Schnell wurde durch das studentische Feedback klar, dass methodische Grundlagen vermittelt und eingeübt werden sollten, um die Bewertung klinische Studienergebnisse aus der rein gefühlten Ebene auf eine wissenschaftlich basierte und damit kritisch-fundierte Ebene zu heben.

 

In der Folge wurde die Veranstaltungsreihe tripleR konzipiert und als obligatorisch in das Curriculum implementiert. Die Veranstaltungsreihe wird vom 2. bis zum 6. Semester angeboten und vermittelt in den aufeinander aufbauenden Veranstaltungen how to Retrieve a paper, how to Report medical resarch und how to Read a paper die methodischen Grundlagen zur Recherche und kritischen Bewertung von Studien. Die Veranstaltung bildet eine Säule des methodischen Grundverständnisses der evidenzbasierten Medizin. Neben der Befähigung zum evidenzbasierten Denken und Handeln, werden die Studierenden die erworbenen Fähigkeiten ebenfalls bei der Abfassung ihrer Masterarbeiten und späteren Publikationen einsetzen können.

 

Struktur

Basierend auf dem Konzept des Constructive Alignment zur Planung von Lehre (Biggs/Tang 2007) bilden die Anforderungen an ein evidenzbasiertes Denken und Handeln von künftige*n Mediziner*innen den Ausgangspunkt für die Gestaltung der Veranstaltungsreihe tripleR.

 

Diese Anforderungen an ein evidenzbasiertes Denken und Handeln wurden für jede der drei Veranstaltungen - how to Retrieve a paper, how to Report medical research und how to Read a paper - in Lernziele übertragen, die den Studierenden vor Beginn der jeweiligen Einheit kommuniziert und erläutert werden.

 

Korrespondierend zu den spezifischen Lernzielen sind die Lernaktivitäten so konzipiert, dass die Studierenden die jeweiligen Fähigkeiten aktiv in Kleingruppen erwerben können. Die Gruppenarbeit wird wesentlich vom Peer-Feedback der Studierenden getragen, wohingegen die betreuenden Dozenten die Rolle eines Moderators einnehmen. Sie initiieren und leiten den Feedbackprozess innerhalb der Gruppe, zerlegen etwa die Aufgabenstellungen in verschiedene Teilschritte und bieten Anleitungen zur Problemlösung an.

 

Den Lernzielen und Lernaktivitäten folgend, ist als Prüfungsform eine Ergebnispräsentation in Kleingruppen gewählt worden.

 

tripleR

Das erste R (2. Semester) – how to Retrieve a paper: Diese Veranstaltung vermittelt problemorientiert Methoden zur systematischen Literatursuche zur Beantwortung einer wissenschaftlichen Fragestellung. Dazu werden die wichtigsten wissenschaftlichen Literaturdatenbanken, sowie die notwendigen Schritte zum Auffinden von Artikeln vorgestellt.

 

Jede Kleingruppe entwickelt zu einem vorgegebenen Thema eine wissenschaftliche Fragestellung und identifiziert die zugehörige Literatur. Das beinhaltet die Überführung der Fragestellung in eine Suchstrategie, die Auswahl der geeigneten Quellen, die Spezifizierung der Suchterme und deren Verknüpfung, sowie die Dokumentation und Präsentation des gesamten Prozesses.

 

Die Veranstaltung gliedert sich in einen Vorlesungsteil und begleitender Kleingruppenarbeit. Zu Beginn des Semesters werden gruppenweise klinische Themen zugeordnet, jede Gruppe hat eine betreuende Dozentin oder einen betreuenden Dozenten als Ansprechpartner*in und eine Anzahl festgelegter Kontakttermine, um ihren Fortschritt darzustellen und offene Fragen zu klären. Ziel der Gruppenarbeit ist die Erstellung und das Vortragen einer Präsentation, in der die wesentlichen Aspekte der Recherche zusammenfassend dargestellt werden. Die Abschlusspräsentation stellt gleichzeitig die ergebnisorientierte Prüfung der erreichten Lernziele dar und wird pandemiebedingt, wie die gesamte Veranstaltungsreihe, als Onlineformat umgesetzt.

 

Das zweite R (3. & 4. Semester) – how to Report medical research: Die Struktur moderner Publikationen im Bereich der Medizin folgt heutzutage sogenannten Reporting-Guidelines, die die Anforderungen an den spezifischen Studientyp reflektieren. Ein inhaltliches Verständnis dieser Guidelines ist notwendig, um einen effizienten aber auch kritischen Zugang zu Publikationen zu ermöglichen.

 

Die Kleingruppenarbeit wird flankiert von zwei Veranstaltungen, in denen Soft-Skills (Präsentationstechniken, wissenschaftliches Arbeiten, richtiges Zitieren, etc.) vermittelt werden. Im Rahmen der Kleingruppenarbeit, wird folgend zunächst die grundsätzliche Struktur wissenschaftlicher Publikationen erarbeitet, die durch wissenschaftliche Guidelines (wie etwa das CONSORT statement zur Berichterstellung randomisierter klinischer Studien) vorgegeben sind. Darüber hinaus werden exemplarisch spezifische Aspekte der betrachteten Guideline erarbeitet, um den strukturierten Transfer auf ähnliche Items zu ermöglichen.

 

Insgesamt erlangen die Studierenden dadurch einen tiefen Einblick in die Notwendigkeit der strukturierten Berichterstellung wissenschaftlicher Publikationen. Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Reporting Guidelines verdeutlicht, ist darin zu sehen, dass die Strukturen, die in den Reporting Guidelines vorgestellt werden, auch für das eigene Verfassen von Publikationen, insbesondere auch der Masterarbeit genutzt werden kann.

 

Auch hier erfolgt die Überprüfung der erfolgreichen Erreichung der Lernziele durch eine Online-Präsentation der Ergebnisse vor dem Plenum der Mitstudierenden.

 

Das dritte R (5. & 6. Semester) – how to Read a paper: Im Bereich der Medizin wird täglich eine Vielzahl von Artikeln publiziert, die Einfluss auf die praktische Behandlung von Patient*innen haben. Nicht nur dass Ärzt*innen mit neueren Studienergebnissen ihr eigenes Handeln begründen – auch Patient*innen sind häufig gut informiert und verlangen neueste Therapieoptionen. Ziel der Veranstaltung ist das Erlernen von Vorgehensweisen zur kritischen Bewertung wissenschaftlicher Publikationen, um die Validität der Aussagen von Publikationen und damit den Grad der Evidenz bewerten zu können und insbesondere das Aufzeigen von Grenzen dieser Aussagen zu ermöglichen.

 

Die Veranstaltung besteht aus einem einführenden Vorlesungsteil, in dem methodische Aspekte zur kritischen Bewertung wissenschaftlicher Publikationen dargestellt werden, mit anschließender Kleingruppenarbeit. Im Rahmen der Kleingruppenarbeit bearbeite jeweils eine Gruppe von Studierenden unter Anleitung einer Dozentin bzw. eines Dozenten eine wissenschaftliche Publikation bearbeiten. Die Aufgabe der Studierenden besteht darin eine wissenschaftliche Publikation, die von den betreuenden Dozent*innen zur Verfügung gestellt wird, zu lesen und kritisch zu bewerten.

 

Abschluss der Veranstaltungsreihe und Prüfungsformat für how to Read a paper bildet eine Online-Konferenz, in der in parallelen Sessions die Poster in 10-minütigen Kurzvorträgen präsentiert werden. Studierende und Dozent*innen haben so die Gelegenheit die Ergebnisse anderer Gruppen kennen zu lernen und zu diskutieren. Alle Poster werden – in Anlehnung an ein peer-review Verfahren - anhand eines standardisierten Kriterienkatalogs von den Dozent*innen bewertet. Die drei besten Poster werden prämiert, darüber hinaus werden die Poster im Rahmen einer virtuellen Ausstellung über die Konferenz hinaus präsentiert, um auch Studierenden anderer Jahrgänge einen Einblick in diese Veranstaltung zu gewähren.

 

Methodik

Anhand der ersten Veranstaltung des Zyklus wird die generelle Methodik der Veranstaltungsreihe tripleR exemplarisch dargestellt. Die Studierende sollen nach how to Retrieve a paper unter anderem in der Lage sein

 

(1) ein klinisches Problem in eine wissenschaftliche Fragestellung unter Berücksichtigung der PICO Kriterien zu überführen.

 

(2) eine geeignete Suchstrategien zu entwickeln, mit denen Artikel zu einer spezifischen wis-senschaftlichen Fragestellung gefunden werden können.

 

Korrespondierend zu diesen Lernzielen sind die Lernaktivitäten so konzipiert, dass die Studierenden diese Fähigkeiten aktiv in Kleingruppen erwerben können. Dabei werden sie durch eine einführende Vorlesung vorbereitet und während der Gruppenarbeitsphase durch eine Dozentin oder einen Dozenten unterstützt.

 

Teams von sechs Studierenden bearbeiten ein klinisches Thema wie etwa „Honig zur äußeren Behandlung von Wunden“. Aufgabe der Studierenden ist es zunächst dieses Thema individuell zu spezifizieren – für welche Art von Wunden interessiert man sich? chronische Wunden oder Wunden, die an Extremitäten auftreten, etc. Wie soll der Honig appliziert werden? als Wundauflage, Salbe, etc. Woran macht man die Wirksamkeit fest? Reduktion der Wundgröße, vollständige Heilung, etc. und womit möchte man vergleichen? Wundauflagen mit einem anderen Wirkstoff wie z.B. Silber-Sulfat-Auflagen. Anschließend sollen die Studierenden eine konkrete wissenschaftliche Fragestellung entwickeln, die alle PICO (Population, Intervention, Comparator, Outcome) Aspekte adressiert. Eine mögliche Lösung wäre „Hat eine lokale Behandlung mit einer Honig Wundauflage bei Patient*innen mit chronischen Wunden einen positiven Effekt auf die Reduktion der Wundgröße im Vergleich zu einer Behandlung mit Silber-Sulfat-Auflage?“ Tatsächlich gibt es keine eindeutig richtige oder falsche Lösung, da die Formulierung der wissenschaftlichen Fragestellung von den vorab individuell spezifizierten Aspekten getrieben ist. Die einmal spezifizierte Fragestellung beeinflusst jedoch maßgeblich die Suchstrategie, die von den Studierenden im folgenden Schritt – basierend auf den PICO Aspekten als erste Suchterme - entwickelt werden soll.

 

Den Lernzielen und Lernaktivitäten folgend, ist als Prüfungsform eine Ergebnispräsentation in Kleingruppen gewählt worden. Während die Präsentationen in how to Retrieve a paper in einem vergleichsweise geschützten Raum stattfinden – die Studierenden präsentiere die Ergebnisse ihrer Gruppenarbeit zwei weiteren Gruppen - wird das Plenum in der Folgeveranstaltung how to Report medical research weiter ausgedehnt und findet schließlich in how to Read a paper vor dem kompletten Jahrgang, sowie aller beteiligter Dozenten in Form eines Kongresses statt, der pandemiebedingt in den betreffenden Jahrgängen als Online-Konferenz durchgeführt wird.

 

Die vornehmliche Ausgestaltung der Lernaktivitäten aller drei Veranstaltungen durch Kleingruppenarbeit fördert die Teamarbeit und damit eine Kernkompetenz der späteren beruflichen Tätigkeit als Mediziner*in in besonderem Maße. Die Interaktion in Kleingruppen ermöglicht den Studierenden zum einen individuelle Wissensunterschiede auszugleichen, zum anderen können sie ihre kommunikativen Fähigkeiten weiterentwickeln. Flankiert wir die Gruppenarbeit je nach Veranstaltung von Vorlesungen und Moodle-Lernräumen zur Vermittlung spezifischer Lerninhalten, sowie Soft-Skills wie etwa Präsentationstechniken oder richtiges Zitieren.

 

Qualitätssicherung

Ein kontinuierliches Monitoring der Veranstaltungsreihe tripleR wird zum einen durch zyklisch durchgeführte studentische Lehrevaluationen und insbesondere durch regelmäßige Modultreffen aller Dozent*innen gemeinsam mit Vertreter*inne der Studierenden zu Beginn und Ende der Semester gewährleistet. Die engmaschige Abstimmung aller Beteiligten ermöglicht eine schnelle Adaption an neue Herausforderungen und führt so zu einer beständigen Weiterentwicklung der Lehrveranstaltungen.

Hier sei nochmals auf die Online-Konferenz als abschließendes Prüfungsformat verwiesen, das sicherlich ohne die Erfordernisse der Pandemie nicht so schnell angedacht worden wäre, aus jetziger Sicht aber großes Potential für eine Verstetigung aufweist.

 

Mehrwert

Das Gesamtkonzept der Veranstaltungsreihe tripleR ist auf eine longitudinale Wissensvermittlung wissenschaftlicher Kompetenzen basierend auf einem problemorientierten Lernen in Kleingruppen ausgerichtet. Der aktive Austausch der Studierenden untereinander in Form des peer-feedbacks, begleitet durch die unterstützende Moderation der Dozent*innen, mit dem Ziel eine Aufgabe gemeinsam zu meistern, fördert nicht nur den Transfer von einem passiven zu einem aktiven Wissen, sondern ermöglicht den Studierenden darüber hinaus Kernkompetenzen für ihre spätere berufliche Tätigkeit zu entwickeln.

 

Das zunächst aufwändige erscheinende Format bietet aufgrund seiner sich wiederholenden standardisierten Struktur, seiner transparenten Lernziele und darauf aufbauenden Lernaktivitäten und Prüfungsformen eine Zeitersparnis für die Lehrenden. Besonders profitieren Lehrende dann, wenn sie Veranstaltungsreihe kontinuierlich unterstützen, aber auch Lehrende, die neu in das Team aufgenommen werden, berichten von einer effizienten Vorbereitung durch die strukturierte Gestaltung der Veranstaltungsreihe und die vielfältige Unterstützung durch Handreichungen, Erwartungshorizonte und Kolleg*innen.

 

Ähnlich ergibt sich ebenfalls eine Lernerleichterung für die Studierenden, da über die Veranstaltungsreihe eine gewisse Routine erzielt wird und damit Sicherheit bezüglich des Ablaufs und der Anforderungen besteht und nicht zuletzt reduziert sich auch der Aufwand der Administration, da die einmal gebildeten Kleingruppen über die Semester erhalten bleiben können und darüber hinaus in anderen Veranstaltungen übernommen werden können. Durch ein geeignetes Rotationsprinzip lässt sich somit die zur Verfügung stehende Zeit effizient planen.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Die effiziente Recherche nach und der kritische Umgang mit fachspezifischer, wissenschaftlicher Literatur stellt eine Kernkompetenz in nahezu jedem Wissenschaftsbereich dar. Insofern ist eine Ausweitung des hier vorgestellten Lehrkonzepts auf andere Fachdisziplinen nicht nur denkbar, sondern wünschenswert.

 

Gerade für Fachdisziplinen aus dem erweiterten Kreis des Gesundheitsbereichs, wie etwa Psychologie, Kognitionswissenschaften oder Neurowissenschaften, erscheint eine Übertragbarkeit einfach. Wissenschaftliche Guidelines zur Berichterstellung von Studien wie etwa PRISMA (Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-Analyses) stellen auch dort, wie im Bereich der Medizin, eine wertvolle Richtlinie zur Erstellung von systematischen Reviews und Meta-Analysen dar. Darüber hinaus sind in Anlehnung an CONSORT (Consolidated Standards of Reporting Trials) ähnliche Formate entwickelt worden, wie etwa die Consolidated criteria for reporting qualitative research (COREQ), die für die qualitative Forschung z.B. im Bereich der Psychologie große Bedeutung aufweisen.

 

Eine ausführliche Dokumentation des Lehrkonzepts, Leitfäden zur Durchführung der einzelnen Veranstaltungen, sowie Handreichungen, in denen der Erwartungshorizont formuliert ist, bieten interessierten Dozent*innen die Möglichkeit eigene Lehrveranstaltungen basierend auf diesem Konzept umzusetzen.

Durch eine obligatorische Verankerung der Veranstaltungsreihe in das Curriculum, wie es bei tripleR gelungen ist, kann eine nachhaltige Veranstaltungsstruktur erzielt und ein kontinuierlicher Kompetenzerwerb gewährleistet werden.

Aufwand

Neben dem zeitlichen Aufwand für die initiale Planung der Veranstaltungsreihe sind die Druckkosten, sowie der nicht geringe organisatorische Aufwand für die abschließende Posterbegehung zu nennen. Durch die Umstellung der Abschlussveranstaltung auf eine Online-Konferenz entfällt dieser zusätzliche Aufwand. Für die Zukunft sollte man über geeignete Tools nachdenken, die ermöglichen eine virtuelle Konferenz besonders ansprechend zu gestalten und aufwerten. In diesem Zusammenhang könnten zukünftig zusätzliche Kosten für dieses Projekt enstehen.

Positionierung des Lehrangebots

Bachelor

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2021 nominiert.
Ars Docendi
2021
Kategorie: Lernergebnisorientierte Lehr- und Prüfungskultur
Ansprechperson
Nicole Heussen, Univ.-Prof.
Medizinische Fakultät, Sigmund Freud PrivatUniversität
+43 1 90 500 70 1230
Nominierte Person(en)
Nicole Heussen, Univ.-Prof.
Medizinische Fakultät, Sigmund Freud PrivatUniversität
Ralf-Dieter Hilgers, Univ.-Prof.
Medizinische Fakultät, Sigmund Freud PrivatUniversität
Erich Eder, Ass. Prof.
Medizinische Fakultät, Sigmund Freud PrivatUniversität
Marie-France Chevron, V.-Prof.
Medizinische Fakultät, Sigmund Freud PrivatUniversität
Afsaneh Gächter, Dr.
Medizinische Fakultät, Sigmund Freud PrivatUniversität
Magret Jäger, Ass. Prof.
Medizinische Fakultät, Sigmund Freud PrivatUniversität
René Schmutz, Ass. Prof.
Medizinische Fakultät, Sigmund Freud PrivatUniversität
Aisha Futura Tüchler, Mag.
Medizinische Fakultät, Sigmund Freud PrivatUniversität
Branko Velimirov, Prof.
Medizinische Fakultät, Sigmund Freud PrivatUniversität
Themenfelder
  • Neue Medien
  • Didaktische Methode
  • Curriculagestaltung – Inhalt
Fachbereiche
  • Medizin und Gesundheitswissenschaften