New Design University Privatuniversität GmbH
Mariazeller Straße 97, 3100 St. Pölten

Management by Design (MxD)-Studios

Ziele/Motive/Ausgangslage

Ziel des Vorhabens war und ist es, jungen Menschen eine universitäre Ausbildung zu ermöglichen, die sie auf die Herausforderungen einer VUCA-Welt (volatility, uncertainty, complexity, ambiguity) vorbereitet. Sie sollen dort als zukünftige Entscheidungsträger*innen nicht in „alten“, klassischen Mustern denken (sequentiell, planerisch), sondern den vielfältigen und mehrdimensionalen Herausforderungen mit adäquaten Mitteln begegnen. Dazu bedarf es neuer Herangehensweisen, die alle Betroffenen einbinden, um gemeinsam zu nachhaltigen Ergebnissen/Lösungen zu kommen. Design Thinking, das gestalterischen Vorgehen, ist der Schlüsselbegriff.

Da es an österreichischen Hochschulen im Jahr 2015 noch keine Lehrformate gab, die Design Thinking als Ausgangslage sowohl für das „Wie“ und das „Was“ der universitären Lehre auf der Bachelorstufe verwendeten, galt es, Neuland zu betreten. Das neue Studium wurde an der New Design University in der Fakultät Technik und Wirtschaft rund um das im Folgenden beschriebene Format – die Management by Design (MxD)-Studios als zentrales Element – eingerichtet, die sich als verbindendes Element („Scharnier“) durch alle sechs Semester des Studiums ziehen.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Im Sinne der forschungsgeleiteten (bzw. durch Erschließung der Künste geleiteten) Lehre wurde ein spezielles Lehrveranstaltungscurriculum gestaltet, das die beiden Sphären Wirtschaft bzw. Betriebswirtschaftslehre und Gestaltung bzw. Design verbindet und daher Management by Design (MxD)-Studios genannt wird. Diese Lehrveranstaltungen bilden eine Achse, die sich durch das gesamte interdisziplinäre Bachelorstudium des gleichen Namens an der New Design University zieht. Sowohl die vermittelten Inhalte als auch die Organisation (Struktur, Prozess und Durchführung) der Lehrveranstaltung sind außergewöhnlich und innovativ. Die grundsätzliche Überlegung, Design (im breiten angloamerikanischen Sinne verstanden, nicht wie im deutschen Sprachraum oft nur auf das Produktdesign reduziert) als Perspektive die Welt zu sehen und zu verändern, wurde konsequent umgesetzt. Dabei spielt Learning by Doing eine wesentliche Rolle. Die Studierenden durchleben aktiv gestalterische Prozesse und erfahren dadurch, dass Lösungen für „verzwickte“ Probleme (sogenannte wicked problems) nur mit einem iterativen, gemeinsamen Herangehen, beim dem alle beteiligten und betroffenen Menschen eingebunden werden, gefunden werden können. Dieses Erfahrungslernen trägt wesentlich zur ihrer späteren Employability bei und befähigt sie in den verschiedensten Rollen an der Gestaltung unserer Welt proaktiv mitzuwirken. Die Arbeit in Kleingruppen ist dabei der zentrale didaktische Grundsatz.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

In the sense of research-led teaching (or through the development of the arts), a special course was designed to combine the two spheres of business and design and is therefore called Management by Design (MxD) studios. These courses form an axis that runs through the entire interdisciplinary bachelor's degree of the same name at the New Design University NDU Private University St. Pölten.

Both the content conveyed and the organization (structure, process and implementation) of the courses are exceptional and innovative. The fundamental idea of seeing and changing the world as a perspective of design (understood in the broad Anglo-American sense, not reduced to product design as often found in the German-speaking area) was consistently implemented.

Learning by doing plays an essential role in this. The students actively experience creative processes and learn that solutions to “wicked” problems can only be found with an iterative, joint approach in which everyone who will be involved or affected will be included. This experience-based learning contributes significantly to the students’ later employability and enables them to proactively participate in a wide variety of roles in shaping the future of our world.

The underlying didactic concept can be used not only in classroom teaching but also in online and hybrid formats. This despite the fact that the interaction with and among the students plays an essential role.

Nähere Beschreibung des Projekts

Das zentrale Element des Studienganges Management by Design (MxD) bilden die im Modul Management by Design zusammengefassten Studios, welche durch experimentelles Anwenden des erlernten Wissens in jedem der sechs Semester die Verbindung zwischen der betriebswirtschaftlichen und der gestalterischen Seite herstellen. Dadurch soll gewährleistet werden, dass Studierende ein integratives Verständnis darüber erlangen, wie das Management durch Designpraxen eine methodische Ergänzung erfährt und wie umgekehrt Fragen des Designs unmittelbar auf unternehmerische Fragen des Managements bezogen werden. Um eine nahtlose Verknüpfung der Inhalte der fachspezifischen Studios herzustellen, werden von der betriebswirtschaftlichen Seite her zentrale Fragen eingebracht, die wesentliche Elemente von Organisation, Management und Unternehmensführung abdecken. Diese werden mit unterschiedlichen Perspektiven und lösungsorientierten Herangehensweise des Designs betrachtet und aktiv bearbeitet. So werden Studierende im Verlauf des Bachelorstudiums mit diesen integrierten Studios kontinuierlich zu einer Perspektive hingeführt und angeleitet, dass Design eine Problemlösungsaktivität ist, deren grundsätzliche Vorgehensweisen gerade auch auf Fragestellungen des Managements angewandt werden können. Studierende üben sich so in jedem Semester iterativ, kund*innenorientiert und offen zu denken sowie in kleinen Iterationsschleifen mit den komplexen und unsicheren Rahmenbedingungen der heutigen Zeit umzugehen. Um dies zu gewährleisten, leiten die Lehrenden der jeweiligen Lehrveranstaltungen im Modul Management und im Modul Designstudio die ‚gemischten‘ Management by Design-Studios gemeinsam. Die MxD-Studios decken in den sechs Semestern des MxD-Studiums in Summe 15 Semesterwochenstunden (42 ECTS) ab.

 

Ein zentrales Element der MxD-Studios ist die Kombination von fundierter Wissensvermittlung und praktischer Relevanz. Die Studios zeichnet ein hoher Praxisanteil aus, um die Anwendung der wirtschaftlichen Theorien und des Gestaltungswissens in der wirtschaftlichen Praxis zu gewährleisten. Dies wird einerseits durch die Bearbeitung von aktuellen Fragestellungen aus der Praxis/Wirtschaft, aber auch durch die Gestaltung der Prüfungselemente erzeugt. Leistungsnachweise zielen hierbei immer auf die Anwendung des erworbenen Wissens ab und nicht auf dessen bloße Replikation. Der Kerngedanke ist also die Verknüpfung betriebswirtschaftlichen Grundwissens und Praxisdenkens mit Denk- und Arbeitsansätzen aus dem Designbereich. Die Disziplin der Betriebswirtschaftslehre (das Management) folgt traditionell linearen, sequentiellen Planungsprozessen und dem Paradigma der normativen Entscheidungstheorie, die durch veränderte globale Rahmenbedingungen mit ihren Modellen an ihre Grenzen stößt. Den Studierenden werden in den MxD-Studios alternative Denkmuster aus dem Designbereich zur Verfügung gestellt, um Problemlösungen situationsbedingt und innovativ zu entwickeln. Die gemischten MxD-Studios bilden dafür das zentrale Element im gesamten MxD-Studium. In diesen Studios wird auf das in den Designstudios und in den Managementstudios vermittelte theoretische und methodische Grundlagenwissen zurückgegriffen und anhand von konkreten Projekten die konkrete Umsetzung eingeübt. Die integrative Lernerfahrung für die Studierenden wird dabei durch die Betreuung und Begleitung von Lehrenden aus beiden Bereichen sichergestellt.

 

Neben dem hohen Praxisanteil sowie der Integration des Designs auf einer Metaebene, zeigen in der Forschung engagierte Lehrende den Studierenden die aktuellen Wissensentwicklungen in den relevanten Disziplinen und vertiefen somit die Praxis aus einer wissenstheoretischen Perspektive. Studierende der MxD-Studios werden durch die Integration von Forschungsarbeiten der Lehrenden in die Lehre durchgehend für wissenschaftliche Forschung sensibilisiert. Teilaspekte laufender Forschungsprojekte werden in den Semesterprojekten aufgegriffen. Unter Anleitung der Lehrenden werden Studierende so – neben der methodischen Ausbildung im Modul Wissenschaft – auch in konkreten Projekten praktisch an wissenschaftliches Arbeiten herangeführt.

Basierend auf den neuesten Erkenntnissen der Didaktik und der Lerntheorien werden die Lehr- und Beurteilungsstrategien angewandt. Studierende werden aktiv in den Wissensvermittlungsprozess einbezogen und müssen die Rolle eines aktiv Lernenden einnehmen. In einem partizipativen Lernansatz werden Studierende damit auch zu Co-Kreatoren von Lehrinhalten.

 

Die Leistungen werden kontinuierlich mittels formativer Prüfungselemente evaluiert. Formative Leistungsbeurteilungen stellen eine effektive Möglichkeit dar, Lernprozesse der Studierenden zu begleiten und prozessbezogene Diagnostik durch kontinuierliche Leistungsrückmeldung zu realisieren. Durch dieses regelmäßige Feedback von Vortragenden werden Studierende optimal auf die finalen Prüfungselemente vorbereitet, welche in der Form von Abschlusspräsentationen (Pitches) kombiniert mit der Vorstellung erstellter Prototypen (analog und digital) auf die Evaluierung der Umsetzung des Erlernten abzielen und in der Regel am Ende einer Lehrveranstaltungen platziert sind.

 

Die Studierenden vertiefen in den MxD-Studios ihre fachlich-methodischen Kompetenzen - zum einen über ein breites und integriertes Wissen und Verstehen der wissenschaftlichen Grundlagen aus dem Bereich der Wirtschaftswissenschaften, zum anderen verfügen sie über ein grundlegendes Wissen aus dem Bereich Design und können diese beiden Disziplinen inhaltlich, konzeptionell und in der Praxis im Sinne der Gestaltung miteinander verbinden. Außerdem verfügen sie nach den sechs MxD-Studios über ein kritisches Verständnis der wichtigsten Theorien, Prinzipien und Methoden aus beiden Bereichen und sind in der Lage, ihr Wissen vertikal, horizontal und lateral (d.h. vertikal: vertiefend; horizontal: fachübergreifend; lateral: mit anderen Bereichen) zu vertiefen. Ihr Wissen und Verstehen entspricht nicht nur dem Stand der jeweiligen Forschung und Fachliteratur, sie sind außerdem in der Lage, ihr erworbenes Wissen über verschiedene Disziplinen hinweg anzuwenden.

Zudem haben Absolventinnen und Absolventen durch die Teilnahme an den MxD-Studios ihre personalen Kompetenzen, d.h. die Fähigkeit, reflexiv und selbstorganisiert zu handeln sowie sich selbst einschätzen zu können, ihre aktivitäts- und umsetzungsorientierten Kompetenzen (z.B. Flexibilität, Selbständigkeit, Kreativität, Initiative), aber auch ihre sozial-kommunikativen Kompetenzen (z.B. Teamfähigkeit, Kritikfähigkeit) erweitert.

Durch dieses breite Kompetenzspektrum, mit einem Wissensschwerpunkt in betriebswirtschaftlichen Fächern und Design, wird der Einstieg in unterschiedliche Berufsfelder ermöglicht, vor allem im strategischen Management, Business Development und Innovationsmanagement. Durch die erworbenen Designkompetenzen verfügen die Studierenden darüber hinaus noch über prozessorientierte Problemlösungskompetenzen sowie über Zugänge zu kreativen Methoden. Diese zusätzlichen Fähigkeiten machen sie zu sehr gut geeigneten Kandidat*innen in gestalterischen Bereichen von Unternehmen.

 

Die dahinter liegende Lehrphilosophie lässt sich wie folgt zusammenfassen: Lehre bedeutet vor allem Austausch zwischen Lehrenden und Lernenden mit doppelter Zielsetzung. Einerseits Vermittlung von Wissen und Erfahrungen und andererseits Erarbeitung der Fähigkeit zur kritischen Reflexion und zur Kompetenz, sich selbständig Wissen anzueignen.

Im Dreiklang der Elemente Forschung, Lehre und Praxis, bildet die Lehre dabei einen zentralen Bestandteil, da mit ihr Forschungsergebnisse ebenso wie Erfahrungen aus der Praxis in einem kritischen Dialog mit den Studierenden vermittelt und „geprüft“ werden können. Dies trägt dabei zu einem zentralen Aspekt jedes Lernverhältnisses bei: der Möglichkeit, als Lehrender ebenso zu profitieren wie die Lernenden. Lehre ist also immer mit Kommunikation und Austausch verbunden, bei dem beide Seiten die Möglichkeit haben, sich fachlich und persönlich weiterzuentwickeln.

Die folgenden Ziele werden verfolgt: Die Studierenden sollen in die Lage versetzt werden, die Inhalte einzuordnen und darüber zu reflektieren. Dies gelingt vor allem durch ihre direkte Einbindung, d.h. dadurch, dass ihnen eine aktive Rolle übertragen wird. Sie sollen dabei herausgefordert werden, d.h. an die Grenzen ihrer Komfortzone, nicht nur bezüglich des Wissens, sondern auch hinsichtlich ihrer Denkmethoden, gebracht werden.

Die übergeordneten Ziele sind also – neben der Vermittlung der Inhalte – die Studierenden zum Denken anzuregen und dabei auch den Lehrenden das Lernen zu ermöglichen. Durch die Lehrsituation sollen diese auch herausgefordert werden. Sie sollen angestoßen werden, ihre Anschauungen und Einsichten zu hinterfragen und gemeinsam mit den Studierenden Neuland zu betreten. Besonderer Wert liegt darin, dass Studierende theoretische Konzepte im Umfeld einer Unternehmung oder Organisation anwenden. Dabei lernen sie nicht nur die theoretischen Modelle in der Praxis einzusetzen, sondern auch, wie man diese mit Inputs aus der Praxis weiterentwickeln kann.

Die didaktische Konzeption setzt auf eine Mischung verschiedener Lehrstrategien, abhängig vom jeweiligen Inhalt. Grundsätzlich überwiegt der induktive Ansatz. Deduktive Lehrstrategien werden nur vereinzelt eingesetzt. In den meisten Fällen wird ein lösungsorientierter Ansatz gewählt, bei dem sich die Studierenden die Fragen und Lösungen selbst erarbeiten. Der „Instruktionsansatz“ kommt nur in Ausnahmefällen zur Anwendung, wenn es die Lernumgebung erfordert, beispielsweise, weil kein aktiver Dialog möglich ist.

Mehrwert

Es ergibt sich ein zweifacher Mehrwert. Einerseits kommt es durch das tatsächliche Tun zu einem reduzierten Lernaufwand für die Studierenden. Der unmittelbare Transfer in die tatsächliche Anwendung erleichtert ihnen das Verständnis der vermittelten Inhalte. Außerdem sind sie durch ihre aktive Rolle bei der inhaltlichen Planung der Studios deutlich tiefer involviert als in klassischen Lehrveranstaltungen und durch den damit verbundenen emotionalen Link auch motivierter und aufnahmefähiger. Andererseits kommt es auch zu einer gewissen Reduktion des Vorbereitungs- und Organisationsaufwandes bei den Lehrenden, die sich wiederum aus der aktiven Beteiligung der Studierenden an wesentlichen Aspekte der Lehrveranstaltungsplanung und -durchführung ergibt. Die Arbeitslast ruht gewissermaßen auf mehreren Schultern, auch wenn der Großteil davon und die übergeordnete Koordination und Verantwortung selbstverständlich bei den Lehrenden verbleibt.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Dieser Ansatz kann auf andere Lehrveranstaltungen übertragen werden, wenn die Bereitschaft besteht, den Studierenden eine aktive Rolle zu geben und den Verlauf nicht komplett vorab planen zu können.

Das Konzept wird laufend weiterentwickelt und hat in den letzten drei Jahren schon mehrere Iterationen erlebt. Die größte davon war die Einbindung der digitalen Kanäle im Frühjahr 2020 (1. Lockdown).

Aufwand

Die Entwicklung des Konzeptes hat erheblichen Aufwand in der Erarbeitung verursacht, der über die traditionelle Vorbereitung „klassischer“ Lehrveranstaltungen deutlich hinausging. Es fielen keine relevanten direkten Kosten an, allerdings mehr Zeitaufwand auf Seiten des Nominierten seiner Kolleginnen.

Positionierung des Lehrangebots

Bachelorstudium, 1. - 6. Semester

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2021 nominiert.
Ars Docendi
2021
Kategorie: Kooperative Lehr- und Arbeitsformen
Ansprechperson
Christoph H. Wecht, Univ.-Prof. DI Dr.
Fakultät Technik & Wirtschaft
+43 2742 890 2443
Nominierte Person(en)
Christoph H. Wecht, Univ.-Prof. DI Dr.
Fakultät Technik & Wirtschaft
Themenfelder
  • Curriculagestaltung – Organisation
  • Neue Medien
  • Didaktische Methode
  • Employability
  • Curriculagestaltung – Inhalt
  • Erfahrungslernen
Fachbereiche
  • Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften