Denkweisen der Informatik

Ziele/Motive/Ausgangslage

Startpunkt für das hier eingereichte Projekt war die Reorganisation der Lehre in eine vollständig im Onlineunterricht angebotenes Format.

 

Die Lehrveranstaltung »Denkweisen der Informatik« wurde im Wintersemester 2018 in die Studienpläne der Informatik und Wirtschaftsinformatik als Pflichtveranstaltung eingeführt. Ziel dieser Veranstaltung ist es, eine Art von »angewandter Wissenschaftstheorie der Informatik« an den Beginn des Studiums zu stellen. Das innovative Konzept der Lehrveranstaltung hat bereits wissenschaftliche Anerkennung gefunden, zB. durch Publikation im angesehenen Journal »Communications of the ACM« [1]. Details über das Inhaltliche Konzept sind unter wot.pubpub.org verfügbar.

 

Bedingt durch die Corona-Pandemie und die vorhersehbare Sperre der großen Hörsäle wurde die Lehrveranstaltung, die sonst als Vorlesung mit begleitender Übung im größten Hörsaal der TU Wien abgehalten wurde, in eine reine Online-Veranstaltung umgewandelt. Das Konzept dafür wurde auf Basis der Überlegung entwickelt, dass explizite Stärken der Präsenzlehre durch eine einfache Transformation verloren gehen würden. Entsprechend wurde ein Format entwickelt und umgesetzt, das die expliziten Stärken von Online-Formaten sucht und nutzt, anstatt möglichst getreu - und entsprechend mangelhaft - die existierenden »Offline«-Unterrichts- und Lernformen im digitalen zu imitieren.

 

1 Frauenberger, C., & Purgathofer, P. (2019). Ways of thinking in informatics. Communications of the ACM, 62(7), 58-64

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Die Lehrveranstaltung (LV) »Denkweisen der Informatik« wurde, ausgelöst durch die Corona-Pandemie, vollkommen neu gestaltet. Ziel war es, die die spezifischen Stärken von Online-Formaten zu nutzen, anstatt einfach den Hörsaal durch Fernlehre zu ersetzen.

 

Die rund zwanzig zweistündigen Vorlesungseinheiten zu den zehn »Denkweisen« = Kapiteln der LV wurden durch einen Mix aus Einführung, Diskussion und separat produzierte gestellte Lehr-Videos ersetzt. Ergänzt und inhaltlich strukturiert wurden diese Angebote durch eine umfassende Nachbearbeitung der Vorlesungsfolien, die mit einer Zusammenfassung des Gesprochenen, Links und Videos ergänzt werden, und so in Form und Inhalt einem Buchkapitels ähnlich werden (»SlideBooks«).

 

Zusätzlich wurde eine interaktive Einheit durchgeführt, in der unsere 700 Studierenden in Kleingruppen zu inhaltlichen Fragen diskutierten und arbeiteten, und so im inhaltlichen Kontext auch soziale Kontakte finden konnten. Ein besonderer Fokus war die Paneldiskussion zu jedem Kapitelende, bei der geladene Expert_innen zusammen mit einigen Studierenden eine Stunde lang Fragen beantworteten, die vom »Auditorium« der anderen Studierenden gestellt und moderiert wurden.

 

Übungen der LV wurden schon vor Corona Online abgewickelt. Der Ablauf, in dem Studierende ihre Arbeiten zur durch ein Peer Reviewing verfahren gegenseitig kontrollieren,konnte größtenteils unverändert übernommen werden, da für die Bedingungen der präsenzfreien Lehre ausgezeichnet geeignet war.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

The course (LV) »Ways of thinking in informatics« was completely redesigned, made necessary by the corona pandemic. The aim was to use the specific strengths of online formats instead of simply replacing classroom teaching with distance teaching.

 

The twenty two-hour lecture units on the ten »ways of thinking« = chapters of the course were replaced by a mix of introduction, discussion and separately produced instructional videos. These offers were supplemented and structured by our extensively post-processed lecture slides, which are supplemented with a summary of what was said, with links and additional videos, resulting in a presentation and content similar to a book chapter ("SlideBooks").

 

In addition, an interactive unit was carried out in which our up to 700 students in small groups discussed and worked on issues relating to the content and were thus able to find social contacts in the context of the content. A special focus was the panel discussion held at the end of each chapter, where invited experts and some students for an hour answered questions that were asked and moderated by the remaining students.

 

Exercises in the course were already carried out online before Corona. The process we use in which students check each other's work through a peer review process could largely be adopted unchanged, as it was excellently suited to the conditions of non-presence teaching.

Nähere Beschreibung des Projekts

Ein Ziel des Projektes war, spezifische Stärken der Online-Durchführung für die Inhaltsvermittlung zu suchen und zu nutzen, anstatt zu versuchen, Qualitäten der Präsenzveranstaltung in einer einfachen Tranformation möglichst gut zu erhalten. Als Lehrveranstaltung des ersten Semesters wollten wir außerdem einen bewussten Schritt weg von den Vermittlungsformen machen, die viele Schüler_innen im letzten Schuljahr, das ja auch schon von der Pandemie bestimmt war, erlebt haben (die Umsetzung des Präsenz-Unterrichts mit Zoom ohne spezifisches didaktisches Konzept) und so Gelegenheit geben, über den Kontext und die spezifischen Qualitäten des neuen Lebensabschnitts als Student_in zu reflektieren.

 

Die Formen der Inhaltsvermittlung in der LV wurde daher vollkommen neu gestaltet. Dabei bliebt die Grundstruktur der Inhalte unverändert bestehen. Wir haben uns im Redesign der LV auf drei Bereiche konzentriert: Vermittlung der Inhalte, Übungsbetrieb, sowie organisatorische und informelle Kommunikation.

 

1. Vermittlung der Inhalte

Die Inhalte der Vorlesung wurden bisher in rund zwanzig zweistündigen Vorlesungseinheiten im AudiMax der TU Wien vermittelt. Wir wollten bewusst lange Online-Vorlesungen vermeiden, da diese ermüdend und wenig effektiv sind. Folgende inhaltsvermittelnde Bestandteile wurden umgesetzt:

 

1.1 Einführungsvortrag (Intro)

Jedes Kapitel beginnt mit einer Einführungseinheit (meist Montags) von ca 30-45 Minuten, gefolgt von der Möglichkeit, inhaltliche Fragen zu stellen. Die Gesamtlänge wurde dabei mit rund einer Stunde begrenzt. Für diese Einheiten wurden Zoom-Webinare abgehalten. Im Gegesatz zu Meetings sind die Teilnehmenden in einem Webinar reine Zuschauer_innen, können also nur auf explizite Einladung mit Ton und/oder Video teilnehmen. Bei den Einführungseinheiten waren nur zwei Personen mittels Video zu sehen: Vortragende_r und Fragenmoderation (s.u.).

 

Im Zoom-Webinar steht den Teilnehmenden ein Q&A-Bereich zur Verfügung, in dem schriftlich Fragen gestellt werden können. Diese Fragen sind für alle sichtbar und können per »upvote« bewertet werden. Die Liste der Fragen wird dann nach der Zahl abgegebener positiver Bewertungen sortiert. Dadurch entsteht im Laufe des Meetings eine immer aktuelle Liste an Fragen, gereiht nach dem Interesse der Studierenden. Fragen können von der Moderation als beantwortet markiert werden und verschwinden dann aus der Liste. Bemerkenswert ist, dass dieses Format mit der Zahl der Studierenden gut skaliert: je mehr Studierende mitmachen, umso mehr relevante Fragen sind an den Anfang der Liste gereiht!

 

Bei umfangreichen Kapiteln wurde einige Tage später noch eine zweite Einheit nach demselben Muster abgehalten. Alle Intros wurden aufgezeichnet und zum späteren Anschauen angeboten. (Beispielvideo siehe »Weiterführende Links«)

 

1.2 Erweiterte Folien (SlideBook) und Erklärvideos

Der Inhalt von ursprünglich rund 4 Stunden Vorlesung wurden auf diese Weise durch 45 (+45) Minuten Online-Vorlesung (Intro) eingeleitet. Die restlichen Inhalte der Kapitel wurden in einer erweiterten Online-Foliendarstellung – von uns »SlideBooks« genannt – aufgearbeitet. Hier werden die Folien mit Text erweitert, der zumindest eine Zusammenfassung des Vorgetragenen ist bzw. teilweise darüber hinausgeht. Die Folienbilder selbst wurden, wo passend, als »Illustrationen« in diesen Text eingesetzt. Neben Text und Bild finden die Studierenden in den SlideBooks noch relevante Quellen und weiterführende Links. Ausserdem gibt es die Möglichkeit für Studierende und Lehrende, Kommentare bei einzelnen Folien zu hinterlassen, wodurch ein punktgenauer Diskurs rund um die Inhalte möglich gemacht wird.

 

In den so angereicherten Folien finden sich weiters kurze Erklärvideos, die Teile des Stoffs vorbringen, der im Intro ausgelasen wurde. Solche Videos wurden nach inhaltlichem Bedarf produziert, zwischen zwei und sieben pro Kapitel, und in das SlideBook integriert, wo auch die Videos aller aufgezeichneten Online-Webinare verlinkt waren. So entstand in Summe ein interaktives Online-Skriptum, das durch Studierende und Lehrende laufend annotiert wurde. Um die Teilhabe an diesem kollaborativen Prozess zu erleichtern, wurden auf der Startseite unserer Online-Plattform neu hinzugekommene Videos, Links und Kommentare tagesaktuell hervorgehoben (Siehe Screenshots in »Weiterführende Links«).

 

1.3 Interactive

Einige Tage nach der Intro wurde eine weitere Einheit in Form eines Zoom-Meetings abgehalten, von uns »Interactive« genannt. Neben der Motivation, die Studierenden so zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit den Inhalten zu bewegen, ging es dabei vor allem darum, einen diskursiven Austausch rund um die inhalte der LV zu ermöglichen und damit soziale Interaktion zu initiieren. Diese Einheiten waren hauptsächlich zur Kompensation fehlender Sozialisierung im präsenzfreien Universitätsbetriebs gedacht.

 

Die Interactive-Einheiten waren als Zoom-Meeting im Sinne eines Workshops organisiert. Im Wechselspiel zwischen moderierter Diskussion in der großen Gruppe und unmoderierter Kleingruppe in Breakout-Rooms wurden Arbeitsaufträge rund um die Kerninhalte und -methoden der Kapitel/Denkweisen bearbeitet. Ganz beiläufig kam es dabei auch zu sozialem Kontakt und inhaltlich vermitteltem Kennenlernen. Als Beispiel sei hier die Behandlung des Themas »Critical Thinking« angeführt, wo Studierende in kleinen Gruppen aus der Perspektive von Regierung, Arbeiter_innenklasse und Aussenstehenden über das Chinesische »Social Credit System« diskutierten, indem sie unterschiedliche Perspektiven einnahmen.

 

Um in solchen durchaus verletztlichen Situationen Privatheit zu garantieren, wurden die Interactive-Einheiten nicht aufgezeichnet.

 

1.4 Diskussionen

Eine Woche nach der Intro wurde zum inhaltlichen Abschluss jedes Kapitels eine Diskussionseinheit organisiert. Diese Einheit war als Online-Podiumsdiskussion angelegt, in der die Fragen der Studierenden die Diskussionsthemen vorgeben. Dazu wurden sowohl externe Expert_innen als auch besonders motivierte Studierende eingeladen, im Zoom-Webinar mit Bild und Ton präsent zu sein. Im Laufe einer Stunde beantwortete das Podium Fragen des »Auditoriums«, das wie nach den Intro-Einheiten Fragen über das Q&A-Tool im Zoom-Webinar einbringen und priorisieren konnte.

 

Um die Moderation unter den erschwerten Bedingungen einer Online-Diskussion zu erleichtern, wurden zwei Rollen von der LV-Leitung besetzt: eine inhaltliche Moderation, die das Wort erteilen konnte, aber auch inhaltlich an der Diskussion teilnehmen konnte; und eine Fragenmoderation, die für das Einbringen der vom »Auditorium« gestellten Fragen zuständig war. Die Fragenmoderation wurde in der Diskussion so zur »Stellvertretung« der Studierenden, die aus dem Auditorium Fragen beisteuerten: »Maria Muster hat folgende Frage: etc.«. So wurde die inhaltliche Moderation entlastet und konnte sich auf den ohnehin schwierigen flüssigen Verlauf der Online-Diskussion konzentrieren. Diese Aufteilung wurde auch im Fragenteil der Intro-Einheiten praktiziert.

 

Nachdem die Fragen im Q&A schriftlich gestellt werden, können sie nach Ende der Diskussion zusammen mit der Aufzeichnung heruntergeladen und mit minimalem Aufwand als klickbarer Index für die Diskussion aufbereitet werden. Damit steht für jede Diskussion (und für jede Intro-Einheit) eine Liste der diskutierten Fragen zur Verfügung, über die man mit einem Klick direkt zu dem Teil der Videoaufzeichnung kommt, wo diese Frage beantwortet wird. Für ein Beispiel eines solchen Index verweisen wir auf die Aufzeichnung einer Diskussion, die in den »weiteren Links« dieser Einreichung zur Verfügung steht (Siehe Beispiel Discussion in »Weiterführende Links).

 

2. Übungsbetrieb

Die Organisation der bereits vor Corona mittels einer Online-Plattform abgewickelten Übungen musste nur geringfügig angepasst werden. Ein Eckpfeiler unserer Übungsorganisation war immer schon der Einsatz von wechselseitig anonymen Peer-Feedback (double blind peer reviewing) nach dem Vorbild akademischer Publikationstätigkeit. Wir verpflichten die Studierenden dazu, Abgaben ihrer Kolleg_innen in einem strukturierten Review-Prozess zu begutachten und dazu Feedback zu geben. Nach Erhalt des Feedbacks wird dann eine verbesserte Arbeit abgegeben. Dieses Format fand schon bisher ausschießlich Online statt. Die Abgaben zu den Arbeitsaufträgen der sechs wichtigsten Kapitel macht insgesamt 65% der Bewertung aus, ein Abschlussprojekt, das am Ende des Semesters in Gruppen ausgearbeitet wird, die restlichen 35%.

 

Um von den Studierenden die Auseinandersetzung mit den zur Verfügung gestellten Inhalten einzufordern wurden alle Übungsbeispiele um eine Art »Prolog« erweitert. In diesem waren die vermittelten Inhalte eines Kapitels zusammenzufassen und auf Ihre Relevanz für die im Übungsbeispiel gestellten Aufgaben zu untersuchen. Damit wurde ein Mindestmaß an Auseinandersetzung mit den Inhalten der LV garantiert.

 

Im Grunde kann dieser Vermittlungmodus gesamt betrachtet als eine Art »Blended-Inverted-Classroom« bezeichnet werden. Das Zusammenspiel von Vortrag, Interaktion, Diskussion und (s.u.) Übungsbetrieb sorgt dafür, dass die Studierenden in einen gut strukturierten Lernkontext eingebunden sind, in dem es viele Anreize gibt, die angebotenen Materialien eigenständig aufzuarbeiten und zu vertiefen um beispielsweise an der Diskussion teilnehmen zu können oder den für die Übungsbearbeitung notwendigen »Prolog« auszuarbeiten.

 

3. Organisatorische und informelle Kommunikation

Während das Arbeiten in Kleingruppen für die Studierenden nach einem Semester Online-Erfahrung selbstverständlich funktionierte, war das Zusammenfinden von Studierenden zu funktionierenden Arbeitsgruppen eine große Herausforderung. Nachdem genau das ist aber für das »Abschlussprojekt« notwendig: wir verlangen die eigenverantwortliche Gruppenbildung. Hierfür haben wir entsprechend informell-organisatorische Hilfsmittel angeboten: die »Interactive«-Einheiten hatten ja unter anderem den Zweck, dass Studierende sich genau anhand der Auseinandersetzung mit den Inhalten kennenlernen, was der Gruppenbildung dienlich war. Normalerweise haben wir im Hörsaal vor Beginn des Gruppenprojekts ein Vermittlungs-Service veranstaltet, zu dem alle Studierenden ohne Gruppenmitgliedschaften erschienen. Dieses Jahr haben wir stattdessen über einen Zeitraum von zwei Wochen einen täglichen Online-Treffpunkt angeboten, wo Studierende ohne Gruppenzugehörigkeit sich in Gruppen für das Abschlussprojekt zusammenfinden konnten. Diese sehr informell gehaltene Unterstützung war insofern erfolgreich, als nach diesen zwei Wochen nur noch vier »übriggebliebene« Studierende in eine Gruppe eingeteilt werden mussten.

 

Die Möglichkeit, mit den Vortragenden unmittelbar vor oder nach einer Vorlesungseinheit, oder (seltener) in der Sprechstunde konkret über Fragen in Bezug auf Organisation und Leistungsanforderungen zu sprechen, war im Zuge der Online-Abhaltung nicht mehr gegeben. Wir haben das dadurch kompensiert, dass wir auf unserer Lehr- und Lernplattform einen eigenen Kommunikationskanal zwischen Studierenden und Lehrenden eröffnet haben, der an das Konzept von »Costumer Relationship Management«-Systemen der Dienstleistungswirtschaft angeleht ist. In dem Bereich der Plattform, wo Studierende Ihre eigenen Arbeiten und deren Bewertung sowie ihre sonstigen Leistungen tabellarisch einsehen konnten, wurde ein eigener Kommentarbereich eingerichtet. Dieser Kommentarbereich war jeweils individuell nur für jede_n einzelne_n Studierende_n einsehbar. Dort hinterlassene Anfragen von Studierenden wurden auf der Seite der Lehrenden in einer eigenen »Inbox« gelistet. Die Anfragen konnten dann in einem Kontext angezeigt werden, der alle bisherigen Leistungen des Studierenden auflistete, sodass die Fragen meist ohne langes Suchen beantwortet werden konnten. Dieser Ansatz brachte eine enorme Zeitersparnis im Umgang mit solchen Fragen, die früher oft per E-Mail beantwortet wurden.

 

Interessanterweise führte das dazu, dass im Laufe des Semesters rund 850 Anfragen auf diesem Wege gestellt und beantwortet wurden. Nachdem schnell klar war, wie viel diese Möglichkeit dazu beiträgt, gerade unter dem Bedingungen der präsenzlosen Universität Sicherheit und Stabilität dadurch zu vermitteln, dass alle Fragen zeitnah beantwortet werden, wurde diese Aufgabe von einem eigenen Tutor übernommen.

 

Wir haben in diesem Projekt aus einer gemischten Offline/Online-Lehrveranstaltung eine reine Online-Veranstaltung gemacht, mit besonderen Fokus auf die spezifischen Stärken von Online-Formaten. Das (informell ausgewertete) Feedback der Studierenden war sehr positiv, genau so wie unsere eigenen Erfahrungen. Folglich werden wird viele der Ansätze, die wir hier unfreiwillig ausprobieren mussten, freiwillig weiterentwickeln. Wir denken, dass sich viele interessante Türen geöffnet haben, und sind gespannt, wohin uns die Reise weiter führen wird.

Mehrwert

Ein messbarer Mehrwert der digitalen Umsetzung der »Denkweisen der Informatik« im WS 2020 war, dass der Anteil erfolgreicher Absolvent_innen bezogen auf angemeldetet Teilnehmer_innen höher war als in den Jahren davor. Während 2018 und 2019 im Schnitt 66% der angemeldeten auch ein Zeugnis bekamen – etwa 1/3 hat die LV noch vor der ersten Übung beendet – waren es 2020 72%. In den vergangenen Jahren waren im Schnitt 79% der Zeugnisse positiv, 2020 waren es 85%.

 

Wir sehen das als einen Indikator dafür, dass uns die Umwandlung der Lehrveranstaltung in eine reine Online-LV besser gelungen ist als vielen anderen LVs an der TU Wien, wo mehrheitlich niedrigere Zahlen als in den Vorjahren zu beobachten waren.

 

Die erzwungene Umstellung auf digitale Lehr- und Lernformen hat für uns zahlreiche Erkenntnisse gebracht; wir waren gezwungen, uns mit Unterrichtsformen auseinander zu setzen, die wir vorher wegen des zu erwartenden Mehraufwands abgelehnt haben. Einige dieser Lehr- und Lernformen haben sich als ausserordentlich produktiv erwiesen.

Ich möchte inbesondere auf die Form der Diskussion hinweisen, die am Ende jedes Kapitels als Zoom-Webinare abgehalten wurden. Wir haben beobachtet, dass über diese Organisationsform wesentlich mehr Fragen gestellt wurden, von denen zusätzlich einige zu den interessantesten Fragen gehören, die ich im Rahmen von Erstsemestrigen-Lehrveranstaltungen je gehört habe.

 

Die spezifische Form der Abhaltung bringt einige wesentliche Vorteile mit sich:

- Studierende sind gezwungen, ihre Fragen schriftlich zu stellen. Dadurch sind die Fragen knapper, präziser, und klarer gestellt als bei einer mündlichen Meldung im Hörsaal, die gerne auch mal zu einem Co-Referat wird.

- Studierende müssen sich beim Fragestellen nicht dem kritischen Blick aller anderen Anwesenden aussetzen, was im Hörsaal definitiv der Fall ist. Dadurch kommen Studierende zu Wort, denen dafür beispielsweise das Selbstbewusstsein fehlt.

- Nachdem Fragen durch das Q&A-Tool nach Bewertungen mittels »upvote« gereiht werden, bekommen Fragen, die für viele interessant sind, Vorzug gegenüber Fragen, die nur einzelne interessieren. Das ist im Hörsaal nur schwer erreichbar.

- Dadurch werden aber auch mehr Fragen gestellt, weil sich Fragestellende darauf verlassen, dass uninteressante Fragen es ohnehin nicht bis aufs Podium schaffen.

- Schliesslich ist es durch die Online-Abhaltung möglich, Gäste einzuladen, die dazu nicht an die TU kommen mussten. Nachdem die Diskussionen auf deutsch gehalten wurden, waren das vor allem Expert_innen aus Österreich, beispielsweise Prof. Christian Swertz (Bildungswissenschaft, Uni Wien), Thomas Pamminger (Designer), Thomas Lohninger (epicenter.works), Billie Rehwald (Designerin/Künstlerin), Mag. Doris Allhutter (ÖAW), aber auch aus Deutschland, beispielsweise Prof. Katharina Krombholz (Uni Saarbrücken) oder Dr. Constanze Kurz (CCC, Berlin). Das war nicht nur für uns spannend, sondern wurde von den Studierenden auch wirklich geschätzt.

 

Insgesamt möchten wir festhalten, dass die Diskussionen zu den spannendsten Erfahrungen unserer Lehrerfahrung an der TU Wien gehört haben. Unabhängig davon, wie Lehre im kommenden Wintersemester möglich sein wird, werden wir versuchen, diese Erfahrung wieder zu ermöglichen.

 

Schliesslich möchten wir noch anmerken, dass uns auch zahlreiche Meldungen von Studierenden vorliegen, die über unsere Plattform als anonyme Schlussmeldung erhoben wurde, und die uns bescheinigen, dass wir die Umstellung auf digital wesentlich angenehmer gemacht und damit mehr produktives Arbeiten ermöglicht haben. Nachdem aber hier eine systematische Auswertung fehlt, und auch die TU-interne LV-Evaluierung noch nicht abgeschlossen ist, kann das hier nur bedingt als Mehrwert zur Geltung gebracht werden.

Wir sehen das als einen Indikator dafür, dass uns die Umwandlung der Lehrveranstaltung in eine reine Online-LV besser gelungen ist als vielen anderen LVs an der TU Wien, wo mehrheitlich niedrigere Zahlen als in den Vorjahren zu beobachten waren.

 

Die erzwungene Umstellung auf digitale Lehr- und Lernformen hat für uns zahlreiche Erkenntnisse gebracht; wir waren gezwungen, uns mit Unterrichtsformen auseinander zu setzen, die wir vorher wegen des zu erwartenden Mehraufwands abgelehnt haben. Einige dieser Lehr- und Lernformen haben sich als ausserordentlich produktiv erwiesen.

 

Ich möchte inbesondere auf die Form der Diskussion hinweisen, die am Ende jedes Kapitels als Zoom-Webinare abgehalten wurden. Wir haben beobachtet, dass über diese Organisationsform wesentlich mehr Fragen gestellt wurden, von denen zusätzlich einige zu den interessantesten Fragen gehören, die ich im Rahmen von Erstsemestrigen-Lehrveranstaltungen je gehört habe.

 

Die spezifische Form der Abhaltung bringt einige wesentliche Vorteile mit sich:

- Studierende sind gezwungen, ihre Fragen schriftlich zu stellen. Dadurch sind die Fragen knapper, präziser, und klarer gestellt als bei einer mündlichen Meldung im Hörsaal, die gerne auch mal zu einem Co-Referat wird.

Studierende müssen sich beim Fragestellen nicht dem kritischen Blick aller anderen Anwesenden aussetzen, was im Hörsaal definitiv der Fall ist. Dadurch kommen Studierende zu Wort, denen dafür beispielsweise das Selbstbewusstsein fehlt.

- Nachdem Fragen durch das Q&A-Tool nach Bewertungen mittels »upvote« gereiht werden, bekommen Fragen, die für viele interessant sind, Vorzug gegenüber Fragen, die nur einzelne interessieren. Das ist im Hörsaal nur schwer erreichbar.

- Dadurch werden aber auch mehr Fragen gestellt, weil sich Fragestellende darauf verlassen, dass uninteressante Fragen es ohnehin nicht bis aufs Podium schaffen.

- Schliesslich ist es durch die Online-Abhaltung möglich, Gäste einzuladen, die dazu nicht an die TU kommen mussten. Nachdem die Diskussionen auf deutsch gehalten wurden, waren das vor allem Expert_innen aus Österreich, beispielsweise Prof. Christian Swertz (Bildungswissenschaft, Uni Wien), Thomas Pamminger (Designer), Thomas Lohninger (epicenter.works), Billie Rehwald (Designerin/Künstlerin), Mag. Doris Allhutter (ÖAW), aber auch aus Deutschland, beispielsweise Prof. Katharina Krombholz (Uni Saarbrücken) oder Dr. Constanze Kurz (CCC, Berlin). Das war nicht nur für uns spannend, sondern wurde von den Studierenden auch wirklich geschätzt.

 

Abschliessend möchten wir noch anmerken, dass uns auch zahlreiche Meldungen von Studierenden vorliegen, die über unsere Plattform als anonyme Schlussmeldung erhoben wurde, und die uns bescheinigen, dass wir die Umstellung auf digital wesentlich angenehmer gemacht und damit mehr produktives Arbeiten ermöglicht haben. Nachdem aber hier eine systematische Auswertung fehlt, und auch die TU-interne LV-Evaluierung noch nicht abgeschlossen ist, kann das hier nur bedingt als Mehrwert zur Geltung gebracht werden.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Die Transformation der Lehre ins das digitale Setting erscheint uns rückblickend mehr als gelungen. Viele der hier eingesetzten Konzepte und Ideen werden weiterhin im Einsatz bleiben und/oder künftige Formen der Abhaltung beeinflussen.

 

1.1 Einführungsvortrag (Intro)

Die Reduktion des Umfangs frontal vermittelter Information ist von allen Beteiligten im Endeffekt positiv bewertet worden. Eine Erweiterung und Ergänzung der Vortragseinheiten um die Frage/Antwort im Hörsaal war angesichts unserer Hörer_innenzahlen immer problematisch; im Online-Format haben sich die Q&A bewährt und zur Erhöhung der Qualität beigetragen. Die durch die Reduktion des Vortragsteil notwendig gewordene Stückelung der Inhalte hat uns eine bleibende Flexibilität gebracht.

 

1.2 Erweiterte Folien (SlideBook) und Erklärvideos

Unsere Form der Folien-Aufbereitung in den »SlideBooks« wird ungeachtet der weiteren Abhaltungsformen der LV jedenfalls weiterentwickelt werden. Das Feedback der Studierenden dazu war ausnehmend positiv. Die didaktischen Möglichkeiten, die sich aus unserer Umsetzung eines aus den Folien generierten interaktiven, diskursiven Skriptums ergeben, sind auch noch lange nicht ausgeschöpft und werden bei uns ein Schwerpunkt in der weiteren Entwicklung sein. Das SlideBook hat sich für uns als ein Schlüssel zur nachhaltigen Aufbereitung von Vorlesungsinhalten erwiesen.

 

ad 1.3 Interactive

Das größte Problem dieses Formats war die Online-Abhaltung. Wir planen jedoch, inhaltlich motivierte Gruppenarbeiten zu den einzelnen Denkweisen, idealerweise im Präsenz, zu einem fixen Bestandteil der Lehrveranstaltung zu machen.

 

ad 1.4 Diskussionen

Über die Diskussionen wurde unter »Mehrwert« bereits einiges geschrieben. Die Diskussionen gehören zu den spannendsten Lehrerfahrungen, die wir in unserer Zeit an der TU Wien gemacht haben. Unabhängig davon, wie Lehre im kommenden Wintersemester möglich sein wird, werden wir versuchen, diese Erfahrung wieder abzuhalten. Wir denken weiters, dass diese Form der Auseinandersetzung mit den Inhalten auch in anderen Wissensbereichen umsetzbar und produktiv wäre.

 

ad 2. Übungsbetrieb

Ein anderer Bestandteil unseres Projekts, das Peer Review-Subsystem, wird momentan im Rahmen eines universitätsintern finanzierten Projekts neu implementiert, sodass es als Service für Moodle zur Verfügung stehen und damit ohne gesonderte technische Infrastruktur eingesetzt werden kann.

 

ad 3. Organisatorische und informelle Kommunikation

Insbesondere das Konzept der Kommunikation im »Student Relationship Management« hat sich nicht nur bewährt, sondern wurde für alle Beteiligten zum Erfolgsmodell. Dazu kommt, dass eine systematische Evaluierung der dort archivierten Nachrichten dabei helfen wird, unsere Kommunikation insgesamt und das Design unserer Lehr- und Lernplattform zu verbessern.

Aufwand

Der Aufwand für die Neukonzeption und -organisation fast aller Teilen der Lehrveranstaltung war sehr hoch. So mussten beispielsweise die Vorlesungsfolien, die bisher von Jahr zu Jahr im wesentlichen nur aktualisiert wurden, vollständig überarbeitet, textuell ergänzt und inhaltlich priorisiert werden. Der hohe Aufwand kann durchaus als Investition verstanden werden, da vieles jetzt in wesentlich flexiblerer Form vorliegt. So ist die inhaltliche Grundstruktur jetzt kleinteiliger angelegt, und damit anpassungsfähiger.

 

Zusätzliche Kosten sind über die für die Online-Lehre notwendigen Investitionen hinaus (zB. Kameras, Mikrophone) nicht angefallen.

Positionierung des Lehrangebots

Die Lehrveranstaltung »Denkweisen der Informatik« ist seit 2017 Pflichtfach im Umfang von 5.5 ECTS im ersten Semester für alle 700 pro Jahr neu zugelassenen Bachelorstudierenden der Informatik und Wirtschaftsinformatik an der TU Wien. Die Lehrveranstaltung ist optionaler Teil der Studieneingangs- und Orientierungsphase aller genannter Studien.

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2021 nominiert.
Ars Docendi
2021
Kategorie: Methoden des Distance Learning und deren nachhaltiger Einsatz
Ansprechperson
ao.Univ.Prof. Dr. Peter Purgathofer
Human-Computer Interaction Group, TU Wien
0699 1954 5206
Nominierte Person(en)
ao.Univ.Prof. Dr. Peter Purgathofer
Human-Computer Interaction Group, TU Wien
Mag. Kay Kender
Human-Computer Interaction Group, TU Wien
Dr. Naemi Luckner
Human-Computer Interaction Group, TU Wien
Dr. Michael Urbanek
Human-Computer Interaction Group, TU Wien
Rafael Vrecar
Human-Computer Interaction Group, TU Wien
Christopher Frauenberger
Center for Human-Computer Interaction, University of Salzburg
Themenfelder
  • Neue Medien
  • Didaktische Methode
  • Infrastruktur
  • Kommunikation/Plattform
  • Studieneingangs- und Orientierungsphase
Fachbereiche
  • Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik/Ingenieurwissenschaften