Wirtschaftsuniversität Wien
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Interdisziplinäres sozioökonomisches Forschungspraktikum I: Sozialpolitik (Quantitative Methoden, Schwerpunkt: Multilevel-Analysen), Forschungsseminar

Ziele/Motive/Ausgangslage

Ziel

Ziel des auf zwei Semester angelegten Interdisziplinären sozioökonomischen Forschungspraktikums ist es, Studierenden des Masterprogramms Sozioökonomie an der WU Wien eigene Erfahrungen mit wissenschaftlicher empirischer Forschung zu ermöglichen. Mit dem von uns konzipierten Design sollen Studierende zunächst in der ersten Lehrveranstaltung, die Gegenstand dieses Antrags ist, zu kritischen Konsument/innen wissenschaftlicher (quantitativer) Forschung ausgebildet werden (und dann, in der zweiten zum Forschungspraktikum gehörenden Lehrveranstaltung, auch zu Produzent/innen von wissenschaftlichem Output heranreifen).

Aufbau der Lehrveranstaltung und Learning Outcomes

Ziel der gegenständlichen Lehrveranstaltung ist es, erstens den (idealtypischen) Verlauf wissenschaftlicher Forschung zu skizzieren. Dabei werden insb. auch Qualitätsmerkmale von hochwertiger empirischer, quantitativ-orientierter Forschung skizziert – und auf mögliche inhaltliche, methodische, formale oder stilistische Fallstricke und Fehler hingewiesen. Zweitens müssen Studierende bereits publizierte Forschungsergebnisse in Form von englischsprachigen Artikeln in wissenschaftlichen Journalen im Hinblick auf diese Qualitätsmerkmale begutachten. Dies inkludiert, als ein Merkmal der Qualitätsüberprüfung, die empirischen Ergebnisse auch zu replizieren. Als Grundlage für die entsprechenden Analysen wählen wir als LV-Leiterinnen vorab englischsprachige Zeitschriftenartikel aus, die in ihrem empirischen Teil Daten des (frei zugänglichen) European Social Survey verwendet und mittels (Multilevel-)Regressionen ausgewertet haben. Diese multivariaten Methoden zur Überprüfung von Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen ist insb. im wissenschaftlichen sozialpolitischen Diskurs weit verbreitet. Allerdings haben viele der Studierenden des Masterprogramms Sozioökonomie (noch) kein oder nur ein geringes Verständnis für diese spezifische Art der empirischen Forschung. Daher geht es nicht nur darum, dass sich Studierende Methodenkenntnisse für diese Art der Forschung aneignen, sondern, dass sie insb. auch lernen, die Ergebnisse dieser Forschungen richtig zu interpretieren und einzuschätzen. Für die Replikation der bereits publizierten empirischen Ergebnisse nützen wir schließlich drittens die Statistiksoftware STATA, die in den PC-Räumen der WU für Studierende kostenfrei zur Verfügung steht. Damit eignen sich die Studierenden zusätzlich zu Statistikkenntnissen auch Kompetenzen in der Verwendung dieser Auswertungssoftware an – ein weiterer learning outcome, der insb. für jene relevant ist, für die auch im weiteren Berufsweg die Auswertung und/oder die Interpretation von Ergebnissen wissenschaftlicher Forschungen relevant bleibt.

 

Reflexion und interdisziplinäre Herangehensweise

Als Sozialpolitik-Forscherinnen bedeutet diese qualitäts- und kompetenzorientierte Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Texten und Ergebnissen nicht nur ein stetiges Überprüfen und In-Frage-Stellen der Forschungsansätze und -ergebnisse von Kolleg/inn/en, sondern auch unserer eigenen Forschungsbemühungen – um selbst der Umsetzung des idealtypischen Forschungsprozesses, so wie wir ihn unseren Studierenden lehren, möglichst nahe zu kommen. Als Forscherinnen, die auf Grund ihrer eigenen Studien und Abschlüsse einen interdisziplinären Hintergrund in den Fächern Ökonomie, Soziologie, Sozioökonomie und Sozialpolitik aufweisen, bringen wir dafür nicht nur eine disziplinäre Vielfalt, sondern auch eine theoretische und methodische Offenheit für die Art der „angewandten“ Sozialpolitik-Forschung mit, die im Fokus unserer Veranstaltung steht und die wir unseren Studierenden vermitteln möchten.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Ziel unseres „Interdisziplinären sozioökonomischen Forschungspraktikums I: Sozialpolitik“ ist es, Studierende des Masterprogramms Sozioökonomie an der WU Wien zu kritischen Konsument/inn/en wissenschaftlicher (quantitativer) Forschung auszubilden (ehe sie, im Interdisziplinären sozioökonomischen Forschungspraktikums II: Sozialpolitik, eigenverantwortlich Forschungsprojekte durchführen müssen). Aufgabenstellung des 1. Kurses ist es, bereits publizierte englischsprachige Journalartikel, die empirisch mit großen Datensätzen arbeiten und methodisch Mehrebenen-Regressionsanalysen verwenden, kritisch im Hinblick auf inhaltliche, strukturelle, formale und stilistische Qualitätsmerkmale zu evaluieren und die empirischen Ergebnisse schließlich auch mit Hilfe der Statistiksoftware STATA zu replizieren. Auf diese Weise eignen sich die Studierenden nicht nur methodische Kompetenzen an, sondern lernen auch viel darüber, wie Forschungsfragen gestellt, wie der bestehende wissenschaftliche Diskurs berücksichtigt, oder wie Zusammenhänge argumentiert und empirische Analysen auf hohem wissenschaftlichen Niveau durchgeführt werden: wichtige learnings für die eigene Forschungsarbeit. Auf Grund der detailreichen Evaluation der Artikel und der Replikation der Ergebnisse zeigt sich zudem, dass – auch bei publizierten Ergebnissen – die Diskrepanz zwischen idealtypischer Forschung und dem realen Publikationsoutput zum Teil beträchtlich ist.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

With our course (Interdisciplinary Socioeconomic Research Workshop I: Social Policy), which targets students of the Master-Program Socioeconomics at WU, our students ought to become critical consumers of quantitative research results (prior to conducting their own research project in the course „Interdisciplinary Socioeconomic Research Workshop II: Social Policy”). To achieve this, students are required to review empirical research articles that have been published in high-quality social policy journals and that contain empirical research results that are based on large datasets and contain multilevel regressions. Students are required to examine the contents of the articles, their structure and language quality (paragraphing etc.). Moreover, they need to replicate the empirical results using the software STATA. In so doing, they learn how research questions are framed and how they are embedded in theory. They also are acquainted with the scientific discourse more generally, e.g. how methods and results are described and presented. By replicating the empirical results of the articles, they get to know large datasets and acquire competences both in statistical modelling and in analyzing data using STATA. These are all important learnings for their own scientific research projects. The detailed analysis and replication of already published articles make apparent that the discrepancy between ideal-typical research and real publication output is sometimes considerable.

Nähere Beschreibung des Projekts

1. Inhalt und Hintergründe der Lehrveranstaltung

Das „Interdisziplinäre sozioökonomische Forschungspraktikum: Sozialpolitik (Quantitative Methoden, Schwerpunkt: Multilevel-Analysen)“ ist eines von zumindest drei Forschungspraktika, zwischen denen Studierende des Masterprogramms Sozioökonomie pro Studienjahr wählen können. Ziel der über zwei Semester laufenden Veranstaltungen ist es, Studierenden eigene Erfahrungen mit wissenschaftlicher empirischer Forschung zu ermöglichen. Im Zentrum der ersten LV unseres Forschungspraktikums, die Gegenstand dieses Antrags ist, steht die kritische Analyse bereits publizierter englischsprachiger Zeitschriftenartikel, die empirische Ergebnisse mit einem quantitativen Methodenschwerpunkt enthalten. In der zweiten LV geht es dann um das eigenständige empirische Forschen, das letztlich in das Verfassen eines (wiederum englischsprachigen) wissenschaftlichen Zeitschriftenartikels mündet.

Bereits im Anmeldeprozess werden die Studierenden über das kommentierte Vorlesungsverzeichnis auf die Schwerpunktsetzungen der verschiedenen Forschungspraktika hingewiesen. Wir – beide LV-Leiterinnen sind Sozialpolitik-Forscherinnen – haben uns vorab entschlossen, erstens sozialpolitische Themen in den Fokus zu stellen. Zweitens orientieren wir uns an einem spezifischen wissenschaftlichen Output, nämlich an englischsprachigen Journalpublikationen, die Dreh- und Angelpunkt des wissenschaftlichen Diskurses im Fach Sozialpolitik sind. Drittens sollen unsere Studierenden umfangreiche vergleichende Datensätzen kennenlernen und diese, unter Verwendung der Statistiksoftware STATA, auswerten lernen. Methodisch fokussieren wir schließlich viertens auf Regressions- und Mehrebenenanalysen, die in der quantitativen Sozialpolitik-Forschung weit verbreitet sind. Basierend auf diesen Vorab-Entscheidungen wählen wir fünf bis sechs Artikel aus wissenschaftlichen Sozialpolitik-Zeitschriften (z.B. Journal of European Social Policy, Journal of Social Policy, Social Policy & Administration etc.) aus. Die zentrale Aufgabe der Studierenden ist es, auf Basis der Zeitschriftenartikel den (publizierten) Forschungsoutput kritisch zu evaluieren und die empirischen Ergebnisse mit Hilfe der Software STATA zu replizieren. Einer der von uns ausgewählten Beiträge fungiert dabei als Beispielartikel, auf den unsere Inputs, Evaluationen und die beispielhafte Replikation aufbauen, die weiteren Artikel werden von den Studierenden als Teil ihrer Aufgabenstellungen entsprechend analysiert.

Wir sind der Meinung, dass es möglich ist, aus den festgestellten Stärken aber auch Schwächen bereits publizierter Forschung etliches zu lernen – und daraus Lehren für die eigene Forschung zu ziehen. Durch das von uns gewählte LV-Design ermöglichen wir den Studierenden eine sehr intensive Auseinandersetzung mit den Usancen der scientific community im sozialpolitischen Bereich. Durch die tiefgehende Analyse publizierter Zeitschriftenartikel und die Replikation der empirischen Ergebnisse in diesen Artikeln, lernen sie, wie Forschungsfragen gestellt, wie der bestehende wissenschaftliche Diskurs berücksichtigt, wie Zusammenhänge argumentiert und wie empirische Analysen auf hohem wissenschaftlichen Niveau durchgeführt werden. Durch die kritische Überprüfung der einzelnen Forschungsschritte sowie den Abgleich mit dem realen Forschungsoutput zeigt sich, dass – auch bei publizierten und damit qualitativ eher hochwertigen Ergebnissen – die Diskrepanz zwischen idealtypischer und tatsächlicher Vorgehensweise zum Teil beträchtlich ist. Die Studierenden dahingehend zu sensibilisieren und sie auf Schwierigkeiten, Hindernisse etc. hinzuweisen, ist quasi ein „Nebenprodukt“ der Lehrveranstaltung, die wir anbieten. Abgesehen davon profitieren auch wir als LV-Leiterinnen von der kritischen Auseinandersetzung mit Forschungsergebnissen, die hilfreich für unsere eigenen Forschungsvorhaben und Texte ist.

Vor allem im Vergleich mit den anderen im Masterprogramm Sozioökonomie angebotenen Forschungspraktika eignet sich der Aufbau des von uns geleiteten Forschungspraktikums besonders für Studierende, die ein Auslandssemester planen. Bei den meisten Forschungspraktika wird von Studierendengruppen jeweils ein Forschungsprojekt über zwei Semester alleinverantwortlich durchgeführt. Möglich ist dies, weil die Forschungspraktika erstens aus zwei Lehrveranstaltungen bestehen, die jeweils ein Semester dauern und zweitens ein Wechsel der Studierenden zwischen den Forschungspraktika nicht vorgesehen ist. Sollten Studierende ein Auslandssemester absolvieren wollen, dann wird ihnen dafür von Seiten der Studiengangsleitung das dritte Semester empfohlen, in dem laut Studienplan auch der Zyklus der Forschungspraktika beginnt. Das ist insb. für jene Studierenden ein Nachteil, die nach Absolvierung eines Auslandssemesters im vierten Semester sozusagen in ein „laufendes“ Projekt einsteigen müssen. Wir haben den Ablauf unseres Forschungspraktikums nicht zuletzt vor diesem Hintergrund anders gelöst: die zwei zum Forschungspraktikum gehörenden Lehrveranstaltungen sind im Wesentlichen unabhängig voneinander – ein auf Grund eines Auslandssemesters notwendiger Quereinstieg (oder Querausstieg) ist daher möglich, was Studierenden Wege zu einem Auslandsstudium eröffnet ohne den Studienabschluss an der WU zu verzögern.

 

2. Aufgabenstellungen, didaktisches Design und learning outcomes

Studierenden müssen in unserer LV die von uns vorausgewählten Artikel erstens im Hinblick auf inhaltliche (z.B. Aufbau und Strukturierung der Artikel, Formulierung und Ableitung von Hypothesen, Darstellung der Methodik, Darstellung der Ergebnisse, Beiträge und Implikationen der Forschungsarbeit), formale und stilistische Qualitätsmerkmale evaluieren und ein detailliertes schriftliches Gutachten verfassen. Worauf sie bei dieser Evaluierung achten müssen, wird zu Beginn der Lehrveranstaltung anhand des idealtypischen Forschungsablaufs skizziert, v.a. aber anhand der für eine Publikation in einem englischsprachigen wissenschaftlichen Journal notwendigen Inhalte, der Struktur und der Usancen des wissenschaftlichen Schreibens. Zweitens müssen die Studierenden, als Teil der Qualitätsanalyse, die veröffentlichten empirischen Ergebnisse replizieren, um festzustellen, ob die Publikation genügend Informationen zur Replizierbarkeit enthält und ob die replizierten mit den publizierten Ergebnissen übereinstimmen. Dazu erhalten sie nicht nur entsprechende Inputs in der LV, durch die gemeinsame Replikation des Beispielartikels lernen sie konkret, wie derartige Analysen durchgeführt werden. Auch zu diesem Teil der Aufgabenstellung müssen sie ein schriftliches Gutachten verfassen (inkl. eines kommentierten Do-Files und eines Log-Files mit ihren STATA-Analysen).

Durch den Aufbau unserer LV sowie die Ausgabenstellungen wollen wir unterschiedliche learning outcomes erreichen. Insb. sollen unsere Studierenden in die Lage versetzt werden, bereits publizierte englischsprachige Journalartikel im Hinblick auf ihre inhaltlichen, methodischen, formalen und stilistischen Stärken und Schwächen einzuschätzen, ein Gutachten dazu zu verfassen sowie bereits publizierte Ergebnisse von Mehrebenen-Regressionsmodellen mit Hilfe der Statistiksoftware STATA nachzuvollziehen und nachzurechnen. Weil die Studierenden bei vielen der Aufgabenstellungen in Gruppen zusammenarbeiten, fördert die Lehrveranstaltung zudem ihre Fähigkeit, in einem (interdisziplinären) Forschungsteam zu arbeiten, Teamkonflikten zu begegnen und den Nutzen des peer learning insb. in einem interdisziplinären Umfeld zu erfahren.

Die Lehrveranstaltung wurde so gestaltet, dass verschiedenste didaktische Lehr- und Lernmethoden zur Anwendung kommen, um die Studierenden zu unterstützen. Ein Teil der Lehrveranstaltung basiert auf Inputs/Vorträgen der LV-Leiterinnen. Dabei wird auf einen abwechslungsreichen Unterricht geachtet, sodass die Inputs immer wieder durch Plenardiskussionen, Workshops bzw. Kleingruppendiskussionen aufgelockert werden. Durch die Möglichkeit, einige der Einheiten in den PC-Räumen der WU abzuhalten, ist es möglich, gemeinsam mit den Studierenden Auswertungen großer Datensätze durchzuführen bzw. sie bei ihren eigenen Auswertungen anzuleiten und zu begleiten. Dieses learning by doing hat sich als besonders vorteilhaft herausgestellt (und wurde bei bisherigen Evaluationen der Lehrveranstaltung besonders gewürdigt). Kurzpräsentationen, Peer Feedback durch die Studierenden und die LV-Leiterinnen sind ebenso Teil der Lehr-, Prüfungs- und Feedbackmethoden, wie eine schriftliche Gruppenabschlussarbeit, die ein Gutachten des bearbeiteten Artikels ebenso beinhaltet wie die Replikation der empirischen Ergebnisse.

Unser Forschungspraktikum ist eines von mehreren, zwischen denen Studierende wählen können. Unsere Veranstaltung wird etwa zur Hälfte von Personen gewählt, die bereits Erfahrungen mit quantitativer Forschung aufweisen und diese vertiefen möchten. Zur anderen Hälfte setzt sich die Gruppe aus Studierenden zusammen, die keine oder nur wenig Analyseerfahrung haben – und unsere LV als Möglichkeit sehen, entsprechende Kompetenzen auf- und auszubauen. Auf Grund der dadurch sehr unterschiedlichen methodischen Vorkenntnisse unterscheidet sich nicht nur der individuelle Arbeitsaufwand, es ist auch studierendenzentrierte Lehre notwendig. (Individuelle oder Gruppen-)Coachings durch die LV-Leiterinnen sind Beispiele für unsere individualisierte Lehre, ebenso wie das Bereitstellen eines umfangreichen Readers zum Selbststudium, der so angelegt ist, dass sich Studierende sowohl Grundkenntnisse aneignen können als auch – bei Vorkenntnissen – vertiefende Kenntnisse erwerben können. Weil die Studierenden in Gruppen von drei bis fünf Personen an einem Artikel arbeiten, ist peer learning eine wesentliche Quelle des gegenseitigen Lernens und Kompetenzerwerbs: dabei veranschaulichen wir bereits in der ersten Einheit spielerisch mit „Aufstellungen“, wie die Kompetenzverteilung in der Gesamtgruppe ist – und animieren die Studierenden, im Hinblick auf ihre Methoden- und Statistikkenntnisse möglichst heterogene Forschungsgruppen zu bilden. Für jene, die diesbezüglich mehr Unterstützung benötigen, nützen wir außerdem die Möglichkeiten des WU-Lernportals: wir stellen etwa Statistik- und STATA-Auswertungsaufgaben (inkl. Musterklausuren) zur Verfügung, welche von den Studierenden jederzeit gelöst werden können, um ihre diesbezüglichen Kenntnisse aufzubauen bzw. zu vertiefen. Dieses zusätzliche Übungsmaterial hat sich vor allem für Studierende mit weniger Vorkenntnissen als sehr nützlich herausgestellt hat.

 

3. Weiterentwicklung der LV

Wir haben das Forschungspraktikum im WS 2016/17 das erste Mal durchgeführt. Seither haben wir es immer wieder adaptiert und angepasst. Die vorgenommenen Änderungen waren dabei einerseits unserem eigenen Bemühen, die Lehrveranstaltung zu verbessern, geschuldet und andererseits den spezifischen studentischen Vorkenntnissen, Interessen und Feedbacks geschuldet: so haben wir auf Grund unserer Erfahrungen mit der Lehrveranstaltung (und dem Feedback der Studierenden) etwa Inputteile zum idealtypischen Forschungsverlauf stärker gestrafft, Inputteile und Übungen zu statistischen Verfahren und insb. Regressionsmodellen demgegenüber erweitert. Sichtbares Zeichen dieser Veränderung ist die Erhöhung der gemeinsamen Lehrveranstaltungszeit in den PC-Räumen der WU. Neben Gruppenarbeiten (Kurzpräsentation, schriftliches Gutachten und Reproduktionsergebnisse) haben wir immer auch individuelle Aufgaben gestellt. Dafür mussten Studierende schriftliche „Lernfortschrittsberichte“ verfassen, um die gelernten Inhalte auch zu üben. Insb. im laufenden Studienjahr waren weitere Änderungen notwendig, war doch durch die COVID-19 Pandemie eine Präsenzlehre nur sehr eingeschränkt möglich. Wir haben uns zudem entschlossen, in diesem Semester keine Gruppen-, sondern nur Einzelarbeiten durchführen zu lassen: dementsprechend war auch eine Adaptierung der Aufgabenstellungen notwendig, um die Arbeitsbelastung der Studierenden möglichst konstant zu halten. Durch die Unterstützung der WU (u.a. durch die Zur-Verfügung-Stellung der Statistiksoftware STATA für die Studierenden) waren wir trotz dieser Veränderung imstande, die Ziele der LV auch im WS 2020/21 zu erreichen. Dem individuellen Coaching über die Tools MSTeams bzw. Zoom kam gerade in diesem Semester eine besonders große Rolle zu: mit dem Fazit, dass alle Studierenden die Lehrziele erreicht haben.

Mehrwert

Der Mehrwert unserer Veranstaltung ist insb. in der Kompetenzerwerbung durch die Studierenden zu sehen, die nicht nur zum Abschluss der gegenständlichen Lehrveranstaltung führt, sondern eine – wie wir glauben – nachhaltigere Wirkung zeitigt. Nicht zuletzt verfassen etliche unserer Studierenden des Forschungspraktikums ihre Masterarbeit bei einer von uns: häufig mit einem methodischen Schwerpunkt und einer empirischen Analyse, die sie im Forschungspraktikum kennengelernt haben.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Das von uns erarbeitete LV-Design könnte einerseits für Parallelveranstaltungen im Rahmen des interdisziplinären sozioökonomischen Forschungspraktikums im Master Sozioökonomie (adaptiert) übernommen werden und brächte damit anderen Lehrenden (und Studierenden) evtl. denselben Nutzen, den wir und unsere Studierenden erleben. Das Design unserer LV könnte auch als Beispiel für entsprechende Lehrveranstaltungen in anderen Fachbereichen, die sich der Projektforschung widmen, von Nutzen sein und mit Anpassungen an das jeweilige Fach eingesetzt werden oder zumindest als Inspirationsquelle dienen.

Aufwand

Wir haben das Forschungspraktikum im WS 2016/17 das erste Mal durchgeführt. Seither wurde es immer wieder – auf Basis unserer eigenen Lehrerfahrungen aber auch den sich ändernden Bedürfnissen der Studierenden – adaptiert und angepasst. Auch wenn dies einiges an Zeitinvestitionen von Seiten der LV-Leiterinnen erfordert, haben wir doch den Eindruck, dass die Studierenden von diesen Adaptierungen profitieren.

Positionierung des Lehrangebots

Die Lehrveranstaltung wird im Master Sozioökonomie angeboten. Laut Studienprogramm wird empfohlen, diese LV im 3. Semester zu absolvieren (die Lehrveranstaltung „Interdisziplinäres sozioökonomisches Forschungsprojekt II: Sozialpolitik“ wird dann mit derselben Studierendengruppe im 4. Semester fortgesetzt und baut auf Kurs I auf).

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2021 nominiert.
Ars Docendi
2021
Kategorie: Qualitätsverbesserung von Lehre und Studierbarkeit
Hochschullehrpreis 2017
Kategorie: Schwerpunkt: Forschendes Lernen – Forschungsgeleitete Lehre
Link zum Hochschulpreis
Ansprechperson
Astrid Pennerstorfer, Assoz. Univ.Prof. Dr.
Institut für Sozialpolitik / Department Sozioökonomie
01-31336-5884
Nominierte Person(en)
Astrid Pennerstorfer, Assoz. Univ.Prof. Dr.
Institut für Sozialpolitik / Department Sozioökonomie
Karin Heitzmann, ao.Univ.Prof. Dr.
Institut für Sozialpolitik / Forschungsinstitut Economics of Inequality
Themenfelder
  • Rund ums Evaluieren der Lehre
  • Didaktische Methode
  • Wissenschaftliche (Abschluss)Arbeiten
  • Erfahrungslernen
Fachbereiche
  • Wirtschaft und Recht
  • Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften