Wohnen auf kleinem Raum - ein Projekt von Studierenden der LV GK 4.2 Fachspezifische Orientierungspraxis und Schulpraxis, Künstlerisches Lehramt

Ziele/Motive/Ausgangslage

Die Lehrveranstaltung "GK 4.2 Fachspezifische Orientierungspraxis und Schulpraxis" im Rahmen der Bachelorausbildung, Unterrichtsfach Gestaltung im Kontext/Künstlerisches Lehramt, ist eine erste Begegnung der Studierenden mit schulischer Praxis im Unterrichtsfach Werken textil/technisch.

 

Ziel der Lehrveranstaltung (laut Akademie online): (Weiteres siehe nähere Beschreibung des Projekts)

Den Studierenden wird das Rollenbild des Lehrberufs in Wechselwirkung mit eigenen Erwartungen und Ansprüchen anhand konkreter Erfahrungen in der Schulpraxis vermittelt.

 

Wegen des Wechsels auf distance learning im Sommersemester 2020 war ein neues, unter den veränderten Umständen brauchbares Format der Lehrveranstaltung in sehr kurzer Zeit zu finden und einzusetzen.

 

Das Ergebnis der Lehrveranstaltung sollte nachhaltig sein und im Schulbetrieb, ebenfalls im distance learning, einsetzbar sein.

 

Für Schüler und Schülerinnen, die die deutsche Sprache (noch) nicht so gut beherrschen, gibt es Links zu Filmen - wo es nicht so wichtig ist, den gesprochenen Text zu verstehen. Die Aufgaben können von den Lehrerinnen und Lehrern noch weiter erklärt werden. Auch können hier Teams gemeinsam arbeiten.

 

Den Studierenden sollte auch die Arbeit über eine Plattform näher gebracht werden. In weiterer Folge können diese auch mit Schülerinnen und Schülern über diese Plattform arbeiten.

 

Die Studierenden sollten Methoden der gemeinsamen Arbeit an einem Metathema kennen lernen.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Der in diesem Projekt beschriebene Teil der oben genannten Lehrveranstaltung "GK 4.2 Fachspezifische Orientierungspraxis und Schulpraxis"wurde mit der digitalen Zusammenstellung eines Unterrichtsmittels zum Thema WOHNEN AUF KLEINEM RAUM beendet. Dieses Unterrichtsmittel kann mit entsprechendem Link https://anyflip.com/wvmt/edzt/ digital abgerufen und nach Wunsch auch ausgedruckt werden, sowohl in Teilen als auch als Ganzes. Es enthält Beiträge zu verschiedenen Unterthemen, die von Studierenden der Lehrveranstaltung gestaltet wurden und von mir in eine digitale Form gebracht wurden.

 

Die einzelnen Beiträge sind zum Unterrichtsfach Werken entstanden; im Zuge eines fächerübergreifenden Projekts sind ebenfalls die Unterrichtsfächer Sozialkunde, geometrisches Zeichnen, Mathematik mit einbezogen.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

This project describes a part of the seminar "GK 4.2 Fachspezifische Orientierungspraxis und Schulpraxis" mentioned above. The outcome was a digital arrangement under the topic LIVING IN SMALL SPACES, for common use in school. It was uploaded at anyflip and can be retrieved by the link https://anyflip.com/wvmt/edzt/. It can also be printed from there. It contains contributions of my students to their selected sub-topics. Layout and upload were done by me.

 

Contributions were done mainly in Crafts, but can also be used in Maths, Geometrical Drawing and Social Studies.

Nähere Beschreibung des Projekts

Beginnen möchte ich hier mit der Beschreibung der Lehrveranstaltung "GK 4.2 Fachspezifische Orientierungspraxis und Schulpraxis" im Rahmen des Bachelorstudiums Gestaltung im Kontext - technisches und textiles Werken, im Online-System der Akademie abgebildet wie folgt:

 

Proseminar zur Einführung in die fachspezifische Vermittlungspraxis für das Unterrichtsfach technisches und textiles Werken.

 

Die Reflexion und die Aufbereitung unterschiedlicher Methoden im Vermittlungskontext Schule auch hinsichtlich sozialer, ökologischer und politischer Zusammenhänge (Gendergerechtigkeit, inklusivpädagogische Schüler_innenorientierung, Individualisierung) bilden wesentliche Inhalte der Lehrveranstaltung.

 

Im Vordergrund steht die praktische Vermittlung des Erlernens handwerklicher Techniken und materieller Produktionsprozesse.

 

Durch begleitende Hospitationen in allen 3 Schultypen (AHS, BHS und NMS) in den Unterrichtfächern Textiles und Technisches Werken, praktischen Vorbereitungen und Abhalten einzelner Unterrichtssequenzen sowie durch Einbringen eigener Erfahrungen schulen die Studierenden Ihre Fähigkeiten in der Wahrnehmung der speziellen Lebensumstände und Ansprüche von Schüler_innen.

 

Zur Anregung des Bildungsprozesses erhalten die Studierenden im Diskurs Feedback zu ihren konkreten schulpraktischen Erfahrungen, einschließlich Gruppenführung und Konfliktlösungstechniken.

 

Varianten der Unterrichtsbeobachtung, Dokumentation sowie Reflexion werden theoretisch und methodisch erarbeitet und weiterentwickelt, um den Ausblick der Studierenden auf die künftige Lehrtätigkeit zu fokussieren.

 

Ziel der Lehrveranstaltung:

Den Studierenden wird das Rollenbild des Lehrberufs in Wechselwirkung mit eigenen Erwartungen und Ansprüchen anhand konkreter Erfahrungen in der Schulpraxis vermittelt.

 

Lehr- und Lernmethode dabei ist:

Fallstudien, Hospitationen, Erstellen von Unterrichtsdokumentationen und -reflexionen sowie eines konkreten Unterrichtskonzeptes, basierend auf dem Erproben handwerklicher Techniken hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit in der Schule.

 

In bisherigen Semestern hatten die Studierenden jeweils 3 Schulbesuche zu absolvieren, dabei waren pro Besuch jeweils unterschiedliche Fragebögen im Einsatz, die sich zuerst allgemeiner, dann mehr speziell auf die Unterrichtsbeobachtungen bezogen. Dabei aufgetauchte Fragen und Beobachtungen wurden im Anschluss in der Gruppe diskutiert, ergänzt durch allgemein Organisatorisches und auch Theoretisches zum Thema Unterricht. Info über Werkstatteinrichtung, ergänzt durch eine praktische Übung, plus eine Exkursion zu Kulturkontakt Austria waren ebenfalls im Programm. Die Studierenden wurden schließlich hingeführt zur Ausarbeitung eines eigenen Unterrichtsbeispiels.

 

Im Sommersemester 2020 war schnell klar, dass diesmal alles anders ablaufen würde. Schulische Hospitationen waren nicht mehr möglich, daraus folgend auch keine speziellen Beobachtungen, die danach aufgearbeitet werden konnten. Eine schnelle und passende Veränderung des Konzepts war gefragt. Nachdem diese LV am Beginn des Studiums steht, war auch klar, dass auf Erfahrung der Studierenden nicht zurückgegriffen werden kann. Was ich bieten konnte, war meine eigene jahrelange schulische Erfahrung, über die ich in ZOOM-Meetings mit den Studierenden diskutieren konnte. Das war ein wichtiger Teil dieser LV.

 

Ein anderer Teil war das Erlernen der Erstellung von Unterrichtskonzepten, für die ich mir Folgendes überlegte:

Es sollte ein gemeinsames Metathema für die Gruppe (12 Studierende) geben, zu dem individuell gearbeitet werden konnte. Das Thema war schnell klar, waren doch viele Menschen besonders unter den Lockdown-Umständen davon betroffen: WOHNEN AUF KLEINEM RAUM. Nach diversen Inputs via ZOOM wurden die Studierenden ersucht, sich für ein Unterthema aus diesem Bereich zu interessieren, nachzuforschen und das Thema auszuarbeiten. Hierbei sollte ausschließlich nach eigenem Interesse und nicht nach Schulrelevanz ausgesucht werden. In der Umsetzung zu einem Unterrichtskonzept ist das die Sachanalyse, die jedem Unterricht vorangehen muss.

Die Elaborate wurden via ZOOM vorgestellt.

 

Behandelte Themen waren hier

Camping/ Zelt und Jurte

Obdachlosigkeit

Leben in der Strafanstalt

Baumhaus

variable Möbel

tiny houses

Mikroappartments

Leben im Hausboot

Wohnen im VAN

und noch ein paar andere, die schließlich nicht weiter ausgebaut wurden

 

Die Studierenden lernten hier ein Konzept kennen, bei dem Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines Projekts zeitgleich an unterschiedlichen Teilen des Projekts, je nach eigenem Interesse, arbeiten und ihre Arbeiten danach zusammentragen. Dieses Konzept kann später auf den eigenen Unterricht übertragen werden.

 

Zu diesem Zeitpunkt war ich noch der Meinung, dass die LV in absehbarer Zeit präsent weitergehen würde - das erwies sich als Irrtum.

Nach der Besprechung leitete ich die Studierenden an, wie aus der "erwachsenen" Recherche ein Unterrichtsthema für Schülerinnen und Schüler werden kann. Die Studierenden waren zunächst einmal gefordert, zu überlegen, für welche Schulstufe ihr Thema geeignet sein könnte, eventuell musste hier das Thema noch adaptiert werden. Technisches und textiles Werken gibt es hauptsächlich in der Sekundarstufe 1 (10-14-jährige) und in der PTS. Passende Medien wurden zusammengestellt, im Lockdown hauptsächlich Links zu passenden YouTube-Sequenzen und Bildern.

 

Die entstehenden Arbeiten wurden über die Plattform "slack" vernetzt, um die Zusammenstellungen der einzelnen Studierenden für alle anderen einsehbar und kommentierbar zu machen. Dort waren auch weiterführende Unterlagen für die Studierenden zu finden (etwa eine Blanko-Unterrichtsplanung, die nach und nach ausgefüllt werden sollte, samt Informationen dazu). Nach anfänglichen Schwierigkeiten wurde dieses Angebot gut angenommen. Mit der gewonnenen Erfahrung können Studierende in weiterer Folge auch mit Schülerinnen und Schülern über diese Plattform arbeiten. Der Zugang ist kostenlos und niederschwellig, mittels Link-Einladung.

 

Ich möchte hier davon absehen, entsprechende Stellen des Lehrplans zu zitieren und nur ganz kurz auf einen Bereich daraus hinweisen:

RAUM / 1.+2. Klasse

– Körper und Raum

– Lebensräume

– Gebrauchstextilien

– Textile Objekte

– Textile Raumkonzepte

– Baukonstruktion

 

RAUM / 3.+4. Klasse

– Lebensräume und Wohnkonzepte

– Möbel

– Gebrauchstextilien

– Gestaltung/Dekor

– Bauwerk, Gebäude, Architektur

– Baukonstruktion, Statik und Technologie

– Städtebau, Raumplanung und Infrastruktur

– Ökologie und Nachhaltigkeit

 

Die Unterthemen wurden demnach im Lehrplan TECHNISCHES UND TEXTILES WERKEN von 2017 von den Studierenden verortet.

 

Zugleich kam aus den Schulen der Ruf nach Unterlagen zum distance learning im Bereich Werken; daraus entstand die Idee, die schon bestehenden Konzepte der Studierenden zu einem digitalen Unterrichtsmittel zum Thema WOHNEN AUF KLEINEM RAUM zusammenzustellen. Dieses sollte von Schülerinnen und Schülern nach kurzer Anleitung jeweils alleine bearbeitet werden können.

 

Meine Vorgabe zur Erstellung war:

- ein Lesetext, der in verständlicher Sprache verfasst sein sollte, jedoch nicht unbedingt für Kinder geschrieben sein musste.

- Dazu sollte es weiterführende Links geben, wie schon oben erwähnt.

- Die Studierenden sollten für Schüler und Schülerinnen jeweils 3 Aufgabenstellungen im Zusammenhang mit ihrem Thema finden und formulieren.

- Ebenso sollten benötigte Materialien klar ersichtlich sein.

- Die Aufgaben sollten mit möglichst einfachen Mitteln durchführbar sein.

- Nötiges Vorwissen der Schülerinnen und Schüler musste berücksichtigt werden.

- Die Form der Dokumentation der Arbeit sollte festgelegt sein: Schüler und Schülerinnen sollten etwa zum Thema ein Lernheft anlegen, in dem sie die Fragen am Ende des bearbeiteten Kapitels beantworten bzw die Dokumentation der praktischen Aufgaben eintragen.

 

Meine Aufgabe bestand schließlich darin, die gesammelten Beiträge zu einem online-Unterrichtsmittel zusammenzustellen. Ich arbeitete ein passendes Layout aus und gestaltete schließlich dieses interaktive Heft über "anyflip".

Alle Studierenden hatten am Ende der LV die Zusammenstellung zur Verfügung und können diese sowohl in Teilen wie auch als ganzes Lehrmittel zur Auswahl für die Schülerinnen und Schüler zur Verfügung stellen.

 

Ein Band für Lehrerinnen und Lehrer war dazu in Planung, wurde allerdings aus Zeitgründen nicht mehr erstellt. Das entstandene Unterrichtsmittel ist sowohl ausschließlich digital (in Zeiten der Fernlehre) als auch im Präsenzunterricht einsetzbar

 

Wie in der Kurzzusammenfassung schon erwähnt beziehen sich einzelne Beiträge fächerübergreifend ebenso auf andere Unterrichtsfächer, wie Geometrisches Zeichnen, Mathematik, und Sozialkunde.

 

Für alle Beteiligten (auch für mich selbst) war es ein Experiment, verbunden mit vielen neuen Erfahrungen im Bereich digitale Kompetenzen. Ebenso wurde ein Bereich des Lehrplans im techn. und tex. Werken behandelt, der oft ein wenig vernachlässigt wird.

 

Die entstandene Arbeit ist über den eingefügten Link einsehbar.

 

Eine ähnliche Fortsetzung zu einem anderen Thema wird im Sommersemester 2021 stattfinden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mehrwert

Die Zusammenstellung auf anyflip (siehe Link!) bietet vielfältiges Unterrichtsmaterial für das Unterrichtsfach Werken technisch und textil; sie kann sowohl im distance learning als auch im Präsenzunterricht in Teilen oder als Ganzes eingesetzt werden. Einstweilen steht sie den beteiligten Studierenden und anderen interessierten Studierenden und Lehrpersonen zur Verfügung.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Das Konzept wird nach Einbringen der Ersterfahrung im Vorjahr im heurigen Sommersemester zu einem veränderten Thema wieder eingesetzt.

Aufwand

Einen beträchtlichen Zeitaufwand stellte für mich die Erarbeitung eines passenden Layouts und die Zusammenführung der einzelnen Beiträge in indesign dar bzw das Einfügen und Kontrollieren aller Texte und Verlinkungen. Auch ich habe dabei viel gelernt.

Positionierung des Lehrangebots

Bachelorstudium künstlerisches Lehramt Gestaltung im Kontext, Unterrichtsfach technisches und textiles Werken

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2021 nominiert.
Ars Docendi
2021
Kategorie: Methoden des Distance Learning und deren nachhaltiger Einsatz
Ansprechperson
Mag. Ursula Görlitz
IKL, Institut für das künstlerische Lehramt
+43 6605401676
Nominierte Person(en)
Mag. Ursula Görlitz
Akademie der bildenden Künste, Institut für das künstlerische Lehramt
Themenfelder
  • Neue Medien
  • Didaktische Methode
  • Kommunikation/Plattform
Fachbereiche
  • Kunst, Musik und Gestaltung