FHWien der Wirtschaftskammer Wien
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Weitere Beispiele der Hochschule

Einführung in die Betriebswirtschaftslehre; Produktion

Ziele/Motive/Ausgangslage

Seit über 25 Jahren wird Betriebswirtschaftslehre an der BOKU und der FH-Wien der WKW unterrichtet. So wie es vor einem Vierteljahrhundert üblich war, wurde in den Lehrveranstaltung der Theoriestoff vorgetragen und die Studierenden mussten zu Hause Beispiele als Hausübung abarbeiten. Dieses Lehrkonzept war altmodisch und für eine Generation „Wikipedia“ nicht mehr geeignet. Reines Faktenwissen kann heute einfach und schnell über das Internet abgerufen werden und muss daher nicht mehr vorgelesen werden.

Die Schwierigkeit für Studierende besteht heute nicht in der fehlenden Verfügbarkeit von Fachwissen bzw. Know-how, sondern in dessen Anwendung und insbesondere in der kritischen Auswahl der richtigen Instrumente und Theorien für die Lösung konkreter Probleme.

Um diesen geänderten Anforderungen gerecht zu werden, müssen Lehrveranstaltungen konsequent in Richtung eines modernen und zukunftsweisenden Lehrkonzeptes umgestaltet werden.

Das Motto muss dabei lauten: „selbst erarbeiten und anwenden“ statt „im Hörsaal vorlesen lassen“

Das Projekt "Distance Learning in der Einführung in die Betriebswirtschaftslehre; Prodktion" hat dieses Motto konsequent in die Tat umgesetzt.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Von 2017 bis 2020 wurden drei Lehrveranstaltungen auf kompetenzbasiertes Lernen und E-learning umgestaltet. Die Studierenden können sich nunmehr die Lernschritte individuell zusammenstellen und an ihre zeitlichen und persönlichen Lernbedürfnisse anpassen.

Für sämtliche Lehrinhalte, die der Kompetenz Erinnern&Verstehen zuzuordnen sind, wurden Selbstlerneinheiten erstellt, die aus selbstgedrehten Videos und aus Wiederholungsfragen bestehen. Die Module dauern zwischen 10 und 20 Minuten. Zusätzlich wird ergänzendes Material (interessante links, zusätzlicher Lesestoff etc.) angeboten. Die Studierenden können selbst entscheiden, wann, wo und wie oft sie die Module bearbeiten.

Präsenzeinheiten dienen der Erlangung der Kompetenzen „Anwenden, Diskutieren, Analysieren und Evaluieren“. Dies wird durch interaktives Lösen von Case Studies und Simulationen trainiert. Die LV-Leitung gibt dabei Unterstützung, beantwortet Fragen und moderiert die Erarbeitung der Fallstudien und die Diskussionen im Plenum.

Die Covid19-bedingte Umstellung auf Online-Unterricht brachte die große Herausforderung diese auf Gruppenarbeiten im Präsenzmodus ausgerichteten Inhalte in onlinefähige Formate und simultane Bearbeitung von Office365-Apps umzugestalten.

Das Ergebnis ist eine Lehrveranstaltung die wahlweise und flexibel im Hörsaal oder online eine anwendungsorientierte, praxisgerechte Aufarbeitung betriebswirtschaftlicher Fragen und Zusammenhänge in Form von Case Studies und Simulationen ermöglicht.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

Between 2017 and 2020 three courses have been switched to competency-based learning and e-learning. The students are now able to decide when and how often they want to get through the basic material according to their specific needs.

The part of the curriculum which is associated with the competency “remembering and understanding” is put into online lessons with self-made Video and online tests. Each lesson takes 10 to 20 minutes. Additionally, material as links, readings etc. are provided. The students can always decide when and how of then they go through the material.

The classroom sessions are now used for acquiring the competencies “apply, discuss, analyze and evaluate”. This is done by interactive working on case studies and simulations which are moderated by the lecturer.

Covid-19 created the big challenge to switch the classroom-styled case studies into an online format using online modules and Office365-Apps.

Now the course can be flexible done online as well as in presence and offers practical knowledge and competencies for economic questions based on Case Studies and Simulations.

Nähere Beschreibung des Projekts

1. Kompetenzorientierung

Ausgangspunkt der Umgestaltung war die Zuordnung des Lehrstoffs zu geforderten Kompetenzen:

• Erinnern&Verstehen

• Anwenden

• Analysieren&Diskutieren

• Evaluieren&Vergleichen.

 

Die aus dieser Zuordnung entstehende Matrix aus Themengebiet und Kompetenz erfüllt zwei Aufgaben:

 

• Studierende können aus der (in Moodle veröffentlichten) Matrix herauslesen was je Stoffgebiet in der Prüfung konkret verlangt wird. Für welche Themen welche Kompetenzen gefordert sind.

 

• Für alle Inhalte die den Kompetenzen Erinnern&Verstehen zugeordnet sind, wurden e-learning Module erstellt, die den Basisstoff vermitteln. Dadurch bleibt in den Präsenzveranstaltungen Zeit für den Erwerb der „höherwertigen“ Kompetenzen Anwenden, Analysieren&Diskutieren und Evaluieren&Vergleichen.

 

2. E-Learning - Selbstlerneinheiten

Jede Selbstlerneinheiten besteht jeweils aus einem oder mehreren Videos, in denen der Stoff wie in traditionellen Lehrveranstaltungen präsentiert wird. Bis auf einige wenige Ausnahmen wurden alle Videos selbst erstellt und dauern ca. 5 Minuten. Das Ende jeder Selbstlerneinheit bilden Fragen zum zuvor gehörten Stoff. Damit können die Studierenden sofort überprüfen, ob sie den Stoff richtig verstanden haben. Das Modul gilt erst als abgeschlossen, wenn alle Fragen beantwortet wurden.

Die Module sind in Moodle angelegt und können daher einfach innerhalb und zwischen Moodle-Kursen ausgetauscht und verschoben werden. Auch eine nachträgliche Erweiterung oder Ergänzung ist leicht möglich. Weiters kann über die Moodle Statistik kontrolliert werden, ob alle Studierenden die Module bearbeitet haben.

Insgesamt wurden für die drei Lehrveranstaltungen 135 derartige Selbstlerneinheiten erstellt und etwa 200 Videos gedreht.

Den Studierenden ist es freigestellt, wann, wo und wie oft sie die Selbstlerneinheiten durcharbeiten. Die einzelnen Selbstlerneinheiten sind bewusst kurz gehalten (Bearbeitungsdauer zwischen 10 und 20 Minuten), damit die Studierenden in ihrer Zeiteinteilung möglichst flexibel sind. Dadurch können Sie die Erarbeitung des Basislehrstoffes auf ihre persönlichen Gewohnheiten und Bedürfnisse abstimmen.

 

3. Präsenzeinheiten

Präsenzeinheiten dienen dem Erwerb der Kompetenzen Anwenden, Analysieren&Diskutieren und Evaluieren&Vergleichen. Reines Fachwissen aus den Kompetenzen Erinnern&Verstehen bzw. Fragen zu den Selbstlerneinheiten werden in den Präsenzeinheiten lediglich auf Wunsch der Studierenden wiederholt. Die letzte Einheit vor der Prüfung ist jeweils eine Frage- und Wiederholungsstunde bei der die Studierenden Fragen zum Stoff, die beim Lernen oder der Bearbeitung der Selbstlerneinheiten aufgetaucht sind, stellen können. In dieser Einheit wird der Stoff noch einmal im Überblick komplett durchgegangen und aufgefrischt.

 

Präsenzeinheiten werden in zwei unterschiedlichen Formaten abgehalten:

 

• Case Studies

Für Fallstudien-Einheiten ist die Angabe einer speziell für diese Lehrveranstaltungen erstellten Fallstudie im Moodle für die Studierenden verfügbar. Diese muss von den Studierenden für die Präsenzeinheit vorbereitet werden. Die einzelnen Fragestellungen werden im Plenum diskutiert oder in Kleingruppen bearbeitet und danach im Plenum präsentiert.

 

Sämtliche Fallstudienbearbeitungen und Diskussionen werden von der LV-Leitung am (Online)Whiteboard dokumentiert und nach der LV als PDF ins Moodle geladen, somit haben alle Studierenden auch noch später Zugang zu den Ausarbeitungen und Diskussionen.

 

Beispiele für derartige Case Studies sind:

 

Zotter-Schokoladeproduktion: Wertschöpfungssystem, Gestaltung der Wertschöpfungskette, Wertanalyse einer Schokolade und Qualitätsmanagementsystem mit Ishikawa-Diagramm, FMEA und 8D-Report

 

Golfplatz: Standort- und Rechtsformwahl, Stakeholder, Shareholder, Finanzierung, Corporate Governance und Komplexitätsmanagement, Szenariotechnik

 

Gasthofbrauerei Wallenberg: Unternehmertum, Leadership, Geschäftsmodelle, Value Proposition Canvas

 

SISI-Mode: Strategie, Branchenanalyse, Strategiefindung, Basisstrategien, BCG-Portfolio, SWOT-Analyse,

 

MUSKEL-Kraft Fahrradbote: Organisation, MbO, Management, Controlling, Zielvereinbarung

 

Maschinenbau Meier: Personalbeschaffung, Lohngerechtigkeit, Bonifikation

 

Richard&Felix (nur BOKU): Bilanzanalyse

 

Max&Christine Investition in ein Braumeister-Starter-Set (nur BOKU): Investitionsrechnung

 

Zotter Marketing (nur BOKU): Erarbeitung einer Marktsegmentierung und eines Marketingkonzeptes auf Basis eines Marketing-Mix

 

Fox-Luce Italia (nur BOKU): Kostenrechnung und Optimales Produktionsprogramm

 

 

• Lernspiele und Simulationen

 

Bei einigen Lehrinhalten werden Simulationen und Spiele gespielt, bei denen Studierende öfter und nach erhaltenem Feedback mehrmals selbständig Entscheidungen in Kleingruppen treffen müssen. Dies ist für das praktische Verständnis von Zusammenhängen und Wechselwirkungen besser geeignet als Fallstudien. Am Ende derartiger Einheiten erfolgt im Plenum immer eine gemeinsame Zusammenfassung der „lessons learned“ die wiederum dokumentiert und als PDF ins Moodle geladen wird.

 

Beispiele für Lernspiele und Simulationen sind:

 

LEGO-Autobau-Wettbewerb: Studierenden vergleichen im Rahmen der Einheit Produktionssysteme welche Produktionsformen in bestimmten Situationen besser oder schlechter geeignet sind, indem sie die Produktionsformen spielerisch nachstellen und z.B. in Form einer Fließbandfertigung oder in Werkstattfertigung Lego-Autos zusammenbauen. Sie errechnen auf Basis der gebauten Autos die für ihren Produktionsprozess relevanten Kennzahlen wie Durchlaufzeit, Lagerdauer, Lieferbereitschaft etc. So wird die praktische Anwendung des theoretischen Wissens geübt.

 

Papierschiffchen-Produktion: Spielerisch werden unterschiedliche Versorgungsprinzipien anhand der Produktion von Papierschiffchen verglichen und mittels Kennzahlen dokumentiert.

 

LEGO-Kreativwettbewerb: Der Nutzen unterschiedlicher Organisations-, Lohn- und Motivationsformen wird in mehreren Runden eines „Entwicklungs-“Wettbewerbes simuliert.

 

MIT-Beer Game: Darstellung der Probleme Logistischer Systeme und des Bullwhip-Effektes.

 

Gebrauchtwagen-Verkaufssimulation: Verdeutlichung unvollkommener Information am Markt.

 

Bierpreisspiel: Mehrere Gruppen (Brauereien) legen in mehreren Runden ihren Bierpreis auf Basis von variablen und fixen Kosten fest und sehen wie der Markt darauf jeweils reagiert und ob Sie volle Kostendeckung erzielen können. Damit wird Preisfindung und strategische Positionierung in unterschiedlichen Markt- und Wettbewerbssituationen veranschaulicht.

 

1-Euro-Auktion: Veranschaulichung der Problematik der Sunk Costs und es falschen Festhaltens an einmal getroffenen Entscheidungen.

 

10 Cent-Zielscheiben-Spiel: Die Dauer einer Auftragsbearbeitung wird durch die Zielerreichung eines 10-Cent-Wurfes in eine Zielscheibe ermittelt. Wie weit die von den Kunden geforderte Abwicklungszeit erreicht wird, lässt sich anhand von Qualitätskennzahlen ermitteln: Lieferbereitschaftsgrad, Capability Ratio, Cplow, CPup und Cpk sowie Prozessregelkarte.

 

Sowie einige weitere kurze Spiele.

 

4. Umstellung der Präsenzeinheiten auf Onlineunterricht

 

Die größte Herausforderung bestand 2020 darin, die interaktiven Präsenzeinheiten in ein onlinefähiges Format umzustellen. Dabei war die Umstellung der Simulationen und Spiele auf online Lehre deutlich komplizierter als die Umgestaltung der Case Studies. Denn hier tauschen die Studierenden untereinander Karten, Bestell- und Lieferscheine, Spielsteine oder Lego-Autos aus. Online bedarf es eines komplett neuen Settings.

Da alle Studierende durch die Hochschulen einen Zugang zu einem gemeinsamen onedrive Speicherplatz und office365 Apps haben, wurden diese als Austauschplattform verwendet. Statt realer Spielsteine etc. werden nunmehr online Dateien bearbeitet und in Ordner anderer Spielteilnehmer abgelegt.

Auf diese Weise ist es gelungen, sämtliche zuvor an den Präsenzunterricht gebundenen Übungen komplett online durchzuführen.

 

Das Neue Simulationssetting ermöglicht es auch in Zukunft ohne aufwendige Vorbereitung von Lego-Bausteinen, Bauplänen, Spielunterlagen etc. dieselben inhaltlichen Ergebnisse zu erzielen egal ob man dies online oder im Hörsaal durchführt, denn ein internetfähiges Endgerät haben heute alle Studierende auch im Hörsaal immer dabei. Weiters ist nunmehr auch eine lückenlose Dokumentation der Simulationen und der Spielverläufe möglich.

 

Vergleichsweise einfach war dagegen die Umstellung der Fallstudien auf Online-Unterricht. Die Gruppendiskussionen werden in Zoom Break Out Sessions verlegt. Die Lehrveranstaltungsleitung wechselt wie im Klassenraum bei Gruppenarbeiten zwischen den Break Out Sessions um Hilfestellungen zu geben und holt am Ende jeder Session wieder alle Studierende ins Plenum zurück um die erarbeiteten Lösungen und Ergebnisse zu besprechen.

 

5. Gestaltung der Moodle Lernplattform

 

Der gesamte Stoff ist im Moodle in einzelne Kapitel/Pakete aufgeteilt, die jeweils einer (Online-) Präsenzeinheit entsprechen. Damit wissen die Studierenden immer was in der kommenden Stunde durchgenommen wird und welche Selbstlerneinheiten als Vorbereitung durchgemacht werden sollten. Die erste Lehreinheit ist immer eine Simulation, die keine Vorbereitung benötigt.

Jede Moodle-Einheit ist in der formalen Struktur wie folgt gegliedert:

 

a) Angaben zu den Case Studies / Simulationen – in diesem Abschnitt werden später auch die erarbeiteten Lösungen geladen.

 

b) Verpflichtende Selbstlerneinheiten und verpflichtend vorzubereitender Lesestoff

 

c) In manchen Einheiten gibt es auch den Unterpunkt „Material zur Diskussion“. Hier werden aktuelle Zeitungsartikel mit Bezug zum Thema hinterlegt, die von den Studierenden kritisch beurteilt und diskutiert werden sollten. Wenn es die Zeit in der LV erlaubt, werden diese Diskussionen auch im Plenum besprochen.

 

d) Weiterführendes Material zur Vertiefung – hier werden zusätzliche Links zu Unterlagen und externen Videos ebenso abgelegt, wie zum Stoff passende Zeitungsartikel und LV-fremde Selbstlerneinheiten und Online-Tests. Dieses Material ist nicht verpflichtender Prüfungsstoff, sondern als Ergänzung für interessierte Studierende gedacht und wird von diesen vielfach verwendet.

 

6. Prüfung

 

Da der Schwerpunkt der LV auf dem Anwenden, Analysieren und Diskutieren liegt, erfolgt die Prüfung als OPEN BOOK Prüfung. In der Prüfung muss wie in den LVs eine Case Study bearbeitet werden, in der die gelernten Instrumente und Methoden angewendet werden müssen. Das reine Reproduzieren von auswendig gelernten Texten und Folien wird dagegen nicht mehr in den Prüfungen gefragt und honoriert.

 

7. Video-Aufzeichnungen

 

Als zusätzliche Angebot an die Studierenden der BOKU, die teilweise aus Labor-terminlichen Gründen nicht immer anwesend sein können, werden an der BOKU sämtliche Lehrveranstaltungen dieser LV als Video aufgezeichnet und den Studierenden der LV auf einer Boku-Videoplattform zur Verfügung gestellt.

 

8. Verwendung neuer Medien

Im Rahmen der Präsenzeinheiten werden eine reihe von digitalen didaktischen Hilfsmittel eingesetzt:

Poll Everywhere um online Abstimmungen und Reihung von Vorschlägen durchführen zu können. Z.B.: https://PollEv.com/multiple_choice_polls/faLNzm8dags5AM0Jll6jR/respond. Hier sind schon weit über 100 Befragungen aktiv. Beispiele für die Auswertung: https://moodle.fh-wien.ac.at/moodle/mod/resource/view.php?id=519824

Mind Map tools um online gemeinsam auf einem Whiteboard - miro.com - arbeiten zu können. Hier ein Beispiel: https://moodle.fh-wien.ac.at/moodle/mod/resource/view.php?id=522039

Internetrecherchen: Alle Fallstudien sind so angelegt, dass die Studierenden aktiv Zusatzinformationen im Internet recherchieren sollten. Dazu sind teilweise auch schon Einstiegslinks vorgegeben und die Fallstudien als WebQuest aufgebaut.

Mehrwert

Lehrbücher können jederzeit und wiederholt verwendet werden, aber sie sind zumeist trocken und verlangen konzentriertes Lesen. Vorträge im Hörsaal können lebendig gestaltet werden, sind aber für die Studierenden nicht mehr wiederholbar. Durch die Aufarbeitung des Basisstoffes in Videos kann die Lebendigkeit des Vortrags mit der jederzeitigen Abrufbarkeit und Wiederholbarkeit kombiniert werden.

Dadurch sind die Studierenden nicht mehr gezwungen, sich zu einem vordefiniertem Zeitpunkt 90 Minuten voll zu konzentrieren oder andernfalls einen Kernstoff nicht erklärt zu bekommen. Vielmehr können je nach Lerngewohnheiten und Lernbedürfnissen längere oder kürzere Selbstlernphasen abwechseln. Wenn Unklarheiten bestehen, können die Module mehrmals wiederholt werden.

Der Hauptnutzen ist aber schlussendlich, dass die Präsenzeinheiten von Frontalunterricht befreit werden und damit Zeit bleibt, sich mit der Anwendung, Vertiefung und Diskussion des Wissens zu beschäftigen. Dies ist für die Studierenden ein Gewinn an fachlichem Tiefgang und für das Lehrpersonal ein Überwinden der alljährlichen monotonen Wiederholung eins Grundlagenstoffes.

In den Präsenzeinheiten und hier insbesondere in den Break Out Sessions und Simulationen bleibt für die Studierenden darüber hinaus mehr Zeit sich untereinander auszutauschen und einander zu helfen, als dies bei einem Frontalunterricht der Fall wäre.

Da so gut wie alle Videos selbst gedreht wurden, entspricht der Stoff vollständig den inhaltlichen und fachlichen Anforderungen der Lehrveranstaltung, was bei frei verfügbaren open course ware oft nicht sichergestellt ist. Damit bereiten die Selbstlerneinheiten direkt und punktgenau auf die Präsenzeinheiten und die Prüfung vor.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Da Lehrveranstaltungen mit sehr ähnlichem Inhalt an der Fh der WKW und an der Boku gehalten werden, können die Module und Fallstudien/Simulation an beiden Hochschulen eingesetzt werden. Sollte Interesse von anderen Lehrenden an einer Zusammenarbeit und an einem Austausch von Modulen bzw. Selbstlerneinheiten bestehen, ist die über Moodle einfach zu bewerkstelligen. Insbesondere an der FH wäre eine derartige Übertragung einfach, weil mehrere Parallellehrveranstaltungen von unterschiedlichen KollegInnen gehalten werden.

 

Fallstudien und Simulationen sind immer einem Prozess der Weiterentwicklung unterworfen, da sich bei jeder Durchführung neue Fragestellungen und Diskussionspunkte auftun. Insbesondere an den Online Simulationen müssen in Zukunft noch Verbesserungen vorgenommen werden, da die verwendeten offenen Systeme nicht von allen Studierenden beherrscht werden und es dadurch zu Fehlanwendungen kommt, die während der Simulationen zu Problemen geführt haben. Hier muss in den nächsten Semestern noch nachgebessert werden.

Aufwand

Da die Lektorentätigkeit ausschließlich nebenberuflich erfolgt, sind viele Abende und Wochenenden in dieses Projekt geflossen. Die Stunden wurden jedoch weder gezählt noch war der zeitliche Aufwand ausschlaggebend für die Gestaltung. Es hat Spaß gemacht die Lehre weiterzuentwickeln.

Positionierung des Lehrangebots

FH der WKW: Bachelorstudium Finanz-, Rechnungs- & Steuerwesen 1. und 2. Semester (Pflichtlehrveranstaltung, zwischen 35 und 40 Studierende jeweils parallel als Vollzeit- und als berufsbegleitende Gruppe); Universität für Bodenkultur, Bachelorstudium Lebensmittel- und Biotechnologie 5. Semester (jedes Wintersemester ca. 200 - 250 Studierende)

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Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2021 nominiert.
Ars Docendi
2021
Kategorie: Methoden des Distance Learning und deren nachhaltiger Einsatz
Ansprechperson
Mag. Dr. Hermann Kunesch
Abteilung Financial Management der FH der WKW sowie Institut für Lebensmittelwissenschaften der BOKU
+436644502327
Nominierte Person(en)
Mag. Dr. Hermann Kunesch
Abteilung Financial Management der FH der WKW sowie Institut für Lebensmittelwissenschaften der BOKU
Themenfelder
  • Neue Medien
  • Curriculagestaltung – Inhalt
  • Erfahrungslernen
  • Didaktische Methode
Fachbereiche
  • Wirtschaft und Recht