Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Innrain 52, 6020 Innsbruck
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Interaktive Online-Vorlesungen: zeitgleich und zeitversetzt

Ziele/Motive/Ausgangslage

Online-Vorlesungen ohne Anwesenheitspflicht an Universitäten stellen Lehrende vor besondere Herausforderungen, wenn sie Studierende zur aktiven Teilnahme motivieren und über die Vermittlung von Fachwissen hinaus überfachliche Kompetenzen fördern wollen. Aus studentischer Sicht kann es anstrengend sein, langatmigen Präsentationen in einer Webkonferenz oder auf Screencasts und Lehrvideos zu folgen. Es kann frustrierend sein, wissenschaftliche Texte zu lesen, ohne die Möglichkeit zu haben, diese mit anderen zu diskutieren oder Feedback zu Gedanken zu erhalten, die noch nicht ausgereift sind. Außerdem ist es oft schwierig, isoliert von Kommiliton*innen zum Lernen motiviert zu bleiben.

 

Digitale Medien haben das Potenzial, neben der abwechslungsreichen Vermittlung von Fachwissen auch die Interaktion mit dem Lehrenden und unter den Studierenden zu unterstützen. Sie haben das Potenzial, fächerübergreifende Fähigkeiten wie kritisches Denken und Kommunikation zu fördern. Gleichzeitig haben digitale Lehr- und Lernarrangements im Vergleich zu Präsenzformaten unterschiedliche Möglichkeiten und Grenzen.

 

Vor diesem Hintergrund versucht die Vorlesung "Didaktische Aspekte digitaler Medien" im Masterstudiengang Wirtschaftspädagogik an der Universität Innsbruck die Vorteile dreier Lehr- und Lernformen miteinander zu verzahnen: Präsenzlehre, zeit- und ortsunabhängige (asynchrone) Online-Lehre und zeitgleiche (synchrone) Online-Lehre.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Die Vorlesung wird im Rahmen des Masterstudiums Wirtschaftspädagogik angeboten, kann aber auch von Studierenden anderer Masterstudien (z.B. Lehramt) besucht werden. Die Vorlesung erfolgt sowohl zeitgleich als auch zeit- und ortsunabhängig und richtet sich somit an Studierende mit unterschiedlichen Studienbedingungen. Dieser Blended-Learning-Ansatz setzt auf die besonderen Möglichkeiten der einzelnen Lehr- und Lernformate zur Wissensvermittlung und -vertiefung sowie zur Förderung fachübergreifender Kompetenzen. Der ständige Wechsel zwischen theoretischen Inputs und vertiefenden Diskussionen ist sowohl in den synchronen als auch in den asynchronen Online-Vorlesungen integraler Bestandteil und scheint laut Feedback der Studierenden einen Mehrwert für die Lehrveranstaltung zu bieten. So werden nicht nur fachliche Kompetenzen wie Fähigkeiten zur didaktischen Gestaltung digitaler Lehr- und Lerneinheiten gefördert, sondern auch überfachliche Kompetenzen. Im regelmäßigen Austausch in Webkonferenzen und Online-Diskussionsformen wird sowohl auf einen kritischen Diskurs als auch auf eine respektvolle und wissenschaftliche Kommunikation geachtet. Aus einer sozio-konstruktivistischen lerntheoretischen Perspektive wird Lernen als Wissenskonstruktion verstanden, die in sozialen Kontexten stattfindet. Insbesondere die Idee einer Lerngemeinschaft erscheint den Studierenden attraktiv, da sie im gegenseitigen Austausch von Gedanken und Erfahrungen ein großes Lernpotenzial sehen.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

The lecture is offered as part of the Master's program in Business Education, but also students of other Master's programs (e.g. Teacher Education) can attend it. It takes place synchronously and asynchronously of time and place, thus addressing students with different study conditions. This blended learning approach relies on the different teaching and learning formats' particular possibilities for constructing and deepening knowledge and promoting interdisciplinary competencies. The constant alternation between theoretical inputs and in-depth discussions is an integral part of both the synchronous and asynchronous online lectures and, according to student feedback, seems to add value to the course. Thus, not only subject-specific competencies such as skills for the didactic design of digital teaching and learning units are promoted, but also interdisciplinary competencies. The lecturer pays attention to critical discourse and respectful and scientific communication through a regular exchange in web conferences and online discussion forums. From a socio-constructivist learning theory perspective, learning is understood as knowledge construction in social contexts. In particular, a learning community's idea seems attractive to students, as they see great learning potential in the mutual exchange of thoughts and experiences.

Nähere Beschreibung des Projekts

Die Vorlesung wird im Blended-Learning-Format realisiert, indem zeitgleiche (Präsenz oder Online) und zeit- und ortsunabhängige Lehrveranstaltungen angeboten werden. Es gibt jedoch keine klassische Aufteilung, in der Wissen in Selbstlernphasen vermittelt und in Präsenzphasen vertieft und geübt wird. Vielmehr stehen die besonderen Möglichkeiten der einzelnen Lehr- und Lernformate zur Wissensvermittlung und interaktiven Vertiefung sowie die Förderung von überfachlichen Kompetenzen im Vordergrund. Die Studierenden können so Erfahrungen mit den drei Lehr- und Lernformaten sammeln und diese für ihren späteren Beruf reflektieren.

 

Lernvoraussetzungen der Studierenden

Die Studierenden bereiten sich auf einen pädagogischen Beruf in (beruflichen) Schulen oder in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung vor. Die Veranstaltung wird zwar im Rahmen des Masterstudiengangs Wirtschaftspädagogik angeboten, kann aber auch interdisziplinär, z.B. von Studierenden des Lehramtsstudiums und der Organisationswissenschaften, besucht werden. Die Studierenden haben unterschiedliche Lernvoraussetzungen (und Lerninteressen) nicht nur aus der Perspektive ihres Studiums heraus, sondern auch aufgrund ihrer Lebensumstände (Studienschwerpunkt ohne Berufstätigkeit, Doppelstudium, Berufstätige und familiäre Verpflichtungen). Im Hinblick auf die Studienrichtungen wird versucht, die Lehr- und Lerninhalte sowohl auf den schulischen Kontext (Sekundarstufe I und II) als auch auf den beruflichen Kontext abzustimmen. Das orts- und/oder zeitunabhängige Online-Format scheint für Berufstätige sowie für Studierende mit familiären Verpflichtungen besonders attraktiv zu sein.

 

Förderung der fachbezogenen Kompetenzen

Die Lehrinhalte und Lehr-/Lernaktivitäten sind entlang von vier übergreifenden Lehr-/Lernzielen organisiert sowie in kleinere Lehr-/Lernziele heruntergebrochen. Letztere werden zu Beginn jeder Vorlesung transparent kommuniziert und dienen nicht nur der Auswahl von Lehr-/Lerninhalten und Aktivitäten durch die Lehrperson, sondern auch als Orientierung für die Vorbereitung auf die Prüfung (Constructive Alignment). Darüber hinaus werden in der ersten Vorlesung die Lernwünsche der Studierenden mit Hilfe des E-Learning-Tools Padlet gesammelt und gemeinsam besprochen. So können die Lerninteressen entsprechend der Diversität der Studienrichtungen besser berücksichtigt werden. Die Lernwünsche werden in der Regel als Wahlmöglichkeiten im Verlauf der Vorlesungen aufgegriffen und fließen auch in die Prüfung ein. Im Wintersemester 2020 wurden vier zusätzliche Lernwünsche in die Vorlesung aufgenommen und andere Themen, die weniger im Interessenfokus standen, teilweise gekürzt.

 

Förderung von fachübergreifenden Kompetenzen

Darüber hinaus werden in den Vorlesungen nicht nur fachspezifische Inhalte vermittelt. Die Lehrmethodik, die sich an Prinzipien der sozial-konstruktivistischen Lerntheorie orientiert, fördert bewusst bestimmte überfachliche Kompetenzen - wie z.B. kritisches Denken, Kommunikation in synchronen und asynchronen Online-Räumen sowie Medienkompetenz passend zu den Vorlesungsinhalten. Lernen wird in diesem Zusammenhang als Wissenskonstruktion betrachtet, die in sozialen Kontexten stattfindet. Wissen wird von den Studierenden im Rahmen sozialer Interaktionen (Transaktionen) gemeinsam in einer "Lerngemeinschaft" entwickelt, ausgetauscht und verhandelt, wobei auf eine gemeinsame Wissensbasis durch Präsentationen über theoretische Grundlagen Wert gelegt wird. Letztere dient als Ausgangspunkt für synchrone oder asynchrone Diskussionen und Reflexionen über didaktische Fragen. Die Lehrperson versteht sich als Gestalter*in von Lernumgebungen und als Lernbegleiter*in. Sie tritt mit den Lernenden in einen Dialog (Diskussion von Widersprüchen, Fehlern, Hinterfragen von "Wahrheiten") und fördert die Selbstständigkeit. Diese Form ermöglicht es allen Mitglieder*innen der Lerngemeinschaft (Lehrende und Studierenden), voneinander zu lernen, was auch durch die unterschiedlichen Studienhintergründe und das Engagement der Studierenden aktiv gelebt werden konnte.

 

Der Kursverlauf

Hinsichtlich des Kursverlaufs waren ursprünglich zwei Präsenzveranstaltungen (erste und letzte), zwei synchrone Online-Veranstaltungen (zweite und siebte) und vier asynchrone Online-Veranstaltungen (dritte bis sechste) geplant. Der Wechsel zwischen synchronen und asynchronen Online-Vorlesungen wurde laut Evaluation von den meisten Studierenden gut angenommen, obwohl sich hier unterschiedliche Präferenzen herauskristallisierten. Regelmäßige synchrone Online-Sitzungen halfen, im Thema und mit der Gruppe in Kontakt zu bleiben. Zeitversetzte Online-Sitzungen waren hilfreich, um sich die Zeit selbst einteilen zu können, um interessante Themen vertieft zu bearbeiten und andere zu überfliegen. Die textbasierten Diskussionen wurden teilweise als sehr elaboriert wahrgenommen, enthielten "großes Lernpotenzial" und sehr interessante Beiträge und Erfahrungen der Kommiliton*innen. Andererseits bedeuteten die textbasierten Diskussionen einen Mehraufwand nicht nur für die Lehrperson, sondern auch für die Studierenden. Einige Studierende hätten sich gewünscht, für ihre Anstrengung benotet zu werden, andere hätten sich weniger Fragestellungen gewünscht.

 

Abwechslung zwischen Theorie und Diskussion

Der ständige Wechsel zwischen theoretischen Inputs und vertiefenden Diskussionen ist ein fester Bestandteil sowohl der synchronen als auch der asynchronen Online-Vorlesungen. Durch die regelmäßige Interaktion in Webkonferenzen und Online-Diskussionsformen wird nicht nur auf den kritischen Diskurs, sondern auch auf eine respektvolle und akademische Kommunikation geachtet und damit die Kommunikationsfähigkeit der Studierenden angesprochen. Basierend auf der Evaluation des Kurses schätzten die Studierenden die Diskussionen sowohl synchron als auch asynchron, da sie zum Nachdenken anregten, viel von den Beiträgen der Kommiliton*innen zu lernen boten und einen Mehrwert für ihre Teilnahme an der Vorlesung darstellten.

 

Ein gutes soziales Klima schaffen

Aufgrund der aktuellen Gegebenheiten konnte nur die erste Vorlesung im Präsenzformat abgehalten werden, die jedoch für einen wesentlichen Aspekt des Blended-Learning-Ansatzes genutzt werden konnte, nämlich für das Kennenlernen der Lerngemeinschaft. Gerade in Online-Lernumgebungen ist es wichtig, ein gutes soziales Klima zu schaffen, um eine offene Kommunikation zu ermöglichen und Vertrauen innerhalb der Lerngemeinschaft aufzubauen. So wurde in der ersten Vorlesung in Partnerarbeit und im Plenum ausreichend Zeit in das gegenseitige Kennenlernen investiert. Dies wurde anschließend auch auf den Online-Raum ausgeweitet, da nicht alle Studierenden anwesend waren. Die Studierenden wurden gebeten, eine Postkarte an die Lerngemeinschaft im Online-Forum zu schicken und auf einige Beiträge anderer zu antworten. Neben dem gegenseitigen Kennenlernen wurde auch auf die Erreichbarkeit der Lehrperson geachtet. So wurde z. B. in der Mitte der asynchronen Online-Phase eine Sprechstunde angeboten, die kaum genutzt wurde, aber möglicherweise das Gefühl der Anwesenheit der Lehrperson gestärkt hat.

 

Synchrone Online-Vorlesungen

Die synchronen Online-Vorlesungen wurden über das virtuelle Klassenzimmer (BigBlueButton) abgehalten. Theoretische Inputs und Vertiefung der Inhalte durch Ideensammlung und Reflexion (mit E-Learning-Tools wie Padlet und Mentimeter) und Diskussionen in Break-Out-Räumen und Plenum wechselten sich kontinuierlich ab. Beispielsweise wurden die Studierenden in die Grundlagen des Blended-Learning-Ansatzes auf der Ebene des Kursdesigns eingeführt und sammelten individuell ihre Ideen und Gedanken zu dessen Vor- und Nachteilen auf einer gemeinsamen Padlet-Seite. Die wichtigsten Punkte wurden dann im Plenum diskutiert. Für theoretische Inputs wurden ca. 20-25 Minuten angesetzt. Allerdings konnte dieser Zeitrahmen nicht immer eingehalten werden, was auch von einigen Studierenden bemängelt wurde.

 

Darüber hinaus wurde die Zeit zwischen den ersten beiden synchronen Vorlesungen genutzt, um Literatur zum didaktischen Design und dessen textbasierte Vordiskussion in einem Online-Diskussionsforum im Kontext des Lehransatzes "Inverted/Flipped Classroom" zu lesen. Die zweite Vorlesung griff dann Aspekte auf, die nicht ausreichend diskutiert worden waren, und fasste die wichtigsten Erkenntnisse zusammen. Diese Übung diente auch als Einführung in das Thema Inverted/Flipped Classroom als Teil der Lehr- und Lernziele.

 

Die synchrone Online-Vorlesung wurde auch für eine umfängliche Präsentation eines "Good Practice"-Beispiels zur motivierenden Nutzung von Handys/Tablets für Jugendliche in der Oberstufe genutzt. In einem Gastvortrag wurde das didaktische Konzept und die App für FiT - Financial Training von Assist. Prof. Michael Razen, PhD vorgestellt und die Einsatzmöglichkeiten in Schulen und die didaktischen Implikationen mit den Studierenden diskutiert.

 

Asynchrone Online-Vorlesungen

Die asynchronen Vorlesungen sind in vier Einheiten unterteilt, die nacheinander zu absolvieren sind. Der theoretische Input wird durch Screencasts des Vortragenden, Videos als Open Educational Resource (OER), (wissenschaftliche) Texte, relevante Youtube-Videos (auch veröffentlichte Vorträge anderer Professor*innen) variiert. Für jede Einheit stehen ca. 2 Wochen Bearbeitungszeit zur Verfügung. Der Zeitrahmen ist notwendig, weil die wesentlichen Vorlesungsinhalte mit Hilfe von E-tivities (nach Gilly Salmon) besprochen und vertieft werden. Die E-Tivities sind klar und einheitlich strukturiert und enthalten möglichst authentische Fragestellung, die mit der Lebenswelt der Studierenden und gleichzeitig mit den Lehr- und Lernzielen verknüpft sind.

 

Die textbasierte Diskussion ermöglicht eine tiefergehende Auseinandersetzung mit Lehr- und Lerninhalten als die mündliche Form. Die Zeitverschiebung in einem asynchronen Diskussionsforum erlaubt es den Studierenden, tiefer über ein Problem nachzudenken, Beiträge können noch einmal gelesen und eingehender analysiert sowie Antworten im eigenen Tempo erfasst werden. Im Vergleich zu mündlichen Diskussionen vor Ort mangelt es jedoch an Lebendigkeit und Flexibilität im Diskussionsprozess und der nonverbalen Kommunikation. Außerdem ist eine schriftliche Diskussion und deren Betreuung mit mehr Aufwand für die Teilnehmenden verbunden. Die Diskussionen wurden von der Lehrkraft aktiv begleitet, indem sie Behauptungen hinterfragte, perspektivenerweiternde Fragen z.B. zu didaktischen Implikationen von Praxisbeispielen stellte, weiteren theoretischen Input gab und die gesamte Diskussion am Ende der vorgegebenen Zeit zusammenfasste.

 

Für die asynchrone Online-Phase wurde ein international bekannter, aber im deutschsprachigen Raum noch wenig genutzter theoretischer Rahmen, das Community of Inquiry Rahmenwerk von Garrison, Anderson und Archer, als Grundlage genommen. Das Rahmenwerk fokussiert auf zielgerichteten, offenen und disziplinierten kritischen Diskurs und Reflexion in textbasierten Online-Lernumgebungen. Offenheit ist in kritischen Diskursen besonders wichtig. Studenten müssen die Freiheit haben, Ideen zu erforschen, zu hinterfragen und Bedeutung zu konstruieren; sie müssen sich sicher fühlen, private Gedanken zu offenbaren und sie der Kritik zugänglich zu machen. Dieser Hintergrund untermauert auch, warum der Aufbau eines guten sozialen Klimas im Online-Raum eine wesentliche Voraussetzung für einen erfolgreichen Kurs ist.

 

Orientierung in Online-Kursen

Nicht zuletzt ist zu betonen, dass eine gute Orientierung für die Studierenden in Online-Lehr- und Lernarrangements eine wichtigere Rolle spielt als in Präsenzformaten, da die Möglichkeiten für einen informellen Austausch begrenzt sind. So wurde vor Beginn der ersten Vorlesung im Lernmanagementsystem OLAT ein "Willkommensbereich" mit allen relevanten Informationen (Termine, technische Voraussetzungen, Netiquette, Aufbau des OLAT-Kurses, Syllabus) angelegt. Ferner wurde auf eine übersichtliche Darstellung der Vorlesung als Lernpfad im Lernmanagementsystem geachtet. Dies erforderte zwar bei der Erstbelegung des Kurses einen deutlich erhöhten Aufwand, kann durch Kopieren des Kurses in Folgesemestern weitgehend eingespart werden. Der Arbeitsaufwand der Vorlesung (3 ECTS) wurde in Summe und für jede Vorlesungseinheit transparent kommuniziert. Die einzelnen Vorlesungen wurden mit ca. 02:30 Std. Arbeit kalkuliert, unabhängig von der Lehr- und Lernform. Die verbleibende Zeit ist für weiterführende Diskussionen (asynchron), optionale Lernwünsche, für die Prüfungsliteratur, Vor- und Nachbereitung der Vorlesungen und die Vorbereitung auf die Prüfung vorgesehen. Die Organisation der Lehrveranstaltung (z.B. Aufbau, geschätzter Arbeitsaufwand, E-tivities, Erreichbarkeit der Lehrperson) wurde von den meisten Studierenden positiv aufgenommen. Andererseits wird aus der Evaluation deutlich, dass die Selbstorganisation in Online-Kursen die Studierenden vor erhöhte Herausforderungen stellt.

Mehrwert

Der Mehrwert des Kurses lässt sich nicht in Zeitersparnis für die Lehrkräfte messen. Der Kurs erleichtert das Lernen auch nicht per se; Lernen ist anstrengend, mit oder ohne digitale Medien. Vielmehr sind die Gestaltung und der Besuch des Kurses mit einem Mehraufwand verbunden im Vergleich zu einer wissensvermittelnden Vorlesung mit wenig Interaktion. Im Modul ‚erfahren‘ und reflektieren Studierende als Lernende konkret die Wirkung bestimmter Arten von Online-Lehre und von Online-Werkzeugen und können ihr methodisches Repertoire als zukünftig Lehrende erweitern. Die reflektierte Erfahrung stärkt sie gleichzeitig als zukünftige Online-Lehrende in schulischen und außerschulischen Kontexten. Darüber hinaus besteht der Mehrwert für die Studierenden in einer tieferen, vielschichtigen und kritischen Auseinandersetzung mit theoretischen Aspekten für ihren zukünftigen Beruf, in mehr Interaktion mit den Kommilitonen und weniger Isolation in Online-Lehr- und Lernsettings, in einer bestmöglichen Orientierung in den betreuten Online-Selbstlernphasen und vielleicht auch in einer Verbesserung der Diskussionskultur und der persönlichen Entwicklung.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Das didaktische Konzept oder ein Teil davon ist grundsätzlich auf alle Vorlesungen für kleine Gruppen von Studierenden (bis ca. 30 Personen) übertragbar, anpassbar und erweiterbar, wenn in der Vorlesung Wert auf die Diskussion theoretischer Inhalte und damit auf die Förderung überfachlicher Kompetenzen gelegt wird. Das didaktische Konzept wird über einen längeren Zeitraum eingesetzt und in Abhängigkeit von neuen Erkenntnissen aus der wissenschaftlichen Forschung und Evaluationen der Studierenden weiterentwickelt. Die vorgestellte Form wurde von den Studierenden als sehr gut bewertet.

Aufwand

Die didaktische Gestaltung der Vorlesung verursachte keinen finanziellen Aufwand für die Lehrperson, sie konnte die universitäre Infrastruktur nutzen. Zusätzlicher Aufwand war für die Erstellung der Lehrmaterialien (Screencasts) und die Kursgestaltung im Lernmanagementsystem erforderlich. Bei der Erstellung der Lehr- und Lernmaterialien wurde so weit wie möglich auf eine nachhaltige Nutzbarkeit geachtet. So wurden z.B. theoretische Inhalte in kleine Themeneinheiten (ca. 10 min.) aufgeteilt und als Screencast aufgezeichnet. Dieser Mehraufwand kann durch die Nutzung der Kursbausteine über mehrere Semester ausgeglichen werden. Aufwändig bleibt die Betreuung der asynchronen Online-Diskussionen und teilweise auch das Eingehen auf individuelle Lernwünsche. Dieser Aufwand könnte möglicherweise durch die Unterstützung von E-Tutor*innen reduziert werden, die jedoch über Kenntnisse im Fachgebiet und/oder in der Förderung kritischer textbasierter Diskussionen verfügen sollten.

Positionierung des Lehrangebots

Die Vorlesung "Didaktische Aspekte digitaler Medien" kann im Rahmen des Wahlmoduls „Human-Technology-Relation-Management (I): Lernen mit digitalen Medien“ an der Universität Innsbruck besucht werden. Die Lehrveranstaltung richtet sich an Studierende des Masterstudiums Wirtschaftspädagogik und anderer Masterstudien im Rahmen des interdisziplinären Angebots (z.B. Lehramtstudium, Organization Studies). Die Studierenden setzen sich mit mediendidaktischen Theorien auseinander und entwickeln didaktische Kompetenzen für die Auswahl und Konzeption von digitalisierten Lehr- und Lerneinheiten. Der Schwerpunkt der Lehrveranstaltung liegt auf der Vertiefung der theoretischen Inhalte durch kritischen Diskurs und Reflexion. Theorien werden mit Praxisbeispielen verknüpft und E-Learning-Tools sowie relevante Lehrmethoden eingesetzt. Als ganzheitliche Form des Lehrens und Lernens wird die Vorlesung als Blended Learning realisiert.

Links zu der/den Projektmitarbeiter/innen
Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2021 nominiert.
Ars Docendi
2021
Kategorie: Digitale Transformation in der Lehre
Ansprechperson
Eva Kaczko, MSc
Institut für Organisation und Lernen, Bereich Wirtschaftspädagogik
+43 (0) 512/507-71503
Nominierte Person(en)
Eva Kaczko, MSc
Institut für Organisation und Lernen, Bereich Wirtschaftspädagogik
Themenfelder
  • Neue Medien
  • Didaktische Methode
  • Curriculagestaltung – Inhalt
Fachbereiche
  • Wirtschaft und Recht
  • Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften