Strukturelle Exzellenzbildung in der Metallurgie

Ziele/Motive/Ausgangslage

Der Fachbereich Metallurgie an der Montanuniversität Leoben rangiert als einer von nur drei Fachrichtungen an einer österreichischen Universität im „Shanghai-Ranking" unter den Top 15 der Welt und liegt im europäischen Vergleich auf Rang zwei, knapp hinter der University of Manchester. Das Ranking basiert zu einem großen Teil auf der Publikationsleistung.

Ziel des Projektes „Strukturelle Exzellenzbildung in der Metallurgie“ ist es, diese herausragende Stellung durch ein neuartiges Lehrkonzept mit starker Kompetenz- und Lernergebnisorientierung abzusichern. Dabei sollen den Studierenden bereits im Master- bzw. vor allem im Doktoratsstudium strukturelle Hilfestellungen gegeben werden, um sehr rasch Exzellenz in ihrer Publikationstätigkeit zu erreichen. Das Projekt ist eine Möglichkeit, in diesem Bereich der Ausbildung strukturell verbesserte Lernerfolge zu erreichen, die sich direkt an Publikationsexzellenz messen lassen. Dies kommt vor allem dann zum Tragen, wenn kein Doktoratskolleg zu Verfügung steht, wie dies im Fachbereich der Metallurgie derzeit der Fall ist.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Das Projekt „Strukturelle Exzellenzbildung in der Metallurgie“ umfasst vier klar voneinander abgegrenzte Lehrinhalte, die beginnend ab dem Masterstudium konsumiert werden können, spätestes aber für Studierende des Doktorates empfohlen sind. In dem stark interaktiv aufgebauten System wird das Humbolt'sche Prinzip der forschungsgeleiteten Lehre gelebt. Das Konzept besteht aus den Modulen Literature-Club, Seminar-Talk, Paper-Workshop und Network Meeting. Den Studierende werden dabei beginnend mit einer spielerischen Komponente, über konkrete Anleitung bis hin zu einem internationalen Blick über den Tellerrand und Science Marketing, die Kompetenzen für effiziente und exzellente Publikationstätigkeit vermittelt. In dem Konzept werden Studierende an der Konzeption und Durchführung von Lehrveranstaltungen aktiv beteiligt und im individuellen Kompetenzerwerb mit direktem exzellenten Output besonders gefördert.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

The project "Structural Excellence in Metallurgy" comprises four clearly delineated teaching contents that can be consumed starting from the master's program, but are recommended for doctoral students at the latest. In this highly interactive system, the Humboldtian model of research-guided education is practiced. The submitted concept consists of the modules Literature-Club, Seminar-Talk, Paper-Workshop and Network Meeting. Starting with a playful component, through concrete guidance to an international view of the bigger picture and science marketing, the students get skills necessary for efficient and excellent publishing. In the project, students are actively involved in the conception and implementation of course and are particularly promoted in the individual acquisition of competencies with direct excellent output.

Nähere Beschreibung des Projekts

Im Folgenden wird näher auf die vier Module des Projekts „Strukturelle Exzellenzbildung in der Metallurgie“ eingegangen. Alle Module des Projektes wurden hinsichtlich deren Aufbau und Erfolg schon im Rahmen einer 4-stündigen Lehrveranstaltung (Seminar: Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Nichteisenmetallurgie) sehr erfolgreich erprobt, jedoch geplant ist, das Konzept klarer strukturiert abzubilden und breiter zugänglich zu machen. Damit soll diese Art des kompetenzorientierten Unterrichts für die Studierenden besser nachvollziehbar werden. Es ist geplant die einzelnen Module dazu über einen Zeitraum von zwei Semestern zu verteilen. Diese sind im Folgenden beschrieben:

 

Modul 1: Literature-Club

Die Studierenden wählen angeleitet eine besonders wertvolle und erfolgreiche wissenschaftliche Publikation zu einem Thema außerhalb ihres eigenen Forschungsbereichs und bevorzugt fächerübergreifend selbst aus. Unterstützend erfolgt Eingangs eine Diskussion zu entsprechenden Bewertungskriterien (Breakthrough Arbeiten, Standardwerke, Arbeiten mit hoher Anzahl an Zitierungen, Publikationen in Major Journalen). Die Studierenden stellen die gewählte Publikation den anderen Teilnehmern vor und erläutern, welche Punkte strukturell aus ihrer Sicht exzellent gemacht wurden und warum die Veröffentlichung nach so erfolgreich war. Das wird innerhalb der Gruppe unter Anleitung des Lehrenden diskutiert. Durch diese Herangehensweise erfolgt spielerisch durch „learning from the best“ interaktiv die Erarbeitung von Merkmalen exzellenter Publikationen. Diese Merkmale können sehr unterschiedlich sein, wobei dies durch unterschiedliche Arbeiten der einzelnen Studierenden mit leicht angeleiteter Auswahl abgedeckt wird.

 

Modul 2: Seminar-Talk

Da die Studierenden entweder an Ihrer Master- oder Doktorarbeit schreiben, erfolgt als zweite Stufe eine Darlegung der von ihnen gewonnenen Erkenntnisse vor den Mitstudierenden des Doktorates bzw. auch des Masterstudiums. Hier liegt das Augenmerk vor allem in der Einordnung der Forschungsarbeiten und der Anleitung zum Erkennen möglicher Durchbrüche und Anknüpfungspunkte durch den Lehrenden. Sehr oft sind die eigentlichen Zusammenhänge nicht einfach zu erkennen. Hier wird in gemeinsamer Diskussion mit den Mitstudierenden und dem Lehrveranstaltungsleiter gezielt darauf hin angeleitet, wesentliche Punkte zu erkennen („seeing the obvious“).

 

Modul 3: Paper-Workshop

Der Paper-Workshop ist das eigentliche Kernstück der Lehrveranstaltung und der wichtigste Punkt hin zu einem konkreten Lernergebnis. Im Gegensatz zur Stufe 1 und 2, welche spielerisch Möglichkeiten aufzeigen und strukturell Innovationen fördern sollen, ist in Stufe 3 das Erlernen des Konzipierens- und Verfassens von hochwertigen Publikationen verankert. Dabei muss ein Titel, eine Idee, eine Folge möglicher Abbildungen und ein rote Faden für eine mögliche Publikation von den einzelnen Studierenden vorgestellt werden. Der Lehrveranstaltungsleiter und ein zweiter Lehrender, wobei beide publikationserfahrene Wissenschaftler sein müssen, unterstützen in einer wissenschaftlich harten Diskussion die Genese dieser losen ersten Struktur. Die anderen Studierenden ohne Publikationserfahrung nehmen aktiv an dieser Diskussion teil. Idealerweise befinden sich die Studierenden zu diesem Zeitpunkt am Ende der Masterarbeit oder im ersten Jahr des Doktorates.

 

Modul 4: Network Meeting

In der letzten Stufe des Projekts „Strukturelle Exzellenzbildung in der Metallurgie“ stehen die Punkte, Science Marketing, internationaler Erfahrungsaustausch und Netzwerkbildung am Programm. Dabei werden die im Zuge des Paper Workshops erarbeiteten Konzepte bzw. zumeist die daraus bereits entstandenen Publikationen vorgestellt und diskutiert. Zudem gibt es auch einen thematischen Workshop wo Gruppen von Studierenden eine zentrale Idee rund um das Thema Publizieren (z.B. Post-Publication Marketing auf sozialen Medien) diskutieren, ausarbeiten und kurz vorstellen. In der Vergangenheit wurde das mit Doktoranden der ETH Zürich sehr erfolgreich erprobt, was auch zur Bildung exzellenter Publikationsnetze beitragen soll.

 

Sicher ist das Projekt „Strukturelle Exzellenzbildung in der Metallurgie“ für das namensgebende Fachgebiet entwickelt worden. Das strukturelle Konzept fördert jedoch fächerübergreifende bzw. fachunabhängige Kompetenzen und Qualifikationen und leitet bereits in die Anwendung des Gelernten im Wissenschaftsbetrieb über. Es sollte sehr leicht in andere Disziplinen übertragbar sein. Das Lernziel ist klar mit der Ermächtigung zur selbstständigen Erbringung exzellenter Publikationsleistung und dessen entsprechender Vermarktung definiert. Als definiertes Lernergebnis kann eine erste wissenschaftliche Publikation festgemacht werden, wobei dies im ersten Testlauf zu 100 % erfolgreich war.

Mehrwert

Der Mehrwert des Projektes für Studierende liegt in der frühzeitigen Bildung von Kompetenzen, die exzellente Publikationstätigkeit und das Erkennen von Innovation ermöglichen. Zudem ergibt sich indirekt eine Zeitersparnis für Lehrende in der weiteren Betreuung von Studierenden des Doktorates, wenn diese die Lehrveranstaltung einmal durchlaufen haben. Es findet eine Ermächtigung zu erfolgreichem weitgehend selbständigen wissenschaftlichen Publizieren statt. Damit verbunden erfolgt eine Erhöhung des Outputs an exzellenten Publikationen und damit auch eine individuelle Förderung des wissenschaftlichen Erfolgs der Studierenden.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Das Konzept wurde im Bereich der Metallurgie entwickelt, fördert jedoch fächerübergreifende bzw. fachunabhängige Kompetenzen und Qualifikationen und leitet bereits in der Lehrveranstaltung in die Anwendung des Gelernten über. Es ist sehr leicht in andere Disziplinen übertragbar und soll längerfristig Einsatz finden.

Aufwand

Der zusätzliche Aufwand verglichen mit der derzeit üblichen Betreuung von Studierenden (Masterarbeiten/Doktorat) ist gering.

Positionierung des Lehrangebots

Master/Doktorat

Links zu der/den Projektmitarbeiter/innen
Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2021 nominiert.
Ars Docendi
2021
Kategorie: Lernergebnisorientierte Lehr- und Prüfungskultur
Ansprechperson
Stefan Pogatscher, Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. mont.
Lehrstuhl für Nichteisenmetallurgie
06642418337
Nominierte Person(en)
Stefan Pogatscher, Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. mont.
Lehrstuhl für Nichteisenmetallurgie
Themenfelder
  • Didaktische Methode
  • Karriererelevanz des wissenschaftlichen Personals
  • Wissenschaftliche (Abschluss)Arbeiten
Fachbereiche
  • Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik/Ingenieurwissenschaften