Karl-Franzens-Universität Graz
Universitätsplatz 3, 8010 Graz
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Didaktik und Gestaltung der wirtschaftlichen Fächer

Ziele/Motive/Ausgangslage

**Präambel – Das Studium der Wirtschaftspädagogik und das berufsbildende Schulwesen**

 

WirtschaftspädagogInnen sind ExpertInnen für anspruchsvoll geplante, erfolgreich durchgeführte und sorgsam reflektierte Lehr-Lernprozesse zu ökonomischen (betriebs- und volkswirtschaftlichen sowie wirtschaftsinformatischen) Themenstellungen u.a. im schulischen und betrieblichen Kontext. Das polyvalent angelegte Masterstudium der Wirtschaftspädagogik qualifiziert für vielfältige Handlungsfelder als BetriebspädagogInnen und in allen anderen Bereichen der Wirtschaft (beratende Berufe, Personalentwicklung, Bildungsmanagement, Finanz- und Rechnungswesen, Controlling, udgl.), für die Erwachsenenbildung sowie auch für die Unterrichtstätigkeit an österreichischen berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) im Bereich sämtlicher kaufmännischer und wirtschaftlicher Fächer (beispielsweise Betriebswirtschaft, Unternehmensrechnung & Controlling, Wirtschaftsinformatik, Übungsfirmenunterricht oder Volkswirtschaftslehre). SchülerInnen an BMHS wird eine umfassende Allgemeinbildung und eine höhere Berufsbildung in integrierter Form angeboten. Diese Doppelqualifikation ermöglicht AbsolventInnen nicht nur den unmittelbaren Zugang zu facheinschlägigen Berufen, sondern durch die mit dem Schulabschluss erreichte allgemeine Hochschulreife auch den uneingeschränkten Zugang zum tertiären Bildungsbereich.

 

Hinsichtlich der professionellen Planung, Durchführung und Evaluation von Unterricht an BMHS ist die ökonomische Fachdidaktik das ‚Kerngeschäft‘ der wirtschaftspädagogischen Ausbildung, weswegen ihr mit der hier vorgestellten Lehrveranstaltung ‚Didaktik und Gestaltung der wirtschaftlichen Fächer‘ auch im Studienplan des Masterstudiums Wirtschaftspädagogik der Universität Graz ein entsprechender Stellenwert eingeräumt wird.

 

 

**Problemfeld und Ausgangslage – Das Anforderungsprofil von Lehrkräften in der Praxis**

 

Mit der zunehmenden Komplexität globalisierter wirtschaftlicher Prozesse und Organisationsstrukturen, sowie der Digitalisierung und Ökonomisierung der Lebenswelt geht auch eine Veränderung und notwendige Fortentwicklung der damit geforderten ökonomischen Kompetenzen einher, um neben dem Verständnis für wirtschaftliche Vorgänge auch private, berufliche und gesellschaftliche Lebenssituationen bewältigen zu können und eine dementsprechende wirtschaftliche Handlungskompetenz zu entwickeln. Dies wiederum erfordert Lehrkräfte, die stetigen Veränderungsprozessen offen gegenüberstehen und diese mitgestalten, respektive setzt dies eine entsprechende LehrerInnenbildung voraus, die zu einer proaktiven Haltung anregt.

 

Gerade im Zuge der gegenwärtigen Corona-Pandemie wurde einmal mehr deutlich, dass an LehrerInnen ein umfangreiches qualifikatorisches Anforderungsprofil gestellt wird, das weit über Fachkompetenzen hinausgeht. Neben ausgeprägten Selbst- und Sozialkompetenzen gehören didaktisches und pädagogisches Know-how zu den unmittelbaren, sowie technische und mediendidaktische Kompetenzen zum erweiterten Anforderungsprofil von Lehrkräften im gesamten Bildungssystem. Sich schnell verändernde Rahmenbedingungen und unvorhergesehene Ereignisse bedingen – unabhängig vom organisatorisch-strukturellen Rahmen – Anpassungsfähigkeit, die Übernahme von Eigenverantwortung sowie die Bereitschaft einer aktiven Mitgestaltung von Bildungsprozessen. Dies setzt wiederum einen reichhaltigen Werkzeugkasten voraus, welcher gleichzeitig Stabilität und Flexibilität vereint – eine fundierte fachdidaktische Ausbildung, welche Lehren und Lernen in unterschiedlichen Facetten und Lernumgebungen entstehen und gelingen lässt.

 

Guten Unterricht zu verwirklichen, sei es im Setting eines klassischen Präsenzunterrichts oder vielfältige Formen von E-Learning oder deren Kombination, liegt demnach in der Fähigkeit einer Lehrkraft, ihre Instrumente an die vorhandenen Gegebenheiten anzupassen und Lehr-Lernprozesse lernendenorientiert aktiv gestalten zu können. Insofern ist fachdidaktische Kompetenz keine hinreichende, zweifellos aber notwendige Voraussetzung für das Konzipieren von Lehr-Lernanlässen und das Durchführen gelungener Lehr-Lernsituationen.

 

Ein zentrales Betätigungsfeld von WirtschaftspädagogInnen stellt die Lehrtätigkeit an berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) – v.a. an wirtschaftsberuflichen Schulen wie Handelsakademien, Höhere Lehranstalten für wirtschaftliche Berufe oder Handelsschulen – dar. Diese Schultypen bilden zugleich einen zentralen Baustein des österreichischen Bildungssystems. Rund die Hälfte aller Jugendlichen entscheidet sich für eine Ausbildung an einer BMHS. Das Masterstudium der Wirtschaftspädagogik widmet sich u.a. der fachdidaktischen Aus- und Berufsvorbildung zukünftiger Lehrkräfte in diesem Bereich. Die hier vorgestellte Lehrveranstaltung ‚Didaktik und Gestaltung der wirtschaftlichen Fächer‘ stellt dabei die Einführungslehrveranstaltung in den fachdidaktischen Bereich dar.

 

 

**Ziele der Lehrveranstaltung – Unterricht vorbereiten, durchführen und planen**

Im Zuge der als Proseminar ausgelegten Lehrveranstaltung ‚Didaktik und Gestaltung der wirtschaftlichen Fächer‘ werden die Studierenden vor diesem Hintergrund an die Grundlagen der Unterrichtsplanung und -durchführung herangeführt. Die Lehrveranstaltung ist laut Studienplan im zweiten Semester des Masterstudiums Wirtschaftspädagogik vorgesehen und soll die Studierenden nach Abschluss ermächtigen:

* eine Unterrichtsstunde eines wirtschaftlichen Faches (u.a. BWL, RW, VWL) zu planen, vorzubereiten, durchzuführen und nachzubereiten.

* Eingangsvoraussetzungen der Lernenden festzustellen, Lehr-Lernziele zu formulieren, Einstiege zu entwerfen, grafische Strukturen zu erstellen und Problemstellungen zu entwickeln.

* Medien (Tafel, PowerPoint, schriftliche Unterlagen, digitale Medien) adäquat einzusetzen.

* Unterricht kritisch – unter der Beachtung von Feedback-Regeln – zu analysieren.

* Herausforderungen an Lehrpersonen zu beschreiben.

 

Um diese Learning-Outcomes zu erreichen, ist die Lehrveranstaltung wie folgt strukturiert:

 

(1) Phase ‚LEHREN LERNEN‘. In dieser initialen Phase der Lehrveranstaltung werden die Studierenden zunächst mit den Grundlagen der ‚Alltagsdidaktik‘ und Kriterien guten Unterrichts vertraut gemacht. Darauf aufbauend werden einzelne Elemente der Unterrichtsplanung entwickelt (Eingangsvoraussetzungen, Lehr-Lernziele, Struktur & Inhalt, Lernanlässe, Zusammenfassung), sowie das Zusammenspiel dieser einzelnen ‚Bausteine‘ thematisiert. Diese ‚Sichtstrukturen‘ von Unterricht werden anschließend um die ‚Tiefenstrukturen‘ Klassenmanagement, kognitive Aktivierung und konstruktive Unterstützung ergänzt. Ebenso folgt eine Auseinandersetzung mit der Reflexion des eigenen Lehrendenhandelns.

 

(2) Phase ‚LEHREN ERPROBEN‘. In der zweiten Phase der Lehrveranstaltung steht die Performanz der Studierenden im Vordergrund. Hier können sie das erworbene Fachwissen auf ihre eigene Unterrichtsplanung umlegen, sowie ihre entwickelten Kompetenzen im Rahmen der Simulation ihrer ersten selbst gestalteten Unterrichtssequenz zeigen.

 

Die übergeordnete Zielsetzung dieser einführenden Fachdidaktik-Lehrveranstaltung ist die Hinführung der Studierenden an theoriegeleitete und evidenzbasierte Gestaltung von Unterricht, die sich reflexiv von ihrer eigenen Schulerfahrung abhebt und damit eine Basis schafft, woran sich weitere empirisch belegte Wissensbestände in Bezug auf die Gestaltung effektiver Lehr-Lernsettings anheften können und damit Raum für eine fundierte fachdidaktische Kompetenzentwicklung gibt. Die Entwicklung der Reflexionsfähigkeit der Studierenden nimmt daher einen zentralen Stellenwert im gesamten Lehrveranstaltungsverlauf ein und mündet im Verfassen eines schriftlichen Reflexionsberichts als Abschluss der Lehrveranstaltung.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Das zweiphasig strukturierte Proseminar dient der Einführung in Perspektiven, Modelle und Methoden der Fachdidaktik wirtschaftlicher Fächer, sowie der ersten theoriegeleiteten Erprobung entwickelter Lehr-Lernarrangements:

 

(1) Die Phase ‚LEHREN LERNEN‘ widmet sich den theoretischen Grundlagen des Lehrens und Lernens sowie den Basisdimensionen von Unterricht. Die zuerst gemeinsam in synchronen Lehrveranstaltungseinheiten (Videokonferenzen) erarbeiteten Inhalte können anschließend in asynchronen Einheiten durch Nutzung eines medial vielfältigen Lernangebots via einem Lernmanagementsystem (LMS) vertieft werden (u.a. interaktive Lehrbücher, Lernvideos). Dazu kann aus freiwilligen und verpflichtenden Lernanlässen (z.B. Quizze, Lektionen, Glossare) gewählt werden, wobei die Studierenden ihren Lernfortschritt laufend anhand einer Level-Up-Struktur verfolgen können. Diese erste Phase wird durch eine anwendungsorientierte Open-Book-Klausur via LMS abgeschlossen.

 

(2) Die Phase ‚LEHREN ERPROBEN‘ dient der praktischen Umsetzung und deren Reflexion der von Studierenden eigenständig geplanten Unterrichtseinheiten. Die Förderung der Reflexionsfähigkeit wird forciert, indem Studierende auf deren abgehaltenen und aufgezeichneten Unterrichtssequenzen (ca. 30 Minuten) ein strukturiertes mündliches und schriftliches Feedback von Peers und Lehrenden erhalten, das zusammen mit der Videoaufzeichnung der Zusammenführung der Fremd- und Selbsteinschätzung dient und schriftlich reflektiert wird.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

The course is devoted to the introduction to perspectives, models and methods of subject-didactics of economic subjects, and represents a first theory-based trial of developed teaching-learning arrangements by students:

 

(1) The first part of the course (‘Learning to teach’) is devoted to the theoretical foundations of teaching and learning. The contents, which are initially developed together via video conferences, can then be deepened in asynchronous units by using a variety of media-based learning opportunities via a learning management system (LMS), i.a. interactive textbooks, learning videos, links. Students are allowed to choose between voluntary and compulsory learning opportunities (e.g. quizzes, lessons, glossaries), whereby the students can continuously track their learning progress by using a level-up structure. This initial phase is completed by an open book exam via LMS.

 

(2) In the second part of the course (‘Testing the own teaching’) the implementation and reflection of the learning takes place by simulating the teaching situation. To support the ability to be reflective, students get structured oral and written feedback from fellow students and teachers on their held and recorded teaching sequences (approx. 30 minutes). Together with the video recording, this serves to merge the external and self-assessment and is written down in a reflection report.

Nähere Beschreibung des Projekts

Die als Proseminar angelegte Lehrveranstaltung ‚Didaktik und Gestaltung der wirtschaftlichen Fächer‘ des Masterstudiums Wirtschaftspädagogik an der Universität Graz dient der Einführung in Perspektiven, Modelle und Methoden der Fachdidaktik wirtschaftlicher Fächer. In der ersten Phase der Lehrveranstaltung wird anhand wirtschaftlicher Themen theoriegeleitet und evidenzbasiert die didaktische Planung und Gestaltung von Lehr-Lernprozessen erarbeitet. Darauf aufbauend erfolgt die praktische Umsetzung, indem Studierende eigenständig eine Unterrichtseinheit planen und daraus auch eine Unterrichtssequenz vor Mitstudierenden durchführen. Die Entwicklung der Reflexionsfähigkeit der Studierenden nimmt einen zentralen Stellenwert im gesamten Lehrveranstaltungsverlauf ein. Die Studierenden sind daher im gesamten Proseminar gefordert, laufend Reflexionsimpulse aufzunehmen, Peer Review-Tätigkeiten durchzuführen und auch im Rahmen der Unterrichtsdurchführung mündliches sowie schriftliches Feedback zu geben und auch anzunehmen.

 

Im Zuge der näheren Beschreibung der Lehrveranstaltung werden insbesondere die folgenden beiden Aspekte thematisiert: (1) die Lehr-Lern-Philosophie und (2) der Bezug zum Einreichungsschwerpunkt ‚Digitale Transformation in der Lehre‘.

 

 

**Lehr-Lern-Philosophie**

 

Der zugrundeliegende lerntheoretische Zugang ist kognitivistischer Natur. In den beiden Phasen der Lehrveranstaltung werden unterschiedliche Kompetenzen adressiert, welche unter dem Ziel der Planung und Durchführung von wirtschaftlichem Unterricht subsumiert werden können:

 

(1) Im einführenden Block „Lehren lernen“ der Lehrveranstaltung werden die Sicht- und Tiefenstrukturen von Unterricht thematisiert. Insbesondere lernen die Studierenden Eingangsvoraussetzungen der SchülerInnen festzustellen, Lehr-Lernziele zu formulieren, Einstiege zu entwerfen, grafische Strukturen zu erstellen und Problemstellungen zu entwickeln, sowie Medien (Tafel, PowerPoint, digitale Medien, schriftliche Unterlagen) adäquat einzusetzen. Eine zentrale Rolle für die Kompetenzentwicklung bilden von den Studierenden zu einem vordefinierten Thema ausgearbeitete Unterrichtsbausteine, wie Lehr-Lernziele, Einstiege, Strukturbilder und Aufgabenstellungen, welche evidenzbasierten Kriterien entsprechen sollten. Neben der Ausarbeitung dieser eigens erstellten Unterrichtsbausteine geben die Studierenden Feedback auf eine zufällig zugeteilte Ausarbeitung ihrer KommilitonInnen, wodurch sie bereits an die im zweiten Teil der Lehrveranstaltung relevanten Feedbackregeln herangeführt werden. Zudem werden die Lernenden auf diese Weise mit einer weiteren Ausarbeitung konfrontiert, welche es ihnen ermöglicht, anhand dieses Modells ihre eigenen Unterrichtsbausteine zu reflektieren.

 

(2) Im zweiten Teil der Lehrveranstaltung „Lehren erproben“ entwerfen die Studierenden ihre eigene Unterrichtsplanung (Themen aus der Betriebswirtschaft, Unternehmensrechnung oder Volkswirtschaftslehre) und setzen die Planung anschließend unter Einbindung ihrer StudienkollegInnen in die Praxis um. Die in der Rolle der ‚SchülerInnen‘ agierenden Studierenden sollen den Unterricht kritisch – unter der Beachtung von definierten Feedback-Kriterien und Regeln – analysieren. Zur Strukturierung können die Studierenden hierbei auf einen Kriterienraster zurückgreifen (u.a. Lehr-Lernziele, Einstieg, Aufbereitung der Materialien, methodisch-kommunikatives Unterrichtsverhalten). Die Lernenden sollen eine (selbst-)kritisch-experimentelle Haltung entwickeln und dazu angeregt werden, neue Medien und Methoden im Rahmen ihrer Unterrichtsdurchführung auszuprobieren und im Reflexionswege (siehe dazu sogleich) davon zu lernen.

 

Die Durchführung der Unterrichtseinheiten findet gegenwärtig in Form von Videokonferenzen statt. Im Anschluss an jede Unterrichtsdurchführung erhalten die Studierenden ein schriftliches wie auch mündliches Feedback von den Lehrenden und den Studierenden. Hierzu werden beispielsweise auch Audience Response-Tools eingesetzt, was eine Beteiligung aller Studierenden am Feedbackprozess ermöglicht. Für die einzelnen Studierenden bedeutet die große Bandbreite unterschiedlicher Themenstellungen auch die Möglichkeit zum „Lernen am Modell“ anderer Unterrichtsplanungen und -durchführungen.

 

Das Forcieren der Reflexionsfähigkeit der Studierenden stellt ein zentrales Element der Lehr-Lernphilosophie dieses Kurses dar. Aus diesem Grund werden während des ganzen Semesters entsprechende Reflexionsimpulse gesetzt und vor allem der Abschluss der Lehrveranstaltung widmet sich nochmals einer vertieften Auseinandersetzung mit der eigenen Reflexionsfähigkeit, denn nur durch die Bereitschaft zur Reflexion wird differenziertes und integriertes Wissen in pädagogisch relevanten Handlungsfeldern erlangt. Zum Zwecke der Videoreflexion wird die jeweilige Unterrichtsdurchführung auf Video aufgezeichnet und den Studierenden individuell zur Verfügung gestellt. Basierend auf der Videoaufzeichnung ihrer Unterrichtssimulation und dem erhaltenen (schriftlichen und mündlichen) Feedback, verfassen die Studierenden im Anschluss einen Reflexionsbericht, der die Fremdeinschätzung seitens StudienkollegInnen, sowie der Lehrenden mit ihrer Selbsteinschätzung zusammenführt. Zentral für einen nachhaltigen Lernprozess ist für uns nicht nur ein positiver Output (d.h. die konkrete Unterrichtsplanung und -durchführung), sondern auch das Bewusstsein der Studierenden bezüglich ihrer eigenen Kompetenzentwicklung. Die finalen Reflexionsberichte der Studierenden stellen hier ein wichtiges Element dar. Anhand dieser umfassenden und praxisorientierten Einführung in die Unterrichtsplanung und -durchführung soll es den Studierenden anschließend möglich sein, ihre eigene Rolle als Lehrperson greifbarer zu machen und Herausforderungen an Lehrpersonen zu beschreiben.

 

 

**Bezug zum Einreichungsschwerpunkt ‚Digitale Transformation in der Lehre‘**

 

Das für die Lehrveranstaltung ursprünglich intendierte Blended-Learning-Setting – eine Hybridisierung aus Präsenzlehre und digitalen Elementen – wurde im März 2020 mit der ersten synchronen Einheit am Tag des ersten universitären Lockdowns in Österreich zu einem reinen Online-Setting transformiert, wobei das LMS zum primären Verwaltungs-, Lern- und Kommunikationstool avancierte. Bereits als Präsenzveranstaltung war das Seminar stark interaktiv ausgerichtet. Eine der zentralen Herausforderungen im Distance Learning war somit die Überlegung, wie diese Interaktivität von Lehrenden und Studierenden auch auf digitalem Wege zu erhalten sei. In der Lehrveranstaltung wird dies durch gut geplante, strukturierte und interaktive (synchrone) Online-Phasen und durch ein zusätzliches asynchrones Lernerlebnis sichergestellt.

 

Durch den Einsatz innovativer didaktischer Instrumente und Methoden werden die Studierenden zum aktiven Mitarbeiten angeregt, wobei die Lehre synchrone Elemente mit asynchronen Elementen kombiniert. Durch den ersten Teil des Proseminars führen primär synchrone Elemente wie Lehrvorträge und Diskussionen via Videokonferenzen, welche durch den Einsatz von Moodle, wie Foren, ‚Books‘ oder der Chataktivität sowie weiteren digitalen Tools (z.B. Audience Response Tools) angereichert werden, um die Interaktion und Kollaboration zu fördern. Bereits im Vorfeld der einzelnen Einheiten haben sich die Studierenden (asynchrone Inverted Classroom-Phasen) intensiv mit den Inhalten anhand eines interaktiven Moodle-Books und weiteren digital verfügbaren Lernanlässen auseinandergesetzt. Die anschließenden Videokonferenzen dienen der Vertiefung bereits selbstständig erarbeiteter Inhalte, Übungsphasen sowie der Klärung von Verständnisproblemen. Diese Konferenzen werden gleichzeitig aufgezeichnet und via Moodle als postfunktionelle Lernanlässe zur Verfügung gestellt. Zwischen den Videokonferenzen bzw. Lehrveranstaltungseinheiten werden die Studierenden auf der Lernplattform selbstständig aktiv und bearbeiten Quizze, Lernlektionen, führen virtuelle Gruppenarbeiten durch oder tauschen sich in Foren und Chats aus. Darüber hinaus erarbeiten die Studierenden im ersten Teil der Lehrveranstaltung exemplarisch einzelne Elemente von Unterrichtsplanungen (sogenannte ‚Unterrichtsbausteine‘, z.B. Lehr-Lernziele, Einstiege, Aufgabenstellungen, Visualisierungen), wofür sie sich anschließend – im Sinne eines Peer-Learnings – gegenseitig ein angeleitetes, konstruktives Feedback via des Moodle-Tools ‚Peer Review‘ geben. Diese Bausteine sind angelehnt am zugrundeliegenden Konzept der ‚Alltagsdidaktik‘, das gut verständlich dafür geeignet ist, Unterricht professionell zu planen, durchzuführen und kritisch zu reflektierten.

 

Der zu Beginn dieses Abschnitts thematisierte motivationale Aspekt des Online-Settings findet sich u.a. in einer Lernlevel-Struktur für Studierende. Für alle durchgeführten Lernaktivitäten auf der Lernplattform Moodle können die Studierenden sogenannte Erfahrungspunkte verdienen, die mit Lernlevels in Verbindung stehen. Je nach erreichtem Lernlevel werden sukzessive weitere Aktivitäten auf der Plattform freigeschaltet. Zudem dient diese sogenannte Level-Up-Struktur der Anzeige des eigenen Leistungsfortschritts in Relation zu den übrigen Studierenden. Die individuelle Lernprozesssteuerung durch die Level-Up-Struktur, Peer-Feedback auf eigene Ausarbeitungen und eine automatisierte Rückmeldung auf durchgeführte Lernanlässe (z.B. Sofortfeedback bei Quizzes) ermöglicht in dieser Ausgestaltung eine höchst individualisierte Lernerfahrung für die Studierenden. Der erste Teil des Proseminars wird durch eine anwendungsorientierte Open-Book-Klausur abgeschlossen, welche von den Studierenden ebenfalls auf Moodle absolviert wurde. Die im zweiten Teil der Lehrveranstaltung von Studierenden eigenständig erarbeiteten Unterrichtsplanungen und deren Simulationen sowie die für den Lernerfolg wesentliche und unerlässliche Funktion des unmittelbaren Feedbacks an die Studierenden erfolgt ebenfalls unter Einsatz von Videokonferenzen sowie Moodle.

 

Als mediendidaktisches Konzept wird der als Blended-Learning-Setting konzipierten Lehrveranstaltung das Lernumgebungskonzept zugrunde gelegt. Dadurch soll selbstgesteuertes eigenverantwortliches Lernen bzw. die aktive Auseinandersetzung mit den Lerninhalten begünstigt, sowie individualisierte Lernerfahrungen geschaffen werden. Dafür werden synchrone Elemente (Lehrvorträge, Diskussionen, Unterrichtssimulationen) mit asynchronen Elementen (Lernanlässe via Moodle) verwoben. Die in Moodle konstruierte Lernumgebung regt durch ein breites Spektrum medial abwechslungsreicher Lernaktivitäten zum eigenständigen Lernen an. Durch den gewählten Gamification-Ansatz (Level-Up-Struktur) wurden die asynchronen Phasen motivierend gestaltet, die synchronen Phasen optimal vorbereitet und das Engagement sowie die Interaktion der Studierenden und Lehrenden während des Verlaufs hochgehalten.

 

Das Lehrveranstaltungssetting wird seit der erstmaligen Durchführung in dieser Form kontinuierlich weiterentwickelt und an die Bedürfnisse der Studierenden adaptiert. Dazu wird einerseits regelmäßig Feedback von den Studierenden via Moodle eingeholt und andererseits werden Online-Interviews mit den Lernenden unter Unterstützung von Studierenden des fünften Semesters des Masterstudiums durchgeführt. Die Rückmeldungen ergaben, dass insbesondere die Level-Up-Struktur von den Studierenden als überaus motivierendes Element wahrgenommen wurde und sich die Studierenden daher auch kontinuierlich mit den Lehrveranstaltungsinhalten auseinandersetzten, respektive zu einem Mitlernen angeregt wurden.

 

Dieser unerwartete Wechsel in die virtuelle Lehre hat damit erste Potenziale einer digitalen Transformation in der Lehre auf Ebene des Unterrichts erkennen lassen, was nicht nur auf das Engagement der handelnden Personen (Lehrende wie Studierende), sondern auch auf eine überaus leistungsfähige Lernplattform zurückzuführen ist, anhand welcher das didaktische Repertoire der Präsenzlehre beinahe vollkommen auch virtuell abgebildet werden kann. Durch die virtuelle Lehre haben sich auch neuartige Wege der Kooperation und Kollaboration aufgetan, welche einen flexibleren und auch individuelleren Austausch zwischen Lehrenden und Studierenden ermöglicht. Auch der Einsatz digitaler Tools oder die Abbildung von Lernaktivitäten über ein Lernmanagementsystem bieten Vorteile einer methodischen Anreicherung und gleichzeitigen Einbindung aller Studierenden. Durch die orts- und zeitunabhängige Zugänglichkeit zu Wissen oder Lernoptionen können Studierende Lernprozesse nach eigenem Ermessen gestalten und steuern. Weiters ist auch die Methode des Peer Reviews ein geeignetes Tool, um beispielsweise Peer Learning anzuregen. Es hat sich gezeigt, dass sich die Bereitschaft der Lehrenden, die Situation proaktiv bestmöglich zu nutzen, auch auf die Studierenden übertragen hat. Dadurch wurde auch situativ die Entwicklung deren digitaler Kompetenzen begünstigt, sowie auch die Haltung zum lebenslangen Lernen gefördert.

Mehrwert

Der Mehrwert des Lehrveranstaltungsdesigns liegt vor allem in den erweiterten Möglichkeiten der Studierenden für Ihre Kompetenzentwicklung begründet.

 

Durch den zweiphasigen Aufbau des Proseminars und dem Einsatz lernbegleitender Elemente erleben sich Studierende unmittelbar in ihrem Kompetenzentwicklungsprozess. Die Studierenden werden durch die einführende Grundlagen-Phase ‚Lehren lernen‘ des Proseminars mit zahlreichen Lehrmethoden und aktivierenden Lernanlässen an die Thematik des Lehrens und Lernens herangeführt. In der daran anschließenden praktischen Phase ‚Lehren erproben‘ findet das erworbene Wissen direkte Anwendung. Studierende sind gefordert, sich an eigenständiger Planung und Abhaltung von Unterricht auszuprobieren und ihre eigenen ersten Erfahrungen als Lehrperson, wenn auch in einer simulierten Umgebung, zu machen. Sie lernen somit am Modell ihrer eigenen Unterrichtsplanung und -durchführung, wie auch anhand jener ihrer Mitstudierenden. Begleitet und unterstützt wird der Lernprozess zum einen durch das Angebot verpflichtender und freiwilliger Lernanlässe und zum anderen in der Art der medialen Einbindung in die Lehrveranstaltung. Durch die Notwendigkeit sich mit virtuellem Lehren und Lernen auseinanderzusetzen, haben sich neuartige Wege der Kooperation und Kollaboration aufgetan, welche einen flexibleren und auch individuelleren Austausch zwischen Lehrenden und Studierenden ermöglicht.

 

Auch der Einsatz digitaler Tools oder die sinnvolle Nutzung eines Lernmanagementsystems und damit verbunden die Erstellung digitaler und wiederholbarer Lernanlässe bietet die Möglichkeit, lernrelevante Diversität in der Lehre zu berücksichtigen. Je nach Vorwissen oder Vorerfahrungen können freiwillige Lernanlässe und Zusatzmaterialien einer Über- oder Unterforderung durch die Möglichkeit des selbstgesteuerten Lernens bzw. Differenzierung in den Lernanreizen begegnet werden. Gleichzeitig lernen Studierende Selbständigkeit und Selbstorganisation und das bewusste Anwenden von Lernstrategien durch eine eigenständige Vertiefung sowie feilen an der Schärfung ihrer Reflexionsfähigkeit und der Entfaltung einer konstruktiven Feedbackkultur durch beispielsweise einem Einsatz von Peer-Reviews oder Peer-Feedback. Weiters bietet der didaktisch begründete Einsatz digitaler Methoden und Medien einerseits die Möglichkeit, alle Studierenden aktiv einzubinden und dadurch auch einen zeitnahen und umfassenderen Blick auf ihren Lernstand zu erhalten. Die aktive Mitarbeit sowie ein kontinuierliches Mitlernen werden durch den Gamification-Ansatz einer Lernlevel-Struktur erreicht. Das Aufzeigen des Lernlevels (Erfahrungspunkte) im anonymen Vergleich zu Mitstudierenden wird als motivierend wahrgenommen und wirkt sich positiv auf ein laufendes Mitarbeiten aus.

 

Auch in Hinblick auf Implementierung eines formativen Bewertungssystems hat sich gezeigt, dass der Einsatz digitaler Lernanlässe zwar Vorbereitungsarbeit bedingt, die Nachbereitungs- und Beurteilungsarbeit jedoch erleichtert und sich dadurch eine laufende transparente Darstellung von Lernerfolgsbewertungen bewerkstelligen lässt, sowie gezielter auf die Behandlung von Unklarheiten bzw. Lernschwierigkeiten eingegangen werden kann. Andererseits kann damit auch ein Schritt in eine sinnvolle Integration von Lehre und Digitalisierung gegangen werden und Lehre abwechslungsreich wie auch zeitgemäß und zukunftsorientiert gestaltet werden. Auch die dadurch orts- und zeitunabhängige Zugänglichkeit zu Wissen und multimedial variierenden Lernoptionen unterstützt Lernende in ihrer Eigenverantwortung und Selbststeuerung und nimmt gleichzeitig Rücksicht auf deren heterogene Lebensumstände, was wiederum das Erleben individueller Lernerfahrungen ermöglicht.

 

Als weiterer Mehrwert ergibt sich, dass Studierende den Einsatz digitaler Medien und virtueller Lehr-Lernsettings mit ihrer eigenen Lebenswelt verknüpfen und dadurch auch eine Art digitale Vernetzungskompetenz entwickeln, d.h. es wird nicht nur die digitale Kompetenz oder die technische Problemlösekompetenz per se gefördert, sondern auch ein nachhaltiger Transfer in die Alltagswelt der Studierenden. Beispielsweise haben Studierende für ihre Lehrauftritte Ideen und Tools, die ihnen aus sozialen Medien bekannt sind, ausprobiert und umgesetzt und so unkonventionelle und nachhaltige Lernanlässe für sich selbst und andere geschaffen. Dies wiederum kann sich positiv auf die Entwicklung einer positiven Haltung zum lebenslangen Lernen auswirken.

 

Weiters ist die Lehrveranstaltung zusätzlich in das Projekt ‚Learning Analytics‘, einem Kooperationsprojekt zwischen der Universität Graz (Institut für Wirtschaftspädagogik und Zentrum für Digitales Lehren und Lernen) und der Technischen Universität Graz (Abteilung für Lehr- und Lerntechnologien) eingebettet, die sich mit der didaktischen Perspektive von Learning Analytics beschäftigt und in einer Begleitforschung den Einsatz der virtuellen Lernumgebung mit den freiwilligen und verpflichtenden Lernanlässen wissenschaftlich begleitet und hier neben einer quantitativen Betrachtung auch die Wahrnehmung der Studierenden einfließen lässt, um selbstreguliertes Lernen in Lernmanagementsystemen voranzutreiben. Hierzu wurde auch im Nachfolgesemester ein Dashboard implementiert, welches Lernende zusätzlich in ihrem Lernprozess begleiten und unterstützen soll.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Das Lehrveranstaltungskonzept ist nicht fachspezifisch determiniert, sondern kann auf viele Lehrveranstaltungstypen und Lehr-Lernsettings übertragen werden. Im Prinzip handelt es sich um eine Interpretation einer selbstgesteuerten Lernumgebung, indem zu Beginn mehr Fremdbestimmung durch Inputphasen in synchronen und asynchronen Einheiten erfolgt und verpflichtende Lernanlässe als Lernpfade vorgegeben werden. Gleichzeitig ist schon zu Beginn selbstbestimmtes Lernen über freiwillige Lernanlässe möglich, sofern die Studierenden dies auch annehmen möchten. Weiters wird ein umfassender Methodenmix eingesetzt (Lehrvorträge, Moodle-Book, Quizze, interaktive Lernvideos), um unterschiedliche Lernwege zu eröffnen. In der zweiten Lehrveranstaltungsphase bestimmen die Lernenden die Einheiten, wie sie das Erlernte umsetzen, bleibt dabei ihnen überlassen. Sie haben dazu sämtliche Werkzeuge in den einführenden Theorieeinheiten erlernt bzw. via Moodle zur Verfügung gestellt bekommen, wobei es natürlich einen Rahmen bzw. Kriterien für ‚guten Unterricht‘ gibt, die eingehalten werden sollen. Die Umsetzung dieser Kriterien kann jedoch auf vielfältige Weise erfolgen. Daraus ergeben sich nachhaltige Lernprozesse, die einem umfassenden Kompetenzverständnis folgen und auch den Weg für lebenslanges Lernen ebnen. Die Entwicklung der Reflexionsfähigkeit der Studierenden nimmt dabei einen zentralen Stellenwert im gesamten Lehrveranstaltungsverlauf ein.

 

Was Studierende dabei in ihrem aktiven, eigenständigen Lernprozess unterstützt, ohne sich dabei im vielfältigen Lernangebot verloren oder eingeengt zu fühlen, wird im Rahmen dieser Lehrveranstaltung erprobt.

 

Das im Zuge der Lehrveranstaltung ‚Didaktik und Gestaltung der wirtschaftlichen Fächer‘ im Sommersemester 2020 entwickelte und hier vorgestellte Konzept wird gegenwärtig im Rahmen der Lehrveranstaltung ‚Unterrichtsplanung und digitale Medien‘ weiterentwickelt. Zum jetzigen Zeitpunkt sind bereits zwei Semester in dieser Form umgesetzt worden und auch innerhalb des zweiten Semesters wurde einiges an der Lehrveranstaltung, auch während des Semesters, weiterentwickelt – dies aufgrund der Bereitschaft der Studierenden ihre Sichtweise, ihr Erleben bzw. ihre Erfahrungen mit diesem Lehrveranstaltungskonzept und auch mit der virtuellen Lernumgebung konstruktiv in der Begleitforschung einzubringen. Die Motivation dazu ist u.a. auch dem adaptiven Ansatz geschuldet, d.h. nicht nur Studierende der Nachfolgesemester, sondern Studierende im jeweils aktiven Kurs profitieren bereits davon, da ihr Feedback unmittelbar Gehör findet und – sofern es technisch und organisatorisch realisierbar ist – auch eine zügige Umsetzung erfolgt.

 

Empfehlungen für eine konkrete fachunabhängige Übertragbarkeit, der im Zuge des ersten Lehrveranstaltungskonzepts gemachten Erfahrungen, beziehen sich auf die Ergänzung von verpflichtenden Lernanlässen um ein freiwilliges Lernangebot – insbesondere in Form einer motivierenden Level-Up-Struktur, da sich Erfahrungspunkte, das mögliche Aufsteigen in Lernlevels sowie der anonyme Vergleich mit Peers als motivierender Gamification-Effekt gezeigt hat. Damit verbunden ist auch die Implementierung eines formativen Bewertungssystems, um einen weiteren Schritt in eine lernendenzentrierte Ausrichtung und Transparenz – und damit auch Steuerungsmöglichkeit – zu gehen. Damit können Studierende zum einen die Selbsteinschätzung ihres Lernfortschrittes mit den tatsächlich erreichten Punkten vergleichen und gleichzeitig haben sie auch einen Anhaltspunkt zur Steuerung ihres weiteren Lernprozesses. Dies ist u.a. auch ein Analysebereich des Forschungsprojektes ‚Learning Analytics‘. Dabei erhalten Studierende ihren aktuellen Punktestand (Score) im anonymen Vergleich zu Peers in einem Dashboard visualisiert und können so ihren Lernfortschritt laufend mitverfolgen.

Aufwand

Der Verlauf der Lehrveranstaltung erfolgt im Teamteaching dreier Lehrender, was den Aufwand je Person etwas minimiert. Insbesondere der Aufwand für die Betreuung der Moodle-Plattform ist jedoch als überdurchschnittlich zu beziffern. Neben der Vorbereitung der synchronen Lehrphasen und deren Begleitung via Moodle ist auch eine Betreuung der Studierenden in den asynchronen Lehrphasen sicherzustellen. Hierzu kann jedoch gesagt werden, dass sich ein einmal investierter Aufwand in didaktisch wertvolle Lernanlässe und deren Implementierung für Nachfolgesemester als äußerst hilfreich erweist, da auf diese immer wieder zurückgegriffen (auch technisch dupliziert) werden kann. Hinzukommt, dass mittlerweile fertige Moodle-Templates der Universität verwendet werden können bzw. diese Lehrveranstaltung auch auf Ressourcen des Projektes ‚Learning Analytics‘ zurückgreifen konnte.

 

Auch wenn ein nicht zu unterschätzender Vorbereitungsaufwand vor Beginn des Semesters bzw. den Lehrveranstaltungseinheiten besteht, ist damit ein nachhaltiger und kompetenzorientierter Vorteil verbunden. Da viele Lernanlässe auf die virtuelle Lernplattform ausgelagert und mit Feedback versehen werden, können sich die Lehrenden in den synchronen Lehr-Lernphasen den konkreten Fragen, Unklarheiten, Lern- und Verständnisschwierigkeiten der Studierenden widmen. Das ergibt wiederum ein Mehr an aktiver und gut genutzter Lehr-Lernzeit und stellt auch für die Studierenden eine wertvolle und individualisierte Lernbegleitung dar. Einen Aufwand, den diesbezüglich Studierende zu tragen haben, ist die Auseinandersetzung mit digitalen Lernangelegenheiten, was wiederum der Entwicklung ihrer digitalen Kompetenzen zugutekommt und dadurch weniger als Anstrengung, sondern mehr als Zusatznutzen und dadurch als durchaus positiv und bereichernd wahrgenommen wurde.

Positionierung des Lehrangebots

Das im zweiten Semester des 5-semestrigen Masterstudiums Wirtschaftspädagogik der Universität Graz angesiedelte Proseminar stellt den ersten Berührungspunkt der Studierenden mit dem Bereich der Fachdidaktik dar. Als Ausgangsbasis dienen dabei die Vorkenntnisse der Studierenden aus einem wirtschaftswissenschaftlichen Bachelorstudium, welche hier aus einer fachdidaktischen Perspektive betrachtet werden. Neben der Erarbeitung der Grundlagen zur Unterrichtsplanung und -gestaltung, sind Studierende gefordert, das erworbene Wissen unmittelbar anzuwenden, indem sie einen eigenen Unterricht konzipieren, erproben und reflektieren. Die dadurch angestoßene Kompetenzentwicklung wird im Laufe des Studiums durch weitere vertiefende fachdidaktische Lehrveranstaltungen vorangetrieben und bildet zugleich die Basis für eine erfolgreiche eigenständige Lehrerfahrung im Rahmen des im Masterstudiums verankerten einsemestrigen Schulpraktikums an berufsbildenden mittleren und höheren Schulen.

Links zu der/den Projektmitarbeiter/innen
Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2021 nominiert.
Ars Docendi
2021
Kategorie: Digitale Transformation in der Lehre
Hochschullehrpreis 2020
Kategorie: Studierende aktivieren
Link zum Hochschulpreis
Ansprechperson
Silvia Lipp, BSc MSc
Institut für Wirtschaftspädagogik, Karl-Franzens-Universität Graz
+43 (0)316 380 - 3539
Nominierte Person(en)
Silvia Lipp, BSc MSc
Institut für Wirtschaftspädagogik, Karl-Franzens-Universität Graz
Dr. Gernot Dreisiebner, BSc MSc MSc
Institut für Wirtschaftspädagogik, Karl-Franzens-Universität Graz
Dr. Franz-Karl Skala
Institut für Wirtschaftspädagogik, WU Wien
Themenfelder
  • Neue Medien
  • Didaktische Methode
  • Erfahrungslernen
Fachbereiche
  • Wirtschaft und Recht