Fachhochschule Wiener Neustadt GmbH
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Athena-App - Der digitale Bachelor- und Masterarbeitskompass

Ziele/Motive/Ausgangslage

Athena ist eine Web-App, die Studierende während des Prozesses der Erstellung ihrer wissenschaftlichen Abschlussarbeit begleitet. Sie verfolgt das Ziel die Studierenden mit den Anforderungen an eine akademische Arbeit auf dem jeweiligen Niveau vertraut zu machen. Sie ist eine responsive Kommunikationsplattform und bietet Unterstützung in Form von multimedial aufbereiteten Inhalten und Hilfestellungen. Studierende werden beim Erwerb zentraler wissenschaftlicher und methodischer Kompetenzen im Zuge der Konzeption und Erstellung ihrer Bachelor- und Masterarbeiten durch Athena digital begleitet.

 

Die App entsteht mit dem Ziel die Qualität der akademischen Arbeiten zu heben und die Wissenschaftlichkeit der Abschlussarbeiten zu gewährleisten. Sie erfüllt auch den Zweck den Studierenden alle relevanten Informationen sowie nützliche Unterstützungsmaterialien systematisch aufbereitet auf einer Plattform zugänglich zu machen.

 

Die zentrale Kommunikation einheitlicher Standards für wissenschaftliche Abschlussarbeiten ist ein wichtiges Anliegen der Fakultät. Betreuer/innen von Abschlussarbeiten, intern wie extern, betreuen oft Arbeiten in unterschiedlichen Studiengängen. Werden verschiedene Erwartungshaltungen und Standards seitens der Studiengangs- oder Spezialisierungsverantwortlichen kommuniziert, führt das zu Verwirrung beim Betreuungspersonal und bei den Studierenden.

 

Insbesondere an Fachhochschulen finden sich unter den Lehrenden und Betreuer/inne/n wissenschaftlicher Abschlussarbeiten neben Wissenschaftler/inne/n aus gutem Grund Expert/inn/en aus den Berufsfeldern, die aber nicht immer über einen umfassenden wissenschaftlichen und methodischen Background verfügen. Dadurch und durch knappe Ressourcen für die Betreuung wurden in der Vergangenheit Defizite bei der Wahrung wissenschaftlicher Standards bei Abschlussarbeiten festgestellt. Diese Defizite bezogen sich auf

- die Literaturauswahl, auf deren Grundlage die Abschlussarbeiten verfasst wurden (oft wurden Praxisratgeber und populärwissenschaftliche Werke der begutachteten Literatur aus international renommierten wissenschaftlichen Fachzeitschriften vorgezogen)

- die theoretische Fundierung der Arbeiten, sowohl in Bezug auf die fachliche theoretische Einbettung der Fragestellungen, als auch in erkenntnistheoretischer Hinsicht.

- die Gestaltung des Forschungsdesigns, insbesondere die Identifikation, korrekte Benennung und Umsetzung des Forschungs- und Methodendesigns. Beispielsweise wurden Fragestellungen am Fall eines konkreten Unternehmens untersucht, ohne die Arbeit aber als Fallstudie auszuweisen oder gar die Anforderungen an Case Study Research umzusetzen (e.g. triangulatives Design).

- die aufgeklärte Auswahl und korrekte Umsetzung empirischer Erhebungs- und Auswertungsmethoden.

- die Darlegung wissenschaftlicher Erkenntnisse unter Anwendung der gängigen wissenschaftlichen Standards (e.g. statistisches Reporting) sowie

- die erkenntniskritische Reflexion der Ergebnisse und der Limitationen, auch in Hinblick auf die methodische Umsetzung.

 

In dieser Auflistung spiegelt sich eine hohe Erwartungshaltung in Bezug auf die wissenschaftlichen Standards wider, denen eine Masterarbeit – und in adaptiertem Ausmaß eine Bachelorarbeit – gerecht werden soll. Zur Unterstützung der Studierenden beim Erwerb einschlägiger wissenschaftlicher Kompetenzen entstand während der vergangenen zwei Jahre ein Bachelor- und Masterarbeitskompass als digitale Plattform in Moodle. Die Möglichkeiten multimediale und interaktive Inhalte in Moodle zu strukturieren sind allerdings begrenzt und genügen den Anforderungen nicht, die vielfältigen Inhalte gegliedert nach Fakultäten, Studiengängen und nach Niveau (Bachelor/Master) zentral, übersichtlich und responsiv zugänglich zu machen. Umfang und Diversität des Angebots erfordern ein neues Front-End, das Studierenden die für sie relevanten Unterstützungsmaterialien in der jeweiligen Phase des Bachelor- und Masterarbeitsprozesses anbietet.

 

Die Athena-App verkörpert die Überführung der bestehenden Plattform in eine neue digitale Umgebung, sodass die Nutzung der Plattform attraktiver, responsiv und barrierefrei gestaltet wird. Die Inhalte werden übersichtlich organisiert und abgestimmt auf die individuellen Bedürfnisse der Studierenden verfügbar gemacht. Zur Einreichung für die Auszeichnung mit dem Ars Docendi gelangt daher das Konzept der Athena-App, die eine Weiterentwicklung der bestehenden digitalen Plattform darstellt. Als Web-App ist sie auf allen Devices (Smart-Phone, Tablet, Laptop, PC) gleichermaßen verwendbar. Athena symbolisiert das Anheben der digitalen Unterstützung der Studierenden im Kompetenzerwerb während des akademischen Bachelor- und Masterarbeitsprozesses auf eine neue Stufe des Studierens 4.0. Sie bietet eine digitale Begleitung für Studierende und ergänzt damit die Betreuungsleistung der Bachelor- und Masterarbeitsbetreuer/innen optimal. Dadurch wird auch den beschränkten Ressourcen auf Seiten des Betreuungspersonals Rechnung getragen. Betreuer/innen werden durch die systematische Aufbereitung des Prozesses und der Inhalte durch Athena deutlich entlastet.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Die Athena-App bietet eine digitale Begleitung von Studierenden im Prozess der Erstellung ihrer wissenschaftlichen Abschlussarbeiten. Athena macht die Studierenden mit den Anforderungen an eine akademische Abschlussarbeit auf dem jeweiligen Niveau vertraut und bietet multimedial aufbereitete Inhalte wie Videos, Übungen, Hilfestellungen und Orientierungsbeispiele an. Diese Inhalte sind so aufbereitet, dass sie die Studierenden dabei unterstützen, die für den jeweiligen Arbeitsschritt notwendigen zentralen Kompetenzen der Konzeption und Erstellung einer akademischen Arbeit zu entwickeln bzw. zu schärfen. Die digitale Plattform wird von den Studierenden besonders geschätzt. Diese nutzen die Inhalte proaktiv und eigenständig, sodass die Plattform das selbstverantwortliche Erstellen einer akademischen Arbeit unterstützt. Athena existiert aktuell als digitale Lernplattform und soll als Web-Applikation weiterentwickelt werden. Mit der Entwicklung dieser App wird ein einzigartiges, innovatives Projekt umgesetzt. Es trägt wesentlich dazu bei, die Qualität der akademischen Abschlussarbeiten zu heben und deren Wissenschaftlichkeit zu gewährleisten. Gleichzeitig entlastet die App Betreuerinnen und Betreuer. Sie ist für Studierende jederzeit zugänglich und entsprechend den individuellen Anforderungen nutzbar.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

The Athena-App offers digital guidance to students during the process of drafting an academic Bachelor’s or Master’s thesis. Students get acquainted with the requirements of an academic thesis at the respective level and the platform offers multimedia contents including video tutorials, exercises, supporting materials, examples and communication tools. These contents support the students to develop specific competencies for conceptualizing and drafting an academic research paper. Students highly appreciate this offer. They access and use the contents autonomously. The platform thereby supports students’ autonomy in drafting an academic thesis. The contents are structured in a way that students can easily find and access the relevant supporting materials for each phase of the process. Athena currently exists as a digital learning platform and will be provided with a web-application as a new front end. The development of this app is an innovative and unique project. It significantly contributes to improving the quality of academic papers. By providing digital guidance to students, it also supports the supervision process and thereby reduces the efforts of supervision. Students can access the platform any time and place and individually benefit from contents that correspond to the students’ personal requirements.

Nähere Beschreibung des Projekts

Athena, der digitale Bachelor- und Masterarbeitskompass,

- begleitet und coacht Studierende durch den Bachelor- und Masterarbeitsprozess.

- bietet systematisch aufbereitete Unterlagen zu den jeweiligen Prozessschritten im Rahmen des Erstellens einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit.

- legt einen speziellen Fokus auf die Zugänglichkeit von Methoden-Know-How.

- enthält Videos mit Erklärungen und Hilfestellungen sowie hilfreiche Handreichungen, Übungen, Literatur und Orientierungsbeispiele.

- bietet eine Plattform für den interaktiven Austausch zwischen Studierenden, Betreuer/innen, Methodiker/inne/n und Studiengangsleiter/inne/n.

- dient der Kommunikation einheitlicher Standards in Bezug auf die wissenschaftlichen und methodischen Anforderungen an akademische Abschlussarbeiten und einheitlicher Kriterien für die Beurteilung wissenschaftlicher Arbeiten auf der jeweiligen Niveaustufe (Bachelor/Master).

 

Athena unterstützt die Studierenden dabei, im Zuge des Prozesses der Erstellung einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit zentrale Kernkompetenzen eigenverantwortlich auszuprägen [=> Ausschreibungskriterium Kompetenzorientierung]. Diese Kompetenzen umfassen:

- geeignete hochwertige wissenschaftliche Literatur zu suchen und zu identifizieren

- eine Forschungsfrage theorie- und literaturgeleitet auf dem entsprechenden Anforderungsniveau zu formulieren

- angemessene theoretische Grundlagen zu identifizieren und ins Gesamtkonzept der Arbeit zu integrieren

- das Forschungsvorhaben erkenntnistheoretisch zu verorten

- das Forschungsdesign adäquat zu benennen, zu beschreiben und umzusetzen

- Theorie, empirische Literatur, gegebenenfalls Rechtsgrundlagen sowie eine originäre empirische Forschungsarbeit sinnvoll zur Bearbeitung einer konkreten Forschungsfragestellung zusammenzuführen

- ein anerkanntes wissenschaftliches Methodendesign unter Angabe der relevanten Aspekte und (Mess-)Größen darzulegen und umzusetzen (was wiederum eine Vielzahl an einschlägigen methodischen Kompetenzen erfordert)

- Integritätsstandards (Zitation) sowie einen wissenschaftlichen Schreibstil anzuwenden

- Konventionen des wissenschaftlichen Arbeitens, etwa in Bezug auf die Struktur der Arbeit, die Darlegung empirischer Ergebnisse und das Abstract einzuhalten

- die eigenen Erkenntnisse und Ergebnisse erkenntniskritisch zu reflektieren

- die Relevanz und Signifikanz der Ergebnisse adäquat einzuschätzen und darzulegen

 

Athena stellt dazu Hilfestellungen und unterstützenden Materialien zur Verfügung und bietet Möglichkeiten zum Self-Review der eigenen Kompetenzen und Leistungen. Die Plattform ist so strukturiert, dass die Studierenden immer diejenigen Inhalte finden, die sie in der jeweiligen Phase des Arbeitsprozesses unterstützen.

 

Athenas Vorgängerin ist eine Online-Plattform zur Begleitung der Bachelor- und Masterstudierenden beim Erstellungsprozess ihrer wissenschaftlichen Abschlussarbeiten. Dieser digitale Bachelor- und Masterarbeitskompass wird in Athena integriert und stellt daher einen wesentlichen Bestandteil des Athena-Konzepts dar. Im Folgenden wird der digitale Kompass auf Masterniveau näher beschrieben, da sich dieser facettenreicher darstellt als auf Bachelorniveau. Der Bachelor-Bereich der digitalen Plattform enthält äquivalente Unterlagen angepasst an das Kompetenzprofil auf Bachelorniveaustufe 6 nach dem Europäischen Qualifikationsrahmen.

 

Die Masterstudierenden der Fakultät Wirtschaft der Fachhochschule Wiener Neustadt nehmen in der Mitte des zweiten Studiensemesters an einer Masterarbeits-Kick-Off-Veranstaltung teil. Dort erhalten Sie Informationen zum Masterarbeitsprozess, zum digitalen Masterarbeitskompass bzw. zukünftig zur Athena-App. Die Inhalte auf dieser Plattform sind nach den Phasen des Masterarbeitsprozesses gegliedert. Zu Beginn des Prozesses finden die Studierenden Informationen über die Anforderungen an die Masterarbeit, insbesondere die wissenschaftlichen Standards. Auch die Beurteilungskriterien für Masterarbeiten werden transparent dargelegt. Die Studierenden erhalten Hilfestellungen zur Fragefindung und Formulierung einer wissenschaftlichen Fragestellung. Gängige Forschungs- und Methodendesigns, die wir für Masterarbeiten empfehlen, werden im Video-Format vorgestellt und bieten einen ersten Orientierungsrahmen für die folgende Phase der Konzepterstellung. Administrative Informationen zur Timeline des Masterarbeitsprozesses, zum Vorgehen bei der Themenwahl und Betreuer/innen/zuteilung und Vorlagen stehen zur Verfügung. Besonders geschätzt werden die Orientierungsbeispiele sehr gut gelungener Masterarbeiten, die den Studierenden zur Verfügung stehen. In einem Online-Forum können Studierende Fragen zur Masterarbeit stellen, sei es zum Prozess, zu den Standards, den Methoden, etc. Diese Fragen werden je nach Zuständigkeit von den Studiengangsleiter/inne/n, Masterarbeitsseminarleiter/inne/n oder den Kolleginnen und Kollegen am Methodeninstitut beantwortet.

 

Die Ausarbeitung des Proposals für die Masterarbeit geht mit einer intensiven Auseinandersetzung mit wissenschaftlicher Literatur einher. In einer Sektion zur Arbeit mit wissenschaftlicher Literatur werden Anforderungen an die Literaturqualität erläutert. Der akademische Begutachtungsprozess (double blind peer review) zur Qualitätssicherung wissenschaftlicher Literatur wird in einem animierten Video vorgestellt. Studierende erhalten Anregungen zu Suchstrategien für wissenschaftliche Literatur in Literaturdatenbanken und in der Bibliothek. Die Arbeit mit Literaturverwaltungs- und Wissensorganisationsprogrammen (Endnote, CITAVI) wird vorgestellt. Video-Tutorials zur Nutzung dieser Softwareprodukte stehen zur Verfügung. Auch die Methode des Systematic Literature Review wird eingeführt. Studierende können unterstützende Materialien und Orientierungsbeispiele zur Beschreibung der Methode des Systematic Reviews sowie des Instruments der Literaturanalysetabelle abrufen.

 

Aus der Auseinandersetzung mit der Literatur gehen die Forschungsfrage und das Forschungsdesign der Masterarbeit hervor. Die Anforderungen an das Proposal werden daher in der nächsten Sektion der Plattform eingeführt, auf die Studierende an diesem Punkt im Arbeitsprozess zugreifen. Hier wird auf die Interaktion zwischen Theorie, empirischer Literatur und Methodendesign Wert gelegt. In Beratungsvideos für qualitative, quantitative und juristische Methodendesigns sowie Fallstudien wird auf die Spezifika der Konzeption und Beschreibung der jeweiligen methodischen Designs eingegangen. Die Beurteilungskriterien für Masterarbeitskonzepte sowie besonders gelungene Konzepte von Studierenden der vorigen Jahrgänge bieten Orientierung.

 

Literaturgeleitet entsteht so das methodische Design und im weiteren Verlauf das Erhebungsinstrument für die Masterarbeit. In einer eigenen Sektion zum Thema Datenerhebung stehen Videos mit Inputs zur Gestaltung der an unserer Fakultät gängigsten Erhebungsinstrumente zur Verfügung, das sind Interview- und Fokusgruppenleitfäden sowie Fragebögen. Zusätzlich gibt es methodischen Input zum Vorgehen bei der juristischen Recherche zur Bearbeitung von Fragestellungen auf der Grundlage von Rechtsquellen und zum systematic Review. Auch die experimentelle Datenerhebung wird thematisiert. Handreichungen und Video-Tutorials zur Gestaltung von Erhebungsinstrumenten (z.B. zur Fragebogenkonstruktion und Gestaltung von Online-Fragebögen mit einem lizensierten Software-Tool) liefern zusätzliche Hilfestellungen. Videos, in denen Studierende Hinweise bekommen, wie sie Fehler vermeiden können, die bei der Erstellung von Erhebungsinstrumenten häufig gemacht werden, sind hier abrufbar.

 

Es folgen separate Plattform-Bereiche mit methodischen Inputs für qualitative, quantitative und juristische Masterarbeiten. In den Bereichen zu den sozialwissenschaftlichen empirischen Methoden finden die Studierenden und die Kolleg/inn/en des wissenschaftlichen (Betreuungs-)Personals eine Fülle an Unterstützungsmaterialien mit Hinweisen zum Sampling, zur Durchführung von Datenerhebungen, Hinweise zum Datenschutz und zur Handhabung von Datenschutzerklärungen, Inputs zur Transkription von qualitativem Datenmaterial oder zur Aufbereitung quantitativer Daten sowie Erklärungen zur Datenauswertung, den Softwaretools für qualitative und quantitative Datenerhebung und -auswertung und zur Verschriftlichung und Darstellung empirischer Ergebnisse. Vereinzelt wurden diese Inhalte von Kolleg/inn/en des Methodeninstituts zur Verfügung gestellt, was auf der Plattform bzw. direkt in den Materialien ausgewiesen ist. Auch auf externe Inhalte und einschlägige Methodenliteratur wird mitunter verwiesen.

 

Zuletzt rundet ein Bereich mit einer Anleitung und Übung zum Schreiben eines Abstracts sowie administrativen Hinweisen zu Layout, Bindung und Formalitäten bei der Einreichung der Arbeit die digitale Masterarbeitsplattform ab. Auch diese Inhalte werden in die Athena-App integriert.

 

Die Athena-App enthält zusätzlich eine Sektion zu akademischer Integrität. Hier gibt es Erklärungen zum Thema Plagiarismus:

- Was ist ein Plagiat und wie ist zu zitieren? Wie gehen wir korrekt mit Inhalten aus anderen Quellen und mit Ideen anderer Personen respektive Author/inn/en um?

- Welche Möglichkeiten der Plagiatsprüfung stehen zur Verfügung und wie werden diese genutzt (i.e. klassische Plagiatsprüfungssoftware sowie Plagiatsanalyseprogramme, die auf die quantitative Schreibstil-Analyse abzielen – Anzahl der Anschläge, Satzlänge, Häufigkeiten bestimmter (Füll-)Wörter etc.)?

Ebenso wichtig ist es, den Studierenden Möglichkeiten zur Verfügung zu stellen ihre eigenen Schreibkompetenzen in einer Art und Weise zu entwickeln, dass sie sich von der Sorge aus versehen zu plagiieren befreien können (und diese Sorge ist unter Studierenden weit verbreitet). Durch Übungen, Beispiele und ein Erklärungsvideo wird ein Schreibstil vermittelt, der Studierende motiviert wissenschaftliche Erkenntnisse als „Konversation zwischen Wissenschafter/inne/n“ darzulegen, wie es in hochrangiger akademischer Literatur üblich ist. (Meier (2017) argumentiert … Müller (2019) ergänzt, dass … Im Gegensatz dazu finden Huber et al. (2020) …). Durch die adäquate Verwendung textintegrierter Zitate, ist die Zurechnung der jeweiligen Aussagen zum ursprünglichen Autor/zur ursprünglichen Autorin ebenso gewährleistet, wie die Ausweisung originären Gedankenguts als das eigene. Darüber hinaus wird das Verständnis für die Verhandelbarkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse gestärkt (Vulnerabilität der Wissenschaft).

 

Eine weitere Sektion der Athena-App widmet sich den Limitationen und der Wissenschafts- und Methodenkritik. Studierende werden ermutigt ihre Masterarbeitsergebnisse, sowie das verwendete (methodische) Design gezielt nach deren Gültigkeit und Relevanz zu hinterfragen. Die hier verfügbaren Übungen, Unterlagen und Tools unterstützen die Studierenden dabei die Limitationen ihrer Arbeit in der Abschlussarbeit aufzuzeigen und bereiten die Studierenden auf entsprechende kritische Fragen bei der Masterprüfung vor.

 

Im Rahmen der Überführung der digitalen Plattform in die Web-App ist die Entwicklung weiterer Features geplant, die in der aktuellen Plattform noch nicht vorhanden sind. Die Responsivität der App soll mitunter über einen Chatbot gegeben sein, der Studierenden auf Anfrage bestimmter Keywords adäquate Inhalte zugänglich macht und Fragen beantwortet oder an das wissenschaftliche Personal weiterdelegiert.

Mehrwert

Athena hebt die digitale Unterstützung des Kompetenzerwerbs der Studierenden auf ein neues Level. Eine interaktive, responsive, ansprechend gestaltete (Athena ist hipp und trendy!) App wird von Studierenden gerne und ausführlich genutzt. Unterstützungsmaterialien werden systematisch und übersichtlich zur Verfügung gestellt, sodass sich die Studierenden eigenständig und ihrem individuellen Bedürfnis entsprechend daran bedienen können. Die App ist Ausdruck digitaler Studierendenzentriertheit. Barrieren, die auf Seiten der Studierenden bestehen, mit ihren Fragen die Betreuer/innen zu konfrontieren, sind in der Interaktion mit der App nicht vorhanden.

 

Die App trägt zusätzlich zur Reduktion des Lehr-, Betreuungs- und Verwaltungsaufwandes bei. Informationen für Studierende und Betreuer/innen müssen nicht an unterschiedlichen Stellen und Studiengängen organisiert und aktualisiert werden, sodass eine Vervielfachung des Informations- und Kommunikationsaufwandes vermieden wird. Studierende und Betreuer/innen finden auf der Plattform wertvolle Hinweise und Informationen sowie Antworten auf viele Fragen. Die Plattform ist auch ein sehr geschätztes Informationsmedium für (neue) Betreuer/innen.

 

Auch aus der einheitlichen Kommunikation von Anforderungen und Standards ergibt sich ein Mehrwert in Hinblick auf die Verbesserung der wissenschaftlichen Qualität und die Wahrung der akademischen Integrität. In den vergangenen zwei Jahren, in denen die digitale Plattform – Athenas Vorgängerin – entstand und die Studierenden bei der Erstellung ihrer akademischen Abschlussarbeiten begleitete, konnte eine bemerkenswerte Verbesserung der Qualität der Abschlussarbeiten und der Konzepte/Proposals für wissenschaftliche Arbeiten beobachtet werden. Das gezielte Coaching der Studierenden durch das digitale Unterstützungsangebot der Plattform schlägt sich in einer deutlichen Anhebung der Qualität der Proposals und Abschlussarbeiten nieder. Den Studierenden gelingt es deutlich besser den Bogen zwischen Theorie, Literatur und Empirie zu spannen und den oben beschriebenen Anforderungen an akademische Arbeiten in der Einbettung, Konzeption und Umsetzung eines Forschungsdesigns gerecht zu werden.

 

Den Kriterien der diesjährigen Ars-Docendi Ausschreibung wird durch den digitalen Bachelor- und Masterarbeitskompass in vielseitiger Weise entsprochen.

 

Kriterium 1: Innovative Hochschuldidaktik

 

Athena scheint bisherigen Recherchen zufolge international einmalig zu sein. Es gibt Apps zur Unterstützung des Schreibprozesses und zur Wissensorganisation (Zotero, Citavi), zur Literaturverwaltung (Endnote-App, Mendeley) sowie meist kostenpflichtige Plattformen, die ein bestimmtes digitales Kursangebot auf Hochschulniveau zugänglich machen (z.B. Coursera, Udemy, Linked-In-Learning). Apps zur Unterstützung der Studierenden im Prozess der Erstellung einer wissenschaftlichen Arbeit, die wertvolles Know-How in Form von Anleitungen und Handreichungen, Übungen, Videos, Orientierungsbeispielen und Literatur sowie Möglichkeiten zum interaktiven Austausch anbieten, gibt es offenbar bisher nicht.

Athena ist innovativ und didaktischen durchdacht. Die Inhalte der digitalen Plattform und zukünftigen App sind so aufbereitet, dass sie die Studierenden dabei unterstützen die für den jeweiligen Arbeitsschritt notwendigen Kompetenzen eigenständig zu entwickeln bzw. zu schärfen. Damit das funktioniert ist es essentiell die Materialien didaktisch wohl überlegt und sinnvoll aufzubereiten. Der Fokus liegt nicht auf Input-Orientierung, sondern auf dem Austausch von Erfahrungswerten, Übungen (e.g. zum Schreibstil „Wissenschaft als Kommunikation“ und zum Self-Review des Erhebungsinstruments), Tipps & Tricks (e.g. Proposal „How To“) und Orientierungsbeispielen, die von den Studierenden sehr geschätzt werden.

 

Viele Materialien sind multimedial aufbereitet, damit die Studierenden ein abwechslungsreiches Lernerlebnis haben und gerne mit der Plattform (respektive App) arbeiten, sodass sie maximal vom Angebot profitieren. Auch die Lernergebnisorientierung der App geht aus den vorangegangenen Ausführungen deutlich hervor.

 

Kriterium 2: Studierendenzentrierung und Heterogenität

 

„Es ist ein bisschen wie im Supermarkt: Man nimmt sich das was man braucht“ (Masterstudentin Jahrgang 2019).

 

Die Plattform bietet vielfältige Inhalte auf unterschiedlichen Niveaustufen, sodass sich Studierende jener Inhalte bedienen können, die für sie, je nach ihrem individuellen Kompetenzniveau, brauchbar und relevant erscheinen. Ob und wie intensiv die Studierenden die Plattform nutzen, ist ihnen selbst überlassen. Dem Vernehmen nach wird sie aber sehr gerne und sehr regelmäßig frequentiert.

 

„Die Masterarbeitsplattform ist derzeit mein zweites Zuhause“ (Masterstudent Jahrgang 2019).

 

Die Plattform findet ihren Ursprung in dem Anliegen, unterstützende Unterlagen gesammelt, systematisch und zentralisiert zugänglich zu machen. Dabei erreichten mich im Laufe der Semester zahlreiche Wünsche von Studierenden, welche zusätzlichen Unterlagen für sie nützlich wären. Diese Wünsche sowie die eigenen Eindrücke, welche Inputs, Tipps oder Beispiele für die Studierenden hilfreich wären, ließen die Plattform in den Facetten erscheinen, die sie heute ausmachen. Manchmal brauchen die Studierenden bloß einen kleinen Anstoß oder Hinweis (wie etwa den beschriebenen Perspektivenwechsel im Schreibstil – weg vom Faktenschreibstil hin zur „Wissenschaft als Kommunikation“), um die nächste Niveaustufe in ihrem Entwicklungsprozess der akademischen Kompetenzen zu erreichen. Die Plattform hat mitunter das Ziel den Studierenden an unterschiedlichen Punkten im wissenschaftlichen Prozess jene „Aha-Erlebnisse“ zu ermöglichen, die auch wir fortgeschrittenen Wissenschaftler/innen von Zeit zu Zeit erlebt haben um unsere Fähigkeiten fortzuentwickeln. Darin findet das Anliegen Ausdruck Studierenden mit den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Hintergründen das Tor zur Academia zu öffnen, sie aber selbstständig eintreten zu lassen.

 

Kriterium 3: Kompetenzorientierung

 

Die Athena-App verfolgt das primäre Ziel die Studierenden beim Erwerb einer Reihe an Kompetenzen, die für das erfolgreiche Konzipieren und Erstellen einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit zentral sind, zu unterstützen. Diese sind oben im Detail dargelegt, sodass die Kompetenzorientierung des Konzepts evident ist.

 

Kriterium 4: Europäische und internationale Ausrichtung

 

Die definierten Kompetenzen, deren Erwerb und Schärfung durch die App unterstützt werden, orientieren sich am Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) und den darin definierten Kompetenzniveaus für wissenschaftliche Forschungskompetenzen. Ein zentrales Anliegen des Bologna-Prozesses ist die Vereinheitlichung der Qualifikationsniveaus auf den jeweiligen Ausbildungsstufen (hier Bachelor und Master). Dieses Anliegen unterstützt die Plattform durch die transparente Kommunikation der Anforderungen und ein darauf abgestimmtes Unterstützungsangebot zur Ausbildung der jeweiligen Kompetenzen. Der Konzeption des Prozesses zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten und der Definition der Standards ging ein Erfahrungsaustausch mit Kolleginnen und Kollegen anderer europäischer Hochschulen im Rahmen wissenschaftlicher Tagungen voraus. Inputs lieferten auch der Bologna-Tag und die Konferenz des Netzwerks Hochschulforschung. Detaillierte Unterlagen zur Orientierung und zum Vergleich standen von der Universität Tilburg in den Niederlanden zur Verfügung. Zusätzlich erfolgte ein Abgleich mit anderen tertiären Bildungseinrichtungen (Fachhochschulen, Universitäten und Privatuniversitäten) in Österreich.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Die digitale Plattform kommt über die Studien- und Jahrgänge hinweg zum Einsatz und wird laufend erweitert. Obwohl sie ursprünglich für die Studiengänge der Wirtschaftsfakultät am Standort Wiener Neustadt der Fachhochschule entwickelt wurde, wird sie vom wissenschaftlichen Personal und den Hochschullehrenden anderer Studienrichtungen und Fakultäten frequentiert und steht für alle Standorte (Wiener Neustadt, Wieselburg und Tulln) gleichermaßen offen. Kolleg/inn/en anderer Standorte und Fakultäten melden sich regelmäßig mit der Anfrage, ob sie Inhalte für ihre Studiengänge und Lehrveranstaltungen übernehmen dürfen, was selbstverständlich unterstützt wird. Die Inhalte der Plattform wurden bereits mehrfach übernommen und gegebenenfalls für die Zwecke anderer Fachrichtungen adaptiert. Viele Inhalte sind 1:1 auf andere Fachrichtungen übertragbar. Darüber hinaus ist eine Erweiterung der Plattform durch wissenschaftliche Konzepte und Methoden der Technik geplant. Auch das sozialwissenschaftliche Angebot der Athena-App wird sich über die Grenzen der Wirtschaftsfakultät hinaus an Studierende der Fakultäten Gesundheit, Sicherheit und Sport richten. Ein weiterer Ausbau des Angebots und der Einsatz der App an Partnerhochschulen und anderen tertiären Bildungseinrichtungen ist grundsätzlich denkbar, sofern die definierten Standards an anderen Institutionen Zustimmung finden.

Aufwand

Der Aufwand der Gestaltung der Plattformen und Aufbereitung der Inhalte ist mit dem Aufwand der Gestaltung virtueller Lehrveranstaltungen im Ausmaß von 6 Semesterwochenstunden vergleichbar. Die Inhalte der Plattform werden regelmäßig aktualisiert und ergänzt, sodass im Jahresverlauf immer wieder das ein oder andere Arbeitspaket anfällt. Der Nutzen der Plattformen übersteigt den Aufwand für deren Erstellung, da der Vervielfachung der Informationsaufbereitung entgegengewirkt wird. Auch neue externe Betreuer/innen wissenschaftlicher Abschlussarbeiten finden auf der Plattform alle relevanten Informationen zu den geltenden Standards, sodass hier der Kommunikations- und Einarbeitungsaufwand deutlich reduziert wird. Einmal erstellt, ist die Plattform über Jahrgänge hinweg übertragbar.

 

Das Projekt hat bisher abgesehen vom beschriebenen Aufwand keine Kosten verursacht, da es in die FH-interne Online-Lehr-Struktur integriert ist. Die Erstellung der Web-Applikation ist im Rahmen eines Studierendenprojekts am Studiengang Informatik geplant, sodass die involvierten Studierenden unmittelbar von den Erfahrungen im Bereich der App-Entwicklung, der Chat Bot-Entwicklung, des App-Designs und der Usability-Testung profitieren.

Positionierung des Lehrangebots

Die Plattform richtet sich aktuell an alle Bachelor- und Masterstudiengänge der Fakultät Wirtschaft an der Fachhochschule Wiener Neustadt, die in deutscher Sprache angeboten werden.

Bachlor: 5. und 6. Semester

Master: 3. und 4. Semester

Links zu der/den Projektmitarbeiter/innen
Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2021 nominiert.
Ars Docendi
2021
Kategorie: Digitale Transformation in der Lehre
Hochschullehrpreis
Kategorie:
Ansprechperson
Mag. Dr. Karin Wegenstein
Fakultät Wirtschaft
02622/89-084-387
Nominierte Person(en)
Mag. Dr. Karin Wegenstein
Fakultät Wirtschaft
Themenfelder
  • Kommunikation/Plattform
  • Wissenschaftliche (Abschluss)Arbeiten
  • Neue Medien
Fachbereiche
  • Wirtschaft und Recht