Universität Wien
Universitätsring 1, 1010 Wien
Weitere Beispiele der Hochschule

MEi:CogSci – Middle European interdisciplinary master’s programme in Cognitive Science

Ziele/Motive/Ausgangslage

Ausgangslage

Die Kognitionswissenschaft/Cognitive Science (CogSci) ist ein relativ junges interdisziplinäres Forschungsfeld (seit ca. 1950) und wird im weitesten Sinne als „Wissenschaft des Geistes“ verstanden (z. B. Bechtel et al. 1998; Clark 2001; Friedenberg et al. 2012; Bermúdez 2014). Untersuchungsgegenstand sind kognitive, emotionale, aber auch soziale und kulturelle Phänomene (von der Wahrnehmung, über Denken, Schlussfolgern, Aufmerksamkeit, Entscheidungsfindung, Sprache, Verhaltensgenerierung, soziale Kooperation und Handeln etc.) beim Menschen und bei Tieren.

 

Was Cognitive Science im Vergleich zu vielen anderen Disziplinen auszeichnet, ist ihr radikal interdisziplinärer Ansatz, da Kognition nicht nur aus der Perspektive einer Disziplin untersucht wird. Ziel ist es, (Computer-)Modelle und Erklärungen für ein tieferes Verständnis menschlicher und nicht-menschlicher Kognitionsprozesse zu finden.

In ihrer Grundkonzeption umfasst die CogSci die Neurowissenschaften, (kognitive) Psychologie, Philosophie, Linguistik und Informatik. Im Gegensatz zu klassischen „kognitiven Disziplinen“ (z. B. kognitive Psychologie), die vornehmlich auf empirischen Ansätzen beruhen, basiert Cognitive Science auf zwei Säulen: (a) radikaler Interdisziplinarität und (b) Simulation und sog. „computational models of cognition“, d. h. kognitive Phänomene werden mittels Simulationsmodellen in einem interdisziplinären Ansatz studiert.

Erkenntnisse z. B. aus den Neurowissenschaften werfen ein neues Licht auf zum Teil sehr alte Fragen (z. B. Mind-Body-Problem, Problem des freien Willens oder des Bewusstseins etc.). Ob der Komplexität dieser Fragestellungen können diese nur durch eine interdisziplinäre Herangehensweise erforscht werden, die eine Brücke zwischen naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Ansätzen schlägt. Cognitive Science bietet genau solch eine Schnittstelle (methodisch, Modelle etc.) an der Grenze zwischen analytischen, synthetischen und kunst-orientierten Ansätzen.

Trotz (oder wegen) ihrer relativ jungen Geschichte (seit 1956) gab es in der Cognitive Science bereits mehrere Paradigmenwechsel, die nachhaltige Veränderungen der Kernkonzepte und Methoden nach sich zogen.

 

Motivation

Da es im Europäischen Raum zum Zeitpunkt der Gründung dieses MEi:CogSci Joint Master’s Programme (< 2006) noch kaum Bildungsangebote in diesem Bereich gab, hat sich aus einer studentischer Initiative (an der Universität Wien) und einem internationalen Netzwerk an Wissenschaftlern ein Konsortium gebildet, das ein Curriculum für ein Joint Master’s Programm entwickelt und implementiert hat, dessen Koordination liegt in Wien.

 

Aus den Herausforderungen des radikal interdisziplinären Charakters der Cognitive Science ergaben sich die folgenden Leitlinien für die curriculare Architektur:

 

- Enge Verknüpfung von interdisziplinärer Forschung und Lehre: frühes Heranführen der Studierenden an Forschungsprozesse durch forschungsnahe und forschungsgeleitete Lehre und dem entsprechende Lehr-/Lernformate (z. B. Lab Visits, projektbasierte Lehre etc.).

- Fokus auf die Reflexion der eigenen Denk- und Wahrnehmungsmuster, um den Studierenden zu ermöglichen, mit der Komplexität der Ansätze umzugehen und sich zu orientieren sowie in dieser Vielfalt auch „ihre eigene Stimme und Verortung“ im (wissenschaftlichen sowie professionellen) Feld zu entwickeln.

- Fokus auf individuelle und kooperative/kollaborative Wissensproduktion (und nicht (nur) Wissensreproduktion) und peer-to-peer teaching/learning.

- Souveräner Umgang mit Wissens- und Wissenschaftskulturen an der Schnittstelle zwischen Naturwissenschaften und Humanities/Social Sciences.

- Reflektierter Einsatz von Methoden in einem interdisziplinären Umfeld.

 

Um diese Prinzipien in die Praxis zu tragen, wurden (und werden) neue Formate des Lernens und Lehrens und der Kooperation entwickelt, die den Anforderungen an Interdisziplinarität und der inhaltlichen Dynamik des Forschungsfeldes gerecht werden. Diese Einreichung beschreibt die konkrete Realisierung des aus diesen Überlegungen entstandenen MEi:CogSci – Middle European Interdisciplinary Master Programme in Cognitive Science und dessen didaktischen Konzepte.

 

Siehe auch:

- meicogsci.eu

- www.youtube.com/watch

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Das Joint Master’s Programme „MEi:CogSci: Middle European interdisciplinary Master’s programme in Cognitive Science“ (http://meicogsci.eu) hat seinen Ursprung in einer studentischen Initiative und einem SOCRATES curriculum development project der Universitäten Wien (Koordinator), Ljubljana, Eötvös Lorand in Budapest und Comenius in Bratislava. Diese haben das im Projekt gemeinsam entwickelte interdisziplinäre Curriculum implementiert, das sich in folgenden Punkten auszeichnet:

- Es implementiert innovative, kooperative und interaktive Lehr-/Lernformate, wie z. B. forschungsgeleitete & projektbasierte Lehre, peer-to-peer teaching und co-teaching, Fokus auf interdisziplinäre und epistemische Entwicklung der Studierenden etc.

- Hinführung zum wissenschaftlichen Arbeiten durch Lab-Visits, Forschungsprojekte (von der Konzeption, über die Planung bis hin zur Durchführung), Teilnahme und Präsentation auf einer wissenschaftlichen Konferenz.

- Erlernen sozialer & epistemischer Kompetenzen in der Arbeit in kleinen interdisziplinären Teamsters.

- Erlernen anderer Wissenschaftskulturen und Erwerb interkultureller Kompetenzen im verpflichtenden Auslandssemester.

- Durch die Kooperation mehrerer Universitäten erweitert sich das Feld möglicher Spezialisierungen.

Das Programm wurde 2007 an der Universität Wien als reguläres Studium implementiert, kontinuierlich weiterentwickelt und läuft äußerst erfolgreich.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

The Joint Master’s Programme “MEi:CogSci: Middle European interdisciplinary master’s programme in Cognitive Science) (http://meicogsci.eu) is a cooperation of four European universities (University of Vienna, University of Ljubljana, Eötvös Lorand University in Budapest,Comenius University in Bratislava), who developed and implemented a common curriculum in cognitive science that meets the following requirements:

- It meets the interdisciplinary demands of Cognitive Science;

- It implements innovative, cooperative and interactive teaching/learning formats, such as research-led & project-based teaching, peer-to-peer teaching, focus on interdisciplinary and epistemic student development, etc.

- Introduction to scientific work through lab visits, joint research projects (from conception, planning, to implementation), learning how to write a scientific text and present it a scientific conference.

- Learning social & epistemic skills in working in small interdisciplinary teams

- Learning about other scientific cultures and acquiring intercultural skills during the obligatory semester abroad

- The cooperation of several universities expands the field of possible specializations

The program was implemented in 2007 as a regular study programme at the University of Vienna, has been continuously developed and has been running extremely successfully ever since.

Nähere Beschreibung des Projekts

Das Middle European interdisciplinary master’s program in Cognitive Science (MEi:CogSci | www.meicogsci.eu) ist ein Joint Degree Programm, das aus einer studentischen Initiative an der Universität Wien und in einem SOKRATES-Curriculum-Entwicklungsprojekt mit Partnern aus folgenden Universitäten entwickelt wurde: Comenius Universität in Bratislava, Budapest University of Technology and Economics, Eötvös Lorand University in Budapest, University of Zagreb und University of Ljubljana unter der Leitung der Universität Wien. Nach einer Pilotphase 2006 läuft das Programm seit 2007 regulär, seit 2010 an der Universität Wien vollständig auf Englisch und wird kontinuierlich weiterentwickelt.

 

Für die Entwicklung und Implementierung eines interdisziplinären Curriculums in der Cognitive Science ergeben sich Herausforderungen und Leitprinzipien, in denen kooperative Lehr-/Lernformen im Vordergrund stehen:

 

Die aus unterschiedlichen Bachelordisziplinen kommenden Studierenden müssen schnell lernen, sich in verschiedenen akademischen/disziplinären Kulturen und Terminologien zurechtzufinden, während sie gleichzeitig ihren persönlichen Forschungsschwerpunkt entwickeln sollen. Wir mussten daher einen "Enabling Space" (vgl. Peschl et al., 2008, 2014) entwerfen, in dem Studierende in einem forschungsbasierten Curriculum aktiv lernen, Interdisziplinarität erfahren und praktizieren sowie die Unterstützung erhalten, die sie benötigen, um ihre eigene „akademische Stimme“ zu entwickeln. Für Struktur und Implementierung des Curriculums bedeutete dies, einen besonderen Fokus auf die Lehr- und Lernphilosophie, die kooperativen Elemente sowie didaktischen Methoden – nicht nur auf der Ebene eines einzelnen Kurses, sondern das gesamte Curriculum betreffend.

 

Herausforderungen:

(A) Da das Forschungsfeld extrem breit gefächert ist, erfordert dies (i) einen stark interdisziplinären Ansatz und (ii) eine ausgewogene Auswahl an kanonischen Inhalten.

(B) Da sich die Modelle in der Cognitive Science rasch weiterentwickeln, muss diesen Entwicklungen in der curricularen Dynamik Raum geboten werden.

(C) Kognitive Phänomene müssen auf verschiedenen Untersuchungsebenen zugänglich gemacht werden.

(D) Die Vielzahl der methodischen Ansätze muss verstanden, verglichen, bewertet, ausgewählt und angemessen zur Anwendung gebracht werden. Daher ist ein hohes Maß an Reflexion sowohl über methodische als auch über wissenschafts- und erkenntnistheoretische Fragen erforderlich.

(E) Diese Art der Inhalte kann ob ihres interdisziplinären Charakters nur in einem Setting erarbeitet/unterrichtet/gelernt werden, das auf Kooperation und Kollaboration (zwischen Studierenden und/oder Lehrenden) basiert.

 

Aus diesen Überlegungen ergaben sich folgende Leitprinzipien:

- Fokus auf Interdisziplinäre Integration und Kompetenzen;

- Meta-Kompetenzen: Fokus auf Wissensgenerierung, Navigieren in interdisziplinären semantischen Räumen, Erlernen und Reflexion „epistemologischer Haltungen“ und Kompetenzen, Aushandlung von Bedeutung etc.;

- Balance zwischen Breite vs. Tiefe des Inhalts durch Sicherstellung von individuellen Vertiefungsmöglichkeiten und einen Fokussierung auf threshold concepts;

- Integration der Untersuchungsebenen;

- Vielfalt der Methoden;

- Gesellschaftliche, ethische, soziale und kulturelle Implikationen;

- Konfrontation und Integration reduktionistischer vs. ganzheitlicher Ansätze in der Wissenschaft.

 

In solch einem interdisziplinären Umfeld sind Studierende mit besonderen Herausforderungen konfrontiert:

- Reflexion in einem interdisziplinären und vielfältigen akademischen Feld;

- Hinterfragen eigener Denkmuster und Annahmen auf der Grundlage einer reflektierten Sicht auf den eigenen disziplinären Hintergrund;

- Erforschung und Untersuchung eines (kognitiven) Phänomens auf systematische und interdisziplinäre Weise;

- Methodische Kompetenz in einem interdisziplinären Kontext;

- Interdisziplinär an einem (kognitiven) Phänomen arbeiten und lernen, sich von diesem Phänomen und sich nicht ausschließlich von einem bestimmten Satz von Methoden leiten zu lassen;

- Idealerweise (Co-)Konstruktion eines (neuen oder alternativen) Modells oder Ansatzes für das spezifizierte Phänomen.

 

Curriculare Architektur

Ausgehend von diesen Herausforderungen wurde eine curriculare Architektur entwickelt. Das MEi:CogSci-Curriculum ist als Bologna-konformer interdisziplinärer Forschungs-Masterstudiengang (2 Jahre, 120 ECTS) konzipiert. Ziel war es, ein Curriculum zu entwerfen, das für Studierende mit einem Bachelor-Abschluss in einer der Kerndisziplinen der Cognitive Science offen ist; Studierende sollen gegenseitig von den unterschiedlichen Fachkenntnissen, die sie einbringen, profitieren. Sie befinden sich in einer Situation, in der sie kooperieren und ihre disziplinären und epistemologischen Hintergründe eingehend „aushandeln“ müssen.

Das Curriculum ist in einer „2-Phasen-3-Säulen-Architektur“ aufgebaut. Die beiden (zeitlichen)Phasen sind (1) die einführende und (2) die thematisch-/phänomenorientierte und forschungsorientierte Phase (der Spezialisierung). Die orthogonalen 3 (inhaltlichen) Säulen: die (a) disziplinäre, (b) Tools/Methoden und (c) integrativer/interdisziplinärer Kern.

Eine detaillierte Beschreibung des Curriculums, einschließlich der in jedem Modul zuerarbeitenden Kompetenzen, finden Sie hier: ssc-phil.univie.ac.at/studien/master-cognitive-science/curriculum/

Bezug nehmend auf die Kriterien für den Ars Docendi 2020, im Folgenden ein Auszug aus curricularen Konzepten, die in diesem Kontext relevant sind:

 

** Innovative Hochschuldidaktik **

Didaktische Maßnahmen

Das Besondere an diesem Curriculum ist die Kombination und Integration verschiedener didaktischer Maßnahmen, die die Studierenden nicht nur in ihrer Arbeit im Bereich der Cognitive Science, sondern auch in ihrer eigenen epistemischen Entwicklung unterstützen. Vor allem in den Lehrveranstaltungen des integrativen Kern wird den oben genannten Herausforderungen und Leitprinzipien Rechnung getragen.

 

+ Peer-to-peer teaching & Cognitive Science Seminar

Diese Kurse ergänzen die Einführungs-Vorlesung und zielen darauf ab, die vorgestellten und diskutierten Konzepte in einem interdisziplinären Kontext zu vertiefen. Im Peer Teaching arbeiten die Studierenden in interdisziplinären Teams zusammen und diskutieren gemeinsam die vorgestellten Konzepte anhand von Kernfragen (z. B. Was ist Kognition, Wissen (Repräsentation), kognitives Modell/Architektur, Lernen etc.). Im Seminar erarbeiten die Teams Präsentationen zu kognitiven Phänomenen (perception/action, emotions, memory, ...) Paradigmen, sowie Prämissen und eigene Hintergrundannahmen sollen explizit gemacht werden, damit ein interdisziplinärer Dialog stattfinden kann. Die Rolle der Lehrenden besteht darin, diese Wissensprozesse zu facilitieren und einen safe/enabling space zu schaffen, der diese Interaktionen unterstützt und damit die epistemologische Entwicklung der studierenden fordert und fördert.

 

+ Jährliche internationale MEi:CogSci-Konferenz als Teil der Lehre

Die jährliche MEi:CogSci-Konferenz ist eine Veranstaltung, bei der Studierende aller Partneruniversitäten ihre Kollegen/innen sowie Lehrenden und Forscher/innen der Partneruniversitäten treffen, um sich gegenseitig in einem akademischen Setting ihre Arbeiten vorzustellen. Studierende präsentieren ihre Projekt- bzw. Masterarbeiten und nehmen an einem der Konferenz vorausgehenden Peer-review-Prozess teil. Die Studierenden lernen dabei sowohl ein wissenschaftliches Abstract zu schreiben als auch Feedback zur Arbeit ihrer Kollegen zu geben und ihr Projekt öffentlich zu präsentieren.

 

** Studierendenzentrierung und Heterogenität **

+ Individuelle Lernpfade durch das Curriculum entwickeln

Die Struktur des Programms mag vielleicht recht starr erscheinen. Nach einem eher straff organisierten ersten Semester erlaubt das Curriculum jedoch das Verfolgen hochgradig individueller Lernpfade, indem es einen semi-strukturierten Rahmen bietet, der die Bildung eines persönlichen kognitionswissenschaftlichen Profils sowohl inhaltlich als auch methodisch ermöglicht.

 

+ Kick-off-Phase zu Beginn des Studiums

- Präsentation des Curriculums und seiner Möglichkeiten

- Persönliche Beratung/Coaching bei der Auswahl der Kurse und Planung des persönlichen Lernpfades

- Bildung interdisziplinärer Teams, die während des gesamten Semesters zusammenarbeiten und Reflexion der ersten Zusammenarbeit (Methoden aus der Gruppendynamik)

- Community building zwischen den Studierenden, um einen größeren sozialen Zusammenhalt und Kooperationsraum innerhalb der Kohorte zu schaffen

 

+ Schritte, die den persönlichen Forschung- und Erkenntnisprozess der Studierenden begleiten

- Bewerbungsverfahren: In einem Motivationsschreiben müssen die Studierenden Ihr Interesse an der CogSci begründen und ihre Frage(n) an das Feld explizieren, da diese sie durch das Curriculum begleiten soll/en. Damit reflektieren sie ihre persönliche Motivation und haben eine erste Entscheidungsgrundlage angesichts der vielfältigen Möglichkeiten den eigene Studiereweg zu gestalten.

- Im Studienverlauf: kontinuierliche individuelle und kollaborative Reflexion über den eigenen Lernprozess sowie die epistemologische Entwicklung in diversen Lehr-/Lernsettings.

- Learning Contracts und ein ausführliches Konzept für die Masterarbeit unterstützen die Studierenden dabei, Inhalte, Methoden, Zeitplan und Ergebnisse ihrer Forschungsprojekte zu spezifizieren, um diese zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.

- Die Studienprogrammleitung, Lehrenden und Betreuer/innen geben den Studierenden strukturiertes Feedback.

- Qualitätsentwicklung: Wir organisieren regelmäßig Fokusgruppen mit den Studierenden, in denen wir über curriculare Fragen, Projekte und mögliche Verbesserungen diskutieren.

 

** Kompetenzorientierung **

+ Forschungsorientierung und Verbindung von Lehre und Forschung

MEi:CogSci ist als forschungsbasiertes Curriculum konzipiert, was sich in den Lernsettings widerspiegelt: Im Laufe der Jahre haben wir ein Netzwerk von universitären und außeruniversitären Forschern/innen entwickelt, die durch ihre Teilnahme an der Ringvorlesung, durch “Lab-Visits” und Praktikumsplätze zum Programm beitragen. So werden die Studierenden von Anfang an in „reale“ Forschungsumgebungen eingebunden.

 

+ Interdisziplinarität und Arbeit in interdisziplinären Teams - Schwerpunkt auf epistemologischen und wissenschaftstheoretischen Fragen

Durch die Anwendung aktueller Techniken aus dem Bereich der Wissenstechnologien (z. B. Knowledge Mapping-Techniken, Dialog (Bohm), Explizieren von impliziten Annahmen und Annahmen, Aushandeln von semantischen Feldern usw.) werden die Lücken zwischen den Disziplinen (wie auch die Hintergründe der Studierenden) explizit gemacht, reflektiert und schließlich in moderierten Peer-to-Peer-Lehrveranstaltungen geschlossen, bzw. verhandelt. Eines der Alleinstellungsmerkmale dieses Programms ist die konsequente interdisziplinäre Integration von Ansätzen aus den Geistes- und Naturwissenschaften.

 

+ Schriftliche und mündliche wissenschaftliche Kommunikationsformen werden in realistischen Settings mit wissenschaftliche Genres (abstract, review, poster, journal paper) geübt. Die Ergebnisse sind sichtbar und die Studierenden erhalten Feedback.

 

** Europäische und internationale Ausrichtung **

+ Studierdendenmobilität und internationale Lehr- und Forschungszusammenarbeit

Da das MEi:CogSci-Programm ein “Joint Master” ist, müssen die Studierenden mindestens ein Semester an einer der Partneruniversitäten verbringen. Jede dieser Universitäten hat eine Vielzahl von Spezialisierungen, aus denen je nach den Interessen der Studierenden ausgewählt werden kann.

 

+ Internationales Co-Teaching

Es ist ein besonderes Asset eines Joint Degree Programmes, dass wir in der Lehre auf die Expertise internationaler Kollegen/innen zurückgreifen können, die das “Mindset” des Curriculums kennen. Wir nutzten dies durch regelmäßiges Co-Teaching und Austausch von Lehrenden in diversen Kursen zwischen den Universitäten, unterstützt durch Erasmus-Abkommen und ein CEEPUS-Netzwerk.

 

Schlussbemerkungen

- Aus organisationaler Perspektive hat sich MEi:CogSci an der Universität Wien zu einem Best-Practice-Projekt für innovative didaktische Praxis entwickelt, das in die Gestaltung anderer Curricula an der Universität Wien eingeflossen ist.

- Das Curriculum und seine Umsetzung bringt hoch motivierte Studierende hervor, die im Durchschnitt sehr gute Aussichten haben, eine Doktorandenstelle oder eine entsprechende Position in der Industrie zu finden (siehe Testimonials unter: meicogsci.eu/after-mei-cogsci.html).

- Wir leben in einer Wissensgesellschaft, daher wird die Fähigkeit, in interdisziplinären Umgebungen und Wissensräumen souverän zu navigieren in Zukunft noch wichtiger werden. Genau diese werden in diesem Masterprogramm erworben.

Mehrwert

- An der Universität Wien war die Etablierung dieses MEi:CogSci Masters ein zentraler Grundstein für die Errichtung des Vienna Cognitive Science Hubs (früher Forschungsplattform Cognitive Science), da die Lehrenden über dieses Studium auch in ihrer Forschung in interdisziplinäre Interaktion getreten sind.
- Integration von interdisziplinären, epistemischen und forschungsgeleiteten Formen des Lernens, Lehrens und Arbeitens
- Eine neue und effiziente Form des intensiven kooperativen und forschungsbasierten Lehrens und Lernens in interdisziplinären Kohorten (Gruppengröße ca. 25 Studierende)
- Souveräner Umgang mit unterschiedlichen Formen des Wissens und Wissenschaftskulturen
- Sehr hohe Zufriedenheit der Studierenden (und Lehrenden) (ausgewiesen in diversen Evaluierungen)
- Absolventen/innen erhalten durchwegs sehr gute Jobangebote im akademischen (internationale PhD-Programme), nicht akademischen (Industrie, Start Ups) und NGO (Uno) Bereich

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Das MEi:CogSci Programm wurde als Joint Degree entwickelt. Das gemeinsam entworfene Referenzcurriculum wurde bereits an 4 Universitäten umgesetzt und akkreditiert. Die Definition der Lehrinhalte und Kompetenzen auf Modulebene erlaubt den Partneruniversitäten unterschiedliche, den jeweiligen lokalen nationalen und Universitätsstrukturen Rechnung tragende Umsetzung mit konkreten Lehrveranstaltungen. In den halbjährlich stattfindenden Konsortialtreffen wird an der kontinuierlichen WeIterentwicklung und Qualitätssicherung des Programms gearbeitet. Eine Erweiterung des internationalen Konsortiums wird angestrebt. Im Moment finden Verhandlungen mit der Universität Zagreb statt.

Des Weiteren wurden bei der Entwicklung des Master’s Programme in Philosophy and Economics und weiterer interdisziplinärer, fakultätsübergreifender Programme an der Universität Wien Anleihen an den Organisationsprozessen und Verwaltungsstrukturen des MEi:CogSci Programms genommen.

Akzeptanz

Eine sehr hohe positive Akzeptanz dieses Projektes lässt sich an folgenden Parametern ablesen:

- Die Evaluierungen durch die Studierenden fallen durchwegs sehr positiv aus.

- An der Universität Wien wird das MEi:CogSci Programm als Best-Practice-Projekt für ein gelungenes interdisziplinäres, interfakultäres und internationales Curriculum angesehen.

- Die Studierenden finden sehr gute Jobangebote im akademischen Bereich (internationale PhD-Programme) und in unterschiedlichsten Bereichen der Industrie (siehe Testimonials unter: meicogsci.eu/after-mei-cogsci.html).

- Die Universität Wien hat u. a. auch durch die Existenz dieses Masters die Cognitive Science und Neurowissenschaften als eines ihrer strategischen Felder etabliert.

- Die Evaluierungen durch das externe Scientific Steering Committee der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft ist sehr positiv ausgefallen.

- Internationale Anerkennung und sehr gute Bewerbungslage (ca. 150 Bewerber/innen pro Jahr für die Universität Wien [bei 25 zu vergebenden Plätzen])

Aufwand

 Durch den interdisziplinären und internationalen Charakter dieses Joint Masterprogramms entsteht ein erhöhter Koordinationsaufwand, der sich jedoch durch die sehr guten Ergebnisse in der Erreichung der hoch gesteckten Lehr-/Lernziele und durch die hohe Zufriedenheit sowie den Erfolg der Studierenden (und Lehrenden) in jeder Hinsicht rechnet.

Positionierung des Lehrangebots

Joint Master’s Programme

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2020 nominiert.
Ars Docendi
2020
Kategorie: Kooperative Lehr- und Arbeitsformen
Ansprechperson
Univ.Prof.Dr. Markus Peschl
Inst.f. Philosophie & Vienna Cognitive Science Hub
+43 1 4277 46424
Nominierte Person(en)
Univ.Prof.Dr. Markus Peschl
Universität Wien - Inst.f. Philosophie & Vienna Cognitive Science Hub
Maga. Elisabeth Zimmermann
Universität Wien - Institut für Philosophie
Mag. Dr. Brigitte Römmer-Nossek
Universität Wien - Center for Teaching and Learning
Maga. Nicole Rossmanith
derzeit University of Portsmouth
Mag. Andreas Reichelt
derzeit Uppsala Universitet, SE
Tim Reinboth, BA
Universität Wien - Institut für Philosophie
Katharina Rötzer, BA
Universität Wien
Peter Hochenauer, BA
Universität Wien
Themenfelder
  • Curriculagestaltung – Inhalt
  • Curriculagestaltung – Organisation
  • Didaktische Methode
  • Erfahrungslernen
  • Internationalisation@home
Fachbereiche
  • Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik/Ingenieurwissenschaften
  • Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften