Universität Wien
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Projekttitel: Lernen, Lehren und Forschen neu und anders wahrnehmen; Titel im Curriculum: Forschungsmethoden: Professionsverantwortung, Evaluation und Practitioner Research; Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung: ABG MA PM3 Pflichtmodul, 2 SSt (pi), 5 ECTS

Ziele/Motive/Ausgangslage

Ausgangslage:

Forschen zu lernen ist im Studium fachübergreifend eine basale Kompetenz, die es zu erlernen gilt. Einerseits werden damit die Forschungsorientierung der sogenannten modernen Universität sowie das damit einhergehende Konzept einer Verbindung von Forschung und Lehre betont. Andererseits kennen Universitäten und ihre Studienprogramme traditionell und weiterhin Berufsbezüge (Tremp 2015). Das trifft in besonderer Weise auf die Lehrer*innenbildung zu.

 

Insbesondere Lehramtsstudierenden erscheint ein Forschungsbezug jedoch weder plausibel noch dem Berufsziel angemessen. „Warum soll ich XY untersuchen? Das brauche ich in der Schule nie wieder!“, ist eine häufig gehörte Äußerung von ihnen im Zusammenhang mit wissenschaftlichen Untersuchungen (vgl. z. B. Börnert et al. 2014). Die Nützlichkeit und Anwendbarkeit der dabei generierten forschungsbezogenen Kompetenzen werden von angehenden oder im Beruf stehenden Lehrer*innen im Hinblick auf ihre (spätere) Berufslaufbahn stark angezweifelt. Zumindest eine Kombination von Forschungs- und Berufsbezügen sind Erwartungen, die Studierende des Lehramts an ihr Studium haben (vgl. Multrus 2012). Doch wie können die in den wissenschaftlichen Projekten vermittelten forschungsbezogenen Kompetenzen angemessen in die (spätere) Berufspraxis als Lehrer*in integriert werden?

 

Motive:

Es galt daher ein hochschuldidaktisches Modell für die Lehrveranstaltung „Forschungsmethoden: Professionsverantwortung, Evaluation und Practitioner Research“ im genannten Kontext zu entwickeln, um sowohl Forschungs- und Berufsbezüge zu integrieren und damit dieser doppelten Erwartung – sowohl von Studierendenseite als auch von der Seite der Universität – u. a. im Hinblick auf die spätere Berufspraxis nachhaltig gerecht zu werden.

 

Ziele:

Im Rahmen des Projektes „Lernen, Lehren und Forschen neu und anders wahrzunehmen“ sollten 1.) wissenschaftliche Forschungskompetenzen vermittelt und 2.) ein besonderer Schwerpunkt auf die (spätere) berufliche Schulpraxis als Lehrpersonen gelegt werden. In beiden Fällen war eine starke praktische Forschungsbezogenheit gegeben. Das Projekt setzte sich damit zum Ziel, die Lehrveranstaltung inhaltlich und hochschuldidaktisch so auszugestalten, dass Forschungs- und Berufsbezüge miteinander verknüpft und es zur Heranbildung eines möglichst nachhaltigen, forschenden professionellen Selbstverständnisses bei den Seminarteilnehmenden kommt. Dafür wurden die Studierenden im Sinne des „Forschenden Lernens“ (vgl. z. B. Huber 2013) in Zusammenarbeit mit einer Kooperationsschule des Zentrums für Lehrer*innenbildung der Universität Wien (siehe Link zu den Kooperationsschulen des Zentrums für Lehrer*innenbildung an der Universität Wien) und im direkten diskursiven Austausch mit der Scientific Community mit phänomenologisch orientierten Vignetten (vgl. z. B. Agostini 2019; Schratz et al. 2012) als innovativer und vielseitig einsetzbarer Methode der Praxisforschung (vgl. z. B. Moser 1995) vertraut gemacht, um diese selbstständig für die Durchführung und Analyse eigener Forschungsvorhaben im beruflichen Handlungsfeld Schule einsetzen zu können.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Das Projekt „Lernen, Lehren und Forschen neu und anders wahrnehmen“ ist auf den praktischen Einsatz von phänomenologisch orientierten Vignetten als ein forschungsgeleitetes bildungswissenschaftliches Verfahren aus der Praxisforschung ausgerichtet. Anhand von Vignetten als verdichteten Unterrichtsszenen wurden die Lehramtsstudierenden darin geschult, einen veränderten Blick auf Lernen und Lehren, aber auch auf Möglichkeiten des Forschens in der Schule zu werfen.Dabei wurden auch Fragen hinsichtlich der eigenen pädagogischen Professionalität in den Blick genommen.

Im Mittelpunkt des Masterseminars stand die Entwicklung und Durchführung eines gemeinsamen Forschungsprojekts zum Lernen und Lehren anhand von Vignetten an einer Kooperationsschule der Universität Wien. Um eine forschende Grundhaltung zum eigenen professionellen Handeln als (zukünftige) Lehrperson zu entwickeln und sich grundlegende wissenschaftliche Kompetenzen anzueignen, durchliefen die Studierenden sämtliche Stufen des Forschungsprozesses von der anfänglichen Idee und ihrer Operationalisierung über die Datenerhebung im Feld bis hin zur Analyse,Präsentation und Dissemination der Ergebnisse. Um die eigene forschende Wahrnehmung zu sensibilisieren war auch ein Forschungsaufenthalt im Albertina-Museum in Wien vorgesehen. Die Begleitforschung zeigte, inwiefern sich aufgrund dieses hochschuldidaktischen Angebots Veränderungen im Professionsverständnis der angehenden und im Beruf stehenden Lehrpersonen nachweisen lassen.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

The project "Learning, Teaching and Research from a New and Different Perception" focuses on the practical use of phenomenologically oriented vignettes as research-led pedagogical instruments for practical research. Using vignettes as condensed learning scenes, student teachers were taught to take a different view on learning, teaching and the opportunities for research in schools. Questions regarding their own pedagogical professionalism were also taken into account.

The focus of the master seminar was the development and implementation of a joint research project on learning and teaching using vignettes at a cooperation school of the University of Vienna. In order to develop a basic research-oriented attitude towards their own professional actions as (future) teachers and to acquire basic scientific skills, the students went through all stages of the research process – from the initial idea and its operationalization, through data collection in the field, to the analysis, presentation and dissemination of the results. In order to sensitize their own research perception, a research stay at the Albertina Museum in Vienna also took place. The accompanying research showed the extent to which this didactic opportunity can be used to demonstrate changes in the professional understanding of prospective and current teachers.

Nähere Beschreibung des Projekts

Die Erlangung von wissenschaftlichen und forschungsbezogenen Kompetenzen wird insbesondere von angehenden oder im Beruf stehenden Lehrer*innen oft auf die Angemessenheit ihres Berufsziels hin befragt: „Ich möchte Lehrer*in werden, nicht Wissenschaftler*in!‘, lautet vielfach die Beschwerde im Hinblick auf den scheinbar fehlenden berufsorientierten Praxisbezug. „Wieso sollen wir Forschen lernen, wenn wir keine wissenschaftliche Karriere anstreben?“ So ist die Lehrer*innenbildung im Unterschied zu vielen anderen universitären Studien insbesondere auf eine berufsbezogene Profession und ein spezifisches Professionsbewusstsein hin orientiert. Dabei ist die zunehmende Forschungsorientierung im Lehramtsstudium aus theoretischer Perspektive legitimiert und wohl begründet. Während eine forschende Grundhaltung allgemein „als Bestandteil professionellen Berufshandelns“ (Fichten 2013: 5) angesehen wird bzw. argumentiert wird, dass ein forschender Habitus zum Professionskonzept gehört (vgl. Obolenski/Meyer 2003), fällt es vielen Studierenden des Lehramts nicht nur schwer, operationalisierbare Forschungsfragen zu formulieren, adäquate wissenschaftliche Literatur kritisch zu rezipieren, ein empirisches Forschungsdesign zu konzipieren und durchzuführen sowie nicht zuletzt Ergebnisse angemessen einer Scientific Community zu kommunizieren, sondern auch die in den wissenschaftlichen Projekten erlangten forschungsbezogenen Kompetenzen in ihre (spätere) Berufspraxis angemessen zu integrieren.

 

Innovative Hochschuldidaktik

Diesen Herausforderungen begegnete die Lehrveranstaltung „Forschungsmethoden: Professionsverantwortung, Evaluation und Practitioner Research“ durch eine innovative, partizipative und studierendenzentrierte didaktische Aufbereitung eines forschungsorientierten Verfahrens der Praxisforschung. So wurde im Rahmen des Projekts „Lernen, Lehren und Forschen neu und anders wahrnehmen“ im Sinne des „Forschenden Lernens“ das gemeinsame Rahmenthema „Lernen und Lehren“ in insgesamt sieben Einheiten zu je 195 Minuten unter der forschungsmethod(olog)ischen Zugangsweise von phänomenologisch orientierten Vignetten als „kurze prägnante Erzählungen, die (schulische) Erfahrungsmomente fassen“ (Schratz et al. 2012: 36) eigenständig gestaltet und kollektiv bearbeitet.

 

Vignetten beschreiben in dichten Szenen die Lernerfahrungen von Schüler*innen aus nächster Nähe. Dadurch entstehen differenzierte Einblicke in das Lernen von Schüler*innen, aber auch in das Lehren der Lehrkräfte. Vignetten bieten nämlich die Möglichkeit, Lernen im Unterricht als Erfahrung (Meyer-Drawe 2012) zu beleuchten und es somit als pädagogisches Phänomen in Erscheinung treten zu lassen, das Takt, Aufmerksamkeit und Achtsamkeit seitens der Lehrperson erfordert. Mithilfe von Vignetten kann es zu einer veränderten Wahrnehmung, zu einem Perspektivenwechsel vom Lehren zum Lernen und damit zu einer Sensibilisierung kommen, welche neben dem Lernen auch das eigene Lehren in einem anderen Licht sichtbar werden lässt – im Licht bzw. aus der Perspektive der Erfahrung, welche die Schüler*innen dabei vollziehen. Damit können Studierende und Lehrpersonen aus Vignetten lernen bzw. Forschungserkenntnisse für ihre zukünftige und gegenwärtige berufliche Praxis ziehen. In der forschungsorientierten Auseinandersetzung mit Vignetten stand dabei insbesondere die folgende berufsrelevante Fragestellung im Vordergrund: Was genau können (zukünftige) Lehrer*innen an jeweils unterschiedlichen besonderen und zu Vignetten verdichteten Konstellationen allgemein für ihre Berufspraxis lernen? Vignetten weisen deutliche Anleihen von Konzepten der Praxisforschung auf und sehen damit eine systematische Verbindung von Forschung und Berufsfeld vor. Lang- bis mittelfristig besteht das Ziel darin, dass Lehrkräfte Vignetten auch im Rahmen von kollegialen Hospitationen und damit als Instrumente der Schulentwicklung einsetzen (vgl. Agostini/Mian 2019), sodass es zu einer Veränderung ihres professionellen Selbstverständnisses bis hin zur Ausbildung eines forschenden Habitus kommt.

 

Die verschiedenen professionsbezogenen Studienprogramme haben je ihre eigenen Traditionen entwickelt, Berufsbezüge in ihre Lehre zu integrieren. Das vorliegende Projekt bearbeitet die komplexe und nicht-disziplinäre Logik der Beruflichkeit didaktisch auf zweifache Art und Weise: erstens, durch die Integration der Komplexität von beruflichen Anwendungssituationen als Ausgangspunkt von Studienaufgaben in Lehrveranstaltungen, zweitens durch die Integration von außeruniversitären Lerngelegenheiten und Bewährungssituationen im Studienprogramm (vgl. Weil/Tremp 2010).

 

Neben einer thematischen Hinführung an die Begrifflichkeiten der Evaluation und des „Practitioner Research“ (Einheit 1), ging es weiterführend um die Formulierung des spezifischen Erkenntnisinteresses im Rahmen der unterrichtlichen Schlüsselthemen „Lernen und Lehren“, wobei Einblick in den aktuellen, internationalen Forschungsstand der Lern- und Lehrforschung gegeben wurde (Einheit 2). Um die eigene forschende Wahrnehmung zu sensibilisieren, gingen die Studierenden – unter der Leitung der Gastreferentin und Kunstwissenschaftlerin Dr. Agnes Bube des Instituts für Gestaltungspraxis und Kunstwissenschaft (IGK) der Leibniz-Universität Hannover – ins Albertina-Museum und erprobten das Konzept „Nah am Werk“ (vgl. Bube 2017; siehe dazu auch den Link zum Konzept „Nah am Werk“). Die LV-Leiterin verfasste währenddessen Vignetten über die Erfahrungen der Studierenden im Museum (Einheit 3), die anschließend von den Studierenden kommentiert und intersubjektiv validiert wurden. Damit fand eine erste praktische Annährung an die phänomenologisch orientierte Vignettenarbeit statt. Während eine theoretische Vertiefung rund um die Method(ologi)e der Vignettenforschung erfolgte, das Forschungsdesign konzipiert (Einheit 4) und dieses im Rahmen eines internationalen Netzwerktreffens zur Vignettenforschung an der Universität Wien in Auseinandersetzung mit der internationalen Scientific Community einer kritischer Diskussion unterzogen wurde (siehe Link zum Netzwerktreffen der Vignetten- und Anekdotenforschung), erfolgten weiterführend an einem Vormittag die gemeinsame Datenerhebung an einer Kooperationsschule der Universität Wien (Einheit 5), die Phasen der Datenbearbeitung und -analyse (Einheit 6) sowie abschließend jene der Präsentation und Dissemination der Ergebnisse (Einheit 6).

 

Studierendenzentrierung und Heterogenität

Das berufsbezogene und forschungsorientierte Konzept des Projekts trägt dabei der Heterogenität der Studierenden Rechnung und berücksichtigt die Tatsache, dass die Studierenden unterschiedliches Vorwissen (z. B. aufgrund ihrer unterschiedlichen fachwissenschaftlichen Hintergründe) und vielfältige Erfahrungen mitbringen (z. B. Berufserfahrung oder auch nicht). Um dieser Heterogenität der Studierenden gerecht zu werden und eine starke Studierendenzentrierung zu gewährleisten, wurden sie mit individuellen berufsorientierten bzw. praxisrelevanten Arbeitsaufträgen und in unterschiedlichen didaktischen Arbeitsformen (selbstständiges Arbeiten, Paar- und Gruppenarbeiten, Austausch im Plenum) an die Konzeptionierung, Durchführung und Analyse eines eigenständigen Forschungsprojektes anhand von eigens dafür entworfenen Fragestellungen herangeführt.

 

Dabei wurden begleitend anhand der Methode des Logbuchs immer auch wieder personalisierte Fragen der pädagogischen Professionalität und Professionalisierung in den Blick genommen, sodass relevante und herausfordernde Fragestellungen aus der beruflichen und für die berufliche Praxis bearbeitet wurden. Thema dieser kritischen Auseinandersetzungen war auch, welche Forschungskompetenzen künftige Lehrer*innen haben sollen und inwiefern ein forschender Habitus zum Professionskonzept gehört (vgl. Obolenski/Meyer 2003).

 

Europäische und internationale Ausrichtung

Praxisforschung ist nicht nur zeit- und arbeitsaufwendig, es kann auch nervenaufreibend sein, sich mit Datenerhebungs- und Datenanalyseverfahren zu beschäftigen sowie die Unterstützung kritischer Schulleiter*innen und Lehrer*innen zu gewinnen, die Daten zu erheben und auszuwerten, sodass (ausgewählte) Ergebnisse in die Schule zurückgetragen werden können. Um den Workload im Rahmen der fünf vorgesehenen ECTS-Credits bzw. die Arbeitsbelastung überschaubar zu halten, wurden alle Stufen des Forschungsprozesses gemeinsam geplant und arbeitsteilig durchgeführt. Die Einbettung des Projekts in internationale Forschungsergebnisse stand ebenso im Vordergrund wie die diskursive Auseinandersetzung der Studierenden mit einer internationalen Scientific Community.

 

Kompetenzorientierung

Durch die Konzeption des Seminars konnten vielfältige Kompetenzen auf den Kompetenzstufen Wissen, Verstehen, Anwenden und Analysieren erworben werden wie …

- die Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens kennen und diese anwenden können;

- aktuelle (inter-)nationale Theorie- und Forschungsergebnisse der empirischen Lern- und Lehrforschung und ihre interdisziplinären Bezüge kennen sowie deren systematisierende, diagnostische, erkenntniserweiternde und praxisaufklärende Funktion für Schule und Unterricht einschätzen können;

- mit einer ausgewählten Methode der Praxisforschung vertraut sein und diese weitgehend selbstständig für die Durchführung und Analyse eigener innovativer Forschungsvorhaben in pädagogischen Handlungsfeldern einsetzen können;

- Evaluationsergebnisse systemisch verstehen und diese sinnvoll für eigene Professionalisierungsprozesse, die Institution Schule und deren Einbettung in das Bildungssystem be- und verwerten sowie interne schulbezogene Entwicklungs- und Evaluationsprozesse gezielt einleiten und durchführen können.

 

Durch dieses forschungsorientierte Konzept soll den Studierenden bewusst werden, dass Universitätslehrer*innen resp. später auch Lehrer*innen in einem besonderen Verhältnis zum Stoff der Lehre stehen, denn sie sind an der Generierung der Inhalte, die prinzipiell diskussionswürdig bleiben, beteiligt.

 

Ferner bestand die Möglichkeit, sich über den Forschungsprozess und die behandelten Inhalte – neben den Präsenzterminen in der LV – auch auf der Lernplattform „Moodle“ der Universität Wien auszutauschen, die jeweiligen Aufgabenstellungen hochzuladen und kontinuierliches Feedback von der LV-Leiterin sowie von den Peers zu erhalten, wobei die digitalen Technologien zur Vermittlung, zur Auseinandersetzung und zum kritischen Befragen dienten. Dass Formen des Peer-Feedbacks auch wirklich ernst genommen wurden, zeigt sich u. a. daran, dass dieses am Ende des Semesters in die Berechnung der Gesamtnote einfloss. Mit der Unterstützung von „Moodle“ sollte sichergestellt werden, dass die (angehenden) Lehrpersonen sich mit den Inhalten tiefgreifend und individuell auseinandersetzen sowie in der Lage sind theoretische und empirische Erkenntnisse zu rezipieren (Kompetenzstufen Wissen und Verstehen). Darüber hinausgehend konnten in den Diskussionsforen Erkenntnisse geteilt und kritische Bewusstseinsbildung betrieben werden (Kompetenzstufen Anwenden und Analysieren). Des Weiteren wurden die im Rahmen des Seminars entwickelten Verfahren und Erkenntnisse auf der Lernplattform – unter Einbau von Feedbackschleifen – gesammelt und damit längerfristig allen Teilnehmenden zur Verfügung gestellt; mit dem Ziel, die Studierenden in ihrer (späteren) Berufstätigkeit stärker zur Praxisforschung zu animieren.

 

Die genauen Angaben zur verwendeten Literatur finden sich unter: ctl.univie.ac.at/ars-docendi/agostini/literatur

Mehrwert

Aus dem Projekt hat sich ein mannigfaltiger Mehrwert von großer Reichweite ergeben. Zu nennen sind insbesondere die Lern- und Entwicklungspotenziale auf Seiten der Studierenden und jener der LV-Leitung sowohl in berufsorientierter als auch in forschungsbezogener Hinsicht. Durch die gekonnte Verknüpfung der theoretisch-empirischen Ausarbeitung und kollektiven Umsetzung konnten neben einer allgemeinen Zeitersparnis sowohl auf Lehrenden- als auch auf Studierendenseite Bezüge zwischen wissenschaftlichen Theorien und Methoden und der pädagogischen Berufs- und Forschungspraxis aufgezeigt werden.

In diesen Entwicklungsprozess einbezogen werden konnte auch die ausgewählte Kooperationsschule der Universität Wien mit Schulleitung, Lehrenden und Schüler*innen, indem auch für die dort Tätigen interessante Fragestellungen untersucht und die Ergebnisse des Forschungsprojekts an die Schule zurückgetragen wurden. Durch die differenzierten Herangehensweisen und diskursiven Auseinandersetzungen im Plenum und darüber hinaus (z. B. mit der internationalen Scientific Community) wurden unterschiedliche Lehr- und Lernkulturen gefördert und nicht zuletzt das gemeinsame inhaltliche, fachliche und soziale Lernen wirkungsvoll unterstützt.

Ein weiterer Mehrwert zeigte sich in den zahlreichen (Peer-)Feedback-Schleifen und damit der Förderung des dialogischen Austauschs im Lehr- und Lernprozess. Zudem entstanden im Rahmen des Projekts viele unterschiedliche individuelle Forschungsleistungen auf welche über die Lernplattform „Moodle“ zugegriffen werden kann und die als Anregung für weiterführende Fragestellungen im Rahmen der Praxisforschung genutzt werden können. Aus dem Projekt ist zudem ein europäischer Forschungsantrag im Rahmen der Erasmus-Plus-Initiativen (Förderschiene Key Actions 2) hervorgegangen, der eine internationale Projektkooperation vorsieht.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Das Konzept des hochschuldidaktischen Projekts ist auch auf andere Lehrveranstaltungen bzw. Lern-/Lehrsituationen übertragbar, beispielsweise kann das Projekt und seine Konzeption auf lern-/lehrbezogene Fragestellungen im Rahmen der gesamten Lehrer*innenbildung transferiert werden,

z. B. indem die im Rahmen des Projekts erzielten Erkenntnisse anhand einer ausgewählten Methode der Praxisforschung für ähnliche oder weiterführende Fragestellungen im Hinblick auf die Professionalisierung von Lehrpersonen genutzt werden.

 

Das Projekt wird auch für weiterführende Lehrtätigkeiten im Rahmen des Masterseminars „Forschungsmethoden: Professionsverantwortung, Evaluation und Practitioner Research“ oder ähnliche bildungswissenschaftliche Lern-/Lehrformate angepasst und dadurch weiterentwickelt.

 

Nach Durchführung und Evaluation des Projekts wurde nun ein Drittelmittelprojekt (Erasmus-Plus, Förderschiene KA2) mit einer ähnlichen Ausrichtung (Ausbildung von angehenden und im Beruf stehenden Pädagog*innen als Multiplikator*innen, Vignetten als Professionalisierungsinstrumente und Methoden der Schulentwicklung) mit insgesamt sieben internationalen Projektpartner*innen beantragt.

Akzeptanz

Begleitforschung zum Projekt

Die Lehrveranstaltung „Forschungsmethoden: Professionsverantwortung, Evaluation und Practitioner Research“ wurde durch das Projekt inhaltlich und didaktisch so verändert, dass Forschungs- und Berufsbezüge miteinander verknüpft und es möglichst zur Heranbildung eines forschenden Selbstverständnisses bei den Seminarteilnehmenden kommt. Dafür setzten sich die Teilnehmenden während des forschungsorientierten Seminars zu unterschiedlichen Zeitpunkten mit ihrem Verständnis des Lehrberufs als Profession auseinander. Somit war es der LV-Leiterin möglich begleitend zu untersuchen, ob und inwiefern die unterschiedlichen Inhalte und die Method(ologi)e der Vignettenforschung im Laufe der Lehrveranstaltung zur Weiterentwicklung des Professionsverständnisses der Studierenden beitrugen.

 

Um die Veränderung des Professionsverständnisses innerhalb der Lehrveranstaltung möglichst genau erfassen zu können, dokumentierten die Studierenden die Veränderung ihres Professionsverständnisses in einem individuellen Logbuch meist gegen Ende der jeweiligen LV-Einheit anhand von ausgewählten Leitfragen (Performative Evaluation).

 

Beim letzten LV-Termin erfolgte die Darstellung der individuellen Professionsbilder der „guten Lehrperson“, wobei von den Studierenden explizit aufgezeigt wurde, inwiefern sich ihr jeweiliges Professionsverständnis im Laufe der LV weiterentwickelt hat und was den Studierenden dabei an inhaltlichen und method(olog)ischen Verfahrensweisen geholfen hat (Summative Evaluation).

 

Dadurch fand einerseits eine Selbstevaluation vonseiten der Studierenden statt, v. a. unter Rückgriff auf ihre individuellen Logbucheinträge. Andererseits wurde eine Fremdevaluation durch die LV-Leitung und die anwesende Studienassistentin möglich, welche beide der Abschlusspräsentation beiwohnten und die Veränderungen im Professionsverständnis anhand von Beobachtungsprotokollen dokumentierten. Somit wurde es weiterführend möglich, den Veränderungsprozess der beiden Gruppen vergleichend inhaltsanalytisch auszuwerten. Im Zuge der Auswertung zeigte sich, dass es zu einer Veränderung des Professionsverständnisses der Lehramtsstudierenden gekommen ist und diese z. B. bei der Abschlusspräsentation andere Rollenbilder von „guten Lehrpersonen“ dokumentierten als in der ersten Einheit. Inwiefern mögliche Veränderungen lediglich auf die Aktivitäten innerhalb des Seminars oder auf den Besuch der Studierenden von anderen Lehrveranstaltungen zurückzuführen sind, bleibt offen.

 

Evaluierungsergebnisse

Die Lehrveranstaltung „Forschungsmethoden: Professionsverantwortung, Evaluation und Practitioner Research“ und damit das Projekt wurden im Anschluss an die letzte LV-Einheit von 32 von insgesamt 34 Studierenden anhand des Fragebogens der Besonderen Einrichtung für Qualitätssicherung (www.univie.ac.at/qs) der Universität Wien evaluiert. Der Fragebogen sieht 23 geschlossene und zwei offene Antwortfelder vor. Letztere wurden von den Studierenden reichlich mit sehr positiven und wertschätzenden Kommentaren sowohl zu den Inhalten als auch zu der methodisch-didaktischen Vorgehensweise und nicht zuletzt im Hinblick auf die erzielten Lernergebnisse befüllt. Als Beispiele können folgende Kommentare genannt werden:

 

- „Die Vignette lenkt Blick auf Alltägliches, man bemerkt auch viel positives dadurch, das sonst verborgen bleiben würde und es wird möglich, den ,Zauber von Unterricht‘ zu erfassen.“

- „Museumsbesuch und Vignetten schreiben an der Schule waren eine großartige Erfahrung!“

- „Die Eigenschaften einer ,guten Lehrperson‘, die wir in der ersten Einheit gesammelt haben, kann sich die LV-Leiterin selbst zuschreiben: Es herrschte ein sehr angenehmes Arbeitsklima.“

- „Ich fand besonders positiv den freundlichen Umgang der Lehrveranstaltungsleiterin mit den Studierenden sowie die Motivation und Begeisterung, die sie mitbrachte. Besonders gut fand ich auch, dass wir schrittweise an die Ziele der Lehrveranstaltung herangeführt wurden und einerseits praktisch probieren konnten (Museumsbesuch), aber auch anderseits dann wirklich im Feld etwas erheben durften.“

- Die LV-Leiterin ist sehr freundlich und motivierend, es herrscht eine angenehme Atmosphäre im Seminar. Sie wirkt außerdem in ihrem Fachbereich ausgesprochen kompetent.“

- „Die Lehrveranstaltung war insgesamt sehr interessant und spannend, da mir die darin behandelten Inhalte zuvor größtenteils unbekannt waren. Die LV-Leitung ging auf die Wünsche, Fragen und Ideen der Studierenden ein.“

- „Gut gefunden habe ich die generelle Gestaltung und vor allem den Praxis-Bezug in der LV.“

- „Ich fand die Inhalte des Seminars sehr interessant aber auch die Methode, die angewendet wurde. Das Seminar hat mir in meinem Lernprozess auf vielen Ebenen geholfen. Meine Sichtweise der Dinge hat sich in vielen Bereichen geändert, dies positiv.“

- „Workload war sehr in Ordnung, extrem interessante Themen, da die Phänomenologie sonst nicht wirklich oft thematisiert wird, es wurde sehr viel mitgenommen, die Atmosphäre war immer angenehm, vielleicht auch aufgrund der Gruppengröße, insgesamt war die LV sehr bereichernd für das eigene Wahrnehmen des Selbst.“

 

Die geschlossene Frage „In der LV werden Beispiele aus der Praxis vorgestellt.“ erhielt in beiden Seminargruppen eine Zustimmung von 1,2 (auf einer Skala von 1,00 –für „sehr gut“ bzw. „trifft zu“ – bis 5,00 – „sehr schlecht“ bzw. „trifft nicht zu“) und die Frage „Die/Den LehrveranstaltungsleiterIn empfinde ich als sehr motivierend.“ wurde in beiden befragten Gruppen mit 1,1 eingeschätzt.

Aufwand

Für die Umsetzung des Projekts musste eine Kooperationsschule des Zentrums für Lehrer*innenbildung (ZLB) der Universität Wien mittels eines genauen Projektplanes angeworben und detaillierte Vorabsprachen mit der Schulleitung vorgenommen werden. Auch nahm der differenzierte Rückmeldeprozess an die untersuchte Schule, d. h. die Diskussion der Forschungsergebnisse mit den Forschungspartner*innen erhebliche zeitliche Ressourcen der LV-Leitung in Anspruch.

Des Weiteren wurde die inhaltliche und didaktische Konzeption des Projekts mit der Gastreferentin Dr. Agnes Bube des Instituts für Gestaltungspraxis und Kunstwissenschaft (IGK) der Leibniz-Universität Hannover sowie – im Rahmen des Zertifikatskurses „Teaching Competence Plus“ am Center for Teaching and Learning (CTL) der Universität Wien – mit Mag. Barbara Louis, PhD diskutiert. Gemeinsam mit Dr. Agnes Bube wurde im Vorfeld des Projekts auch ein Antrag für die Lehrendenmobilität im Rahmen von Erasmus-Plus (Programmschiene „Lehrendenmobilität“) verfasst und erfolgreich beantragt.

Nicht zuletzt sind auch die zahlreichen mündlichen und schriftlichen Rückmeldungen an die Studierenden, die Vorabsprachen sowie Evaluationen mit der Studienassistentin und die Betreuung der Lernplattform „Moodle“ erwähnenswert.

 

 

 

Positionierung des Lehrangebots

Das Projekt „Lernen, Lehren und Forschen neu und anders wahrnehmen“ wurde im WiSe 2019/2020 in Form von zwei Parallelveranstaltungen (Vormittags- und Nachmittagsgruppe) im Rahmen der Lehrveranstaltung „Forschungsmethoden: Professionsverantwortung, Evaluation und Practitioner Research“ angeboten; einer prüfungsimmanenten Pflichtlehrveranstaltung im Masterstudium, die als Teil der bildungswissenschaftlichen Grundlagen in den Lehramtsstudien für die Sekundarstufe (Studium „Lehrer*innenbildung“, Entwicklungsverbund Nord-Ost) am Zentrum für Lehrer*innenbildung (ZLB) der Universität Wien absolviert wird. Die Lehrveranstaltung wird als „Pflichtmodul 3“ meist im 2. oder 3. Semester belegt.

Links zu der/den Projektmitarbeiter/innen
Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2020 nominiert.
Ars Docendi
2020
Kategorie: Forschungsbezogene bzw. kunstgeleitete Lehre
Ansprechperson
Ass.-Prof. dott. mag. phil. habil. Evi Agostini, PhD
Zentrum für Lehrer*innenbildung und Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft, Institut für Lehrer*innenbildung
+43-1-4277-60023
Nominierte Person(en)
Ass.-Prof. dott. mag. phil. habil. Evi Agostini, PhD
Zentrum für Lehrer*innenbildung und Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft, Institut für Lehrer*innenbildung
Themenfelder
  • Employability
  • Erfahrungslernen
  • Sonstiges
  • Wissenschaftliche (Abschluss)Arbeiten
Fachbereiche
  • Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften