Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Innrain 52, 6020 Innsbruck
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Das Kollegiale Bewertungsprojekt: Leistungsbewertung erleben und erfahren

Ziele/Motive/Ausgangslage

Leistungen zu bewerten ist integraler Bestandteil des Aufgabenprofils von Lehrerinnen und Lehrern. In der Lehrer*innenausbildung nimmt die pädagogische Diagnostik als Basis für die Leistungsbewertung als Grundlage der summativen Beurteilung von Schülerinnen und Schülern genauso wie für die Lernbegleitung und für die Unterstützung zielgerichteten Lernens als formative Diagnostik eine zentrale Rolle ein. Das „Kollegiale Bewertungsprojekt“ hat zum Ziel, den Kompetenzaufbau der Studierenden in Bezug auf die Leistungsbewertung zu unterstützen. Eine besondere Herausforderung ergibt sich dadurch, dass ein „echtes“ Üben im Rahmen der Schulpraktika in der Regel nicht möglich ist (aus organisatorischen, aber vor allem auch aus datenschutzrechtlichen Gründen). Zu einem umfassenden Kompetenzerwerb gehört jedoch neben grundlegendem Wissen auch das Können. Für eine kompetenzorientierte Verankerung des Themas in der Lehre macht sich das Kollegiale Bewertungsprojekt zunutze, dass das anzustrebende Lernergebnis aufseiten der Studierenden in diesem Fall mit den praktischen Anforderungen von universitären Lehrveranstaltungen korrespondiert, in denen eine lernergebnisorientierte Bewertung der Leistung der Studierenden erfolgen soll. Dies wird im Kollegialen Bewertungsprojekt produktiv genutzt, indem die Studierenden in den Prozess der Leistungsbewertung in der LV aktiv einbezogen werden.

Ziel dieses innovativen Lehrveranstaltungselements ist zum einen, Kompetenzen im Bereich der Leistungsbewertung zu fördern, und zum anderen, das Bewusstsein dafür weiterzuentwickeln, was Qualität im Lehrberuf ausmacht. Deshalb wird im Kollegialen Bewertungsprojekt Bewertenlernen, Bewerten und Bewertetwerden kombiniert, um erfahrungsbasiertes Lernen zu ermöglichen.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Für das neue Lehramtsstudium Sekundarstufe Allgemeinbildung wurden die Module in den bildungswissenschaftlichen Grundlagen im Entwicklungsverbund West neu konzipiert. Lehrendenteams der verschiedenen Institutionen entwickelten gemeinsam wesentliche Elemente der Lehrveranstaltungen. Die Zielstellungen des hier vorgestellten Kollegialen Bewertungsprojekts sind mehrdimensional: Die angehenden Lehrer*innen sollen die Möglichkeit erhalten, Erfahrungen in der Leistungsbewertung zu sammeln; zudem dient es dem Aufbau von „Evaluative Judgement“ als grundlegende Basis professionellen Handelns und dessen Weiterentwicklung. Evaluative Judgement meint die Fähigkeit, die Qualität der Arbeit entsprechend den Standards einer Profession beurteilen zu können.

Mit dem Ziel, Kompetenzen in der Leistungsbewertung – einer zentralen Komponente des Lehrberufs – sowie das Bewusstsein für qualitätsvolles Handeln im Lehrberuf zu fördern, wurde das Kollegiale Bewertungsprojekt, in dem Studierendenteams jeweils einige Mitstudierende in zentralen Leistungsbereichen beurteilen, als ein zentrales Element der Pflichtlehrveranstaltung zur Leistungsbeurteilung konzipiert und laufend weiterentwickelt. Es bietet den Studierenden die Möglichkeit, einen vollständigen Leistungsbewertungsprozess zu durchlaufen – von der Konzeption der Bewertungskriterien über die Anwendung dieser Kriterien zur Bewertung erbrachter Leistungen bis zum begründeten Notenvorschlag und dem Feedback an die bewerteten Mitstudierenden.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

New concepts have been developed for the modules that comprise the fundamentals in educational sciences for the new curriculum in teacher education for secondary schools. The teaching teams from the different institutions in the Developmental Network West have collaborated in designing essential elements of the courses. The main objectives for the “Collegial Grading Project” are multidimensional: The project provides future teachers with the opportunity to gain experience in assessing and grading; furthermore, it aims at building “evaluative judgement” as the fundamental basis for professional agency and its further development. Evaluative judgement is the capability to make judgements about the quality of work according to the standards of a profession.

The Collegial Grading Project has been designed as a central element in the obligatory course on assessing performance with the aim to support students to develop competencies in assessing and grading – a central component of teaching – and to raise awareness for high-quality practices in the teaching profession. In this project, teams of teacher students assess their peers’ performance in central areas. Teacher students get the opportunity to undergo a full process of assessing and grading – from designing assessment criteria to applying these criteria in order to assess their colleagues’ performance to justifying a proposal for the resulting grade and giving feedback to the assessed colleagues.

Nähere Beschreibung des Projekts

Rahmenbedingung: Entwicklung des Curriculums im Entwicklungsverbund West

 

Im Zuge der Implementierung der PädagogInnenbildung NEU war die Lehrer*innenausbildung für die Sekundarstufe für eine ganze Region sowohl inhaltlich als auch organisatorisch zu planen und umzusetzen. Die Neukonzeption der verschiedenen Module der bildungswissenschaftlichen Grundlagen des Lehramtsstudiums Sekundarstufe I erfolgte in Kooperation der Expertinnen und Experten der am Entwicklungsverbund West beteiligten Institutionen. Diese bildeten professionelle Lerngemeinschaften, um die Herausforderung der Ausgestaltung des Curriculums in inhaltlich-stringente Module und Lehrveranstaltungen über Institutionen hinweg zu meistern. Das (vorläufige) Ergebnis dieses Prozesses ist im Curriculum-Handbuch des Entwicklungsverbunds West im Detail dokumentiert. Das Handbuch hält die grundlegenden Elemente der einzelnen Module und Lehrveranstaltungen fest. Insbesondere dokumentiert es die Einigung auf wesentliche Elemente und die Pflichtliteratur der einzelnen Lehrveranstaltungen sowie die Anforderungen, die an die Studierenden gestellt werden, über Institutionen und Lehrende hinweg.

Verortung des Projekts:

Modul 3 (Diagnostizieren, Beraten, Erziehen, Unterrichten und Beurteilen) der bildungswissenschaftlichen Grundlagen umfasst drei Lehrveranstaltungen, die für alle Studierenden des Lehramts Sekundarstufe verpflichtend sind. Es besteht aus einer VO zu den theoretischen Grundlagen von pädagogischer Diagnostik und Beratung, einem PS mit dem Ziel, die Vorlesungselemente in Form von Fallstudien praktisch zu bearbeiten, und einer Praktikums-LV, die neben einem universitären Teil das Schulpraktikum II umfasst und in welcher das Thema Leistungsbewertung curricular verankert ist. In den seminaristischen Lehrveranstaltungen wird besonderer Wert auf kooperative Lern- und Arbeitsformen unter Anerkennung unterschiedlicher Hintergründe, Erfahrungen und Kompetenzen gelegt.

Das Kollegiale Bewertungsprojekt ist Teil der dritten erwähnten LV des Moduls, des Praktikums Erziehung & Leistungsbeurteilung mit derzeit etwa 30 Parallelgruppen (2 ECTS universitärer Teil, 1,5 ECTS schulischer Teil). Im Zentrum steht die Weiterentwicklung und Vertiefung von pa?dagogischer Professionalita?t und die Erweiterung der fachlichen, sozialen, personalen und methodischen Kompetenzen. Ziel des Kollegialen Bewertungsprojekts ist, dass die Studierenden Herausforderungen der Thematik Leistungsfeststellung und -bewertung erkennen, eigene Zuga?nge theoretisch begründen lernen und Gu?tekriterien der Leistungsbewertung kennen und verstehen. Darüber hinaus dient der universitäre Teil der Lehrveranstaltung der Reflexion der professionsspezifischen Erfahrungen aus dem Schulpraktikum II und der theoriebasierten Auseinandersetzung mit herausfordernden Unterrichtssituationen.

 

Das Kollegiale Bewertungsprojekt

Die Leistungsbewertung gehört zu den Kernaufgaben und Grundkompetenzen von Lehrpersonen. Sie kann unterschiedlichen Zielen dienen, der Unterstützung des individuellen Lernprozesses als formative Leistungsbewertung oder der notenmäßigen Beurteilung als summative Leistungsbewertung.

Die Leistungsfeststellung und -bewertung der Studierendenleistungen erfolgt in dieser Lehrveranstaltung sowohl formativ als auch summativ im Zusammenspiel von einem Studierendenteam und der LV-Leitung auf der Basis von zuvor gemeinsam definierten Leistungskriterien.

Im Kollegialen Bewertungsprojekt durchlaufen die Studierenden einen vollständigen Prozess der Leistungsbewertung. Sie entwickeln Bewertungskriterien für die einzelnen Lernprodukte der Lehrveranstaltung, die vor allem im Rahmen des schulpraktischen Teils entstehen. Bewertungskriterien werden von je einer Studierendengruppe für einen Leistungsbereich entwickelt, zum Beispiel für Unterrichtsbeobachtungen, Unterrichtsplanungen (inkl. der Reflexion der Durchführung) oder einen Workshop, den die Studierenden in einer Kleingruppe vorbereiten und im Sinne der kollegialen professionellen Weiterentwicklung im Rahmen der LV mit ihren Kolleginnen und Kollegen abhalten. Die Studierenden verorten diese Bewertungskriterien in ihrer Bewertungsphilosophie, stellen so einen Konnex zum professionellen Habitus her und begründen die Vorgehensweise in Form eines Bewertungskonzepts. Die Bewertungskriterien bilden dann die Grundlage für die Beurteilung der Lernprodukte jeweils anderer Studierender durch eine Studierendengruppe, sodass die praktische Anwendung der entwickelten Kriterien und eine Reflexion über deren Stärken und Schwächen den Abschluss bilden.

 

Das Kollegiale Bewertungsprojekt umfasst im Speziellen folgende Aufgaben, welche theoriegeleitet im Team (2–3 Personen) erarbeitet werden. Im ersten LV-Termin werden die relevanten Grundlagen für die Entwicklung von Bewertungskriterien mit den Studierenden erarbeitet. Darüber hinaus beginnen die Studierenden in den Kleingruppen anhand von Leitfragen einen Diskurs über ihr Menschenbild und ihr Lern- und Leistungsverständnis. Darauf aufbauend entwickelt jede Gruppe Bewertungsgrundlagen für einen Leistungsbereich.

a. In der Bewertungsphilosophie beschreiben die Studierenden ihr Menschenbild und ihr Lern- und Leistungsverständnis in der Tradition der Professional Learning Communities (Senge, 1990).

b. Im Bewertungskonzept legen sie aufbauend auf ihrer Bewertungsphilosophie ihre Vorstellungen und relevante Spannungsfelder der Bewertung dar und begründen ihre geplante Vorgangsweise für die Umsetzung der Bewertung im Team.

c. Die Kriterien für die verschiedenen Leistungsbereiche werden arbeitsteilig und theoriegestützt – aufbauend auf Kompetenzen, die in den Modulen 1 und 2 erworben wurden, und weiterführender Literatur – von den Teams als Communities of Practice (Wenger, 2000) erarbeitet und argumentiert. Dabei spielt vor allem die Auseinandersetzung mit wesentlichen Qualitätskriterien des jeweiligen Leistungsbereichs eine wichtige Rolle für die Entwicklung relevanter Beurteilungskriterien.

 

Im zweiten LV-Termin werden die Entwürfe der Kriterien im Plenum präsentiert und diskutiert, eventuell modifiziert und dann allgemein beschlossen.

Ebenfalls im Plenum der Lehrveranstaltung wird die Gewichtung der einzelnen Leistungsbereiche festgelegt. 70 % der Abschlussnote der LV speisen sich aus den Beurteilungen im Rahmen des Kollegialen Bewertungsprojekts. Die restlichen 30 % der Note machen die Leistungen des Kollegialen Bewertungsprojekts aus, welche durch die LV-Leitung beurteilt werden.

 

Im Lauf des Semesters entwickeln die Studierenden die verschiedenen Lernprodukte – viele davon entstehen im Rahmen des schulpraktischen Teils. Zu jeweils einer Unterrichtsplanung und einer Unterrichtsbeobachtung erhalten sie von der zugeteilten Bewertungsgruppe formativ Feedback auf der Basis der vereinbarten Bewertungskriterien.

Bis zu einer gemeinsam vereinbarten Frist (mindestens zwei Wochen vor dem letzten LV-Termin) müssen die einzelnen Lernprodukte für die summative Beurteilung durch die Studierenden abgegeben werden.

 

Bis zum letzten LV-Termin beurteilt jede Studierendengruppe die Lernprodukte der Studierenden jeweils einer anderen Kleingruppe. Die kollegiale Bewertung aller Lernprodukte in den Leistungsbereichen erfolgt nach den festgelegten Kriterien und der vereinbarten Gewichtung der Teilbereiche. Am Ende schlägt das jeweils zuständige Studierendenteam eine begründete Gesamtnote für die Studierenden eines anderen Teams vor. Im Rahmen des letzten LV-Termins erhält jede*r Studierende Feedback zur Bewertung der Lernprodukte durch das jeweils zuständige Bewertungsteam. Ziel ist es, die Studierendenbewertungen tatsächlich für die Notenfindung heranzuziehen; die Letztverantwortung für die Beurteilung liegt jedoch bei der LV-Leitung.

 

Die im Kollegialen Bewertungsprojekt erbrachten Leistungen werden von der LV-Leitung beurteilt und machen 30 % der Gesamtnote der Lehrveranstaltung aus. Selbstverständlich beruht auch die Bewertung dieses Leistungsbereichs auf einem vorher offengelegten Kriterienkatalog. Beurteilt wird die Qualität der Argumentation der Bewertungskriterien durch Bewertungsphilosophie und -konzept und deren wissenschaftliche Fundierung sowie die nachvollziehbare Bewertung der Lernprodukte der Mitstudierenden und das Feedback an die Mitstudierenden in Bezug auf dessen Umfang, Tiefe und lernförderliche Qualität.

 

Lernförderliche Elemente des Kollegialen Bewertungsprojekts

Die Studierenden können Erfahrungen in der theoriegeleiteten Konzeption und Durchführung von Bewertungsverfahren basierend auf ihren Vorstellungen vom Menschen, seinem Lernen, von Gütekriterien und Spannungsfeldern machen und erwerben damit Kompetenzen in der Leistungsbewertung. Insbesondere bei den formativen Anteilen – z. B. Rückmeldungen zu Unterrichtsplanung und Unterrichtsbeobachtung, die ausschließlich als Feedback für die Mitstudierenden dienen, aber nicht in die Lehrveranstaltungsbeurteilung einfließen – sammeln die Studierenden Erfahrungen im Geben lernförderlichen Feedbacks. Auch die Bewertungen der summativ zu beurteilenden Lernprodukte werden begründet und von vielen Studierenden mit konstruktiven verbalen Kommentaren angereichert.

 

Die Studierenden erleben den Bewertungs- und Rückmeldeprozess aus beiden Perspektiven – als Beurteiler*innen und als Beurteilte bzw. als Feedback-Geber*innen sowie Feedback-Nehmer*innen. Sie wenden sowohl die von ihnen selbst entwickelten Kriterien als auch jene der anderen Gruppen an. Darüber hinaus ist es erforderlich, sich jeweils innerhalb der Kleingruppe auf Bewertungen für die zugewiesenen Mitstudierenden zu einigen. Dies bietet eine besondere Basis für die Diskussion der Qualität von Bewertungskriterien. Welche Arten von Kriterien sind gut handhabbar? Wie genau soll die Beschreibung der zugehörigen Produkte sein? Wie groß ist der Beurteilungsspielraum? Welche Bedeutung hat das für die Validität der Beurteilungen, welche für die Fairness und Vergleichbarkeit der Bewertungen? Erhalten tatsächlich Lernprodukte gute Bewertungen, die eine hohe Qualität aufweisen? Darüber hinaus benötigt die Bearbeitung der Aufgaben – sowohl der Entwicklung der Kriterien als auch deren Anwendung–eine intensive Auseinandersetzung mit Dimensionen der Qualität der verschiedenen Leistungsbereiche. Diese Leistungsbereiche umfassen wesentliche Elemente des Lehrberufs, weshalb die Auseinandersetzung damit, was denn eine gute Unterrichtsplanung oder einen guten Workshop ausmacht, nicht nur für die Bewertung der konkreten Produkte der Lehrveranstaltung Relevanz besitzt, sondern darüber hinaus auch eine wichtige Basis für pädagogisch professionelles Handeln bildet. Die Auseinandersetzung mit der Qualität der eigenen Arbeit ist eine wichtige Grundlage für die Reflexion der zukünftigen Tätigkeit als Lehrperson im Sinne eines „Reflective Practitioners“ (Schön, 1983).

Die Organisation der Arbeit in Studierendenteams kann als Vorbereitung auf kooperative Unterrichtsentwicklung, die ebenfalls zu den Aufgaben von Lehrpersonen zählt, verstanden werden. Dabei sind sowohl Elemente der eher werteorientierten Professional Learning Communities als auch der von praktischen Problemstellungen ausgehenden Communities of Practice enthalten. Wesentlich ist dabei auch die fachübergreifende Verständigung auf Qualitätskriterien für die verschiedenen Leistungsbereiche.

Resümee und Ausblick:

Die Fähigkeit, Entscheidungen über die Qualität der Arbeit – seiner eigenen und der anderer – treffen zu können, „Evaluative Judgement“ (Tai et al., 2018), gilt im internationalen wissenschafltichen Diskus als wesentliches Ziel tertiärer Bildung. Für angehende Lehrpersonen hat dieses Konzept eine besondere Bedeutung, weil die Beurteilung der Qualität von Leistung integraler Bestandteil ihrer Profession ist.

Das neue Curriculum für das Lehramt Sekundarstufe Allgemeinbildung ist im Verbund West inzwischen implementiert. Im Sinne der Planung „vom Ende her“, also bezogen auf die Lernziele, wurden Rückmeldungen von Studierenden sowie dem Lehrendenteam eingeholt, welche LV-Elemente zu welchem Lernerfolg beitragen. Auf dieser Basis wird Modul 3 laufend weiterentwickelt. Das Feedback der Studierenden deutet in Bezug auf das Kollegiale Bewertungsprojekt auf einen relevanten Kompetenzzuwachs und wichtige Bewusstseinsbildung hin. Als wichtiges Desiderat für die Weiterentwicklung zeigt sich die Komplexität der logistischen Abwicklung des Projekts, die hohe Anforderungen sowohl an Studierende als auch an die Lehrenden stellt.

 

Quellen:

Schön, D.(1983).The Reflective Practicioner: How professionals think in action. Basic Books.

Senge, P. M.(1990).The Fifth Discipline: The Art and Practice of the Learning Organization. New York: Broadway Business.

Tai, J., Ajjawi, R.,Boud, D.,Dawson, P. & Panadero, E.(2018).Developing Evaluative Judgement: Enabling students to make decisions about the quality of work. Higher Education, 76(3), 467–481.

Wenger, E.(2000).Communities of Practice: Learning, Meaning, and Identity.Cambridge Univ. Press

Mehrwert

Die Studierenden erhalten als angehende Lehrerinnen und Lehrer die Möglichkeit konkrete Erfahrungen in der Leistungsbewertung in einem realen Setting zu sammeln.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Das Konzept wird seit Einführung des Bacherlor-Studiums Lehramt Sekundarstufe eingesetzt und kontinuierlich weiterentwickelt. Dafür werden laufend Rückmeldungen der Studierenden sowie der Mitglieder des Lehrendenteams im Ausbildungsmodul eingeholt und durch die Modulleitung in Weiterentwicklungsvorschläge verarbeitet. Diese werden in den regelmäßigen Modultreffen der Lehrenden diskutiert und ggf. Änderungen gemeinsam verabschiedet.

Wiewohl die Bedeutung des Themas Leistungsbewertung für Lehramtsstudierende eine besondere ist, sind Teile des Konzepts auch in andere Bereiche übertragbar. Insbesondere das Konzept des evaluative judgements als Teil der Professionalität ist nicht auf den Lehrberuf beschränkt. Es wird in der anglo-amerikanischen Literatur zur Hochschuldidaktik auch nicht spezifisch für Lehramtsstudierende diskutiert, sondern als allgemeines Ziel einer hochschulischen Bildung. Ein Baustein zur Entwicklung von evaluative judgement sind Peer-Assessment und -Feedback auf der Basis von gut fundierten Qualitätskriterien, so wie dies das Kollegiale Bewertungsprojekt zu implementierten versucht.

Akzeptanz

In den von Modulleitung und Co-Modulleitung geführten Lehrveranstaltungsgruppen, im Rahmen derer das Kollegiale Bewertungsprojekt durchgeführt wird, wurden systematisch Rückmeldungen der Studierenden eingeholt. Dies erfolgte in Form von Gruppendiskussionen im jeweils letzten LV-Termin. Entsprechend des Zugangs einer „Planung vom Ende her“, also ausgehend von den anzustrebenden Lernzielen der Studierenden, waren die Gruppendiskussionen mithilfe von Leitfragen strukturiert, die den erlebten Kompetenzzuwachs der Studierenden in Verbindung setzten mit wesentlichen Elementen der Lehrveranstaltung.

Das Kollegiale Bewertungsprojekt – sowohl der Prozess der Entwicklung und Diskussion von Bewertungsrichtlinien für die verschiedenen Leistungsbereiche als auch die Tätigkeit des Bewertens – werden von vielen Studierenden in den Kursen als wesentliche Quelle ihres Kompetenzaufbaus im Bereich der Leistungsbewertung beschrieben. Die fachübegreifende Herangehensweise des Kollegialen Bewertungsprojekts wird unterschiedlich bewertet – sie ist wichtige Basis für eine spätere fachübergreifende Zusammenarbeit im Kollegium einer Schule und wird teils als bereichernd zum sonst oft sehr fachspezifischen Blick auf Unterricht und Leistung wahrgenommen; gleichzeitig wird die Bewertung, zum Beispiel, fachfremder Unterrichtsplanungen als besondere Herausforderung gesehen. Die Möglichkeit eines fokussierten Blicks in die Arbeiten anderer Studierender wird als inhaltliche Bereicherung beschrieben.

Darüber hinaus würdigen die Studierenden die Bewusstseinbildung in Bezug auf relevante Spannungsfelder der Leistungsbewertung durch die praktische Tätigkeit im Bewertungsprojekt.

Positionierung des Lehrangebots

Bachelor-Studium Lehramt Sekundarstufe, bildungswissenschaftliche Grundlagen, 5. Semester laut empfohlenem Studienablauf

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2020 nominiert.
Ars Docendi
2020
Kategorie: Lernergebnisorientierte Prüfungskultur und deren Verankerung in der Lehrveranstaltung
Ansprechperson
Claudia Schreiner, Ass.-Prof. Mag. Dr.
Institut für LehrerInnenbildung und Schulforschung
+43 512 507-44434
Nominierte Person(en)
Claudia Schreiner, Ass.-Prof. Mag. Dr.
Institut für LehrerInnenbildung und Schulforschung
Themenfelder
  • Didaktische Methode
  • Erfahrungslernen
  • Rund ums Prüfen
Fachbereiche
  • Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften