Mentoring for Metallurgists

Ziele/Motive/Ausgangslage

Die metallurgische Industrie und Metallindustrie Österreichs sorgt laut WKO für rund ein Viertel der österreichischen Exporte, beschäftigt mehr als 150.000 Menschen und ist trotz globalem Wettbewerb so erfolgreich wie nie. Die Nachfrage nach Absolventinnen und Absolventen der österreichischen Universitäten, insbesonders der Montanuniversität Leoben ist deshalb ungebrochen hoch.

Das Studium Metallurgie an der Montanuniversitaet Leoben bereit junge Menschen auf eine Tätigkeit in der metallurgischen Industrie oder in benachbarten Industriezweigen vor. Die Lehre ist dabei in ein erfolgreiches Forschungsumfeld eingebettet, dessen humane Ressourcen wiederum aus dem eigenen Nachwuchs stammen. Das Shanghai Ranking 2019 reiht den Fachbereich "Metallurgical Engineering" an der Montanuniversitaet weltweit an 15. Stelle, für Europa an der 2. Stelle. Die Leobener Metallurgie ist deshalb ein gesuchter Partner, auch für die weltweit erfolgreichsten Universitäten in diesem Bereich. Auslandsprofessuren für Leobener Professorinnen und Professoren und Forschungsaufenthalte für Studierende und Wissenenschafter im Ausland sind heute ebenso Normalität wie eine steigende Anzahl an Incomings aus aller Welt: Internationalität als gelebte Realität.

Wie bei allen technischen Universitäten liegt die Drop-out-Rate der Studienrichtung Metallurgie, also der Anteil an Studierenden, welche das Studium nicht erfolgreich abschließen, im langjährigen Schnitt nahe der 50%-Marke. Das ist umso schmerzhafter als die Nachfrage der Industrie nach Absolventinnen und Absolventen kaum erfüllt werden kann.

Um dieser Situation entgegenzuwirken, wurden eine Reihe von Maßnahmen gesetzt:

Vor Studienbeginn sorgen Informationsveranstaltungen und Social Media Auftritt(e) für ein möglichst klares Bild des Studiums und des zukünftigen Berufsfeldes.Das soll die Studienwahl bekräftigen oder auch vom Studium abbringen, wenn Vorstellung und Realität zu weit voneinander entfernt liegen.

In der Studieneingangsphase wird das Angebot der Montanuniversität an neue Studierende durch spezifische Maßnahmen ergänzt: Professorinnen und Professoren der Metallurgie stellen sich beispielsweise den Erstsemestrigen als Mentoren zur Verfügung und versuchen in Einzelgesprächen die Situation und Zufriedenheit der jungen Studierenden zu hinterfragen und soweit das möglich ist, auch unterstützend einzugreifen. Wertvolle Partner sind hier auch die Studienrichtungsvertretung und der Studentenverein der Metallurgiestudierenden. Diese Phase mündet in erste Lehrveranstaltungen, in denen ohne Leistungsdruck aber mit hohem Aufwand versucht wird, die Begeisterung und Neugier der Studierenden zu wecken.

Die Evaluierungsergebnisse sind vielversprechend und deshalb soll es in Zukunft auch ein spezielles Programm für ausländische Studierende geben, die überwiegend erst in die beiden Masterprogramme Metallurgie und Sustainable Materials einsteigen. Hier kann neben der sozialen Eingliederung auch das heterogene Niveau des Vorwissens eine Herausforderung darstellen, da die Masterstudienpläne keine Einführungslehrveranstaltungen vorsehen. Während derzeit noch in oder am Rande von Lehrveranstaltungen versucht wird, einführendes Wissen zu vermitteln, sollen in Zukunft zusätzliche Crash-Kurse angeboten werden, die in geraffter Form das Vorwissen in metallurgischen Fächern vermitteln. Die Masterstudienprogramme sollen dadurch in Zukunft noch attraktiver für ausländische Studierende werden.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Die Studierenden der Studienrichtung Metallurgie werden vor und unmittelbar nach dem Studienbeginn durch Veranstaltungen, Coaching, Lehrveranstaltungen und Social Media über Studium und Berufswelt informiert. Das Programm trägt den Namen "Mentoring for Metallurgists" da der persönliche Kontakt zu Professorinnen und Professoren außerhalb von Lehrveranstaltungen unmittelbar nach Studienbeginn eine besondere Rolle einnimmt. Die Zusammenarbeit mit Studienrichtungsvertretung und Studentenverein unterstützt das Bemühen. Ziel ist es, die Drop-out-Rate vorallem in den ersten Semestern des Studiums zu senken. Nach ersten Erfolgen im Bachelorstudium wird das Projekt nun auf ausländische Studierende, die meist erst in die Masterstudienprogramme einsteigen, ausgerollt. Hier ist zusätzlich die Vermittlung von komprimiertem metallurgischen Vorwissen eine Herausforderung aber gleichzeitig auch Voraussetzung für die weitere Attraktivierung dieser Studien.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

The project "Mentoring for Metallurgists" comprises a variety of activities, including informal events, personal coaching, courses and social media in the introductory phase of the study program "Metallurgy" at the Montanuniversitaet Leoben. The personal contact with professors outside courses ("Mentoring") is a central element. The interaction with student representatives and the association of metallurgy students is essential. Main objective is the significant reduction of the number of drop-outs. Second step after the successful implementation for the bachelor study program "Metallurgy" is the realization for foreign students in the master programs "Metallurgy" and "Sustainable Materials". Besides sharing of social aspects also the transfer of fundamental metallurgical knowledge in compressed form will be is necessary to increase the attractivity of the study programs in future.

Nähere Beschreibung des Projekts

Das Projekt "Mentoring for Metallurgists" hat das Ziel den Einstieg in das Studium Metallurgie an der Montanuniversität zu begleiten und die Zahl der Drop-outs in den ersten Semestern zu verringern. Das erfolgt in drei Stufen, wobei die ersten beiden bereits umgesetzt sind und die Umsetzung der dritten Stufe mit dem Wintersemester 2020/21 beginnt:

 

Vor Studienbeginn soll durch Informationsveranstaltungen und Social Media eine hoher Informationsgrad über Studium und Berufsbild vermittelt werden. Natürlich soll die Welt der Metallurgie dabei als attraktiv dargestellt werden, aber letztendlich soll auch die Wahl des Studiums Metallurgie als falsches Studium vermieden werden. Flaggschiff sind hier die Metaldays, eine Veranstaltung bei der jährlich 30 junge Menschen für eine Woche an die Montanuniversität eingeladen werden um Studium um Berufsbild bestmöglich kennenzulernen. Finanziert wird die Veranstaltung von der österreichischen und deutschen Industrie. Die Studienrichtung Metallurgie bietet aber auch Workshops für Schulen an: Schulklassen besuchen die Montanuniversität und werden in Vorträgen zu aktuellen Themen und Laborübungen in die Welt der Metallurgie eingeführt. Über Social Media Kanäle werden Informationen oder Vorträge geteilt und ein Youtube Kanal bietet Clips mit Interviews von Absolventinnen und Absolventen an um ein lebendiges Bild der Berufswelt zu erzeugen. Maß für den Erfolg ist hier nur die Anzahl der Erstinskribierenden des Bachelorstudiums Metallurgie, die in den letzten beiden Jahren deutlich erhöht werden konnte.

 

Nach Studienbeginn bietet die Montanuniversität in der Studieneingangsphase ein Paket an Maßnahmen um den Einstieg in das Studium zu erleichtern. Ergänzend setzt die Studienrichtung Metallurgie gezielte Maßnahmen um die Bindung der Erstsemestrigen an die Studienrichtung zu verbessern. Hier arbeiten Lehrende und Studierende zusammen. Die Professorinnen und Professoren stellen sich als Mentor zur Verfügung und hinterfragen in Vieraugengesprächen die Situation und Zufriedenheit der Studierenden und versuchen, soweit das möglich und gewünscht ist, auch unterstützend einzugreifen. Auch die Studierendenvertreter und der Verein der Metallurgiestudierenden bieten Informationsveranstaltungen und versuchen die Erstsemestrigen bestmöglich zu integrieren. Die Zusammenführung dieser Aktivitäten in eine Lehrveranstaltung ist immer wieder Thema, aber bisher nicht umgesetzt. Die Bemühungen münden im zweiten Semester in die Lehrveranstaltung "Einführung in die Metallurgie", die von allen Fachbereichen der Metallurgie getragen wird. Neben Vorträgen stehen praktische Übungen am Programm und bei einem Absolventenabend teilen Absolventinnen und Absolventen ihre Eindrücke vom Berufsleben und stehen in lockerer Stimmung für Gespräche zur Verfügung. Ein Urteil über den Erfolg liefern derzeit nur Befragungen der Studierenden zu Ihrer Zufriedenheit und die Evaluierung der Lehrveranstaltung. Beides liefert ein mehr als positives Feedback.

 

Nach ersten Erfolgen im Bachelorstudium sollen diese Aktivitäten auch in den beiden Masterstudien Metallurgie und Sustainable Materials umgesetzt werden. Das Masterstudium Metallurgie baut traditionell auf das eigene Bachelorstudium auf. Einführungsvorlesungen sind deshalb nicht im Studienplan vorgesehen. Mit einer zunehmenden Anzahl an Incomings und der Einführung des International Master Programs "Sustainable Materials" besteht nunmehr der Bedarf ausländische Studierende nicht nur an das soziale Umfeld sondern auch fachlich an die Welt der Metallurgie heranzuführen. Derzeit versuchen die Vortragenden noch im Rahmen der bestehenden Vorlesungen oder ergänzend zu diesen Vorlesungen Wissen in komprimierter Form zu vermitteln. Dafür müssen in Zukunft organisierte Einstiegskurse angeboten werden, sinnvollerweise noch vor dem Beginn des Semesters und damit der regulären Lehrveranstaltungen. Für den Fachbereich der Eisen- und Stahlmetallurgie wird das mit dem Wintersemester 2019/20 umgesetzt. In Crash-Kursen wird chemisch-metallurgisches Fachwissen ebenso angeboten wie Werkstoffwissen. Nach einer ersten Lernphase sollen diese Kurse in Zukunft zu regulären Lehrveranstaltungen umgewandelt werden. Ziel ist die Steigerung der Attraktivität der beiden Masterstudien und auch der Abbau von Einstiegshürden.

 

Das Projekt "Mentoring for Metallurgists" hat klare Ziele in Hinblick auf die Sekung von Drop-out-Raten und der Verbesserung der Studierbarkeit. Kuppelprodukt ist jedoch auch der verbesserte Informationsfluss zwischen Studierenden und Lehrenden, der bei letzteren zu einem deutlich klareren Bild der Anliegen der Studierenden geführt hat.

Mehrwert

Steigerung der Zahl der Erstinskribierenden der Studienrichtung Metallurgie zwischen 2017/18 von 22 auf 35 (WS + SS 2019/20). Eine Senkung der Drop-out-Rate kann noch nicht beziffert werden. Die Evaluierungsergebnisse sind ausgezeichnet (1,5 auf der Notenskala). Die Teilnahme am Mentoring Programm ist freiwillig, derzeit wird es von rund 50% der Erstinskribierenden angenommen, die Akzeptanz steigt.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Wie in der Detailbeschreibung ausgeführt, wird das Konzept im Bachelorstudium Metallurgie umgesetzt und demnächst auch - adaptiert für ausländische Studierende - in den Masterstudien Metallurgie und Int. Master Sustainable Materials.

Akzeptanz

Am freiwilligen Teil nehmen derzeit rund 50% der Erstinskribierenden teil, die Akzeptanz steigt. Lehrveranstaltungsevaluierungen liegen für die Einführung in die Metallurgie vor, letzte Note 1,5.

Der Fachbereich Metallurgie hat sich 2019 einer externen Evaluierung durch ausländische Evaluatoren unterzogen, die Beurteilung der Aktivitäten rund das Mentoring-Projekt waren äußerst positiv.

Aufwand

Für die Betreuung der Metaldays und der Social Media Kanäle werden zwei Studierende beschäftigt, die Finanzierung erfolgt aus Mitteln des Departments Metallurgie und externen Geldgebern. Die Betreuung von Workshops erfolgt durch die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Betreuung der Studierenden im Mentoring Programm erzeugt einen überschaubaren Mehraufwand.

Positionierung des Lehrangebots

Technische Universitäten und ingeniertechnische Studien müssen sich in besonderer Weise um ihre Attraktivität für junge Menschen bemühen. Dieses Bemühen darf nicht mit der Erstinskription enden, sondern muss in der für viele Studierenden so schwierigen Phase der ersten Semester weiter intensiviert werden. Die Studienrichtung Metallurgie an der Montanuniversität Leoben hat ein Paket aus Lehrveranstaltungen und begleitenden Maßnahmen bzw. Veranstatungen zu geschnürt, um Studierenden in den ersten Semestern Bindung an die - und Rückhalt in der - Gemeinschaft von Lehrenden und etablierten Studierenden zu bieten. Das Erzeugen von Neugier, Offenheit und Begeisterung für die zukünftige berufliche Tätigkeit ist ein wesentliches Element der Motivation für Bewältigung der Hürden der ersten Studiensemester. Das Programm soll in Zukunft noch speziell für die Bedürfnisse ausländischer Studierender in den Masterstudienprogrammen Metallurgie und Sustainable Materials adaptiert werden.

Links zu der/den Projektmitarbeiter/innen
Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2020 nominiert.
Ars Docendi
2020
Kategorie: Qualitätsverbesserung von Lehre und Studierbarkeit
Ansprechperson
Ao.Univ.Prof. Dr. Christian Bernhard
Department Metallurgie
06769387100
Nominierte Person(en)
Ao.Univ.Prof. Dr. Christian Bernhard
Department Metallurgie
Themenfelder
  • Curriculagestaltung – Organisation
  • Internationalisation@home
  • Studieneingangs- und Orientierungsphase
  • Organisatorische Studierendenunterstützung
Fachbereiche
  • Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik/Ingenieurwissenschaften