Fachhochschule Wiener Neustadt GmbH
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Bildung der Spitze – Die Rolle der Diskutant*innen im Masterarbeitsseminar

Ziele/Motive/Ausgangslage

Ausgangslage:

Die Anforderungen an die Lehrenden bei der Konzeption des Masterseminars im Masterstudiengang Strategisches Sicherheitsmanagement sind äußerst vielfältig. Die Studierenden sind bereits erfahrene Führungskräfte (insbesondere Polizei; Bundesministerium für Inneres; Bundesministerium für Landesverteidigung; Bundesministerium für Verfassung, Reformen Deregulierung und Justiz) mit unterschiedlichsten persönlichen, beruflichen und akademischen Hintergründen.

Ziele:

Die Ziele dieser Lehrveranstaltung können daher als vierteilig beschrieben werden: Zunächst ist es zentral die Studierenden bei der Konzeption, Entwicklung und Umsetzung ihrer Masterarbeiten bestmöglich zu unterstützen. Zweitens sollen Synergien in Form von ähnlichen beruflichen oder akademischen Hintergründen zwischen den Studierenden ausgenutzt werden. Natürlich sollen alle Studierenden von der jeweiligen Einheit profitieren können und sich aktiv in die Lehrveranstaltung einbringen. Ein wichtiger Aspekt ist auch der Transfer des im Seminar erworbenen Wissens in die Praxis als Führungskraft.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

An der Fakultät Sicherheit studieren im Masterstudiengang Strategisches Sicherheitsmanagement hoch spezialisierte Experten (u.a. Jurist*innen, Polizeioffiziere, Offiziere des Bundesheeres). Dies stellt im Kontext des Masterseminars eine große Herausforderung für den die Lehrveranstaltungsleitung dar, genügend tief auf alle Themen eingehen zu können, ohne Fachexperte in den genannten Bereichen zu sein.

Aufbauend auf Erkenntnisse von diversen wissenschaftlichen Konferenzen (z.B. Österreichischen Gesellschaft für Psychologie) diskutiert dieser Beitrag den Mehrwert und die Rolle einer*s Diskutanten*in. Ein*e Diskutant*in ist ein studentischer Peer (aus dem Masterarbeitsseminar), der die Rolle einer*s Experten*in einnimmt, da die Person eine fachähnliche oder gleiche Ausbildung vorweisen kann. Zusätzlich erhält er im Zuge des Seminars die Aufgabe sich mit dem Thema des jeweiligen Vortagenden im Vorhinein genauer auseinanderzusetzen. Im Anschluss zur Präsentation der Masterarbeit obliegt dem*r Diskutanten*in dann der Auftrag spezifische Fragen zu stellen und potentielle schwächen des Konzepts auszuloten, die anderenfalls ohne das nötige Knowhow (z.B. juristische Knowhow) nicht in der gleichen Tiefe besprochen werden könnten.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

At the Faculty of Security, highly specialized experts (including lawyers, police lieutenants and lieutenants of the Federal Army) study in the master's program Strategic Security Management. In the context of the master seminar, this represents a major challenge for the course instructor for two reasons: the instructor is not an expert in the mentioned fields of research and second, has to provide in depth feedback to ensure scientific quality.

Building on the findings of various scientific conferences (e.g. Austrian Society for Psychology), this article discusses the added value and the role of a discussant. A discussant is a peer (from the master seminar) who takes on the role of an expert, since the person has a similar education or profession in context of the presented master thesis. Additionally, the discussants task is to prepare a feedback statement for one master’s thesis presentation. Following the presentation of the master's thesis, the discussant is responsible for asking specific questions and exploring potential weaknesses in the conceptual framework, which otherwise could not be discussed in the same depth without the necessary know-how (e.g. legal know-how).

Nähere Beschreibung des Projekts

Problemaufriss

Das Masterseminar im Masterstudiengang Strategisches Sicherheitsmanagement gehört zu den herausforderndsten Lehrveranstaltungen für die Lehrenden im Curriculum. Grundsätzlich sind die Zielgruppe des Studiums Personen mit Vorbildung im Bereich Sicherheit. Die Studierenden dieses Jahrgangs im Masterstudium Strategisches Sicherheitsmanagement sind jedoch ohne Ausnahme bereits aktiv mit Führungsaufgaben betraut und studieren berufsbegleitend. Die beruflichen Hintergründe sind vielfältig und reichen von Polizeioffizieren in unterschiedlichsten Bereichen über Führungskräfte der Justiz (z.B. Justizanstaltsleiter) bis hin zu Offizieren des Bundesheeres. Ebenso heterogen sind die akademischen Laufbahnen der Studierenden, unter ihnen befinden sich beispielsweise Doktor*innen der Rechtswissenschaften aber auch Absolvent*innen des Bachelorstudiums „Polizeiliche Führung“ oder Politikwissenschafter*innen.

Bei der Auswahl der Masterthemen bedienen sich die Studierenden spezifischen persönlichen Interessen oder lösen berufliche Fragestellungen auf wissenschaftlicher Basis. Das Masterseminar soll in weiterer Folge bei der Konzeption und Abfassung der Masterarbeit laufendunterstützen und alle Studierenden einbinden.

Theoretischer Hintergrund

Die Basiskompetenz der Wissenschaft, die im Rahmen des Seminars vermittelt werden sollen, bestehen - fächerübergreifend - unteranderem ausfolgenden Komponenten:

Quellenarbeit und Zitierweise, Theorie und Forschungsmethodik, Systematik und Nachvollziehbarkeit.

Das Konzept des Masterseminars ist klassischen wissenschaftlichen Kongressen nachempfunden, passt allerdings einige Ansätze spezifisch an den Kontext des Seminars an. Auf Kongressen ist es im Rahmen von Vorträgen üblich wissenschaftlichen Erkenntnisse zu präsentieren und diese dem Plenum zur Diskussion zu stellen, um Feedback für die eigne Forschung zu erhalten. Dies gilt für fertige Projekte aber auch für sogenannte „Work in Progress“ Präsentationen, die in weiterer Folge auch das weitere Vorgehen im Forschungsprozesses zur Diskussion stellen und/oder neuen Input generieren möchten. Zusätzlich gibt es auf einigen Kongressen sogenannte Diskutant*innen - zumeist erfahrene Forschende – die nach einer Reihe von Vorträgen kritisch zum Themenfeld Stellung beziehen oder junge Forschende in der weiteren Umsetzung ihrer Projekte mit Rat und Tat zur Seite stehen. Führungskräfte sind mit diesen Aufgaben im Berufsalltag ständig konfrontiert, bei Besprechungen und Teammeetings müssen sie sich auf Beiträge vorbereiten und die Arbeit ihrer Kolleg*innen und Untergebenen kritisch reflektieren.

Praktische Umsetzung:

Ziel in der Konzeption des Masterseminares war es diese Vorgehensweise aufzugreifen und sinnvoll im Seminar umzusetzen.

Zu Beginn des Seminars sollten sich alle Studierenden in einer kurzen Selbstpräsentation vorstellen und über ihren beruflichen und akademischen Hintergrund referieren. In weiterer Folge sollten die Studierenden einen kurzen Überblick über ihr geplantes Masterarbeitsprojekt geben.

Nachdem alle Studierenden ausreichend Informationen über ihre Kolleg*innen und deren Projekte hatten begann eine Zuteilungen der Studierende zu Teams á zwei Personen. Dieser Zuteilungsprozess wurde gemeinsam mit der LV Leitung und den Studierenden abgestimmt. Es wurde versucht eine größtmögliche Überschneidung zwischen beruflichen und akademischen Hintergrund auf der einen Seite und dem Masterarbeitsthema auf der anderen Seite zu finden. Damit hatte jede Masterarbeit einen studentischen Peer, der zugleich Fachexperte/in in diesem Gebiet war und die Aufgabe bekam diese Arbeit als Diskutant*in zu begleiten. Dazu ein reales Beispiel aus dem Seminar: Person X ist Jurist und arbeitet im Bereich Personalwesen eines Ministeriums, Person Y forscht zu einem Thema im Bereich Personalentwicklung. Person X wird Diskutant und studentischer Peer von Person Y im Rahmen des Masterseminars.

Die Aufgaben der Studierenden im Seminar lassen sich wie folgt darstellen:

1. Präsentation der eigenen Masterarbeit („Work in Progress“)

2. Begleitung einer Masterarbeit als Diskutant*in

3. Protokollierung einer Diskussionsrunde (Vortag des/der Diskutant*in und Plenumsdiskussion)

4. Aktive Teilnahme an den Plenumsdiskussionen

Den Diskutant*innen wurden folgende Aufgaben zugeteilt:

? In Absprache mit der zugeteilten Person: Lesen des Exposés und Einarbeitung in das Themenfeld der Masterarbeit. Insbesondere Lesen von Literatur zum Thema und kritische Überprüfung des Masterarbeitskonzepts.

? Vorbereitung eines zehnminütigen Statements im Anschluss an die Masterarbeitspräsentation, das insbesondere inhaltliche Aspekte aufgreift.

? Vortrag des Statements am Ende der Masterarbeitspräsentation (ca. 10 Minuten).

In weitere Folge wurde dann das ganze Plenum (alle Studierende des Seminars) eingeladen zusätzliches, konstruktives Feedback und Diskussionspunkte einzubringen. Dadurch konnte eine noch differenzierte Betrachtung der Themen ermöglicht werden und neue Blickwinkel auf die Arbeit generiert werden. Wichtig beim Plenum war es einen möglichst offenen Raum zum Austausch zu bieten, insofern hielt sich die LV-Leitung in dieser Phase mit eigenen Anmerkungen zurück. Darüber hinaus floss dieser Teil nicht in die Benotung ein um keine „erzwungenen“ Diskussionsbeiträge zu provozieren.

Am Ende analysierte die Lehrveranstaltungsleitung insbesondere noch methodische Aspekte des Konzepts und gab praktische Tipps für die Umsetzung in der Masterarbeit. Somit wurde sichergestellt, dass alle Aspekte inhaltlicher und methodischer Art zu jeder Masterarbeit ausreichend besprochen wurden.

Um sich ganz auf die Diskussion konzentrieren zu können wurde zu jedem Beitrag ein Studierender/ eine Studierende mit der Abfassung eines Protokolls beauftragt, das in Folge auf der E-learning-plattform EduNET allen zur Verfügung gestellt wurde und zur nachhaltigen Verwendung des Wissens beitrug.

Auszug aus der Lehrveranstaltungsbeschreibung:

Titel der Lehrveranstaltung: Masterarbeitsseminar

Eingabeverantwortliche(r): Matthias Alexander Burzler

Lehrveranstaltungsart: Seminar

Prüfungscharakter: Immanent

Semester: 3, ECTS: 3

Studiengang: Strategisches Sicherheits-Management (MSSM)

Lehrveranstaltungsziele:

Ziel des Masterseminars ist es Studierende auf ihrem Weg zur fertigen Masterarbeit zu unterstützen und zu begleiten. Dazu werden Aspekte der gesamten Arbeitsphase vertieft und Hilfestellungen durch Diskussionen, Literaturarbeit und theoretischen Hintergrund angeboten.

Inhalt:

Präsentation des aktuellen Stands der Masterarbeit mit zugehöriger Diskussion und Peer-Feedback. Zusätzlich Einarbeitung in das Masterthema eines Peers und Begleitung der Diskussion als Diskutant.

Darüber hinaus themenübergreifende (generelle) und themenunabhängige (anlassbezogene) fachliche Anregungen mit Diskussion dazu im Plenum (gruppenorientierter, kollegialer Austausch) sowie Hilfestellungen zum Arbeitsfortgang der Masterarbeit. Durch Protokollierung der Inhalte, Diskussionsbeiträge und Materialien der Seminareinheiten: Erstellung kumulativer Lehrressourcen sowie Seminar-Qualitätssicherungssystem.

Voraussetzungen:

Abgeschlossene Themenfindung und geklärte Betreuungsverhältnisse der Masterarbeit.

Zusammensetzung der Note:

- Präsentation der Masterarbeit (40 %)

- Gestaltung der Einhalt als Diskutant (40 %)

- Protokoll zu einer Diskussion (20 %)

Evaluierung

In persönlichen Feedbackgesprächen mit den Studierenden zum Masterseminar kamen unter anderem folgende Punkte auf:

- Der Austausch mit den Diskutant*innen zur Masterarbeit wurde als sehr positiv gewertet, da auch nach der jeweiligen Präsentation der/die Diskutant*in als Besprechungspartner zur Verfügung stand.

- Die Studierenden waren durch die Präsentation Ihres „Work in Progress“ dazu gezwungen schon früh eine nachvollziehbare Strukturierung ihrer Themen vorzunehmen, dies wurde als sehr hilfreich wahrgenommen.

- Insbesondere die Studierenden mit juristischem Hintergrund profitierten vom Überblick und der praktischen Anwendung der Forschungsmethoden, die in den Präsentationen dargestellt wurden.

- Die Studierenden lobten den hohen Bezug zum beruflichen Alltag, der insbesondere durch die Diskussionsbeiträge gegeben war.

- Studierende berichteten von neuen Blickwinkeln, die sie durch die Diskutant*innen auf Ihrer Masterarbeit bekamen.

- Manche Studierende empfanden das Niveau einzelner, spezifischer Diskussionen als zu hoch und konnten dem Verlauf nur schwer folgen. Dieser Aspekt wird in Zukunft dahingehend verbessert, in dem die Lehrveranstaltungsleitung darauf achtet den zugrundeliegenden Forschungsprozess des Problems nochmal für alle verständlich aufzubereiten.

- Manche Studierende beklagten den hohen Arbeitsaufwand zur Vorbereitung ihrer Rolle als Diskutant*innen, allerdings wurde diese Rolle auch immer als sehr wertvoll empfunden.

Die Lehrveranstaltung wird zusätzlich mit einem standardisierten Fragebogen der FHWN am Ende des Semesters von allen Studierenden evaluiert (aktuell noch ausständig).

Mehrwert

Didaktischer Mehrwert:
Die Konzeption der Lehrveranstaltung regt zum Aufbau nachhaltigen Wissens an, dass auch in Form einer zu erwartenden Qualitätssteigerung der Masterarbeit der Öffentlichkeit, der beruflichen Praxis und der Forschung zugutekommt.
Der Austausch zwischen den Studierenden wird durch diese Form der Lehrveranstaltungskonzeption gefördert und andauernde wissenschaftliche und berufliche Partnerschaften können so entstehen.
Ein reger Austausch mit lebendiger Feedbackkultur, sowohl unter den Studierend als auch gemeinsam mit der Lehrveranstaltungsleitung, konnte über die gesamte Dauer des Seminars aufrechterhalten werden.
Die Beschäftigung mit unterschiedlichsten Themen fördert den Forschungsgeist der Studierenden und erweitert den persönlichen Horizont.
Trotz der großen Heterogenität konnten alle Studierende durch diese Form der Lehrveranstaltungskonzeption profitieren und sich in wissenschaftlicher und beruflicher Hinsicht weiterentwickeln.
Wissenschaftlicher Mehrwert:
Im Rahmen der wissenschaftlichen Weiterentwicklung wurde eine Einreichung des Lehrveranstaltungskonzepts zum 3. Aktionstag Lehre der Fachhochschule Wiener Neustadt am 05. November 2019 vorbereitet und im Rahmen eines DisQSpaces vorgetragen. Somit wurde sichergestellt, dass das didaktische Konzept und generierte Wissen an andere LV-Leitungen weitergeben wurde.
Transfer:
Die Lehrveranstaltung generierte nachhaltiges Wissen, indem die alltäglichen beruflichen Anforderungen an Führungskräfte in der Konzeption des Seminars explizit berücksichtigt wurden. Hier kann insbesondere der Transfer von im Seminar erworbenen Fähigkeiten, sowohl auf wissenschaftlicher als auch auf kommunikativer Ebene, in den Berufsalltag hervorgehoben werden.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Das Konzept wurde im Anschluss an die Lehrveranstaltung evaluiert, auf Basis dieser Evaluierung wird das Konzept weiterentwickelt. Ziel ist eine langfristige Etablierung des Konzepts als Standard im Masterstudium Strategisches Sicherheitsmanagement.

Akzeptanz

Die Studierenden wurden direkt am Ende der Lehrveranstaltungen zu einem persönlichen Feedbackgespräch eingeladen. Die daraus resultierenden Ergebnisse sind im Punkt Evaluierung der Projektbeschreibung angeführt. Dies wird als positive Evidenz in Bezug auf das Konzept verstanden und der Lehrveranstaltungsleiter wurde auch persönlich in der Umsetzung des Konzepts bestärkt. Darüber hinaus wurde die an der FHWN übliche Lehrveranstaltungsevaluation in Form einer schriftlichen Befragung durchgeführt, die Ergebnisse dazu liegen jedoch aktuell noch nicht vor.

Aufwand

Zeitliche Kosten für die Recherche in Bezug auf die Durchführbarkeit und weiteren inhaltlichen Input (ca. 5 Stunden).
Zusätzliche Kosten sind nicht entstanden.

Positionierung des Lehrangebots

Master

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2020 nominiert.
Ars Docendi
2020
Kategorie: Qualitätsverbesserung von Lehre und Studierbarkeit
Ansprechperson
Matthias Alexander Burzler BSc, BSc, MSc
Masterstudiengang Strategisches Sicherheitsmanagement
+43 2622/89 084-608
Nominierte Person(en)
Matthias Alexander Burzler BSc, BSc, MSc
Masterstudiengang Strategisches Sicherheitsmanagement
Themenfelder
  • Berufsbegleitend Studieren
  • Didaktische Methode
  • Employability
  • Erfahrungslernen
  • Wissenschaftliche (Abschluss)Arbeiten
Fachbereiche
  • Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften