Studierendenzentriertes Lernen im digitalen Raum – der offene Lernansatz des Studiengangs Content Strategie

Ziele/Motive/Ausgangslage

Der Anspruch war es einen innovativen Lehr-/Lernansatz des webbasierten Lernens im Rahmen des Studiengangs Content-Strategie / Content Strategy in enger Verbindung mit einer weltweiten Community von Praktikerinnen und Praktikern zu entwickeln. Damit soll ein multidisziplinäres praktisches Wissen lehrbar gemacht werden. Content-Strategie ist ein systematischer Zugang um Online-Inhalte nutzbar und nützlich zu gestalten. Dadurch sollen die Ziele einer Organisation bzw. eines Unternehmens unterstützt werden. Um Studierenden mit Berufen in der Online-Kommunikation ein praxisnahes, effizientes und niveauvolles Studium zu ermöglichen, wurde von Anfang an auf eine Kombination von On- und Offline-Vermittlungselementen gesetzt.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Der Masterstudiengang Content-Strategie / Content Strategy hat einen innovativen didaktischen Ansatz entwickelt ein berufsbegleitendes Studium mit großen Online-Anteilen mit teils internationalen Studierenden durchzuführen. Die Studierenden haben einen an ihren individuellen Bedürfnissen ausgerichteten Lernraum zur Verfügung sowie internationale Lehrende, die sie auf ihrem Lernweg begleiten. Der in englischer Sprache durchgeführte Studiengang beschäftigt sich mit digitaler Kommunikation. Online-Einheiten und Präsenzunterricht werden als Einheit gedacht, wobei das Semester rein virtuell mit einer vierwöchigen Online-Sozialisation beginnt. Dabei werden Werkzeuge des agilen Online-Projektmanagements (z.B. Trello, Slack u.a.m.), die auch in der Berufswelt der Studierenden häufig anzutreffen sind, eingesetzt. Die Studierenden werden über die Lehrveranstaltungsevaluierungen hinaus kontinuierlich in unterschiedlichen Formaten um Feedback gebeten und an der Konzeption mitbeteiligt. Das didaktische Design des Studiums beruht auf den Prinzipien des Konnektivismus (George Siemens, Stephen Downes) – Offenheit, Autonomie, Diversität und Interaktivität/Netzwerk –, sowie auf Gilly Salmons Modell für Online-Lerngruppen, auf dem Ansatz des Reflective Practitioners (Donald A. Schön) sowie dem Ansatz der Community of Practice (Etienne Wenger).

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

The master's degree program Content Strategy / Content Strategy has developed an innovative didactic approach to conduct a part-time study program with a large online portion including international students. Students have a learning space at their disposal that is tailored to their individual needs and also international teachers who accompany them on their learning path. The course of study, which is conducted in English, deals with digital communication. Online units and face-to-face teaching are conceived as a unit, whereby the semester begins purely virtually with a four-week online socialisation. Tools of agile online project management (e.g. Trello, Slack, etc.), which are also frequently encountered in the professional world of students, are implemented. In addition to the course evaluations, students are continuously asked for feedback in various formats and are involved in the conception. The didactic design of the course is based on the principles of connectivism (George Siemens, Stephen Downes) - openness, autonomy, diversity and interactivity/networking - as well as on Gilly Salmon's model for online learning groups, the reflective practitioner approach (Donald A. Schön) and the community of practice approach (Etienne Wenger).

Nähere Beschreibung des Projekts

Der in englischer Sprache durchgeführte Studiengang “Content-Strategie / Content Strategy” beschäftigt sich nicht nur inhaltlich mit digitaler Kommunikation, sondern setzt mit seinem innovativen E-Learning-Schwerpunkt auch ganz bewusst darauf ein Online-Studiengang zu sein – mit Verankerung an der Hochschule und mit Berücksichtigung der sozialen Aspekte des Lernens. Die gesamte Studienarchitektur orientiert sich an den Bedürfnissen von berufstätigen Studierenden und bietet ihnen die Möglichkeit, ein aktiver Teil des internationalen Content-Strategie-Netzwerks zu werden.

 

Das Studium ist mit seinen Präsenz- und Online-Phasen so organisiert und didaktisch aufbereitet, dass auch Studierende mit Wohnort im Ausland daran teilnehmen können. Tatsächlich besitzen mehr als 20 % der Studierenden einen internationalen Hintergrund.

Die Präsenzphasen machen tatsächlich nur rund ein Drittel der Unterrichtszeit aus. Der Rest sind Online-Einheiten, bei denen gemeinsame Online-Lernprozesse und gruppenbasiertes bzw. individuelles Coaching der Studierenden im Fokus stehen. Die Möglichkeiten der digitalen Transformation werden auf diese Weise in den Studienalltag integriert ebenso wie die Herausforderungen gemeinsam reflektiert werden. Integrierte digitale Kommunikation bedeutet hierbei, dass von Beginn an die Online-Kollaboration der Studierenden gefördert wird. Online-Einheiten und Präsenzunterricht werden als Einheit gedacht, wobei das Semester rein virtuell mit einer vierwöchigen Online-Sozialisation beginnt. Diese Herangehensweise bildet sich auch in der Organisation des Studiums ab, wo bewusst Werkzeuge des agilen Online-Projektmanagements (z.B. Trello, Slack u.a.m.), die auch in der Berufswelt der Studierenden häufig anzutreffen sind, eingesetzt werden.

 

Das didaktische Konzept unterstützt den Einsatz digitaler Medien für erfolgreiche Online-Lernprozesse. Die Präsenzlehre wird also nicht 1:1 in den virtuellen Raum verlagert, sondern an die Bedürfnisse der Studierenden angepasst. Lerneinheiten sind in “Tasks” (orientiert an Salmon 2013) unterteilt, die zwar von einer Lehrperson angeleitet werden, jedoch anschließend einzeln bzw. in Gruppen, entweder synchron (zeitgleich) oder asynchron innerhalb eines vorgegebenen Zeitraums erledigt werden können. Dies erleichtert den Wissenserwerb für berufstätige Studierende. Semesterübergreifende Projekte mit Partnern aus der Praxis, in denen mehrere Lehrveranstaltungen eingebunden sind, fördern gesamtheitliches Denken und die Entstehung fächerübergreifender Kompetenzen.

 

Die Darstellung vom Workload stellt bei berufsbegleitenden Studiengängen – zumal mit einer Vielzahl asynchroner Tasks – eine besondere Herausforderung dar. Auch dies wird mittels innovativer Tools gelöst, sodass die Studierenden den wöchentlichen Workload, den sie zu bewältigen haben, inkl. der Beschreibung der Aufgabe, in der Software Trello abgebildet sehen.

 

Zur Studiengangskultur gehört es auch, dass Lernergebnisse öffentlich als Open Educational Resources (OER) dargestellt und somit teilbar sind. Da alle Studierenden berufstätig sind, dient dies auch dazu das eigene Kompetenzprofil sowie die eigene Darstellung als Wissensträger/in zu verbessern. Dies wird durch den studiengangseigenen OER-Blog ermöglicht, auf dem sowohl Studierende als auch Lehrende publizieren können. Durch diese Maßnahmen sowie durch weitere Aktivitäten (z.B. Facebook-Gruppe “Content Strategy Austria”) entsteht eine Community of Practice, die weit über das Studienende hinaus noch immer aktiv ist.

 

Im Studiengang “Content-Strategie / Content Strategy” etablieren wir einen an den individuellen Bedürfnissen der berufstätigen, teils internationalen Studierenden ausgerichteten Lernraum. Es werden Tools eingesetzt, die in der beruflichen Praxis der Kommunikationsbranche eine Rolle spielen, etwa die Instant Messaging Plattform Slack, die web-basierte Projektmanagementsoftware Trello und das Videokonferenzsystem Zoom. Die Wahl fiel bewusst nicht auf ein klassisches Learning Management System (z.B. Moodle), sondern auf modular organisierte digitale Services, die bei Bedarf auch individuell ausgetauscht werden können. Die ersten vier Wochen des Studiums verlaufen online mit zwei Zielen.

 

(1) Mit Unterstützung einer Online-Moderatorin bildet sich eine Online-Gruppe, die im Lauf des weiteren Studiums online gemeinsam lernt, an Projekten arbeitet, Erfahrungen aus dem eigenen Berufsalltag in die Gruppe einbringt.

 

(2) Vier Wochen lang haben die Studierenden Zeit mit den Tools vertraut zu werden. Manche haben noch nie mit den Tools gearbeitet, andere setzen sich mit deren spezifischer Nutzung im Studiengang auseinander.

 

Da ein Großteil der Lehre online verläuft, sind die Studierenden herausgefordert, sich im Online-Raum zu orientieren, effizient und effektiv untereinander und mit den Lehrenden zu kommunizieren, sowie die technische Infrastruktur auf unterschiedlichen Wegen zu nutzen. Kommt ein Student oder eine Studentin gerade von der Arbeit, ist die mobile Teilnahme an einer Videokonferenz adäquat, müssen Projektfortschritte präsentiert werden, übernehmen die Studierenden die Steuerung der Videokonferenz.

 

Da Gruppenarbeiten den Großteil der Aufgaben im Studiengang bilden, erlernen und üben die Studierenden miteinander online zu kooperieren. Die Vernetzung mit der internationalen Community of Practice der Content-Strategie (siehe E. Wenger 1998) ist eine wichtige Komponente des Studiums und auch ein wesentliches Ergebnis im Sinne des konnektivistischen Ansatzes (nach G. Siemens 2005 und S. Downes 2012).

 

Die Studierenden lernen gemeinsam im Netzwerk und stellen ihr Wissen anderen online zur Verfügung – in öffentlichen Portfolios, in regelmäßig durchgeführten BarCamps und auf der Open Educational Resources Plattform des Studiengangs.

 

Eine Unterrichtswoche des zweiten Semesters findet in London statt und beinhaltet Besuche bei namhaften Unternehmen der Web-Branche, die Content Strateg/inn/en beschäftigen, wie etwa Facebook.

 

Die beteiligten Personen an der Konzeptionierung sind:

Robert Gutounig, Studiengangsleiter, ist verantwortlich für die inhaltliche Ausrichtung des Studiengangs. Kontinuierlich informiert er sich in seinen Netzwerken über neueste Aspekte der Content-Strategie, entwickelt mit anderen Content-Strateg/inn/en die Disziplin weiter. Auf dieser Basis erfolgte eine Änderung des Studienplans, die dzt. in Begutachtung ist.

 

Jutta Pauschenwein, Leiterin des ZML-Innovative Lernszenarien, bringt ihre Erfahrungen mit der Online-Lehre in den Studiengang ein. Sie ist für die Didaktik im Studiengang verantwortlich, macht die Studierenden fit für die Online-Lerngruppe, trainiert die Lehrenden, und unterstützt die öffentlichen Studierenden-Portfolios.

 

Heinz Wittenbrink, hat den Studiengang begründet und über mehrere Jahre weiterentwickelt. Durch Impulse aus dem Bereich der Web Literacy entstand so die für den Studiengang typische Kombination aus Inhaltsvermittlung & Praxis, verbunden über Kommunikation mit webbasierten Tools.

Mehrwert

Das Konzept für den Studiengang Content-Strategie / Content Strategy kann als Good Practice für die Entwicklung bzw. Weiterentwicklung von berufsbegleitenden Studiengängen an der FH JOANNEUM gesehen werden. Die im gegenständlichen Projekt aufgebaute Expertise steht vor allem über die Organisationseinheit ZML - Innovative Lernszenarien anderen Studiengängen der FH JOANNEUM offen. Weiters werden die Learnings aus dem Projekt auch in internen Arbeitsgruppen (z.B. “Disruptive Innovation in Higher Education”) bzw. internen Vernetzungsveranstaltungen geteilt. Die gesammelten Erfahrungen wurden teilweise auch publiziert (Gutounig, Goldgruber, Dennerlein & Schweiger 2016; Gutounig 2018; Lerch, Dennerlein, Gutounig & Rauter 2020; Wittenbrink & Pauschenwein 2019; Pauschenwein 2019) bzw. auf Konferenzen vorgestellt (z.B. 18. E-Learning-Tag 2019, Pauschenwein 2016). Von der praxisnahen Konzeption des Studiengangs haben bereits zahlreiche Unternehmen bzw. Organisationen profitiert, entweder über die Umsetzung innovativer Content Strategien bzw. durch die Ausbildung über den Wissenstransfer in die eigenen Organisationen. Zudem haben Absolvent/inn/en des Studiengangs auch bereits an contentstrategischen Ausbildungsprogrammen (z.B. Wifi) mitgewirkt. Ausgehend von Inhalten des Studiengangs wird derzeit ein Zertifikatsprogramm für das Bildungsnetzwerk Steiermark zum Thema “Digitalisierung der Erwachsenenbildung” umgesetzt.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Ja. Das Konzept kann im Wesentlichen für andere berufsbegleitende Studien- und Lehrgänge verwendet werden.

Akzeptanz

Eine 2019 durchgeführte Bedarfs- und Akzeptanzanalyse unter den Absolvent/inn/en ergab, dass insgesamt 92% der Befragten sich nochmals für das Studium „Content-Strategie/Content Strategy“ entscheiden würden, 94% würden es weiterempfehlen.

Aufwand

Die Initiative wurde im Rahmen des Studiengangsbudgets umgesetzt, verlangt aber von allen Beteiligten einen erhöhten Kommunikationsaufwand sowie zusätzliches Engagement über die Arbeitszeit hinaus.

Positionierung des Lehrangebots

Master

Links zu der/den Projektmitarbeiter/innen
Links zu Social Media-Kanälen
Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2020 nominiert.
Ars Docendi
2020
Kategorie: Digitale Transformation in der Lehre
Ansprechperson
Mag. Dr. Robert Gutounig
Studiengang Content-Strategie / Content Strategy
+43 316 5453 8679
Nominierte Person(en)
Mag. Dr. Robert Gutounig
Studiengang Content-Strategie / Content Strategy
Mag. Dr. Jutta Pauschenwein
ZML – Innovative Lernszenarien
Themenfelder
  • Berufsbegleitend Studieren
  • Didaktische Methode
  • Erfahrungslernen
  • Neue Medien
Fachbereiche
  • Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik/Ingenieurwissenschaften
  • Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften
  • Kunst, Musik und Gestaltung