Zuletzt aktualisiert am 10.02.2025
Vergleichende Politische Ökonomie, Seminar
Projektname des bereits eingereichten Projekts:
Ars Docendi Kategorie
Lernergebnisorientierte Prüfungskultur und deren Verankerung in der Lehrveranstaltung
Gruppengröße
< 20
Kurzzusammenfassung des Projekts
Die Analyse der „Vergleichenden Politischen Ökonomie“ beginnt mit der Beobachtung, dass politische Entscheidungen in der realen Welt nicht von einem sozialen Wohlfahrtsoptimierer – einer ‚guten’ Regierung – getroffen werden. Vielmehr basieren politische Entscheidungen typischerweise auf einem politischen Mechanismus, der konkurrierende Interessen und Zielvorstellungen aufnimmt und gelegentlich auch ausgleicht. Die grundlegende Annahme der politischen Ökonomie lautet, dass eben nicht nur Wohlfahrtsgewinne sondern vor allem auch Verteilungskonflikte das politische Alltagsgeschäft prägen. Diese Verteilungskonflikte werden im Seminar anhand von verschiedenen Themenbereichen, wie Besteuerung, Wohlfahrtsstaatsausgaben, Migration und Globalisierung diskutiert.
Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache
This course provides an introduction to comparative political economy. Political economy studies the relationships between states and markets in open economies. It reviews central topics of comparative political economy (welfare state spending, international trade, multinational corporations, finance, development,…) and introduces some of its theoretical approaches. Furthermore, the course looks at the concept of globalization and its economic, social, and environmental dimensions. Finally, the course has a special focus on applied methods and discusses the correct implementation of the respective methods in the course readings as well as its advantages and disadvantages.
Nähere Beschreibung des Projekts
Das Ziel dieses Seminars ist es zum einen die Studierenden in die Thematik der „Vergleichenden Politischen Ökonomie“ einzuführen. Zum anderen ist dieses Seminar ein Experiment, um Studierenden die Kompetenz der Moderations- bzw. Diskussionsleitung näherzubringen und Ihnen somit ein aktives Lernen zu ermöglichen. Beide Aspekte werden im Nachfolgenden näher erläutert.
Inhalt des Seminars: Inhaltich beschäftigt sich das Seminar, wie oben schon kurz beschrieben, mit den wichtigsten Themengebieten im Bereich der vergleichenden politischen Ökonomie. Im Besonderen sind dies die Handels-, Finanz- und Steuerpolitik, die Migration sowie der Wohlfahrtsstaat. So gehen wir in diesem Seminar beispielsweise der Frage nach, ob durch die Zunahme des globalen Wettbewerbs es zu einem Druck auf Staaten kommt, die Steuern für Firmen zu senken oder wie gut der Wohlfahrtsstaat Menschen vor den Risiken der Globalisierung schützen kann oder ob Arbeitnehmerstandards durch eine Zunahme von internationalem Handel und Investitionen absinken oder vielleicht sogar verstärkt werden.
Kompetenzerweiterung im Bereich Moderation- und Diskussionsleitung: Häufig sind wir in den Sozialwissenschaften mit der Situation konfrontiert, dass wir unseren Studierenden nicht nur inhaltliche Kompetenzen vermitteln wollen, sondern auch Kompetenzen im Bereich der Präsentation und Moderation sowie Kompetenzen die die Bereiche der Anwendung und Analyse betreffen. Im Sinne des constructive alignments (Seidel und Krapp 2014) habe ich daher versucht das Seminar derart zu gestalten, dass diese zusätzlichen Kompetenzen im Vordergrund stehen und nicht, wie sonst häufig, ein reines Nebenprodukt sind. Somit ist das Hauptziel dieses Projektes, möglichst viel Eigenverantwortung, was die Moderation und Präsentation in diesem Seminar angeht, an die Studierenden zu übertragen, um deren Präsentations- sowie Moderationskompetenz aber auch deren Kompetenz im Bereich der Anwendung und Analyse tatsächlich zu fördern.
Im Besonderen, ist den einzelnen Sitzungen jeweils eine Pflichtlektüre zugewiesen, welche aus aktuellen Forschungsarbeiten zum jeweiligen Thema besteht. Um diese wöchentliche Lektüre für die Studierenden nicht nur verständlich zu machen, sondern ihnen eine kritische Auseinandersetzung damit zu ermöglichen und vor allem, um ihre Kompetenzen im Bereich der Moderation zu fördern, war es die Aufgabe der Studierenden, jeweils eine halbe Sitzung einer Einheit als Moderations- bzw. Diskussionsleitung zu übernehmen. Dies bedeutet, dass jeweils die zweite Hälfte eines jeden Seminars von den Studierenden selbst organisiert wird inklusive der Vorbereitung von Diskussionsfragen zur jeweiligen Lektüre sowie der Moderation dieses zweiten Teils der Sitzung. Die einzige „Vorschrift“ besteht darin, dass es keine reine Präsentation sein darf, sondern eine interaktive Sitzung gestaltet werden muss. Dadurch liegt die Verantwortung für die Moderation sowie für die Diskussionsleitung bei den jeweiligen Studierenden. Die Prüfungsrelevanz dieses Aspekts ergibt sich nicht nur daraus, wie umfassend und inhaltlich korrekt die Studierenden das Material vorbereitet haben, sondern auch welche Methoden zur Moderations- und Diskussionsleitung verwendet werden, mit einer expliziten Aufforderung bzw. Belohnung für kreative und risiko-bereite Ansätze.
Durch die interaktiv gestaltete zweite Hälfte des Seminars, sollten die Lernziele in Bezug auf Anwendung und Analyse erreicht werden. Diese Lernziele waren folgendermaßen formuliert: - die Studierenden können diese theoretischen Ansätze auf unterschiedliche Problembereiche, beispielsweise Handel oder Migration, anwenden und können die Stärken und Schwächen des jeweiligen theoretischen Ansatzes beurteilen.
- Studierende können interessante und innovative Fragestellungen in diesem Bereich erkennen und die diesbezügliche Forschung nachvollziehen sowie die Vor- und Nachteile, der in der Lektüre verwendeten Methoden, beurteilen.
Natürlich besteht ein gewisses Risiko darin, dass die Verantwortung für diesen zweiten Teil bei den Studierenden lag. Es kann natürlich sein, dass dieser Anwendungs- und Analyseteil nicht bzw. nur teilweise funktioniert. Ich habe dieses Risiko versucht zu minimieren, indem die Studierenden jeweils einige Tage vor dem jeweiligen Termin mit mir ihr Konzept abgesprochen haben. Durch diesen Schritt sollte nicht die Kreativität eingeschränkt, sondern lediglich sichergestellt werden, dass die Lernziele in Bezug auf Anwendung und Analyse auch erreicht werden konnten.
Durch die speziellen Anforderungen des Seminars kamen überaus tolle Stunden zustande: die Studierenden haben Parlamentssitzungen nachstellen lassen, eine Podiumsdiskussion veranstaltet, das Weltcafé umgesetzt oder auch Policy-Briefs für Politikverantwortliche schreiben lassen. So kam es nicht nur zu einer Vielzahl an unterschiedlichen Lernmethoden im Seminar, welche für alle Studierende von großer Bereicherung waren. Sondern vor allem für die Studierenden, die für die jeweilige Sitzung verantwortlich waren, war der Lernerfolg enorm: Sie mussten sich so gut mit dem Inhalt auseinandersetzen, dass sie einen Teil der Stunde moderieren konnten. Sie mussten Verantwortung für ihre Mitstudierenden übernehmen sowie sich nicht nur inhaltlich sondern auch (lern-)methodisch mit dem Unterrichtsstoff auseinandersetzen. Dieses Vorgehen hat, in meinen Augen, nicht nur die kritische inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema stark gefördert, sondern auch die Eigenverantwortung sowie Sozialkompetenz der Studierenden erweitert und eine kreative Atmosphäre, welche in unserem Studium gelegentlich zu kurz kommt, entstehen lassen. Alles in allem hat dieses Vorgehen meiner Einschätzung nach nicht nur den Studierenden sondern auch mir großen Spaß gemacht.
Seidel, T. & Krapp, A. (Hrsg.) (2014). Pädagogische Psychologie (6. Aufl.). Weinheim: Beltz.
Akzeptanz und Resonanz
Die Evaluierungsergebnisse für dieses Seminar waren hervorragend (6.8 von 7). Zudem wurde ich aufgrund dieses Seminars von den Studierenden dieses Seminar für den Lehrpreis der Universität Salzburg vorgeschlagen und habe diesen dann auch gewonnen. Ich denke somit ist die Akzeptanz wirklich sehr stark gegeben.
Nutzen und Mehrwert
Tatsächlich ergibt sich durch das Projekt nicht wirklich eine Zeitersparnis, auch wenn die Studierenden selbst für einen Teil der Stunden verantwortlich sind. Allerdings ergibt sich meiner Meinung nach ein großer Mehrwert im Sinne des Kompetenzerwerbs aber auch im Sinne von einer gesteigerten Interaktivität und einem gestärkten Gefühl des Zusammenhalts im Seminar.