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Zuletzt aktualisiert am 30.05.2025

Umweltchemie interaktiv: Biologisch abbaubare Chemikalien im Fokus

Bei dem Projekt handelt es sich um ein neues Projekt / eine wiederholte Einreichung

Ars Docendi Kriterien

  • Innovative Hochschuldidaktik
  • Studierenden- und Kompetenzorientierung
  • Partizipation und Mitgestaltung

Gruppengröße

< 20

Anreißer (Teaser)

Bioabbaubare Chemikalien und Nachhaltigkeit: Dieses Lehrprojekt kombiniert interaktive Lehre mit eigenständigem Arbeiten und fördert kritisches Denken und Dialogfähigkeit – für berufliche Wege in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft.

Kurzzusammenfassung des Projekts

Biologisch abbaubare Chemikalien können ein zentraler Baustein nachhaltiger Lösungen sein, doch ihre Bewertung erfordert ein fundiertes Verständnis chemischer und biologischer Prozesse. Die Lehrveranstaltung „Towards Zero Pollution: Environmental Biotransformation of Organic Chemicals“ an der Universität Wien bereitet Masterstudierende gezielt darauf vor.

Im ersten Teil erwerben die Studierenden in Vorlesungen und begleitenden Übungen die benötigten Grundlagen in Chemie, Biologie und Umweltwissenschaften. Darauf aufbauend bildet die Analyse aktueller wissenschaftlicher Publikationen im Journal Club das Herzstück des Kurses. In Kleingruppen wählen die Studierenden relevante Fachartikel aus, reflektieren Stärken und Schwächen der Studien und moderieren eine vertiefte Peer-Diskussion. Zum Abschluss verfassen die Studierenden ein schriftliches Gutachten zu einer gegebenen Publikation. Zusammen stärken diese Aufgaben die Kompetenz, sich kritisch mit Fachartikeln und dem Begutachtungsprozess wissenschaftlicher Arbeiten auseinanderzusetzen. Durch einen interaktiven und partizipativen Prozess fördert die Lehrveranstaltung kritisches Denken, sowie mündliche und schriftliche Kommunikationsfähigkeiten.

Die Kombination aus Teamarbeit, eigenständigem Lernen und strukturierter Reflexion ermöglicht es den Studierenden, essenzielle Kompetenzen für Karrieren in Forschung, Lehre, Industrie und Regulierung zu entwickeln.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

Biodegradable chemicals can be a key component of sustainable solutions, but their assessment requires a solid understanding of chemical and biological processes. The course “Towards Zero Pollution: Environmental Biotransformation of Organic Chemicals” at the University of Vienna prepares Master's students for this challenge.

In the first part, students acquire essential knowledge in chemistry, biology, and environmental sciences through lectures and accompanying exercises. Building on this foundation, the analysis of current scientific publications in a journal club format forms the core of the course. In small groups, students select relevant research articles, critically evaluate their strengths and weaknesses, and moderate an in-depth peer discussion. At the end of the course, students write a structured mock peer review of a given publication. Together, these tasks enhance students’ ability to critically engage with scientific literature and the peer review process. Through an interactive and participatory approach, the course fosters critical thinking as well as oral and written communication skills.

The combination of teamwork, independent learning, and structured reflection enables students to develop essential competencies for careers in research, education, industry, and regulation.

Nähere Beschreibung des Projekts

Biologisch abbaubare Chemikalien werden zunehmend als nachhaltige Alternativen zu herkömmlich genutzten Chemikalien diskutiert und gewinnen an Bedeutung in der Nachhaltigkeitsdebatte und Umweltforschung. Die Bewertung der Potenziale und Grenzen biologisch abbaubarer Chemikalien erfordert ein tiefgehendes Verständnis biologischer und chemischer Prozesse in relevanten Umweltsystemen. Eine fundierte Ausbildung in diesem Bereich ist essenziell, um Studierende als zukünftige Fachkräfte in Forschung, Industrie und Regulierung optimal vorzubereiten.

Vor diesem Hintergrund wurde 2023 das Wahlmodul "Towards Zero Pollution: Environmental Biotransformation of Organic Chemicals" im Masterstudienprogramm Environmental Systems der Universität Wien eingeführt. Die Lehrveranstaltung richtet sich primär an Studierende ab dem dritten Mastersemester und vermittelt wissenschaftliche Methoden zur Analyse und Bewertung des biologischen Abbaus organischer Chemikalien. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der kritischen Auseinandersetzung mit Fachliteratur, der systematischen Bewertung experimenteller Daten und der präzisen Kommunikation wissenschaftlicher Erkenntnisse, sowohl mündlich als auch schriftlich. Durch diese Schwerpunkte werden essenzielle Kompetenzen gefördert, die es den Studierenden ermöglichen, sich kritisch und differenziert mit dem Thema auseinanderzusetzen und ihre Expertise sowohl in der akademischen Forschung als auch in der Lehre, der Industrie oder in Bereichen der chemischen Regulierung einzusetzen.

In der ersten Hälfte des Semesterkurses werden grundlegende Konzepte zur biologischen Umsetzung organischer Verbindungen und relevanten Techniken aus der chemischen und biologischen Analytik vermittelt. Vorlesungseinheiten in Präsenz, die mit Lernaktivitäten angereichert sind, bieten das theoretische Fundament. Begleitend vertiefen die Studierenden durch die Bearbeitung von Übungen im Selbststudium das Verständnis und trainieren die Anwendung wissenschaftlicher Methoden. Die Studierenden erhalten auf ihre schriftlichen Lösungen dieser Übungen sowohl schriftliches Feedback (individuell) als auch mündliches Feedback (im Plenum). Das gemeinsame Besprechen der Ergebnisse fördert die Reflexion, die Dialogfähigkeit und das sichere Durchdringen der wichtigsten Konzepte und Methoden durch alle Studierenden.

Ein zentraler Bestandteil der Lehrveranstaltung ist die Analyse aktueller wissenschaftlicher Publikationen in einem Journal Club-Format in der zweiten Hälfte des Semesterkurses. Die Studierenden arbeiten in Kleingruppen (bisher jeweils 2-3 Studierende pro Gruppe) und wählen selbst Fachartikel zu einem gegebenen, und zur Lehrveranstaltung passenden, Thema aus, die sie inhaltlich aufbereiten und kritisch hinterfragen. Die Lehrperson bespricht die Auswahl der Fachartikel mit den Studierenden und bietet an, zusätzliche oder alternative Fachartikel vorzuschlagen. Studierende moderieren die Präsentationen und die anschließende kritische Diskussion der Fachartikel (mit Schwerpunkt auf Stärken und Schwächen der Studien), wodurch sie ihre Fähigkeit zur strukturierten wissenschaftlichen Argumentation und Gesprächsführung vertiefen. Dieser Prozess stärkt nicht nur die Dialogfähigkeit, sondern auch die Teamfähigkeit, da die Kleingruppen gemeinsam ihre Argumente erarbeiten und die Moderation aufteilen. Die Lehrperson hält sich bei Moderation und Diskussion bewusst zurück, stellt aber gleichzeitig sicher, dass die wissenschaftlichen Fakten korrekt sind und steht jederzeit für technische Fragen und Ergänzungen zur Verfügung. Zudem gibt die Lehrperson gezieltes Feedback zur inhaltlichen Analyse sowie zur Moderations- und Präsentationstechnik. Dieses Feedback geschieht einerseits durch ein im Vornhinein besprochenes schriftliches Bewertungsraster für jede Gruppe, andererseits mündlich im Plenum – wo auch Peer-Feedback ausdrücklich gefördert wird. 

Zum Abschluss des Kurses verfassen die Studierenden individuell ein schriftliches Gutachten einer aktuellen Publikation ("Mock Peer-Reviewing"). Diese Aufgabe stärkt die Kompetenz, wissenschaftliche Ergebnisse präzise zu bewerten, Argumente schlüssig zu formulieren und sich mit dem Begutachtungsprozess wissenschaftlicher Arbeiten auseinanderzusetzen. Die Verbindung von mündlicher und schriftlicher Auseinandersetzung mit Fachliteratur unterstützt gezielt die Entwicklung zentraler wissenschaftlicher Kompetenzen. Ein weiterer wichtiger Aspekt des Kurses ist zudem die explizite Thematisierung des wissenschaftlichen Publikationsprozesses. Die Lehrperson erläutert im Vorlesungsteil, welche Schritte ein wissenschaftlicher Artikel durchläuft – von der Einreichung bis zur Veröffentlichung – und beleuchtet mögliche Limitationen dieses Prozesses. Diese Diskussion hat sich als essenzielle Grundlage für eine kritische Auseinandersetzung der Studierenden mit Primärliteratur herausgestellt.

Die Lehrveranstaltung berücksichtigt unterschiedliche Bildungsbiografien und interdisziplinäre Zugänge. Studierende mit chemischem, biologischem, umweltwissenschaftlichem oder verwandtem Hintergrund können ihre individuellen Perspektiven einbringen, was zu einer vielseitigen Diskussion beiträgt. Die Kombination aus Wissensaneignung und direkter Anwendung erlaubt eine differenzierte Vertiefung je nach Vorwissen. Ein wichtiges Prinzip des Lehrprojekts ist es, basierend auf dem Konzept Bildung für Nachhaltigkeit, den Studierenden im Verlaufe der Veranstaltung ausreichend Zeit für Reflexion zu geben und somit ein tiefes und dauerhaftes Lernen zu ermöglichen. Die aktive Rolle der Studierenden bei der Auswahl und Präsentation wissenschaftlicher Literatur fördert zudem ihre Reflexionsfähigkeit und ihre Fähigkeiten in Literaturrecherche. Durch die partizipative Gestaltung des Kurses, bei der Studierende aktiv in die Auswahl von Inhalten eingebunden sind und durch ihre Moderation Verantwortung übernehmen, wird ein hohes Maß an Eigenständigkeit und Eigenverantwortung gefördert.

Seit der Einführung der Lehrveranstaltung zeigen Lehrveranstaltungsevaluierungen eine hohe Zufriedenheit der Studierenden. Studierende erzielten zudem einen deutlichen Kompetenzzuwachs – sowohl in der kritischen Auseinandersetzung mit Fachliteratur, als auch in inhaltlichen Fragen um biologisch abbaubare Chemikalien. Die Struktur der Lehrveranstaltung ermöglicht eine kontinuierliche Anpassung an aktuelle wissenschaftliche Entwicklungen, z.B. neue Publikationen, Methoden und Erkenntnisse, sowie an das Feedback der Teilnehmenden. Durch die Verbindung von methodischer Einführung, analytischem Denken, Teamarbeit und kommunikativer Praxis stellt die Lehrveranstaltung, welche jährlich angeboten wird, eine fundierte Vorbereitung auf wissenschaftliche und forschungsnahe Berufsfelder dar.

Akzeptanz und Resonanz

Studierende schätzen die Lehrveranstaltung sehr. Dies zeigen alle Lehrveranstaltungs-Evaluierungen seit der Einführung des Kurses im Wintersemester 2023/24. In der ersten Durchführung erzielte der Kurs eine Gesamtnote von 1.2 (Skala 1.0 - 5.0). Besonders hervorgehoben wurden die ausgewogene Vermittlung verschiedener wissenschaftlicher Kompetenzen – von der kritischen Analyse wissenschaftlicher Literatur über Präsentationstechniken bis hin zum wissenschaftlichen Schreiben – sowie die praxisnahe Auseinandersetzung mit Forschungsansätzen. In einer mündlichen Feedbackrunde meldeten die Studierenden zurück, dass sie die Vermittlung der Lehrinhalte besonders motivierte. Basierend auf studentischen Anregungen zur Weiterentwicklung der Lehrveranstaltung hat die Lehrperson die Einführungsvorlesungen vertieft und die dazugehörigen Übungsaufgaben erweitert. Zudem hat die Lehrperson ausgelöst von Feedback mehr Zeit für die Abschlussaufgabe zur Verfügung gestellt, um den Studierenden eine noch tiefere Auseinandersetzung mit den Inhalten zu ermöglichen.

Im Wintersemester 2024/25 erreichte die Lehrveranstaltung in der Evaluation durch die Studierende sogar die Maximalnote 1.0, was die hohe Akzeptanz und Wirksamkeit des Lehrkonzepts weiter unterstreicht. Besonders hervorgehoben wurde das Gleichgewicht zwischen theoretischen Grundlagen und der kritischen Diskussion realer wissenschaftlicher Publikationen sowie die Berücksichtigung praktischer Aspekte, die für die Weiterentwicklung der Studierenden relevant sind. Die Studierenden schätzten auch eine neu eingeführte offene Diskussionsrunde zu Möglichkeiten und Limitierungen generativer KI in der Lehrveranstaltung und in der Wissenschaft generell als wertvolle Ergänzung. Ein Studierender beschrieb den Kurs sogar als „perfekt“.

Nutzen und Mehrwert

Dieses Lehrprojekt hebt sich durch seinen interaktiven und forschungsorientierten Ansatz von klassischen Vorlesungen ab. Durch die Kombination aus strukturierter Wissensvermittlung, kritischer Analyse wissenschaftlicher Publikationen und partizipativer Diskussion erwerben Studierende essenzielle Kompetenzen für vielseitige Karrierewege.

Konkret verbindet die Lehrveranstaltung interaktive Lehre mit eigenständigem Arbeiten und praxisnaher Reflexion. Der Journal Club als zentrales Element fördert kritisches Denken, Teamarbeit und wissenschaftliche Kommunikationsfähigkeiten. Studierende wählen Fachartikel eigenständig aus, reflektieren Stärken und Schwächen und moderieren Peer-Diskussionen. Die abschließende schriftliche Begutachtung stärkt analytisches Denken und Argumentation. Flexibilität und Eigenverantwortung spielen eine zentrale Rolle: Studierende gestalten aktiv den Kursinhalt mit und können auch die Arbeitszeiten zu großen Teilen selbst einteilen.

Übertragbarkeit und Langlebigkeit

Das Projekt läuft seit 2023

Das Lehrprojekt soll als Bestandteil des Masterprogramms langfristig beibehalten werden. Zudem soll das Lehrprojekt basierend auf Feedback von Studierenden, sowie aufgrund von Entwicklungen in relevanten Forschungsgebieten, laufend weiterentwickelt werden. Das Konzept lässt sich gut auf andere MSc Lehrveranstaltungen (<20 Studierende) übertragen.  

Institutionelle Unterstützung

Das Projekt wird tutoriell unterstützt. Zudem konnte die Lehrperson das Projekt an der Veranstaltung „Lehre inspiriert“ im November 2024 mit einem gemischten Publikum aus Studierenden und Lehrenden diskutieren.

Als tenure-track Assistenzprofessor lässt die Lehrperson alle Lehrveranstaltungen von Studierenden evaluieren – durch die Besondere Einrichtung für Qualitätssicherung der Universität Wien. Der Lehrperson ist das Feedback im offenen Teil des Formulars, sowie Aspekte aus gezielt durchgeführten mündlichen Feedbackrunden, besonders wichtig. Die Lehrperson reflektiert die daraus resultierenden Rückmeldungen und setzt sie in einer nächsten Iteration des Kurses um.