Zuletzt aktualisiert am 30.05.2025
Songs of Diversity
Bei dem Projekt handelt es sich um ein neues Projekt / eine wiederholte Einreichung
fotocredit_rether
V.l.n.r. Brüstle, El Mouissi, Ege, Wimmer, Black
Ars Docendi Kriterien
- Innovative Hochschuldidaktik
Gruppengröße
20-49
Anreißer (Teaser)
Ein Pianist und eine Musikologin arbeiten im Lehrprojekt „Songs of Diversity“ zusammen. Es geht um Liedgestaltung in neuen Formaten und um die Erschließung von Vokalwerken mit intersektionaler Perspektive.
Kurzzusammenfassung des Projekts
„Songs of Diversity“ ist ein neues Lehrprojekt, entstanden aus der Zusammenarbeit eines Pianisten mit einer Musikologin sowie Studierenden aus Gesang und Musikologie. Geht es einerseits um eine institutsübergreifende Erarbeitung von Liedgesang und Liedpraxis sowie eine öffentliche Vermittlung von Kunstliedern in neuen Formaten, so andererseits um die Erschließung und Reflexion des Liedrepertoires von unterrepräsentierten Komponistinnen mit einer intersektionalen Perspektive. Beim ersten Durchgang des Projekts im März/April 2024 wurde mit Florence B. Price (1887-1953) eine der bekanntesten afro-amerikanischen Komponistinnen in den Mittelpunkt gestellt. Dabei konnten einerseits soziohistorische und musikkulturelle Diskurse zu den Themen Gleichberechtigung von Frauen und Rassismus reflektiert, andererseits Vokalwerke einer Schwarzen Komponistin in der Praxis einstudiert und präsentiert werden. Einladungen von internationalen Gästen als Expert*innen mit Vorträgen und Workshops trugen dazu bei, die Inhalte theoretisch und musikpraktisch auch aus externer Perspektive zu erweitern.
Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache
“Songs of Diversity” is a new teaching project, created as collaboration of a pianist with a musicologist as well as students of singing and musicology. While on the one hand it is a matter of a cross-institutional elaboration of song singing and song practice as well as a public presentation and communication of art songs and their discourses in new formats, on the other hand it is a matter of opening up and reflecting on the song repertoire of underrepresented women composers with an intersectional perspective. The first round of the project in March/April 2024 focused on Florence B. Price (1887-1953), one of the first African-American women composers. On the one hand, socio-historical and music-cultural discourses on the topics of equal rights for women and racism have been reflected, and on the other hand, concrete vocal works by a Black composer have been rehearsed and presented in a concert. Invitations from international guests as experts with lectures and workshops helped to expand the content theoretically and musically, also from an external perspective.
Nähere Beschreibung des Projekts
SONGS OF DIVERSITY
Eine enge Kooperation zwischen künstlerischer Praxis und Wissenschaft in der Lehre sollte an einer Kunstuniversität selbstverständlich sein. Diese hängt jedoch sehr häufig von persönlichen Initiativen und einem verständnisvollen Interesse für die gegenseitigen professionellen Anliegen von Lehrenden ab. Bei der Zusammenarbeit zwischen einem Pianisten und einer Musikwissenschaftlerin im Lehrprojekt „Songs of Diversity“ ist diese Voraussetzung in idealer Weise gegeben, wobei auch besondere inhaltliche Ziele verfolgt werden. Geht es einerseits um eine institutsübergreifende Vermittlung und Erarbeitung von Liedgesang und Liedbegleitung oder Liedpraxis in neuen Formaten, so andererseits um die Erschließung und Reflexion des Liedrepertoires von Komponistinnen mit einer intersektionalen Perspektive. Letzteres wurde beim ersten Durchgang des Projekts im März/April 2024 mit der Fokussierung auf Florence B. Price (1887-1953) als eine der ersten afro-amerikanischen Komponistinnen in den Mittelpunkt gestellt.
Die grundlegenden methodischen Komponenten des Lehrprojektes sind folgende: a) Studierende aus verschiedenen Gesangsklassen sowie Klavier-Vokalbegleitung, Liedgestaltung und Musikwissenschaft beschäftigen sich mit dem Liedrepertoire der Komponistin und konzipierten gemeinsam mit den Lehrenden ein Konzert; b) Gastvortragende und -lehrende (ausgewählte Expert*innen) bieten Workshops und Vorträge aus Praxis und Wissenschaft über die Komponistin; c) öffentliche Round Table-Diskussion mit Lehrenden, Studierenden, Gästen und Publikum; d) öffentliche Präsentation von einstudierten und diskutierten Werken der Komponistin; e) mediale Begleitung, Streaming und Dissemination des Projekts.
Beim ersten Durchgang des Projekts, dessen Fortsetzung inzwischen in den Zielvereinbarungen der Universität für 2025-2027 beschlossen wurde, hat sich die konkrete Ausgestaltung (in englischer Sprache) mit der Fokussierung auf Florence B. Price wie folgt durchführen lassen:
Musikalische Praxis und historische Kontextualisierung: die ganzheitliche Auseinandersetzung mit Florence B. Prices Liedschaffen
12 Studierende aus verschiedenen Gesangsklassen sowie Liedbegleitung auf Bachelor- und Masterniveau beschäftigen sich mit dem Liedrepertoire der Komponistin und konzipierten gemeinsam mit den Lehrenden ein Konzert, dabei waren 8 Sänger*innen (Anna Gorska, Ellen Kelly, Lovro Kotnik, Nina Kreča, Lisa-Marie Lebitschnig, Camille Primeau, Marija Ticl, Leanne Tong) und 4 Pianist*innen für Klavier-Vokalbegleitung und Liedgestaltung (Stefano Chiurchiù, Saori Miyazaki, Michela Sara De Nuccio, Amelie Warner) beteiligt.
18 Studierende der Musikologie befassten sich im Rahmen einer Lehrveranstaltung zur Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts u.a. mit den Kompositionen von Florence B. Price und wurden in das Projekt eingebunden.
Die künstlerischen Studierenden arbeiteten mit ihren Gesangslehrenden, den Lehrenden des Bereichs Klavier-Vokalbegleitung und Liedgestaltung sowie Korrepetitor*innen an stimmlichen und pianistischen Aspekten wie Gesangstechnik und Klaviertechnik in den Werken von Florence C. Price. Dabei wurde durch Teamteaching eine enge, interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Lehrkräften gefördert, um eine ganzheitliche Auseinandersetzung mit den technischen und künstlerischen Anforderungen ihrer Lieder zu gewährleisten. Dies ermöglichte den Studierenden, sowohl die musikalischen Fähigkeiten als auch das tiefere Verständnis für die Inhalte der vertonten Texte und Gedichte zu entwickeln. Ihr künstlerischer Vortrag sollte dabei nicht nur auf technische Exzellenz ausgerichtet werden, sondern auch darauf, das spezifische Wesen der Lieder dem Publikum näherzubringen.
Neben der amerikanischen Aussprache wurden die Dialektformen der Schwarzen Community, die Price in einigen ihrer Lieder verwendete, analysiert und in die Erarbeitung der Darbietung integriert. Dies erfolgte nicht nur im Einzelunterricht, sondern auch in Gruppendiskussionen, die die kulturelle Sensibilität förderten und zu einer vertieften Auseinandersetzung mit der Frage führten, ob es für weiße Sänger*innen legitim ist, Lieder in einem Dialekt zu singen, der ganz eng mit der Geschichte der Schwarzen Community verbunden ist – eine Diskussion, die zu einem tieferen Verständnis der kulturellen Sensibilität und der Verantwortung in der Interpretation führte. Diese Diskussionen wurden durch Kooperationen mit Expert*innen aus der Musikwissenschaft vertieft, wobei den Studierenden ermöglicht wurde, die sozialen und historischen Dimensionen der Musik aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Zudem standen soziohistorische Kontexte von Rassismus und Frauenrechten sowie davon ausgehend bis in die Gegenwart reichende Ereignisse und Diskurse im Zentrum der Auseinandersetzungen. Hierbei wurde problemorientiertes Lernen eingesetzt, um den Studierenden ein tiefes, eigenständiges Verständnis für die politischen und sozialen Umstände zu ermöglichen, die Florence B. Prices Werke prägten. Durch das Einbeziehen von fallbasierten Diskussionen konnten die Studierenden ihr Wissen aus der Musikgeschichte mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen verbinden.
Die rhythmische Struktur von Prices Musik, die oft Elemente afroamerikanischer Tanztraditionen sowie metrische Aspekte aus Gospels und Spirituals enthält, wurde durch praktisches Üben und die Einbeziehung von rhythmischen Improvisationen erarbeitet. Diese methodische Herangehensweise ermöglichte es den Studierenden, nicht nur technische Fertigkeiten zu erlangen, sondern auch ein Gefühl für die kulturellen Wurzeln und die Ausdruckskraft dieser musikalischen Ausdrucksformen zu entwickeln. Ein weiterer zentraler Aspekt der Arbeit war demnach auch die Auseinandersetzung mit den Traditionen des African-American Spirituals, die in vielen von Prices Liedern eine bedeutende Rolle spielen. Hierbei wurde durch musikalische Analyse und emotionale Einstimmung ein tieferes Verständnis für die spirituelle Bedeutung dieser Musik vermittelt. Die Studierenden konnten erlernen, wie die emotionale Tiefe dieser Tradition sowohl vokal und instrumental als auch interpretatorisch den einzelnen Liedern entsprechend individuell zu vermitteln ist.
Das Zusammenspiel von Stimme und Klavier wurde dabei durch die intensive, gemeinsame Arbeit mit den Korrepetitor*innen und durch kollaboratives Üben intensiv gefördert. In diesen Übungseinheiten lernten die Studierenden, die Interaktion zwischen Gesang und Klavierpart zu vertiefen. Diese Prozesse wurden durch regelmäßige probenorientierte Feedback-Methoden unterstützt. Die probenorientierten Einheiten förderten nicht nur das technische Verständnis, sondern auch die gemeinsame kreative Entwicklung der musikalischen Umsetzung eines Werkes. Die Studierenden wurden in die Lage versetzt, bei der Realisierung der ausgewählten Vokalstücke nicht nur technisch zu brillieren, sondern auch die historischen und sozialen Dimensionen von Prices Werk zu erfassen und in ihrer individuellen Interpretation widerzuspiegeln.
Es folgt eine kurze Zusammenfassung der Lehr- und Lernmethoden:
- Teamteaching: Förderung einer interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Lehrkräften, um eine ganzheitliche Auseinandersetzung mit den technischen und künstlerischen Anforderungen zu gewährleisten.
- Einzelunterricht: Individuelle Betreuung und gezielte Arbeit an spezifischen Aspekten der Gesangs- und Klaviertechnik und Interpretation.
- Gruppendiskussionen: Förderung der kulturellen Sensibilität und der Auseinandersetzung mit komplexen Themen wie der Frage nach der kulturellen Verantwortung beim Singen von Dialekten und allgemein beim Musizieren.
- Interdisziplinäre Kooperationen: Einbeziehung von Musikwissenschaftler*innen, um eine umfassendere Perspektive auf die sozialen und historischen Dimensionen von Prices Musik zu ermöglichen.
- Problemorientiertes Lernen: Eigenständige Auseinandersetzung mit historischen und gesellschaftlichen Themen, die Florence B. Prices Werk beeinflussten.
- Fallbasierte Diskussionen: Verbindung von historischem Wissen mit aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen.
- Praktisches Üben und Improvisation: Erarbeitung rhythmischer Strukturen durch praxisorientierte Methoden und Improvisationen.
- Musikalische Analyse und emotionale Einstimmung: Vertieftes Verständnis der spirituellen und emotionalen Aspekte von Prices Musik.
- Kollaboratives Üben: Gemeinsames Arbeiten mit Korrepetitor*innen zur Optimierung der musikalischen Kommunikation zwischen Gesang und Klavier.
- Probenorientierte Feedback-Methoden: Förderung kreativer Entwicklung und technischer Präzision durch kontinuierliches Üben mit Feedback.
Zusammenarbeit mit Expert*innen
Samantha Ege, als Pianistin, Interpretin und promovierte Musikwissenschaftlerin eine internationale Expertin für die Musik von Florence B. Price, wurde als Gastvortragende und -lehrende eingeladen (vgl. www.samanthaege.com/). Ihre wissenschaftlichen Aufsätze, ihr Buch South Side Impresarios: How Race Women Transformed Chicago's Classical Music Scene (University of Illinois Press, 2024) und ihr Sammelband The Cambridge Companion to Florence B. Price (Cambridge University Press, im Druck) beleuchten Price im Kontext der Black Chicago Renaissance und der dynamischen Netzwerke Schwarzer Frauen in den 1920er bis 1950er Jahren in den USA. Samantha Ege hat an der Kunstuniversität Graz am 29. April 2024 einen öffentlichen Vortrag über Florence B. Price gehalten, am Round Table mit Studierenden teilgenommen und zusätzlich am 30. April einen eintägigen Workshop über die Klavierwerke von Florence B. Price für Pianist*innen angeboten, der von 3 Studierenden besucht wurde (Andrea Verzosa, Sutra Roongkrajarng und Sztella Molnár).
Ted Black, international renommierter Sänger und u.a. Experte für Lieder von Florence B. Price, wurde als Gast eingeladen, um Erfahrungen aus seiner gesangspraktischen, künstlerischen Beschäftigung mit der Komponistin zu teilen. Er hielt am 29. April ebenfalls einen Vortrag über die Lieder von Florence B. Price und nahm am öffentlichen Round Table mit Studierenden teil.
Öffentliche Veranstaltung, Einbezug des Publikums
Am 29. April 2024 fanden öffentliche Vorträge und eine Round Table-Diskussion mit Lehrenden aus Musikpraxis und -wissenschaft (Jennifer Ronyak, Sascha El Mouissi, Christa Brüstle), Studierenden (Camille Primeau, Lovro Kotnik), Gästen (Samantha Ege, Ted Black) unter Einbezug des Publikums im repräsentativen Florentinersaal der Kunstuniversität statt.
Am Abend des 29. April 2024 wurden in einer öffentlichen Präsentation die einstudierten und diskutierten Werke der Komponistin Florence B. Price vorgestellt; der Abend wurde durch einen Empfang für alle Beteiligten und Publikum abgerundet.
Akzeptanz und Resonanz
Feedbacks
Studierende
Anna Gorskà: Ich bin so glücklich, im April 2024 Teil des Florence Price Symposiums an der KUG gewesen zu sein. Es war nicht nur eine großartige und lohnende Erfahrung, sondern auch die, die meine große Liebe für das Werk dieser Komponistin entfachte. Die Vorbereitung dieser wenigen Lieder für das Symposium öffnete mir die Tür zu Musikliteratur, die ich noch nie gekannt hatte. Florence Price ist eine unglaublich inspirierende Persönlichkeit, die mehr Anerkennung verdient, und ich bin froh, dass ich Teil eines Projekts zur Verbreitung ihrer Musik sein konnte. Was ich besonders bewegend finde, ist, wie Price‘ Kompositionen verschiedene Genres vermischen und auf die afroamerikanische Kulturgeschichte zurückgreifen. Elemente wie Volksmelodien, Spirituals und Plantagenlieder erinnern nicht nur an das reiche Erbe der afroamerikanischen Erfahrung, sondern bieten auch eine starke emotionale Resonanz, die die Zuhörer auf einer tiefen Ebene berührt.
Lisa-Marie Lebitschnig: Die Auseinandersetzung mit Florence Price und ihrem Liedschaffen hat mich tief berührt und künstlerisch bereichert. Der farbenreiche Ausdruck in ihren Kompositionen reicht von humorvoll bis tief emotional. Sowohl ihre Lebensgeschichte als auch ihre Musik verdienen es gehört zu werden.
Pianist*innen für Klavier-Vokalbegleitung und Liedgestaltung (Stefano Chiurchiù, Michela Sara De Nuccio, Amelie Warner)
Stefano Chiurchiù: Die Teilnahme am Symposium über Florence Price war eine inspirierende und bereichernde Erfahrung. Ich bin dankbar, die Werke einer Komponistin kennengelernt zu haben, die mir zuvor unbekannt war und deren Schaffen definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient. Besonders interessant war es, ihre erstaunliche Fähigkeit zu entdecken, in ihrem persönlichen Stil verschiedene Musikgenres – vom Gospel bis zum Kunstlied – zu verbinden und so in ihrer Musik den „Melting Pot“ der amerikanischen Gesellschaft auszudrücken.
Michela Sara De Nuccio: Die Musik von Florence Beatrice Price zu entdecken war eine Möglichkeit, eine unerschöpfliche Quelle von neuen Stilen, eine Reise durch verschiedene Genres und Klangfarben, eine Konzentration afroamerikanischer Rhythmen und Melodien der neuen Welt zu begegnen. Dank des Symposiums an der KUG und dank der Arbeit von Professor El Mouissi konnte ich in die Ästhetik ihrer Lieder eintauchen und die Sprache dieser einzigartigen Komponistin kennenlernen. Ihre Werke haben mich dazu inspiriert, mich noch intensiver mit ihrer Musik zu beschäftigen.
Amelie Warner: Ich bin dankbar, dass ich als Pianistin an dem Projekt von Sascha El Mouissi teilnehmen durfte. Florence Price war mir vorher nicht bekannt und ich empfinde es als höchst wertvoll, dass einer derart faszinierenden Frau und Künstlerin innerhalb der KUG die Aufmerksamkeit zuteilwird, die ihr gebührt. Ihre Lieder in verschiedenen Stilen sind sehr interessant und ich werde sie definitiv in mein aktives Konzertrepertoire aufnehmen und wieder aufführen. Auch die inhaltliche Einordnung von Price‘ Person im Rahmen von Podiumsdiskussionen und Impulsvorträgen empfand ich als inspirierend und bereichernd. Der einzige Kritikpunkt, den ich anzubringen habe, betrifft das teilweise sehr hohe Englischniveau, in dem die Vorträge abgehalten wurden. Obwohl meine Englischkenntnisse ziemlich gut sind, fiel es mir teilweise schwer, den Inhalten exakt zu folgen.
Lehrende (Professorinnen Gesang)
Gan-Ya Ben-gur Akselrod: The Florence Price Lied Symposium, led by Sascha El Mouissi and Christa Brüstle, was an inspiring and well-structured event that highlighted important perspectives on song, history, and diversity in music. Florence Price was the first African American woman to have a symphony performed by a major orchestra, yet her art songs remain underperformed—especially in Austria. This symposium provided an important platform for engaging with her music, fostering awareness and appreciation of her contributions to the Lied repertoire. The combination of academic discussion, live performance, and community engagement made for an enriching experience—one that should definitely be repeated!
Mardi Byers: Das F.B. Price Symposium, geleitet von Christa Brüstle und Sascha El Mouissi, war eines der eindrucksvollsten, die ich an der KUG erlebt habe! Die Zusammenarbeit zwischen Frau Brüstle und Herrn El Mouissi war inspirierend - geprägt von fachlicher Exzellenz, gegenseitiger Wertschätzung und einer spürbaren Leidenschaft für die Musik. Es war nicht nur eine wunderbare Gelegenheit, die Musik von F.B. Price kennenzulernen, sondern auch mitzuerleben, wie die Studierenden sie mit Leben erfüllten - durch ihr Spiel und ihren Gesang. Ich hätte mir gewünscht, dass es noch zwei weitere Tage dauert.
Nutzen und Mehrwert
Im Rahmen der Tätigkeiten an einer Universität sollte das Hinterfragen etablierter Normen und Perspektiven ein zentraler Bestandteil des Lern- und Lehrprozesses sein. Genau dieses kritische Hinterfragen ist auch Bestandteil von Songs of Diversity. Am Beispiel von Florence B. Price wurde deutlich, welche Ausschlussmechanismen im Kanon der westlichen Musikgeschichte nachwirken. Die Auseinandersetzung mit Price und ihrem Werk verdeutlichte beispielhaft, wie selektiv und oft einseitig Musikgeschichte erzählt wird. Die Beschäftigung mit bislang unterrepräsentierten Komponist*innen ist daher nicht nur eine Frage der künstlerischen Qualität, sondern auch ein Aufruf, die Vielzahl der Stimmen, die in der Vergangenheit unterdrückt oder übersehen wurden, vermehrt in den Mittelpunkt zu stellen. Gerade in der heutigen Zeit, in der Rechtspopulismus und -extremismus wieder auf dem Vormarsch sind, ist es unerlässlich, die historischen Exklusionsprozesse und ihre Folgen nicht fortzuschreiben. Das Projekt eröffnet diese bewusstseinsbildende Zusammenarbeit von Lehrenden und Studierenden in einer idealen Weise.
Songs of Diversity ist im Moment ein singuläres zukunftweisendes Projekt, das in den Jahren 2025-2027 an der Universität fortgesetzt wird. Dabei wird vor allem die Durchlässigkeit von Gesangklassen und Klavierklassen und die fachübergreifende Zusammenarbeit und Kommunikation mit Studierenden und Lehrenden der Musikologie neue Perspektiven der Verständigung zwischen Musikpraxis und Musikwissenschaft sowie der Erweiterung etwa in Richtung Musikpädagogik und -vermittlung eröffnen. Darüber hinaus wird mit Songs of Diversity die Vielfalt der Menschen im Publikum adressiert, die v.a. Geschlecht, Herkunft oder Sprache betrifft. So werden im Sommer 2025 Werke von slowenischen Komponistinnen im Mittelpunkt stehen, mit denen auf die regionale Vielfalt, Nachbarschaft und Sprachvermittlung in Graz und in der Steiermark eingegangen wird. Mit der Reihe Songs of Diversity geht es nicht nur darum, bestehende Konzepte von Kunst, Wissenschaft und Kultur zu erweitern, sondern auch darum, eine tiefere Reflexion darüber anzuregen, welche Stimmen gehört werden und welche (systematisch) ignoriert werden.
Übertragbarkeit und Langlebigkeit
Das Projekt läuft seit 2024
Da die Reihe "Songs of Diversity" fortgesetzt wird, bildet sie ein hervorragendes praktisches Beispiel für die Kooperation zwischen Musikpraxis und -wissenschaft. Dieses Beispiel kann auf alle Bereiche der Musikpraxis (Instrumental und Gesang, Klassik, Jazz, Volksmusik, zeitgenössische Musik) und Musikwissenschaft (Historische Musikforschung, Ethnomusikologie, Jazz- und Popmusikforschung) übertragen und durch die Integration von Musikpädagogik und Musikvermittlung erweitert werden. Denkbar ist eine zeitliche Ausdehnung des Projekts im Sinne einer Projektwoche, in der mehrere Workshops mit Expert*innen und Interaktionen mit dem Publikum (auch mit spezifischen Interessengruppen, z.B. mit Schulklassen, behinderten Menschen, älteren Menschen) angeboten werden. Dabei können Teile des Projekts auch in externe Räume (u.a. Schulen, Altersheime, Betreuungseinrichtungen) verlagert werden. Die Kunstuniversität Graz bietet durch ihr breites Studienangebot, durch ihre hervorragende Infrastruktur und Vernetzung in der Stadt Graz eine ideale Basis für solche Ausdehnungen des Projekts. Bestehende Angebote für Menschen mit spezifischen Interessen können darüber hinaus ebenfalls erweitert werden.
Institutionelle Unterstützung
Das Projekt „Songs of Diversity“ wurde zunächst aus den allgemeinen Budgets von zwei Instituten der Kunstuniversität Graz bestritten (Institut 7, ZfGD). Zudem konnte für den ersten Durchgang eine inhaltlich begründete Unterstützung durch die US Amerikanische Botschaft eingeworben werden. Es wurde kein zusätzliches Personal für das Projekt beschäftigt. Organisatorische Unterstützung wurde auch durch Studentische Mitarbeiter*innen aus dem Institut 14 für Musikästhetik geleistet, das Institut 2 Klavier stellte einen Raum für den Workshop zur Verfügung und aus dem Institut 12 Oberschützen kamen ebenfalls Teilnehmende am Workshop von Samantha Ege. Das Projekt wurde zudem vom Forschungsservice und von der Abt. Öffentlichkeitsarbeit der Kunstuniversität Graz beraten und bei der Pressearbeit und Bewerbung des Projekts unterstützt.