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Zuletzt aktualisiert am 30.05.2025

Performance Practice in Pop Music by Means of Recording (Video/Audio)

Bei dem Projekt handelt es sich um ein neues Projekt / eine wiederholte Einreichung

Ars Docendi Kriterien

  • Digitale Transformation und Künstliche Intelligenz
  • Innovative Hochschuldidaktik
  • Studierenden- und Kompetenzorientierung
  • Partizipation und Mitgestaltung

Gruppengröße

< 20

Anreißer (Teaser)

Eine Möglichkeit gemeinsamen Musizierens während des COVID-19-Lockdowns mit Hilfe digitaler Medien führt zur Erschließung neuer Wege in der Präsenzlehre: Vom Arrangement zum professionellen Musikvideo im Jazz- und Popensemble-Unterricht.

Kurzzusammenfassung des Projekts

Aufgrund des COVID-19-Lockdowns 2020 wurden die Lernergebnisse des Jazz- und Pop-Ensembleunterrichts im Lehramtsstudium an der KUG in Form von Multi-screen-Videos in den Distance-learning-Modus umstrukturiert, wodurch eine Form gemeinsamen Musizierens mit Hilfe digitaler Mittel erhalten und gewährleistet werden konnte. Nach Wiederholung des Projekts im Distance-Modus (ein Jahr später) sowie Transfer in das Berufsfeld Schule, wurde die Idee im Studienjahr 2023/2024 erneut aufgegriffen und für die Präsenzlehre adaptiert. Es entstanden zwei weitere, professionelle Musikvideos, wobei die Studierenden in den gesamten musikalischen (Arrangement, vokale und instrumentale Performance) sowie Produktionsprozess (Audio und Videoaufzeichnung) eingebunden waren.

Evergreen – Yebba (published/produced 2024, Präsenz-Modus)

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

Since the COVID lockdown in 2020, jazz/pop ensemble lessons in the framework of the music teacher training programme at KUG were restructured by producing multi-screen videos in distance learning, enabling thus a form of joint music-making with the help of digital means. After repeating the project at the university and transferring it to school, the idea was reintroduced and adapted to the presence mode. Subsequently, two further professional music videos were produced, whereas students are involved in the whole musical and production process.

Nähere Beschreibung des Projekts

Performance Practice in Pop Music by Means of Recording (Video/Audio)

Mit dem im März 2020 verordneten Corona-Lockdown brach plötzlich das gemeinschaftliche Live-Musizieren in Ensembles in sich zusammen und es mussten rasch neue methodische Wege gefunden werden, um die bisherigen (und neue) Lernergebnisse auch unter den geänderten Bedingungen gewährleisten zu können. Aus dieser völlig neuen Situation wurde die Idee entwickelt, die Lernziele der Lehrveranstaltung Jazz- und Popensemble, nunmehr abgehalten im distance-learning-Modus, in der Produktion von YouTube-Videos zu bündeln und zu veröffentlichen.

Studierende des Lehramtsstudiums (Sekundarstufe Allgemeinbildung) erhielten den Auftrag, im Kollektiv und im neu aufgetauchten „home office“ ein Arrangement des Songs »Somebody To Love« der britischen Rockband Queen zu erarbeiten, sowie einen (vokalen oder instrumentalen) Audiotrack und ein Smartphone-Video ihrer Performance zu erstellen. Zunächst wurden dafür die technischen Möglichkeiten ausgelotet, die heute in den meisten Privathaushalten ohnehin vorhanden sind, wobei insbesondere das Smartphone eine zentrale Rolle spielte. Aus dem von den Studierenden übermittelten Audio- und Videomaterial erstellte der Lehrveranstaltungsleiter, Mag. Max Stadler, einen professionellen Audio-Mix und veröffentlichte das zugehörige Video. Das hohe Maß an studentischer Aktivierung, Selbsttätigkeit und Motivation wurde Monate später dazu genutzt, um zwei Videos in ähnlicher Weise mit den nachkommenden Studierenden in zwei neuen Ensembles zu erarbeiten und damit in die Öffentlichkeit zu treten.

Da der Lektor zugleich auch Lehrender an einem Gymnasium ist, konnte er das gewonnene Know-how aus dem Arbeitsprozess mit den Lehramtsstudierenden gewinnbringend in die Schulpraxis übertragen, Ergebnisse und Erkenntnisse aus der Praxis wiederum reflektieren und in die Wiederholung des Projekts an der Universität einfließen lassen. Ein Zufall, der den gegenseitigen Wissenstransfer fördert.

Darüber hinaus wurde der Mehrwert solcher medialen Produktionen neben Live-Performances im Kontext der universitären Lehrer*innenbildung erkannt und führte dazu, dass die ursprüngliche Idee auch in die Präsenzlehre implementiert werden konnte: Im Studienjahr 2023/2024 entstanden so zwei weitere Videoproduktionen, die aufgrund der technisch ausgereifteren Möglichkeiten an der Universität weitaus professioneller ausfielen.

Zusammenfassend sei festgehalten, dass die Studierenden in den gesamten Arbeitsprozess der fünf Projekte (Arrangement, musikalische Performance, Recording, Mixing, Erstellung des Videomaterials, Video-Editing) aktiv eingebunden waren. Die Studierenden erhielten dadurch die Möglichkeit, mit der technischen Seite des Ensemblealltags und dem Prozess einer professionellen Videoproduktion vertraut zu werden. Zudem dienen die Projekte nicht nur der Repräsentation der Institution, sondern ermöglichen es auch den Studierenden, an einem Diskurs der internationalen (Pop-)Kulturszene teilzunehmen. Dies steigert die Motivation der Studierenden für das Projekt, ermöglicht ihnen den Blick über die institutionellen Grenzen hinaus in die reale Welt und sensibilisiert sie für die Lebenswelt ihrer zukünftigen Schüler*innen.

Detaillierte (methodische) Beschreibung des Projektablaufs:

Die Erstellung von Musikvideos im Distanz-Modus erfordert eine fundierte Planung. Im Vergleich zur Produktion von Videos in Präsenz gilt es vorab sehr genau sowohl die privat vorhandenen Voraussetzungen zu eruieren als auch die Anforderungen zu kommunizieren. Der Mehrwert für die Studierenden ergibt sich daraus, dass sie sich mit Phänomenen befassen müssen, mit welchen sie im herkömmlichen Live- und Studio-Betrieb nicht konfrontiert werden.

Der erste Schritt ist die Auswahl eines Songs, die in Abstimmung mit den Studierenden erfolgte, und die Erstellung eines der Besetzung entsprechenden Arrangements. Danach wird ein MIDI-Übetrack/Backtrack erstellt und zum Erarbeiten bzw. Üben an die Studierenden ausgesandt. Zugleich mit einem Zeitplan werden raumakustische und technische Anforderung sowie Gegebenheiten in den privaten Haushalten, nebst ästhetischen Aspekten der Videoaufnahme, teils in gemeinsamen, teils auch individuellen Meetings (damals über Zoom) geklärt.

Bevor die Studierenden an die Arbeit gehen können, sollten schließlich sowohl Video- als auch Audio-Format der Aufnahmen standardisiert werden. Der erste Schritt ist nun die Aufnahme der einzelnen Audio-Spuren. Diese werden in eine DAW (digital audio workstation) eingefügt und bearbeitet. Der LV-Leiter hat im Distanz-Modus selbst das Mixing und das Mastering übernommen und somit ein Audio erstellt, das für die Aufnahme des Videos an die Studierenden gesendet wurde. Nach Erhalt des Bildmaterials wurde das Musikvideo vom Lektor in einer Video-Software erstellt, mit den Studierenden abgestimmt, und auf YouTube hochgeladen.

Nach dem durchschlagenden Erfolg des Pilotprojekts wurde aufgrund erneuter Verschärfungen im Herbst/Winter 2021 das Projekt auf Anregung der nachfolgenden Studierenden, also mit wechselnden Ensemblemitgliedern, in ähnlicher Form mit zwei weiteren Videos fortgeführt, wobei auf die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt zurückgegriffen werden konnte. Nachdem ab 2022 die Lehre wieder ausschließlich in Präsenz möglich war, lag der Fokus im Ensembleunterricht vermehrt auf dem Live-Betrieb. Der Mehrwert des methodischen Tools „Video-Produktionen“ blieb jedoch erhalten und wurde an die neue („alte“) Live-Situation angepasst. Neben dem Band-Ensemble formierte sich diesmal auch ein (Pop-)Vokalensemble, wodurch zwei Produktionen mit durchaus unterschiedlichen Herausforderungen und Anforderungen entstanden:

Das Band-Projekt begann mit der gemeinsamen Auswahl eines Songs und der Erstellung eines Arrangements: Nach gemeinsamer Erarbeitung in der Lehrveranstaltung wurde eine Band-Aufnahme-Session ausgeführt. Dabei wurden in zwei Räumen (Drums in einem eigenen, kleineren Studio-Raum) Piano, Gitarre, Bass und Drumset aufgenommen. Gitarre, Bass und Keyboard wurden zu einem Backtrack bzw. einem Klicktrack aufgenommen. Nach mehreren Takes wurden Audio-Spuren gemeinsam mit den Studierenden ausgewählt und editiert. Der folgende Mixing-Prozess fand im hauseigenen Tonstudio in der Lehrveranstaltung „Studioensemble“ (Manfred Rechberger) statt, in welcher die Studierenden selbst unter Anleitung des LV-Leiters einen Mix erstellten. Dieser fertige Mix wurde für die Aufnahmesession mit den Sängerinnen verwendet, die jeweils einzeln im Dual-Track-Verfahren aufgenommen wurden. Nach Fertigstellung des Mixes wurde schließlich in einem professionellen Studio (extern) gemastert.

Der Videodreh fand im Zuge einer Live-Performance an der Universität statt. Die Zuseher*innen (Studierende und externe Personen) fungierten dabei als Statist*innen für das Musikvideo. In vier Takes zu einem Playback wurde Videomaterial gesammelt, das später vom zuständigen studentischen Mitarbeiter geschnitten wurde. Dabei sind drei stationäre, eine mobile und zwei “Action”-Kameras verwendet worden. Für den Dreh wurden sowohl die technischen als auch die personellen Ressourcen des Hauses vollumfänglich genutzt.

Der Prozess der Erstellung des A-cappella-Videos verlief ähnlich. Im Wesentlichen unterscheiden sich v. a. der Aufnahmeprozess und die Videoproduktion. Das für diese Produktion verwendete Arrangement wurde von dem britischen Vokal-Arrangeur James Rose zur Verfügung gestellt. Der Aufnahmeprozess fand im Multitracking-Verfahren statt. Dies ist für die Studierenden v. a. eine künstlerische Herausforderung und erfordert sehr gute Vorbereitung, da jede*r Sänger*in die eigene Gesangsstimme alleine im Tonstudio einsingen muss. Auch hier fand der Mixing-Prozess in der LV „Studioensemble“ statt und das Mastering wurde im professionellen Tonstudio gemacht. Durch das Format der Videoproduktion (Zusammenschnitt von Einzelvideos) wurden die Studierenden auch hinsichtlich ihrer darstellerischen Fähigkeiten gefordert. Den Video-Schnitt nahm der LV-Leiter des Jazz- und Popensembles selbst vor.

Für die Produktionen der Videos im Distanz-Modus wurde vorrangig das Smartphone sowohl für die Audio- (unter Abschaltung des Kompressors) als auch die Video-Produktion verwendet. Dieses bietet eine niederschwellige Möglichkeit für alle Studierenden (und später auch deren Schüler*innen) an Produktionen solcher Art teilzunehmen. V. a. in Hinblick auf den Transfer in die Schule kann das Smartphone von sehr großem Nutzen sein. Bei Musik-Studierenden ist teilweise zu erwarten, dass zumindest rudimentäres Aufnahme-Equipment im privaten Haushalt vorhanden ist. Daneben macht eine solch professionelle Video-Produktion wahrscheinlich das Smartphone aufgrund der sehr ausgereiften Kameratechnologie erst möglich. Bei den beiden jüngeren Produktionen wurde vorrangig das an der Universität vorhandene Studio- und Film-Equipment verwendet. Die Verwendung des technischen Equipments ist per se nicht unbedingt innovativ, doch ist die Implementierung des Umgangs damit für Studierende, die als Musiker*innen an der LV Jazz- und Popensemble teilnehmen, als richtungsweisend anzusehen.

Nutzen und Mehrwert

Die zentralsten Ergebnisse der Projekte sind die auf YouTube veröffentlichten Musikvideos. Diese sind professionelle Endprodukte, die aus der Arbeit der Studierenden hervorgehen und sich in die internationale (Pop-)Kulturszene eingliedern. Dadurch nehmen Studierende an einem internationalen Diskurs teil. Zudem sind die Videos repräsentativ für die Institution und können als Motivation für zukünftige Studierende fungieren.

Die ersten Videos, die in COVID-19-Lockdowns entstanden sind, zeigen eine sehr niederschwellige Möglichkeit, Ensembleunterricht unter außergewöhnlichen Umständen mit Hilfe einfacher Mittel, die in fast jedem Privathaushalt vorhanden sind, durchführen zu können. Neben der Arbeit an der Universität fand auch ein Transfer in die Schule statt, wo Projekte in ähnlicher Form durchgeführt wurden und die Studierenden auf ihr späteres Praxisfeld vorbereiten. Im Zuge der Musikvideoproduktionen in Präsenz wird es den Studierenden ermöglicht, neben dem Live-Betrieb auch in Form von Studioproduktionen die Rolle von Profimusiker*innen zu erleben. Zudem werden die Studierenden mit neuen, über den Live-Betrieb hinausgehenden Herausforderungen konfrontiert. Dies sind einerseits künstlerisch-musikalische Herausforderungen, da in einem Aufnahme-Setting eine beinahe makellose Performance gefragt ist, die viel Vorbereitung erfordert, andererseits sind die darstellerischen Fähigkeiten gefragt. Diese umfassen neben der Präsenz vor der Kamera u. a. z. B. das authentische Spiel zu einem Playback (während des Videodrehs). Außerdem sind die Studierenden mit den technischen Herausforderungen konfrontiert und können viel über Aufnahmetechniken, Mikrophonierung, Mixing etc. lernen, da sie vollumfänglich in den Aufnahme- und Produktionsprozess eingebunden sind. Die entstandenen Musikvideos dienen nicht nur der Repräsentation der Institution, sondern auch den Studierenden selbst als Referenz für die künstlerische Seite ihrer beruflichen Laufbahn.

Übertragbarkeit und Langlebigkeit

Das Projekt läuft seit 2020

Das Projekt kann v. a. im Distance-learning-Modus mühelos adaptieret und übernommen werden. Dafür werden lediglich Smartphones, mit welchen Audio- und Videoaufnahme angefertigt werden, eine DAW sowie eine Videoschnitt-Software benötigt. Letztere sind ggf. als Freeware erhältlich. Das Projekt wurde bereits teilweise in den Schulalltag transferiert, was stets ein Anliegen der Institution und der Lehrenden an der Universität ist. Im Falle der aufwendigeren Produktionen, die in Präsenzlehre realisiert wurden, sind eine höhere Budgetierung und umfangreicheres Equipment vonnöten.

Institutionelle Unterstützung

V. a. die letzten beiden Videoproduktionen erfuhren eine großzügige budgetäre Unterstützung durch die Leitungsgremien der Institution. Außerdem konnte voll aus der hauseigenen Infrastruktur, was Räumlichkeiten und Equipment betrifft, geschöpft werden und auch personelle Ressourcen, z. B. für den Videodreh und -schnitt zum Musikvideo »Want Me Back«, wurde zur Verfügung gestellt. Das Rektorat der KUG, zu dem sich die Qualität der Videoproduktionen durchgesprochen hatte, entsandte erstmals eine aktuelle Formation der LV Jazz- und Popensemble des Lehramts, bei „Take 9“, einer Veranstaltung der 9 österreichischen Universitäten und Privatuniversitäten im Kunstbereich ein, als Vertreter*innen der KUG aufzutreten und zu präsentieren, welch künstlerische Qualität im Lehramtsstudium erreicht werden kann.