Kollaborative Wissensvermittlung – Lehrqualität durch gemeinsame Perspektive von Universität und AbsolventInnen

Umgesetztes Projekt

Ziele

Trotz eines großen universitären Angebots organisatorischer Informationen an Studierende, ließ sich, besonders im Bereich des 3. und klinischen Studienabschnittes von Humanmedizin der Medizinischen Universität Wien, ein deutlicher Anstieg von organisatorischen Anfragen der Studierenden hierzu in den letzten Jahren verzeichnen. Gerade vor der Absolvierung der klinischer Praktika suchen Studierende nicht nur nach Informationen zu den organisatorischen Rahmenbedingungen, sondern auch nach hilfreichen Einstiegshilfen in den klinischen Alltag, die sich bei ihren VorgängerInnen bewährt und etabliert haben.

 

Durch diesen Bedarf an Erfahrungsberichten von Medizinstudierenden entstanden in den letzten Jahren unterschiedliche Informationsmaterialien von Kommilitonen, die jedoch oft in Widerspruch zueinander und zu dem offiziellen Informationsangebot stehen.

 

Das Ziel des hier präsentierten Lehrkonzeptes ist es, durch die Zusammenarbeit der Lehrbeauftragten der Universität und Studierender, bzw. rezenter AbsolventInnen des entsprechenden Curriculum-Elements, zum einen offizielle Informationen, Vorgaben und Wissen zu vermitteln; und zum anderen den Studierenden im Sinne von Street Credibility durch realistische und authentische Erfahrungsberichte unter die Arme greifen zu können.

Kurzzusammenfassung

Durch innovative Zusammenarbeit zwischen Lehrenden der Universität und Studierenden, bzw. rezenten AbsolventInnen kann aus gemeinsamer Perspektive ziel- und lösungsorientiert Wissen vermittelt werden. Moderne Lehre adressiert die tatsächlichen Herausforderungen des zu vermittelnden Studiums, während sie die Ziele und Perspektiven der Universität wahrt. Dadurch kann sie den Studierenden auf Augenhöhe einen Weg bereiten, Kenntnisse, Fertigkeiten und Haltungen zu erwerben. Um dies zu erreichen, wurde folgendes Konzept erarbeitet und an dem Pilotprojekt der Informationsvideos für den dritten Studienabschnitt validiert.In einer kooperativen Arbeitsgruppe zwischen Mitgliedern der Curriculumdirektion Humanmedizin, des Curriculum-Managements, des Teaching Centers der MedUni Wien und Studierenden bzw. jungen AbsolventInnen wurden gemeinsam curriculare Inhalte ausgewählt und mit speziellem Fokus auf Erhöhung der Street-Credibility aufbereitet. Hierbei wurde besonderes Augenmerk auf die strukturierte Vermittlung relevanter Inhalte gelegt, welche von einem Qualitätssicherungsprozess begleitet wurden. Nach diesen Vorgaben wurden zwei Videoprojekte als Pilotprojekte durchgeführt, in welchen die neuen Herausforderungen an Studierende im dritten, klinisch orientierten, Studienabschnitt erläutert wurden. Anhand dieser Projekte können wir demonstrieren, dass der kollaborative Zugang der Universität mit Studierenden zielorientiert und qualitätsgesichert die Wissensvermittlung optimieren kann.

Summary

Due to an innovative collaboration between university lecturers and students, or recent graduates, knowledge can be imparted from a joint perspective in a goal- and solution-oriented manner.

 

Modern teaching addresses the actual challenges of the studied course while maintaining the goals and perspectives of the university. This enables students a new way to acquire knowledge, skills and attitudes. To achieve this goal, the following concept was implemented and validated on a pilot project: Two informational videos for students in the third study section of human medicine have been produced according to the new method.

 

In a cooperative working group between members of the Curriculum Directorate, the Curriculum Management, the Teaching Center of the Medical University of Vienna and students or young graduates, curricular content was selected and edited specifically for increasing street credibility. Particular attention was paid to the structured communication of relevant content. This was accompanied by a quality assurance process. According to these specifications, two video projects were carried out as pilot projects, in which the new challenges for students in their third, clinically oriented, study section were explained.

Nähere Beschreibung

Einleitung:

Durch die innovative Kollaboration zwischen universitären Einrichtungen und studentischer Perspektiven kann die Wissensvermittlung zielorientiert und qualitätsgesichert optimiert werden.

Moderne Lehre präferiert einen integrativen Einsatz von Studierenden gegenüber einem streng hierarchischen Modell. Sie adressiert die tatsächlichen Herausforderungen des zu vermittelnden Studiums, während sie die Ziele und Perspektiven der Universität wahrt. Dadurch kann sie den Studierenden auf Augenhöhe einen Weg bereiten, Kenntnisse, Fertigkeiten und Haltungen zu erwerben.

Um dies zu erreichen, wurde folgendes Konzept erarbeitet und die Methodik am Pilotprojekt der Informationsvideos für den 3. Studienabschnitt der Humanmedizin validiert.

 

Methode:

In einer kooperativen Arbeitsgruppe zwischen Curriculumdirektion, Curriculum-Management, Teaching Center und Studierenden bzw. jungen AbsolventInnen werden gemeinsam curriculare Inhalte ausgewählt und mit speziellem Fokus auf Erhöhung der Street-Credibility aufbereitet. Hierbei wird besonderes Augenmerk auf die strukturierte Vermittlung relevanter Inhalte gelegt.

Bei der Aufteilung verschiedener Bereiche setzt dieses Konzept auf folgende vier Teilgebiete, welche durch universitäre oder studentische Personen umgesetzt werden:

 

Lehrorganisation:

- Auftraggebung: Universität

- Koordination: Universität

- Durchführung: Studierende bzw. junge AbsolventInnen

- Evaluierung: Universität & Studierende

 

Longitudinale Qualitätssicherung:

Die Universität setzt grundsätzliche Rahmenbedingungen wie Form, Zeitraum, Umfang, beteiligte Personen, Ziele und Zielpublikum. Es wird klar kommuniziert, welche offiziellen Informationen in den zu erarbeitenden Lehrmedien enthalten sein müssen. Im Bereich der Modalität der Wissensvermittlung wird ein Rahmen gesetzt, dem ausführenden Team jedoch kreativer Freiraum gelassen. Die Arbeitsgruppe erarbeitet ein Manuskript, welches zunächst intern mehrere Revisionszyklen durchläuft, ehe es in einem Round Table Meeting gemeinsam mit allen an der Inhaltserstellung beteiligten Personen (Auftraggeber, KoordinatorInnen, Studierende etc.) auf inhaltliche Korrektheit, allgemeine Gültigkeit und nachhaltige Informationsvermittlung geprüft wird.

Nach der Genehmigung der Durchführung seitens Universität stehen während der Durchführung die KoordinatorInnen in regelmäßigem Kontakt mit dem studentischen Ausführungs-Team und können so den Fortschritt des Projekts sicherstellen und die Entwicklung gemäß den Zielen der Universität leiten. Nach Abschluss der Durchführung werden die erstellten Lehrmedien abschließend erneut von KoordinatorInnen und AuftraggeberInnen vidiert. Insbesondere werden die Inhalte auf die Haltungen und Werte der Universität geprüft.

Nach der Fertigstellung erfolgt die Publikation und laufende Evaluation der erstellten Lehrmedien.

 

Umsetzung:

Zur Validierung des Konzeptes wurden zwei Videoprojekte durchgeführt, in welchen die neuen Herausforderungen an Studierende im dritten, klinisch orientierten, Studienabschnitt erläutert wurden. Dieser Abschnitt ist geprägt vom klinischen Praktikum, beinhaltet einige inhaltliche und organisatorische Neuerungen und bereitet Studierende durch direkten Kontakt mit PatientInnen intensiv auf die berufliche Tätigkeit vor. Die Videoprojekte adressieren die umfangreichen Aufgaben und Herausforderungen der Studierenden in diesem Studienabschnitt. Die Videos sind in Kapitel strukturiert und können zu einem selbstgewählten Zeitpunkt im Remote-Access aufgerufen werden.

 

Inhalte der Informationsvideos:

Informationsfilm 5. Studienjahr:

Teil 1: Ablauf und Übersicht

Teil 2: Struktur und Ablauf

Teil 3: Logbuch und Praktikum

Teil 4: Abschließende Tipps

studyguide.meduniwien.ac.at/curriculum/n202-2019/

semester-5-studienjahr

 

Informationsfilm 6. Studienjahr:

Teil 1: Einführung und Rechtliches

Teil 2: Ablauf und Organisation

Teil 3: Klinisches Praktikum

Teil 4: KPJ Mappe

Teil 5: Return-Week und Einstieg ins KPJ

kpj.meduniwien.ac.at/schnellinfo/start-ins-kpj

 

Das Lehrkonzept ist optimal geeignet, um für derzeitigen state-of-the-art didaktischen Methoden wie blended learning, e-Learning, Hybrid Education, joint teaching, etc. appliziert zu werden. Damit unterstützt es die zielorientierte Modernisierung und Curriculare Weiterentwicklung der Hochschuldidaktik.

 

Conclusio:

Dieses Konzept zeichnet sich durch eine außerordentliche hochschuldidaktische Innovation aus, welches anhand der ersten beiden erfolgreich durchgeführten Projekten demonstriert werden konnte.

Die duale Perspektive der Universität gemeinsam mit jungen AbsolventInnen ist eine besondere Herausforderung, welche es jedoch ermöglicht, die offiziellen Richtlinien und Haltungen der Universität mit den zentralen Anliegen der Studierenden zu vereinigen.

Durch den involvierten Qualitätssicherungsprozess wird eine Zeit- und zielorientierte Herangehensweise mit optimiertem Outcome ermöglicht.

 

Dieser kollaborative Prozess erfordert ein hohes Engagement sowohl seitens der Universität, als auch der beteiligten Studierenden, welche für diesen Prozess in Form einer Tutorentätigkeit entsprechend entlohnt werden. Die Auswahl der jungen AbsolventInnen beziehungsweise der beteiligten Studierenden geschieht anhand bisheriger didaktischer Vorerfahrungen und Qualifikationen in Form von TutorInnen-Tätigkeit, Coachings und Fortbildungen.

 

Die Implementierung und Realisierung solcher Projekte beinhaltet ebenso hohe zeitliche Ressourcen aller Beteiligten, in Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung. Der hohe Einsatz wird jedoch durch das qualitativ hochwertige und nicht zuletzt authentische und moderne Projektergebnis mit hohem Potenzial und Impact honoriert.

 

Wir demonstrieren, dass in einem kollaborativen Arbeitssetting von Universität und Studierenden Lehrmedien erstellt werden können, die aus beiden Perspektiven profitieren. Die offiziellen Inhalte der Universität können aus Sicht von jungen AbsolventInnen speziell für andere Studierende aufbereitet werden und ermöglichen durch authentische Kommunikation optimierte Wissensvermittlung.

Mehrwert

Für Studierende bietet das vorgestellte Konzept der Kollaboration eine Möglichkeit, über eine speziell maßgeschneiderte Informationsquelle offizielle Inhalte der Universität in authentischer Form angeboten zu bekommen.

Für die Lehrpersonen kann sich ein geringer Verwaltungsbedarf ergeben, da manche Inhalte, die ursprünglich in regelmäßigen Lehrveranstaltungen vermittelt wurden, zunehmend auch über weitere Kanäle für Studierende zugänglich sind. Im konkret umgesetzten Videoprojekt konnte auch die Anzahl an telefonisch oder per Mail gestellter Fragen zum dritten Studienabschnitt reduziert werden.

Die bereits produzierten Lehrvideos bieten eine umfassende Orientierungshilfe für den 3. Studienabschnitt. Viele teilweise widersprüchliche Informationen die auf unterschiedlichen offiziellen und inoffiziellen Plattformen zu finden waren, sind nun mittels Gesamtkonzept modern und authentisch aufgearbeitet und online jederzeit verfügbar. Für die Lehrenden ergibt sich ein geringerer Verwaltungsaufwand, da bisher jedes Jahr Informationsveranstaltungen zum dritten Studienabschnitt abgehalten wurden, die durch die Videos für einen längeren Zeitraum ersetzt werden können. Gleichzeitig wird die Frequenz telefonisch oder per Mail gestellter Fragen zum dritten Studienabschnitt minimiert, da sie durch die Informationsvideos beantwortet werden.

Ist das Konzept auf andere Lehrveranstaltungen bzw. Lehrsituationen übertragbar? Wird das Konzept längerfristig eingesetzt und weiterentwickelt?

Das Konzept ist universal im Bereich der Hochschuldidaktik und Qualitätssicherung einsetzbar. Es wurde an der Medizinische Universität Wien in Kooperation der Curriculumdirektion, des Curriculum-Managements, Teaching Centers und den durchführenden AbsolventInnen anhand zweier Projekte getestet, revidiert. Das Konzept wurde gestaltet um nachhaltig eingesetzt und weiterentwickelt zu werden.

Ist die Akzeptanz des Projekts gegeben? Welche Evidenzen (z.B. Evaluierungsergebnisse) gibt es hierfür?

Die beiden Pilotprojekte erfreuen sich großer Akzeptanz und äußerst positivem Feedback von Studierenden, Lehrenden und klinisch-tätigen Personen. In den einer exemplarischen Serverabfrage wurden die Videos von 6. bis 16. Jänner rund 300 Mal und von 17. bis 27. Februar rund 200 Mal aufgerufen. Angemerkt sei darüber hinaus, dass der maximale Bedarf an den Videos vor dem Beginn des neuen Studienabschnittes, daher in den Sommermonaten, liegen wird.

Aufwand

Beide Informationsfilme (in Summe 70 min) wurden in insgesamt 576 Arbeitsstunden produziert. 21% der Arbeitszeit entfielen auf die Erarbeitung des Konzeptes, Drehbuches und Arbeiten im organisatorischen Rahmen. Knapp 50% des Zeitaufwandes nahmen die Dreharbeiten am Set selbst in Anspruch. Der restliche Zeitaufwand entfiel auf Schnitt und digitale Nachbearbeitung des Filmmaterials.

Durch das bereitwillige und freiwillige Engagement zahlreicher Studierender und MitarbeiterInnen der MedUni Wien, die das Filmprojekt als StatistInnen unterstützten, konnten auch zahlreiche klinische Situationen nachgestellt und gefilmt werden und mittels Voice Over in die Filme als Symbolvideos eingearbeitet werden.

Positionierung des Lehrangebots

Diplomstudium Humanmedizin, 3. Studienabschnitt, 5.&6. Jahr

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2020 nominiert.